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Full text of "Die Welträthsel: Gemeinverständliche Studien über monistische Philosophie"

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Die 



©cmcinoer|tänötic^c StwMen 

Aber 

lllomjti|(^e pi|iIo|opI)ic 

von 



piottllDi oN »n UülMitliai Jtno. 



OoI6s>flnsga6e. 

48. tu fi7. toultnli. 



ntil einem naif)iDOTte: 

Bas (BlauBcnsbcficnntniS bei Reinen Demunfl. 

[v'lCTJR L. BERGfiiSj 
l LiSRARY. 5 



Bonn, 
Perlag Don (£mtl Sfiaug. 

1903. - „= „Google 



Vltm'l^c $onu4biiiitntl. f Ittitan StUtl t S«. l» SIInilui|. 



".oogle 



'^'^ 6Ö7228 



Oottoort 3ur etften Huflage 

(1899). 



Site Dorlieeenben @tubien ü6ei moniftif^e <ß]giIofD(>]^ie finb füt bie 

bentenben , efiilitfi bie ^Bal^tl^eit fud^enben ^eMlbeten aller ©tänbe beftimmt. ^u 

ben l^etDotraeenben SHerlmalen be£ neunzehnten ^^^i^^unbertS, an beffen @nbe mir 

^e^en, gepit baS lebenbige SSodiSt^utn be$ @tteben£ na<^ Silenntnig bei 

QäSa^rl^eit in roeiteften Steifen. ^aSfelbe edlürt fld^ einetfeits burt^ bie un= 

^gc^curen g^orifd^titte ber roirtlid^en ÜRatUT-Sttenntnif! in biefetn mertttiütbigften Slb- 

jfd^nitte ber ntenfd^Iid^en @e[d^id^te, anbeietfeits burd^ ben offenfunMgen 9Bibetfpruii^, 

_t9in ben biefelbe 3Ut flete^rten Jrabition ber „Offenbarung" gerat^en ift, unb 

'''enblit^ bnrc^ bie entffired^enbe SluSbrettung imb S!ec[tärfung beS nemünftigen föe- 

i'^bärfniffeS no(§ fflerftönbnife ber unjä^ligen neu entbeiften a;^at[ac^en, nac^ (lorcr @r- 

' Jfenntnig il&rer Urfad^en. 

iiO? a)en geroattigen gortft^ritten ber empirifd^en Äenntniffc in unferem „Qol^r' 

^^unbert ber Sftoturnjifjenfd^ttft" entf^iri^t leineßroegS eine gleiche fliämng 

il^reS t^eoretifd^en ffleij'tänbnifTeS unb Jene ^ö^cre (ErtenntniB beS taufolen 3"= 

fammen^angeS oKer einjeinen @rfd§einungen , bie mir mit einem 93orte $^iIo' 

■fopl^ie nennen. SBielnte^r fe^en roir, bafe bie obftraHc unb grÖfitent^dlS meta« 

p^^fifi^e äSifTenfd^aft, n)eld^ ouf unferen Uniueifitäten feit ^«'^■^^■»t^Bi^En al§ 

•j5„^§ilofop5ie" gelehrt roirb, roelt baoon entfernt ift, iene neu etrooibenen ©i^flge 

^bcr ©tfa^mngSiriifTenfi^aft in fid& aufjuncl^men. Unb mit gtcit^etn Sebouem miiJTert 

„Troir auf bet anberen ©eite gugefte^en, bog bie meiften SBertteter bet fogenounten 

"„ejoften Siotuiroiffenfd^aft" fic^ mit ber fpeateaen SßPegc ii^reS engeren ©ebteteS 

bet aeobad^tung unb beS Sßetfud^S Begnügen unb bie tiefere (gr(enntni6 beß ad- 

gemeinen gufommen^angeS bet beobad^teteu ©rfd^einungen — b. 5- eben $^iIo= 

fnpl&iel — für überpüffig l&olten. SÜBäl&renb biefe reinen ffimpirtler „ben ®a[b oor 

SBflumcn ntd^t feigen", Begnügen fi(§ Jene aJletap^gfHGr mit bem Bloßen Segriffe be§ 

aSalbeS, o^ne feine Säume ju feigen. S>er begriff ber „^latutpl^iiDfop^ie", 

in roeld^em ganj naturgemäß Jene beiben SBege ber iBal^rlöeitSforfi^ung, bie empirifd^e 

imb bie fpehilatioe aRet^obe, jufammenlaufen , nnrb fogar no^ §eute in meiten 

flreifen beiber EFHd^tungen mit SlBfc^eu gurüdgeniiefen. 

®iefer unnatürlidfie unb oerberblid^e ©egenfog gioifi^en Sflatunoiffenfc^ft uub 
^^Uofop^ie, gmifd^n ben (Srgebniffen ber Srfalgrung unb beS SenlenS, roirb un* 
ftceitig in roeiten geBUbeten Äreifen immer lebhafter unb fi^merafid^er cmpfunben. 
3>aS bejeugt fd^on ber mad^fenbe Umfang ber ungeheuren populären „noturpl^ilo- 
fop^ifd^" Qiteratur, bie im Saufe befi legten ^alBen ^Igil^unbertS entftanben ift. 
SoS bejieugt au^ bie erfreuli^e S:^atfa<$e, baft trog Jener gegenfeitigen Slbneigung 
t»t beoBad^tenben Stoturforfd^er unb ber benlenben ^liilofop^en bennod^ ^emDiiagenbe 

1* 



4 8on»oi(- 

OTönnet bet SSilTenfi^Qft a\xS Mben ßagem ftcEi gegcnfeitig ine ^anb jum Sunbc 
ceid^en unb oereinigt nai$ ber Söfung jenei ^öc^ften älufgo&e tier O^orfi^ung ftieben, 
b\e mix hita mit einem SBotte als „bte SEBelttätl^fel" bejcii^nen. 

IDie llntetfui^ungen über btefe „SSelträl^fel", iDeI(f|e iii^ in bei Dorliegen- 
ben ©i^rift ge6e, Hnncn uetnünftiger SBeife ntd&t beit 9lnfpru(§ cr^eBeti, eine noU- 
ftänbige SÖfung betfel&en ju bringen; oielmel^i: follen fie nur eine frittfd^e 9e- 
leui^tung betfclBen für ineitere gebilbete flreife geben unb bie {frage ju 6e- 
nntroorten fud^en, roie roeit roii uns gegenroüttig beten Söfung genähert ^aben. 
äSeld^e ©tufe in bei Srlenntnig bei SSa^r^eit l^aben mit am ®nbe 
bes neunzehnten Sfalgi^unbertS roirlüd^ erreicht? Unb meldte $ort- 
[d^ritte noc^ biefem unenblit^ entfernten S^Ie l^aben mir im ßaufc beSfelben nridlit^ 



Sie 9Intn)ort auf biefe großen {(ragen, bie i($ ^ier gebe, fann natuigemäg 
nur fubiettiB unb nui ti&eilroeife rii^tig fein; benn meine flenntnijfe bei roitt- 
lidEien inotui unb meine Semunft jur fBeuit^eilung i^reS obfettiDen SBefenS finb 
Befi^rantt, ebenfo roie bicjenigcn atlei anbeten 3Jlenf(§en. ®aS ®injige, roaS ii§ 
füi biefelben notC in Slnfprud^ ne^me , unb moS aud^ meine entfd^iebenften 
Segnet anerfennen muffen, tft, bofe meine moniftifi^e ^ß^ilofop^ie oon Stnfong bis ju 
@nbe el^tlid^ ift, b. 1^. ber DoQftänbige SluSbnnf bet Ueberjeugung, meldte id^ butdg 
Dielja^rigeS eifriges gorfi^en in ber SJtotur unb burd^ unablÖffigeS Jlladibenten über 
ben matten ®runb il^tei (Sifi^einungen etmoil&en §aEie. ^iefe natuip]^iIofDp](iif(f|e 
®eban{enar6eit erftrectt fid^ fegt Über ein ooQeS l^albeS i^a^i^unbett , unb iH) batf 
fegt, in meinem 66. QeBenSja^ie, roo^l annelgmen, bog fie teif im menfi^lid^en 
@inne ift; ic^ bin aui^ obHig geniig, ba|t biefe „leifc ^rui^t" oom 8aume bei 
ffirtenntnifi füt bie hitje Spanne beS S)ofefnS, bie mir nod^ befd^ieben ifi, feine 
bebeutenbe SSemoIIIommnung unb Feine principieUen SSerönberungen erfaßten roiib. 

SlUe roefentlii^en unb entfd^eibenben Slnfc^ouungen meiner moniftifc^en unb 
genetifd^en ^l^ilofopliie §abe i(^ fd^on nor 33 3<i^>=^ii in meiner „©enetellen 
SWorpl^ntogie bei Organismen" niebergelegt, einem roeitfc^roeifigen unb fd^roet= 
fäDig gefd^tiebenen SEßerle, meld^eS nur fe^r roenig Sefer gefunben §at. (SS war 
ber erfte SSeifud^, bie neubegrtinbete GSntroidelungSIe^re füi bos gange ©ebiet ber 
otganift^en {formen-aSiffenfc^aft burd^sufU^ren, Um roenigftenS einen S^eil ber 
neuen, barin entl^oltenen Oebanlen jur ©eltung ju bringen unb um gugleid^ einen 
roeiteren fireis oon ©ebilbeten für bie gröfeten ©rtenntnigforffd^ritte unfereS ^a^t- 
^unbettS an intereffiren, oeröffentlidite id^ jniei Qfa^ie fpütei (1868) meine „91a- 
türlid^e ©d^öpfungSgefc^id^te". ®a biefeS leichter gefc^ütjte SEBed trog feinet 
großen äJlängel in neun ftarten Auflagen unb jroölf oetf^iebenen Ueberfegungen 
erfi^ien, ^ot eS nit^t roenig jui Verbreitung ber moniftifd^en SBeltanfc^auung bei- 
getragen. SaSfelbe gilt aud^ mo^l oon ber menigei gelefenen „Slnt^topogenie", 
in roeic^er id^ (1874) bie f(£|mtetige Slufgobe ju Ibfen ceifuc^te, bie roid^tigften S^at- 
fachen bet menfi^Iti^en (SntmidelungSgefd^id^te einem grüneren ßreife oon ©ebilbeten 
äugönglid^ unb cerftänblii^ gu matten; bie oiette, umgeorbeitete Auflage berfelben 
erfi^ien 1891. Einige bebeutenbe unb befonberS roert^oolle {(ortf<^ritte , roeli^e 
neucrbingS biefer roic^gfte S^eil ber Slnt^ropologie gemocht l&at, §abe i(§ in bem 
33orttage beleuchtet, ben id^ 1898 „über unfete gegenioättigeffenntnife oomUifprung 



bcß Jülenfd^en" auf bem öierten internationalen 3oo(ogen'ffiongre6 in Sambribge 
gehalten §fl6e (fiefiente 9luflage 1899). Metten einaelne Suagen unferer moöctnen 
9lQturp^üofDl)t|ie, bie ein befonbeteS ^nteteffc bieten, ^tiBe i^ Be^anbelt in meinen 
„®cfaminelten populären SJoiträgen au§ bem @ebiete ber SntiDtdelungSle^re" 
(1878). (Snbliii ^aie ic^ bie aUgemeinj'tcn ®runbfäge meinet moniftifd^en ^ßrjilofop^te 
unb il^re Eiefonbeie SSegie^ung gu ben l^eirfc^enben Glaubenslehren futg jufammen= 
gefagt in bem „(SlaubenSbeEenntniß eincS JRotutfotri^ctS : „3)et SflontSmuS als 
Sonb aroifd&en {Religion unb ÜBiffenfd^oft" (1892, actite Sluflnge 1899). 

®te notltegenbe S<^rift übet bie „äBclttät^fel" iftbie roeitete 9Iu§fü§ning, 
S3egiiinbung unb @igänpng ber Ueberjeugungen , meldte id^ fn ben Dotftel^enb 
ongefiilörte" ©i^riften bereits ein IDlenfi^enalter ^inburd^ oettrcten ^abe. Qc^ gebenfe 
bamit meine ©tiibien ouf bem ©ebiete bet ntoniftifdfien SEBeltanf^auung abpfi^fiefien. 

^ev alte, uiele ^''^^te ^inbuic^ gehegte $[an, ein ganjeS „@^ftem bet 
moniftifd^en ^^ilofop^ie" ouf ®runb bet SSntroitfelungSlefite auSjubauen, 
roitb nii^t me^r jur SluSfli^ntng gelangen, SHeine Arflfte reid^en baju nicfit me|it 
aus, unb mandfieilei aJlo^nungen beS ^etanna^enben 9lttetS bröngen jura abfd^tuß. 
9Iu<$ bin id^ ganj unb gar ein ^nb be§ neunje^nten ^a^i^unbertS unb 
lotß mit beffen ISnbe einen Stritt unter meine Lebensarbeit mad^en. 

®ie unenne6Ii(§e SluSbel^nung, roeldfie ba§ menfi^li^e SEBiffen in ^olge fort- 
gefd^rittener SltbeitStl^eilung in unfeim ^al^r^unbett erlangt §at, lägt eS fd^on l^eute 
unmöglid^ etfd^einen, flUe Si'cige beSfelben mit gleit^er ®rünblid|!eit au umfaffen 
unb ititen inneren Sufammen^ang cin^eitlid^ barauftetten. ©elbft ein ®eniuS etften 
JHangeS, ber alle ©ebiete ber aSiffenfd^aft gteid^mäfiig be§errfd|te, unb bet bie !iinft= 
lerifi^e <Sabe i^ter einl^ettltd^en 3)atftel[ung in nollem SRage befäge, niilibe bod^ 
nid&t im ©tonbe fein, im Waurae eines mäßigen SanbeS ein umfaffenbeS oHgemeineS 
Öilb beS ganaen „fioSmoS" auSaufü^ren. Sflit felbft, beffen flenntniffe in ben 
Detf<^tebenen @ebieten fe^r ungleid^ unb (lidlen^aft ftnb, Konnte ^ier nur bie 9luf> 
gäbe aufatten, ben allgemeinen !ßlan eines folt^en SiUeltbilbeS au entrocrfen unb bie 
burd^ge|ienbe (Sinket t feiner Seile nad^a^i^^'f^" ' ^'^t f^^^ ungleid^t 9IuSfü:^rung 
bctfclben. 3)aS Dorltcgenbc Sut^ übet bie Selträt^fel trägt ba^er au^ nur ben 
(S^araltet eine« „©liaaenbud^eS", in roeld^em ©tubten »on fel&r unglcfd^em SEßert^e 
8U einem ©anjen aufammengefügt finb. ®a bie Jliebeift^rift betfelben jum Z^eM 
ft^on in früheren Sauren, jum anberen Sr^cll aber etft in bet legten 3^** erfolgte, 
ift bie ajel^anblung leiber oft ungteic^mägig; aud^ finb me^tfat^e SSieber^olungen 
ni(§t a" oermeiben gercefen; i^ bitte biefetben au entft^ulbigen, 

^^nbem ii^ hiermit non meinen ßefem mi(£| cetobfdöiebe, fpted^e i^ bie ©off- 
ramg auS, boft id^ burd^ meine el&tli^e unb gemiffen^ofte Arbeit — trog i^rer mir 
nio^l beroufeten SRänget — ein Heines ©dierflein ^m SiSfung bet „SBelträt^fel" 
beigetragen ^ahe, unb ba^ id^ im kämpfe bet SSeltanfd^uungen mand^em e^tlii^en 
unb nat§ reiner SBernunft=Erfenntnifi ringenben Öefer benjenigen Seg gejetgt l^abe, 
ber nadö meinet feften Uebetaeugung allein aur SBäa^tl^eit fä^rt, ben 9Beg ber 
empitifdfien Jflaturf otft^ung unb ber barauf gegtünbeten moniftifc^en 
^^llofopöie. 

3ena, am Cftetfonntage, 2. Slpril 1899. 



I. Ant^topologil^et tn|eit: 
Der lnen|(^. 



in 

11. pfi)(^o(ogif(^ei <C^eiI: 
Die Seele. 



@eele 



III. Kosmologif(^et tT^dl: 
Die IDelt. 

bet aBelt 94 



IV. C^coIogi((^ct C^cil: 
Dei (Eott. 



jioit . . 
mle^re ■ 



Ibetenntniü ber kleinen 3}cmuitfl. ISS 



D„.„ab,GoOglc 



(Elftes Kapitel. 
St«nunö ö«r XDeltrStlifel. 

flllgemeiites KuIhirtilÖ des neunje^nten Jal}rl}untierts. Det Kampf ticr 
lDeItanj(^auungen. ITtonismus unb Dualismus. 



3nBaIt: Staitb bn vutdAW^ ftultnt unh SÖdtanJd^uuns am S^Iiilfe bti 19. Sa^i» 
minbntS- SfortF^iittt bn 9tatui'l£c{ninhilg, bn axqani^i^m unb anoigani[d§Mi ?IatutWi|fen|c^aft 
€iifinanj'@eFib unb ßntmittrtunoä-IBtytt. 3°'^^'^'"' ^^ Xei^nil unb hn nnßetijanbten S^mie. 
€tilljlanb auf anbntn Stultm-vithMtn: Set^tSbHfgf, Staat« orbnuttg, SiuU, St'n&t. Äonflilt 
lUtUcn SBfmunft «nb aogma. Änt^topilntua. fto8tnp[i)ai|d6( iPfrlpdtiDe. Äoämologifi^e SeMfibe. 
aBibnltBuna bd anl^tapiftifttKn 6rS6eii*a^n8. 3a^I bn aStllrät^ftl. fltitit btr pebnt aildt- 
r&aHtL SStat m itjxtt SMung. X^dttabit bn einnt unb bd @ebitnä. ^ttbultion unb SlebuÜion. 
Smtuitft, Snnüt^ unb Offtnoonntg. $^ito|i>)i^ic unb ^latuiWilfentc^aft. empitic unb €tw(uIation. 
2)uaIiBniu3 unb aJlDniintul. 



SmSi^IufTe beS neunje^nten ^agi^unbertS, 
vor htm mir ftmte pe^n, bietet fltft bem benlenben 
SSeDbo^tec eineS beimerlroütbiBfien ©t^aufpiele. 
StCe Oebilbtten finb baniliec einig, bab baS* 
fette in »ie!« Se^efiunfl alle feine SBotflänfler 
unenblii^ flberflügel! unb 9(ufea6en geWft 6at, 
HMlc^e in feinem anfange uniasbai etfi^ienen. 
9Ii*t HUI bie üBertofdjenben t&eoretif*en Sott- 
f^ritte in ber wirtltiften gtatui-SiIenntnifi/ 
fonbent audj beten eiftaunlt^ ftui^tbate piat« 
tif^e Senoettbunß in Setfinit, 3nbuftrie, SSef 
t^ «. f. w. ftabtn unferem ßangen mobetnen 
Aulturlegen ein oftHig neue§ ÖteptäQe gegeben. 
Huf bet anbeten Seite ^en reit aber auf 
»i^ltgen ®tbietta beS geiftigen SebenS unb 
ber SefeUfi^aftg'Segiebungen nienige ober gat 
leine gortf^titte gegen früEiere Sobt^unbeTte 
aufjunieifen, oft fogat leibet bebenlli^e SHü* 
f^riöe. »uiS biefem offenlunbigen ftonflüte 
entfiiringt nii^t nur ein unbebagli^eä ©efüftl 
Innerer ^etriffenbeit unb Unntaiiröeit, fonbern 
aud) bie ®efa6r f(i)nietei ftataftropfien auf 
polilif^em unb focifllem ©ebiete. ßS etf^eint 
büfter nidit nur aK baS flute SRec^t, fon&etn 
oiK^ als bie fieilige ipfliifit iebeS e^rltdjen unb 
von aJIenft^enliebe befeelten Sorf^etS, na* 
bffiem (Semiffen gut fiBfung ieneS flonflilteS 
unb gm Sermeibung bei barauS entfpiingenben 
fflefaliren beijatTagen. SieS fann aber na* 
«nferet Uebergeuflunfl nur but* mutÖigeS 
Stieben na^ Srienntnig ber £&}a^rbett 
geft^e^en unb buit^ @eniinnung einer flaieni 
ffft barauf gegrünbeten. naturgemäßen 
ScIlanfd)ouuna. 



$ovtft4titte btt naturiSxftenntnif). 

SBenn mir unS ben unDoUtamtnenen 3unanb 
ber 9iatui-6r!enntni6 im Mnfang beü 19. äalir- 
bunbertS t et gegenro artigen unb ibn mit bet 
gldnjenben ©öfte an beffcn ©t^Iuffe octgleiiiien, 
fo mn6 iebem ©at^lunbigem bet Sottf^titt 
innerbalb bcSfelben etftaunlii^ gtoS etf^einen- 
3ebet eingelne äroeifl ber KatutroitTenft^oft 
baif fii^ tübmen, baß er inneibalb unfetS 
SabtSunbertä — unb befonberB in beffen jroeilet 
Öälfte — ejtenftre «nb intenfloe QSenjtnne »on 
größter Siragneite ergielt ^abe. 3n bet mttto' 
flopifi^en ßennlnig beS fileinRen, nie in bei 
leleflopif^^n (Siforfdiung beg @tQ&ten baben 
mir ie|t unfi^ätibare Sinft^len geroonnen, bie 
not biinbett 3Q6ien unbenlbot etfi^ienen- 2)te 
oetbeffetten ajietftoben bet mihoflopifiiien unb ■ 
biologifi^en Unteifui^ungen baben uns nid)t 
nut überall im Sleidje ber einjelligen Violiften 
eine ,unftd)tbare fiebenSmelt' voU unenblidien 
gfOtmen-SRei^tbumS offenbart, fonbetn au* in 
bet roingigen Iteinen Qtüt ben gemeinfamcn 
.@lemenlat'0tganigmu8' !ennen gelehrt, au3 
bellen focialen S^'^^^'^^änben , ben Oemeben, 
bei ÜÖipei allei uielieHigen ^flangen unb Xbiere 
ebenfo mie bei beS aTtenfdien gu(ammengefe^l 
i|l. 3)icfe analomifcben Senntniffe (litb »on 
fltößtct STiaflnieite; fic roetben eigängt bur* 
ben embti)oIogif<6en fRaä)maS, bafl ieber bSbere 
»ieljeUige DtganiSmuS n* au3 einer einzigen 
einladen S'Ue entn)i({elt, ber .befiu^teten @i- 
gelle'. 3)ie bebeutungSoode, bieiauf gegrünbele 
ßellentEieoiie bat uns tt\t baS raoEire 3!er> 
^lünbnig für bie pbu(llalif*en unb *emi|d)enr 



(h^t AapittL euEung bn mutai^tl 



eitn\o mit fQr bie pfqi^oloeifi^en ^toceffe beS 
fiebenB eröffnet, jene ße^eimniSooCen erf^ei- 
nunßen, fflt beren ffirlldninfl man fiüktz eine 
fiberaotüili^« .SebcnStraft' ober ein .unRerb« 
Ii*el©*elennwfen' nnnabm. Äu^ baB eiaentlit^e 
SQefen bei ftianl^tit ifl burd) bie bamit otv 
Infipfte SeauIar-^otlioIiiQie bem %i:)te crß tlai 
unb MiftAnblid) eemarben. 

SKi^t minbet onvaltia flnb abex bte Cnl' 
bcdunaen beS 19. ga^^unbertS tffl %ter«i(I|e bet 
anorganif^cn Statut. 3)ic $i6qfil W in oSen 
X^eilen i^ceS ©ebielS, in bei OpHI unb ÜIufKI, 
in bcT S^e »Dm SnognctiSmuS unb bei Siel- 
tricitdt, in ber ÜRedianit unb Si&xmt\tint bie 
etftannlidöften 5ortfd)ritte flemai^t; unb, mo8 
mi^tifler ift, fie bat bte din&eit ber Sßatur. 
[täfte im flanjen Unioeifunt nat^geniiefen. 
S)ie meiiiamfiie aßärme-Ifieorie &at fleaeigt, 
nie eng biefelben aufamen^ängen, unb nie lebe 
unter beftimmten Sebtnsungen fld) biielt in 
bie anbere Derroanbeln tann. 3)ie ©peüial- 
Knolqre ^at unS eel^, ba^ biefelben Stoffe, 
nieli^e unfeien SibtftTpec unb feine lebenbigen 
Seroo^ner )ufammenfe|en, auä bie SRaffe ber 
übrigen Planeten, ber Sonne unb ber entfern- 
leßen $i]c^eme jufammenfe^. 2)ie ttfhop^q^f 
Iiat unfere SBeltanft^auung im grogartig^en 
Stlalßabe emeitert, inbem He unB im unenb. 
li^en ffielttaum SDIiKionen Don Ireifenben SBelU 
tbipem na^geniiefen ^at, gra|ei oI3 unfereSrbr, 
unb gleid) biefei in beftSnbtger Umbilbung be> 
griffen, in einem eraioen 3ße(^fel Don ,:^erben 
unb Seigeren'- Sie 6bemie bat unS mit einer 
äHaffe von neuen, früher unBetannlen Stoffen 
betannt gemaifit, bie aUe auB liSerbinbunoen 
von nien igen unjerlegbaren Elementen (ungefäbr 
fle&jig) begeben, unb bie jum Slieil bie ßtöite 
praftif^e ©ebeutung in allen fiebenSgebieten 
gewonnen baben. @ie bat gegeigt, ba^ eineä 
Don Ibiefen Elementen, ber Äoblenfloff, ber 
munbeibare AStpet ifi, »eli^er bie Silbung 
bet unenbli^ mannigfaltigen organifi^en Ser- 
binbungen beraitit unb fomit bie .i^emif^e 
JBafiä beB 8ebenä' barfteHt. WUe einjelnen 
Sortfc^ritte ber ^trq^l unb &itmit fteben übet 
an tbeotelififiet «ebeutung ber drfcnntni^ beS 
gemoltigcn ©efefteä nad), reel^S alte in einem 
gemeinfamen SBrennpuntl oereinigt, beS ©üb. 
ftonj.0efeiiel. Snbem biefeS .foBmo- 
Iogif4« Otunbgefe^" bie eroige Erhaltung 
ber Kraft unb be3 ©toffeB, bie aügemeine Son- 
[tanj ber Snergie unb ber SFtatetie im ganjen 
Sieltall nat^roeiR, i|t c3 ber fitbete Seitftern 
gerootben, bet unfere moniftifi^e ¥^ilofnp^ie 
but4 baS gemaltige Sab^ntb ber SBelträtbfel 
gu beten 25fun0 ffi^rt 

Sa a unfere Aufgabe fein nitb, in ben 
folgenben Sapiteln eine allgemeine Uetieifi^t 
fib« ben ie^igen €tanb unferei 9Iatut-(Srtennt* 



nifi unb über ibre ^srtf^titte in unfetetn 3aCit' 
bunbert ju geminnen, niollen mit bier nii^ 
roetter auf eine 3Iluftetuns bet einjelnen ®e> 
biete eingeben. Stut einen grSgten Sortft^ritt 
mollen mir noi^ betootbeben, roelAer bem €ub> 
tlan}'@efe^ ebenbürtig ift unb melier baBfelbe 
etgdnit, bie Segrünbungber SntmtdelungS' 
lebte- 3mar baben einzelne benfenbe ^otf4er 
f4onfeit3abttaufenbenvon.SntmideIun0' 
ber Single gefptocben; bo^ aber biefer iBeetiff 
baS Untuerfum be^ettf^t, unb ba^ bie SJclt 
felbfi raeitet nid)t8 ifi, alS eine eroige .@nt' 
midetung ber ©ubftana'. biefer geroallige ®e« 
banle ift ein 5Mnb unfereS 19. SabtbunbertS- 
Srft in bet aroeiten 6&Ifte beSfelben gelangte 
er }u DoIIet Klatbeit unb ju aügemeiner Sttf 
wenbung. SaB unfterbli^e Serbtenft, biefen 
^Stblten pbilofopbifi^en Segtiff empirift^ be< 
grönbet unb ju umfaffenber ©eltung ge&ra^t 

fu baben, gebi^bn bem gtogen engÜft^en Hatuv 
orfdier Sbatle« Sarmin; er lieferte unS 
185fl ben feftenStunb füt ieneStbpammunflS« 
lebte, melt^e ber geniale franjBfif^e 9latUT< 
Pbilofopb 3ean Samarct f(!|on 1809 in t^ten 
&aupt)ügen etfannt, unb beten ISrunbgebanfen 
unfet gtä^t beutfibet Sitztet unb 2)enlet, 
SBoIfgang ©oetb«/ f^on 1799 ptopbetif^ 
erfalt b<itte. Samit mutbe unB jugleiib bet 
©cblüffel jut .gtage aUet gtagen' gef^entt, 
JU bem großen SBelträtbfel »on bei .Stellung 
beS SRenfi^en in ber 5ßatur' unb con feiner 
natürlitben Sntftebung. SBenn mit beute, 1899, 
im Staube finb, bie Setrfifeaft beS @nt> 
mideIuneS-®efetie9 — unb gmai ber 
.moniftif^en ®enefi8I" — im ©eforamt« 
gebiete ber Statut tiar gu etlennen unb fie in 
Setbinbung mit bem €ubftana'®efetie jur 
einbeitli^enSttl&tung aller Statuterf^einungen 
au benuien, fo perbanlen mir bieB in erftet 
Sinie jenen brei genialen Slaturpbilofopben; 
fie leuchten unS beSbalb al3 brei Sterne etßer 
®rafie unter aQen anbeten gto|en SRfinnetn 
unfere 3 StabrbunbettB. 

Siefen erftaunlitben g^ottfi^titten unfeiet 
tbeoretifiiien Slatur-Srtenntnifi entfpri^t 
beten mannigfaltige praftifdje SInmenbung 
auf allen ©ebieten be3 menfcbRiten Äultur« 
lebenS. SSenn mir beute im .ßeitaltet beB 
SJetfebtfi'fteben, wenn bet internationale ßanbel 
unb ba8 JHeifen eine frübet nid|t geahnte f8t- 
beutung erlangt baben, menn mir mitteilt £ele* 
grapb unb Selepbon bie Si^tanten pon (Raum 
unb Seit übemiunben buben, fo rerbanlen mir 
ba3 in etßet fiinie ben tedinif^en i^ortf^titten 
ber $^^fil, befonberS in ber SInmenbung bei 
Sampftraft unb ber @le!trtcität. SBenn »it 
burd) bie ^botograpbie mit gröltet Sei^tigfeit 
ba8 Sonnenli^t jroingen, unB in einem Vufien' 
blid natutgetreue iSilbet von febem beliebigen 
ffiegenftanbe tu oerf^affen, menn mit in bet 



I. 



StUcS HafMtl eununa bn iEitlttMii]tl. 



&anbRiirtIir<^aft unb in im vet^^ieitnftm ©e* 
nMrBcnerftaunli^epraltifdieSortf^nttesnna^t 
i)aben, roenn toir in bn SJiebicin buvA @{)(DtO' 
form unb Snoip^ium, butd) antifEpttfdie unb 
SeTunt'Säetapte bie Seiben ber SRenfdi^nt un- 
enblic^ gemilbeit Eia&en, fo oetbanlen mir bieS 
bei angemanblen S^emie. ^te fe^c roii buri^ 
biefe unb anbete Srfinbunaen bei lei^nil alle 
fiülieien So^t^unberte weil übeiflüflelt ^oben, 
m |o atfbelannt, bofr mit e6 Iiiei nvi)t nieitet 
audjuf&Eiten biaudini. 

$ortfd|rftte der foeiolen (Einrieb« 
tungen. SJAbienb niii fo ffoitt mit geieditent 
Stolge auf bie envaltigen ^orlf^rtlte beS 19. 
3a6i6unbert8 in bei iRatUT'®tIenntni& unb 
beren ;)raltir(^e Sienveitbuns jurüttbliden, fo 
bietet flc^ un3 leibei ein Qanj anbeieS unb 
roenig eifieulidjeS Silb, raenn mit nun anbew, 
nii^t minbei nidittee @ebiete biefeä mobernen 
ftultui'Sebeng in'S 3Iuse faffen. 3u unfeiem 
SJebauem mü[fen nti ba ben @ati oon Sllfieb 
S a 11 Q c e unterTt^ieiben : .äJetglii^en mit 
unfeten er|launli*en Sottf^iitten in ben pbnfl- 
(diWen SBiffenfc^aflen unb iftrei ptalti|d|en 
ÄnmenBund, bleibt unfet Softem bei Kegieiunfl, 
ber abminifttatioen Suftij, ber SRationot-Gt- 
»ebung unb unfeie eanüe fociale unb mornlifiiie 
Drflonifatitin in einem 3uP''nbe ber aüat« 
barei-' Um un8 oon ber iffla^tbeit biefet 
fifimeien Somfiife gu übetjeugen, btaui^en 
mir nur einen unbefanoenen SÜIict mitten in 
unfei ßftentli^eS Seben binetn ju nieifen ober 
in ben Spiegel ju blicten, ben un3 täglid) unsere 
Beituna, al8 baS Organ bei affentli(!|en Sneinung, 

DOI^&It. 

Un|ere Rec^pflege. iBeginnen roit 
unfeie SRunbffiiQu mit bn 3uftij, bem „Pun- 
dAmeatDin legDorum". Sflicmonb njitb fie« 
Raupten ISnnen, ba^ beren Iieutiger B^ftanb 
mit unferei fortgefi^rittenen ©ilenntniß beä 
Snenf^en unb bei SBelt in Sinllang fei- £eine 
So<^e Hergebt, in ber roir nic^t oon rid)ttc- 
liefen Urtbetlen lefen, über müit ber .gefunbe 
a»enf4entiCTflanb''&ebenIIi^bQiSSauptWftttelt: 
oiele ßnlfc^eibungen unferet fjAberen unb 
ntcbeien Seri^tälisre erft^einen gerabeju un- 
bcflieifli^. äBit fe^en bei i^ebanblung biefeS 
.ffleltidtbfeie* Qanj''bation ab, ba| in vielen 
mobcntcn Staaten — trot ber auf ^Papier ge- 
bnidten SetfalTunö — no^ tbatfäiSIii^ ber 
ÜbroIutiSmuS ^errfiiit, unb bag Diele ,SDIän: 
beS 9Ie4t3* nii^t nat^ ebrlii^er Uebergeugung 
uit^eilen, fonbein enlfpre^enb bem .böfieren 
SBunfdje oon ma&gebenber ©tefle'. SSJir nebmen 
tritlmebr an, bag bie meiften 91i(^tei unb 
StaotSanmaite naif) beßem ©emiffen uilbeilen 
unb nur menfi^lii^ itien. 3>ann erllären jli$ 
mo^t bie meiften Stntbämer bur^ mangeli^afte 
Borbilbung. greiltdi benf<^t oielfa^ bie Sin* 
Mt, ba| getabe bie Suriflen bie ^Btlbfle ^ilbuns 



beulen; roerben fle ja botb gernbe beSbalb bei 
bei IBefe^ung bei oerfi^iebenflen 31emtei vov 
gejogen. StÜein biefe oielgerübnt'e .iuiiftifi^e 
äöübunfl" ift giBgtentSeiia eine rein formale, 
feine reale. SaS eigenllit^e gaupt-OBiett i^ier 
SbötiBteit, ben menfcbUc^en DifloniämuB, unb 
feine roi(ili9Jle gunllion, bie ©eele, lernen 
untere 3uttflen nur obetftädili^ lennen; baS 
benjeifen 3. S3. bie ronnberlid)en Mnflt^ten oon 
.SffliKenSfteifteit, äSeiantroorlung' u. f. ni-, benen 
roir tdgli^ begegnen- SllS i($ einmal einem 
bebtutenben Sunden oerfii^erle, ba^ bie minjige 
fugelige @ijetle, au3 ber fii$ jeber Slienf^ enl' 
nicfelt, lebenbig fei, .ebenfo mit Seben begabt, 
nie ber Smbrqo mon groei ober fteben obet 
neun!Dlonaten,fanbid) nur ungläubiges fid^eln' 
Sien meiften @tubtrenben bei Surilprubeng 
fällt eS gar nii^t ein, ftti^ um Anthropologie, 
Vfq^oIogieunbSntnidelungSgefdiidlite 
ju bekümmern, bie erften Sioibebingungen filt 
rii^tige HJeurlbeilung beS äUenfdjen'^efenS- 
Sreilitb bleibt baju aui^ .leine 3«''; *iefe 
wirb leiber nur gu febr bur^ baB grünblii^e 
Slubium »on iBier unb Sßein in Slnfprui^ ge- 
nommen, foniie baä .oerebelnbe' SBlenfure«. 
äKSefen; bet fßeft ber loßbaten ©lubieu'3ei' 
aber i|l notbnienbig, um bie ßunbeite oon 
Paragraphen bei ®efe^büd|ei j|u etletnen, 
beren ßenntni6 ben ^(nrtften gu allen m(igli{!ben 
Stellungen im heutigen j{ultur>@taate befähigt. 
Unfcrc Staatsoxftmtttg. 3a8 leibige 
@ebiet ber $olitit tnollen mir biei nur gang 
flücbtig Rreifen, ba bie unerfreuUtfien 3"fläube 
beS mobernen StaalSlebenB ottbelannt unb 
^ebermann tägli^ fühlbar flnb- 3unt gingen 
Zbeile ertlären fi(!i beren SDiIängel batauS, ba| 
bie meiften Staatsbeamten eben ^uriften ünb, 
Männei von auBgegeic^netei formaler ESilbung, 
aberobnetenegninblii^eßenntniHerS)ienfi^en> 
Siatur, bie nur bur(i oergleii^enbe Slnlbro» 
pologie unb moniftifc^e Sf^ifiologie ertoorben 
roetben lann, — obne jebeßenntniS ber focialen 
Seibältniffe, beren organif^e äiorbtiber unä 
bie oeiglei^enbe 3oologie unb EntntirfelungS« 
gefdjic^te, bie SeHen-Sbeoiie unb bie $rotiften' 
funbe liefeit .iSau unb Heben bei focialen 
fiaiperS,' b. b- be3 ©taateS, lernen raii nui 
bann lii^tig veißeben, roenn mir naturraiffen' 
f(iaftli(f|e Renntnii »on .BSau unb Seben' ber 
$eifonenbefltien, raeldiebenStaatgufammen- 
fe^en, unb ber ^tlUn, roeli^e fene Sßerfonen 
jufammenfet)en. SBenn biefe unfdiA^baren 
bioIogif(!ben unb antbropologifdien 
SBorlenntniffe unfeie .©taatSlenlei* be- 
fälen, unb unfere .SoItSneitreter', bie mit 
ibnen aufammenmirlen, fo roürbe unmügli^ in 
ben 3"tungen täglii^ jene entfetili^e ^ßOe 
non fociologifi^en Sntbümern unb oon poli- 
tifi^ei ftannegiefeetei gu lefen fein, raeldje unfeie 
$arlamenl9>$eiid]te unb aui^ viele StegieiungS» 



10 



SrfttS PiM)UtI. ettlCuna bn SQelhAt^lcL 



(SrIafTe ni4t flWQbe trfteulid) ouejeidjnen- 
SaS €4Iiinm|Ie freilii^ ifl. nenn bei mobcinc 
Aultuiftaat fl4 bet lulturfeinbli^ni fftiäie 
in bk ?Irme roirft, unb nwnn bei bomirte 
SootSmuS ber ^axtmit, bie SerblcnbunQ bei 
tuijfl4t>0en $arteifü[|Ter bie &ieiaid)ie unter- 
ftüÖt. Sonn entließen fo ttauiifle Bilbei, rote 
fte unB Irib« teftt am Si^IufTe beB 19. 3a6r. 
^nbeitS bei b«utf4f 8tei46taa vox klugen fü^it : 
bie ©efcbicte bcS Qc6t[beten btutfif)en ^oIIcS 
in bei 6<inb beB ulttatnontanen SentiumS. 
untei bei Seitune beS titnif^en VapiSmuS, 
ber rein AieRer unb gefd^ili^fiei ^einb i|t- 
©tatt iRed^t unb SSemunft regiert bann aber- 
glaube unb SJerbummuns- Unfere SlaatiS' 
oibnung !ann nui bann beffcr raeiben, nenn 
^e ili^ Don ben Steffeln bei Air^e befieil. unb 
nenn f<e buii$ allQemeine natunDiffen* 
f4aftIii$e9iIbungbie3Belt'iinb9nenfdjen' 
ftenntni^ ber ©laatsbarget auf eine beiTete 
Stufe bebt. a)obei tommt eB flar niflit auf bie 
befonbere ©taatBfoim an. Ob ÜKonaiiiiie 
obei Stepublil, ab ariflohatif^e obei bemO' 
rrattfd^e ffletfaJTunß, baB Pub untetgeoibnete 

tragen gegenüber ber großen fiauptfiage: 
oU bei mobeme Jtulturllaat geißlit^ c^ 
neltli^ fein? foll er tbeottalif4 buid) un> 
oemfinftige @IaubenSf&^ unb tleiilale SQüO* 
ffii, ober foK ei nomofratifiii buii^ tiei* 
nfinftige Oefefte unb bütgerlit^eä fütütt geleitet 
nerben? 3)ie fiauptaufgabe ift, unfeieÖugenb 
ju oemflnftigen, »om Aberglauben befreiten 
©taatSbüigem branjujie^n, unb baB lann 
nur bui4) eine lettgentäge ©^uI'fRefoim ge> 
lieben. 

Unferc S^ule. @benfamieunfeie!Ned|tS< 
pflege unb StaatSorbnung , entfpii^t au(^ 
unfere Sugenberjie^ung burc^auS nii^t ben 
anforbetungen, rael^e bie niffenfiiiaftüi^cn 
gortftfititte be! 19. 3a^TbunbettB an bie 
mobeme fSilbung lieDen. SlieDIatutnifren' 
f^aft, bie aOe anbetn SBiffenf^aften fo neit 
überflügelt unb roeli^e, bei Sii^t betrautet, aui^ 
aDe fogenannten ®ei|IeBiDifTenf(baften in fit^ 
aufgenommen bat, rciib in unfeien Spulen 
immei not^ alB Ülebenfadie bebanbelt ober alä 
Sffc^enbr5bel in bie fSie gefteüt- 2)asegen ei' 
fdjeint unfeien meiften fiebiem immer noi$ aI8 
Hauptaufgabe iene tobte ISelebvfamleit, bie auS 
ben ßlofteifi^ulen beB SnittelalteiS übemommen 
ift; im iSotbeigiunbe ftebl bei gtammatüalifdie 
Sport unb bie geittaubenbe .grünbli^e Aennt« 
nife' bei Haffifdien ©prttii)en, fomie ber äufter- 
lieben 33ölfeigef4i4te. 2)ie SittenHie, bei 
roit^tigfte Oegenftanb bei piaf ttfdjen ^biiofapbie, 
niib oemncbläfflgt unb an i^ie SteUe bie litä)* 
It^e Sonfeffton gefeit. 35er ©laube foH bem 
SBJilfen »oiangeben; ni^t iener niffenf^aftlidic 
@Iaube, neldjei unS ju einer moni^if^en 
EReligion fübit, fonbein ienei unDemünftige 



SIbeiglaube, bei bie Oiunblage eine8 vemn« 
ftalteten (£iiit|lentI|umS bilbet. SQdbrenb bie 
giogaitigen Stlenntniffe ber mobemen ftoStno* 
logie unb Snlbtopologie, bei beutigen Stologie 
unb lEntnidelungBIebie auf unferen ^bbnen 
Schulen gar leine ober nur gang ungenügei^ 
SJemertbung finben, mitb baS ©ebä^tnifi t 
einei Unmaffe dou p^ilologift^en unb bifloiifi^en 
Sbdlfacben fibetlaben, bie roebet filt bie tWr*> 
tifd)e iBilbung nodi f&c baB piaf tifti^e fieben von 
Stu^n finb. aber auc^ bie wralteten ®in- 
ridjtungen unb SafuliaiB-Serbältniffe ber 
Unioerfttftten entfpieiben ber beutigen IEnt> 
niitfelungBftufe beimoniftiftben Sßellanf^auund 
ebenfo nenig, alB bie Untenii^tS'Scitung in 
ben <SqmnaÄen unb in ben niebeien Spulen- 

Untere Klx^e. Xen @tpfel beS @egen> 
fatieS gegen bie mobeme Silbung unb gegen 
beren ©lunblagen, bie oorgefi^rittene dlatur- 
gr(enntnifi, eneiifit unftreitig bie ftirt^fc SBir 
rooDen ftier gar nic^t vom ultiamontanen 
!0apiBmuS fpiedien, obei son ben oitbobo^en 
etiangelifc^en ERii^tungen, raeli^e biefem in Öe* 
jug auf Unfenntni^ bei Sßiiflit^teit unb Se^re 
beS haffeften Stberglaubenfi nitfitS na^geben- 
Stelmebt ocrfefien nii un8 in bie Vtebtgt eineS 
libeiolen proteftantifdien ^fanerS, bei gute ' 
2)uii$f(bnitt3bilbuna befittt unb ber Semunft 
neben bem ©lauben ibi guleS Stetbt einilumt- 
Sa ^Sten mir neben DDrtieffIi<^en ©itlenlebiett, 
bie mit unferer moni^fdien i&iftiHm 19. JlapiteD 
ooniommen baimoniien, unb neben buma« 
niftif^en SiSiteiungen , bte ntt buri^auS 
bidigen, SSoifteÜungen über ba8 ^efen von 
©Ott unb Seit, Pon SDIenft^ unb Seben, mel^e 
aDen ISrfabrungen ber Statu ifotfi^ung binJt 
miberfpret^n. @S iR fein Sunber, nenn 
Xe^niler unb SbemÜer, Sletjteunb^bilofopben, 
bie grünblidf ilber bie 3talur beoba^tet unb 
naifigebaitt ^nben. folgen $rebigten lein @e> 
b5i ftfienten rooQen. SB feblt eben unfeien Zieo» 
togen ebenfo rote unfern ^btlologen, unferen 
^otilitera ebenfo nie unfeien Surtßen an ienei 
unentbebrlt^en 9taturfenntnig, roel^c 
fidiaufbiemoniftirffteSntmiclelungälebtegtilnbet, 
unb neldje bereits in ben fepeuBeflttfianb unfeter 
mobemen Kiffenf^aft übergegangen ifl. 

Konflilit jnift^en Oemunfi tm6 
Dosma. S(uS biefen bebauerlti^en, bt" nur 
Iura angebeuteten SegcnfAtiei ergeben flt^ fäc 
unfei moberneä fluItur-Seben ft^roere ftonfltfte, 
beien Oefabi bringenb jut fflefeitigung ouf- 
foibert- Unfeie beutige 93ilbung, alB l£igebni| 
bei mä^tig oorgeftbritlenen ffiSiffenftbaft, »ei« 
langt i^i guteB 9tcd|t auf aQen ©ebieten beS 
BffentlitiiBn unb pripttlen SebenB; fle roünfifit 
bie aRcnfiäibeil mitlelR bei SSemunft auf jene 
bSbeie Stufe bei @rlennttiig unb bamit guglei^ 
auf ienen befferen ^eg jum Olüd erbeben ju 
feben, mel^ ntt unferei bo4 entnictelten 



I. 



CtIteB AopiteL eteOuna bct SBelitdt^fet 



11 



atotunviffenf^aft veibanten. Sagegen ftcäu&en 
fi(^ abn mit aQer f0laä)t bteienigeit einflug- 
retdien Steife, neli^e unfere (SeifteSEiilbunG in 
SetxefT bei tot^tigften !(iio£Ieine in ben üfiei- 
munbenen älnfi^auunden beS fDtittelallerB gu< 
ißct^alten mollen; fle Dei^arren im Sänne bet 
tiabitioneHen SoQnien unb ixtlangen, bag bie 
Setnunft fd) unter biefe .I|5iiere O^^^irung' 
beugen folle. 3)aS tft bet %aü in toeite-i Greifen 
ber S^eologte unb ^^ilologie, ber ©octoloste 
unb 9uri8prubenj. 3)ie JBeraeagrflnbe biefet 
le^teren betitlien 3um QtSgten %lteüt geroig 
ntcDt auf reinem SeoiämuS unb auf eigen* 
nfiiiftem®lTtben,fonbenit^eil9aufUntenntni| 
bet realen X^atfac^en, tIcilS auf bet bequemen 
®eniD6n{|eit ber Xrabitton- Son ben btei grofien 
Sreinbtnnen ber Vernunft unb SBiffenfc^aft i^ 
bie gefä^Itififte ni^l bte 8dSMI, fonbern bte 
UntDiffen^eit unb otelleitöl no(^ metir bie Stoß- 
Iwifc ®Eßen biefe beiben IebteienaRäd)te tämpfen 
felbfl ®atter bann no^ oetgebenB, roenn fle bie 
erßcie glütfli^ fibetnunben toben- 

Ant^ropismtu. Sine ber mat^tigiten 
€ta|enQen)&brtieneiiü(tflänbtBen£[ßeItanf4aU' 
uns ber Knt^iotjiSmuS ober bie „Sier- 
menf^Iic^uns'- Unter biefem ISegtiffe cer« 
fte^e i(f) rienen mäkligen unb roeti oerbreiteten 
Sewplei Bon irttliümltd)en SotfleUungen, ntU 
^ ben menfd)U4en OrganiämuS in ©eflenfoft 
ju ber ganjen übrigen 9iatur fteUt, ibn alg 
DOiüebai^teä Snbjiel ber organtfc^en Sdjöpfung 
unb als ein principieQ Don biefer DetfAtebeneS, 
flstlS^nlt^eB 3Befen nuffafit. 9et genaueiei 
Äritit btefeS einf[u|reid|en ISoTffeQunoe'itieifeS 
ergiebt flätt bog beifelbe etgentli(& auS btei oei* 
fd)tcbcnen Slogmen befteE)t, bie mit aI8 ben an- 
l^rpiiocentiifi^cn, antbropomorp^i« 
f4en unb ant^ro;ii)Iattif(4en Srrt^um 
unterf Reiben.' I. SaS ant^ropocentrif^c 
2)ogma gipfelt in ber äJorfteQung. ba| ber 
2Rcnf4 bei Dorbebai^te SAittelpunlt unb Snb- 
jnied aUeS (SrbenlebenS — ober in weiterer 
Raffung bet ganjen SBelt — fei Sa biefer 
Srrt^um bem menf^Ii^en Sigennufe &]iia^ 
ennßnf^t, unb ba et mit ben @45pfungg> 
^Ottn bei btei gtogen ÜRebiterran-EReli' 
gionen, mit ben Jtogmen ber mofaifdien, 
^rifHi^enunbrno^ammebanifi^enSe^re 
innig oenoo^fen iß, be^errfi^l er aud) lieute 
ni>4 ben gtBgten X^eil bei Aulturroelt. - 
n. SaS ant^iopomorpötfi^e Sogm 
Inüpft ebenfalls an bte Si^SpfungS'Snqt^en 
bet brei genannten, fomie tiieCet anbetet Eßeti- 
gionen an- SS oetglei^t bie SBeltfdiapfung 
unb SJeltregierung (SotteS mit ben ^unfl' 
fdlOlifungen eineS finnteit^en XediniterS ober 
fSRaf^inen'SngenteurS' unb mit ber Staats* 
tegieiung eineS weifen ßetiftfteiS. ,®ott bet 
6«rr" oIS Stapfet, diSalfer unb fflegierer; bei 
SBcIt mitb bauet in feinem Senlen unb $anbeln 



butjfiauS menf^enä^nlic^ »oigeflellL 3)atauS 
folgt bann nieber umgete^tt, bo| bei üllenfdi 
gottd^nlii^ tft. ,<8ott fdiuf ben 3Renfi^ naA 

feinem JBilbe.' 5)ie ältete naire SDl^töologie ift 
reinet 6omot^eiSmu8 unb »eileiEit i^ten 
sattem üßenfi^engeilalt, Sleifdi unb SJIut. 
SEJenigei »orftellbat ift bie neuete mqftif^e Stfteo' 
fopgie, meldte ben petfönliifien @ott alS .un* 
fldflbaieS* — eigentlidi gaSfäimigeä! — SBefen 
neie^rt unb i^n bod| gleit^ieitig nadi S^enfäien' 
att benten, fpieilien unb banbeln lägt; fle ge- 
langt babutdi ju bem patabo|en iSegriff eineS 
■gasförmigen Sßit&eltftieteS'. — ni. Saä on» 
tt|ropoIattif(^e Dogma ergtebt ^d) auS 
biefer ISergleitfiung bet menf^Iidien unb gStt« 
li^en ©eelent^äHgleit tton felb|l; eS fü^rt gu 
bet gSttli^en Serefiiung beS menf^lii^en 
Organismus, jum .antbtopiftif^en ®ta&en« 
n)a§n'. SDatauS folgt wiebet bet l|0ct)9ef4ättte 
,®laube an bie perfSnlid^e UnftetbUc^teit ber 
Seele', foroie baS bualißifc^e Sogma oon ber 
Soppelnatut beS SDlenfti^en, beffen .unftetblidje 
Seele' ben fteibli^en fi5rper nur jeitmeife be* 
roobnt- Sinbem nun biefe brei antSropiftifi^en 
Sogmen mannigfaiii auSgebilbet unb bet 
roed^felnben @IaubenSfotm bet oerfc^iebenen 
iReligionen angepaßt würben, erlangten üe im 
Saufe ber 3?it eine au^etorbentlidie ißebeutung 
unb nurben gut CueUe ber gefö^tli^ften Sit« 
tfiamet. Slieanl^ropiRif^eaBeltanfi^au* 
ung, bie barauS entfptang, Rebt in uncetfä^n» 
lii^em ©egenfaft gu unfetet moniflif^en Slatut« 
etfenntniö; f« niitb junfii^ft fi^on butc^ beten 
loämologif^e ^etfpeEtipe mifaeilegt. 

Kosmologife^c perfpe&tioe. 9Iii4taDein 
bie btei ant^tovifKrt^en 2iogmen. fonbetn oud^ 
piele anbete Slnf^auungen bei bualiftifc^en 
^^ilofop^ie unb bet ortbobofen EReligion offen* 
baren i^re Unfialtbaifeit, fobalb mit fle auS ber 
loSmoIogiftfien ^eifpettioe unfetS Sno* 
niSmuB hitifi^ bettai^ten. SBit cet|leben bat« 
untet lene umfaffenbe anfdjauung beS 
^eltganjen, welche mit com M^ften et' 
Ilommenen @lanbpuntt ber moniftif^en Dlatur' 
@rtenntni& gewonnen ^aben- 3)a überjeugen 
mir uuS pon fofgenben mistigen, nai^ unferer 
^nflc^t jegt giS^tentbeilS bewiefenen ,IoBmo> 
logifi^en Se^rfäften'. 

1. SaS aSeltall (Unioerfum ober ^oSmoS] 
i^ ewig, unenblic^ unb unbegrenzt 2. 3)ie 
Subftan) beSfelben mit ibren beiben SItttibuten 
(SRaterie unb Energie) erfüllt ben unenblicEien 
SHaum unb be^nbet M in eroiger Bewegung. 
3. Siefe Seroeaiing oetläuft in ber unenbli^en 
Sät als eine ein&eitlii^e Gntroiitelung , mit 
periobifi^era ffici^fet oon SSJerben unb Sßergeben, 
pon gottbilbung unb tRüttbÜbung. 4. Sie un« 
jäbligen äQeItI5iper, meiere im raumerf&Kenben 
SIetbei Dettbeilt ^nb, unterliegen f&mmtli^ bem 
Subilana-Sefel; mäbrenb in einem Sbeile beS 



12 



«Tibi aaifM. StcPuna bn aBtUtfil^cL 



UnitMrfum bie iptiienben 38eltIStper laneTam 
i^rn Slüdbtlbunfi unb t^iem Untetgans etit- 
Qegen ge^en, erfolgt in eitinn anbem X^eile 
tie9 ffitUraumS 9tcubtlbung unb ^ortenliDide« 
lung. S. ttnfne Sonne iff einet oon biefcn un< 
jäblioen DciBOnslit^en SBeItt5t{iem, unb unfete 
Sibe iß einet von ben |a^Iiei4en vetgänglidien 
Planeten, loelf^e biefe umheifcn- 6. Unfete Srbe 
Iiat einen langen SlBtüE)IuiiQ8'$roje^ butd)- 
QcmaAt, e^e auf berfeliien ttopfbat ftüfligeS 
SBafTer unb bamit bie eifte Sotbebingune ov 
ganif^cn SefienS cntfte^en tonnte- ^■ Sei bann 
folgenbe Hogenetif^e $ioce^, bie langfame @nt> 
niÄcIung unb Umbilbung go^Ilofet otganif^er 
Rannen, ^at viele Smillionen ^a^ie (neit über 
^unbetll) in Änfctudi genommen. 8. Unter ben 
tierfdiiebenen I^ier . ©täramen , racldie fl^ im 
fpäteten Verlaufe beS bioQenetir<4en ^roceffeä 
auf unftrer ®rbe entrotrfelten, bat ber ©tamm 
ber SBiibelt^iete im Sßettlaufe bet Sntraidelune 
neueibingS alle anbeten nett {ibetHüflelt- 9. SllB 
bei bebeutenbße Bmeig beS SDitbeltfiiei-StammeS 
^at fld) etß fpät (nä^tenb bet 3:ttaS-Vetiobe) 
auS nieberen Steptilien unb Slmp^ibien bie 
fllaffe bet Säugetbiere enttoidelt- 10. 3>er ooU' 
tommenflc unb bäi^ft entnidelte ^roeig biefer 
fllaffe ifl bie Crbnung bet ^etienttiiere ober 
Primaten, bie er|I im beginne bei jEettidf^^it 
(001 minbeftenS btei OTiflionen Sauren) but<^ 
Umbilbung au8 nieberften 3ittentÖieten (Sßro- 
dioiiaten) entftanben ilt. 11- 2)aS iüngfte unb 
DoQtommenfle 9tef)<f|en beg $i:imaten-3ioeigeS 
ifl ber Snenfi^, bet erft gegen @nbe bet Z^eiti&t- 
3eit au8 einet ERei^e von aiienf^en-Wffen ^et- 
ooigegangen iß. 12. 2)emnad) i^ bie fogenannCe 
,S3eItgefi$id)te* ~ b- 1|. bet tittge 3'itiaum con 
wenigen iga^ttaufenben, innet^alb beffen (Idi 
bie Äultutgefd|id|te beS SKenfi^en abgefpielt 
6at, eine Berf^minbenb lutje ©pifobe in bem 
langen SUerlaufe bei oiganifdien (Stbgeft^it^te, 
ebenfo wie biefe felbft ein tleineS Stüd con 
bet ©efi^i^te unfeieS *.ßlaneten'@qftem3; unb 
nne unfeie Süuttei @rbe ein veigftnglit^eS 
SonnenfiSu&^en im unenblidgen SSSeltaK, fo tft 
ber einzelne Sltenf^ ein rainjigeS ^laSma« 
fiemi^en in ber oergAngli^n organif^en 
Slatut. 

Slii^tS fi^eint mit geeignetet aB biefe gto&< 
artige toSmoIogifdie ^etfpettioe, um 
Don ootn^eiein ben rit^tigen Snagftab unb ben 
roeitfl^tigen Sfanbpunh feftgufeten, roeldjen 
mit gut Söfung ber gtogen, uni umgebenben 
ffielträt^fel einhalten muffen. Senn bobutt^ 
niitb nic^t nut bie mafegebenbe ,©tellung beS 
SUIenft^en in bet 5Ralur' tlaz bewiefen, fonbem 
au^bet&Etrfdicnbeantötopiftifc^eGSrB&en' 
roo^n mibetlegt, bie Slnmafiung, mit bei ber 
ÜJtenfi^ ft^ bem unenblic^en Unicetfum gegen- 
übetftellt unb al3 mic^tigfien Stbeil beS SBeltaUS 
nei^ertlidit SJiefc gtenjenlofe ©elbfiüber^ebung 



beS eiteln Snenfi^en ^at i^n baju uetfü^tt, flt& 
als .(Sbenbilb @otteä' ju betta^ten, für fein« 
veigänglii^e $erfon ein „emigeS fieben' in Stn* 
fptu<^ gu nehmen unb (id) einjubilben, baS er 
unbef^rönlte „S^ieibett be3 SBiUenä' befl^t. 
S)er tai^erlidie tläfaren-äBa^n beS Saligula ift 
eine fpejieKe gotm tiefet ftoi^mütiiigcn ©elbft- 
petgBttetung beiS SRenft^en. (ftft wenn mit 
biefen unbaltbaien @iö6enwal|n aufgeben unb 
bie notutgemäfee !oBmologifd)e ^eifpeltioe eirt- 
nelimen, lönnen roii jut fiöfung bet .SQelt- 
tatSfel' gelangen). 

30^1 der tDcUratmct. 3)ei ungebilbefe 
Aultutmenfd) ift no4 cbenfo roie bet lolie Statur- 
menf4 auf Si^titt unb Siiitt Pon ungäEiIigen 
ffielträt^feln umgeben- 3e weiter bie fiultur 
fottft^teilet unb bie SffiifTenfd)aft fl4 entmidelt. 
belto mebr wirb i^re gabl Mi^ianlt. Siiemo' 
niftifi^e $bi[ofopE|ie wirb fdjlie^lit^ nur 
ein einziges, atlumfaffenbeS SJeltiötöfel aner- 
lennen, baS .©ubflanj-^ioblem'. Srnmer- 
I|in lann e3 aber iroedmägig eif^einen, aui^ 
eine gewiffe 3<ibl po" ff^roierigfien Problemen 
mit jenem SRamen ju beicidinen. Qn ber ie* 
tfi^mten Siebe, weldie <SmiI bu SSoiS'SReq- 
mnnb 1880 in ber fieibnig-Sitsung ber Ser- 
linet Slfabemie ber SBiffenf^aften fiielt. nnter- 
fd)eibet er .Sieben aCelt 1(1 1 Hei' unb fü^rt 
biefelben in na^Hebenber Stei^enfolge auf: 
!• baB SBefen oon aJiaterie unb Ätaft, II. ber 
Urfprung bet Säewegung, III. bie etfte ®nt- 
ftefeung beä 8ebenB, IV, bie (anfdieinenb ab- 
fii^tärotn jwedmdlige Einri^tung ber 3iatut, 
V. baB Gntiteben bet einfadjen ©inneSempftn- 
bung unb be§ Jlewu6tfeinB, VI. baB cetnünftige 
Renten unb ber Urffirung bei bamit eng oet' 
bunbenen ©ptai^e, VII. bie Stage na^ ber 
äßiUenBftei^eit. ißon biefen fleben äQelttät^feln 
eillätt ber SR^etot ber iBerliner ailabemie brei 
füi gang ttanBfcenbent unb unlösbar (baB erfte, 
gmeite unb fünfte); brei anbere ^ält et gwat 
für fi^wierig, ain fflt lÖSbai (baS btilte, eierte 
unb fet^fte); begüglid) beS liebenlen unb legten 
.fffieCtrSt^felS', wel^eB pialtifc^ ba3 wi^tigf» 
iß, nämlid) bet aßiDenSfreiHt , oei^ält er fl^ 
unentfdjieben. 

aja mein!DloniBmu8 (li^ Don bemjenigen 
beS »erliner JR^etoiS roefentli* unterfc^eibet, 
ba abei anbeifeitä feine atuffaffung ber .(leben 
aßeltrSt^fel' großen ©eifatl in weiten Greifen 
gefunben ^at, balte i^ eB für gwedmäfrg, gteji^ 
bier son sombetein gu benfelben tiate ©teHung 
gu nehmen. 91adi meinet Wnfl^t werben bie 
brei .tianSfcenbenten' fftäl&fel (1, II, V) but* 
unfete Wuffaffung ber ©ubpanj etlebigl 
(Äapite! 12); bie brei anbeten, f^wietigen, ober 
lÖBbaten ^tobleme (lU, IV, VI) (Inb but^ 
unfere mobetne SntwidlungSle^re enb' 
güllig gelSft; boB [iebente unb [etile äSelträt^fel, 
bie aßiHenBfrei^eit, ifl gar fein Dbiell fritifdjer 



I. 



exf^ Pajiiltl. etetTunfl bw mtlMtm- 



13 



roiffenfc^aftli^n ^rlläiunfl, ba He alS «inca 
S)D(|ma nur auf S^äufdiuns bentiit unb in 
äBttniiftCeit gar nic^t e^iftteit- 

£5fung »er n)elteatl}fel. 3)tt!DtittcIunt> 
SBege, roelc&e roii jur Sflfunß ber gi^ofteii SSJelt« 
tät^fel einäuft^lagen ftaben, Unb leine anbewrt 
als bieienigcn bet reinen roiffenfi^af liieren ©t« 
IcnntniB überhaupt, nlfo eiflEnS ©tfa^rung 
unb iweitenl ©^tugfolßerunfl. Sicwiffen- 
ft^aftli^e Srfadrunu erroerben mit unä butd) 
ffleo6a^tuna unb Ssperiment, rooBei in etfter 
ßirtie unfere SinneS-Diaane, in atoeiler bie 
rinnnen SinneB^etbe' unfer« @tD66itnrinbe 
t^ätifl flnb. 3)ie milroflopififien (Slententat-Ot- 
gane bei eilteiren flnb bie iSinneSjellen, bie bei 
festeren @ntpven con ©anglieng eilen. 2)ie 
Srf aliTungen , meiere mit von btc 31u|enwelt 
burd) biefe unf^&t(f'a<iten Oigane un[et3 
@eifleSIeben3 etljallen ^aben, meiben bann 
bur^ anbete Oe^iinteile in ißorflellunoen um* 
gefegt unb biefe niebeium but^ Slflogiation 
jn ©cftlüffen oetlnüpft. Sie SBilbung biefet 
©(^lußfoigeningen erfolßt auf groei oetf^ie- 
benen SOegen, bie na^ meiner übetjeuQung 
gleit^ mettooQ unb unentbe^Tlidi flnb: ^n* 
bultion unb Sebuttion. j)ie roeiteren 
oenvidelten ©e^ini' Operationen , bie ^ilbung 
oon aufammenftänßenben flettenfi^lüfTen, bie 
9I6ftra!tion unb Segriffäb Übung, bie SrgSn« 
jung beS etfennenben iSerftanbeä but^ bie 
plaftifctie XEjätigfeit bet $I)anta|1e, fi^lieglic^ baS 
SSerau^tfein, baS Genien unb ^6il(i[apl)ieten, 
flnb ebenfo i^unttionen bet Sanglien- Bellen 
ber ®[oßMriiniibe rcie bie oor^eiBe^enben ein* 
faireren ©eelentiiätigleiten. Mtle aufaramen per- 
einigen mit in bent ^5(i)(len äBegtifFe bet Set < 
nunft 

Oertntnft, SctnütQ unb IDffcn&arung. 
S>uir<f| bie Siernunft aflein ISnnen roir gut 
rva^ien STfatut-Stfenntnil unb gut Safung bet 
Sellrätbfel gelangen. 3)ie äternunft ifl baS 
^id)it @ut be§ Slienf(^en unb berienige !Bor' 
gug, bet i^n allein ton ben Spieren roefentliii^ 
unteifiiieibet. SlQerbingä ^at He aber biegen Valien 
ajetl^ erft but4 He fottWreitenbe Äuttut unb 
@eiHe3bilbung , butdi bie Sntmidelung bet 
Siff enfdiaf t ermatten. 2)et ungebilbete üllenf^ 
«nb bet rojc MaturmenW flnb ebenfo tnenig 
(ober ebenfo oiel) ,perniinftia" alä bie näi^ft- 
oetmanbten Säugetbiere (Slffen, ^unbe, (SIe> 
plianten u- f. ni.> 91un ift abet in nieiten Steifen 
noäj ^eute bie 9Inftd|t verbreitet, ba| eS au|er 
oet güttli^en SJetnunft noc^ jraei nieitere (ja 
fogar mi^tigereij @tIenntnii'3Qege gebe: ©e« 
mütl) unb Offenbarung. 3)iefem Befä^rli<^en 
Sfrrtbum muffen mir non potn^erein entf Rieben 
entgegentreten. SaS @emflt^ ^at mit ber 
ISrfenntnil bet 9Ba^ti|eit gar nii^tS 
gu t^un. ^aS mit »®emut^' nennen unb 
|odir(^ft^en, tft eine oenvidelle X^tigleit beS 



@e^irn3, nieli^e (it^ auS @ef&filen ber Sufl unb 
Unlufl, auS SiorfteKungen bet Zuneigung unb 
Stbneieung, au8 ©ttebungen beS SBege^reniS unb 
Sliebeng gufammenfe^t. Sabei IBnnen bie per- 
ft^iebenften anbeten löäfigfeiten beS Orgoniä- 
mii8 mitfpielen, SBebürfniffe ber ©inne unb bet 
JiKuäWn, bei aJIagena unb ber SefÄleditS. 
otgane u. f. m- Die ©rlenntniS ber aßabtiieit 
fötbetn alle biefe ©emüt^g-Suflänbe unb ©e- 
mülbS-Seniegunaen in leinet SlBeife; im Segen- 
t^eil flöten |le oft bie allein bagu befähigte Set- 
nunft unb f^dbigen fie bäufis i» empfinbÜiiiem 
®rabe. 3Io4 lein ,2Beltratbfet' ifi buri^ bie 
®eöitn=5unttion beS Oemüt^S gelSft obet auift 
nur aefötbett roorben- 3)aSfeIbe gilt ober and) 
oon bet fogenannten .Dffenbatung' unb ben 
angeblid^en, babut^ etteic^ten ,®Iauben3' 
raa^rfieiten'; biefe berufen fammllit^ auf 
beraubtet obet unbemu^let XAufd|ung, nie niit 
im 16. fia;)ttel [eben raetben. 

p^Uofop^le un& natunptlfcnl^aft. 
311s einen ber etfreuli^ften ^orlft^ritte jut 
SSfung bet 2Belttät6feI muffen mir e8 begrüßen, 
bai in neuetet ^eit immet me^r bie beiben 
eingigen, bogu f&btenben äBege: @rfa^rung 
unb Zienlen — ober ©mpirie unb Spe« 
tulation — aI9 gleidtbeteditigte unb fic6 
gegenfeilig ergängenbe @ttenntnig>anetboben 
anertannt werben flnb. Sie ^^ilofop^en ^aben 
aOmdblii!) eingefeben, ba^ bie reine Spetulation, 
wie He g-lB. $iato unb ^egel gut ibealen 
SBelt'SonftruItion benu^ten, gut tva^en @r- 
lenntni^ nii^t austeilt. Unb ebenfo baben 
flib anberfeitä bie 5Kalutfotf^er fibergeugt, bo6 
bie blo6e Stfabtung', niie fle g. Sä. Saco «nb 
aJlill gut ©runblageberrealenSBeEtanf^au- 
ung et^obm, fftt beten aJoltenbung oKein un- 
ßenügenb ip. Senn bie groei großen (Srlenntnife- 
SBege, bie flnnlic^e ßrfobtung unb baS oet- 
nünftige Genien, flnb jnei oetftibiebene 
©ebirn-Sunftionen; bie etjlete nitb bur(^ 
bie ©inneäorgane unb bie centralen ©inneS- 
betbe, bie legiere butc^ bie bagniifi^en liegenben 
äenlberbe, bie gtoßen .Slffocionä-Hentren bet 
©ro^^irnrinbe' permittelt- (SÖergl. ftopitel 7 
unb 10). @tft burä bie vereinigte Sl^dtigfeit 
beiber entfte^l nia^re Srlenntni^- aiHetbingS 
giebt ti auäj beute nodi mani^e ^bi'ofop^en, 
nieldie bie ^elt blofi aus ibtem fiopfe Ion> 
fttuiren moUen, unb roeldie bie empittfi^e 9Iatut> 
erfenntnig fdjon beSbalb verfi^mäben, meil fle 
bie roirflit^e IBell nid^t lennen- SInbetfeitS be- 
haupten aud) iieute nod) mandie Staturforfdier, 
bog bie eingige Slufgabe ber äSifTenfdjaft ba3 
.tbatfäc^Iit^e SBiffen, bie objeftioe Stforfi^ung 
bet eingelnen SRatur-grfc^einunflen fei'; baS 
.3eitalter ber ¥bUnfo;)bie' fei oorüber, unb an 
ibte ©teHe fei bie 9!aturniiffenfd)aft getreten 
(äSitcbon 1893), Siefe einfeitige Uebetf^ä^ung 
bet (Smpirie ift ein ebenfo gef&|tlic^t Qtrtbum 



14 



3lHllrt Sh^M. nttfn JIB^i»6an. 



IL 



it>ie iene enteegengefe^tc bex ©petulotion. Scibe 
@rttnntnt^>3Qege flnb |Id| eegenfeitte unent* 
bel)ili<^. ^ie 0r3ftten Ziiumiibt bei mobemcn 
SRaturforf^ung, bie 5eDent&torie unb bi« 
aSännellieotU , bie ISntnitctelungBt^eotie unb 
baS @u6nani'@ei'et(, ftnb pMIofcp^r^c 
Xfmten, abti ni^t StflebnitTe bet reintn © p e- 
Julation, fonbem bemotauSBegangenen, nuB. 
ßcbeönleften unh grünbltififten Gmpirie- 

Hm Seginne beä neunjctinteit ^o^il^unbnta 
tiefunfergtöÖleribealiftifierSii^ter.S^illet, 
ben beiben ftreilenben &eeien, beit ^^tlofop^eit 
unb 9{atuifoTfd|etn, ju: 

tSetnbf^aft fei grai^en Sui^I 
.9ioi4 lommt ba3 iSünbni^ ju fiü^el 
.ÜSenn 3^t im @u^en QucCi trennt, 
,aßirb etft bie 3Ba5t^eit erfanntl' 
Seitbent bat fl^ baS ajet^&ltni| gunt ©lud 
giünbli^ geänbert; inbent beibefieete auf oer- 
f^iebenen ^Siegen na^ bemfelben ^a^ilen S^'if 
{hebten, ^aben fle fl^ in bemfelbett gurammen* 
gefunben unb nähern (i^ im gemehtfamen 
ajunb« immer me^i ber SiJenntni^ bei SBa^i' 
beil. SBii Itnb jetit am @nbe beg ^a^rbunbertS 
JU jener moniftifdien @rtenntniß'3ne' 
t^obe gurüdgelebtt, meiere T^on an beffen Sin* 
fang non unfetm ßtöfelen realiftiftöen Sii^ter, 
@ oetbe, als bie einjig naturgemäß anertannt 
not- 

DnaHsmuc unb ntonfsmus. ätHe oei' 
fi^iebenen 8ti<^tungen ber $^ilofopbie laffen 
fi(^, ntm heutigen Stanbpunttc ber 9Iatui' 
miffenfdiaft beurlbeilt, in gniei entgegengefe^e 
SRei^en bringen, eineifeitS bie bualiftif^e 
obet jmiefpftitige, anberfeitS bie moniftift^e 
ober einbeitli^e ajeltanfcöauung. ©eroflljnli^ 
ift bie etftete mit teleologifc^en unb ibealiftif^en 
Slogmen »erlnüpft, bie leitete mit me^anifti- 
f^en unb waliftif^en ©tunbbeflriffen. 3)et 
2)ualtimuä (im nieiteflen®innel)gertegt boS 
Ünioerfum in jn>el gan} cerl^iebetie ©ubflangen, 
bie materielle äßelt un& ben immateriellen QSott, 



bei ibi als @49pfer, <Sr^aItei unb 9(egiecer 
gegenüberßebt- Set ünoniSmuB hingegen 
(ebenfaKS im weiteflen Sinne begriffen I) er- 
lennt im UniDerTum nur eine einjige Subftana, 
bie ,@ott unbSlatur' }ue[eid| i|t; Körper unb 
Seift (ober SRaterie unb Sneigie) finb für fle 
untrennbar perbunben. Sei e^tramunbane 
.perfSnlii^e' @ott beS 3)uaIiBmu3 f&^it nott- 
menbig gum X^eiSmuS; hingegen bei intra- 
munbane @ott beS SRoniSmuB |um $an> 
t^ei§mu3. 

tnatcriolinmu unb Sfitrltualtsmiis. 
Se^r bitufig merben au4 Heute ni>4 bie oer* 
fdiiebenen eeflriffe aRoniBmuS unb anateti' 
aliSmuB unb ebenfo bie niefentlii^ nerfiibiebenen 
fRit^tungen beS tlieoietifdien unb bd pratlifc^en 
aJtaterialiSmuS oenoe^felt. 3)a biefe unb anbere 
Minliä^ Begriffs 'SDenDinungen I|54fE naär 
tbeilig »irlen unb go^Ireii^e Sirtliümer perau' 
laffen, woOen mir jur Sermeibung oller SWiS« 
oeifiänbniffe nur lurg noi^ SoIgenbeB bemerfcn: 
I. Unfer reiner SDtoniSmuS ifl roeber mit 
bem t^eoietifc^m ünateriaUSmuS ibentifi^. 
meiner ben ©eiit leugnet unb bie SBelt in eine 
Summe con toten SItomen auflöft, noi^ mit 
bem t^eoretifi^en SpiritualiSmuB (neuec 
bingS oonO^raalbalS <£nergetit begeidinet), 
meldet bie iDlaterie leugnet unb bie SSelt nui 
oIS eine rdumli^ geotbnete ©ruppe pon ©ner« 
gien ober immateriellen 9Iatuiti&ften betra<^tet. 
H. Siie[mebt finb mir mit ©oet^e ber fe^n 
Uebeigeugung, baß .bie SRaterie nie obne ©eift, 
bei ©eift nie obne ÜRaterie eiiffieri unb mit- 
kam fein lann*. fflJii leiten feft an bem reinen 
unb ungraeibeutigen SDIontSmuB pon @ p in og a: 
Sie snaterie, alB bie unenblid) auBgebe^nte 
Sub^anj, unb ber ©ei<l (obec bie @nersie)t 
alB bie empfinbenbe ober bentenbe Subflang, 
ftnb bie beiben funbamentalen Attribute obei 
©lunbeigenfc^aften beSaHumfaffenben göttlii^n 
2ßeItn»efen8,beruniperfQlen©ubflang. (SeigL 
Kapitel 12.) 



Smeites KapUeL 
Unf«r Körperbau. 

ntoniltilc^e StubEen über men|^Iii^e unt> Dergleidienbe Anatomie. Uebereinftfmmung 
in öer gtflberen unö feineren (DtganiloHott 6es ntcnf^en un6 ber Säugct^iere. 

Snbalt: @iunblegenbe iStbeutung bet Stnatomic. aRtnjdglidge atnatomiE. CibUottateB. XiiltotelA 
@atenu3. SJcfaliuB. Serglcic^enbe Xnatomie. Seotge äubict. Sio^anneS anfllin. EatI SegenSoin. 
ISeroebelebre. ^(ttent^eotte. Bäflnbta uub ©d6»Qnn. ÄSnitet. SBivioto. aBiibeUbier-ffatut M 
aifentcben. Settapobtn-^latut btB 3Jlenfc^en. Säuflet^iK-giotut beB ajlmftm. ^latttitolien-Satur bri 
anenjmen. Sprimaten-^tatui beB aJtenfim. Halbaffen unb Äffen, ftatartbtnm. $Qpioniorp:&en null 

SntbtopomotlJbni. SöelentliiiSe ©teic^^eit im KStpttbau bcB aJitnlc^en unb bet aJlenlc^ninftni. 

ÄQe biologifi^en Unterfucbungen, aQe JJot- 1 baren flörper in'B %uge gu faffen, an neldjem 
fi^ungen übei bie ©eftottung unb SebenStbätiQ» unB bie betreffenben motp^ologifi^en unb pbqflo' 
ieit ber Organismen ^aben junädifl ben fl^t* | logiftben @i[d)einungen entgegentreten. Siefet 



II. 



3aelM AopitcL IIn|n JtBtpabau. 



15 



Oninbfa^ gilt eBcnfo fiki beit nenft^cn t»ie 
für alle anbereit belebten ERaturlQrvei. Sabei 
barf fli^ bie Unlcrfudiunt] nic^t mit bei t&f 
tra^tung bei äu^eicn @efUiÜ begnitgen, fcnbent 
fie mu& in baS innere berfeßen einbititgen 
unb i^re 3>^fo^'XBnfetiung auS ben stöberen 
unb feineten iBeflanbt^eihn erforfdien- 3>w 
SJtlTenft^Qft , roeli^ biefe ßninbleeenbe Untet* 
fu^ung im neiteften Umfange auSaufübren 
bat, ip bie Snatomte. 

inenf^n<^c flnatomle. Sie eifte Kn* 
legung jut Erlenntniß be3 menfi^Üdien ftBr»«« 
baueS sing naturgemdl uon bei ßeilfunbe ait3- 
Sa biefe bei ben älle|ten ftuItuiDSIfein ge- 
TDQ^nli^ von ben $nefteni ausgeübt rourbe, 
baifen mir anne^en, bal biefe ÖBAften SSet- 
ttetei bei bontaligen Säilbung fd^on im gnieiten 
Sabttaufenb boi ffifitifto unb früher über ein 
ßentffeS Onaal Don anotomifc^en ftenntniffen 
twrfügten. SIbet genauere Stfabtungen, ge- 
roonnen buit$ bie 3<iflli<beiung Don Säuge- 
tbieren unb von biefen Übertragen auf ben 
SRenfi^en, flnben roii er|t bei ben gried^ifi^en 
Katur-¥6iIi>ropben beS fet^ften wnb fünften 
Sol^^unbeitS n. €4i., bei SmpebciIIeS (pon 
Sgrigent) unb 2)cmoIiitoB (von Sbbeia), 
vor Kßen abn bei bem berübmteften Üi^te beS 
tlafUf^R ültertumS, bei ^ippotraleS (von 
ItüS). 9[uSi^enunb anbeien @<%riftenf(^Bpfte 
aud^ (im vierten Stabil)- v- ^i-) bei gto^e 
Vrt^oteIe9, ber ^oi^SerüIimte .iSatei bet Slatui- 
gef^icbte', gleict) umfaffenb aI3 Slaturforfi^er 
nie als !|36ilofopl|. 91a4 t^m erf^eint nut 
nod) ein bebeutenbet Hnatom im Sltettum, ber 
gtiec^if^e äligt @Iaubiu3 @aIenuS (von 
^tgamuS) ; ei entfaltete im jmeiten ^aiti- 
^unbeit n- ß^i- in Slom untei ßaifei SßarcuS 
StuteliuS eine tei^e ViatiS. Slle biefe älteren 
SInatomen eimarben i^tefSenntniffe }um giB^ten 
Steile ni^t buidi bie Unteifudiung beS menfi^» 
Uiien ÄötpeiS felBfi — bie bamalS no4 ftreng 
veiboten »atl ~, fonbem bur^ bielenige ber 
menf^eni^nlii^ften ©äugetbie», befonbeiS ber 
Xf feit; fie waienalfnaDeeigenllidifdiDn ,vei> 
glei^enbe SInatomen*. 

SaSSmporblÜbenbeSebtiflentbumSunb 
bei Damit ocitnfipften mqflifcben SSeltanfi^au» 
ung beieitete bei Hnatomte, tvie aUen anberen 
9IatuiniifTenf4aften, ben Sticbergang. Sie iB- 
mif^en $&p^e, bie giBfitcn ®auner ber Seit- 
gef^i^te, ivoien voi UKem beliebt, bie Menfi^- 
beil in nnnitffenbett ju erbalten, unb bielten 
bie Kenntnis beS menftbliibeR Organismus mit 
Sle^t für ein gefObili^eS IfDtittel ber Slufllarung 
fibei unfei iiNibieS ffiefen- SHidbienb beS fangen 
3etttaumS von bieijebn 3aiirE)unberten blieben 
bie €4iiften beS ®alenu3 faft bie einjige 
OucIIe ffii bie menf(^Ii<be Slnatomie, ebenfo roie 
tücienigen beS UiiftoteleS füi bie gefammte 
91atutflc[4it4te- 9t!t ali im feduebnten ^obi' 



bunbeit n. Sbr< bur^ bie ERefotmatton bie 
geiftige SSeltberrfcbafl beS ^apiämuB gebrod)en 
unb buiib baS neue SJeltfqft em beS ff 1) er n i I u g 
bie eng bamit veilnüpfte geocentriftbe äSeltan* 
ft^ouung lerBÖrt mürbe, begann aui^ für bie 
@rtenntnig beS menfc^li^en SärpeiiS eine neue 
$eriobe beS auffi^roungS. Sie grofen Mno- 
tomen SBefaliuB (auB sSrüffel), gufta^iuS 
unb SoIIopiuS (auB SKobena) fBrberten bur(b 
eigene giünbli^e Unterfudmngen bie genaue 
Senntni^ unfercS ÄBtperbaueä fo feftr, baf ibren 
jablteit^en 9lQd)folgetn bejüglii^ ber gröberen 
SBerbältniffe bau ptfäf^Iitb nur Sinjelbeiten feft» 
guftellen übrig blieben. Ser ebenfo tübne alS 
geiPrei4eunbunermübli(^eHnbieaS33efa[iuS 
(beffen Familie, roie bei 91ame fagt, auS 3Bt\tl 
ftamntte) ging babnbrecbenb Slllen voran; et 
DoHenbete fibon in feinem 28. SebenSja^ie baS 
gro^e, einlieitlicb bur^gefübite 3Bett „Ji6 hn- 
mani corporis fabrica", 1543; ei gab bei ganjen 
menfd|li(^en älnatomie eine neue, felb^änbige 
ERii^tung unb fixiere ©runblage. Safüt tvuibe 
93efaIiuS fvätet in EDlabiib — no et fieibatjt 
ÄarlB V. unb ^biÜPPB IL mar — von bet 
Snquifttion alS B^ubeter jum Snbe veruitbeilt 
@i leitete fi<b nut baburtb. ba^ er eine JReife 
nad) iS^mfalem antiat; auf ber Stöifteife erlitt 
et bei ber 3nfel S<^ntt S^iffbiu^ unb flaib 
bter im @lenb, ttant unb aKet Süittel betäubt 
l>crgleiä)cndc flnatotnle. Sie Set« 
bienfle, roeli^e unfer neunjebnteS i^abrbunbeil 
fiib um bie @rfenntni^ beS menf^Ii^en ^Bipei' 
baueä envorben dat, befteben tot SlUem in bem 
äluSbau von groei neuen, überaus mii^tigen 
if orftbungSridilungen , ber ,vergletd|enben 
SInatomie* unb bet ,@en)ebelebie* »bei 
ber »mihoflopiftben Mnatnmie'. SQJai gunä^R 
bie erBere betrifft, fo mar He aUerbingS fcbon 
Don Anfang an mit bet menfiblic^en Slnatomie 
eng vettnüpft geroefen; ja bie letitere toutbe fogoi 
folange buicEi bie elftere erfet)t, alB bie @eltion 
menfibli^ei Seilten für ein tobeäroütbigeS SJer- 
biegen galt -^ unb boB roai fogar no4 im 
15. äabibunbeit ber gaU! über bie jablieitben 
Anatomen ber folgenben btei 3abrbunberte be- 
f^tünttenfi^grBIlentbeilB auf bie genaue Unter« 
fuibung beS menfdilicben CrganUmuS- Sie- 
jenige boi^entmidelte SiSciplin, bie mit beute 
vergleidjenbe SInatomie nennen, mutbe erß im 
Sa^re 1803 geboren, alS ber große fianjBflfi^ 
Zoologe (Seoige Suoiet [aui SDIBmpelgarb 
im (Slfal ftammenb) feine grunblegenben .Lecons 
Bur t'Anatomie comparie" betouBgab unb bütin 
jum elften 3RaIe beflimmte @efet)e über ben 
SSrperbau beB ÜRenfiben unb ber 31|iete feft» 
juflellen fmftte. iffidbtenb feine SBotIdufet — 
unter t(|nen aud) @oetbe 1790— bauptfädili^ 
nur baS Änoiiengerüft beS SDlenfcben mit bem- 
ienigen bei übiigen Sdugetbiere tingebenb vei* 
gU^en betten, umfafite Suviet'S roeiletSSIid 



l(i 



Smittl Uapütt nnfn ABitwtbou. 



TL 



liU ©efammt^ett bct l^ierif^en Otsaniration ; er 
untnfc^ieb in beTfelben ti« flroöe, »on ein- 

QTibn uiiabtiängige dautitfonnen obn Xqpeti: 
ffiitbellöiere (Vertebrata), ©Uebeitbiete (Artico- 
Ut&), Seit^t^ieie (Mollosca) unb ©tra^Il^iere 
(Radiata). Jüi bU .^aßt aüft Stoflen' roar 
biefet SottWtitt infofern tvodjtmaäitnb , alB 
bamit Hai bie ^uee^BiieCeit beS aRenr^cn guttt 
Zttvüi bei SBiilieltgieie — fomie feine 
(StunbveiTi^i^tn^eil uon aden anberen Xi^pen 
— aii!8efi'io4en niar. SlHeibinfliS fiolte Won 
bei f(!iarfblictenbe Sinnö in feinem elften „Sy- 
Etema n&tniae" (1735) einen bebeut unflSooD tu 
9oitf4iitt bamit ^tü^aa, ba$ ei bem ÜRenf^en 
beflnitiD feinen ^laft in bei Klaffe bei Siluee* 
lllleie (Mammalia) anroieS ; ja ei oereinigte foflor 
in beiCibnung bei fieirent^teie (Primates) 
bie biei @nippen bei Halbaffen, Slffen unb 
QJIenf^en (LemuT, Simia, Homo). Slbei eB 
fehlte biefem !ü(inen, fqflematifdien Oriffe noit 
jene tiefet« empitifi^e ÜJegrünbunfl butc^ bie 
oerglei^enbe SInatomie, bie eift Cuuiet 6"- 
tieifü^e. Siefe fanb i^ie nieiteie SIuSfüEiiung 
bunb bie gingen neigleii^enben Slnatotnen 
unfete33a6i^unbeits,bui4$riebii<^sneilel 
(in goOe), Sc^anneS SHütlei (in i^cilin), 
ffiidiaib Omen unb X^omaS $u;Iet) (in 
Snglanb), Sail ®egen6aui (in ^ena, fpütei 
in £ieibelt)eie> Snbem biefei Setitere in feinen 
@iunbjüQen bei Deigleti^enben SInatomie (1870) 
gum elften OTale bie but4 Satwin neu be- 
ßtflnbete Slbftammunßäle^te ouf jene aBiffen- 
fi^aft anraenbete, ei!|ob et (ie jum elften ERange 
untet ben biologiftfien Siäriplinen. Sie jaU- 
leiiiien neteleit^enb-anatomif^cn Sttbeiten oon 
@egenbaui flnb, ebenfn loie fein aUßemein 
DeiBteileteS .ße^rbui^ bei SInatomie be« 
STIenf^en', gleid) auSQqei^nel buid) bie ßrfinb- 
li<f)e entpitifc^e ftenntniß eineS ungetieueien 
X^atfa^en'SHateiialS, nie bui^ bie umfaffenbe 
Se^eirf^ung beSfelben unb feine pbilofopliif^e 
aJetroettSuna im ©inne bet SutwictelunöSle^te. 
©eine tütjUc^ erf^ienene ,aSetaIeid|enbe SIna- 
tomie bei aSitbelt^ieie' (1898) legt ben unev 
fd|ütterti{^en ®tunb feft, auf »et^em flc^ unfeie 
Uebetgeugune »on bet SBitbell^iefSRolut beS 
Snenf^cn nai^ ollen iHii^tunBen I|in Hai bc 
nieifen lö^t- 

©emebele^te (Histologie) unb Seilen* 
Ic^re (Cytologie^ 3n ßoiti anbetet fflic^tung 
als bie oergleidienbe , entniidelte fti^ im Saufe 
unfete9 ^o^ibunbettS bie mitiaflopif<^e 
ainatomie. S^on im Slnfang« beSfelben 
(1802) unternabm ein fiangenf^ct aitjt, SÖiti^at, 
ben SSerfuift, mittelft be§ aßiltofloiieB bie Organe 
beS menfiili^en Äörpeiä in ifite einjelncn 
feineren SQeftanbtSeile ^u aerleßen unb bie !Se< 
jie&ungen biefet netfiinEbcnert Oeroebe (Hüta 
ohet Tela) feftjufteaen. Stbet biefet etfte SBei« 
fud) füllte nii^t nett, ba i^m ba8 gemeinfante 



SIement füt bie gabliet^en, oeif^iebenen < 
roebe unbelannt blieb. 3)ie9 rouibe erft 18S8 
fai bie ^flangen in bet Seile von "Sflait^MA 

©i^Ieiben (in 3ena) enibctft unb gleid^ baia4 
aui^ ffit bie Spiere Don S^eobor @c^ioaitH 
nai^geraiefen, bem Spület unb Stfftftenteit wm 
3o^anneS Snüllei in ^Berlin. 3n>ei anbm 
berübmte 8i{|ülei biefeS großen unb bo^n^ 
bre^enben SneifteiS, KIEieit fiSIHEer unb 
SHubolf iSiri^aro, fül^iten bann im fec^^n 
3)ecenniunt beS 19. Sa^tbunbeitS (in SBöraburg) 
bie 3ellentE|eatie unb bie boiauf gegrünbete 
@en)ebelebie füi ben gefunben unb franlen 
OtganiSmuS beS Snenfc&en im Qingelnen but^; 
fie rotefen na^' bag aud) im 2)1enf<^en, inie in 
allen anbeten X^ieien, alle ©eniebe fl<^ auS 
ben gleichen miltoflopift^en JJoimbeftanbtÖcilen, 
ben Seilen, gufammenfe^en, unb ba@ biefe 
.©lementat'OiganiBmen' bie niatiten, felbft- 
tijdtigen ©taatSbütger ftnb, bie, }u üniQiarben 
Bereinigt , unfein Aätpet, ben .SeHenftaat', 
aufbauen- Me biefe SeQen entfteben bur^ oft 
niiebeiEioIte Zeitung auB einet einjigen, ein' 
fairen SeDe, au B bet .Stammielle* ober .be- 
fluchteten SijeHe* (CytuU). 3)ie aUgemeine 
Stiuttui unb Bufanimenfe^ung bei ©eroebe iit 
beim 9Henf4en biefelbe nie bei ben übriflen 
SBiibelt Rieten. Untei biefen getanen flc^ bte 
Sduget^iete, bie f&ngfle unb iiSi^ft entnidelte 
Alaffe, but(^ geroiffe befonbere, fpät etwoibene 
@igentg&ntlii^feiten auS. @o i^ g. f&. bie 
milroflopifdie SBilbung bei ©aare, bet ^aut* 
biüfen, ber SDlili^brafen, bet SBlutietlen bei ben 
3Rammalien gang eigent^ümli^ unb cerft^teben 
oon berjenigen ber übrigen ^ettebtaten; bet 
2ltenf4 iß au4 in allen biefen feinften biftO' 
logifc^en Ifiegie^ungen ein edjteB Sauget^ i ei- 

Siemitioftopif d)en 9oif(f|ungen tion U 1 b e it 
ftBlIitei unbcon^rangSeqbig (ebenfalls in 
Sßilrjburg) etnieiteiten ni(^t nut unfete Sennt> 
ni^ Dom feineien Söipetbau beS Stenfc^en unb 
bei Sbiere nat^ aQen ißtättungen, fonbetn fle 
nuiben au4 befonbetS nid^tig butdi bie SJef 
binbung mit bet SntroictelungSgefc^tdite 
bei Seile unb bei ®enebe) fle befiatigtcn 
namentlit^ bie nii^tige Z^orie von Sail 
I&eoboi ©ieiolb (1845), bag bie niebrigften 
Stiele, bie Snfufotien unb tR^tgopoben, ein« 
gellige OtganiSmen Rnb. 

tDivbcItliler ■ natur bt* tltcnfi^en. 
Unfet gefammtet SSrperbau geigt fonofiC in bei 
grBbeten al8 in bei feineren Snfön"iie''fet!"n0 
ben c^ata(teriftifd|en XqpuB berStibeltEiieie 
(Vertebrata). Siefe roütiefte unb Wc^ft ent- 
nictelte £iQuptgruppe beS Xietieid|3 rouibe tn 
iStei natürlit^en ©in^eit guetft 1801 con bem 
großen Samard eilannt; et falte unter biefem 
Segriffe bie piei^B^eten 5Ei)ieitlafTcn oon Sinn* 
gufammen: Säugettiiere, Bögel, atmpM&i«n unb 
Sifc^e. Die beiben niebeten klaffen: ^nfetten 



II. 



3i>ftite3 flofittel. Qnfn ABtfnBait. 



17 



tinb SBütmer, fteKte er jenen ali .aßtrbellofe* 
{Invertebrata) gegenäber. Q,uvitx beflAligte 
(1812) bie gin&eit beS aJertebtalert'SmiuS unb 
begtünbete Jle feper butti^ feine oergleidienbe 
Stnatomie. 3" bet Zliat Timmen aUe aßitbel» 
totere, von ben ^ift^en aufrodrtS bis jum 
SRenfc^en, in allen mefentli^en ^auptmetl« 
malen übeiein; fie befltten alle ein fefteS innereS 
Stelett finoipel' unb Änoi^eneeiüfl, unb biefeS 
befielt ü&eraS au3 einer 3Birbelfdule unb einem 
<S<6äbel; bie venDtdelte ^^[ammenfe^ung be3 
leiteten t|l groar int Sinjelnen fei|r mannig- 
faltifi, aber im älQsemeinen ftelS auf biefelbe 
Urform jur&djufü^Ten. ferner liegt bei allen 
93ertebraten auf ber fRüdenfeile biefeS 3t);en' 
ffelettS bai .Seelenotgan', baS centrale Giemen' 
fijftem, in Oeftalt eine§ SRitcfenmartS unb eine8 
@el|iin3; unb aucti oon biefem niiditigen ©e* 
Öirn — bem Serljeuge beä aSerouStfeii^ unb 
allet Iiaberen SeelentWtiflteiten! — flilt baS» 
felbe nie non bet es umfi^Iielenben finoi^en- 
tapfel, bem @d|abel; im (Sinjelnen ift feine 
9IuSbiIbung unb ©rBge l|54ft mannigfaltig 
abgefluft, im ®io^en unb ©anjen bleibt bie 
(^Tflltetiftifi^« Sufimmenfetiunfl biefelbe- 

Sie gleit^e Srfdieinung jeigt fld) nun au<^, 
roenn »ir bie übrigen Organe unfereS AörperS 
mit benen ber anberen 3ßirbeltf|iete oerglei^en: 
überall bleibt in ^olse Don äjereibung bie 
urfflrüngtit^c Hnlage unb bie relotitte Sagerung 
ber Organe biefelbe. obgleich bie @rfi|e unb 
SuSbilbune ber einaelnen Ifeeile %i^^ mannie- 
faltig fic^ fonbert, entfpte^enbber anpaffung 
an fefir oetf^iebene SebcnSbebingungen- ®o 
fe^en mir, ba| fibeioQ bai >BIut in iroei Öaupt* 
r56ren fteip, oon benen bie eine (Slorta) über 
bem 2)arm, bie onbere (iPrincipatoene) unter 
bem 2)atm oetlfluff, unb ba6 buri Snoeiferung 
ber letiteren an einet ganj beftimmten ©teBe 
baS ©erj entfielt; biefeS .Sentral-ßerj' ifl 
für alle ^itbeltbiere ebenfo d^arolteriftifdi ntie 
umgele^it baB iRficten8efä& ober .2)orfai-6erj' 
füt bie Otiebettfiiere unb SBeiifitÖiere. 9Ii4t 
mtnber eigenl^ümli^ ift bei allen äieitebraten 
bie fiü^jeitige S^eibune bei 2)annrotire3 in 
einen gut %ti|mung bienenben ftopfbarm 
(ober .Siemenbarm') unb einen bie SQerbauung 
beroirlenbenSlumpfbatm mit ber Seber (ba^er 
.fieberbatm'); ferner bie (SJlieberung beS ÜRuSle!- 
fqpcmä, bie befonbere Silbung bei ©am* unb 
(Seft^Ie^lSotgane u-f-ro. ^n allen biefenano' 
tomifc^en ISejieiiungen itl bei aRenf(4 ein 
elftes SBitbeltgier. 

Selxapo&ettdlotur 6Min*nf(^en. Snjt 
ber >8qei4nuns 8)ierfüSer(Tetrapoda) ^atte 
ft^on XiiftoleleS aDe jene IiQ^eren, blut- 
fäiienben 3)ieie belegt, meldte fi4 bur^ ben 
Se|i| Don jroei Seinpaaren au3jeid)nen- €pdter 
nurbe bieferS9eflriff ermeitert unb mit ber lateini' 
f4en Sejeit^nung Quadrupeda oertauf^l, naä)* 
«KAel, sa(U>U«ftl. 



bem Suoier gejeigt ^atte, bog au^ bie .aniei' 
beintgert* SBgel unb SHenfi^en eigentlt^ Sfi«' 
fügerftnb; etniieSnat^, bnfi baS innere finot^en» 
ßerüft ber cier Seine Bei aUen ^Öfieten lanb- 
SeniDÖnenben SSertebraten, oon ben Mmpliibien 
aufroartS biS jum ÜFtenf^en, utfprünßlidj in 
flleidier 9Beife auS einet beftimmten 3<ibl Don 
©liebem aufammengefeßt ift. Stud) bie .Strme* 
beS Dlenfdjen, bie .Slüger ber 5'e*ermftufe 
unb Sögel jeigen benfelben tqpifi^en @telett> 
bau roie bie .Smberbeine' ber laufenben. eigent« 
lit^ nierfüßigen SEiiere. 

Siefe anatomift^e Sin^cit beS vet- 
n)icfelten finoc^engerüfieS in ben itier ©lieb* 
mafien allet Xettopobenip fe^r niditiB. Um 
fld) »itfli^ baoon ju übergeugen, braui^t man 
blo^ bai SIelett eine3 ©alqmanberS ober 
i^rofd^eg mit bemjenigen eineS Stffen obet 
SPtenft^en aufmerlfam ju oerglei^en- 2)a fle^t 
man fofort, baß ootn ber Sdiultergürtel unb 
hinten bei SBedenflüttel auB benfelben feaupt- 
ftüiJen gufammengefetjt ift roie bei ben übrigen 
.Sierfüeern*. UebetaD fe^en roit, baß baS 
etfte ©lieb beä eigentlit^en Seines nur einen 
eingigen ftaiten SRölrenfnodien entbSlt (uorn 
ben Oberarm, Humernsi hinten ben Ober- 
fcöenlel, Pemnr); boßegen roitb baS gmeite ©Heb 
urfpiüngli^ fletS but<4 gniei ^oi^en geflütil 
(»um Mbogen, üln», unb ©peicfie, Badina; 
Ilinten SDabenbein, Fibula, unb @(^ienbein, 
Tibia). äSetgleic^en mir bann nieiter ben tter* 
roidelten £9au bei eigentlii^en guteS, fo fl(>er' 
rafc^t uns bie SÖJaötneftmung , baß bie ja^l. 
reiben, benfelben jufammenfe^enben, tleinen 
finalen ebenfallB flbeiaQ fi^nlit^ angeorbnet 
unb gefonbert finb; ooin entfprei^en (It^ i« 
allen Klaffen bei jTetrapoben bie brei finoi^en' 
Qtuppen beS äJotberfußeS (ober ber ,$^anb*): 
I. fianbrautjel (Carpuai H. SUtittelbanb (Meta- 
carpu») unb III. fünf Singer pigiti antariores); 
ebenfo Iiinten bie brei Anoi^engrappen beS 
6interfu6e8: 1. ffußniurael (Tarsue), n. Sllittel- 
fuß (Metatarsus) unb 111. fünf 3e6en (Digiti 
poBteriorea). Se^i f^roierig niat bie Slufgabe, 
aUe biefe ja^Ireii^en tleinen £n(i<!ien, bie im 
©ingelnen ^bdift mannigfaltig geftaltel unb 
umgebitbet, t^eilweife oft oerfc^moljen ober 
Detfdjrounben finb, auf eine unb biefelbe Ur- 
form jurütfgufü^ren, foroie bie ©leic^roertiiigEeit 
(ober Homologie) bei einjelnen X^eile überall 
feftjuftellen. Siefe roiditigc ^lufgabe rourbe etft 
ooQftdnbig von bem bebeutenbften nergleidienben 
Slnatomen ber ©eßenniait gelflfl, non ßorl 
©egenbaut. ®f geigte in feinen .Unter, 
fudiungen gut »ergleirfienben ainatomie ber 
9Birbelt^iere' (1864), roie biefe d)aralteriftifd)e 
.fünfge^ige Seinform' ber lünbbemoftnenben 
Setrapoben urfprüngliift (erfl in ber ©teintoblen- 
^eiiobe) auB bei »ielftraftligen .&Ioffe' CBiuft- 
floffe ober Saudifloffe) bei älteren, waffer' 



18 



3mitcB Ro^ÜtL Unln Atipnliait. 



II. 



betoo^nenbm gif^e entftünbm ift. 3nfllei4rt 
SBeife gatteSeri'eli'e in feinen beifi^mten .Untei- 
Tilgungen üb« bü8 ftopfftelett bei SBirbel- 
tötete' (1872) ben iüngeren @(^ibel bet %etia' 
Ijoben au8 bei ältefien S^äbelfotm ber Sifdje 
abaeleitet, beiienigen 0er ^aififdie (©elaii)ier). 

iBefonberS betnexfenSraertt ift nocJ), iai bie 
utf^tfinalii^e, juerft bei ben alten am^jftibien 
ber ©teinloSIenaeit entftanbeneS5Ünfjtt&I ber 
3eben an alten vier güßen— biePentadoctylie 
— jld) in golge ftreneer Sererbung no^ 
beim STlenfi^en bis auf ben beuligen ^a^ con- 
feroirt ^at- ©elbftDerftönbli^ ift bem ent- 
fpiec^enb auA bie Inpittü« Söilbung ber ©elenfe 
unb S9änbet, bet iDluäieln unb gieroen bet 
gmei Seinitaaie, in bei ßauptfadie biefelbe ge- 
blieben nie bei ben fibiigen .SSiecfil^em*; au4 
in biefen iDi^tigen Setie^ungen ift beT 
SRcnf4 ein edjtet Zcttapobe. 

S9iiflctlii«r*nahir bes Hlcnf^cn. Sie 
©üugetbiere (Munmalia) bilben bie iünefte unb 
bb^ft entmidelle Slaffc ber :Kiibe(tbiere. Sie 
Pub jroar ebenfo rote bie SDOgel unb 91eptilten 
auS bei ditcien Alaffe bei SImplibien abgu- 
leiten; fte unteifdieiben fl4 abti von aDen 
btefen anbenn Xetioiiobtn buid) eine äCnjabI 
oon febr auffaUenben anatomift^en üneitmalen. 
aieugerliiii tritt cor SlHembie ^aarbebeifung 
ber ^aut bemoi, foraie bei lOeftf; von groeterlei 
fiautbrüfen: ©i^roeiSbrüfen unb Salßbrüfen- 
äuB einer lofalen Umbilbung biefer Siüfen an 
bet 'Bauiftbttut enlftanb (wä^tenb bei SriaS« 
Veriobe?) baSienige Cigan, wel^eB für bie 
Klaffe befonberä (^aratteriftifÄ ift unb ibt ben 
9tamen ßegcben 6«'' baS ,@ef4uge" (Mam- 
marium). SliefeS n)i(!^ttee SJerfjetig ber !8iut' 
pflege ift gufammengefe^t auS ben Wilif 
br&f en (Uommae) unb ben .SJlammar-Xaf^en* 
(galten bei SSauift^aut); butt^ i^re JJortbilbung 
entftanben bie 3t^*n ober .!DIildiroaraen* 
(Masta), aus bcnen ba8 iunge !DIainniaIe bie 
9nil{^ feiner SDuttei fangt. 3ni inneren R5f 
perbau ift befonberS bemer!en6roertli bei iBeflti 
eine3t)oIIftanbigen3net(^feIlS(Düiphia«m&), 
einei mueiuiafen €(^eioeroanb, niel^e bei aUen 
©äugetbieien — unb nur bei biefenl — bte 
ajruflbb^Ie Don ber Sauc^bbble gänjlic^ ob- 
f^iie^t; bei aUen äbiigen äßiibeltbieien feCjIt 
biefe STrennung. 2)ur^ eine Unjobl Don meif' 
niilrbtgen Umbilbungen jeii^net ft^ auc^ ber 
©d^äbel ber SnamntaUen au3, befonbeiB ber 
Sau bei tiefer 'SIpparateB (Oberliefer, Unter* 
liefei unb ©ebörfnoi^en)- Über au^ baS @e' 
E|itn, baS ®eiud|3organ, baS £>erj, bie Sungen, 
bie inneren unb ftuleien ©efi^te^tSoigane, bie 
9tieren unb anbeie ßbipertbeile geigen bei ben 
@äugel6ieren befonberc Sigentbilnili^feiten im 
giiberen unb feineren Sau; biefe aUeoeieinigt 
nietfen ungnetbeutig auf eine fr&bgeitige Xten* 
nung berfeiben von ben älteren @tammgiupven 



bei EReptilien unb %mpf|ibien bin, niel^e f p ä > 
teRenB in bei ÄriaJ'SBeriobe — oor 
tninbeftenS jmSIf SRinionen Sobienl — flatt< 
gefunben bot Sfn oQen biefen mistigen Se- 
giebungen ift bei SRenfi^ ein cd)teS 
©ilugetbiei. 

piaccntaReninotur be« ntcnfC^en. 
Sie joblieii^en Crbnungen (12— 3S), niel^e bie 
mobeine fqftematifi^e Boologie in ber Rlaffe 
ber ©öugetjiieie unteif^eibet, nerben ti^bon feit 
1SI6 (nai^ iSIainoille) in brei natürlit^e 
fiauptgruppen georbnet , raeldien man ben 
Sertb Don nntertlaffen gufpri^t: I. ®a6el- 
tbiereCMonotrema), H. »eutelt^iereCMÄr- 
Bupialia) unb in. 3ottentbiere(PlaceataUa). 
ajief« biei ©ubfla^en unterfcöeiben fiä) nit^t 
nur in roidKigen Serb&ItntfTen b(3 fiöipei' 
baueS unb bei Sntroitidung, fonbern ent« 
fpre^en quc^ biei oerfc^iebenen biftoiif^en 
SilbungBftufen bet ftlaffe. roie roii fpatei 
feben nieiben. 9Iuf bie ältefte ©nippe, bie 
Snonotiemen ber IriaS-^eriobe, ftnb in ber 
Sura'^eit bie ällatfupialien gefolgt, unb 
auf biefe erft in bet Ätetbe-^eriobe bie ^la« 
Centalien, gu biefer i&ngften ©ubÜalTe ße- 
bbit aut^ ber 9nenf4; benn er geigt in feiner 
Oiganifation alle bie Sigentbümlid) Feiten, bui^ 
mel^e fld) fämmtlidie Bottent^iere uon ben 
^eutellbieten unb ben nod| älteren Säbel- 
tbieren untetf^eiben. 3n erftei Sinic ge^tt 
babin baB eigen tbümlic^e Organ, meli^eS ber 
^lacentaliengruppe ibren Siamen gegeben ^t, 
berülIuttertu^enCPlacenU). SaBfelbe biott 
bem iungen, im Stuttcrleibe noi^ etngef^Ioffenen 
3nammaIien-@mbrqo Ungere 3^> gur SrnSb* 
lung; e8 beftebt in blutfübrenben QoUtn, 
nieldie con ber 3ottenbaut (Chorion) bet fieim* 
bülle ouBroat^fen unb in entfptec^enbe @rjll» 
djen bei @4Ieimbaul beS mflttetli^en 3tu<!bt' 
bebälteiB (Uterus) einbringen; ^ier nitb bie 

Sirte &aut gmifdien beiben @ebtlben fo febr uef 
ünnt, ball unmittelbar bie emdbtenben ©toffe 
auB bem müttcriidien Sllute bur^ biefelbe bin* 
buii^ in baB linblicbe Slut fibeitoten IBnnen. 
£iefe oortrefflicbe, eift fpät entftanbene Sr* 
nabrungSart beS j^eimeS ermögltdjt bemfelben 
einen längeren Wufent^alt unb eine roeitcre 
3lu3bilbung in bei fi^ütienben Sebätmuttet; 
Pe feblt not^ ben ImplacentaÜBn, ben beiben 
älteren ©ubilaffen ber iSeuteltbieie unb Säbel* 
tbtete. 9btr aucb burd) anbete anatemifi^e 
SJleilmale, inBbefonbeie bie bübeie SluBbilbung 
beB (SebiinS unb ben ißeiluft bei Seutellnodien, 
eibeben fld) bte S^ttentbieie übet tl)ie Sm* 
placentalieU'Slbnen. ^n aUen biefen toi^tigen 
SS^ie^ungen ift bei SRenf4 ein editeS 
Bottentbtei. 

Primaten ■ naiux bc* lltenf^cn. £)ie 
fonnenrei^e Subllaffe bei $lacental'XI)iete 
roitb neuerbtngS in eine gtofe 3<tbl von Oib* 



3ti>flteB Aa^itcl. Un|n RbVfniau. 



19 



nungen getbnlt; geniä^nltdi toeiben beten 
10—16 onflenommeni menn man ober bie roiift- 
tigen, in neuefterSnt entberften, auSgellotbenen 
Sotmen Beböiig beiütfpditigt , Beißt iftre ga^l 
ouf minbepenS 20—26. gut beffeien Ueberpit 
biefer galilreic^en Orbnuiigen unb gut tieferen 
6inftd)t in i^ien netnjanbtft^QfÜii^en 3"- 
fammenbanB ift e8 fe^t »ii^fia , fle in natftt- 
li(^e aiflßere ©nippen gufammengwfteUen, benen 
Ol ben SBert^ non Seeionen geetbeit ^abe. 
3ii meinem neueRen SSerfudie, baä Denoidette 
$Iacentalteit'@qf'teTn p^qlogenetifc^ )u otbnen, 
l^be i^ jui SlufnaWe bei 26 Cibnungen 
8 fold^e Segionen aufeefttDt unb gezeigt, baft 
bieip lid) auf 4 Siammgiuppen juiüdfübren 
laffen- 3)iefe (enteren finb raieberum auf eine 
gemeinfatne ältefte ©tammgruppe aller ^locen* 
talien jurÄtf f übtbar , auf bie foffllen ttt« 
gottentdieie. bie Proohoriftten ber Äreibe« 
periobe. 3iefe fc^Iie^en ftc^ unmittelbai an 
bie Maranpialiea-ällincn ber Suroperiofte an- 
%IS nii^tigfte SSeitcetei jenei uier ^aupt- 
gruppen in bei ©egenniait führen mit ^iet 
nur bie Slafletbieie, ^uftEiieie, iRaubtbieie unb 
&ein;enttitere an- 3ui Segion bei $ieiien' 
t^iete (Primates) ßebSten bie brei Drbnungen 
bei ealbaffen (Prosimiae), bei e^ten 9lffen 
(SimUe) unb ber SUcnfifien (AnÜiropi). SlUe 
ätnee^&iigen biefei biei Oibnungen Timmen in 
Dielen nic^tiQen @igentUmli{!|leiten überein 
unb unterfdietben fii^ babut^ von ben 23 
übrigen Oibnungen bei ^ottentbieie. Se- 
fonbeiS jetdinen fie fli^ buid) lange Seine au3, 
mtl^t uifpiüng[i(f| bei tlettemben SebengiDetfe 
ouf Säumen angepafet finb. 64nbe unb 5ü6e 
fli^ fünfte^tg unb bie langen finget ooitreff' 
Ixdt j(um ©leifen unb gum Umfallen bei Saum- 
(neige geeignet; fle tragen entroeber tbeilnjeife 
ober fdmmtlii^ 9!ägel (teine Ätallen). 3)a§ 
öebife ift noUftänbig, auB allen oiet Sab". 
Stuppen jufammengefetit (©^neibejä^ne, ©et- 
jA^ne, Südenj&^ne, Sadengä^ne)- ^u^ buic^ 
mistige Sigent^ümltdjtettett im befonbeten Sau 
beS ©diäbelS unb beS @ebintg unteif^eiben 
fli^ bie ^enentbiere uon ben übrigen Sitten. 
Üfitxtn, unb iviat um fo auffäll i gei , ie |5E)et 
fx auSgebilbet, ie fpäter fle in ber Sibgefdii^te 
aufgetreten finb. 3n aUen bieten roi^tigen 
onatomif^en Regierungen flimmt unfer rnenf^- 
li^ Organismus mit bemjenigen bei übrigen 
$Ttmaten fiberein: bei SRenfc^ ift ein 
c4teS-6errentriet. 

Affetunotur bcc mcnf^ctt. @ine un* 
befangene grfinblii^e Sieigleidiung beS itbiper' 
baueS bei Primaten lößt gunü^ft in biefer 
^ft enttoitfelten Onammalien'fiegion jniei 
Oibnungen unteifdielben: Halbaffen (Pi 
Himifte ober Hemipitheci) unb Slffen (Simi 
ober Pitheei). Sie «ifteien eifi^einen in ieber 
S^iebung aU bie niebeie unb altere, bie Ie|teren 



aU bie b3beie unb ifingeie Orbnung- 2}ic 
©ebüimuttei ber Halbaffen ifl noc^ boppelt 
ober imei^Otnig, mie bei alten übrigen S&uge- 
tbieren; bei ben Slffen bagegen finb letzter unb 
linlei ^ru^tbebtttei oBQig neif^molgen; fie 
bilben einen biinfermigen UleiuS, roie 
i^n auleibem nui bei (0tenf4 befltit- Sßie 
bei biefem. fo ift au4 bei ben Sl^en am @4äbe[ 
bie StugenbBble non ber ©(^läfengrube bur^ eine 
tna^einbeSc^eiberoanb poUftänbig getrennt; bei 
ben fealbaffen ift biefe nod) goi ni^t ober nur 
unDoUftänbig auägebtibet. ^nblii^ ift bei ben 
Halbaffen baS große ®ebitn nodi glatt obernui 
ft^wac^ gefuic^l, oerbältniSmäSig Wein; bei 
ben Slffen ift eä oiel griSger, unb befonbeiS 
bei graue ©iinmantel, Ba8 Orgon berbaberen 
Seelentb&tigtetten, ift siel beffer entmidelt; 
an feiner Oberftäilje ftnb bie ^aratteriiiif^en 
Sffiinbungen unb guttuen um fomebr ausgeprägt, 
ie mebr er fii^ bem STlenf^en näbeit 3u 
biefen unb anberen mtcbtigen Sejiebungen, be< 
fonberS auä) in ber Silbung beä @eflcbt3 unb 
ber &änbe, geigt ber ÜJIenf^ alle ano« 
tomiftfien SRerlmalebei ed^ten Slffen- 

Uatarrlifnen>natur bt» Uttnfi^tn. 
2)ie formenreic^e Orbnung ber Äffen nmtbe 
fc^on 1812 oon ©eoffro^ in jwei natfiilitfte 
Unterorbnungen getbeilt, bie nod| beule äuge* 
mein in ber f^ftematifd)cn 3oologie angenommen 
ftnb: aßeftaffen (PlatyrrbinRe) unb Oftaffen 
(CatarrhinaeJ; erftere bcmobnen au8fiiilie61i^ 
bie nieftli^e, legtere bie bftli^e (Sibb^lfte. 3)ie 
ameritanifi^en SBeftaffen beilen .$Iatt' 
nafen" (Platyirhinae), nieil ibre Knfe ptott- 
gebrüift, bie 9IafenIB(^er feitli^ geriditet unb 
beien ©i^eibemanb breit ift. 2)agegen ftnb bie 
Oftaffen, meldie bie Sllte äSelt beroobnen, 
fämmtlif^ ,©{^malnafen* (Catarrhinae); 
ibre 91afenlöd|er ftnb nie beim SDIenfdien nadi 
unten gerietet, ba ibre ©^eiberoanb f^mal ift. 
Sin roeiterer Unterfd)ieb beibet @ruppen bie 
fte^t baiin, bag baS Siommelfell bei benffieft* 
afim obeijläi^Ut^ , bagegen bei ben Oftaffen 
tiefei, im Innern beä 0elfenbeinS liegt; bier 
bat fti^ ein langer unb enger Inbi^erner @eb5i> 
gang entraidelt, mäbrenb biefei bei ben aßeft- 
affen no<^ luig unb nieit ift ober felbft gang 
fe^It- (Snblii^ geigt ftt^ ein fe^r rotcbtiger unb 
buri^gietfenber @egeiifa^ betbei @ruppen batin, 
baß aQe ßatarrbinen bie ©ebiß-Silbung beS 
3Renfc%en befttien, nämlic^ 20 3nild]}äbne unb 
32 bleibe nbe 3^6"^ (<» i^^^ ^ieferbälfte 

2 ©^neibejäbne, l @c!gabn, 2 Üüdengäbne unb 

3 ajiabigabne). ajie 5ßlatqril|inen bagegen geigen 
in ieb erltief erb älfle einen £üctenjabn mebi> alfo 
im @an}en 36 ^^^ne. Sa biefe onatomif^en 
Unterfi^iebe beiber Slffengruppen gang oH- 
gemein unb burdigteifenb ftnb, unb ba fte mit 
ber geogiapbif^en Seibteitung in ben beiben 
getiennten ©emtfpbären ber Srbe lufammen*^ 



Stotüa Aa))itd. VM]fx Mepnhtm. 



H. 



itimmen, erflietit fl4 baiauS bie l8ered)ttBung 
i^tfi ft^aifen f^pematirdien S^vennunSt unb 
iveitfi^in bcibaTan gelnüpftcn p^qlogenetifc^en 

Solflciune, ba| feit Teör lang« Seit (feit mel|t 
al3 einer anmion QaiiK} f<$ beibe Qntn- 
orbnunfltn in bei meftli^en unb öftlidien £temt' 
fpdäre setrennt ton einanber entraictelt baben. 
S)a8 ifi für bie ©tammeeflef^ii^te unfereS ®t- 
Wtüiti ütrnauS roit^ttg; benn ber EDIenf^ 
t^eiltaÜeSneirlmalebeteditenflat anginen; 
n tat (14 üu8 älteren auBfleftotbenen Wffen 
biefet Untetotbnunfl in ber Mlten SBelf ent- 
niiielt- 

leiten gönnen bee Äatatrbinen, toelt^e noi^ 
^ute in Slflert unb Stfrilo leben, werben fcbon 
feit lanflet 3«'' i" äi"« natflrlit^e Seclionen 
fletbeilt: bie fleWmflnjten 6unbBaffen(Cyin>- 
pitheca) unb bie fcfiniQnjtofcn ÜWenf^en- 
äffen (Anthropomorplia). 3)iefe [e(jt eren 
fteben Sem Snenfc^en siel nd^er alS bie erbeten, 
ni(^l nur in bem 371aneel beS Si^raanjeS unb 
in bei aSgemetnen @efla[tung beS ßöirperS (be* 
fonberS beS ßopfeS], lonbetn auif burt^ befonbere 
Sneitmale, bie an jlc^ unbebeutenb, aber wegen 
i^ier iSeftünbigleit mistig flnb. S)a3 Srtui- 
bein ift bei Ben SÜenfilenaffen, mie beim 
EDtenfi^en, au3 fünf nerr^molienen SBiibeln 
gufammen gefeilt, bagegen bei ben ^unbSaffen 
nui auS brei (feltener uier) ^reugnirbeln. ^m 
iSeMUbeiSqnapitlielen flnb bie fiflitengSbne 
(Praemolares) länget alS breit, in bemjent- 
Senber^ntbiopomoip^en breitet al3 lang; 
unb bet erfle SRofilja^n (Molaris) jeigt bei ben 
etfteren oiet, bei ben leftteren bagegen fünf 
ßödet. f^etnet ift im Unterltefer jeberfettö bei 
ben 9)1 enfi^en äffen , niie beim ÜRenfc^en, bet 
äuftere @d)neibejal|n breitet alS bet innere, bei 
ben 6uitb8affen umgele^rt fc^mölet. ©nbli^ 
ifl »on befonberet SSebeutung bie toit^tige, erfl 
1890 butd) ©elento feftgefleüte Jbatfai^e, ba^ 
bie Emenfdienaffen mit bem Stenf^en auc^ bie 
eigentiiümli^en feineren SilbunglDerbältnifTe 
feinet f^eibenfBtmiflen Plac«nta, bet Decidua 
reflesa unb beS ©au^ftielS t^eilen (oetgt. 
Aap. 4). UebrigenS ergiebt fi^on bie ober« 
iläc^Iic^e SSerglet^ung ber ^Srperform bet ^eute 
nod) lebenben Slntropomorpben . ba^ fomo^I 
bie afiatifi^en 9ierttetet biefet ©ruppe (Ctang 
unb @ibbon], alä bie afritanif^en Vertreter 
(Ooiilla unb ©i^tmpanfe) bem IDlenfi^en im 
gefammten fiilrperbau n4^et Pe^en alä fämmt- 
Iid|e Siinopit^efen. Unter biefen leftteten flehen 
nanientlii^ bie öunbStöpfigen ^apftaffen 
(Papiomorpha), bie ?Q»iane unb 3Jleerta|ien, 
auf einet fedr tiefen iBilbungäftufe. 2er ana» 
tomifdie Unterf^ieb gnifc^en biefen ro^en 1ßapß> 
äffen unb ben b^tilft entratilellen SJlenfi^en- 
offen ift in iebet Sflejteöung — melc^eS Organ 
man au4 netglei^en magl — grefier al3 ber< 
ienige tnitfdien ben [enteren unb bem SHenf^en. 



Siefe lebrtei^e Xbatfatfie nntibe befonbetS ein* 
gefienb (1883) uon bem ünalomen Stobetl 
^artmannbegrünbetinfeinerSdirift Übet .Sie 
menfi^enäfinlidien äCffen unb i^re Otganifalion 
im SJerglei^ejut menfililidien;' et f^Iug bo^Ki 
cor, bie Uffen-Orbnung in anbetet SBeife ein* 
gut^eilen, in bie beiben ^auptgtup^jcn bet 
?Jrimtttiet (SDlertf^n unb ÜJtenfd)en äffen) 
unb bet eigenllidien ©imien ober ^it^elen 
(bie übrigen fiatartbinen unb oDe ^latqttöinei»). 
:3ebenfaä3 ergtebl fidi barauS bie eng^e 
Sermanbtf^aft beS STlenftften mit ben 
SRenf^enaffen. 

Sie vetglei^enbe Anatomie ergiebt fotnit 
füt ben unbefangenen unb Iritifdien gotf^ei 
bie bebeutungSnoOe %iat^aäte, bafi bet ßdrpet- 
bau beS Süenf^en unb ber !DIenf<fienaffen nit^t 
nur im bb(^f<en @rabe dbnli^, fonbem in 
allen mefentlidien Regierungen berfelbe ift- 
Süefelben 200 Anoi^n, in bet gleidien 3[n< 
orbnung unb 3ufammenfe|ung, bilben unfec 
inneres finoc^engetürt ; biefefben 300 StugMn 
bemirlen unfete SBetnegungen; biefelben Saare 
bebecten unfete &aut; biefelben ©ruppen von 
Sanglienjellen fefeen ben lunftPoUen SBunber- 
bau unfereS ©ebitnS jufammen; baSfelbe »ier- 
fammerige feerj ift baS centrale !ßumpn>et(t 
unfere« SIutfreiBIaufS ; bieferben 32 ^äbne 
fefeen in bet gleiten Mnotbnung unfer iSebig 
jufammen : biefelben @pei(^elbrüfen, fiebet- unb 
SJarmbtüfen »ermitteln unfere SSerbauung ; 
biefelben Organe ber i}orlpf[an)ung erm&gli^en 
bie Srbaltung unfereS ©efc^Iec^tS- 

MerbingS finben mir bei genauer Sei* 
gleitbung geroiffe geringe Unterftftiebe in Her 
@rö&e unb Oejtalt ber meiften Organe 
jmifdien bem SJ'ienfcben unb Stenfdjena^en; 
allein biefelben ober äbnlif^ Unterfi^iebe ent> 
beden mir aud) bei ber foigföltigen Sergleiedung 
bet ^ö^eren unb niebeten ÜUenf^enraffen, ia 
fogat bei bet e^aften Sergleii^ung aller ein« 
gelnen Qnbicibuen unferer eigenen SRaffe. SBit 
finben nicbt gmei ^erfonen in betreiben, meli^e 
gang genau biefelbe @röM unb Sorm ber 3Iafe, 
berO^ren. betSlugenu.f.ro-^Qben. 3JIan brandet 
blD^ aufmetlfom in einet gtb^eren ©efeUfdjaft 
biefe eingelnen l^ile bet menfi^liifien @e» 
fiiitBbilbung bei goblteit^en ^erfonen gu per« 
gleii^en, um fi4 »an ber et^aunlic^en STIannig« 
faltigteit in beten fpeciellet Qteftaltung, sott 
ber roeitgebenben SBariabilität ber 6pecie3-i(orm 
ju überjeugen- Oft flnb ja be!annlli<^ felbft 
®ef^roiftet oon fo »erfdjiebener ÄÖrperbilbung, 
baß i^te SIbftammung oon einem unb bem« 
felben ßlternpaare loum glaublii^ erf^eint 
ällle biefe inbioibuellen Unterfd|iebe beein- 
trü^tigen aber ni^t bü8 ®eniii^t bet funba* 
mentalen @Ieid|beit im flSrpetbau; 
benn fle finb nur bebingt bur^ geringe SQet* 
f^iebenbeiten im SBaätSt^um bet einjelnen 
aibeile. 



SritM Aa)>iteL Un|n Stbtn. 



Drittes Kapitel. 
Unf«r Ceben. 

ntomftift^e StuMen aber meni<^It^e unt> onglei^enbe p^QfioIogie. Itebereht' 
fthnmung in allen Cebensfunfitionen bes Ittenj^en unb ber Saugetf)iere. 



Idelung bre S^^fblogU Im 9ItRt^m unb Slittdaltn. Qolniuä. £E)KTlinciit 
enlbt^ung hti SBIuthciStaufS bniä Aatofa. Sthmiko^ (SSÜaliimni): ^aUet. 
btlali^|(^e Su^aflune beä Stbmi. Mt^ani^tf^e unb moniftil^t S9eutlJE|etIung bn 



anmalt: entttlttelung bre a 
imb aHbilrfHon. I5nlb(^ung ' 

Xcleploaift^e unb biloli^lt^e '„_,,-,,—= ,_...,,.,^. .,„,_, ., .„ ,„ 

))^^ftDloaif^«t SßioctiTt. SSccglet^enbe V^uRoCosit beS 19. Sa^t^unbntl: 3obonite3 W&an. eeOu« 

loE'^^^nolöglt: äßof ESRioDin. ßtllulaf^at^atogit: aiit^to. eauget^in-V^q^Iogie. Uämtin- 

Kimmung aZn Se&engt^atigltiten (eint iDtnifc^nt unb 3tffnt. 



nnferf flenntni^ vom menfdilti^en fieben 
l^Qt fitb erß innerhalb beS 19. ^a^iiiuiibertä }um 
91ange einer felbpdnbigen, mirllti^enÜBiffen' 
t^aft erhoben; fte ^at fid^ eift innerhalb beS- 
fe^en gu einem bet ootnc^mHen, inteteffan* 
teilen unb wt^tigften ^ifjenSgnieifle entraictelt. 
3}ieTc ,Sei)Tt oon ben SebenSt^äÜBleiten' , bie 
¥4qfiologie, 6at (14 jiDat ftü^jeittg ber 
$^eillunbe aI8 eine roönfiiicnSroert^e, ja notff 
menbige SBotbebingung für etfolgrei^e Ätgt- 
lidie Z^dtigteit fülilbai gemalt, in engem Su* 
fonnten^ang mit bec Slnatomie, bei £e^ie nom 
Mvpnbaa. Stber fle lonnte etfl siel fpdter 
unb langfamer alS biefe leitete grflnbli^ ei' 
forf^ roerben, ha fle auf oiel giB^ete Schmierig" 
teilen Bieft. 

SJer Segriff b«8 Se&en8, atS ©egenfaft 
jum lobe, ift natütlii^ fdjon Te6r frül^jeitig 
Qtegenftanb beS Sla^benlenS gemefen. 3Ran 
beobai^tete am lebenben 3Ren[c^en rate on ben 
lebenbigen Z^ieien eine Xlnga^l von eigent^üm- 
iidben Seränberungen , »otjugSroeife SB e. 
roegungen, welche ben itobtcn' SRaluttttpetn 
fehlten: felbflftänbige OrtSbewegung , fiei^« 
tbpfen, ^t^emj&ge, ©UTac^e u- f. m- 31Sein 
bie Unterf^eibung folÄiet .orflanifiiien 83«« 
rotgungen* ron &f)nlid|en SrT^einungen bei 
anotganifdien SiatuiIbr^Jcm mar nii^t lei^t 
unb oft oeifeblt; baä fliefienbe SSaffer, bie 
^oAernbe flamme, ber roebenbe ^inb, bei 
ftflijenbe $el9 jeigten' bem anenf^en ea"} 
S^nli^e Seiänberungen, unb e8 mar fe^i 
natliili^, baS ber naine 9taturmenf(^ au^ 
tiefen .tnbten SBrpem' ein felbpIlänbigeS geben 
gufi^iieb. ajon ben Beroitlenben Üifact)en fonnte 
man fiät ja bei ben [ettteien ebenlo roenig be« 
fnebigenbe ERe^enfd^aft geben aI3 bei ben 
etfteien. 

inenf<4li(4c pi)t)ftoIoflfc. Sie älteften 
lDtffenfi^artIi4eR ^etiac^tungen Qbei baB 3Befen 
bei ntenfifili^en Seben3tl|ätig!eiten treffen mir 
(ebenfo mie biejenigen übei ben fi3i;)etbau beS 
SRenf^en) bei ben grie^if^en 92aturpbilofo))lira 
unb Keijten im fe4ften unb fünften So^t- 
tonbert not SJix. Sie rei^fte Sammlung non 



b^ftglit^en, bamaie beTannten Xbatfat^en finben 
mir in ber Slaturgefdjic^te be9 atri^oteleS: 
ein großer I^eil feiner Slngaben rü&rt roobi' 
fc^einlii^ f^onnon 3)emDlrito3 unb Sippo' 
iiateS ^er- 3)ie Schule beS Set)tcien fteQte 
aui^ bereits Sifldiungi-ä^eifu^e an; f e nobm 
al8 Oiunburfactie beS Sebenä bei ^EDlenfc^en 
unb 3:!^ieren einen flüi^tigen .SebenSgeift' 
an (Pneuma); unb SiafiftiatuS {280 oor 
@bi.) unteif^ieb bereits einen niebeien unb 
einen ^S^eren fiebenSgeift, baS Pneuma zoticon 
im $}txitn unb ba8 Pneuma psyoMoon im 
®e^itn. 

2iei iRubm, aKe biefe geiRieuten ftennlniffe 
ein^eitlid) gufammengefalt unb ben erften Sei» 
fui^ ju einem Softem bei $t|i)f[oIogie gemacht 
gu bi^ben, gebübit bem grollen giiet^ifdien äiijte 
@alenuS, bemfelben, ben mir aui^ alS ben 
erften großen Snatomen beB SIttertbumS tennen 

Selentt ^aben (oergl- S. 15). :@ei feinen Unter- 
idiunBen über bie Organe be§ menfililic^en 
SSiperä fleUte er fii^ Beftänbig auit bte i^rage 
nai^ibrenSebenSt^ötigteitenobeiS^unltionen. 
unb autfi bieibei oeifubi er vergleii^enb unb 
unterfud)te Dor SlUem bie menfi^endbnli^ften 
Tkivct, bie Slffen- Sie (Irfabiungen, bie er 
bier gemonnen, übertrug er birelt auf ben 
SRenfi^en. Sr eilannie au^ bereits ben bobra 
SBJeitb beB pftqfiologifc^en ©EpeiimenteS: 
beiSiDifeItionoon9lften,©unbenunb©(^n)einen 
Rente ei Betft^iebene intereffante 35eifmi|e an- 
Sie Sicifettionen ftnb neueibingB nit^t 
nur Don unmiffenben unb befi^iäntten Seuten, 
fonbem aud) von miffenSfeinbli^en Sbcolosen 
unb oon gefüblSfeligen @emü(E)3menf<^en oiel* 
fa^ auf baä $>eftieÄe angegriffen moiben; fie 
gebaren aber gu ben unentbebilidien SRe* 
tboben bei SebenS'g^oif^ung unb ka^tn unB 
unfdiätibaie Muffc^Iäffe übei bie niiditigften 
Sragen gegeben; biefe Xbatfac^e niurbe fi^on 
oor 1700 Sabien »on ©atenuB eilannt- 

Me neiftbiebenen Munitionen beS AbipeiS 
fübrt ®aIenuS auf biei &auptgtup)]en jurütt, 
entf;)reil)enb ben brei gormen beB pneuma, 
beS SebenBgciftd ober „Spiiitus". SaS 



22 



3>itUeS Aapitel. Qnfcr itbin. 



11 1. 



Pneama psfohicou — bie ,€>wle' — ^at i^»n 
©ij im ©e^itn unb ben Steroen, fle oet< 
mitt«It baS Renten, Sntpfinben unb bcn Siinen 
0)M oidfQrlic^c Sewefluiifl) i baS Pneuma zoticon 
— baä .ßcta' " betoirlt b» ,fi)5i)9inif<^en 
ffunttionen', ben ftetjfAlQa, ¥uli unb bie 
Sdmwiiilbune; boS Pnenma physicon enblitfi, 
in ber fieber t>eftnbli<!i, ift bie Uifa^e bei \o- 
genannten negetattDen SebenStbätigteiten, bei 
SinO^iuns unb bei Stoffmei^felS, bee äBat^B' 
t^umS unb bei ^oitvflaniunB- 3)a6ei legte 
er befonbeiea ©enii^t auf bie Smeunung beS 
SluteS in ben Sungen unb fpiadi bie Hoffnung 
auS, bag eS einft gelingen raevbe, aak bei 
attnoTv^äiifi^en Suft ben Seftanbt^eil auSju* 
fc^eiben, roel^ei atö Pneuma bei bei ^tt^niune 
in baS aSIut aufgenommen raetbe. Stebi alS 
fünfje^n ^abi^unbeite verftoiTen , e^e biefe3 
dlefpiiationa^^^neuma — ber ©auerftoff — bur4 
Sauoiftei entbectt rouibe. 

Sbenfo wie fiit bie SInatomie beS SPlenfi^en, 
fo blieb auc^ fflt feine ^^^fiologie baä fltoß- 
artige ©qftcm bei ©alenuS ni46tenb beä 
langen SeitrauniB üon breijefin Sa^tfiunbeiten 
bet Codex aureus, bie unantaftbare OueBe 
an« Äeitntniffe. ®et lultuifeinblicöe ©influö 
beiS 6^riftentl|um3 bereitete aud) auf biefent, 
n»ie auf aücn anbeien ©ebieten bei Statut- 
ertenntniS bie unftbemiinblii^ften ßinbeiniiTe. 
SBom btitten bi8 üum fei^je^nten ^odi^unbert 
tiat tetn einjigei ^ox^ittv auf, ber genagt 
b&tte, felbftftänbig mieber bte SebeuStbStigteiten 
beä ÜBenfc^en ju unterfuiSen unb übet ben 
iSegirt beS ©gFlemS von ©alenua Ijinaui- 
juge^en. Siit im 16. Sibi^unbett rourben 
baju meutere bef^etbene äJeifudie von ange- 
fe^enen SIeijten unb Stnatomen gemadit (^ata- 
celfuS, Seiuetue, aJefaliuSu- 31.). SIber 
erft im ^abie 1628 uerbffentlif^te ber englifi^e 
Slrgt ^aroeq feine grofie l£ntbedung beS 
!81ullrei3[auf3 unb roteS nai^, ba| baS 
Öerj ein Vumtimert ift, roel^eS butdf reget« 
mäßige, unbemulte SuftunifenMeSuna feiner 
ÜHuSteln bie ^lutnteUe unabläfUg buid| baS 
lommunicirenbe ERb^renf^llein ber %bem ober 
93[utgefä|e treibt- siic^t minbei niditig raaren 
ftaroeq'a Unterfu^ungen Übet bie geugung 
ber Sbiere, in golge beren er ben berühmten 
Sa% auffteaie: .SttleS Sebenbige entniitfelt |l* 
au5 einem Si' {omne -rivuin ex ovo). 

Sie mächtige Anregung }u p^^üologif^en 
Seoba^tungen unb SSerfu^en, mel^e Sameq 
flegeben ^atte, fübite im 16. unb 17. gfabiÖunbert 
gu einei gio^en SlnjaU von Sntbedungen. 
Siefefagte ber (Sele^rte Sllbredit Waller um 
bie anitle beä 18. 3abrElunbeit8 jum erßen 
Snale jufammen; in feinem grölen Serie 
^emeutB, phyaiolo^ae" begrünbete er ben 
felbfiftönbigen SBeit^ biefer Sßiifenfcdaft unb 
nid)t nur in ibrei SejieCiuna gur ptattift^en 



Sßebicin. 3nbem aber Waller für bie Giemen' 
S^dtigleit eine befonbere ,Smpfinbungätiaft 
ober Senfibililät' unb ebenfo f&r bie ^DluSId* 
Seniegung eine befonbeie .^eijbaileit ober 
Irritabilität' al3 Urfai^e annabm. lieferte ec 
mächtige ®tü|en für bie irrtbflmli^e Selire 
von einer eigentbflmliAen .Sebengtiaft ' 
(ViB vitalis). 

Ccficnsftvaft (Ottaltcimis). Uebei ein 
DOÜeS Sa^T^unbert binburt^, oan bei äRitte 
beg 18. bis gut Sltitte be9 19. ^adibunbertS, 
blieb in ber IDlebictn, unb fpeciell in bei ^ti^flo" 
logie, bie alte Stnfc^auung ^errfc^enb, ta% 
itoat ein Ibeil ber 8 eben 8- grfc^ einungen auf 
pö^füalifi^e unb (^emtfc^e ajnrgdnge jutöd- 
jufübien fei, bog aber ein anberei Sbeil ber- 
felben buri^ eine befonbere, bacon unabbänflige 
Üeben8!taft (Viavitalia) beraitft rocrbc. So 
nerff^iebenartigoui^biebefonbetenSSorffenunßen 
oom Sffiefen berfelbcn unb befonberS oon ibrem 
3nfammen6ong mit ber .Seele* Hif) auäbtlbeten, 
fo ftimmten bo4 alle barin überein, bag bie 
fiebenSfraft oon ben pb^fllalifcb-tfiemifien 
Äräften ber geroöbnlitften ,3Jlatetie* una&bönflifl 
unb raefenlHcb rerft^ieben fei; alä eine felbft- 
ftünbige, beranorganif^enSRalurfeblenbe ,Ut- 
Iraft' (Arohaeus) foUte fle bie erfteten in 
ibren Iltenß nebtnen. 9iid)t allein bie Seelen' 
tbätigteit felbft, bie @en|lbtlität ber 9Ienien 
unb bie Irritabilität bet SDIuSreln, fonbern 
au^ bie ^orgönge ber iSinneStbätiefeit, bec 
jjortpflanjung unb Sntratdelung erf^ienen 
aügeraein fo tounberbai unb in ibien Urfadien 
fo rfitbfelbaft, bag e8 unmbglii^ fei, Re auf 
einfa^e pbilfltaliri^e unb i^emtf^e Statur* 
pioceffe jniüifiufflbren. 2)a bie freie Kbüliß- 
teit bei SebenSIraft ineduiä^ig unb berougt 
uiirlte, f&brte fle in bei ^bilofopdie gu einer 
poßfommenen Seleologie; befonbeiS etf^ien 
biefe unbeftreitbar , feitbem felbft bet .Iritifdje' 
^bilofopb Äant in feiner berttbrnten Äritil 
bet teleotogifcben Uttbetlältaft jugeftanben batte, 
bag ivoar bie Sefugni^ bei menfi^Iicben SJet* 
nunft gur mei^anifdien (Srtlärung ader @t> 
fÄeinungen unbe[(^räntt fei. ba6 aber bie Söbig- 
leit bagu bei ben ©tfi^einungen beä organiftlien 
Seben8 aufb6re; biet mflffe man notbgebrungen 
gu einem .gmeimdlig tbötigen', alfo über» 
natütiit^en ^rincip feine Si'fli'^t nehmen. 
Slatürlid) rourbe bet (Segenfai biefer uitalen 
ipbänomene gu ben medianifiben SebenS* 
tbätigteiten um fo auffälliger, je meitei man 
in bet d)emif<i|en unb pbijlttalifdien ©iHärung 
bei leiteten gelangte- Ser 8Iut(retälauf unb 
ein SEbetI bet anbeten >8cn)egungä'€rfdjeinungen 
liefen R(4 auf me^anif^^e SSorgänge , bie 
Sltbmung unb Sßerbauuug auf i^emifi^e ^ro* 
ceffe gleid) benienigen in ber anoiganif^en 
Statur jutfiiifübreni bagegen bei ben niunbei' 
baten fieiftungen bei Sleioen unb SVIuBIetn toie 



m. 



!DHttcl BapittL ]ln|n Selben. 



im eigentlichen .©eelenltBen' ft^ien ba3 utf 

ntOgU^; unb aud) ba§ eiit^itli^e Stammen- 

iDtiten alter tiefet oerTt^iebenen fträfte im 

Seben böS 3nbicibuum8 eifc^ien bomit unet- 

Härtat. So entrotcfette \l6 ein ooHfianbiger 

p^qRoIogif^er 2)uaIiBmu3 — ein pricipieHer 

©eaenfalt ämiWen onorganifc^et unborganifdiei 

Slatur, jivtfi&tn nie^anifc))en unb oilalen $10* 

ceffcn, jn)if(i)en maletieUer Ätaft unb SebenS« 

hraft , jroif^en Ceib anb Serfe. 3m ffleoinne 

be« 19. 3a&t6unbett3 routbe ttefei SSit^i«« 

befonberS eingebenb buri^ SowiB 3)uina8 in 

granfreiiii beßtünbet, bur^ SR eil in Sleutfi^- 

tant>- Sine f^Bne poetili^e SJarfteHung beS' 

fclbcn^atteMonnssaiejanber ©umbolbt 

in feiner (Siiä^Iung vom Sft^obifdien @entu3 

Beigeben (— raiebeiboEt mit fiitifi^cn Sin» 

merlungen in ben ,anfld|len ber Statur" — )■ 

Der met^antsmiu 6cs Ccbens (tnotil* 

fttf^« pfltifiologle). Sc^on in bei elften 

Ödlfte beS 17. aobr^unbettS ftatte bei beifl^mte 

¥biIofop5 2!eScatte8,fit|enb auf Öame^'S 

(Bntbetfung beS ©luttieiSlaufS . ben ©ebanlen 

auSgefpiodien , ba& bei J^Aiiiei beS !DIenfd)en 

ebenfo roie her I^iete eine fompligtttc ÜJla« 

f (^ine fei, unb ba& i^te ^erocßungen na^ ben- 

felben med^anifdien @efetien erfolgen toie bei 

ben Iünftli<!ien , vom Snenf^en f&r einen be* 

ftimmlen 3raed gebauten !Dlaf^inen- Mer* 

bingg nabm SeBcaiteS tro^bem für ben 

SRenfc^en allein eine DotlEommene ©etbttftdnbig- 

leit ber immateiiellen Seele an unb erlMrte 

fogar bereu fubteWoe ffirapfinbunfl, baS Senlen« 

für ba§ @in)ige in bei äSelt, Don bem rair un' 

mittelbar eanj fixere Äenntniß befi^en („Cogito, 

«rgo suml"). SlDein biefei £ualigmu§ Einbette 

^n nit^t. im Singelnen bte Sitenntni^ bei 

me^anifi^en QebenSt^&tigleiten melfeitig gu 

fbtbein- 3m Slnf^Iufe batan führte SSorelli 

(1660) bie öeroegunflen be8 SbiettörpetS auf 

rein ufi^fllalif^e iSefetje jurfid, unb gUiiftgeitia 

Derfucbte S^IoiuSjbieSßorganae bei beiaUet- 

bauung nnb Ätfimung olä rein i^emift^c ^to- 

ceff« iu etHflren; Srfterer begrilnbete in ber 

!DIebiän eine iatrome^anif^e, Getiterer 

eine iattoifiemiff^eSi^uIe. StOeinbiefe D' 

nflnftigen Ünffttse gu einet natureemägi 

medianifdien ffirllürung ber iJebenB-grfi^einun. 

gen ocrmoditen {eine allgemeine ainmenbung 

unb ©eltung gu erringen; unb im Saufe beä 

18. SofitbunbertS traten fle gang gutüi, je 

me4ifi^berteleoIogif(^e^italiSmuBentn)i({elte. 

(Sine enbg&Itige äBibeilegung beS letiteten unb 

SRüJle^t gui erbeten mutbe eifl noibcieitet, 

als im Dielten Secennium beä 19. ^abr^unbertg 

bie neue oetglei^enbe ip^gfiologie fl^ gu 

frud)tbaiei Geltung ertiob. 

t)ergUt<^enbc p^tlfiologta. ^teitnfeie 
Äenninifle oem Äötpeibau beS URenf^en, fo 
mürben au4 biejenigen oon feinet SebenS* 



t^Stigleit uifpntnglii^ grSfitenIbeilS nii^t but^ 
birette iBeobaäitung am menf^ltc^en CrganiS' 
mul felbft genionneu , fonbein an ben nödift- 
DerroanbUn wobeien 3Qiibe[t^ieren, cor allem 
ben @SugetI|ieien. 3nfofein roaten fÄon 
bie Slteften SCnfange ber menf^lii^en Anatomie 
unb ^bqUologie .oergleii^enb'. SIber hm 
(igentlidie „ueigleicbenbe ^itifiMaißf, welche 
baS gange @ebiet ber Sefeötf'SrTi^einungen 
Don ben l ü efc ei^Mi liieren bii gum SRenf^en 
MuBof hn 3ufanimen^ang erfaßt, tft eift eine 
^rrungenft^aft beS 19. 3«6t^unbert3; tbr 
gtoget ©d|öpfer roat 3o6anne8 3RüIlei in 
sSetlin (geb. 1801 in ©obleng als Sofin eineS 
6rf)u6ma(^er8). Son 1833-1858, noHe 25 Sa^re 
binburt^, entfaltete biefet Dielfeitigfte unb um» 
foffenbfte Biologe unferet 3eit an bei SJeiliner 
Unioerfltat aI3 Sebter unb ^orfi^ei eine Stiättg- 
teit bie nut mit bei oereinigten ÜSirffamfeit 
von fallet unb Suoiei gu oergleit^en ift- 
Saft aQe grofien ^Biologen, meli^e in ben tetiten 
60 3abten in Seutftblanb lebiten unb roitften, 
roaten bitett ober inbirelt ©iftülei Don 30« 
^anneS SRflllet. ntfpiüugtii^ au§ge[)enb 
iionbei9(natomieunb$bqiioIi>aiebeS SHenf^en, 
gog berfelbe balb alle Sauptgtuppen ber b^beren 
unb nieberen Stbiere in ben AretS feinei !Ber> 
gleif^ung. 3nbem er gugleiib bie iSilbung ber 
auSgeftorbenen XEjiere mit ben lebenben , ben 
gefunben Organismus be& 3Renf(ben mit bem 
Iranten oeigli^, inbem etma^r^aft pbilofopbif<^ 
alle (Stf (Meinungen beS oiganifc^en £ebenS gU' 
fammenjuf äffen ftrebte, eibob er fidi gu einet 
bis babin uneneiditen &Öbe bei biologifdien 
Sifenntntg. 

2)ie »ertboollfle ^tui^t biefet umfaffenben 
Stubien son 3Db(inne3 SDIültet mai fein 
.fianbbut^ bet ^^nflologie beB DKenfctien' (in 
groei Sßänben unb atbt fflüc^etn; 1833, oiette 
aufläge 1844). aMefeä Haffifcöe ÜBeif gab oiel 
mebc als bei Xitel befagt; eS ift bei Snlroutf 
gu cinei umfaffenben .fflergl etilen ben 
SSioIogie*. 9ioc^ beute fte^t bagfelbe in SSe- 
gug auf 3n^alt unb Umfang beS ^oifibungl' 
gebiete! unfibettioffen ba. änSfiefonbete (inb 
barin bie SDletboben bei Seobo^tung unb beS 
©EperimenteS ebenfo mufteigültig angenicnbet 
niie bie pbilofopbifÄen 3)Iet(|oben ber 3nbuftion 
unb Siebuhion. SlßeibingS roat Stüller ur* 
fprüngltc^, gleii^ allen Sb^flologen feinet 3eit, 
SGitalift- SÖein bie bettfi^enbe Se^ie von bei 
SebenSItaft nabm bei iE|m eine neue g^oim an 
unb oenoanbelte 11i$ aUmäblid) in i^i prin- 
cipieQeS OSegentbeil. Sienn auf oQen ®ebieten 
bet ^tnifiologie mai aSflllei befttebt, bie 
fiebenS elf Meinungen mec^anif^ gu eill&teni 
feine tefotmiite SebenSItaft ftebt ni^t über 
ben pbqiilalifi^en unb ^emifi^en ©efegen ber 
Qbtigen 92atut, fonbetn fle iR ftteng an bie* 
felben gebunben; fle ift fc^IteMi^ meitet niAtS 

C'.ooylc 



24 



Sttittci flaVltd. nnfn ficbcn. 



als bai .Sebtn' felb^, b- ff- Me Summe 
aUer IBeiuenungS-Srf^eiitunBtn, bte mir am 
Icbenbiatn Oiganiämug matttnämm. UebeiaH 
mar et befttefit, biefellint nwi^onifd) gu «Hdren, 
in bnn Sinnes* unb Seeleii'&eben mie in ber 
SWtieleit b« aJiuBWn, in ben SGoteflnaen beS 
iSIutlreiSlQufB , bet Sltitmung unb SGetbauunB 
nie in ben Sirft^einunsen b«i ^octpRanjune 
unb Qntroideluns- SHe giögten ^ottfdtritte 
füllite ^te; SRailei baburi^ ^erdei, ba^ et 
übeiaa oon ben einfat^lten SebenS-^fdieinungen 
bev niebeten X^iete auSfling unb @d|titt füi 
@^tt i&te aIlm2E)licf)e SluSbtlbung ju ben 
I|56eten, btS gum E|3c^ften, num SJtenf^en, ^ht' 
auf oetf olgte. &tet beroä^ite fi(^ feine üllelbobe 
bet Iiitif^en 9!eteIeid|unQ ebenfo in bet 
^bqfioloeie, nie in bet Anatomie. So^anneS 
SnüIIer tfi jUQleii^ bet einzige gtoge Ttatuf 
fotf^et geblieben, bet biefe netfc^iebenen Seilen 
bet gotfcfeuno ßleiiftmägifl ausbitbete unb flteic^ 
ßldnjenb in (Ic^ »eteinigte- ©leid) na^ feinem 
Tobe gerfiel fein aMtJaUißeä Sefirge&iet in uicr 
oerfi^iebene ^roninüen, bie fe^t fafl ollßeniein 
bun^ Hier obei nod) me^t otbentü^e fietirftüäle 
oertteten roeiben: SIRenfc^Iidie unb netgleic^enbe 
Stnatomie, potSoIogifi^e Snatomie, ipl^PoIoBie 
unb SntiDidelungggefdiic^te- IDlan bat bie 
SltbeitStbeilung biefeS ungefieutcn SJiftenS' 
ßebieteS, bie je^t (1858) plößlii^ eintrat, mit 
bem S^'^o^ tieS aßeltteii^eS Detelii^en, nielf^eB 
einft SIIeEanbet bet ©ro^e mreintgt befeerrfc^t 
^atle. 

(Cenulorop^tlffologic. Unter ben gab^ 
teilten ©ii)ülem von SoftanneS SWlülIet, 
meldte l^eilS ft^on bei feinen Sebjeitcn, t^eilS 
nac^ feinem iTobc bie »erf^iebenen 3<^'i8^ bet 
Egiologie mä<4ttg fCrberten, mai einet bet Blfid' 
li^flen (nenn au4 ni^t bet bebeutenbftel) 
löeobot Sämann- aitS 1838 bei geniale 
©otanilet Schreiben in 3enQ bie Seile al§ 
baS flemeinfome Slementat-Organ iitt ¥ftanjen 
ertannt unb alle »etfc^iebenen ®eitebe beä 
^flanjenlörflerä aI8 jufammengefetit au8 fetten 
na^geniiefen batle, ertannte 3obanne3 
3RülIer fofort bie aulerorbcrttlit^e itagnieite 
biefer bebEulunaSroEIen ©nlbedung; et oerfu^te 
felbft, in oerf ^'ebenen ©eroeben beS SEÖietEötpetS, 
fo j. B- in bei Chorda doreaJis ber SBitbelt^iere, 
bie gleiSe ^ufnini'isnfeöung nai^juroeifen, unb 
»etanlafite fobann feinen ©rfiület Sämann, 
biefen Siai^meiS auf aUe t^ierifdien ©eniebe 
auSaube^nen. 2)iefe fcfjroierige aiufgabe IBfte 
bet Setitere glüiilicEi in feinen .JDtihoftopif^en 
Untetfui^ungen über bie Uebeceinftimmung in 
bet Sttultut unb bem ^at^Sl^um bet X^iere 
ixvh '^JUanjen' (1839). 2)amit roat ber ©runb« 
ftein für bie 3Bnen-Xl|eDrie gelegt, beten 
funbamentale lOebeutung ebenfo filt bie ^Jm- 
Rologie roie für bie Slnatomie feitbem uon 3ai|r 
Kü 3ai|t jugenommen unb fid) immet aOgemeinct 



benö^rt bot- Sag au4 bie fiebenSt^ätigteit ^ ^ . 
Organismen auf biejenige ilitet ®tmd>eattVtt ] 
bet mittoftopifc^en SeQen, gurüJgefü^rt meibeV l 
muffe, fül)rten namentlii^ jroei anbere Sd^ftlst | 
vonSobanneSanfiller auS, berf(^arfftnni^ ] 
%bqf1ologe@tnfl SBtüde inaißienunbberB*r 
rühmte ^iftologe Sllbert ftailitet in 9821^ 
butg. 3iet (Szfttie begeidjnete bie ^eSen ri<^t% 
al8,@Iement'ai'0rganiSmen' unb jetobek 
bog |le ebenfo im fiBtpet tti SDIenf^en wie aller 
anbeten !I1|iete bie einzigen altuellen,felb^finbt0 
t^dtigen ^oüoren beS SebenS finb. RSUiftv 
etmatb fi^ befonbere Serbienfte nic^t nut um 
bie KuSbilbung bet gefammten ®emebtlefiTt, 
fonbem au(^ namentli<!i butdi ben 9tad|n>eiS, 
ba^ baS Si bet St^iete, foniie bie batauS ent' 
fle^enben .JuwiiunglhiBeln'' einfa»^ Selten 
finb. 

So aQgemein aber au(4 bie (o^ Sebeutune 
bet 3i^IIen^eotie füi aUe biologifdjen 3tufgaBen 
erfannt niutbe, fo rourbe bodi bie barauf ge> 
grünbete (SelIuIai'^!|qfiologte etft in 
neueftet ^tit felbftflSnbig ausgebaut, ©iec &ot 
namentliiö äRaj IBetniorn (in 3ena) 11^ 
ein boppelteS Sietbienft erraotben. 3n feinen 
.^fq^o-pbgfiologif^en ißrotiften-Stubien (1889) 
Öat betfelbe auf ©tunb ffnnteiii)et experimen- 
teller Untetfucftungen gegeigt , bo$ bie »on mit 
(1866) aufgefteüte .Sfieorie ber StUfeele' 
burcö baS genaue ©tubium bet eingeHigen ^o- 
foäoen oollfommen gereditfertigt roitb, unb be,$ 
,bie pfiK^ifi^en Vorgänge im 0rotifteniei4e bie 
SSiüife biiben, nieldie bie c^emifd^en ^roceffe in 
bet unnrganifdien 9iatur mit bem Seelenl^n 
ber [)fid|iten Spiere nerbinbet*. SDeiter auS- 
gefü^tt unb geftü^t auf bie moberne Snlmide« 
lungSIeftte bat Serniorn biefe Mnflditen in 
feinet .SlUgemeinen Sß^qftologie' fgroeite Stuf- 
lage 1897). SiefeS auSgeaeii^nete äSerl g^t 
}um etften fßlah mieber auf ben umfaffenben 
©tanbpunit oon 3(oöanne8 a^üller jurütt, 
im ©egenfatte gu ben einfeitigen unb befi^tänften 
aKetdoben jener raobernen ^bijfiotogen , niel^e 
glauben, auiSfi^Ue^Iid) burdi pb^filarifc^e unb 
ijemififte ®jpetimente baS äffiefen ber SelbenS* 
@rft^einungenergrünbengu tonnen. Setmotn 
geigte, bog nut burdi bie Petgleid|enbe SRe- 
tbobe SDIuIIet'S unb butdi baS 9)etliefen in 
bie ^Jb^flologie ber 3«IIe jener tti^t ©tanb- 
punft geroonnen roerben lann, ber unS einen 
ein^eitlidien Uebeiblid über baS rounbetooSe 
©efamrat-Sebiet ber 8eben8»erfdieinungen ge- 
mährt; nur babuti^ gelangen mit ju ber Uebet- 
geugung, ba| aud) bie fämmtlii^en Sebengl^ätig- 
leiten beS Süenfc^en benfelben @e|etten beiipbqflf 
unb Sbemie untetliegen, roie biejenigen oOet 
anbeten Zijittt. 

aenuIav.4>atf|Ologic. Sie funbomentale 
aSebeutung bet 3eIlen>^eone füt aUe Sroeige 
bet SBiolDQic beroä^tte fl4 in bei giMiten ftAlfü 



III. 



Stittä AapitcL Unin Stirn. 



beS 19. ^a^r^unberti ni^t aQttn in ben gto^- 
artigen Sortfdjrilten bei eefammten SnotpQo' 
logte unb ^^gftologie, fonbern au4 befonberS 
in ber totalen fReform berifnigeit bioIoQif^n 
aBiffenWofl' totlÜit wnnaee iftrer Söegie^unflen 
jur prohij^en fteilluni't non je^et bie gi&gte 
^ebeutune in Slnfprui^ na^m, ber ^at^ologie 
obex Utant^eilSIc^re. j)ag bie Aiantl^eiten bcä 
QJlenfd^en rate aDei übnsenSebeineren ültatur' 
(STfc^einungen flnb unb alfo Qleid) ben übrigen 
fiebenS • ^unttionen nur naturraiflenfdiaftlid) 
erforf^t raerben tSnnen , war [a fdian nieten 
filteren ?Ierjten jur feften UebeqeugunB fle« 
iDOtben- äluc^ fiatten f^on im 17. ^o^T^unbeit 
einzelne mebiciitifi^e ©Eitlen, bie ^olTopbg- 
filer unb Sottoäemilei, b,en Setfu^ ße- 
ma^l. bieUrfai^enberfiranlbeitenaufbeftimrate 
p^q^talif die ober i^emif^eäSeiänbeTungenjurütf- 
gufiU)ren- HUein ber bmnaliae niebere 3uf' anb ber 
SlotunoiRenft^aftenper^inberteeinenbleibenben 
€rfoIg biefer bere^tis'en SBeftrebunaen- Imlier 
blieben mehrere ättere S^eorien, iveldie baä 
SBefen ber Äranlbeit in übernntürlti^en ober 
mpfitfdjen Ui[a^en fugten, bis gut SDlitte be8 
19. 3o^ri|unbett8 in faft aHnemeiner SeHung- 

erfl um biefegeit ^otte JRubotf Sirtfion), 
ebenfadSeinS^üIeroonSa^anneg StüIIer, 
ben Qliliflit^en Oebanten, bie 3'!!«" ' 3:6eorie 
Dom gefunben auc^ auf ben Iranlen Organis- 
mus gu fibetttagm; er tud)tc in ben feinen 
Seränberungen ber tränten ^tUtn unb bei au3 
i^nen lufammengefetiten ©eraebe bie naCire Ur- 
ia^t jener grfiberen äieränberungen, roel^e aES 
be^mmte .firant^eitsbilbei' ben lebenben Cr* 
ganiSmuB mit @efa6i unb Xob bebro^en- %le' 
fonbeiS nid^enb bei {leben ^alire feiner Se^r- 
tliätigteit in aSürjburg (1849—1856) ffißrti 
SiiÄoro biefe groge Slufgabe mit [o glöngen' 
bem Sifolge buidi, bat T<ine (1858 tieröffent' 
(i^te) eeIIuIai>$at6oloeie mit einem 
@d|Iage bie gange ^atbologie unb bie con ibi 
fle^fete pifltlif^egjlebicin in neu«, ^bc^flfiu^t- 
bäte SBobnen lenlte. _&ßt unfere Slufgabe ifl 
biefe SReform ber SlJIebicin beS^alb fo bebeutungB- 
ooH, raeil fle unB gu einet moniftifi^en, rein 
roiffenfi^afllic&en aäeuitbeilung bet ftranlfteit 
füiirt. aiu^ ber tränte Sölenfc^, ebenfo roie ber 
gefunbe, unterliegt benfelben .eraigen ebemen 
@efetten' bei f^pflt unb @^emie, raie bie gange 
übiige otganif^e SJelt. 

inatnniaIfen>pi))}ffoI09lc. Unter ben 
ja^Iteit^en(50— 80) 5t6iertla(Ten, roeEcbe bieneuere 
3ooIagie unterf Reibet, nehmen bie© äuget^ieie 
(Mammalia) ni<^t aUein in moip^ologifdiei, 
fonbem au^ in pti^üologifdier Sejie^ung eine 
gang befonbere €teUung ein. Sa nun au<f| bei 
iRenfi^ feinem gangen £5iperbau nai^ gut 
fllaffe bei Sdugetbieie ge^bit (@. 18], m&^en 
mir Don norn^erein ematten, ba$ er auät ben 
befonbeien Sbaraltei feiner fiebenfitbätigfeiten 



mit ben übrigen ^namma! 

baS ift in ber 3:^01 ber f^< 
unb bie Ütlimung QoQgiei 
genau na^ benfeCben @e 
eigen tbümlic^n ^oim. n» 
©äugel^ieren — unb nu 
fle ift bebingt butd) ben 
i9au iEjteS £)er}enS unb 
bei ben Sinammalien tou 
aus bet Unten üerglamm 
greai ben lintenl — aiorte; 
gefübrt, mä^renb bieS I 
ben tedjten unb bei ben 
Storten-SSögen beraiitt n 
Säuget^iere geicdnet fl4 
anberen SBirbelt^iere ba 
i^ren rotben ^lutgelien t 
ift (burd) fflüdbilbung). 2) 
merben nur in biefet 21 
bur* baS ^roet^fell 
felbe nur l)iet eine »ot 
graif^en %rufti|6^Ie un 
@ang befonberS roi^tig i 
enlraiitelte Ifeiettlaffe bie ' 
in ben ^tuflbrüfen (Manu 
gorm bet SÖtutpflege, rael 
äungen buttft bie SDlitrf 
bringt. 2)a biefe8_©äuai 
ßebenälbätigfeiten in bet 
beeinfluit, ba bie EUtuttei 
au3 biefet innigen t^oim 
Urfptung genommen bat, 
bei SlafTe mit 91e^t an 
3n Süliflionen non iBilbe 
von £ünftlern er^en 9iai 
bonnamit bem ^^liftuSl 
baS reinfle unb erbabenf 
liebe; beSfelben SEnftinßeS 
bie übeitiiebene 3fittlii$le 
ftent. 

piiqfioiogt« btv ai 

©flugetbieren bie Äffen i: 
bau bem EDJenfi^en am ni 
uon dorntet ein eircarten, 
i&ren aebenStöäliGteiien 
SßJabrbeit ber %aü. Sßie f 
"leiten, bie äBeroegungen, 
iaS Seelenleben, bie i8ri 
benienigen beS aJlenfi^en 
mann- SIber bie raiffen' 
nieift biefeibe bebeutungSo 
au<^ för anbete raenigei bi 
nat^, befonbetä bie feetil 
Slbfon betung unb bai 
le^teter Sßegiebung ift b 
bat bie gefdileifttäreifen 
aiffen'SItten einen tegel 
au3 bem i^u(^tbe(ällei i 
ber aJlenßruation (ober 
menfdilidien ffieibeS. «u 



~.oogIe 



9int(i Aofiittt. Un|nt AcimcSarfd^t^tc- 



IV. 



Tune QuS bcT Sruftbrüfe unb baS iSäugegef^äft 
0«[<!iie^t t>(i ben nieibtl^eit Stffcn genau cbmfo 
inie bei b«n Stauen. 

SefonbeiS intecefTont iR enblt^ bie Z^at' 
Tad)e, baS bieliautfpra^e bei üffen, vi|i)' 
flali>etr4 nereltdien, al3 S^otftufe ju ber artt- 
tuliitcn menfdiItdKn Siiia^c erfc^eint Untei 
ben b«ttr nncfi I#fii>nh#ii 911(11(4 'noffen Oicbt 
lufltalirdl ift: bet 



Hylobatos ajndactyliu auf ©umatta fhlßt i» 
ooUtommen reinen unb tiansno&m, falben 
XSnen eine flanje Ottai»- %üx ben unbefangenen 
Sprat^foifttiei tann eS beute teinem Smöfd 
mefir untetliegen, bafi unfeie ^odiennvidelte Se> 
Sti^B'Spra^e fi^ iangfoni unb fhifenraeife auS 
bei unDoIIlDmmenen SautTpiac^ unfein plii» 
eänen Äffen-Sönen enttwiielt fyxt. (Seigl- ben 
18. Sortras meinet .ünt^roiiDeenie'-) 



Wertes Kapitel. 
Infere Keimesgefc^i^te. 

>r menfi^Iii^e un6 oerglei^enbe (Dntogenie. Ueberein- 
ing unb (Entmi^elung 6es Itlenft^en unb bet IDirbeltiiiere. 

ite. SiitfoiniatiDna'St^Tt. Sinfii^aAttlungB-Sefaic. ^aUn unb Seidni^ 
Atiinbiaitn.StäT(. Sail (Sntp Säet. Sntotcfung bcS mmfc^Iii^cn 
nnb SltimitUt. (Sa^ia-X^eaiie. $toto)oen unb ancto^ocn. <gijeae 
. Oicai £eitttig. Sm^ffingni^ pbtr IBehu^tung. Atimanlagt beS 
thtüljitfluimt. Sie Sttiml^mm btS Sntnlc^en. Amnion. &ttoUmma 
ing unb ^ac^aebuit Sicb^aut unb Slabtifhang. Sie fi^eifeenfartnise 
^Jlacenlo ber äffen unb bei ffienfc^ni. 

,9[nti|iopt)Qenie*.) 3Bie ffli bie oergleit^enbe 91na- 
tomie, fo Unb auc^ füt bie @ntniijelung§ee> 
fcgi^te bie tCarüft^en äßeite beS Sliiftotelee, 
bti oielfeitigen .SSateiS ber 91atureefd|t(^e', 
bie ältere unä belannte miffenf^aftlt^e OueQe 
(im 4. SaliT^unbeit v- ßf)r.). Tti^t aUeitt in 
feinet gtogen j£^tergefc^idite, fonbecn aud) in 
einet befonbecen Keinen Sdirift: ,SflnF B9üd|et 
Bon bet SeueunB unb Entmicfeluna bei 26iere', 
eijäblt un3 bei grole ^^ilofopb eine SÜtenge 
oon intetefTanten Zbatfai^en unb fteüt ®e- 
ttac^tungen übet beten SBebeutung an; »iele 
baoon |lnb erft in unfetet 3^" wiebet gut 
Oeltung gelomnten unb eiBentli^ etft miebet 
neu enibectt motben. Katütlid) Rnb obet ba- 
neben auc^ diele fabeln unb SntliQnier gu 
ftnben , unb oon bet oeiborgenen Sntffe^ng 
be3 Stenft^enteimeS niat no^ nii^tS Siä^eteS 
berannt- Slbei aud) in bem langen, folgenben 
Beitiaume non jroei 3al|itau[enben ma^te bie 
Wlummetnbe ffiiffenWaft feine nieiteren gott- 
f*ritte. Sift im Slnfange beä 17. 3Q^i6unbett3 
fing man niiebei an, i1c6 bamit gu bef^äftigi^n; 
bet italienif^e ätnatom ^abiiciuSab Slqua- 
penbente (in $abua) nerSffentlic^te 1600 bie 
ölteften Sibbilbungen unb SSer^teibungen oon 
Smbrqonen beS ^enfden unb einiget ^eiieiet 
X^ieie; unb ber berühmte aHaicello Wal- 
pisbi in Bologna, glett^ ba^nbtec^enb in bet 
Zoologie nie in bet ißotanit. gab 1687 bie etRe 
jufammenbängenbe 2)at|leUune oon bet Stit* 
Leitung beS ^üfini^eng im bebiüteten St. 

SIQe biefe älteten Seoba^lei maten non bet 
SotfteQung befteitT^t, ha^ im @i bet Stifte, 



^e als bie oei» 
i^ftologie ift bie 
, bie Sntniide' 
aelt^ieteS obet 
feteS nennae^nten 
bet SHenf^ im 
|en bie Siii'te au3 

Wange QuS bem 
diroeie iJtage bat 
■enben ben benfen- 
i; abet etft febt 
iflte uns bet ©m- 
mittel unb HDege, 
T eebeimnigDoUen 
bte einjubringen ; 
abren, lieferte un3 
n ber SJefcenbenj- 
[fen £iü[fe mir bie 
lidnbnifTeä bffnen 
itfai^en gelangen 
itereffanten , aber 
in Ser^ältnitTe in 

beS aftenf^en 
jrtnjogertie, oierte 
btlidien, populät- 

unterjogen babe, 
EhiraeSufammen- 
et ivii^tigfien @i' 
bei gunäibil einen 
IlereOntogenie 
>tmationS>S:beatie 

atettete 5?ei> 
2. Sottrag meinet 



["V. 



mtttti Aapitcl. ItnItK Atittulgctd^id^te. 



k6>ili4 nie im Samen bei ^5^ien $flanjen. 
>ec iana« fiätper mit allen feinen X^eilen Be- 
reits fettig Dotiianben fei, nur in einem fo 
reinen unb fo buriljllc^tigen Suftan^e, ba^ man 
üe ni(t)t eilennen !änne; bie ganje ISntniiiieEung 
fei bemnad] nidjt§ niettei, alä äliac^Slbum ober 
,?tuSroi(feIun(i' (Bvolutio) ber ei nfleroid eilen 
X^eile (ParteB involutae). Siefe ffliftfte ße6te, 
bte bis jum ünfang beS 19. ^a^iliunbeits fajt 
allgemein in @eltung MieEi, nennen mir am 
beflen bie äJorbllbun^IeSre ober ^läfotma- 
tionS'jTäeotie; oft loirb fle aud) .©ooIutionS- 
^^eoiie' genannt; allein unter biefem Segri^e 
per^e^en oiele neuere Slutoren aucE) bie ganj 
ve rf <^ iebene XtanSformationS-^i^eoTte- 

(5tnf4ac^leIunai-Se^re(@catulationS' 
Xtnaxit). 3n engem Bnfammen^ange mit ber 
^rdformattonS'fie^re unb in beredjtigter €[&Iu|' 
folge au8 berfelben entftanb im 17- :3al)ctiunbert 
eine metlere Si^eone, meiere bie benFenben ®io' 
logen lebhaft fiefti^üftigte, bie fonberbare .Sin* 
f^a^telung Siebte*- 3>a man annahm, baß im 
@t (pcreilä bie Anlage beg gangen CrganiSmud 
mit atten feinen Steilen oot^anben fei, mu|te 
autb ber Sierftod beS jungen ^eimeS mit ben 
(Siem ber folgenben Generation barin oorge* 
bittet fein, unb in biefen toieberum bie gier 
ber nä(i6ftfDlgenben u. f. lo., in infinitumi Sai- 
auf 6in beregnete ■ ber berühmte S^fiologe 
Öallei, baS ber liebe ßSntt not 6000 Sagten 

— am fec^ften SEoge feineS ©(^BpfungSmerteS 

— bie fieime Don 200000 SlrtiBionen SDlenf^en 
gleit^jeiltg erf^affen unb fie im @ierßod ber 
el)m)ürbigen Urmutter Soa hinftgered|t ein- 
gefÄat^telt ^abe. Kein (Geringerer, a[8 ber ^oif 
ang<Je{|ene ^gilofop^ fieibnij, fc^loß fi<^ biefen 
SuBfü^cungen an unb oerraert^ete fie für feine 
SSt ona benieste ; unb ba btefer jufolge fii^ €eele 
unb Selb in eioig unjertrennli(^er ®emeinfd)aft 
befinben, übertrug er fle au4 auf bie Seele; 
-~ ,bie Seelen bei Snenfi^en ^aben in beren 
Soreltem bi8 otif SIbam, alfo feit bem atnfang 
her 3)ingepi|, immer in ber gorm organifirter 
SBrper eEiftiett'. 

(EplsenefisuCeltre. 3m Sionember 1759 
nertiKibiSte in $alle ein junger Söjä^riger 
DJlebiciner, €afpai9tiebri^ SJolff (—ber 
@oI|n eineä. SBetliner ©^neiberS — ), feine 
Jottor-SJifJertation unter bem litel „Theoria 
generatioiuB". @eftügt auf eine ffieiöe bet 
mü^famflen unb foigfältigften !8eabad)tungen 
mieS er na^, baß bie gange ^errfi^enbe $id' 
formotionS- unb ©latuIationS • S^eorie faifc^ 
fet 3m bebrütelen $ü6ner-@i iit anfangs no<4 
hine @i)iir com fpäteren Sogeltärper unb 
feinen Steilen cor^anben; melmebr finben mir 
lliitt beffen oben auf bet betannten gelben 
Sotlertugel eine tleine , f teiSrunbe , nieiße 
S^eibe. Sliefe banne .fteimft^eibe' mitb 
länglit^ mnb unb teifdUt bann in ntet ftbei 



einanbei liegenbe ©i^ic^ten, bte Slnlagen ber 
Hier niii^tieften Organ ■ ©^fieme: juerft bie 
oberfte, baS Steroenfqftem, barunter bie i^Ieifi^- 
maffe (SRultelf^ftem), bann baS SefäMiißem 
mit bem getjen unb juletit bet SarmlanaL 
acifo, fagl äSoIff ri(i)ttg, befielt bie Aeim- 
bilbung nti^t in einer ÜuSnitifelung cotge- 
bilbeter Orgone, fonhetn in einer Äette üon 
Qteubilbungen, einer toabren „EpigeneaiB" ; 
ein I6ei[ entftebt na^ bem anbem, unb alle 
etfc^einen in einet einfa^en gorm, meldje »on 
ber fpäter aulgebilbeten ganj cerf^ieben iß; 
biefe enlftebt etft butdi eine Steige ber merf- 
niürbiflfle;! Umbilbungen- Obgleit^ nun biefe 
gro&e Unthetfung — eine ber niiiittgften beS 
18. Sa^rftunbertS 1 — fid) unmittelbar butc^ 
9Ia(^uiiterfu<^ung ber beobai^teten X^atfai^en 
^äite beftäligen iafTen, unb obglei^ bie barauf 
gegrünbete .iTIieorie bet @eneraljon' 
eigenllii^ gar feine Xgeorie, fonbem eine nadle 
X^atfa^e mat, fanb fle bennoc^ ein EialbeS 
Sa&rfiunbetl ginbuK^ nidit bie minbefie ain- 
ertennung. fflefonbetä ^inberli^ mar bie mädi« 
lige aiutorität ron Salier, ber de dottnädtg 
befömpfte, mit bem 3)ogma: „®8 giebt lein 
SBetbenl Sein I^eil im £i)iert5rper ift oor 
bem anberen gemad|t roorben, unb SlUe flnb gu» 
glei<4 erf^affen'. Süßolff. ber na(^ ^elerS' 
bürg ge^en muftte, mar fi^on lange tobt, al3 
bie peigeffenen, non if|m beobai^teten Stliat' 
[a^enPonSorenjOIen in 3ena (1806) auf's 
^eut enibedt mürben- 

Ueftn6(atter>'£et)rc (Rat^bembun^CIen 
bie @pigenefi8'X^eorte oon Sßolff bf 
ftötigt unb bur<4 üüedel (1812) beffen mti^tige 
@i$rift über bie Sntmidetung be8 SarmCanalS 
au3 bem Soteiniff^en in'g ^leutfc^e fiberfet|t 
maz, marfen flt^ in Seutfi^Eanb mehrere junge 
Staturforfdier mit gioflem @ifer auf bie genauere 
UnterfiLi^ung bet Äeimeägefi^i^te. 2ler be- 
bentenbfte unb etfoIgreidiFle berfelben mar Sari 
drnft 8aer; fein berü&mUä feauptroerl er« 
fc^ien 1828 unter bem STitel; .(SntmictelungS' 
gefi^it^te betliere, Seobai^tung unbWefteEion'. 
3liiit aUein finb barin bie SSorgönge ber Seim' 
bilbung auSQejeidinet !lar unb DoU^nbig be- 
((^rieben, fonbern au^ ga^lrei^e geiftvoQe 
@pe!ulalionen baran gehtupft. äJorgugSmetfe 
i^ gmar bie @mbn)DbiIbung beS EDtenf^en 
unb ber SSirbelt^iere genau batgeftedt, aber 
baneben au^ bie mefentlit^ seifi^tebene OntO' 
genie bet nteberen, mirbellofen Xbieie berüd- 
nötigt. Sie jmei blatCfBrmigen @d)jäien, meli^e 
in ber tunben Jfeimfi^eibe ber böseren SOJirbd- 
llliere juerft auftreten, geifaHen nad) S9oet 
gunft^fl in je gmei Slittter, unb biefe mer 
Keimblätter uetmanbetn ftd) in mer Starren, 
bie i^utibamental-Crgane: ^autfi^ic^t, g^leifc^- 
f^idit, @efä&f4idit unb €d|leimfd|ii^t- 2>ur4 
fe^t netmictelte VtojefTe bet @pigeneflS ent- 



aintrt ftapitcL Qnlne fltliiicigtfi(t((le. 



zs 



fttfitn boTauS bie fcSteien iDtgane, unb itoax 
bä bem aUenliften unb bei aDen ajitbelt&ieren 
in roeFentlii^ glci^n SBdfe. ®anj anberS vei> 
galten fl4 barin bie biei &auptBTU))))«n ber 
niirbenofen X^iete, unter ft^ niiebei fe^r vtv 
ft^ieben. Unter ben oielen einjetnen ßiitbed' 
ungen von iBaei mar eine ber roi^tigüen baS 
menfi^Hi^e @i )Bi3 ba^in ^atle man beim 
fDIenfcEien, nie bei oQen anberen Säuget^ieTen, 
ffir Stet Heine iBlAdd^en gebalten, bie ft^ jafil- 
Tei^ im Qiexftoi finben. Sr|t iBaei geigte 
(1827), bafi bie magren @ier in biefen ®{äSd)en, 
ben .©raaf'f^en S^oQüeln' einaeWIotTcn unb 
Biel ileinet |lnb, ftügelt^en oon nur 0,2 mm 
Shiidgmeffev, unter günfti^en 9) ei^ä Kniffen eben 
als ^ünitdien mit blolem Dluge )u fe^en- 
3tu4 entbecfte tx iatxft, ba| auS biefei Seinen 
ISiaeDe bei Säugetiiieie ilc^ junAifift eine iiaiattf 
' tiftifdje fieimblafe entn>i(felt, eine ^obllugel 
mit flüffiGem 3niialt, beten äßanb bie bünne 
Aeimfiaut bilbet (Blsatodcrma). 

(EljcIIe unA Somenjelle. 3^n 3a(te 
nai^bem löaei bet Smbrnologie butifi feine 
fieimblättet'Se^ce eine fejle ©ninblage gegeben, 
entftanb fßc biefctbe eine neue roicEiliae SEuf- 
gäbe buii^ bie Segiünbung bei 3 e H e n • 
S6eorie (1838> lEie oetbalten ft* baä Si 
bet Spiere unb hie-batauS entfteftenben Äeim- 
blattet ju ben ©eroeben unb Seifen, roeli^« ben 
entroidelten SlMerfarpei gufammenfe^en? 2)ie 
nötige Seantmottung biefer inl^aCtfi^roeien 
fftage gelang um bie 3Ritte unfeteS Sabt' 
bunbertfi j|net b^niottagenben Sdjfilem nun 
Sobannei aß&IIet: iRobert Stema! in 
Berlin unb Stlbett ffBIIitet in SBÜrgburg. 
©ie nitefen nadi, ba| baä @i utfptünglii^ ni<!|tS 
älnbeteä qIS eine einfadje ^t\\t \%, unb bafi 
aud) bie ja^Irei^enfieirnfBrnet obet .gurdiungä' 
tugeln', meiere butc^ rotebetbolte Sbeilung bat- 
üuB entpefien, einfat^e Sitten flnb. %\x% biefen 
.gur^ungSgeUen* bauen fl^ junadjft bie fteJm- 
bldtteT auf, unb meitetbin burd) StbeitStbeilung 
obet Siffeienjirung berfelben bie oerfdliebenen 
Organe. flSIIiter enoatb flc^ bann fernerhin 
baS groge SJetbien^, auc^ bie fc^Ieimartige 
@amenf[üf|igteit bet männlii^en Sbiere aI3 
Wnbitufung Don milTo^opifdjen tieinen Seilen 
na^gunietfen. SÜebeneglicbenftMlnabelfönnigen 
.Samentbietiften' in betfelben (Spermatoioa) 
flnb nid)t§ SlnbeteS, alä eigentümlti^e .@ eig el> 
jeden', roie iift (1866) juetfi an ben ©amen» 
fdben bet ©t^mämme nai^gemiefen babe- 3amit 
niat füt beibe roidittge S^ieungSfloffe bei 
Ibiere, ba8 mflnnlidje ©petraa unb baä roeib- 
lidie ®i', beniiefen, ba^ aud) fle ber 3etten- 
SEbeotie flcb fügen; «ne ©ntbedung, beten bob« 
pbilofopbiftbe JBebeutung etft Diel fpätet, butcb 
bie genauete ©ifotf^ung bet ^eftu^tungä« 
rorgönge (1875), etlannt nutbe. (ISetgl. Soi> 
trag 6 — 9 bet .Hntbtopogenie'O 



0aftr8a>tnicorte. SQe älteren UidM>> 
fudiungen übet fieimb Übung betrafen feoB 
Stenfdien unb bie b^beten SBitbelt^itr«, 
cor Slllem aber ben SSogelleim: benn baS S J^böwB' 
@i in baS gtblte unb bequemfle Cbfelt txgfpt 
unb flebt febetgeil in beliebiget ÜHenge ntc 
fßerfÜQung; man lann in bet aSttttmafcSo* 
febt bequem (— wie bei bet natütlicben Se- 
btütung buT(^ bie genne — ) baS Si auSbrfitm 
unb babei ftünbli^ bie ganje 91eibe ber Qn»' 
bilbungen, oon ber einfa^en (£ijelle MS %vm. 
fertigen SJogeltötpei , innetbalb brei SBo^cn 
beobacblen- Slucb ÜSaet batte nur für bie «ex- 
fcbiebenen Älaffen bet SlBirbeltbiere bie Uebet- 
einftimmung in bet dgatatteti^fdien Qtlbiui0 
bet Keimblätter unb in bet Sntfte^ung ber 
einaelnen Organe auS berfelben nac^uei^ 
Bnnen. Sagegen in ben jabireidien Älaffen 
bet Sßitbellofen — alfo bet gto|en 3Webi^ 
ber Sabine — fd|ien bie Keimung in niefentftii 
serfi^iebenet SBeife abjulaufen, unb ben Sltetflen 
fi^ienen roirllid)e £eimblättet ganj gu febEni- 
Qtß um bie Snitle beS 3abrbunbett9 niutiien 
folc^e au^ bei einjelnen SSirbellofen na<48e' 
roiefen, fo non ©u^Ie? 1849 bei ben anebufen, 
unb Don fibllitet 1844 bei ben Sepbalopoben- 
iQefonbeig roii^tig routbe fobann bie @ntbe(tuns 
üon ÄonioIeroSi») (1866), baß ba8 ntebetjÜe 
SSitbelibiet, ber Sanjelot obet Amphioxus, fUb 
genau in berfelben, unb jmat in einer febt ai> 
fptüngli<^en 9ßeife enlmidelt, nie ein nitb^ 
lofeS, anfi^einenb gang entfetnteS SHanlelfbiet, 
bie Seef^eibe ober Ascidia. 3(u(6 bei oet' 
fi^iebenen SDütmetn, Sterntbieren unb ©lieber' 
tbieren niieS berfelbe iBeobaditer eine äbniidbe 
Silbung bet Keimbtätter nacb. 3A felbß mar 
bamal§ (feit 1866) mit bei SntmidelungSgefdbii^te 
ber Spongien, ffoiaKen, SRebufen unb Sipbono* 
pboren bef^äftigt, unb ba idj auib bei biefen 
niebetften klaffen bet uielgelligen Xbiete übereil 
biefelbe £BiIbung non gmei primären ffieinf 
bHttetn fonb, getangle i^ ju bet Uebetgeußung, 
baß biefet bebeutungSoode ReimungSootganfi im 
gangen Xbierteidje betfelbe ift 

äefonberä mistig erfi^ien mit babei bet 
Umftanb, boß bei ben ©cbniammtbieten «nb 
bei ben niebeten SIeffellbieten ($oIi)pen, aJle« 
bufen) bet ÄBtpet longe 3eit binburdb obet 
felbfl geittebenS bloß au8 groei einfacben SeQen* 
f(bi(iblen beftebt; bei ben SKebufen batte biefe 
fifton ßujle^ (1849) mil ben beiben primären 
ßeimblältetn bet äßitbeltbiete petgli^en- @e> 
ftfi^t auf biefe SSeobai^tungen unb Sev 
gleii^ungen feilte i<b bann 1872 in meinet 
.^bitofopbie bei ÄoItfd)n)ämme' bie ,®afttdo" 
Sbeotie' auf, beten roefentlid)(te2ebrf4te fol* 
genbe flnb: L 3a@ ganje 2:bieneii$ getfÜEt U 
jmei mefentli^ petf^iebene ®auptgtup|ien, tülc 
einhelligen Utibiete (Protozos) unb bie uicl' 
leüigen ®en)t6tbieie (Hetftzoa); bet gange 



IV. 



9}intc3 flu^iiltt UnfeH AeimiBgcli^iii^le. 



DrganiimuS b« ^totojoen (Siffitovoitn 

unb 3nfufDti«n) bleibt ieitUbeni eine einfache 

3^0^ (Wtenet ein loian Seltoeietn, o^ne ®e» 

loebeHtbunQ, ein Ckienobinm]; bagcQen bei 

OTganiSinuS In Stetagoen i9 nut im eiHen 

aSeginn einjeaig, fpätet nuB »ielen S^tlen J"' 

fammengeFeH nidc^e ©enieiie bilben. II. ^a» 

^er in au$ bte goitvRanjuns unb SHtroide* 

lung in betben Raupte nippen bei £ biete 

toefentli^ oetfiliieben; bie ^rotojoen pet* 

meßten (leb gemBbnltt^ nur ungefd^lecbtlt(b> 

but4 X^etlunSi flnofpuns obeiSpoienbilbung; 

fte befigen noi^ Kine e^len @ier unb fein 

<Sperma- Sie äRetajoen bagegen flnb in 

männti^ei unb njeiblidjeg @efd|le4t gef^ieben 

unb netmebTen (Idi normiegenb Qef(^led)tlicb> 

mittel^ etbter @ier, mel^e com mdnnlidien 

®anten befiui^tet netben. m. Sab« enifleben 

aud) nui bei ben Wetatotn nitllidie Aeini' 

bldttei, nnb auS bieTen ©einebe, nidbtenb 

folcbe ben ^otDjoen no»^ ßonj feblen- rv. ©ei 

aUen anetojoen entfteben gunäi^fl nur jraei 

trrimdte fieimblAtter, unb biefe baben übeiaQ 

biefelbenierenini^eiSebeutune: au3 beut äußeren 

^autblatt entraidelt Hib bie äußere Sautbette 

unb baS Sleroenf^fleni ; auS bem inneren 

3>aimblatt bina^ß«" bet Saimlanal unb 

oBe übriflen Organe- V. Sie fleimfoim, roeldje 

überaQ junäi^ft au8 bem beftui^telen St bet* 

PDtgebt, unb rael^e oQein auS biefen beiben 

pronüren Seimblüttern begebt, nannte t<^ 

ffiarralarue ober öeierleim (Gastrula); ibr 

be^erfScmigei, groeif^ listiger llSrper umf^Iieil 

utfptüngÜcb eine einfad)e uerbauenbe &BbIe. 

ben Urbarm (Progaeter ober Arohenteron), 

unb bellen einfache Oeffnung iff ber Uimunb 

(Proatoma ober Blaetoporoa). 3)ie8 flnb bie 

dlte^en Ctgane beS oielgeUigen lEbierfSrpeil, 

unb bte beiben 3eIIen [(bieten feiner Sanb, 

etnfodbe Spitbelten, flnb feine dlteften @ettiebe; 

olle nnberen Orsane unb @en)ebe flnb afl fpäter 

(felunbät) batauS berporgeganoen. VI. SIuS 

biefet Olei^artigleit ober Homologie bei 

@aftrula infflmmtUi^enStflramenunbÄlQffen 

ber (Seroebtbiete jog i^ na^ bem biogenetifd^en 

®runbgefet(e (Aap. V), ben ©(^lu6, baß alle 

anetajoen utfprüngli^ con einet ge* 

meinfamen Stammform obflommen, 

©aftrfia. unb bag biefe uralte (lautentifdie), 

föngfl auSgeflorbene ©tatnmform im äOefent* 

ii^en bie ßörperform unb 3>'f<><'i'n'"f°^uiS 

bet beutigen, bur cb S Jererbung erbaltenen 

@aftrula befaß. VII. 3)iefer pb^Iogenetifi^e 

©d|(u6 au8 ber Seigleitbung ber ontogeneti- 

f(})en SCbatfa^en rairb au^ babur^ geregt- 

fertigt, baß noc^ beute eingelne ©aßräaben 

e^^iien (Ortlionectiiien, Cyamarien, PHyse- 

marien), foroie Sltefte t^oimen anbetet X^ief 

^mme, beten Oiganifation fi^ nut febt roenig 

flbet biefe lettteten etbebt (Olynthtu unter ben 



@pongien, Hydra, bet gemeine Sfißreaffer- 
$oIqp, unter ben Keffellbieten, Convoluta unb 
anbere Arqptocoelen, als einfa^fle Slrubel» 
niürmer, unter ben ?J{attentbteren). Vni. Sei 
ber nieiteten Sntniiiielung ber verfd^iebenen , 
©eicebtbiere au3 ber @aftrula flnb jniei ner* 
fcbiebene ^auptgtuppen |u unlerf^etben: 3>ie 
älteren 9i ie b e 1 1 b i e r e (Coelenteria ober Aco»- 
lomia) bilbeit nod) feine SeibeS^5bIe unb be> 
fl«en roebec SSIut nod) aifter; baS ifl ber ^aQ 
bei ben @aftriaben, Spongien. 9Ie|feltbieien 
unb ^lattentbteren. Sie längeren Ober« 
tbiere (Coelomaria ober BilateriaJ bingegen 
befielen eine e^te fieibeSbBble unb metflenS 
aud) EBIut unb Kfter; bobin geboten bie 
lEfflurmt^iere (Yermalia) unb bie b^beren 
tqpif^en jEbietftömme . lüeldje H^ au8 blefen 
entraicfell boben, bie ©temtbiete, 9Bei<f|tbiet^ 
Sliebeitbiete, Snanteltbieie unb SDitbeltbtete. 

2)aS flnb bie niefentlicblten Sebtfä^ie meiner 
®aftrda-£beorie, bereu erften Sntmurf 
(1872) i(b fpätet raeiter auSgefübtt unb in einet 
EReibe con .©tubien gut @aflrda ■ Sbeorie* 
(1873—1884) feftet ju begrunben midi bemfibt 
babe. Obgiei^ biefelbe 3tnfangS fall aQgemetn 
abgelehnt unb näbrenb eineS Secenniumä oon 
jablrei^en Autoritäten beftig betämpft mürbe. 
\\t fle boc^ gegenmArlig (feit etioa 15 l^obren) 
»on allen faibfunbigen gatbgenoffen ange- 
nommen, ©eben loir nun, n)eld)e meitreicben. 
ben ©iblüffe ft^ au8 ber @afhda-S£beorie unb 
bet ßeimeSgeF4icble äbetbaupt für unfere 
Hauptfrage, bie .©teflung bt€ SRenfi^en in 
bec Jlatur', ergebeit 

CElseÜc un6 Samenjen« bcsITIetildlcn. 
2)a§ @i brS EDIenf^en ift, mte baS allei anbeten 
@eniebtbiete, eine einfatbe BeQe. unb biefe Heine 
tugelige SigeQe (con nut 0,2 mm Dut^meffet) 
bat genau biefelbe ^ataltetifKf^e ISefi^af'en' 
beit, nie biejenige aQet anbeten. lebenbig ge- 
bärenben ©dugetbiere. £ie tleine ^laSma- 
!ugel i^ nämlicb von einer bitten, bur(bR(4tigeit, 
fein rabial ge^reiften StbüQe umgeben (Zona 
pelliicida); au^ baS Heine, lugelige £etni> 
bldäcben (bet 3enenfern), baS pom ^lalma 
(bem 3eBenteib) eingeftbloffen ift, geigt biefelbe 
@räße unb il9ef<baffenbeit, mie bei ben übrigen 
XQammalien. SaSfelbe gilt pon ben bemeg« 
liii)en © v e tmien ober ©amenfäben beä 
üttanneS, ben roingig Ileinen, fabenförmigen 
tSei&elgeDen, meli^e (1^ gu SPliKionen in febem ' 
StrBpfdien beg fdileimailigen mönnli^en 
©araena (Sperma) flnben; fle würben ftübet 
niegen ibtet lebbaften ©eroegung für befonbete 
.©amentbieid^en' (Spermatozoa) gebalten. 
j(u(b bie @ntftebung btefer beiben roid^tigen 
@efd|le(bt9'3ellen in bet @efdile4tg>3)ifife 
(Gonade) tH biefelbe beim SDlenf^en unb ben-'; 
übrigen ©Augetbicren; fomobl bie <£icr im l£ier> 
flo* be8 SBeibeS (OvarinmLalS bie C 



30 



SinM SapittL ttnfm Atimdgelt^ii^tt. 



rvi 



fäben im 6oben ob» ©amenftocl beS ÜRanneS 
(Spermariiuii) entfte^en überaD auf bUfefbe 
Steife, aus SeUni, ttpel^e uifpiüngtii^ Dpm 
6öli)m-@t>il^el obRammen, noit b«r 3<II<n' 
f^i^t. roeli^e bte SeibeS^Ö^Ie auefleibel. 

(EmpfSnsnlft ober Scfrut^tuns (Con- 
ception, Foecondation). J)et mit^Hgfte Äuflen- 
bli* im fieben eineä ieben IDteiift^en, mi« lebeä 
anbeien @eiDebtI|teieS, ift baS ünoment, in 
n>el<f|nit feine inbioibuelle @;ifteng beginnt; eS 
iß ber SIuQenbtid, in neli^em bie ®ef^Ied]tS' 
aeQen bei: beiben Sltein lufammentie^en unb 
aut iBilbuna einet «inMgen einfallen ^etle 
onftfimelaen- J)iefe neue Seil«, bie „befrui^lete 
SigeHe', ift bie inbimbuetle © 1 a m m j eile 
(CytülaX au8 beten roieberöoltec S^eiluttB bie 
3eQen bet £eimbläEtet unb bie (9a^Ia ^er> 
voioe^n. Qixft mit ber iBilbung biefer Sqtula. 
dfo mit bem ißorganoe bet SSeftuc^tuns 
felbft, beflinnt bie ©siftenj bei ^etfun, beS 
felbpftänbiflenSingelnjefenä- 3)iefei)ntoaenetifd)e 
jr[)atfa<^e i|!t übetauS mistig, bennauSi^ir 
QÜein f4on laffen fiifi bie neiteftieii^enben 
6d)Iötfe obleitcn- Surtö^ft folat bntauS bie 
naie SiCennlni^. ba$ bet ^en^dj, glei^ allen 
anbeten @eniebt Rieten, alle ;)etf5nlii^en Sigen- 
f^aften, laipeili^e unb geiftige, con feinen 
beiben Sltern buti^ SJetetbung erhalten ^at; 
unb weitetbin bie inbaltf^mere Uebetjeugung, 
baft bie neue, fo entftanbene ^etfon unmögli^ 
Slnfptu^ ^aben lann, .unfletblii^' ju fein. 

Sie feineten Sotganae bei bet Gmpfdnaniß 
unb bet gefi^le(f|tlii^ Beugung übei^aupt 
ftnb ba&et »on a[|eti|öd|ftet SDJii^tigfetl ; (le flnb 
un8 in ifiten IStngel^eilen etft feit 1875 belannt 
gerootben, feit OScqi ßettroig, mein bo« 
maliget ©djület unb Sleifebegleitet, in ütaccio 
oufßotfica feine bofinbwc^enbenUntetfuiiiungcn 
übet bie S9eftu(^tuna bet I^iefßiet an ben 
Seeigeln begann, ^ie fdjBne öaupiftabt bet 
SRo8marin'3nfel, in roeltiiet bet gtofe 9lapoleon 
1769 geboten raurbe, niat au^ bet Ott, an 
roelc^em juetlt bie ©e^eimnifle bet t^ierifi^en 
Smpfdngnig in ben mi^tigften Sinjel^eiten 
genau beobachtet mürben. &ettmig fanb, bag 
baä einzige mefenllic^e @tetgni| bei bet SJe- 
fruditung bie SSerfi^melaung bet beiben @f 
fi^Iei^tSjellen unb i^tet ^etue ift. Süon ben 
SÜinionen männlii^et ©eifeljellen , »eltiie bie 
roeiblii^e giäcHe umftftrodtmen, bringt nut eine 
einjige in beten spiaSmalerpet ein. Sie ftetne 
beibei B^II^n, bet ©petmafem unb bet @i!etn, 
meiben butd) eine ge^eimnigcoae Araft, bie 
mit als eine tftemifi^e, bem ©etuc^ oemjonbte 
©inneSt^Ütigtett beuten, gu einanbet bin* 
aejogen, nähern HS) unb oerf^meljen mit ein- 
anbet. @o entftffit hiitd) bie flnnlit^e Sm- 
pfinbuno bet beiben @ef[^lei^tl'Aetne, in golge 
oon .eiottft^em (^^emottopiSmuS*, eine 
neue Qtüi, mel^e bie etbliäjen @igenF<^aften 



beibet @ltetn in fi(4 oeteinigt; bet Svtvmnr 
fletn übetttägl bie tfttetlti^n, bet Sitent Me 
müttetli^en dtgataüetjüge auf bie Stantai» 
jelle, aus bet fld| nun baS fiinb entmttCA; 
baS gilt ebenfo uon ben fSrpeiKAen, wie i 
ben fogenannlen geiftigen (Sigenf<^ften- 

Ueftnonlag« bts Ülentt^en. 3>ie SEH& 
bung bei Jteimbldttet but(^ niebetdolte Stel- 
lung bet ©tammjeUe , bie ßntße^ung hvK 
<BafttuIa unb ber meiter^tn au3 i^t ^erDor- 
ge^enben fieimformen gef^ie^t beim SHenft^en 
genau fo nie bei ben übrigen bO^eien ©äuge 
t^ieien, unter benfelben eigenl^ämlii^en 9e- 
fonbetbeiten , nieliiie biefe @ruppe uor ben 
niebeten SSitbelt^ieien auSjeidinen. ^n fx&> 
^eten Venoben bet fieimeägef^i^te finb btefe 
©pecial-Sbataltete bet ^locentalien no^ ni^t 
auigeptägt. Sie bebeutungSpoIle Seimfonn 
bei ©öoibula ober .©Öorbalame', bie ju» 
nüdift aui bet @afttula entße^t, jeigt bei aCett 
SDettebtaten im ffljefentli^en bie gleiche SSü- 
bung: ein einfa^et geiabet St^enftab, bie 
@^oiba, gebt bet Sänge na^ buti^ bie ^aupt- 
ope be8 I&ngliift'tunben, fi^ilbf armigen SötpeiS 
(be§ .ffeimfi^ilbeg'); oberfialb bet e^otba ent« 
nidelt fl^ au8 bem äuleten Keimblatt baS 
Dtitdenmatt, unterhalb baS Satmiofit. Sann 
etft etfi^einen gu beiben Seiten, re^tS unb 
lintä Dom 3I;enftab, bie Letten bet ,Uni)itbeI', 
bie Anlagen bet SItuSIelplatten, mit benen bie 
®Iieberung beS fflitbeltöiet-ftStpetä beginnt. 
3)om am Sann treten beiberfeitS bie Kiemen« 
fpalten auf, bie Ceffnungen beS ©41unbe3, 
buttö meldie urfptünglid) bei unfern giftij' 
Sinnen ba8 nom aJlunbe aufgenommene Slt^' 
naffer an ben ©eiten beg AopfeS na^i au^en 
traf. 3n golae jä^et Seterbung tteten 
biefe Äiemenfpolten, bie nut bei ben fifi^- 
artigen, im SBaffet lebenben SBotfa&ren von 
öebeutung maten, aud^ ^ute no^ beim ÜKen» 
f^en niie bei allen übrigen SBettebtoten auf; 
fie oerfdiminben fpätei. ©elbft nadjbem fi^on 
am fiopfe bie fünf ©itnblafen, feitUcb bie an- 
fange bet Üugen unb O^ten, fii^tbar gemorben, 
nac^bem am 9)umpfe bie Einlagen ber beiben 
aSeinpaate in Sotm tunblit^et plattet finofpen 
au8 bem fifi^artigen SDIenfi^enleim ^etoot- 
gefptogt ftnb, ift beffen 99ilbung betjenigen 
anbetet SDiibeltdiere nod) fo ä^nlii^, bat man 
fie nit^t unterfdieiben fann. 

ae^nlit^fie» ber tD[r6cttliler>Ueime. 
Sie niefentlidiellebeteinftimmung in betauteren 
ÄSrpetfotm unb bem inneten iöau, nielAe bie 
Smbtqonen beS ÜAenfi^en unb bet übrigen 
Siettebraten in biefer früheren @ilbung3-$eriobe 
geigen, ijt eine embt^ologif^e S^atfai^e 
etjien 9IangeS; auä ibt laffen ^4 nat^ 
bem biogenetif^en @tunbgefege bie mii^tigften 
©d)Ififfe ableiten. Senn e3 giebt bafüt leine 
anbete Srlldtung, als bie Unnofime einet 



IV. 



SinttS AofiiteL nn|e» AdutelQtf^t^tt- 



81 



SSeierbung oon einer getneinfamfn 6lainm> 
form. äBcnn mir fe^tn, ha^ in «ntm beftitnmten 
©tabtum bic fieime beS SDIenr^en unb beS SCfFen, 
beS &unbeä unb beS ^antni^eng, beS S^roeiiteg 
utib beS Si^afeä jicar a[§ ^fi^ert Süirbeltbieie 
ertennbar, aber fonft nitftt ju unterfdjeiben Unb, 
f lann biefe 3^tialta(te eben nur buri^ gemein' 
fante SIbftammung etllärl meiben- Unb btefe 
@t{[&rung erf^eint um fo fl<^eter, luenn mir 
bic fpStei eintretenbe Sonbening ober 2)iver- 
geitj) ienec fieimformen verfolgen. 3e nd^er 
fl^ jicet S^ierfornten in ber gefammten Rbrper- 
bilbung unb alfo aut^ im natürlii^en Sqiiem 
flehen, beßo länger bleiben fic^ Qu4 i^re Sm- 
btqonen äjinli^, unb beflo enger Rängen [le andi 
im Stammbaum ber betreffenben ©ruppe jU' 
fammen, befto nitfier tinb fle .ftammnermanbl". 
3)a^r erff^einen bie @mbn)onen be3 SJienfci^en 
unb bct STIenfi^enaffen aui) fpäter noc^ ^&i!)ft 
ä^nlii^/ Quf einer bo^ entraiÄelten iSilbungä- 
ftufe, auf neli^er t^re Unterf<^tebe oon ben 
Smbrqonen anberer iSaugetbiere fofnrt ertenn- 
bot finb- 34 babe biefe bebeutungSooIIe ST^at- 
fa^e fomobl in ber natürli^en @c^5pfungg- 
eefd)t(f|te (ISeS, Xaf. 2 unb 3) alä in ber Slnl^ro' 
Voeenie(189I, lof. 6—9) bur43ufammenftellung 
entfpre^enber SStlbungSftufen oon einer SIngabI 
oeif^iebener SBirbell^iere iOuftriert. 

Die Uetm^Bncn bt» OTenlc^cn. 3)ie 
ffoftt vbqlogenelifcbe IBebeutung b(r eben be- 
fproiftenen äe^nüi^feit tritt nii^t nur bei SBer- 
gleidiung bei aJettebraten'Smbrqonett felbft 
berDor, fonbetn aui^ bei berjenigen ibrer Äeiin- 
bikHeit. @3 geii^nen ft^ nämlid) aUe SSirbel' 
tbiere ber brei bbieren Älalfen, Sfleptilien, Sögel 
unb ©flugetbiere, oor ben nieberen Älalfen bur^ 
bie SSilbung eigcntbümlidier @mbrqanat£)fillen 
oilä, be8 Amni on (aSafferbaut) unb beS Sero- 
lenuna (feröfe feaul). 3n bieten mit aßafler 
gefüllten @diien liegt ber @mbn)o etngefi^lonen 
unb ift bobur^ gegen 2>ru(f unb @to& gefi^ütit. 
2)iefe jwedmäiiee Si^u^einric^tung i$ toabi' 
fi^einlid) erft niäbrenb ber permifi^en ^eriobe 
entftanben, al8 bie ällelten (Reptilien (^to- 
reptilien). bie gemeintamen Stammformen bei 
Slmniontbiete ober Amn iot^n, tioUftänbig 
an baS Sanbieben fid) onpa^len. Sei ibien 
birelten Siorfabren, ben Slmp^ibien, feblt biefe 
güDenbilbung notb ebenfo niie bei ben grifi^en : 
Pe war bei biefen SBaffeiberoobnern überflüffig. 
Wi ber Srraeibung biefei 8<butibüIIen flehen 
bei ollen SImniolen nod) jtoei anbere Ser- 
anberungen in engem Sutommenbang, eiftenS 
ber gänali<be SSerluft ber Giemen (roäbrenb bie 
fliemenbogen unb bie Spalten bajroif^en alS 
.rubimentflre Orgone' fteb forterben); unb 
}»etteng bielBilbung ber SlllantoiS. 3)tefer 
bkfenfSrmige, mit SBalfer gefüllte Baä mäib^ 
bei bem @mbn)o aller ttimnioten auS bem iSnb* 
barm iierpor unb ift ni^tS älnbeieS ali bie 



DergrSlerte ßamblafe ber äCmpIgibien-^bneii. 
3(uS i^rem innerften unb unterflen Steile bilbet 
ftä) fpdUc bie bleibenbe ^amblafe ber 31mnioten, 
möbrenb ber grbgere äufiere ^deil rüttgebilbet 
mirb- @eraö^nlt(^ fpielt biefer eine Qtit lang 
eine mistige !HoI!e al3 SltbmuugS-Organ beS 
gntbrflo, inbem fii^ mfl^lifle Slulgefa^e ouf 
feinet SBanb aiiäSreiten. ©oroobl bie Sntftebung 
bei ffeimbüQcn (Amnion unb Serolemma), aU 
aucb bei Slllantoig, gefdjie^t beim äRenf^en 
genau ebenfo, roie bei aQen anberen Slmniolen. 
unb butib biefelben oerroitlelten Sproceffe beS 
i&)ai^3tbum8 ; bet SRenfi^ in ein ei^teS 
Slmniontbier. 

DU piacenfa 6es menft^cru Sie Sr> 
näbruna beä menf^Hdien ßeimeS im !Dlulter' 
leibe gef<^iebt befanntlicb bur^ ein eigentbfim' 
li^eS, äufierft blutrei^eS Oigan, bie fogenannle 
Placenta, ben SIberlucben ober Slutgefäfi« 
lu^en- Siefeä roii^tige ©mä^rungS- Organ 
bilbet eine fdiroammiae treiSrunbe ©djeibe oon 
16-20 om SHit^meffet, 3—4 cm JJide unb 
1—2 $funb ©enii^t; fle wiib na^ eifolgtei 
@ebuit beS ftinbeS abgelbß unb alS fogenannte 
,9ia(bgebuit' auSgefioften. 33ie $Iacenta be- 
flebt auS jraei n)efenlli4 ueifi^iebenen jtbeilen, 
bem^rudittudien ober ber tinbüi^en $lacenla 
(P. foetiklis) unb bem SHutterludien ober bem 
inülterlidien Sefä^udjen (P. uterina). Siefer 
le^tere entbdit reii^entmidellelBIuträume, mel^e 
ibr Slut bur^ bie @efäge ber @ebatmutlei 
jugefübrt etbalten. Set gtu^thi^^ bagegen 
wirb auä jabireidien eerdflelten 3"*"" gebilbet, 
roel^e oon ber Slufienflö^e ber itirtbtii&en %U 
lantoiS beroDnoafftten unb ibi ©tut oon beten 
9tabeCgefä^en begieben. Sieboblen, blutgefüUten 
Rotten bti gru^tht^enS mat^fen in bie iBIut- 
räume beS ^utterfu^enä binein, unb bie garte 
©ii)eibenianb aiDif^«" beiben roiib fo febi uer- 
bünnt, bafi burdi fe binburcb ein unmittel- 
barer Stoff« SluStaufib bei etnäbtenben asiut« 
fCüffigleit erfolgen lann (bur^ OSmofe). 

iSei ben Alleren unb nieberen (Stuppen bei 
3ottentE|iere(PIacentaUa)itl bie ganje Ober* 
fiad)e ber äußeren 3rud)tbüae (Cborion) mit 
gablrei^en lurgen^otenbebeA; biefe ,6b orion* 
jotten' maät^tn in grubenfbrmige SSettiefungen 
bei @ä|IeimE|aut ber @ebätmuttet binein unb 
lOfen fi(^ bei ber @ebutt leid)t oon biefer ab. 
SaS i^ ber S^oQ bei ben meiften £)uftbieren 
(i- 19. Stbmein, Jtameelt ^ferb), bei ben meiften 
SQaltbieren unb fialbaffen; man bat biefe 
SJIaQooIacenlalien alS Jndecidu&ta bejeitbnet 
(mit biffufei 3ottenbant, Malloplacanta). SI«^ 
bei ben ü6tigen3ottentbieren unb beim ajlenfi^en 
ift biefelbe SBilbung anfänglii^ oordanben. ©alb 
aber oet4nbett fie fl4. inbem bie 3otten auf 
einem %i)'i^t beS @borion rüdgebilbet raeiben; 
auf bem anberen Steile enlmideln fle f1d| ba- 
für um fo ftüiter unb oenoadifen febr f»» ™^* 



32 



grflnfteB AopitiL Qnfne Stamm tigef^ii^tt. 



Bet ©^leimftaut beS UteruS. 3n golae biefer 
innigen 9iem)a<^fung IBft fi<J| bei ber ©cburt 
ein Zfitil bei leiteten ab unb nriib unUr IBIut* 
üetluft entfernt. S)iefe ^infäHifle ©aut ober 
©ieb^ut (Dooidna) ijl eine ^ataheriftifi^e 
Silbunß bet ^Bbeien 3i>ttent^iere, bie man ' 
Öalb als Deciduata jufammenflefaßtSat; bafiin 
eebBten namentli<^ bie Siaubt^iete, ^^aget^iere, 
Slffen unb 3Renf(^en; bei ben fitaubtbieven unb 
eingelnen fiuft^iecen (j. )8- Slep^anten) ift bie 
^lacenta aüttelförmie (Zonoplacentalia), ba- 
ßegen bei ben ^tagetfiieren, bei ben 3n(elt«n- 
frelTetn {SKaulrourf , Sgel), bei ben Sffen unb 
Sfflenfi^en fdjeibenfdrmig (Discoplacontalia). 

giod) DDt aeSn Sauren aloubt«« bie meiften 
(Smbn)oloBen, baß flii) bet ÜJlenfcü burdi fleroilTe 
Sieentbünt Umleiten in ber SBilbung feiner ^-ßla- 
centa au3jeid|ne, namentli^ buid) ben Säeills 
bei fogenannten Decidua reflexa, foniie burdj 
bie befonbete iBilbung beS SlabelfltangeS, roeldjer 
biefe mit bem Keime neibinbet; biefe eigen- 
t^fimliti^en Smbcqonal' Organe foHten ben 
übrigen 3ottentbieren, unb inSbefonbere ben 
Slffen, fehlen. 3)er roif^tige aiabelftrang ober 
bie Slabelfi^nur (Funiculua umbilic^) ift 
ein c^Iinbrif^er, weither ©trong Don 40—60 cm 
fiitnge unb von ber 3iicte beS Ileinen ^tngerg 
(11-13 mm), et fleKt bie Serbinbung jroifdjen 
bem @mbr^D unb bem SSluttettudjen ^er, inbem 
et bie ernä^tenben äölutgefäfie auä bem ÄÖrper 
bei ffeimeS in ben JJtuäittui^cn leitet; aufeet- 
bem entljält et qu^ ben ©tiel ber SlUanloiS 
unb beS jJptterfadeS. SDäbrenb nun ber S)ottet' 
fad bei menfi^Ii^en ffrüiiten ouS ber britten 
5öo^e bei ©c^roangerfc^aft nod) bie grSSete 
^ülfte bet Aeintblafe baifteKt, mirb er fpäter 
balb lüifgebilcet, fo ba^ man ibn frübet bei 
teifen ^rüi^ten ganj oeimigte; bo4 ift er alS 
ERubiment noi$ immer oor^anben unb auä) 
na<$ bei @eburt no<^ als roinjigeS 9tabel< 
bläätiien (Yesicula umbilicalia) na^jumeifen- 
9Iu4 bie blafenf5rmige SInlage ber SlQantoiS 
felbft roirb beim SDIenf^en frfibjeitig lüdgebilbet, 
roaä mit einer etioaS abweic^enben ^ilbung beS 



Slmnion jufammentidngt, ber Sntfte^una bcS 
fogenannten ,!8au(^ftiel8'. 9Iuf bie lontvli* 
ctrten anatomifcben unb embtqologifi^en Sef 
^Itniffe biefer SSilbungen, bie i4 in metnei 
ant^iopogenie (23. Soitiag) geft^ilbeit unb 
iHufttirt &abe, fOnnen ivii bier nic^t einge^ 
Sie @egneT ber Sntnitdelunggle^e roiefen 
noc^ 001 jebu Sabren auf biefe .gang befiin> 
beien Sigeutbümli^Ieiten' ber g^ru^tbilbune 
beim Sllenfdien bin, bur^ bie erfl^iiiontUIen 
anberen ©äugetbieren unterfi^eiben foHte- 2)a 
mieS 1890 @mi[ Selenta na^, ba^ bie- 
felben Sigentbümlii^Feiten fid) aniSt bei ben 
SDIenfi^enaffen finben, inSbefonbere beän 
Orang (Satyrus), roäbrenb He ben niebeteit 
Stffen feblen. Stlfo beftätigte ficb au« ^ier rote 
ber ber ^it^ecometra-Satl oon ^u;Ie^: 
.2)ie Unterfi^iebe gniifi^en ben Snenft^en unb 
ben aiienfcEjenaffen flnb geringer o!8 biejenigen 
gmifi^en ben leiteten unb ben nieberen Sfffen.' 
2)ie angebüi^en .SSenieife gegen bie na^ 
©lutSoerroanbtfiiiQft beä SKenfi^en unb bei 
Slffen' ergaben ü(5 bei genauer Unterfut^ung bei 
IbatfäcblidienSßerSältniffe au4 biet roiebet umge- 
lebrtalSroi^tißeSiüiibBjuOunfienberfelben. 
3ebei 9ia{uifDifd)ei, ber mit offenen Siugen 
in, biefe buntein, aber bäi^ft intereffonten QaW 
rinf^-Sange unfeiei ÄeimeSgefi^i^te tiefer ein- 
bringt, unb ber im Stanbe ift, fte Iritiftf) mit 
beiientgen bei übrigen ©äuget^iere gu oer» 
gleiten, mirb in benfelben bie bebeutungS- 
coaften ai(!itträger für baS Sßetftänbnift unferei 
©lammeSgefi^ii^te finben. 2)enn bie cerT^ie' 
benen ©tufen ber ßeimbilbung nieifen aß 
p a lin g en e t i f (6e 8ererbung§»5ßWnomene ein 
belleS fii^t auf bie entfpiedienben ©tufen lUf 
feret Hönen-Meibe, gemäfi bem btogenetifii^n 
©runbgcfetie. Slber quiJ bie cenogeneti> 
fd)en 3Inpa^ung 3 -Srf (Meinungen, bie iSilbung 
ber seigönglicben Smbnjonal- Organe — bet 
(ftaraltcriftiMcn SeimböHen, unb cor allem bei 
^lacenta — geben un8 ganj beftimmte 3tu^ 
fc^Iüffe über unfere nabe ©tammoernanbt' 
f^aft mit ben Primaten. 



fünftes KopM. 
Unfere Stammesgeft^i^ie. 

tlTonifttj^e Stubien Aber Urfprung im6 flbjtammung 6es tUcnfc^cn oon 6en 
IDirbcIt^iereti, jimä^lt oon oen Qenent^Uren. 

3nbalt: Qtfpiuna bei !DIen|i^ni. SJlqtbif^e e^apfungigefi^icbte. aHofei nnb Sinn6. Sit 
©ÄBpfung ber (onltantcn arten. Äatttiltopb"i-Sebte, Suöier. StanBfonniSmuS, ®oet^ (179Ct). 
»efcenbeiu-Sbeorle, EamarÄ (1809). ®(IeItiDn8-3:^eDtit, Datttin (1869). ©tammeSgefibidpte &We- 
geniO (1866). ©torambäume. SmertHe gKoiptiotogie. 9latÜTli(|t ®c^Bpfuni^gef4i<bt(, ©qfiföwiit^« 
p^qloaenic. SiDoenetifi^eä ffirunbatfel. Snt^ropogenie. Stbftammung M uRenfi^en Dom ^ffm 
$i1^tcoibtn'XI|cnie. Sei foffile ^tt^ecanibiopuS »on DuboiS (1S94). 

Ser Ifingfie unter ben gtofien 3n>eigen am l Matunoiflcnfi^aft, meli^e mir Stamme!' 
lebenbigen ^aume bet Biologie ift bieienigelgef^i^te ober ^b^Iogenie nennen. @it 



V, 



Sftnfiel Jtapitel. Uitft« StunimcSQcfc^li^tc. 



tat fli^ nod^ mät ^väiti unb unter cid giO^eien 
S^tDierigteiten entiottfelt, qIS i^ie natfiilit^e 
S^ivefter, bie ÄeimeSgerdtiiite ober Ontogenie. 
Siefe le^teie ^atte jur 9lufgabe bte @rlenntni^ 
btv fleljeimni&Bonen SSorflänge, burift roel^e pi) 
bie orgonif^n SnbiBibuen, bie Ginjelroefen 
ber Siliere unb ¥ffonüen, auS beut ®i ent. 
ivideln. Sie ©tammeSgefi^ii^te hingegen ^at 
bie viel bunlleie unb fdiivierigere t^rage gu 
beantnorten: ,^it jinb bie organifdien 
&pecteS entflanben, bie einzelnen Strten ber 
2:6iete unb ^ftanaen?" 

Sie Ontogenie (fouDbl Sntbiqolosie aI3 
anetamoiD^ofenle^re) lonnle gut Ssrung t^rer 
no^e liegenben älufgabe junäi^^ unmittelbar 
ben em^irifc^en lEefl bei l^eoba^tung be- 
treten; He brauste nur Sag füi Xag unb 
Stunbe für €tunbe bie |l4tbaren Umbilbungen 
lu »erfolgen, müitt ber organifi^e Jteim inner- 
bafb turjer 3eit mä^renb ber Sntraictelung au3 
btm St erf&^rt :SieI ft^raierigei mar von 
Dsmiietein bie entfernt liegenbe Hufga^e ber 
^^qlogenie; benn bie langfamen ^roceffe ber 
oHmäliliiften Umbilbune, totlän bie ©ntfteöung 
iet SEiier- unb $flQnjen*3Irten beroirlen, ooH. 
jie^ fic^ unmciniäi im Setlaufe uen 3alir- 
tau[enben unb 3aI|rmi]Iionen ; ilire unmilfel" 
bore ©eobaAtung iftnnr in fefir engen ®rengen 
mbgliifi , unb ber nieitouS grb^te Z^eil btefei 
^iftorifdien SSorgänge lann nur inbireft er- 
fi^loffen nietben: buri^ Ititif^e Ülefle^ion, 
burd) nerglci^enbe Senu^ung non emoiriftben 
lltlunben. nelt^e fe^c vetfi^iebenen @ebieten 
angeljüren, ber Paläontologie, Ontogenie unb 
WotpliDlogte. 3)a|u fam nod) bal geraaltige 
ginbeinig, nelt^eS ber natflriidien ©tammeS- 
gefi^ic^te oIlBemein but4 bie eng« ajerfnüpfung 
bet ,©(^Öpfüna8gefd)i(^te'' mit flbeinatfttlii^en 
3)li|tlien unb religiSfen SJogmen bereitet rontbe; 
e3 iß babcc begreifli4/ baft erft im Saufe bei 
le^en siei^tg ga^re bie niffenftl^aftli^e 
@;ißenj bei raa^ren Stamme Sgef4iii|te unter 
fi^meien Aäm^fen emtnecn unb geflt^eit niec' 
ben muftte. 

inqtf)ifd|c Sd|5|>runsss«|d|tt^c. UKe 
entftltdien 3!erfu^, loel^e bis jum beginne 
bei 19. ^a^r^unbertS }ur Seantroortung beS 
VroblemS von ber @ntfte(ung ber Organismen 
unternommen mürben, blieben in bem mtjt^O' 
logif^en Sabqrintlie ber fibematürli^en 
@il}3pfungSfagen fleden. @ inj eine ISerafi^ungen 
kerDonagenber Senlet, ftc^ uon biefem )u 
«nancipiren unb ju einet natürlichen Auf- 
faffung )u gelangen, blieben erfolglos. Sie 
mannigfaltigften ©diöpfungB-aJl^tlien entroitfel- 
ten fi^ bei allen älteren JtultuT'SJ&Ilern im 
Sufamnien^ang mit ber SRtligion; unb radEirenb 
beä SRiltelalter» roat eS naturgemäß baä gut 
ßerrf^aft gelangte S^ti^ent^um, neldieS bie 
^ntmortung bei S^epfungSftage fjli fl^ 



in Slnfpru^ na^nt. 3)a bie !Bibe( alS bie un- 
eif^fltterti^e fflaflS ha ^riftlii^en ffleligiona- 
©ebäubeS galt, mürbe bie gange S^apfungS- 
gefc^Üte bem erftenißudjeünofe 8 entnommen. 
Üuf biefeS ftü^te M auc^ noi^ bei gro|e 
fdiwebifc^e Üiaturforftftet ßail Sinnä, al8 ei 
1735 in feinem giunblegenben „Systema Na- 
turae" ben etften 5)erfurfi ju etnet f^fiemati« 
ffteu Orbnung, Senennung unb fllafflfilütion 
bet unjäöliflen nerfc^iebenen Slaturlörper unter- 
nabm. aiS befteS, prQftifdjeä Hilfsmittel bet- 
felben führte er bie betannte boppelle 9tamen- 
gebung ober binäre 9IomenIIatut ein; iebet 
einjelnen tttt ober SpecieS non Spieren unb 
Wangen gab er einen befonbeten Slrt-SRamen 
unb HeKte biefem einen allgemeinen Q)attungS< 
Siamen Potan> 3n einer ©attung (Geans) 
mürben bie nä^ftoetmanbten Hiten (Speciee) 
juf ammengefteHt ; fo j.S. Bereinigte 8inn6 in 
bem Genua ftunb (Cania) alS oerfifiiebene 
SpecieS ben fiauS^unb (Canis famiÜEiriB), ben 
e^alal (Cania anreua), ben äSSolf (Cania Inpua), 
ben 3ui48 (Cania vulpe«) u- Sl. 3)iefe bindte 
Stomenllatut emicS fict) balb fo ptattifi^, bafi 
|1e angemein angenommen mürbe unb bU 
Iieute in bet goologif^en unb botanifcEjen 
Sqftematil allgemein gültig i^ 

ßfidlf) oerbängnifiooll aber mürbe für bie 
aBiffenfiiiaft baS tbeoretifdie Sogma, meli^eS 
f^on Don Sinnö felbfl mit feinem ptaltifc^en 
©pecieS-Segriffe oerlnüpft mutbe. Sie erfte 
Sragc, roet^e Hi^ bem benfenben ©qftematilet 
aufbiangen muBte, mat notörli^ bie Jtoge 
nai^ bem eigentlic^n SSefen beS ©pecieS-Se- 
griffeS, nat^ Snlialt unb Umfang beSfelben- 
Unb gerabe biefe ^unbamental'grage beant< 
roortete fein ©Äöpfer in naiufter ^eife, in 9ln- 
lebnung an ben allgemein gültigen Q^ofaifc^en 
©c^apfungS-aHijtSuä : „Species tot sunt diver- 
aae, qnot diTersos fonnaa ab initdo creavit 
infmitum ens". (— ®8 giebt fo oiel perf^iebeite 
Sliten, als im ainfange com unenblic^en Sßefen 
oerfc^iebene formen erf^affen roorben Unb. — ) 
SRit biefem t^cDfopbifi^en Sogma mar jebe 
natürlid^e (Stilärung ber älrt-Sntfte^ung obge< 
fi^nitteu' Sinnä tannte nur bie gegenroärlig 
e^iftirenbe X^ier- unb ^flanjen-SBelt ; er ^atte 
leine aUnung von ben oiel gablrei^eren auS- 
geftotbenen Sitten, mel^e in ben frübeten 
Venoben ber Srbgefcdicfile unferen (SrbbaH in 
me^felnbet ©eftaitung beuBUert batten- 

grft im anfange beS 19. gta^ifiunbertS 
mürben biefe foflllen I^iete but* Guoiet 
näfiet betannt. iSr gab in feinem berühmten 
ffijeile über bie foffllen Änorf)en bet nierfüSigen 
aflirbelt^iete (1812) bie erfte genaue JBcfi^reibung 
unb richtige Sentung ga^lrei^et «ßettefütten. 
3ugleic^ niieS er na^, bag in ben verfi^iebenen 
$erioben bet Srbgef^ii^te eine Keifie oon ganj 
petf Aiebenen S^ier-SeoSlfetungen auf etnanb 



fJIQnfttl Aa4)ittL Unfnc CtamnuSseli^ii^tr. 



flefolgt mal- Sa nun ßuoici tiaTtnätFig anlScntrifugoIttoft, bem 9iariationB>Xrie& obrr' 
Stnnä'9 Sibu von in obfoluten StftAnbiQ' ber .^httttr^RetamoxvfioW; nfleie entfprf^ ' 
leit btr @p«tel feft ^idt, glaubte et beten | bem, naS roii ^euteSeterfiuna, leitete bem. ! 
SntRe^ung tiuc but^ bie Unna^me ttti&rtn mai mir Knpaffung nennen. SSit tief j 
ju täitnen, baS eine ERei^e non ßroten flata*j ©oetfieburtöbiefenoturp^ilofopÖiWenStubitB ' 



fttofl^ unb oon mieber^olten SteuftftBpfunaen 
in ber erbgefc^i^te ouf rinanbet aefolgt fei; 
im iBeginne tebei giofien Sib-Stroolution foQlen 
ade lebtnben ®cf4bpfe tmni^let unb am Snbe 
berfelben eine neue Seoailerung erf^affen 
ivorben fein. ObgCeii^ biefe AataRrop^en' 
Xbeorie Don Suviet iu ben abfuibeften f^olgc 
ningen ffi^ite unb auf ben nattten SBunbet- 
@Iauben binauSlief, geraann üe bo4 balb 
alleemeine @eltunfl unb blieb bis aufSamin 
(1859) öerrf^enb. 

ITransfomtUTRUs. @oct^e- £a& bie 
I|etrf<!ienben aSDifteSungen von bei abfoluten 
äefldnbtglett unb fibernatÜTlit^en ©t^Bpfuna 
bei organif^en Stten tiefet bcntenbe Sorfiftei 
nidit beftiebigen loniiUn, ift leicht einjufe^en- 
Sollet Pnben wii benn f^on in bet jroeiten 
Öälfte beS a^tjednten :Sa^t^unbert3 einjelne 
ÖeroDttagenbe Seiftet mit 5ßetfu(^en bcfi^äftigt, 
gu einet nalutgemaien Sßfuna beS gtoßen 
„S(^3pfuna8-¥roblemS" ju gelanflen. SDen 
Dotan roat unfet gröltet Sitztet nnb a)en!et 
äßoifgang Saetbe bui<^ feine oieljabtigen 
unb eifrigen matpbologifi^en Stubien beieilS 
cot me^t als ^unbeit igatiten }u bei tiaten 
einflcöl in ben inneten 3ufammen6ang aüet 
otganif^en gotmen unb gu bet fepen Uebet- 
jeugung eineS gemeinfamen natüili^en Ui« 
fptungS gelangt. 3n feinet betü^mten .SJteta' 
morpbofe bet ^Panjen' (1790) leitete et oBe 
oerft^iebenen S^otmen bet ©erod^fe oon einei 
Uipflange ab, unb aQe netf^iebenen Oigane 
betfelben Don einem UTotgane, bem iBIatt. 3n 
feinei iBitbeltbeotie iti ©i^äbelS Dctfudite et 
gu jeigen, bafi bie St^äbel aUei veif^iebenen 
ajirbellbiete — mit 3nbegriff beS Sllenf^en l — 
in gleitet Steife auS benimmt geotbneten 
Änot^en ■ ©nippen jufammengefeSt feien, unb 
Sag biefe lct)teten nid)l8 ÖnbeteB feien, alä 
umgebilbete SlBitbel. ©tabe feine eingefienben 
@tubien übet Detglei^enbe O^eologie Egalten 
@oetbe gu bet feften Uebetäeuflung oon bet 
ginVit ber Dtganifation gefübtt; et ^atte et- 
tannt, bag baS Jfuo^engeiüft beS Snetif^en 
na4 bemfelben Si)pu3 jufammengefe^t fei, mie 
ba8 allet fibtigen SBiibelt^iete ~~ .gefotml 
nadi einem Urbilbe, baS nui in feinen fe^t be- 
pänbigen IBeilcn mebt ober roeniger ^in- unb 
betroeidit unb fiä) no4 tägli^ bui^ t^ott' 
pflangnng au8- unb nmbilbet* — - 2)iefe Um- 
btlbuug «bei StianSfoimation lägt ©oet^e 
but<^ bie beflänbige SIBerfifelroitlung pon groei 
geftaltenben SBilbungBti&ften gefielen, 



flbei .Silbung unb Umbtlbung otganifi^ 
SRatuten" in beten ffiefen eingebtungm »at, 
unb inmiefem et bemnaA alS ber bebeutei^ 
SJotldufet son 3)ain>in unb Samatd be- 
(tagtet meiben (ann, ift aal ben tntereffanten 
©teilen feinet 3BerIe ju eiferen, neli^e t^ im 
pierten 8 Ott rage meiner Eflatiltli^enScöBpfungS- 
gef^idlte gufammengefteUt dabe. 3n meinem 
iioiltage übet ,33ie Slotuianfc^uung pon 
Satroin, @Det(e unb Samatrf* (©ifenarfi 
1882) ^abe i* bieS «a^ei begiünbet. 3nbeffen 
lamen ioii biefe natuigemäfien GntmiffelungS- 
SbeeuDonSoel^e, ebenfo wie dtinlii^e (ebenba 
cititte) Sorfleüungen Pon ftant, Dfen, Stc 
oiianu8 unb anbeten Slatutpbilafopben im 
beginne unfeieS 3a^r6unbert8 nii^t über 
gemiffe alleemeine Uebetgeugungen ^inauS. Qi 
fehlte ibnen notft bet gtoS« ©ebel, beffen bie 
,natfirlid)e Sc^SpfungSgefdiidite' gu i^tet fßt' 
grftnbung but^ bie 5trtlil beS SpecieS' 
2)Dgma beburfte, unb biefe vetbanlen nitc etf 
Samati- 

Ccfccnften} ■ ff^coric ober abttanti 
ntundsIe^YC. £amat« ßeOä). 3)en eiften 
einge^enben Serfucg gu einet nrilfenfcbaftEi^n 
SSegiÜnbung beS Xian3fotmi8muS untetnabm 
im beginne beS 19. 3a^E)unbettS bet grofie 
ftangSftfdie 9)atuip^i[ofopE| ^can fiatnaiit, 
bet bebeutenbfte Gegner feineS Aollegen Supier 
in $ari8. ©*on 1802 batte betfelbe in feinen 
,)Betiad|tuneen übet bie lebenbcn SlatuttOtpet' 
bie ba(nbte<^enben Sbetn übet bie llnbeftflnbtg' 
teil unb Umbilbung bet Sitten au8gefpia<^eiii 
roel^e et bann 1809 in ben gipei Sävben 
feines tiefftnnigften SffietleS, bei PHlosophie 
zoologique, eingebenb begiünbete. ©iet fMtl( 
Saraatd gum etften SDlale — gegenübei bem 
herrfiienben ©pecicä-Sogma — ben ti^tiaen 
@eban!en au8, ba^ bie organifi^e .^it pbct 
©pecieB' eine Iftnftltifte abfttaJtion fei, 
ein ©egriff Pon relatioem SDeit&e, ebenfo mie 
bie ftbetgeotbneten begriffe ber @atlung, 
Samilie, Öibnung unb Älaffe- @r behauptete 
feinet, ba& alle Arten petanberlid) unb im 
Saufe feöt langer SeiKöume aui älteren Sitten 
burd) Umbilbung entftanben feien. Sie gemein' 
famen ©tammfotmen, Pon benen biefelben nli' i 
ftammen, roaren utfprßnglii^ gang einfaifie unt ' 
niebere Otganiäraen; bie erften unb flUeflen 
entftanben bui^ Utgeugung. äBä^tenb bui4 
SBeietbung innetbalb bet @enetationB'EReib(" , 
bei S^puB P(^ beftonbig etbält, roerben anbei' i 
feits buri^ ünpaffung, butti^ ®en>oI|nbe<' 



inneren Senttipetaltraft beS OrganiSmuB, bem unb Uebung ber Cigane, bie Sitten aUmd^iidi i 
..@pecifitatipnfi>Xiteb', unb einer &u|eren { umgebilbet- Slu<4 unfet menf^Iic^et Ctgan^ 



S&nftel StaifHü. Iln|nt 61ammrig(|i$i($tt. 



35 



üt auf biefelbe natfirlidie SBeife buii^ 
lilbunfl aus einer Steige oon affenaitiflen 

ietliinen entRanben. Qüv alle biefe Box- 
n)ie überhaupt fÜT ade SrfifieinunQen 
9iatui unb im @eifte<äleben, nimmt 
d QugT4lie{iIi4 Ric4antf(^e, p^q- 
^fd)e unb d)emtT4e fßez^&xiQe als roa^re, 
jitenbe Urfai^en an- Seine eeiftntine 
iphie zoologiqne enthält bie Slemente 
rein moni^fdieS 91atuc'@i)[tem auf 
,inb ber SntniiieluneSIe^Te- ^i^ ^abe biefe 
ibienfte Samaid'B im oieiten Sitiitxaee 
tter älnt^iopoeenie unb im fünften Sioi' 
le ber Statüili^cn ©^SpfunaSgef^idlte ein' 
inb erörtert. 

lan l^&lte ermarten foKen, bafi biefer grot» 
„> Serfuc^, bie älbftammungSlefiTe ober 
.'cenbenj-S^eoriemifTenl'c^aftlic^gubegrünben, 
liialb ben ^errfi^enben Sftqt^ug con ber 
ecie3'@$&pfung eifi^üttert nnb einer natfir- 
len @ntn)idduneSlebre IBa^n gebrochen ^Atte. 
.beffen vennoi^te fiamard gegenüber bet 
iferoativen Autorität feineg gtegen ©egnerS 
loiet ebenfo mentg tmn^jubrinsen, wie 
onjifl 3abre fpdter fein ßoHege unb ®e- 
nungSs^nolTe ©äoffroq @t. ^ilaire. Sie 
r^raten fiamvfe, melier biefer (Ratuip^ilD' 
1^ 1830 im <S<ijooie ber ^ahfer aifabemie 
I Cuviei )u befte^en ^tte, enbtgten mit 
tem DoQftdnbiQnt ©iege beS Sefiteren. 2)te 
IcÖtiße SntfoUung, roelifte ju iener 3«' bü8 
tptiiFdie Slubium ber Siologie fanb, bie gülle 
n inteteffottten Sntbeitungen auf ben Se- 
iten bet oergleii^enbcn SInatomie unb $^9- 
logie, bie tBegrünbung ber ^^Q^Ttt^eorie unb 
B goitf^ritte ber Ontoeenie gaben ben 
»Dlogen unb Sotanilem einen folgen Ueber« 
1^ Don bantbarem SIrbettS • Snateiid , bat 
irAEiet bie f^miertge unb buntte grage nai^ 
I Sntßeiiung ber Sitten ganj nergeffen niuibe. 
tan beni&igte flt!^ bei bem alt^ergebra^ten 
SdjdpfungS'Sogma- @elbft nadibem bei groge 
mglif^e naturfoif^ei g^arleS Sqell 1830 
in feinen ^lincipien ber ©eologie bie abenteuet- 
li^ ftalafttop^en-IIieoTie Don Euniet roibet- 
\t^ unb für bie anotgonifdie SJotur unfeteä 
?loneten einen notürliäim unb IontinuitIid)en 
SntnidelungSgang nad^gemiefen batte, fanb 
Irin einfa^eS ftontinuitäte - ^Brinciii auf bie 
o:ganifd|e Slalui leine älnmenbung. Sie 3In< 
fange bei natütlic^en ^^qlogenie, raelilie in 
iJimatit'S i&ieile oeiboigen lagen, rourben 
tbenfo Mifleffen, roie bie Seime ju einer natüi- 
liifeen Ontogenie, meiere 50 ^a^ie früher (1759) 
Sufpar g^iiebiii^ äBoIff in feiner ziftoxxt 
bet ©ennatton gegeben ^atte- ^iei nie bort 
coflDl ein voüei ^albeS 3a^t^nbeit, e^e bie 
läeutenbßen 3been fibei natürlidje Gntmide- 
lung bie gebü^ienbe SInerlennung fanben- @iß 
lUK^bem Sairain 1859 bie Sefung beä 



©diapfungS-^robtemS ron einer gan} anbeien 
Seite angefaßt unb ben teilen, injmtfdien 
angefammelten St^ati uon emptnf^en fiennt* 
niffen glüdlii^ bogu senvert^et dalle, fing man 
an, fti% auffiamard, alä feinen bebeutenbften 
Soig&ngei, niebei gu beflnnen- 

ScIcfttioitSftnieoric. Sarmin (1SS9}. 
S)er beifpiellofe (Sifolg oon Sl)arle8 Sarnin 
in aObetannt; et l&|t i^n ^eute, am €d|Iuffe 
be9 19. 3a^i^unbertS. nenn nidit als ben 
grBgten, fo bo^ ali ben mittun gBnoUften 9latup 
forft^er beSfelben erfdieinen- S)enn tein anberei 
Don ben ga^lteid)en großen ©ei^eS^elOen unfeter 
Seit bat mit einem einzigen Ilafftfdien äBetle 
einen fo gemaltigen. fo tief^e^enben unb fo 
umfaffenben Srfelg ettielt, mie Sarmin 1859 
mit feinem berühmten Jöauptnert: .Uebei bie 
ISntfte^ung ber Sitten im X^ier- unb ^flongen' 
tei^ burd) natfirlii^e 3u4tung ober Sr^allung 
bet Deruontommneten ^af^tit im Kampfe um'S 
Safein.* @en)ifl [|at bie Üteform bet uergleit^eU' 
ben Slnatomie unb ^bqfiobgie buti^ ^o^anneS 
Unüller bei gongen Biologie eine neue, ftu^t* 
bare Spiif^e eröffnet, geroi^ raaren bie %)e> 
grünbung ber B^ilcn-Üt^eoiie buidi S^l^iben 
unb Sdimann, bie Steform bei Ontogenie 
buri^ Säet, bie Segtünbung beS Sub^ang- 
(Sefe^eB bui^ ERobeit SU aq er unb £elm> 
^ oltt miffenfi^aftlic^e ©rogt^aten ei^en StangeS; 
aber leine uon i^nen ^at nad) Xiefe unb 9lu8- 
be^nung eine fo gemaftige, unfer gan jeS menf4' 
li^eg äSiffen umgeftaltenbe ^irfung auSge&bt, 
nie Satmin'S X^eotie pon bei natürli^en 
Snt^^ung bet Strien. Senn bamit icar fa 
baS mqftif^e ,@(45pfung3'$robIem* ge* 
tSft, unb mit i^m bie in^altSfi^roere ,9tage 
aQei gragcn', baS Problem nom magren Sfiefen 
unb »on bet ffintflel|ung be8 JOlenfc^en felbft. 

Siergleii^en mir bie beiben großen Öegiünbec 
beS XranSformiSmue, fo finben mit bei fia* 
mard ubenoiegenbe 91eigung gut Sebuttion 
nnb gum Sntmutfe eineS oollßänbigen mo» 
niftifi^en 5Katurbilbe8, bei Sarroin lingegen 
DOT^Birf^enbe Mnroenbung bei ^nbuflion 
unb baS totpc^tige ißem&^n, bie eingelnen 
XbeilebeiSefcenbenj'Si^eoneburi^Seiiba^tung 
unb ejperiment mögti^ft flrfi« gu begrünbeu. 
Sßäötenb ber ftang&Hfi^e 91aturp^iIofopö ben 
bamaligen ÄteiS beS empirift^en SJiffcnS roeit 
überf^ritt unb eigentli^ baS Programm bet 
gufunftigcn äJotfdiung entroatf, ^atte bet eng- 
lifdie ©Eperimentatoi umgefeft« ben großen 
SJott^eil, bafi einigenbe SrHärungS-ißrincip für 
eine äülaffe Pon empirifi^en Äenntniffen ju be- 
fltünben, bie bis baftin unoerftonben 11^ ange« 
Öduft Satten. So erfldtt eä fltft, ba6 bet ffif 
folg PO« Sarmin ebenfo übenufiltioenb, mie 
beiienige Pon Samatd cerfdiminbenb mar. 
Satroin i)atle aber nidit aSein baS gto^e 
aUetbien^ bie allgemeinen Stgebniffe ber uei' 



36 



SanfM A<i))it(t nnftH etammtlaft^ii^tc. 



V. 



fditebcncn btolDgifc^cn 3^orf<4ungetretfe tn betn 
gentfinfanun Stennpuntte bc§ 3]t(cciibeit) • 
$itncip3 )u fammeln unb babiin^ 'ein^eUIi4 
lu erlldien, fonbern n tnlbcAt audi in bcm 
SeUttionS'^rincip iene bitelte Urfadit 
bn ICTandronnatiDn, mü^t Qantatd no^ 
atWt ^atte- 3nbeni Sattoin dS prattifdier 
XMergüi^tei btc Stfo^runeen bei tflnßlii^en 
Sucllltt'aÜ auf bic OtsoniSmen im freien 9Ialur> 
gu^nbc aniDenbetc unbtnbem .Aomvf um'S 
3)afcin' baS auSIefenbe $iincip bei natHt' 
lic^ 3>i<f|tiM4I enbedte, fd|uf ei feine be* 
bentuneSnoDe SeldtionSt^eoiie, ben eieentlic^en 
S)arniiiiiSmu8 (octq!. hierüber Sinolb 
Sana. 3oi S^Tofleri^I bei Soift^ungSiDeee 
»on Samaid unb Bointin. 3ena 1889). ■ 
Siommesscte^tdiic (p^qlogenie) (1866). 
nntet .ben jol^TreidKn unb nrii^tigen Aufgaben, 
mel^e Sainiin bei mobetnen QioIoQie fieQte, 
erfdiien alB eine bei nä^ften bie SRefotm beS 
xoolosififien unb botamfc^enSqftetng. Sienn 
bie ungd^igen SEiiei' unb ^flanjen-Htten 
nic^l burd) übematfirli^e SBunbei .erf^affen', 
fonbern bur^ natüiU^e Umbilbung .enl* 
loidelt' »dien, fe ergab fli^ baS .nat&ili^e 
Gqßent' berfelben aI8 i^r Stammbaum. 
Sen erften SÜeifu^, baS Sqftttn in biefem ©inne 
umgueeftalttn, unlema^ i4 felb^ (1666) in 
meiner .Oenciellen 9Roi;i^i)Ioeie ber 
OtganiSmen'. Sei eifie iBanb biefel 
SßeileS (HKsemeine Slnalomte) be^anbelte bie 
.me^anifi^e äBiirenf^aft Don ben entnidellen 
Sonnen', bei jitieite iBanb (ÜQgemeine 9nU 
mittelungSgefcbii^le) bieienige «on ben ,ent' 
peftenben formen'. 2)ie f^ftemotif^e ©in« 
teitunfl in bie lefttere bilbete eine .©eneoloflifi^e 
Ueberlic&t beB natürli^en 6?ftemB ber DiflO- 
niSmen*. iBiS bobin ^tle man unter .@nt' 
tpideluuQlgef^ii^le'fonio^linbeiSooIogie 
als in ber Sotanit auSf^Iie^Ii^ bietenige bei 
oiganir^en Snbitiibuen oeiüanben (Smbrqo' 
logie unb iDletamorv^ofen • Segre). ^d) it- 
gt^nbete baeegen bie Stnfl^t, bat biefei 
fleimeSgeJ^t^te (Oatogenie) a\S graeitei, 

Slei^ berechtigter unb eng oerbunbenet 3n>eig 
ie ©tammeSgef^ii^te (Phylogenie) gegen» 
überfiele. IBeibe 3>feiBe ber <£ntniideCung3' 
gef^i^le ftefien na* meinet Sluffaffung im 
engpen laufalen ^ufammen^ang ; biefer tieruftt 
auf bet Sße^telroitlung ber SJererbungfl- unb 
anpoffutiflä'Seteöe; ei fonb feinen ptäcifen 
unb umfaffenben SluSbrucf in meinem ■bto* 
genetifc^en Orunbgefefte'. 

natflrU^e St^Spfungsge1(^t<^te (1863). 
Sa bie neuen, in bei .(SenereQen Morphologie' 
niebergelcgten 2nfd}ouungen tro^ i^tei ftreng 
wiften((iaftlii^en Saffung bei ben fad)Iunbigen 
gac^genoffen felii menig SSeac^tung unb not^ 
nienigei ^eifaQ fanben, oerfui^te it!|. ben 
n)id)tigßen X^eil beifelben in einem lleineren. 



me^r populdr gehaltenen SBerle einem ffa^eu s, 
gebilbctenSefcrlreifeaugdngltAguma^en. £iel 
gefi^ali 1808 in b^ .91atür(i4en @d)öpfus8>> 

Sfi^i^te' (@emeinDer1tanblid|c n)iffenf<4a^i4e 
Ditrage über bie SntraidelungSIe^e im n> 
gemeinen unb bteienige Don Slanoin, SocQe 
unb Samard im Sefonberen). SBenn bei » 
hoffte erfolg ber ,@eneidlen aRoTp^oIogw' 
meit unter meiner beie^tigten Siniaitung Blieb, 
fo ging umgele^rt beiienige bet ,9Iatürli(^ 
Si^aphntglgcf^it^te* meit ftbtt biefeCbe ^ituuS. 
@9 erft^ienen im Saufe uon 34 3atren je^s 
umgearbettele Suflagen unb jmdlf ucrfdri^ene 
Ueberfeitungen oon beifelben. Sro% feinet gto^n 
äRängel ^t biefeS 9ui^ bo^ oiei boju bei- 

Setragen, bie ©runbgebanten unfern mobemen 
introidelungälefire in »eiteren Steifen ju neo 
breiten. SDeibingS lonnte i* meinen ^aupt» 
gmed, bie pdqlogenetifi^e Umbilbung beS natür» 
li^n Sq^emS, botl nui in aQgemeinen Qm- 
tiffen anbeuten- ^nbeffen ^abt i(^ bie oul* 
ffi^Iii^e, botl oermi^te ^egrünbung beS pfi^ 
genetift^en ©qftemä fpäter in einem gtBfleten 
^erte nai^gefialt, in ber .Sqßematif^en 
$ Eiql g e n ie" (Sntrouif einet natfirlid)en 
©ijftemS ber Organismen auf Qkunb itttt 
©tarnmeSgefdiii^te). aier erpe JSanb berfelfcm 
(18M) be^nbelt bie ^totiften unb Spflanjen, 
ber jweite (1896) bie roirbellofen Kfiiere, bei 
btitte (1895) bie SBirbelt^iete. Sie @tamm' 
bdume ber Heineren unb grS^eten Gruppen 
ftnb ^iei fo nieit auSgef&brt. als eS mii meine 
ftenntnig bet brei grofen ,@tammeSuttunben' 
gemattete, bei ^aldontologie, Ontogcntc nnb 
SÜDrp^oIogie. 

BIo0enct{t4«s9run5gcfe4. Senengen, 
uifa<4Ii4en 3ufammen^ng, tnel^ei na^ meinet 
Ueberjeugung groifc^n beiben Snieigen ber orgn- 
ntfi^en SÜtmidelungSgeft^if^te befielt, Eiotte i4 
fc^on in ber ©enereQen SRotpIioIogie (am 
©^lufTe beS fünften IBu^eS) als einen bei 
ni^tigfen IBegiiffe beB SranSformiSmuS ^et- 
Dotge^oben unb einen prSci^en StuSbrud bafüi 
in me!|reten .X^efen Don bem flaufa[<9IepB 
ber biontif^en unb bei p^nletifc^en Sntmicfe' 
lung* gegeben: .Sie OntogenefiS ift 
eine furje unb f^nelleStetapitulation 
bei VbqlogenefiS, bebingl buri$ bie pIiqiiD' 
logifi^en gunltionen bet SBeretbung (gort- 
pflonjung)unbainpafTuug(ffirnäbiung)'. Bäfoa 
Sarniin ^atte (1859) bie gro|e ^tebeutung 
feiner SEwoiie füi bie ISrtldiung bei <SmbT9 
ologie betont, unb ^ri^ ünüllei ^atte biefelte 
(1864) an bem Seifpiele einer einjelnen Sbiei' 
Ilaffe, ber Äiuftaceen. eiläutert. in ber geift" 
Dotten «einen ®d)rifl: .^üi Soiroin' (1864) 
3d) felbR ^abe bann bie aÜaemetne Oeltunfl 
unb bie funbamentale ©ebeutung feneS bin- 
oenetif^en @runbgc[et)eS in einer 9IeiI|e ddd 
arbeiten nac^jumeifen oetfu^t, inSbefonbere in 



SQnFtcl Aopltel. ttn[m etammeSQeld^ic^tt. 



37 



bei SBioIogie bei ftallfi^ioftmme (1872) unb in 
toi „Stubien jur OSnfträo-Söeorie' (1873 btS 
1884). 2)te boit aufetfleDle Se^re oon ber 
gomoloete bei Xeim&Iatter, fowie von ben 
aSet^ältniffen bet panngente (SluSjugS- 
gef^idite) uitb beT<Ienogcnle{@tBtuneB> 
gef^ii^te) ift ftitbem butd) ga^Imc^e Hibeiten 
anbetet Boolosen be|lättst nioiben; buidj fle 
iß eS mdglii^ getnmben, bie natürli^en @eMe 
b« Sin^ett in bet monnißfailigen Äcimeä- 
flefiilii^te ber löie« na^juioeifeii ; für i^te 
StammeSgefi^i^te etgiebt <^i$ batouS bie go 
mcinfame Ableitung von rinet cinfa^flen 
urferünalic^en ©tommfotm. 

Ant^ropoeenie (1874). Set »eitMauenbe 
SBegtünbet bet SlbfiammunflSle^ie, Somatcf, 
6attt fifton 1809 richtig erfannt, ba6 biefelBe 
aUatmeine (Seltung befitte, unb bai alfo oiiifi 
der aJIenfdi, qIS baS lil>M mtwidtltt ©ftuge- 
ftitt, »en bemfelben ©tamme abjuleiten fei, 
»ie alle anbeten anammalien, unb bicf« roeiler 
Sinauf oon bemtelben älteten Sioeiae beS 
©tarambaumS , roie bie übrigen äSitbellEiiete. 
6i Satte auc^ fi^on auf bie Sotgange ^in- 
pmiefen, buti^ mel^e bie SbfCammune 
beälKenf^en somatffen, aI8 bem näiftfl- 
«croanbtcn ©dugetSiere, miffenfi^afttidi etllätt 
mecben iBnne- Satniin, bei natutgemäl lu 
lerfelben Uebetjeugung ßelangt roat, ging in 
leinm ßauptioert (1869) über biefe anftöSigfie 
gelfltrung feiner 8eE|re abfii^tli»^ hinweg 
rnii bat biefelbe erp Tpätet (1871) in feinem 
Hie* über .Sie Hbttammung beS gjlenfd)en 
unb bie fltf^le^rti^e äu^trao^I' geiprei^ QuS- 
flffülirt. 3njraif4en fiatte aber f^on fein 
Sinini öufle^ (1863) jenen roicfttigften 
Solgeftiilug bet mflammungälegre fe^t fil)atf> 
(wiifl erattett in feinet berühmten (leinen 
©qrift übet bie ,3eugniffe für bie ©teöung 
«a afienf^n in bet ffiatut*. Hn bet feanb 
^ txrglei^enben Slnatomie unb Ontogenie 
nnb Beftütjt auf bie ST^atfa^en bet ^aläonto- 
^m jeigte 6u|Ie^, baß bie ,ai6ftammung 
m ailenfd&en oom Hffen' eine rtotfewenbifle 
«onfutuenj be8 SanniniSmiiS fei, nnb ba% eine 
onlra miffenfi^aftlic^c eittönine oon ber ^nt- 
mmi beS Snenf^engef^Ieiiitg überhaupt nicdt 
ÖJflfben werben iSnne- 3)iefe neberjeugung 
^nlttaud) bamalS fi^on Sari @egenbaui, 
«t bebtutenbfte SJettteter bet oerglei^enben 
Womie, iMl^ei biefe n)i<^fige ÜBiffenf^aft 
oni4 kie tonfequente unb fi^atfflnnigc Sin* 
wnbuna bet 2)efcenben J - S^eorie auf eine 
mm Stufe erljoben öat. 

w* »eitere Solgetung biefer qJitd ec i b en- 
MeoTie (ober .Slffen-üb^antmungSIe^te' beS 
"«nfifeen) ergab ft^ bie fiftroierige MufgoBe, 
mt nur bie näiiiftDerraanbten ©änget^ief 
*n(n beS SRenfi^en in bet Settiai-Beit 
1" nfmfi^n, fonbem au* bie lange Steifte ber 



Alteren Üiierifcöen Sorfaftten, ioeI<^e in früheren 
3eilt5umen ber ©tbgef^i^te gelebt unb rea^tenb 
ungejä^tterSaSt-äniaiDnenn^entroittellöatten. 
J)ie fippotSelifi^eSafuna tiefer gto&en öiflorif^en 
aufgäbe ftatte it* fc^on 1866 in bet ©eneteUen 
SRorpboIogie ju beginnen oetfut^t; roeiter aug- 
gefübrt ftabe ii^ biefelbe 1874 in meinet Mn- 
tbrooogenie (l. tbeil: AeinteSgefc^id^te, 
II. Xbeil: @tammeBgef4i4te). 2)ie fünfte, um> 
gearbeitete Kuflage biefeS fBuäjti (1903) ent* 
lait biejenige ®arfteKung ber ffinlroidetungS« 
geff^it^te beS ORenff^en, niel^e bei bem gegen* 
mänigen Suftanbe unferer Urlunbenlenntni& 
fl* bem fernen QieU bei ifiJabtbeit naiii meinet 
peifflnli(5en Sluffaifung am meiflen nö^ert; iii» 
war babei ftetS bentübt, alle brei empirifiiien 
Urlunben, bie ^JaUnntologie, Ontogenie 
unb SDloip^alogie (ober oeiglei^enbe 3Cna> 
tomie), möglic^ft glei^mö^ig unb im 3ufammen> 
bange gu benugen- ©i^ei roeiben bie biet ge* 
gebenen Sefcenbeng'&qvoL^eren im Singtlnen 
buc* fpätete pEiglogenetif^e ^oifi^ungen viel* 
fa* ergänzt unb benötigt merben; aber eben 
fo fld)et ftebt für rai(^ bie Heberjeugung, bal 
ber bort entroorfene ©tufengang bei menfd)' 
U(^en ©tammeSgef^i^le im ®ro6en unb ©anjen 
ber SSJabtbett entfpiicbt. S)enn6ie biftotifi^e 
Meibenfolge bet SSitbeltbier-SJet* 
fteinerungen entfpridit oollflänbig bet 
moipbologifi^en SntmirfelungSiei^e, meli^e 
uns bie oetglfidienbe Xnatomie unb Onto> 
genie entbüSt: auf bie ftlurifdien Sif<4e folgen 
bie beoonifdien Sutdififi^e, bie larbonifi^en 
Slmpbibien, bie permif(^en iHeptilien unb bie 
mefojoift^en ©Äugetbiete; von biefen etfc^einen 
raiebenim ^undcb^ in ber ItioS bie nieberften 
formen, bie ©abeltbiete (Monotremenl bann 
im 3ura bte Seuteltbiere (UarsnpUlien), unb 
barauf in bei treibe bie filteflen ^''ttentliiete 
(PlaceiitaliBD> Son biefen letiteten tteten 
mieber junä^ll in ber diteilen Xertidr'Seit 
(Eocaen) bie nieberflen Primaten 'Slbnen auf, 
bie Halbaffen, barauf (in bei 9niocitn'3eit) bie 
editen Stffen, unb jroai von ben Oatarrhinen 
gueifl bie ßunbSajfen (Cynopitheken), fpdter 
bie SWenf^enaffen (Anthropomorphon); au8 
einem 3meige bicfei le||teren ifl rodbtenb ber 
$Iiocän'3eit ber fpradilofe Slffenmenf^ ent* 
flanben (Pithecanthropus etlalus), unb auS 
biefem enbiid) bet fprecbenbe 3Rcnfd). 

Siel fcbroierigei unb unfli^eiei alS biefe 
fletle unfeiei SBiibelt^iet'SIbnen ift bie- 
jenige ber noibetgeftenben lottbellofen aibnen 
gu eifoif<E|eit ; benn oon ibien roeii^en ftelett* 
lofen fiBrpem fennen mit feine oetfteinetten 
Uebenefte; bie Paläontologie tann uns ^iet 
leineilei ßeugni^ liefern. Um fo roic^tiget 
metben b>et bie Uttunben bet oeiglei^enben 
Anatomie unb Cntogenie. 3>a bet menfcblit^e 
fteim benfelben Ohordola-guflanb butiftläuft, 



9flitfM Aa)iibL Unft» Ctamtncigtli^if^tt. 



mit hex Smbrqo aOet anbnen ^itbüütim, ba 
er 114 ebenfo auB arati fteimblättcm einei 
QaAtnila entntdelt, f^IUgcn niii nad) b«n 
Hiosenetir^cn ®ninbetfetie auf bte frühen 
@;ißena entfpreiften&er abncn'gomten (Var- 
malien, Okstrseiiden). fflot MKem roi^tig a&rt 
iit bic funbamentalc S^atfa^e. ba| au^ bn 
Aeim beS Eünenfi^cn, glei^ bemjeniQen aOei 
anbeien Z^iete, fi4 uifpriingliif) au8 einer 
rinfa^en Belle entmiifeU; benn biefe Stamm* 
jelle (Cytalft)— bte .befruchtete (EigeHe' — 
roeift jnjeifelloB ouf eine enlfviet^nbe einjeHige 
fitammform ^in, ein utalieS (lauTeutifäieS) 
^totogoon. 

Sfürunfere moniftif*e ^bitofopftie ip 
eS fibrigenS DunS^fl jiemlii^ gbt^giltio, rote 
fl(^ im Sinjelnen bie ©tufcnreÄe unfeter 
ftieiHT(^en aSoifa^wn ttorfi lii^eret feftfleHen 
lafTen roirb. ^ßr fe bleibt aB fixere biP». 
lif^el^atfot^ebiefoIgenf^roereSrtenntniB 
befCe^en, ba^ bei SHenfi^ jun&^ß Dom 
Äffen obflommf, i«iteif|in uon einer langen 
WeiÖe nieberet SSiibeltbicie- Sie logif^e SÖe- 
gtünbung biefel ^itSelomelta-Satseä ba'be i^ 
f^on 1B6S im fiebenten EBudie bei ,@eneTelIen 
gjlorpSotoaie' betont (©. 427): ,Ser ©nö- 
bag bei SnenF^ P«^ ouS nicberen SBitbelt^ieren, 
unb jmai juuä^ft auS e^ten Wffen, entioideä 
^at, ip ein fpejieDer Sebuft ion8»©(^lu&, roeli^eT 
pd| aus bem gencreDen SubuhionS-C^efege bei 
Sefcenbcnj'lfEieone mit abfolutn Slotbroenbig* 
(eit eigiebt.* 

Son gid^tei Sebeutung fflv bie befinitice 
S^eflfteSung unb Hneilennung biefeS funbamen* 
talen ißit^etometia'SageS ftnb bie pa- 
(dontologifi^eit Sntbedun gen ber legten 
btei a)ecennien geroorben; inSbefonbete boben 
uns bie fibeiiafc^enben Sunbe Pon ga^Ireidjen 
auSgeftoibtnen ©äuget^ieren bei Xeitiäi-Beit 
in ben @tanb gefett, bie @tamnieSgef(f)i<i)te 
bicfn roi^tigpen Sbietüaffe, con ben niebeiften, 
eieilegenben Snonotiemen biS gum SJtenfi^n 
hinauf, in ibien ^lunbjügen Ilaijulegen. Sie 
piei Cauptgiuppen bei ^ottent^ieie obei 
Placentaüa, bie foimenieii^en Segionen bei 
81aubtbteie, ^tagetbieie, ^uftbiere unb Reiten- 
t^ieie, eif^einen bnid^ tiefe ftlüfte getrennt, 
nenn roii nur bie beute noi^ lebenben Spigonen 
als aSettreter berfelbcn inS Singe falfen. Siefe 
Ätüfle meiben aber oofllommen ouSgcfüttt unb 
bie ftfiarfen Untetf^iebe ber niei ßegionen 
gänjlit^ pttmif^t, nenn mir i^ie teitidreni 
atiSgeftoibenen SSorfo^ien Perglei(!|en, unb tvenn 
mir bis in bie eocSne Qtef^icbtS'Sämmening 
bet dllePen Seiti&i'Seit binabpeigen (minbePenS 
brei fPliQionen Sabre gutüdliegenb 1). Sa finben 
roir bie gro^e UnterMaffe bei Sottentbieie, bie 
beute mebi oIS 2500 Strien umfaßt, nur buii^ 
eine geringe 3iibl Pon Ileinen unb unbebeutenben 
.Urgollentbiercn' peitieten; unb in biefen 



Prochoriaten crfi^einen bie (Sbatattere i«i 
Pier bimgenten Legionen fo gemif^t unb Da 
n)if4t, baf roii Pe nemflnftiger ESietfe nui «r 
gemeinfame Soifabren berfelben beule 
Wnnen- 3)ie dltePen Soubtfiieie (IctopwJeil 
bie ölteften Slagetbiere (Esthonychales), m 
ftltePen Öuft^ieie (Condylarthralea) unb b« 
dItePen ßenentbiere (LemursTales) beplien aSi 
im ^efentli(^en biefelbe SBilbung beS Anoifin»^ 
®eiüPeS unb balfelbe tppifcbe ®ebifi bcc 
uTfpi&nglii^en $Iacentalien mit 44 3d6nen (m 
iebei ftiefeibdifte brei ©(^neibejObne, ein Sn 
gabn, Hier Sfldengdbne unb biet 3llabli&bne):| 
Pe gei^nen f^ aQe buri^ bie geringe ®nlit| 
unb bte unooQIommcne Silbung ibreS @ebinil 
auS (befonberS be8 roid)tigPen XeileS, ber @n)i- 
Ijiinrinbe, bie pd| eip fpäter bei ben miocüitnl 
unb pliocdnen Spigonen )um roabren .Sentl 
oigane' entroictelt bat); fte baben alle fuTjil 
>6eine unb fünfjcbige ^üH bie mit ber flai^n' 
Soble auftreten (Plantigrada). J8ei mandien 
biefei filtepen 3ottentbiert ber €ocan'3eit nmi 
eS S(nfangS jroeifelbaft , ob man Pe ju ben 
9)aubtbieren ober 92agetbieren, ju ben 6uf' 
tbieten ober ©eirentbieren Pellen foHte; fo fefti 
ndbem P<}) bier unten biefe niei großen, fpdtn 
fo febi Perf^iebenen fiegionen ber ^[acentalitii 
bis jui aJeiübrung. Ungmeifelbaft folgt baiaui 
ibi gemeinfamei Urfptung auS einei einjigen 
©lammgruppe. 2)iefe Prochoriata lebten f^on 
in bei poi^ ergeben ben ßreibe'^eriobe (cor meii 
aI8 brei Slobr-ÜRillionen l)unb flnb roabrf^einüA 
in ber 3ura'$eriobe ouS einer @ruppe van 
infeftenfrelfenbin iBeulellbieren (Amphi- 
theria) burd) StuSbilbung einer primitiven 
Placenta diffusa entpanbeu, einer ^ttenbant 
einfatbper Art. 

Sie »i^tigpen aber ocn allen neueren p(ilä> 
onlologifdien Snlbedungen, rocicbe bie ©tamme^ 
gef^tibte ber 3ottentieie aufgetlärt baben, ic 
treffen unferen eigenen Stamm, bie Segion trn 
©eirentbiere (Primates), grüber roaren w 
peineite Stepe berfelben du^erP feiten. »«4 
IS UPI er, ber groge @rflnber ber ^aldontobgift 
bebauptete biä ju feinem lobe (1832), ba^ ä 
leine aSerpeinerungenuon Primaten gäbe; gmai 
batte er felbp f<bon ben ©t^dbel eineS eocdntn 
Halbaffen (Adapis) befibrieben, ibn aber iit- 
t^ümli^ für ein ^uflbier gebalten. 3n ben 
legten beiben Secennien pnb aber gut erbaltend 
perpeinerte €!elette pon Halbaffen unb Sffta 
in }iemlic^er Qalti entbedt niorben; baruitfet 
bepnben Pib atte bie roicbligen Smifi^engli*«/ 
nielcbe eine jufammen^ängenbe Slbnen-ßeltepun 
ben ältePen Halbaffen bis gum ÜTlenf^n ^iif 
auf barfteUcn. 

aier berübmtepe unb inlereffantePe Pon biefen 
fofpien Junben ip ber perpeinerte affeU- 
menf^ uon Sana, meli^en ber boUdnbif<& 
, aWilildr-Strjt ffiugen SuboiS 1894 eiüirfl 



VI. 



etcgpcS flopitct. SaS 3 



n b(t ©eelt. 



tet, ber oieKefpTodlcne Pithecauthropua erec- 
tiM. ®t ift in bei Hat bös DtcIoefiiii)te 
.Miasing link', baS onfle&Iid) .fe^Ienbe ®Heb* 
in bet Primaten- Seite, roelc^e fitb ununlec- 
brot^en üom nieberflen latarröineit Slffen big 
jum tiöc^ft entroiÄelten 3)Inif^en öinaufjU^t. 
3c^ ^abc bie ioift Eßebeutung, mAdie biefec 
metfniürbige S^unb befi^t, aiiSffi^iIit^ erätlert 
in bem äJottrage .Uebet unfeie gegenniättiGe 
ffenntnig uoiii Urfpruna beS ajleiiftben', roelcben 
i^ am 26. Stuauft 1898 auf bem Dietfcn ^nter- 
nationalen Soolosen-Äongtefi in ©ambribae 
gebalten ^obe- Set $aIftontoloee, nieldier bie 
^ebinguneen fllT SSilbung unb ^i^altung von 
Snfteineiungen tennt, ivirb bie Sntbeifune beS 



^itfiecantbtopuS ali einen beFonbetS glüdRi^en 
3ufaU beliaifilen- Senn al3 SSaumbemobner 
lommen bie 3!ffen naäi ibiem SEobe (nenn |1e 
nii^t jufäBia in@ aSafTer falten) nur fetten unter 
S3eri|öltniffe, tveli^e bie (Srbaltuna unb Ser> 
fteineruna ibteS ffno(^cng«afle§ eeftattcn. Sui^ 
ben 5unb biefeä foffllen Slffenmenfi^en pon 
SoBO ift alfo au4 oon Seiten bet Said« 
ontoloflie bie .äbftammunß bea SRenfdien 
som Slffen' ebenfo !Iat unb liebet beroiefen, 
roie eä frfibet ftbon burcb bie Urfunben bet 
»etflleifiienben Unatomie unb Ontc 
aenie gefc^eben mar; wir befi^en jegt in bet 
3:bat alle mefentli^en Utiunben unferet 
©tommeiäeefi^iibte- 



Se(^ftes Kapitel. 

Das tDef«n bet Seele. 

tttont{ti|(^e Stubten fibei ben Begriff ber Ptt}i^e. Aufgaben unb Ittet^oben ber 
tDi{{enf(^aftIi(^en P|t]t^oIogie. Pft]c^oIogi|d|e ntetamorp^olett 

Jn^alt: grunbamentalt SebeutunQ bet Jplqcboloaie. Segtirf unb anetboben betfe[6en. ISegen|äbe 
bet Slnficbten butabet. 9uaIiftiF<be unb montnifqe ^I^ifolonie. iGeeb^tnig jum €ubRan{'@eFn. 
^(atiiT^SetiDittnna. Spl^d^Dlonitie aJlttainorptiDfen: Äant, Sitc^olo, Du SBoiS'Sieqtnonb. SttenntniB' 
ntg/t ber Seelenlunbe. äntrotpeltibe aRetbobe t@(lb0eDbai^tung). Gräfte ^Rtlhobt (^fnäopbQfiÖ- 
^(«Mdgcnbe aRetbobe (t^a-^fi)^olop). Sf^^oloaifibn Srincipim-aB^Ftl' äQunbt. ^blln'Pfqd^O' 
logie unb St^nogtap^ie, SBo^an. £)ntojciietild^t1(![^{boi0ait, $re4n. ^bQloQ^U'^'Ff^' ^fq^DEogte, 
DattDin, SlomaneS. 

Sie Srfi^einungen, nel^e man aügeniein 
unter bem 99egttffe beS Seelenlebens ober 
bet pfq^ifi^en j£bilttg!cit jufammenfa^t , flnb 
unter allen un3 belannten $bänomenen einer- 
feitS bie roii^tiaRenunb intetcffanlejlen, anberet- 
feitS bie Derniideltften uitb tölbfelbafteften. Sa 
bie 91atut-@rlenntnift felbft. bie Slufgabe unfeter 
oorlieaenben pbtlofopbifi^en ©tubien, ein S^eil 
beS Seelenlebens ift, unb ba mitbin au^ bte 
9ntbtt>voIoeie, ebenfo mie bie fioSmoIoBie, eine 
ti^tige Srlenntnig ber ,¥fi|4e' jur Voraus- 
fet|ung bat, fo fonn man bie ^fq^ologie, 
bie mirfliA iDifTenfi^aftUäe Seelenle^re, audb 
aU baS ^unbament unb alB bie SorauSfetiuna 
aÖei anbeten SBiffenfäiaften anfeben; von ber 
anbeten Seite betrad)tet, ift fie ntteber ein Xbeil 
ber $^tIi>fopbte ober bet $b9fIoIogie obet ber 
Hntbtopologie. 

Sie ato|e Si^mierigtcit ibtet nalurgemägen 
Segtünbung liegt nun abct barin, bag bie 
Vfqiilologte mtebentm bie genaue Senntni^ beS 
menfii|lt4en OiganiSmuS oorauSfegt unb »ot 
HQem beS @eE|trng, alS beS n)(($liorten Or< 
ganS beS Seelenlebens. Sie ^vo^e ffllebrgabl 
ber fogenannten .^fqtftolcaen' befigt iebo^Don 
biefen analomif^en ®runblagen ber '^h^e nur 
fe^r unnollft&nbiae ober gar leine Senntni^, 
unb fo ertlärt ftc^ bie bebauerlicbe ÜEbatfaifie, 
iai in leinet anbeten aBiffenfAaft fo niibet- 



fprei^enbe unb unbaltbate SorfteUungen &ber 
ibreii eigenen begriff unb ibte mefentli^e 91uf> 
gäbe gerrfc^en, roie in ber ^fq^ologie- Siefe 
^onfufion ifi in ben letiten brei Stccnuien um 
fo füblbarer beroorgetteten , je mebr bie grol» 
artigen tjrorlfdbntte bet Anatomie unb '-ß^qfio» 
logie unfere Senntuig oom IBau unb oon ben 
iJunftionen beS roii^tigften Seelen-OrganS er- 
iD eitert baben. 

ntci^often (er Seelenforfdtung. 91a(^ 
meiner Uebetjeugung ift baS, maS man bie 
.Seele' nennt, in !ffiabtbeit eine 9Iatut> 
Stfi^einung; icb bettai^te babet bie Vfq^o- 
logie als einen Swetß bet SUatutroiffenf^aft 
— unb jroar bet ^b^fiologie- Semjufolge 
muß ii$ Don cotnberein betonen, bog mir für 
biefelbe leine anbeten ^orfi^ung^mege gulaffen 
fbnnen als in oUen übrigen Staturroiffen» 
fdiaften; b. b- in erfterSinie bie!Beoba(btung 
unb baS €£periment, in jmeiter Sinie bie 
@ntmic{elungSgefd|ii!|te unb in btitter 
Sinie bie metapb^nf^e Spetulation, roeldje 
but^ inbuttioe unb bebuttioe Scblülfe mBglüft 
bem unbefannlen .SBefen' bet ©rf^etnung 
fid) ju näbem fud)t. SDlit äSejug auf bie 
ptincipieüe ^Beurtbeilung beSfelben abet mfiffen 
mit juiid^ft getabe biet ben <Segenfatt bet 
bualiftif^en unb bet moniilifc^en SlnüdiC fi^atf 
in'8 atuge faffen. 



40 



6t(^(S StapiUt t)ai aStfra btx Cttlb 



VL 



6«tfd)enbe auffaffunß beS ©eelenltbenB, mläft 
nti befätnvfen. b«tta(%tet Seele unb Seib nlS 
jtDei oerfc^tebcne ,3Befen'- Siiefebeiben SDeren 
Idnnen unabhängig non einanbei e|ifliren unb 
finb nic^t nöl^roenbtg an tinanbei; gebunben. 
Ser ocQanif^e fieib tft ein ßerblit^eS tnateii' 
ellcS SSeTen, d|emif(% jufantmengeretit au3 
lebcnbisem ^laSma unb ben oon biefem et' 
geugten ^etbinbungen (^laBma • ^lobutten^ 
3)te Seele bingegen iß ein unfterMii^eS, int' 
mateiielleS SDefen, ein fpitituelleä aCgenS, 
befTen rälbfel^afte 3:bdtig!eit un§ oSEIis un- 
belannt tft- jliefe ttioiale Ituffaffung ijl all 
feilte rein fpiiiluali^ifc^ unb i^r piincifiieneS 
©egenteil im gemiffen Sinne materialiflif^- 
Sie iß luglei^ tranlfcenbent unb fupra- 
natuta[iftif(Ei;bennile behauptet bie Spflenj 
»OK Ätfiften, mtlite o^ne malerieUe JöallS eji- 
fliwn unb roirtfam flnb; fle fu6t auf bex Sin- 
nabme. ba6 außer unb Über ber Jiatut no* 
eine .aeiftige 9Selt' e^ifliit, eine immaterielle 
äBcIt, von ber rotr buii^ Sifafining nii^tS milTen 
unb unferer Statur natö nidjtS reiften ISnnen. 

Sicfe btipotbetif^e .©eifieSroelf, bie 
Don ber materieUen fl&rpeiwett gang unab« 
bängig fein foK, unb auf beien SInnaSme bai 
ganje Knftli^e ©ebäuhe ber bunlipifi^en SBelt- 
ant^Quung rubt, ift lebigliii) ein Sprobutt bet 
bif^tenben *^bantafte; unb baStelbe gilt vart 
bem mqßif^en, eng mit ibr oerfnüpften ©lauben 
an bie .Unfterblii^telt ber Seele', beffen tuiffen- 
fi^aftli^e Unbaltbarleit mir na^b^t noc^ be- 
fonberS bartbun muffen (im 11. fiapitel). äffienn 
bie in biefemSagenIreife betrft^enben ©laubenS« 
SJorfteUungen roirllii^ begrünbet roäien, fo 
mfiE>ten bie betreffenben Srfdieinungen ni^t 
bem Subflan}'@e[e|euntem)Difen fein; biete 
einzige SIuBnabme non bem bB^ßen loSmoIO' 
giften ©rnnbgefe^e müßte abererft fcbr fpät im 
Saufe ber oiganif^en fitbgefi^ii^te eingetreten 
fein, btt fle nur bie .Seele' beS SDlenf^en unb 
ber böb«en Ib*"« betrifft- SIu* ba@ SJogma beS 
.freien äßiCenä', ein anbereS roefentÜc^eä ©la* 
ber bualifliftöen ^Fi)(^otDöie , ift mit bem uni- 
verfalen Subftanj-®efeöe ganj unoereinBat- 

nionifttfc^e PTqd^ologle. 3)ie natfirlit^e 
Stuffaffung be§ Seelenlebens, meldte roir oei' 
treten, erblidt bngegen in bemfelben eine 
Summe von SebenS-Stfiiicinungen, roeli^e gleicb 
allen anbeten an ein beftimmteS matetieOeS 
Subftrat gebunben finb. äSit rooHen biefe 
matetielle %af13 aller pfq^ififeen Sbätigfeit, 
o^ne iveli^e biefelbe nii^t bentbai ifl, notläuflg 
als ^fiidiopIaSma bejeii^nen, unb groat 
beä^alb, nieil fte burd) bie (^emif^e Stnal^fe 
überall alS ein Sßtpet na^gemiefen ift, weither 
jut ®tuppe ber ^laSma-ÄBtpet gebSrt, 
b- b- ienet eimeilaitigen floblenfloff'Sßet- , 
binbungen,n)eIii|efämmlli4enSebenSDDtgängen' 



gu ®runbe liegen- !Bei ben bBberen Xbieten, 
meldte ein 9ten)en>Sqftem unb SinneS'CTgatte 
befl^en, ifl auS bem $fqi$oplaSma bind 
Sliff erengirung ba8 91 e u r p 1 8 m a, bie Sleroen- 
fubßanj, entftanben- Unfere Sluffaffung iß in 
biefem Sinne materialißif^- Sie ift aber 
gugleii^ empirifi^unbnatuialißifi^; beim 
unfete roiffenfi^aftlic^e Sifabrung bat uitS iio4 
leine fitöfte fennen gelebtt, meli^ebetmatcrienen 
©runblage entbebten, unb leine .geiftige SBiett', 
roeftbe auftet betSRatur unböbetberSRoturpünbe- 
@Ieiii| aUen anbeten 9tatut-(Srfäieinungen 
Unb auifi bieienigen beS Seelenlebens bem 
oberften, SlKeS bebettfdienben Subflanj' 
gefe^e untermorfeni efl giebt andj in biefem 
@ebiete feine einjige SluSnalime von biefem 
bbcbften loSmoIogifi^ (Stunbgefe^e (pgl- fiov- 
13). 3ie ißotg&nge beS nieberen Seelenlebens 
bei ben einjeUigen Sßiotiften unb bei ben ^flait' 
gen — aber ebenfo auä) bei ben nieberen 
I5'6ten — ' t^« SReigbai^it, i^te SRefTeE-Se- 
megungen, ibre ffimpflnblic^Ieit unb i&t Streben 
natb ©elbftet&altung, ftnb unmittelbar bebingt 
burd) pb^nologif^e Totgänge in bem$la3ma 
ibrer S^m, buttfi p55n[alif(^e unb 4emtf(^e 
iBetänbetungen, roeli^et^eilS auf^eteibunf, 
IbeilS auf SInpaffung gutü(^ufü^ren flnb- 
atber gang baSfelbe muffen mir aud) für bie 
bbbeten Seelent^ätigleiten bet bi^eren S^btete 
unb beS Stenf^en bebaupten, für bie iBUbung 
ber Sorftdlungen unb iBegriffe, für bie niunbet' 
baren $bätumene ber SSemunft unb be8 I5e> 
mußtfeinS; benn biefe letiteren baben fid) pb^lo' 
genetif^ au3 jenen erßeren entmtdelt, unb nur 
ber bSbwi: ®rab ber Sfntegration ober Sen- 
tralifation, bet Mffocion ober Setetnigung bei 
früber gettennlen Sunftionen, ergebt fle g« 
biefer erftaunli^en 63be- 

Begriffe 6ex piti^ologic. 3n febet 
Sffiiffenfcbaft gilt mit ffle^t alS etfte Slufgabe 
bie ilare QegriffB'SJeftimmungbeS^egen' 
ftanbeS, ben fle gu erforfi^en bat- 2En teiner 
3ßifTcnf<4iift aber ift bie SSfung biefet erßen 
aufgebe fo f^wierig at3 in ber SeetenXebtfc 
unb biefe I^atfa^e ift um fo metlmfitbiget. 
oI§ bie flogil. bie Sclbre oon ber «egtif^ 
Silbung, felbft nur ein Xbeil ber $fqd|oIagie 
ift. äBenn mir SlQeg uergleidien, loaa Aber bie 
@runbbegriffe bet Seelentunbe von ben an- 
gefebenßen $biI(>fopben unb 9taturfotf4ern 
aUer 3"ten gefagt roorben iß, fo erftiden nrir 
in einem ^iaoi ber roiberfprec^enbßen Sin- 
ßt^ten- ä£a3 ift benn eigentlii^ bie „Seele*? 
aßie oet&ält ße ß* gum .®eiß'? aBeli^eSe- 
beutung l)at eigentlii^ baS .SBeroußtfein'? 
aßie unlerf^eiben ß^ .©mpfinbung' unS 
.©efüöl"? SaJa3 ift ber ,3nßintr? SBie 
oerbdlt ßi* bet.ftcieaBille'? SoSiß.Sot- 
ßettung'? SBel^et Untertrieb beftebtgroifien 
äJerftanb unb 9)ernunft'? Unb roaS ifi 



VI. 



Gec^eS Aofittel. £ii3 Wt\tn bn SkI«. 



41 



eieeitlli^ ,@emütg'? ^tlätt SSt^tltum ^ 
fld)t 3n)ir(t)en oQen tiefen .Seelen-Srf^etnun- 
gen unb bcm fiBiper"? 2)u Sditnorten auf 
biefc unb oiele anbeie, ftdi baran anfi^Iiefien' 
ben Sragen lauten fo Derf^ieben oIS möglii^^ 
ni^t aQein ge^en bie Slnfii^ten ber angefe^en- 
flcn Slutoritäten barübei niett auS einanbet, 
fonbem aui^ eine unb btefetbemiffenf^aft' 
lic^e Autorität bat oft tm Saufe t^rei eigenen 
pfq^ologifi^en Sntraitfelung Ützt 31n|1d|ten 
nSIIig Deiänbert ©t^er ^at biefe .vf^^O' 
lofltfc^e Snetantorp^ofe' oielei Senlei nii^l 
menifl ju ber foloftolen fionfufion bei 
SSeettfft beigetragen, niel^e in bei ©eeten« 
lelire mein aie in iebem anberen ©ebtete bei 
(Srlenntnifi ^errfiiit 

Pfttc^olodtf^c ttteiamorpliofen. 3)id 
inteieffantefie SSeifpiel foli^en totalen SBeAfelä 
bex objeltinen unb fuliieltioen pf^fftoIogifÄen 
Snf^auungen Ciefeit roo^l ber einf[u|rei4ße 
SüVet ber beutf^en V^ilofop^ie, Immanuel 
Äanl. £et iugenbltdie, niirtliÄ iritiff^e 
fiant mar ju ber Ueberjeugung gelangt, ba^ 
bie btei ©ro^mä^tebeS ^^^iciSmuS — 
,@ott,Srieil|eitunbllnfleibHi${eit* — imSii^te 
ber .reinen Semunft' unSaltboc erft^einen; 
ber gealterte, bogmatif^e fCantbagegenfanbi 
ba6 biefe brei ©aupt^Oefpenftei .^oftulole ber 
prattif^en JÖetnunfl* unb alä foli^e un- 
entbe:&ilic^ flnb. 3e mel|t neueibingä bie an» 
gefe^e Schule bei Sleotantianer ben 
.äiüctgang auf Jtant* alS einjise {Rettung auS 
bem entfetti^en ^imcait bei mobemen aReta» 
pliqül piebigt, beRo tiaier offenbart \lä) ber 
unleugbare unbun^eilcoSe SBiberfprui^ jroifi^en 
ben @iunbanfi^auungen beS iungen unb beS 
alten ßant; nir tommen fpätei no(% auf 
biefen 3)uaIiSmuS jurftd. 

(Ein intereffanteS Seifpiel d^nli^ tief- 
ee^enber äBanbelung bieten gnei ber beifi^nt' 
leften ÜlöturforfiSer, 91. Sir^oro unb ®. 3)u 
SoiB-Sleqmonb; bie 3Jletamorp^ofe i^iet 
pfqt^oIiiQtfi^en ©runbanfc^auungen baif um 
f« ntenigei fibeife^n nietben, ali beibe Seiliner 
Biologen fett nte^t afö 40 ^a^ien an ber 
gtBgten Uniserfltat Seutf^IanbS eine ^Bi^jt 
bebeutetibe ffloDe gefpielt unb forao^I birelt tute 
inbiielt einen tief greifen ben @inftu^ auf bai 
nobeme @eiMIeben geilbt ^aben. Slubolf 
Sin^oni, ber nerbienjtvolle ^egtflnber ber 
(EcOnlor-^at^obgie, roar in ber beften 3eit 
leiner roiffenf(%aftli*en S^dtigfeit, um bie Kitte 
bei 19. Sa^r^unbettg (unb befonberS wä^ienb 
feines SJfti^buigei 3lufent^aIlS, von 1849— 
1856) reiner SFtoniß; er galt bamaB ali einet 
bei ^ctDortagenblten Settreter ieneB neu et« 
tu^enben ,3RatetiaU§muS', ber im3a4ie 
18S5 befonberS bur4 jwei beilk^mte, faft gleti^' 
»itiii erfc^ienene iBttle eingefütit mürbe: 
fiubmig efic^ner: Jlraft unb Stoff, unb 



QailSogt: AS^Iergkube unb äBiffenf^aft- 
Seine aUgemeinen biologif^en SInfdiauungen 
pon ben SebenSnoigdngen im E^enfifien — 
fämmtlic^ alä medfanifdie 92 atuT'Sif (Meinungen 
aufgefaltl — legte bamalS 3)iid)on) in einei 
Steitie auSgejeii^netei Slitilel in ben erften 
SS&nben beS uon i^m EjeiauSgegebenen Dli^ipS 
füi pot^ologif^ ünatomie nieber. äOo^l bie 
bebeutenbft« unter biefen älb^anblungen unb 
biejenigen, in mel^i ei feine bamalige mo- 
niBifäe ffieltanftftauung am flatften ju- 
fammenfa^te, ift bieienige übet „Sie ßin^eitä* 
beßteBungen in bei roiüenft^aftli^en SUlebtcin' 
(1849). SS gefd)at| geroife mit Seboc^t unb mit 
ber Uebeijeugung i^ieS p^iCofoplgifiien SSett^eg, 
bag Siidtom 1856 biefeS ,mebictnifd]e @Iau< 
tien3')Be!enntni|* an bie ©pitie feiner ,®f 
fammelten StbCianblungen gui roiffenfc^aftlidien 
üüebicin' fteÜte- @i certiitt baiin ebenfo Ilar 
al§ beftimmt bie funbamentalen $rincipten 
unfeieä heutigen SnoniSmug, mie ii^ flc biet 
mit fflejug auf bie SBfung ber .aBeltidtöfel" 
barfteUe ; ei pettbeibigt bie aUeiniflE ©eiet^tiflung 
ber ßtfaörungS'SHüftenf^aft, beien einjige a«« 
oettäffige Quellen ©inneSt^ötigreit unb ©e^irM- 
S^unhion f!nb; er be!ämpft ebenfo entfi^ieben 
ben antbiopologifi^en S)ualiSmuS, lebe foge- 
nannte Offenbarung unb iebe.XianSfcenbeng* 
mitificen jmei SBegen: .(Stauben unbWnt^iDpo- 
moip^iärnui*. Sßor Slllem betont er ben mo- 
niflif^en Q^^atatter ber älnt^ropologie, ben un- 
ttennbaien3ufammenbangvon@ei^unbßörper, 
oon Siaft unb Snaterte; am S^Iuffe feines 
SBonoortS fpri*l er (S. 4) ben ©aft auS: ,3* 
tiabe bie Uebeigeugung, ba^ ic^ mii^ niemals 
in bei Sage befinben roerbe, ben ©oft pon ber 
(Stnfieit beS menfi^Iii^en SBefenS unb 
feine Äonfefluenjen ju cerleugnen.' Seibei 
roat biefe .Üeberjeugunfl' ein firmerer 3>^tbum; 
benn 28 3abre fpätei oertiat $iid|oip ganj 
entgeg enge feilte piincipieUe Slnfd^auungen ; eS 
gefcfia^ bieS in jenei oierbefpio ebenen Eüebe 
übet .Sie fjteitieit bei SBiffenft^aft im mobemen 
Staate", bie et 1877 ouf ber Siatutfotf^er- 
3)etfammlune in !D1üni^en ^ielt, unb beren 
angriffe idi in meinet Sditift .jjteie SQJifTen. 
fi^aft unb freie Se^ie' (1878) juiüdgemiefen&obe. 
Sle^nti^e ajibetfpiflt^e in Sejug auf bie 
roiifttieften p^ilofopliifi^en ©tunbfäJBe niie SBii- 
äiom bat au4 @mil ^n ISoiS-^e^monb 
gegeigt unb bamit ben lauten Seifall ber 
bualiftifi^en ©4ulen unb poi Slllem bei Eocleaia 
militEuia etiungen- 3e me^r btefet beiübmte 
Slbetoi bei Seilinei ätiabemie im Slllgemeinen 
bie Siunbfti^e unfeieS ÜRoniSmuS pertrat, je 
mebi er felb^ gur SBiberlegung beS SÜtaliSmuS 
unb bei tranifcenbenten SebenS'^uffaffung bei- 
getragen botte, bcRo loutei mar baS Sriumpb* 
@efd|iei bei Segner, als er 1872 in feiner 
miilungSPDlIenagnotabimuS'IRebebaS.aje' 



42 



Be^\tti AopittL SaS S3t\m btv SccU. 



VL 



nm&trein' alg ein mlUbaz^ äBeltrdtMel Iiin' 
gebellt unb qI8 eine übernatürliche @rf^einung 
ben anbeten ®ef|infSunttionen gegenütiei ge* 
^eOt ^atle. 3äl lomme fpdter (im 10. ffovitel) 
barauf gurüJ. 

OblelifloeunMiibleiititie pfti^eiogte. 
2)ie eanj Eigentfiüntlidje 9iatur oielet Seelen« 
©tf^einuiigen, «nb oot Wkm be8 SeroufitfeinS 
bebingl geniifTe älbftnbetungen unb aßobi- 
flfationen unserer nalunoiffenfi^arili^en Untef 
fu(^ng8'3)Iet6oben. SefonberS nii^lig ift Ejier 
ber Um^anb, ba{i ju bex geroO^nli^en, objel' 
tiven, Äußeren Seobad^tung itod) bie in< 
tiofpelttoe Wttitoht treten mufi. bieTuÜ' 
ieltiue, innere Seoba^iung, neldge bie 
Spiegelung unfereB .3i$' im ißewultfein tie* 
bingt. San biefei .unmittelbaren (Senig^eit 
beS 3^' gingen bie mei^n ^fq^ologen auS: 
„Cogito, ergo anml" ,3^ benle, alfo 
bin 3^* SBir merben ba^et junä^ft auf 
biefen Srtenntni^'SBeg unb bann eift auf bie 
anberen, i^n erganjenben EDtet^oben einen Slid 
merfen. 

Sntrofpefitioe Pfqt^olosfe (Sd&lta 
b«oba(^tuns btt Seele). Set raeitauS 
gibgte %t)eil aKer beijenigen AenntnifTe, roel^e 
feit 3flf)rtaufenben in unjä^Iigen ©i^tiften über 
baS uienf^Iii^e Seelenleben niebergeUgt |1nb, 
braiftt auf inttofvetliftt ©eelenforfiiiunfl, b. ft. 
auf Selbltbeobai^tung, unb auf ©i^lüffen, 
meiere roix 'au§ bet affocion unb Äritit biefet 
fubjelticen, .inneren Srfafttungen' jie^en. j^üt 
einen nti^tigen Sbeil bsr ©eelenleft« iff biefet 
introfpettice ^eg überfiaupt ber ein}ig ntSglti^e, 
not 3lDem für bie ®rforf4ung beä SSeniu^t" 
felnä; biefe ®e6iin»3un!iiDn nimmt bo^ei eine 
gonj eiflent&ümlicie ©teßung ein unb ift me^t 
nI8 iebe anbete bie CueDe unjäf)(iget p^ile- 
fop^ifffiet 3rttbümeT gerootben (oetgt. Aap. 10). 
€3 ift aber gang ungenügenb unb fübrt ju ganj 
unDCUtommenen unb falfi^en ^orlteUunaen, 
menn man biefe ©elbftbeoba^tung unfeteS 
@eifte8 al3 bie mtditiefCe ober überhaupt aI3 
bie eingige ^Quelle feinet Srienntnig betrautet, 
n>ie eS Don ga^Ireidien unb anQefebenen $biIo> 
fopl^en gef^eben i^ Senn ein gtoSer ^betl 
ber niii^tigften Stfi^einungen im Seelenleben, 
ooranem bie Sinn eS-^unltionentSe^en, 
©Sten, SHiedjen u. f ro.), fetner bie ©pradbe, 
fann nur auf bemfelben SJcge etfotf^t nterben 
wie iebe anbete SebenStbätiflfeit beS Drganiä» 
muä, rtämlic^ ctftenl but^ gtünblii^e ana-l 
tomifi^e Untetfucbung ibvet Otgane, unb 
gmeitenS buti% ejatte p!i9^Dlogif(^e iSnalqfe ber : 
oaoon abbitngigen Functionen- Um biefe 
.dulere i8eobad)tung' ber Seelenibätigfeit auS> ! 
jufüSren unb babut^ bie ©tgebniffe bet .inneren | 
SBeobai^tung" ju ergänjen, bebarf eS aber gtünb- , 
li^et ÄenntnifFe in Stnatomie unb Sipoto0ie, , 
JOntogenie unb ¥^qI1ologie beä S)lenf4en- 3ion , 



biefen unentbe^tli^en @runblagen bei älnt^iO' 
pologie ^aben nun bie meinen fogenanntcn 
,$fq(4ologen' gar feine ober nur (B^ft un> 
volltommene ffenntnil; fte ftnb bater nii^ in 
Stanbe. audi nur Don ibrer eigenen Seele eint 
genügenbe 33orßeIlung gu ermerben- 3)ajufitmml 
no(( bet f(f)limme Umftanb, ba| bie ^oi^peteHtte 
eigene Seele biefet ^fqdjolagen geroäbnlii^ bie 
cinfeitig auSgebilbete (menn aui^ in ibtem fpc 
fulatinen Sport fe^t ^od) entroidelte $fq^!) 
eineS ffultutmenf^en bO^ßer Staife bat- 
fteHt, alfo ba3 lettte @nbglieb einer langen 
pfiqletif^en ®ntroiielung§ reibe, bnen attWtei^ 
Altere unb niebere Sorldufer füt ibt tiä|ttgei 
Serpdnbnil unentbebtli^ flnb. So etFiärt ei 
fld), ba| bet gtbßte Sbeil bet gewaltigen pfij^o- 
iogif^en Sitetatut beule roettblofe STtatuIotut 
ift. 2tie inttotpettioe 3Retbobe ift gemiß })iM 
mett^DoO unb unenlbebrli^/ fte bebarf aber 
butdjauS bet snitmittung unb StgSn^ung burd) 
bie übrigen EUletboben. 

(EcaAte pftic^ologte. ^e teiltet im Saufe 
unfereS Sa^tbunbettS fi<% bie petf^iebenen ' 
Smeige beS menf<f)U(^en Srfennlniß-^aumei 
entmidelt, je me^t flii bie oerf^iebenen ^SJlf 
tboben bet einjelnen SEQiffenft^aften petvoD» 
jtommnet ^aben, beffo mebr ijt ba3 Seftteben 
gemaififen, biefelben ejalt ju geftalten, b. b- 
bie @rf4einungen mSAlii^ft genau empitifd) 
ju untetfuifien unb bie barauS abguleitenben 
@efe^e tbunlid)ft fdiarf, mo mBgliA motb«' 
matifd) gu formuliren. Se^leteS i^ aber nur 
bei einem Reinen Sbeite be8 menfi^Ii^en l^tffenl 
erreicbbar, DOtjüglii!) in Jenen 3Bi^enf<^aflen, 
bei benen eS fl<^ in bet ©auptfai^e um meß- 
bare @rB@en'$eftimmungen banbelt: in erftet | 
Sinie bet EDtatbetnatil, fobann ber Slftionomie^ 
ber Üllecbanil, überbaupt einem großen j^beile 
ber ^bqlH unb S^emie. Itiefe aSilfenf^aften 
merben baber aui^ aI3 eialte 2)i8ciplinen 
im engeren Sinne begeidinet. Sagegen ift eS 
nii^t ridbtig unb fübrl nur irre, menn man oft 
alle Ttaturrai ff enf haften al3 .ejaCte' betrautet 
unb anberen, namentli^ ben biftorifdien unb ben 
,@eifte3mifTettr4aften' gegenüberfteHt. Senn 
ebenfo menig al3 biefe leiteten tann au^ bet 
grünere Xbeil ber ^aturmiffenft^aft mirtlidft 
e^att bebanbelt merben; gang befonberä gilt 
bieg Don bet Biologie unb in biefer mieber oon 
ber $fi](l]Ologie- Sa biefe letitete nur ein XbeÜ 
bei ^bnflologie ift, mug fie im Sldgemeinen 
beten funbamentale (StlenntniS'Sßege tbeilen. 
Sie mu$ bie tbatffli^ litten Srf^einungen bei 
Seelenlebens mögli^ft genau empirift^ «• 
grünben, burti^ i^eobacblung unb burd) Sf 
periment; unb fle muß bann bie @efe^e bei 
$ft)(^e au3 biefen bittd) inbuhioe unb bebuttive 
Sdtlüffe ableiten unb mdgli^ft fdgarf fonmi' 
liren. Mein eine matbemalifdbe S^ormii' 
litung berfelben ift aus Iei4t begreifli^en 



"VI. 



6ec^Pti flopttet. ffitrö äDJe(en bn ©eele. 



4S 



@tünben nur fel|r feiten mBelii^; He iß mit 
grogem Srfolge nur bei einem Ziitilc bet ©inneS- 
^^Qflolagie auSe^fül^i^; bogeQen f&i ben nieit' 
ou3 fliO|ten X^nl bei <9e^itn'$^tifiol0(|ie iß 
fic nt4t anroenbbai- 

IXq^op^qfifi. @in Heiner %fiä.\ bei !pfq< 
c^olseie, roel^et bei eiRtebten .efaften" Unlet- 
fut^uns gusänglii!) eifilieint, tft fett jmQnjig 
Sauren mit großei ©oiefalt flubitt unb jum , 
RanfledneibefDnbetenaiScipIinetbofieniDOtben 
untei bei iSejei^nung iPTq^op^tifil. 2)ie 
^egiünbei beifelben, bie $^t)^oioQen X 6 e a b o i 
^e^nei unb Sinß 6einii^ üßebet in 
Seipgia, unteifuitten gunäc^ft genau bie 9(b- 
Üfingigfeit bet Smpflnbungen von ben äußeren, 
auf bie ©inneäorgane roirtenben SReijen unb 
befonbeiiS ba3 quantitatiDC Sßeif|ältni| awif^en 
fReiaftäite unb @nipFinbung3-3ntenfitöl. ©ie 
fanben, bafi gui (Enegung einer @inpfinbung 
eine beftimnite minimale 9)eiitftär!e eiforberlii^ 
t^ (bie tSleijf^nielle'), unb baß ein gegebener 
Sieij immer um einen geniiiTen iSetrag (bie 
«Untetf^iebSfi^nielle') geänbeit merben mu^, 
c^e bie @mvfinbuns flif) merlli^ uetänbett. 
gftr bie nti^tigften ©inneä-ffimpfinbuiigert (Se- 
ilet, @eb3r, S)ru4em;iftnbung) gilt baS QSefe^, 
ba^ ibte Henbetung berienigen ber SHeiäftärfepro- 
portional ijt Sluä biefem cmpitifi^cn .SBeber- 
fdienGJefe^' leitete 3 e^neiburdimatbemnlif^e 
Operationen fein ,pf^c!)opbi)firt^e§ ®runbgefc^* 
ab, monat^ bie @mpfinbungg ■ ^ntenfitäten in 
aiitbmetif^et ^rogrellion mai^fen foQen, bin* 
gegen bie Seijflärfen in geometrift^er 5ßro' 
flieffion- 3nbeffen ift biefeS gediner'ft^e ®efe§, 
ebenfo loie anbete pfQ<^cip^ilfif(^e„@ereie* mebt- 
fad) angegriffen unb alS .nii^t eiall' bejmeifelt 
moiben- 3ebenfallg ^at bie mobeme .^■ßfi}(^o- 
ffmfxt' bie ^oben €ni)artungen, mit benen fie 
oor jmanjig ^a^ren begrülit rourbe, nic(|t ent- 
feint erfüKt; bag @ebiet ibrer mfigliifien Sin* 
menbung ift nur febr be[d)tänft. ^nbeffen ^at 
fie piincipieü infofern beben ^ertb. alä ba* 
buid) bie ftrenge ©ellung pbijftCalifi^er ©efetje 
auf einem, roenn aut^ nur febr Keinen ®ebtete 
beSfogenannten ,®eiftc3[ebenS" bargetbonniurbe 
— eine ©eliung, reelle Don bet mateiialiftifdien 
Vfqi^Dbgie fi^on längft für ba§ ganje @ebiet 
beä Seelenlebens vrincipieQ in änfprud) ge* 
nommen mar- Sie .e^atte Snelbobe' bat fi^ 
aud) biet, nie auf Dielen anbeten Gebieten bet 
VbQftalogie, alä uii}ureii$enb unb roenig fru^t* 
bai enoiefen; fle ift groot; übetaH im sptincip 
ju etfiteben, aber leibet in ben meiften gälten 
nidit anroenbbat. SSie! etgiebiget Jlnb bie oet- 
gfcii^enbe unb bie geneliftbe ajlelbobe. 

Ocrgleft^ettbe Pft)^oIogfe. Sie auf- 
fällige ätebnli^Ceit, raeldie im Seelenleben beS 
SJIenfi^en unb ber b^b^ren ^btere — befonbeiS 
btt näi^ftoermanbten @äugetbiere — beftebt. ift 
eine altbelonnte Ibatfatb«- 3)ie meiflen Slatur. 



t)5Itet mai^en no^ beute graifcben beiben pfq> 
(ftifi^en ©rfdieinunggteiben leinen niefentli(ben 
Unterfi^ieb, wie ftbon bie allgemein oerbreHeten 
3:bierfabeIn,bieaßen©agenunbbieSßorfteflungen 
con ber Seeleittoanberuna bemetfcn. Wu(b bie 
meiften ^bilofop^en beiS Ilaffifdien StIterlbumS 
maten banon flbetgeugt unb entbedten äraifc^en 
bei menfi^Iic^en unb Ibietifi^en $fqi$e tein« 
njefentli^en gnalitatiuen , [onbent nur (tuanti" 
tatioe Unlerfcbiebe. Selbft ^lato, bet guetft 
ben funbamentalen Unteifdiieb non Seib unb 
Seele bebauptete, lie| in [einer @eeIenroanbe> 
rung eine unb biefelbe @eele (ober ,3bee') but^ 
oerf^iebenelbiet'unbajlciifi^en'SeiberbinbuKi 
roanbern. ®rft baS Ebriftentbum , melt^eä ben 
UnfterbliiJteitSalauben auf baS Sngfle mit 
bem @otleSgIauben vetfnfi^jfte, fQbrte bie priif 
cipieEIe ©Reibung gmif^en bet unfterblii^eti 
SHenfcben-Seele unb bet fterblidien Sbi^t'Seelc 
but^. 3u ber bualiftifi^en ^btlofop^ie gelangte 
^t Dor atnem bur^ ben Sinftug von SDeS* 
catteg (1643) gui@eltung; et bebauptete, ba^ 
nur ber Snenfib eine niabre .Seele' unb fomä 
@mpfinbung unb freien iOiillen be|it|e, bafi ftiti* 
gegen bie iTbiete Stutomaten, Ütafdiinen obne 
^iQen unb @mpfinbung feien. @eitbem mürbe 
Don ben meiften '^fq^ologen — namentlid) qu^ 
Don' Ä a n t — bag Seelenleben bei SEbiere Qani 
Dema^Iäffiflt unb baS pfi}^oIiigifd)e ©tubium 
auf ben OJJenfcben befäiräiilt; bie menfiblii^e, 
meiftenS tein inlrofpettioe ^fp^ologie entbebrte 
ber befrutbtenben aJeralcit^una unb blieb babei 
auf oemfelben nieberen StanbpuntI fteben, 
neigen bie menffb'ii^e Worpbologie einnabm, 
ebe fte (Suoiet but$ bie ^egrünbung ber vtf 
gleii^enben Slnalomie gut &fibe einer .pbilo* 
fopbifiäSen 3)aturjDiffenf(baft' erbob- 

tEi^ieX'Ptqt^oIogfe. SaS miffenfdiaftlitbe 
Snteteffe für baB Seelenleben ber ibiere niurbe 
erft in ber gmeiten öölfte beB 18. gab^bunbcrt* 
neu belebt, im Sufiimmenbana mit ben %otU 
fcbritten ber f^ftematif^en SoDlogie unb Sßbq« 
ftologie. Sefonberä anregenb rairFtebie Sdirift 
Don ^eimatnS: allgemeine Setiai^tungen 
übet bie Stiebe ber Ibiete (Samburg 1760). 
Qnbeffen eine tiefete roiffenribaftlidje St« 
forfi^ung rourbe etft mSglid) burd) bie funbo« 
mentale SHefotm bei ^b^ftologie, niel^e mit 
bem gtoßen SÖeiliner SHatutforfi^er 3obanne> 
3}lünet oerbanfen. Siefet geiftooHe ^Biologer 
baS ganje ©ebiet ber otaanif^en ÜRatut 
SDlorpboIogie unb ißb^ftologie, gleitWägig um< 
faffenb, fübtte guerft bie e^atten ^etboben 
bet SBeobat^tung unb beg SJerfudiä im ge> 
fammten ©ebiete bei $bQfiologie bur^ unb 
oerfnüpfte fie guglei^ in genialer Seife mit 
ben öergleitbenbenSKetboben; et tt>enbete 
biefelben ebenfo auf baS Seelenleben int 
meileften Sinne an (auf ©piaibe, Sinne, @e» 
biintb&tigCeit) roie auf alle übrigen fiebenS' 



44 



BtHifM Raifütl ^i aStlai bcr Sctlc 



VI 



SifäiEinuneen. SnS fetfifte Sud) feintS .ßanl)' 
bu4S b« ?[)iiPo[oaie beB gn*nf4en' (1840) 
banbtit fpccuU „Som SttlenleÜtn' unb tnU 
^ftlt auf 80 ©eiUn eine ffSHe ber toi^tiolten 
pfUiftoIoflifAen iBettfld|tunflm. 

3n ben legten »ieTjig Sauren ip eine 0to|ie 
Änjaftl ton ©t^riflen ober «r0lei(ftenbe $fq4o- 
l«eie ber Xbiete eifi^ienen, gtoßeniMIS Mi- 
anlaßt bui(^ ben mäi^tigen StnRofi, niel<^en 
1859ß6aile8 2)atnjin but* fein 3Bert übet 
ben Urtptuna bei Sitten aab, unb burc^ 6ie 
@infü^ng ber @ntiDi(feluneS'X^e(iTie 
ht ial pfudiologifc^e @e&iet. (Sinige ber n]iiib> 
tisllen biefei Si^riften oerbanten mix SRo* 
ntaneS unb ^- Subbed in (Snglanb, SB. 
9Bunbt,S.Süi!inei,®.6.@(^neiber,$rt| 
S^ulge unb Statt @roo8 in Seulfi^lanb, 
Ulfrcb QfpinaS unb @.3outban tn^fi^ant 
tei^, lito Signoli u. H. in Stauen. 

3n Steutfi^lanb gilt gegenroärtifl aia 
«inet bet bebeutenbften ^fq^ologen 9BiI^eIm 
SJunbt in fieipjig; er befitt cot ben meiften 
anbeten $^ibropben ben unf^ätibaten Sorjug 
einet gtünblii^en joeloeifi^en, anatomi' 
fi^en unb pli^fiologifi^en iSilbung- ^tü^et 
Siniftent unb €>4aiet vm ßelnt^Dlt. 6alte 
fit Siunbt ftübaeitig batan genö^nt, bie 
@runbgefe^e bet $^qflf unb S^einie int ge> 
rammten ©ebiete bet ^^qflalogie gellenb ju 
moci^en, alfo au^ im Sinne von ^o^anneS 
SltüIIei in ber ^fq^oloate, alS einem %litiU 
gebiete bei leiteten, ^en biefen @efli^tä' 
puntten geteitet, perBfTentli^te äSunbt 1863 
nett^DoDe .SBotlefungen Übet bie SnenTdien- 
unb S^tet'Seele'. ffit liefert borin, wie er 
[elbfl in bet ätottebe fagt, ben SRadinieie, 
ha.% bet Si^auplaft bet wi^tigften Seelen« 
iQorgfinge in bet unbemu^ten Seele liegt, 
unb er eröffnet unS .einen (Sinblid in ienen 
anedianiBmue, bet im unbenu^ten Öintet- 
fltunb bet Seele bie antegungen »erarbeitet, 
bie ou8 ben duneren Sinbtürfen Hatnmen*. 
äffiaS mit abet befonbetB mistig unb mertboott 
on SSunbfS Set! etf^eint, ift, ba6 et .biet 

{um etften ÜJlale ba8 Oefeg bet (St^altung 
et Statt auf baS pf^c^ifi^e ©e&iet 
auSbefint unb babei eine 9)eil|e von ^bat- 
fa^en bet SlettiopIiQfiolDgie jur iBeneiSfü^rung 
benuSf a- c. P. Vm). 

£reigig ^i^te fpätet Detbffentlidite Siunbt 
<1892) eine jmeite. roefentUd^ pettürjte unb 
Qänglid) ungearbettete Sluflage feiner .3Sot' 
lefungen Über bie SRenfi^en' unb SE^ier-Seele'- 
^e roi^tigften ^tincipien bet eiflen Sluflage 
finb in biefer jroeilen uauig aufgegeben, unb 
ber moniftif^e ©tanbpunft bet etfteten ip 
mit einem tein bualiftififten cettaufdit. 
SBunbt felbft fagt in ber Sotiebe jut jmeiten 
Stuflage, bat er fid) txft oHmäiili^ tion ben 
funbamentatim 3trt^ümetn bet et^n befteit 



babe, unb bafi er ,biefe Slrbett f^on feit Sa^rta 
all eine Qugenbffinbe bettadjten letttte*; 
fie .lapete auf Üpa aVt eine SItt Sc^ulb, ber 
et, fo gut tt geben moi^te, lebig gu ntetben 
toQnfi^te'. 3n bin Xbat flnb bie ni^tigften 
@runbanfd|auungen bet Seelenle^re in bes 
beiben Auflagen oon äBunbt'S »eit nei- 
breiteten .Siotlefungen' röQig entgegen gefegte; 
in ber etflen Huflage tein monipif^ unb 
matcrioliftifd) , in bet jnieiten Sluflage tein 
bualifiif* unb fpirihialipifdi- 3)ort mitb bie 
^fpt^Dlogie aI8 MatutmiffenfÄiaft be- 
banbelt, na^ btnfelben <3tunbfäten nie bie 
gefammte $bnfloIogie, uon bet fle nur ein 
Xltal tfl; breifiig Qabte fpAtet ift für itin bie 
Seelenlebrc eine reine ©eipeSroiffenfi^aft 
genotben, beten $rtndpien unb Obiehe von 
benjenigen bet SHotutnpiffenf^aft oöDig t^e^ 
fcbieben flnb. 3)en f^ätfften Slulbtud finbet 
biefe SSefebtung in feinem ^rincip beä pfit^o- 
pfaqfifc^en $ataUeli3muB, roanac^ gn»t 
einem ,ieben pf^c^ifi^en ©efcfteben itgenb 
mel^e pb^flf^e Siotgänge enlfpredien*, beibe 
aber sbHig unabb&ngig Don einanbet flnb unb 
nif^t in natütlidiem Aaufal'3ufam' 
menbang fielen, liefet noUfommene Sua* 
liBmuS Don Seib unb Seele, Don IRatui 
unb ®eip bat begtetfli^et SBeife ben lebbaften 
SeifaQ ber betrf^enben S<^ul'$bilorDpbie ge< 
funben unb mttb con i^r als ein bebeutungS« 
totler SottfiftritI geptiefen, um fo me^t, al8 
er ton einem angcfe&enen 9Iatutfotf(iet be- 
tannt roitb, bet ftübet bie entgegengefe^ten 
Slnf^auungen unfereS mobetnen SnoniSmuS 
vertrat. 3)a itfi felbft auf biefem leiteten, 
.befdirdnlten' Stanbpunft feit mebt alS tietgig 
^abren ftebe unb midi trofi aller beftgemeinten 
Stnfttengungen ni^t oon ibm babe loBma^en 
tonnen, mug id| natütlidi bie .Sugenbfünben' 
be8 iungen$l|^fioIogen SBunbt für bie ti^tige 
5iatut.(Sttenntni| balten unb fle gegen bie 
entgegengcfeßten (Btunbatifi^auungen beS alten 
^bitofofben SQuttbt enetgif^ certbeibigen- 

©ebt intetcff ant ifl bei totale p b 1 1 o ' 
fopbif^e $tincipien'9Bec^feI, bet un8 
biet niieberbei äBunbt, nie ftübet bei fiant, 
ätt^on, £u E9oi8'9leqmonb, abetau^ 
bei Satl ®infl Säet unb bei %nberen 
begegnet. 3n ibrer Qugenb umfaffen biefe 
tübnen unb talentDoUen Slaturfotfdbet ba8 
gange @ebiet ibtei biologifdien f^orf^ung mit 
weitem SSliif unb ftreben eifrig na^ einem 
ei nbeit tilgen, natürUi^en @ttenntnt& • ©tunbc; 
in ibrem Slllei baben fte eingefeben, ba^-biefet 
nid|t toQfommen erteii^bat ifl, unb beS^atb 
geben fie ibn liebet gang auf. Qw @ntfdiul' 
bigung biefet pfqdbologifi^en ^etamotpl^ofe 
fSnnen fle natüitii^ anfüllten, hai fle in bei 
Sugenb bie St^mieiigleiten bei ßtofien Auf« 
gäbe fiberfeben unb bie toalbten Qiüt oettannt 



VI. 



Ctiti^ ft<4itel. txü aStfra bn Seele. 



45 



matten ; erft mit bet reiferen ffiinflrfit be> Ältetl 
unb bet ©ammlung Dielet Stfa^nineen hätten 
fle fid) »on i^ten 3n1f|ümtnt fiBetjtuet unb 
ben magren ^eg juc OueSe bn SBa^v^eit 
eefunben- fBlari lann abtr aaä) umq«tti)xt 
belKiupten, ba$ bie eio^en SIlianneT bei ^ifTen- 
[^aft in tüngnen Sauren unbefaiißenet unb 
mutJEiieet an t^te fi^niieiioe älufgalt ^etan« 
treten , ba% i^r SM freier unb it|te Uit^eilS* 
traft teinei ift; bie Srfa^runflen fpatern 3a^te 
fügten vielfach nic^l nur jur Ser«4enina, 
fonbcttt aaäi jut Xtübuna b«r ftinRi^t, unb 
mit bem ©rrifenolter tritt oSmä^Ii^e MüA- 
bilbuns ebenfo im 9il|im vait in anber«n 
Drßonen ein. 3«benfaU8 iB birfe etfenntutS- 
t^eoretift^e SHetamorpIiofc an fli^ eine le^r« 
teic^e pfqc^ologift^ tliaüaäi*; bcnn fle betotift 
mit »ielen anbcren Srormen bei .OeftnunnflS* 
medffelS'. bafi bie b&(i)fleii Seelen^g^unftionen 
ebenfo ivefentli^en inbinibueKen SJer ftnberuneen 
im Saufe beS Seben3 unterliegen mie alle an> 
beten SebtnS'XiiütiBhiten- 

t>ÖIft«r>Pftt4oIogie. ^Üt bit fru^tbare 
Sluäbilbune bet üerßlei^enben Seelenlefire ift 
eS iödjft mistig, bie ttitifdie SBergleiftuna nic^t 
auf jt^ier unb SJlenfc^ im SlUflemeinm ju be- 
f^änlen, fonbetn autö bie mannigfultiaen 
abftiif ungen im ©eeltnleben betfelben neben 
einanbet ju fleOen. @rft baburi^ gelangen mit 

iur {laren Sttenntniß bet langen ©tufen* 
eitet pfi)(^if4er Snlroictelung , roelt^e un- 
untetbro^en von ben nieberften, einzeiligen 
Lebensformen bis ju ben ۊugetE|ieren unb 
an beten ©pi^e bis jum aJtenft^en hinauf 
fülitt älber innerhalb be3 a^lenfi^engefcblec^tS 
felbp (Inb jene SlBftufungen fe^r beträi^tliift 
unb bie ffieraroeigungen brö „Seelen'Staram- 
bttumä' böc^B monnigfaltig. Set pf^tlbifiie 
Unterf^ieb gmifi^en bcm to^eften ätatut« 
menf^en bet niebetften Stufe unb bem doU- 
lommenflen ffuttutmenf^en bet bSiften ©tufe 
ift loloffol, oicl grBler, aI3 gemeinbin ange- 
nommen mirb- 3n ber nötigen S^enntnig 
biefer S^^atfai^e bat befonberS in ber gneiten 
^dlfte beg 19. ^abr^unbettS bie .SlntbrO' 
;ioloeie ber 91aturi)01Ier* (SBaiti) einen 
lebbaften Sluffi^roung genommen unb bie oet* 
flleii^enbe ßtbnograp^ie eine ^obe iBebeutung 
für bie ^f^c^ologie geronnnen- S3eibet ift nut 
baft maffenbaft gefammelte SBobmaterial biefet 
SBiffenfdiafl no^ nidit genßgenb Ititif^ burcb- 
gearbeilet. SBel^e Unflaten unb m^ftifi^en 
ißorftellungen biei no^ ^ertfi^en , geigt g. 8. 
bet fogenannte .iSOIIergebanle" bei be« 
lannten JReifenben älbolf iSaftian, ber bie 
grollten SJerbienfte als IBegrünber beS berliner 
.aJtufeumä für äßflllerJunbe' be|itit, aber als 
frut^tbarer ©dbrifl^Uer ein mabteä äJlonfoum 
Don Itilillofet ßomt>ilation unb lonfufet 
@pe[ulation barFteOt. 



CHitogenetf1(^ePfi|(4oIogie. Smmeiften 
vemac^läffigt unb am menigften angercenbet 
unter aQen a^etboben ber Seelenfotf^ung iß 
bis auf ben beutigen Zag bie Sntmidlelunge' 
gefdiiifile bet Seele; unb bocb ift getobe 
bitfet feiten betretene $fab berjenige. bet unS 
am fütjeften unb fi^erjten burdb bm buntlen 
Urmalb bet pfqdgologif^en 9)oturibeiIe, Sogmen 
unb 3rrtbümer ju bet Haren ®in)i^t in oiele 
ber toi^tiöften .©erienf tagen' fübri. 3Die in 
iebem anbeten ©ebiete ber otganiftben ©nt- 
niiielungigefi^i^te, fo ftelle i^ autb ^icr gu' 
nSi^ft bie beiben Öauptjmeige betfelben gegen- 
über, bie i(S guerfH866 unletfdjieben^abe: bie 
fteimeSgef(%it^te (Ontogeaie) unb bie ©tarameä- 
Bcf4iif|te(Pti7logema). 2)iefleime>gef i^id]te 
ber Seele, bie inbioibueOe ober biontifi^e 
^fq^ogenie, ' unterfuf^t bie aÜmäbEii^e unb 
^ufenmeife Sntraidelung ber Seele in bet 
einzelnen $<Tfon unb ftrebt nai^ (Srtenntni^ 
ber @efe|)e, roel^e biefelbe urfäcblii^ bebingen- 
O'üt einen mie^tigen ^Ibfifinitt beS menf^Ii^en 
©eelenlebenS ift bist fdbon feit ^abriaufenben 
febr Biel geft^eben; benn bie rationelle ^dba« 
gogit mu^te ^^ ie f^on ftübgeitig bie Kuf' 
gäbe fteUen, tbeoretiftf) bie ftufenmeife ftnt- 
mi^elung unb iBilbungSfä^igteit bet finblii^en 
Seele !ennen )u lernen, beren Ejatmonifi^e 
^uSbilbung unb fieitung fie prahifi^ buriii' 
gufübten botte- älUein bie meiflen ^äbagogen 
niaren ibealiftifi^e unb bualiftifi^e Sßbilofopben 
unb gingen baber an ibre älufgabe von Dorn- 
berein mit ben allbergeb ragten Soturtbeilen 
bet fpiiitualiftifdien ^fqcbotogie. ®tft feit - 
roenigeri SDecennien ift biefet bogmatif^en SRi^- 
tung gegenüber auift in bet ©^ule bie natui- 
miffenfi^aftlii^e SRetbobe )u grBleret @eltung 
gelangt; man bemübt fld) iett mebt/ aui^ in 
bet SBeutlbeitung ber ÄinbeB-Seele bie ©tunb- 
fäge ber (Sntmidlung Siebte gut SCnmenbung gu 
biingen. 3)aS inbioibueHe SRobmatetial bet 
tinblii^en Seele ift Ja bereits bur^ äter- 
eibung von @Item unb SJoteltetn qualitativ 
oon DOtnbetein gegeben; bie Stgiebung bat bie 
f^Sne Slufgabe, baSfelbe burcfi inteaeftuette 
iBelebrung unb motaüfi^e @rgiebung, alfo buri^ 
ainpaffung, gut teilten SBlüte gu entroicfeln. 
gut bie fienntnife unfeiet ftübeften pfiji^ifdien 
(gntmidelung bat erft ^ilbelm ^re^et (1882) 
ben ®iunb g^l^ßt in feiner intereffanten ©t^rift 
.Sie Seele beS SinbeS, IQeoba^tungen übet 
bie geiftige Sntmidelung beS SRenf^en in ben 
erßen SebenSjabren', ^ür bie (Stfenntnil bet 
fpäteren Stufen unb ÜJietamoipbofen bet inbi* 
oibuellen ^fgi^e bleibt no^ febt oiel gu tbun; 
bie ri^tige, Ititifdie Stnnienbung be§ biogene- 
tifi^en (Stunbßefctjeä beginnt au^ biet flcb al» 
Ilatet Seitftetn beS roiffenfdiafllii^En SBerftänb- 
niffeSguberoäbren. (SBergl-ÖetmannÄtoell, 
Ser Hufbau ber menfd)li4en ©eele, 1900.) 



46 



6c4IM Sta^iM. DoS iScfm btc 6KI^ 



VL 



P4qlogcncttt<4c Pfq^ologtc. Sine 
neue, fniditbaie fßetiott ^iiitttx (Sntniifelune 
besann f&r bie $fi)4Dlofiic> nie f&x oKe anbeten 
feioloeif^ni 38ifTenf(6aften, alä oot oicijis 
So^en S^arleS 3)ai:n)in bte®tunbfAte bei 
SnttoiiielungSlebTe auf fe aninenbctc. SaS 
ftebente ftapitel feineS epot^entai^entien SBertcS 
fibei bie (Snt|tebun0 bec Strten (1859) iß bent 
Snfttntt Benibntet; (S ent^dU ben nett^ooKen 
Slac^meiS, ba^ bie 3nRinRe ber X^ine, filei^ 
allen anbeien fiebenSt^atigleilen, ben aUgenteinen 
IBefegen ber ginonf^en (Sntnidelung unter- 
Itegen. Sie fl^ccieUen SEnftintte bet einzelnen 
X^ier'Urten roerben buit^ Snpaffung umec 
bilbet, unb biefe .eiiDscbenen Hbänberungen' 
nerben buic^ Seieibune auf bie 9Iad)[Dmnien 
fibeitragen; bei i^er Si^aUung unb iluS* 
bilbung fvielt bie notfiilit^e Selellion bui4 
ben .fiampf um'S SDafein' ebenfo eine jfic^tenbc 
noQe nie bei bec SiranSfennation jebei anbeten 
p^gfiolagif^en S^tiateit- ©p&tei ^at 2)aTn)in 
in melieren äBerlen biefe funbamentale Slnfidit 
raeiter auigefü^rt unb flejeigt, ba^ biefelben 
Öefege .geiziger SntnidelunB* buri^ bie ganje 
oieanifiiie SSielt ^inbuii^ malten, beim 3ltenf4en 
ebenfo nie Bei ben Spieren unb bei biefen ebenfo 
tote bei ben Vftangen. 2>ie Sin^eit ber or* 
flantfc^en 2BeIt, bie fiift au3 intern gemein' 
famen Urfpiung erfldit, gilt alfn auc^ fikr baS 
gefammte ®ebiet beS Seelenlebend, oom ein- 
fai^iten, eingeOigen CtganiSrnua biS hinauf 
Sum SRenf^en. 

a)ie roeitere Huafttninfl von aJarmin'S 
Vfqi^oloflie unb i^ie befonbeie Snnenbung 
auf aQe einzelnen @ebiete beS SeelehlebenS 
tieibanten mit einem auBgejeidineten enßlift^en 
9Iatuifotf^et. ®eorge StomaneS. fieibei 
»urbe et iuxät feinen aüiu frühen, tütjlit^ er- 
folgten Sab an ber SQoQenbung beä stoßen 
SBerfeä ge^inbert, meines alle Seile ber oer- 
gleii^enben @eelentunbe glei^mä^ig im Sinne 
ber moniftifi^en @ntniiifelungälelire ausbauen 
foUte. Sie beiben Xiieilt biefeS SBetteä, meiert 
fiifc^ienen finb, gehören }u ben roertlmon^n @t- 
jeugniffen bet flefaramten pfqfftologifi^en Site- 
vatui' SDenn gelreu ben ^rincipien unferer 
mobetnen moniflif^en ^iaturforfi^ung ftnb ba- 
tin et^nS bie mic^lia^en S^atfat^en gU' 
fammengefaSt unb georbnet, n)elt()e feit Saftr- 
taufenben burtf) SBeobQt^lunß unb SjiietiinEnt 
ouf bem ©ebiete ber oeralei^enben ©eelenleftte 
cntpirifA feftgefteUt mutben; jnieitenS ftnb bie* 
felben mit objettioer fititif geprQft unb 
lineftmältg ßrupvirt; unb btittenS ergeben fiif) 
barauS biejenigen 3ernunft'®4Iüffe fiber 
bie raii^tigften allgemeinen Sragen ber ^fqi^D' 
logie, rael^e allein mit ben ®tunbfä$en unferer 
mobeinen moniftifc^en ^eltanff^auung oetein' 
bar finb- Slet erfte fBanb non JRomaneS' 



^crt (410 SeUen, Seipaig 1885) ffi^rt ben 
Xitel: .2)ie gei^e iSntniidelung im X^ieneidi' 
unb ftellt bie ganje lange Stufenrei^e ber ptq* 
4if4en Sntmitfelung im X^ierreii^e pon ben 
einfa^^ Smpfinbungen unb Qn^intten ber 
meberflen Xliiere biS gu ben ooUtommenften 
Stf4einungen be9 Qcn)u$tfeinB unb ber ißei- 
nunft bei ben (dt^ftfte^nben Spieren im natüi* 
lii^en Sufammen^ang bar- <Si flnb barin ou^ 
oiele QRitlbcilungen auS Binterlaffenen Snamf 
ftripten .übet ben SnfHnft* DonSarniin mit- 
get^eilt, unb gugleii^ i9 eine .DaU^änbige 
Sammlung oon UUem, maä betfetbe auf bem @«- 
biete ber ^f^^obgie gef^rieben ^ot', gegeben- 
ster gmeite unb ber »ii^tigfte S^eil pon 
8iomaneS' äBerl bebonbelt ,bie geiftige Snt- 
raidelung beim 3Renftt|en unb ben Utfptung 
btr menfi^lii^en SefA^igung* (430 Seiten, Seip- 
jifl 1893). 2)er ftftarfflnnige ^f^^ologe fü^rt 
barin ben übergeugenben EBeraeiä, ,ba$ bie 
pfqt^ologifi^e S^ranle gmif^en tbier 
unb ÜÜenfi^ übemunben ift' (!); baS be> 
grifflici^e Renten unb ilbftrattionä' SetmBgen 
bee aRenfi^en bat fii% oQmd^liii auB ben nic^t 
begrifflichen Sorftufen beB 2)entenB unb So^ 
jt^enS bei ben nät^ilPemKinbten Sduget^iercn 
enlroictelt Sie bBi^flen ©eiReBt^ätigteiten beS 
SRenf^en, Slernunft, Spraye unb Se- 
niu^tfein, flnb auB ben nieberen Sot^fen 
berfelben in ber iReiiie bet ^rimalen-Stbuen 
{Slffen unb fialbaffen) fterootgegangen. 2)er 
SFtenfd) befit)t teine eingige .©eiftegt^ätigleit', 
meli^e iE)m augf(^lieg[i(^ eigent^Qmlii^ ift; fein 
gangeS ©eelenleben ift oon bemjenigeu ber 
nä^ftoerroanblen ©auget^iete nurbemQrabe, 
nid)t bet Slit nad^, nur quontitatip, ni^t 
quafitatin oerf^ieben. 

Sen fiefer meines 9ud)eB, irnff^ fld| für 
biefe ^oi^mif^ligen rSeelen-^tagen' interefHrt, 
permeife i^ auf baS gtunblegenbe SBert oon 
ülomaneS. 34 ftimme faß in allen 3ln> 
f^auungen unb Uebergeugungen Doüftünbia 
mit i^m unb mit 3) arm in überein; me dj 
etma fi^einbate Untetfdiiebe jmif^en biefen 
Slutoren unb graif^en meinen frfiberen 31uS> 
fü^rungen finben, ba berufen fte enlraeber auf 
einer unoollfommenen 3luSbtu(fB-Sorm meinef 
feitS ober auf einem unbebeutenben Unter- 
fi^iebe in ber SInnienbung ber @runbbegriffe. 
UebrigenS g^Srt cB ja gu ben t6ataEtctipifd)en 
anettraoten biefet ,8egriffB-SBiffenfd(oft', baS 
über ibre midjtigflen Srunbbegriffe bie ange- 
fe^enften ^dilofop&en gang verf^iebene 3n- 
fitsten ^aben- 

(9ta($f^rift- 91a^ bem Xobe Pon Sto- 
maneS etfi^ien eine angebliit Pon i^m per- 
fafite Stiitift: ,®ebanten übet SReligion'; fit 
roibetfpti^l ben ftüöeteu tbeilnicife |.— ¥(9*^ 
logifciie aRetamotp^ofe?? @- 41]). 



.,C(iogIe 



^11. BkbtnUi Stafittl €tufenl(itn bm €»Ie. 4 

Siebentes Kqjitcl. 

Stufenleiter 6er Seele. 

tnont{tt{d)e Stuften über oergIetä)en6e p[t}c^ologie. Die plq^ologtft^e Skala. 
p[iI(^opIasma unb ITerDenIqjteTn. Jn[tinftt rnib Dcmunft. 



bre fmbfinbungen. Sloto btt SBcmtgunflen, S!ala bei; gttftfjt. ginfai^e unb äuforamen- 

aeft^tc SUfbit. WefleEtgat unb £9(tDugt[ein. etaCa bei 3ioxfteUnn%m. Uxibtan^ii unb benugte Hiof 
^dunant. Sfala btS &tb&ä)tni^ii. Ünbcmufitel unb belDugtc£ ffieba^tni^. Sfjocion bet f&of 
Itenuitflen. 3nßinEt(. $iimi1te uno f^nbdic 3nßtn!te. €CaIa bei iSeinunft. Spiai^t. ßemüt^i' 
bttveeunaen unb Seibcnf^aften. WiKt. gfni^eit be« SOtUenS. 



Sie grofiartigen ^"i^f ditittt , nel^e bie 
$[qri^oIogie in bei graeiten töälfte beä 19. ^akx' 
[|unbett3 mit ^ülfe bei; (Sntmictelungäle^re go 
madit ^at, gipfeln in bn älnertennung bei 
;ifqi%ologifd)en@in^eitbcr oigantft^en 
3Bttt S)ie neigleii^enbe Seelenle^re, im Set- 
eine mit ber Cntogenie unb ^^qlogenie bei 
^qi^, iat unS gu bei Uebeigeugung ge- 
flirrt, ba| baS oigantfi^e Seben in aDen 91&- 
ftufungen, vom einfctd)ften, eingelltgen ^lotiften 
bte gum SRenfc^en hinauf, auS benfelben ele- 
mentalen 9iatuitiäften fiä; entrottfelt, au3 ben 
p^nftologifdien g^unttiontn bei Sntpfinbung 
unb Senegung' 3)te Hauptaufgabe bei roiffen- 
fc^aftli^en ^fiji^ologie niib baitn tfinftig nii^t, 
nie lit§Ser, bie üuäfdiliellitö fu&jelÜDe unb 
inttofpettioe^ergliebetung bet ^Si^ftentroiielten 
V4iIofopäen-@eele fein, fonbetn bie objettioe 
unb Mtgleit^enbe Untetfud)una bet langen 
Stufenleiter, auf twl^ei fl^ bet menfcfjlii^e 
@etft oOmä^Iit^ au3 etnei langen Steilie uon 
niebeten töierif^en S^Pänben entroirfelt ftat. 
Sie fd|6ne Sufgabe, bie einjelnen ©tufen tiefet 
pt^ologifd^en ©laln gu untetf<f|eiben unb i^ren 
ununtetbicdienen pS^Ioßcnetifc^en Sufammen- 
inng na^guroeifen, ift etft in ben le^iten S)e- 
cennien unfereS 3a&t^unbettä etnfitidi in Sn- 
gtiff genommen motben, cot Wtra in bem auS« 
geget^neten äBette oon tRomaneS (cetgl. 
S. iSy SEßit bcft^tftnlett unä 6i«t ouf bie 
hnje £9efpte<^ung einiget bei aügemeinften 
Stagen, meli^e unS bie Sttenntnig jenei Stufen- 
leitet Potlegt 

moterfene BafU 6er Pft)<()e. Me 
Sif^etnungen beS Seelenlebens obne StuS- 
nannte finb serfnüpft mit materiellen iSof 
pöngen in bet lebenbigen ©ubftang be§ ß&tpeiS, 
imVIaSmaobei ^tolopIaSma. SBit ^aben 
jmen 3^etl beS leiteten, bet alS ber unentbe^f 
lic^e Iiäaei bet ¥f»)<%e etfdieint, qIS ^fpi^o- 
tiaima begeid^net (als .Seelenfubftanj' im 
moniHifdien €inne), b. t). mit etbliden batin 
lein bef onbeteS „ÜBefen', fonbetn mit betta^ten 
bit$fq(^e aUfioIIeltiti-iSeQiiff f&ibie 
«efammten pfq^ift^en gunttionen beS 



?ßlü8ma. ,©eele' ifl in biefem Sinne ebenfo 
eine pö^fioloflif^e HbftTaltitin wie bet SBegiiff 
.©toffroe^fel' obet „3«Mflnng'. JSeim aJlen- 
fd)en unb ben feö^eren ^bieten ift baS ^fq^o- 
pIttSma, gufolfle bet oDtgeft^tittenen Slibeitä« 
t^eilung bet Dtflane unb ©eroebe,- ein biffe» 
tengirtet JBeftanbtöeit bes gictoenf^ftemä, boä 
SIeutoploäma bet ©anglienjeüen unb ifitet 
leitetiben äCuäläufet, bei SietDenfafetn- Sei 
ben niebeten Stielen bage^en, bie no^ leine 
flefonbetten Sleroen unb ©inneBotgane befiien, 
iit baS Vfqi^opIaBma no4 ni<i^t gut feÜift' 
ftänbtgen Sliffecengiiung gelangt, d^enfo raie 
bei ben 'JSPangen. £3ei ben eingeHigen ^totiflen 
enbli4 i^ boS $fqi$apla§ma entniebet ibentif4 
mit bem gangen lebenbigen ^totoplaSma 
bet einfa^en 3«lle »bet mit einem X^eile beS- 
feiten. 3« QÜen gäUen, ebenfo ouf tiefet 
niebet^en mie auf jenet l^öi^ßen Stufe bet 
pfi|i$o[ogifd)en Slala, iß eine geniffe c^ emtf^e 
3ufammenfet|une be3 ^fq^opIaSma unb eine 
gemiffe p^qfilalift^eiöefi^affenbeit beSfelben 
unentbe^tliiii, menn bie .Seele" fungiren obet 
atbeiten foll. 3>ai gilt ebenfo pon bet elemen* 
taten Seelent^ättgfeit ber plaSmatifi^en @nf 
pfinbung unb Ifieraegung bei ben ^totogoen 
roie oon ben gufammengefeftten ^unttionen bet 
Sinnegotgane unb bei @eEiim3 bei ben Palleten 
S^ieten unb an i&tet Spi^e bem fflenfi^en- 
Sie ältbeit beS $f^i^opIa§ma, bie mit .Seele* 
nennen, ip petS mit Sloffroeiifel netlnüpft 

SAala 6er (Empfinbutisen. SlUe leben* 
bigen OtganiSmen o^ne SluSnofime flnb em- 
pfinblidi; fie untetfdieiben bie S^f'^nbe bet 
umgebenben Stu^enmelt unb leagiren barauf 
butd) geniifte Seränbetungen in iftrem 3nnem. 
Sii^l unb aßütme, S^roetltaft unb ©lettticität, 
meiianift^e $toceff« unb ^emift^e Sotflänge 
in ber Umgebung roitlen oIä„£Reige' auf baä 
empfrnbU^e ^fqd^npIaSma unfc rufen Set- 
Anbetungen in feiner mofetuloren Snfammen- 
fe^ung ^etnor. 3tI3 äaupiftufen feiner (Sm* 
pfinblic^feit ober Sen^bilität unterfi^eiben 
mit folgenbe fßnf Stabe: 

I. ttuf ben unlerften Stufen ber Crgani- 



48 



Stttinilti ßaipUä. Ctuftnltiln tm Salt. 



vn. 



fation ift baS ganje ^fq^oplnftma als 
foli^ empfinblid) unb reagirt auf bie ritt' 
niiitenben Steige, fo &et ben niebeiften $rotiRen, 
bei cielen $flanjcn iinb tinmt XbtiU bei un> 
ooDIommeniteii tfiiett. H. 3(uf bei a^'t'ni 
Stufe beginnen |id) an bet Ober^^e beS 
ÄBrperä einfa^fte inbifferenteSinneSwett« 
jeuse gu enlRiiif ein , in ^orm von $Ia8ma' 
Ixiaren unb ^igmentfleden, aI3 SSoxIäufet oon 
Saftoiganen unb Stufen; fo bei einem Xbeile 
ber bi^^eTen tptotifCen, aber aut^ bei oielen 
niebeien Zfiinen unb $ffangen. Ur. 3luf ber 
bTitten Stufe baben fläl au3 btefen einfachen 
©runblagen burt^ 3)ifferen)irune fpe- 
cififibe ©inneSoigane entrottfelt, mit 
eigentbümli^ei iSnpaffung: bie ti^emifc^en 
^erlaeuge beS ®enid|3 unb @efi^ma(tS, bie 
p^qfllQltfi^en Organe beS SaftflnneS unb^S^atme* 
flnneä, be8 Oc^Brg unb ©eflcblS. »ie .fpeei. 
ftfc^e ©neraie' biefer bCberen ©enfltlen iR (eine 
utfpiüngli^e Sisenfi^aft beifelben, fonbent 
buic^ funftioneKe SInpafTune unb ptogiefftoe 
äJererbunfl ftufenmeife emotben. IT. auf ber 
vierten ©tufe tritt bie Senttalifation ober 
Integration be3 SlerDenf^ftemB unb 
bamtt jugleidi bieienige ber Smpflnbuns ein; 
buri^ äCffocion ber fiüberen ifoliiten aber lolali« 
flrten (Smpftnbungen entfielen Satftellungen, 
bie guTiä(^ft no(^ unbemu^t bleiben, fs bei 
Dielen nieberen unb [jB^eren Spieren- Y- Suf 
bet fünften ©tufe entmirfelt ft4 burtft Spiege- 
lung ber Sinpfinbuneen in einem Scntral- 
Sl^eile beS 91ercenf^ftent3 bie bfidjfte pfqi!|if(^e 
Munition, bie bemühte Smpfinbung; fo 
beim SRenf^en unb ben ^B^eien SBiibeltbieren, 
iva^rfi^einlicb aud) bei einem 2:^eile bet 
^Bbeten miibellofen Z^iere, befonberä bet 
©liebertbiere- 

Skala ber llen)esuns«t< 9IDe leben- 
bißen SHatuttSrper obne SIuBnabme finb fpon- 
lan beroeflÜ^. int ©egenfüfee ju ben ftorren 
unb unbeniegtii^en Slnorganen (ftr^ftaßen), b. 6- 
eSfinben im Eebenbigen ipfuc^oplaämafiafle- 
ajeränbenmgen ber St^eiEi^en au8 inneren Ur- 
fadjen ftatt, roeldie in beffen ^emif^er fton- 
ftitution felbft begrüntet flnb- Siefe altipen 
vitalen iSeroeeungen flnb jum Xbeif birelt burc^ 
^eribad)tiing wabrjunebmen, gum anbeten 
Xbeil aber nur inbirett aui ibren SBirlungen 
gu erfc^Iielien. SSiir unterff^eiben fünf ab« 
ftufungen berfelben. 

I. auf ber unterften ©tufe beS otganif^en 
Sebena, bei IS^iomaceen, vielen ^totopbtjten 
unb nieberen Snetapbgten, nehmen mir nut 
iene äSa(^Stbum3< ^eniegungen tvabr, meli^e 
aDen Organismen gemeinfam autommen. Sie- 
felben gefcbe^en gemb^nüc^ fo langfam, bafi 
man jie nii^t unmittelbar beobai^ten, fonbem 
nur inbtielt aui ibrem Sfefultate erfc^Iic^en 
Eann, aug bei Serilnberung in <Sr66e unb 



Seftalt beS ma^fenben Aeipeii. IL SOOt 
Vrotipen, namentli^ einjeQige Sllgen omS bt» 
®iuppen bei Siatomeen unb SeSmibtaceen, bc 
tvegen fl4 tnedjenb ober fdjmimmenb burdl 
©etretion fort, buti^ einfeitige SluSf^eibung 
einei fc^Ieimigen SAaffe. lEL anbete, im 
SBaffer f^mebenbe Organismen, ). ^- rnele 
Dtabiolatien, ©ipbvnop^oren, Stenopboren u- o-, 
fteigen auf unb niebet, inbem Pe ibr fpe- 
cififc^eS (Semi^t peiänbem, balb bui(!) OS- 
mofe, balb but4 Slbfonbeiung ober 9tuSfto|un0 
Don fiuft- IV, aSiele 5pf[anaen, befonbeiS bi« 
empflnblic^en ©innpfCangen (SDimofen) unb 
anbete ^apilicnaceen, fübien ^eroegungen von 
^Blättern ober anberen jtbeilen mittel^ Suf 
floi-3Sed|feIS auB, b. b- fle veriinbem bi< 
©pannung beS $iotopIaSma8 unb bamit aii4 
beffen aliud auf bie umfAIie^enbe ela^f^ 
SeHenwanb- V. 2iie roic^tißften von QUen or« 
ganif^n S8eiv«gungcn flnb bie Aontral* 
tionä'IStfrfieinungcn, b. b- ©eRaltS-SJcr' 
änbetunaen bet SBtpefObetflädie , nieldie mit 
gegenfeittgen fiage-Sierfäiebungen ibiei Xbeil* 
d|en veibunben flnb; fie vttEaufen ÜetS mit 
aroei Dtifi^iebenen 3uftänben ober ¥^ofen bet 
^eniegung: ber fiontrattion3'$bafe(3u< 
fammengie^ung) unb bei @;panfionB-^bafe 
OIuBbebnung> 31IS vier ceif^iebene Spönnen 
ber ^lÖBma'Jtontrattion roeiben unteifcbteben 
Yb: bie amiboiben IBemegungen (bei SibijO' 
poben, SBIutgellen, ^igmentjeKenu. f. mO; Yb: 
bie äbnliifien SpIaSmoftiamungen im 3n< 
nem oon obgefc^loffenen S^üen; Yc: bie 
Slimmerbeniegung (@ei|elbeivegung unb 
aBimpeiberoegung) bei SnfufDiien, Spermien, 
SIimmer'®pitbeI'3el!en, unb enbli^ Yd: bie 
in u Stelben» egung (bei ben meiften Jbieren). 

Sbala ber Reflexe (refteftotifi^e ©r- 
fdieinungen, Otefte^-^etuegungen l^ f. ip.). 3At 
elementare @eelenlE|ätigteit, meli^e buti^ bie 
Sßeiinflpfung von ©mpfinbung unb SSemegung 
entflebt, nennen mir (im roeiteften ©innel) 
JReftej ober lefleltive Sunition (teflet. 
tDiifi^e Seiftung), beffet SReflejfbat. Siie 
Senjegung — glei^oiel meltftei Slit — erf^eint 
^ier als bie unmittelbare i^olge beB tReigeS, 
meldjei bie Smpftnbung bervorgeiufen bat; 
man bat fie baber au^ im einfa^ften Saue 
(bei ^roti^en) lurg alB .Steiabenegung' 
bejeiibnet SHeS lebenbe ^lagma befi^t Steig* 
batleit Ottitabilität). 3ebe pbt)fllalif*e ober 
^emifi^e Setänbetung bet umgebenben Sinken« 
»elt tann unter Umftdnben auf baS ^fqi^O' 
plaBma aVi Steig niilen unb eine ißemegung 
^erooirufen ober .auSlBfen". ^TOit merbeit 
fpälet feben. tvie bei roiditige pb^fifalifc^e SSe- 
griff betÜuSlbfung bie einfaAften otganif^en 
Stefie^lbaten unmittelbai anfcblie^l an äbnlidie 
mei^anifcbe SeniegungS'aSorgdnge in bet an* 
;saniriiien 91atui (|. 9. bei bet SspIoHon con 



vn. 



€i(bmtei ßofiikt. Stufmirtt» b« Salt. 



49 



^uloer bur^ einen ^unfen, von Slqnamit buT^ 
einen @tog). SBit unterf^eiben in bet <S>talti 
bet 9)efle$e folgenbe fleben Stufen: 

L Auf ber unterpen Stufe bei Dtganifation, 
bei ben nieberften tpTOti^, IBfen bie Sleiie 
bcr9tuSenii)eIt(8ii4t,SBdtme,@IettricitILtu.F-n)0 
im inbi^eienten Viotoplaäma nui ieite un* 
cittBe^Ii^en inneren aSeraeQungen beg S)ai%3' 
t^umS unb StoffniK^felS aus, raeli^e aKen 
OrganiiBnten gemeinfain unb füt i^ Sr^altunQ 
onmUie^ili^ flnb. 2)aSfeIbe gilt auif) für bie 
meinen Vltanjen. 

n. Sei Dielen frei benesli^en $roti^n 
(IiefonberB S(m9ben, ^eliojoen tinb &beti|aupt 
ben IR^tjoiJObeu) rufen dufiete SReije an jeber 
Stelle ber na£en Oberflöi^e beS einjeUt^en 
ßöTpetä äußere tBetnegungen beSfelben ^eroor, 
bie ftc^ in ber ©eftaltäoeränberung, oft aui$ in 
ber DrtäöetdnBerune &uitm (amöboibe S&t- 
neflung, ¥feuboflobi«n>aiIbunß, SUnSftretfen unb 
Sinjie^m oon Sdieinfflft^en); biefc unbe- 
Vtmmten, reränberlic^en JJortfäfee beS ^laäma 
flnb nu^ feine beftdnbigen Organe. 3n gleic^ei 
SBeife äußert pd) bie aKgemeine otganifi^e 
Steisbarlett aiä inbifferentet SHefles au^ 
bei ben empfitibli^en .Sinnppanjen' unb ben 
nieberften OTelajoen; bei biefeu Diejenigen 
, Organismen Hntien bie JHeije con einet getle 
i iui anberen fottgeleitet »erben, ba aUe Bellen 
bui^ feine ätuSIdufer gufammenbitngen. 

m. Siele ^roltften, namentlii^ fia^ei ent' 
videfte ^lotojoen, fonbern an ibrem einienigen 
ftSiver Bereit! gnteieriei DtganeDe einfaiftftet 
Art; fentlble a^afl-Otgane unb mctotifi^e SSe- 
megungS'Ocgane; beibe ^eitjeuge ftnb birelte 
Qugere SottfäSe beS *^JtotopIa8ma; bet SReia, 
roeli^ei bie erjieren trifft, wirb unmittelbar 
bun^ baS ^fq^opIaSma b<8 einjeüigen ß6rperg 
tu ben leiteten fortgeleitet unb bnviitt beren 
3ufammengie^ung. ^efonbetS Hat ift biefe 
Srfc^einune gu beobai^ten unb auä) experi- 
mentell feftjuRetlen bei nieten feftHtenben Stn- 
fufnrien (3. S- Poteriodendron unter ben 
^logellaten, TorticeUa unter ien Siliaten)- 
Set f^iDä(!|fte iReij, meli^er bie fe^r empftnb' 
lieben ^limmer^aare (@eißeln aber 3Dimpern) 
am freien ®nbe ber QeDe trifft, beroivtt fofort 
eine ffontraltion eineS fabenf5rmigen SlieleS 
am anbeten feftgebEfleten ©nbe. Sllan begeit^net 
biefe Srfi^einung al3 .einfaifien iReflej' 
bogen'. 

17. !(n biefe SoTgdnge im eingeHigen 
OigantömuB ber 3nfufotien fdilielt fli^ un* 
mtttetboi ber intereffante Sne^aniSmuS ber 
9}euromu9teI-3eIlen an, ipeti^en mir im 
Didjdligcn Körper vieler nieberen Snetajeen 
ftaiben, befcnberS bei Sleffeltbieren (Vc>Iqpen, 
Soroifcn). 3ebe einjetne ,9Ieuromu3!et-3eIIe" 
I ift ein .einjeUlae» SReflej-Organ'; flc 
beult an ber Oberfldtfie i^reS fiOrperä einen | 



empflnblit^en S^eil, an bem enlgegengefe^ten 
inneren @nbe einen beniegli^en SDluefelfaben; 

ber lettere gie^t fidi jufammen, fobalb ber 
erftete geteijt niirb. 

V. S8ei anbeten 9Ie(Tettbieren, namentli* 
bei ben frei fdimimmenben Sfiebufen — nieli^e 
ben feftflitenben ^olqpen ndtftft permanbt flnb — , 
jerfäUt bie einfa^e ÜUeutomuälel -gelle 
in jmei oerf^iebene, ober burdi einen §aben 
nod) jufammen^ängenbe 3etlen, eine dußere 
SiuneSjelle (in ber Überbaut) unb eine 
innete EDtuSIelgelle (unter ber gaut); in 
biefem gneiielligen ERefle^'Ocgan ift bie 
elftere baiS Slementat-Drgan ber Srnpfinbung, 
bie le^tere baSjenige ber ^emegung; bie Ser* 
binbungSbrürfe be§ ^fij^oplaSma-SobenS leitet 
ben SHeij oon bet elfteren gut lefjteten binüber. 

VI. 2)et roiditigfte gottf^iitt in ber ftufen« 
roeifen MuSbilbung Be8 SRePeE-^let^aniiämuS ift 
bie Sonbetung pon btei Seilen; an bie Stelle 
bet eben genannten einfallen Sßerbinbungä« 
btüife tritt eine felbfiftänbiBe btitte Seße, bie 
Scelenjelle ober ©anglieniclle; bamit er. 
fc^eint gugleii^ eine neue pfq^ifi^e ^unftion, 
bie unberougte .Sßotitenung*, beren Si^ 
eben biefe centrale Stüe i% 2)er 9teij mirb 
oon ber empfinblit^en SinneSgeüe junäi^ft auf 
biefeDermittelnbeSorfteCiungS'SeQe ober Seelen* 
geQe äbertragen unb erft pon biefet all SSefel)! 
gut iöcmeguna an bie motorifie ÜJluglelgeUc 
abgegeben. Siefe .bteij elligen SReflet- 
Organe' flnb ftbetmiegenb bei bet gtolenSRe^r. 
jabl bei roiibetlofnt Spiere eutroldelt. 

VII. 9ln bie Stelle biefet ISinrii^tung tritt 
bei ben meiften SBir&eltbieren baS oiergellige 
^efle^otgan, inbem graifc^en bie fenflble 
SinneSgeQe unb bie motorifi^e iSluälelgelle nid)t 
eine, fonbern groet uerf^iebene Seelengellen 
eingefdialtet roetben. S)er äufiere EReig ratrb 
^et DOn ber Sinneägetle gunäi^ft centripetal 
auf bie SmpfinbungBjelle ilberitagen (bie 
fenllble SeelengeQe), con biefet auf bie 3B i 11 e n 3 • 
gelle (bie mototifäie SeelengeÜe) unb von biefer 
letiteten erft auf bie lontraltife aRuStelgelle. 
3nbemgablreidje foHe 9)ef[e]c>0rgane fi^ per- 
binben unb neue Seelengellen eingefi^altet 
roetben, entfielt bet lomplijitte SteRei'Snei^amS' 
muS beS ^enf^en unb betI|b6etensS)itbeItbiete. 

Sinfac^e un^ sufammenscie^tc Re< 
fiejtc. S>Et roiditige Unterfi^ieb, ben mit in 
morpbologifdiet unb pbqflologifr^er fiinfl^t 
jroifi^en ben einjeUigen Ötganiämen {Protiflt«ii) 
unb ben Bielgdltgen (Hiatonen) ma*en, gilt 
auc^ für beren elementare SeelentÖätigleit, für 
bie Meflertbot. Sei ben einjell'Ben Sro- 
tiften (ebenfo ben pta3mobomen Urpflanjen, 
Protoptyton, mie ben plaSmopfiagen Urtbieten, 
Protozoen) läuft bei gange pb^PIoIifcbe ^rocei 
beB SRePeieS innerhalb bcä ^totopIaSma einer 
eingieen Belle ab; bie ,3ellfeele' berfefben 



50 



Sirticnttt AnpittL €lufnibHn bn Betü. 



VIL 



eif<4eint noc^ aI3 eine eintieitlit^e Munition 
keS Vr^^ovIaStna, beten einjelne ^l^afen fid) 
eift mit ber Siffecenjicung befonbeter Cigane 
(iu fonbetn beginnen. @4on bei ben cOnobtonlen 
iptoHBtit, ben 3eU»ereinen (j- ffl. Volvox, 
Carcbesium], beginnt bie groeite Stufe ber 
Seeleitt^iitigfeit, bie gurammengerttste fRe* 
riejl^t. ^it gablrei^en fociden 3eSen, 
itieli^e btefe SeHoereine ober Coenobien gu* 
fammenfetten, fte^en immer in meftr ober 
lueniflet enger ffletbinbung, oft biie!t bunfi 
fabenförmifle ^laSmnbrüden. ®in SReig, n»el{öer 
eine ober tne^eic Seilen beS SJetbanBeS trifft, 
wiib butft bie SerbinbungS-Srücten ben übrigen 
mitget^eilt unb (ann alle )u gemeinfamer flon- 
troßion oeratilaffen- liefet 3"f<i™'"<"&''"8 
bellest andi in ben ®eroeben ber cieljelligen 
Spangen unb llbiete- ffiä&renb man früher 
irrt^ümlii!! annahm, bal bie ßeHen ber ^Ranjen- 
geraebe gaiiä ifoHrt neben einnnber flehen, finb 
ietit fibetoK feine ^laSmaföben na^gemicfen, 
rotl^e bie biden SeHmembranen Burdifetjen unb 
ibte lebenbigen ^taSmaiaipet in materiellem 
unb vfq^ologififiem ^ufainntenliang erlialten- 
©0 erflätt eis flii. baS bie Srfc^Qttening bet 
empflnbli<f|en aßurjel oon Mimoea, mel^e bet 
3:ritt beS äBanbererä auf ben SSobenoerurfa^t, 
fofott ben Sets auf olle gellen beS ^Ranjen- 
fto(feS übertragt unb ibre jarten SieberbWttet 
gum 3ufammen[egen, bie %IIatt|tiele gum &etab> 
Änlen oetanla^l' 

Seflect^ot und Bcnutttfcfn. @in tuicf)' 
tiget unb oOgemeinet ^atatter aller fRe^eS' 
^rfc^einungen ipbeiaRangel be§ SSetbugt' 
feinS- 3tu9 @rfinben, bie mir im je^nten 
ßapitel auSeinanberfe^en , nehmen mit ein 
roirilii^eS SSeniu^tfein nur beim Ütenft^en unb 
ben ^&beren Spieren an, bagegen nii^t bei ben 
^flanjen, ben ntebeten linieren unb ben EßiO' 
tiften; bemna^ finb bei biefen letiteien alle 
SHeig'SeweBungen al8 SReflefe auf- 
gufaHen, b. b- ttifo überbüupt alle Seroegungen, 
foroeit lie mrf|t fpontan unb buri^ innere Ur- 
fairen »eranlafit flnb (impuIflDe unb automatifc^e 
Seroegungen). EnberiS Derbölt e8 114 bei ben 
bQbeten Xbieten, bei benen ein centialititteB 
9tenienf^ftem unb voUIommene Sinnesorgane 
entraidelt finb. &ier bat fii^ auS ber pfq^ifcben 
StepeE'Xbätigteit aHmöbli^ baS Semu^lfein 
entmitfelt, unb nunmebi treten bie bemu^len 
fflmenB^anblungen in ©egenfa^ ju ben ba- 
neben no* fortbeftebenben Mepej-Sanblurtgen. 
aßit muffen aber bieti ebenfo mie bei ben Sit- 
ftinlten, jroei mefentlid) cerfi^iebene Srfi)ei- 
nungen trennen, bie primären unb bie fetun- 
baren fflefleje. $rimftre SBefleEe |lnb fott^e, 
bie pbt)tetif(% niemals beraubt geroefen flnb, 
alfn bie urfprungliibe Slatvx (buri^ SSeretbung 
»on nieberen SEbiet-Slbnen) beibebalten baben. 
@elunbäre Slefle^e bagegen finb foli^e, bie 



bei ben Süoieltetn bervufite äßilEenStianbIun0en| 
roaren, ober f^ater but4 ©enob^beit ober SIuB-i 
fall beS SteraullfeinB ju unbemu^ten gemoxbcR' 
|1nb. Sine fdgarfe ®renge ift biet — mie überall 
— gnifdien bemulten unb unbemutten Sceleif 
funttionen nitbt gu jieben. 

SRala ber DerfteUunflen rDokeB«ii). 
S{eltete ¥fqd|oIoaen (g.e. fierbarl) baben bie 
fSorftiDung' aUS baS feelifibe @runbpbänainett 
betradjtet, auS bem aUe übrigen abzuleiten feien- i 
!£)ie mobetne petgteii^enbe ^odiologie acceptirt 
biefe ^nfi^auung, fomeit e8 ft<4 um ben Segriff 
berunberoufiten äDorßeHung banbelt ; bagegen 
erblidt |le in ber bemühten SotfleQung eine 
[elunb&re 0tfd|einung beS Seelenlebend, mel^e 
bei ben IßHan^en unb ben niebeten 3^bieten no<4 
gang feblt unb nut bei ben bSb^ten ^bieten gut 
ätuSbilbung gelangt- Itntet ben g abheilen 
mibeifpredienben Definitionen, meli^e bie $fi)' 
diologen pom ©egtiffe ber ,SorfteUung' 
(Dokesis) gegeben baben, balten wir biejenige 
für bie groeimäligfle, roelt^e barin baS innere 
sSitb beä aufeeten ObjeReS erHitft, meli^eS 
burdi bie Srnpfinbung unä übctmittelt ift (,3bee' 
in geroiffem Sinne). Sffiir unterfc^eiben in ber 
auffteigenben Stufenleiter ber aUorfteHung!' 
Sunition bie folgenben üier Öauptfiufen: 

r. Sellutate Sotftellung. »uf ben 
nicberften Stufen begegnet unS bie SorfteÜung I 
als eine allgemeine pbijfiologif^e gfunition beS i 
$fi](f|oplaBma ; f^on bei ben einfac^flen ein* j 
geÜigen ^rotiften Mnnen Smpfinbungen biet« 
benbe ©puren im ^fut^oplaäma bintetlaffen, 
unb biefe Hnnen oom ©ebät^tnil reptobucitt 
roerben- SBei mebr aI8 oiertaufenb aiabiolatien- 
airten, mctt^e icb befdbrieben babe, ift lebe ein- 
gelne Specieg butt^ eine befonbete erbliche 
Slelettform auSgcgeitbnet. Slie $tobu!tion biefeS 
fpccififi^en, oftb&rfjft petroidelt gebauten SMettS 
but^ eine b3(^ft einfadi geftaltete (meift btgelige) 
Seile ift nut bonn etllätli^, wenn mir bem 
bauenben $IaSma bie ^äbigteit ber SBoifteÜuns 
gufi^teiben, unb groat bet befanbeten SRepro* 
buKion beS ,plafti[cben Sißang-SefübtB', nie 
id| in meinet $fqi$ologie bei tRabioIatien a^ 
geigt babe (1887, ©. 121). 

II. Siftonale ä^otftelfung. Sd)on bei 
ben ^bnobien ober S^Qoereinen ber gefeüigen 
$tol!ften, tioä) mebt aber in ben ©eroeben bei 
^flangen unb bet niebeten, netoentofen 5E%im 
(Spongien, ?ßoli)pen) begegnen roit bet giueittn 
Stufe 0er unbeipu&ten SBotHeDung, roeltbe auf 
bem gemeinfamen Seelenleben gablrei^et, eng 
oerbunbener S^Ken betubt. Sffienn einmolia« 
JHeige nic^t blo& eine ooröbergebenbe iRcÜci' 
beroegung eineB Otganeä {g. ©- eineS ^fTanjen- 
£81atteB, eineS !ßolgpen.9ltme§) auSIüfen, fonbetn 
einen b leiben ben Sinbtuct bintetlaffen, ber neu 
biefem fpätet fpontan teptobucirt roerben Imn, 
fo muffen mit gut @t(Iärung btefei Srf^etnung 



\n. 



ettbentcS AapUtL Shiftnlritn bei 6«Ie. 



51 



eine f^iftonal-SBorftellung atmeten, gefiunben 
an baS ^rqcbopIaSma bet affociirten demebc 

III.nnbeniu^te!S(ii;ffeIIunsbeTa)o 
Hen-Sellen. iiefe britte, ^a^ete ©tufe bet 
SorPeUuna ift bie ödufigpe Sorm biefer ©eeten- 
^attefeit im S^dierrnili fle eifc^eint als eint 
Sofnlifatuin beS SJorfleQenS auf befltnimte 
.Seetenjdlen'- 3m einfac^Üen ^alfe erf^eint 
Jit ba^ei bei bet iJteflejliat erft auf bet fecbften 
€tufe bei l£nln}i({eluns , toenn baS bieijellige 
SIeflef'OtQan gebilbet ift; bet @i^ bet Siof 
{bUting ift bann bie mitllete ©eelengeüe, niel<^e 
imifi^en bie fenllble ©inneSjelle unb bie moto- 
tif^e aKuäleljeCle eingef^altel ift. SRit bet 
fluffteiflenben gntroiifelung beS Eentialnetnen- 
fuRemä im I&ierteii^, leinet gunejmeiiben J)iffe' 
tengitung unb 3ntefltation etliebt |lc^ oucfi bie 
üuäbilbung biefet unbeiDu^ten SioiiieKungen 
|U immet löteten Stufen- 
IT. iSetouftte Sotftellung bet ®f 
ittnjelien. (Stft auf ben ^b^ften Gnfraide" 
biTiegftufen bet t^ierif^en Ctganifation ent- 
niidelt fid) bai 8etDufltfein als eine befonbete 
Munition eine! beftimmten Senttal'Organä beS 
iRemenfigftemS. Snbem bie SorfteHungen be« 
nuHe loetben. unb tnbem befonbeie ©e^itn- 
t^e fl^ jur Slffocion bei bemühten 33i>i- 
ftdlungen teiif) entfalten, niib bet jOtganiBmuS 
juienen düt^ften pf^t^if^en Munitionen fiefWgt, 
niel^e nii aI3 Senten unb Uebetlegen, alS 
Setftanb unb SJeinunft begei^nen- Obglei^ 
MtSbfte({ung bei pEiqletifi^en ©teiige gntif^en 
ben aiteien, unberouSteu unb ben iüngeien, be- 
äugten SoifteKungen liiäift fi^mieiig ift, tSntien 
m biM^ mit SSa^tf^einli^teit itnne^men, ba| 
bie leiteten auB ben etiteten 7Dli);]^qIetif(^ 
ent^nben flnb; benn mit finben beniu^teB unb 
HtniinftigeS 2}enten ni^ nut bei ben Ijäi^flen 
Simnen beS SQitbeltbiet • ©tammeB [SRenft^, 
Säuget^iete, ein Siieil bet niebeten Sette- 
braten), fonbetn auä> bei ben fia^ftentmirfellen 
Sctttetetn anbetet j^ieifiämme (SImeifen unb 
anbere 3nfellen, Spinnen unb Iib^eie fliebfe 
unter ben @Iiebett^ieien, (Sep^alopoben untet 
btn aBeidjtbieien). 

Sliala &es <5eb8^tnttf«c. (Sng oettnüpft 
wit bet ©tufmleilet in bei ©ntroiclelung bei 
cjwpdlunßen ift bieienige be8 ®ebäd)tnifTeä ; 
liiefe^iiift roicfitige Sunltion beS ^^Jfni^opIaBma 
~ bie JBebingung aUet fottft^ieitenben ©eelen< 
SnöBirferung — ift ia im aSefentlit^en ffle- 
viobuttion DonSoiflellunsen. 2)ie @in- 
oiftde im iSiopIoima, roeld^e bet Steig als @m- 
Vfinbung bemittt ^atte, unb nieldie bleibenb ju 
pDtftellungen gerootben niaten, netben butt^ 
Mi Oebödltni^ neu belebt; fle geben auB bem 
TMentiellen in ben aftuellenSuftanb äbei. 
Sie latente ,@vtnn(tafl' im $fqd|opIaBma sei' 
»wbelt fl4 in altioe .lebenbige Stoff, ffint- 



fptei^enb ben ciet Stufen bet SotfteQung fSnnen 
mit aui% beim (Debäi^tnifi oiet gauptflufen bet 
auffleigenben (Sntraidelung unleif treiben- 

I. ([elluIar<9e&a4tn{B. Si^on ooi 
bteigig lobten bot Snialb &ettng in einei 
gebanfenteiifien Ubbanblung .baS Sebäditnig 
als eine allgemeine S^nltion bei otganifitten 
<D[atetie' bejei^net unb bie bobe Sebeutung 
biefet Seelen Ibäti gleit ^etDotgebeben , .bet mii 
faft äilleS Detbanten, nai mir ^nb unb baben' 
{1870). 3* babe fpätet (1876) biefen ©ebaufen 
raeitet auBgefübtt unb in feinet ftui^tbaten 
Slnmenbung auf bie ^ntraittelungSIebte gu be- 
gtünben vetfudit, in meinet 3lbbanblung itbei 
,3)ie $etigene{iB bet ^laftibule obet bie ^eUen- 
geugung bei fiebenSlbeil^en; ein SBeifui^ gut 
medbanifcben Srfläning bet elemenlaien ©nt- 
roidelungB-SJotgflnge'. 34 ^<^^^ bort baS mUH» 
beraubte Olebä^tni^' aI3 eine aDgemeine. ba<ibfl 
roicbtige ^unltion aEet Ißlaftibule nat^ju- 
meifen gefugt, b. b- ienet bqpotbetif^en Snoleieln 
obet Snoielel • Oiuppen, rael^e oon Staegeli 
als Snicellen, oon Slnbeien alS S9iop(aften 
u. f. ni- begeii^net rootben finb. 9lui bieleben- 
bigen^laftibule, alB bie inbitibuelEen S^oEeMn 
beS ahicen IßlaSma, ftnb tepiobuttii) unb be* 
fi^en fomit ©ebd^tnig; baS ift bet fiaupt' 
untetfi^ieb bet oiganifi^en Slatut oon bet an< 
otganifcben. Stan (ann fagen: ,Sie ßtbli^' 
teit ift baS @ebd^tni_g bet ißlaftibule, 
hingegen bie SBaiiabtlitöt ift bie gfaffungStroft 
bei ^loftibule' (a. & 0. ®. 72). 2)aS eiementate 
Oebddbtnil bet eingeüigen ^totiften fct)t fl^ 
jufammen au3 bem moleluiaten ®ebäd)tui|i bei 
^laftibufe obet SKiceßen, au8 melden iftt leben- 
bigei SeHenleib fl^ aufbaut. Sfüt bie etftaun- 
lilien fieiftungen bei unberougten Oebö^tniffeS 
bei biefen einjetligen ^toliften ift mobl leine 
3:batfa(^e lebiteii^ei alS bie unenblit^ mannig> 
foltige unb legelmägige Silbung ibtet fompli« 
citten Sd)u$appatate, bet ©(boten unbSIelette; 
befonbetS bie Sialomeen unb ©oSmatieen untei 
ben ^totopbqten, bie JKabioIotien unb Xbala' 
mapboten untet ben ^lotogoen liefern baf&t 
eine SüQe oon inteteffanten ^eifpielen. 3n 
vielen taufenb Sttten biefet ißtotiften neteibl 
ft<^ bie fpeciflfcbe SIelettfotm teEatic {on« 
ftant unb begeugt bie iCteue ibteS unberougten 
ceButaten Sebdi^tniffeB. 

U. QlftonoI'OieME^tnift. @benfo intei< 
effanle ^emeife füt bie gn>eite ©tufe bet <St- 
inneiung, füt ba8 unbemugte @ebäi^tnig bei 
(Seniebc, liefeil bie äJetetbung bet eingelnen 
Dtgane unb ©eiuebe im Sötpet bet ¥R<iWit 
unb bet niebeten, neiDenlofen Ibiete (©pon« 
gien u. f. ra-). 3)iefe iraeite ©tufe etfcbeint 
als SReotobuItion bei ©iffonal-Sof 
ftellungen, ienei atfTocion oon Sellulat' 
SotfteUungen, bie f^on mit bei Stilbung oon 
&6nobien bei ben focialen ^.ßiotiften beginnb 



eititnitl AopUcL etutcnleitn bn Sttlt. 



VII. 



m. (BläUtn WtWt ift bie biitte Stufe, 
baS ,un&eniu|te ®ebäd)tni^* berjenigm 
Zilitxt, bie bereit» ein SleroertfqfUn btfttien, 
alt Stepiobuttion bei enlfpredimben ,unbc* 
iDußlen Sorftel^ngen' gu betraiiilen, meltfie in 
geisifTen ©anglieit'S^tn Qufeefpeii^ert ftnb. 
%)ei ben meiften niebenn Sfiieren iß tooEiI 
oHeB @ebäd)tnig unberau^t. ilber aud) ^etm 
SÜletifdien unb btn ^Obeieit Sbiei^ett, bmen toit 
Semuglfein jufi^ieiben mfifTen, ftnb bie tag' 
liiert S^unltionen beS unberaufiten @ebd(!bt' 
niffeS unglei^ (tAuftgei unb mannigfallisei 
als bielenigen beS beroufiten; baoon abeiaeugt 
uns leitet eine unbefangene Prüfung oon 
taufenb unbeniu^ten X^dtigfeiten, bie mit auS 
©eiuobnäeit, obne batan gu beulen, beim Olefien, 
@pie<^en, ©i^Teiben. Sffen u f> n>., tftgli^ 
noDaie^cn. 

17. 3)aB bemußte Oebä^tntfi, neldiee 
bui^ befummle @e^iingellen beim Snenfi^en 
unb ben b^^eien It^ieren neimittelt niib, er« 
fi^eint ba^et nur als eine fpät entftanbene 
.innere ©piegeIuna*iaISbieb&(4fie iBIül^e 
bertelben pfgi^ifi^en SoifteUungS » Steptobut' 
tionen, raeldie bei unfecen niebeien tbierif^en 
SBoifQ&reu fld) aI8 unberouH« Soigönge in 
ben @an0lien>3«ll«w abfpiellen. 

affocion der Dorltelluttgcn. SieSer- 
tettuug bei SJoiftellungen, meldte man ge- 
mäbnUcl} aU Slffociation bei: ;3been (obei lüijei 
SlITocion) begei^net, burt^Iäuft ebenfalls eine 
lange 6Iala von ben niebeiften biS ju ben 
^ö^fteu Stufen- Äuiii fie ift mieber urfprftng« 
lid) unb ganj übenoiegenb unbenjuftt (.Sn- 
fUntt'); nur bei ben b^beien S^bierllaffen toiib 
fie oCmäbli^ beraubt (.Semunfl*). Die 
pfq^iff^en ©tjeugniffe biefet .^fbeen-Slftocion' 
jlnb äugerft mannigfoltig ; Iro^bem aberfüEirt 
eine fe^i lange, ununteibroi^ene Stufenleitei 
alimä^Ii^er Sntraitfelung pon ben einfacbften 
unberou^ten Slffocionen bet niebecften Ißcotiften 
bis an ben coütommenflen bc»u|ten 3been- 
SÜetlettungen beS Äultutmenfi^en binauf- Sluift 
bießinbeit beS ißerau^feinS bei leiteten 
Kiitb aI3 baS bö^Re ffitgebnij berfetben erltött 
(Öume, Sonbillac). MeS böbere ©eelen* 
leben roitb um fe coDlommenet, je mebt jii^ 
bie normale Slffocion unenbli^ goblreiifiei: 3iov 
ftcßungen auSbebnt, unb ie naturgemäler bie« 
felbcn bur(% bie Ȁritil ber reinen SSetuunfl' 
georbnet nerben- 3m Xtaume, n>o biefe 
Kxitit fe^It, erfolgt oft Sie Stffpcion bei iepio> 
buciiten äJoifteUungen in ber tonfufeften S<3nn. 
aber au^ imSiftaffen bei bic^teriftften $ 6 a u- 
tafie, »eldbe burt^ mannigfalliae aJertettuug 
ooibanbener SSoifleUungen gana neue ©nippen 
betfelben ptobucirt, ebenfo in ben ßallucina- 
tionen u- f. n)> merben biefelben oft aani natur- 
nibrig georbnet unb erf^inen ba|ei bei 
nüi^tetner >Betrad|tung oolÜommen -unDe^ 



nanftis- Sana befonbetS gilt bteS von ben 
übeniataiIi4en,13efialtenbee@IaubenS%; 
bem Oeiflerfput beS @pititiSmu3 unb OIM«: 
tiSmuB unb ben ^buntaflebilbem ber traitf* ' 
ftenbenten bualiftifd^en ^bilofop^ie; aber gerobe 
biefe abnormen iSffocionen beS .Glau- 
bens* unb bei angeblidien .Offenbarung* 
toeiben oielfai^ alB bie meitönoUften ,®rt|IA- 
guter* tie3 SRenf<4en ^oÄgef^dftt {neigl. 
Aapitel 16). 

Snffinttc. Sie peialtete ^fq^ologie beS | 
SntttelalterS , bie aderbingS au4 beute nodl: 
piele SInbänger befit|t, betrai^tete baS Seelen- 
leben beS a7tenf<^en unb ber Zbieie als gilna* 
liiil uerfdjiebene grfdieinnngen ; (le leitete birö 
etfteie ton ber .SSetnunft', baS le|tere »oa 
bem ,3nflintt* ab. aiet tiabitioneUeR 
StfiepfungSgeMiillte entfprecbenb nabm man 
an, t>a^ jeber Sbiei-Üit bei ibier €(^epfung 
eine be^immte, unberoufite Seelen • ÖualitU 
pom @d)Öpfer eingepflangt fei, unb bafi biefet 
.9t a tuitrieb* (Inatiuctua) einer feben Speciea 
ebenfo unPeiAuberli^ fei roie beren I5rperlii^ : 
Oiganifalion. 9ia*bem fdjon aamatct(X809) 
bei SBegrünbung feiner SDefcenbenj ■ E^eorie 
biefen Sfrrtbum oIS unhaltbar eiroiefen, niuibe 
ei buit^ 2) arm in (1859) pcüftänbig raiberlegt; 
er bewies an bei 6anb feiner SeleltionS'jTbeone 
folgenbe mistige Sebifätte: I. 3>ie Stnfttnite 
bec SpecieS finb lnbit)ibueE oerf^ieben unb 
ebenfo bei Stbänbeiung bur^ Slnpaffung 
unteimorfen roie bie morpbologifi^en ÜReitmal« ' 
ber flflipeibilbung. II. Siefe SBoriotionen 
(großenteils bui^ neränberte @en)obnbeiten 
entftanben) nierben burcb Sererbung ^eil* 
nieife auf bie Sa^tommen übertragen unb im 
ßaufe btr ©enerationen gebäuft unb befeftigt. 
m. Siie Seleltiou (ebenfo bie Rlnftlicbe mie 
bie nalüititfte) trifft unter biefen erblidben 
abänberunßen ber ©eelent^ätigEeit eine auS- 
roabi, fte erbdtt bie gmecCmäMgften unb entfernt 
bie weniger paffenben ÜJIobtfifationen- IT- 2)ie 
baburd) bebingte Sineigenj beS pfqcfjifcben 
(EbaialteiS fubit fo im Saufe bei ®enerationS' 
folgen ebenfo jur ©ntftebung neuer Snftinite, ; 
roie bie 3)iDergengbeBmorp^olDgtfd|enG^aiaIteiä 
jut gntftebung neuer ©pecieS- 2)iefe SnflinR' : 
jlbeorie 3)arn)in'3 ift je^t uon ben meiften i 
iSiologen angenommen; Sobn iRomaneB ; 
bat biefclbe in feinem auSgegeit^neien ffierte < 
übel ,2)ie getftige Sntroidelung im Zl^tc 
mä)e' (1885) fo eingebenb bebanbclt unb f» 
mefentlii^ erweitert, ba| it^ bier lebiglii^ boronf 
oerroeifen tann. 3^ miU nur lurg bemerfea, 
baß nadi meiner SInftcbt Snftintte bei allen 
Organismen oortommen , bei fämmtllc^en 
$rotiften unb ^ftannen ebenfo roie bei fdmmt' 
li^en Xbieren unb 3nenf<^en; fie treten aba 
bei legieren um fo mebi guiüd, ie me^ ^4 
auf ibre Jtoflen bie Setnunft entroidelb 



■VII. 



eitbtntä RapitA. CtufcnUitR bn CttU. 



53 



913 gnei ^aupttlaffen flnfi unter ben utf 
ifi^ltsen Snßintt'Soimen bie primären unb 
fdunbdxen ju unterfi^eiDen; primdre ^n« 
Binlte ^itb bie aügeineinm niebeten Zritbe, 
atlä)t bem ^fqc^oplaSma von SSegitin be8 
organifc^ SebenS inntnolinten unb unbe- 
mugt nmien, vet Slllem bie triebe bet ©clbft' 
trIiaUuna (S^ufe unb (Entd^runa), unb bcr 
Sitn^altune (t^ortiillanjung unb Brutpflege). 
3jit]e beiben ®Tunt>titebe beS oreant[dien 
itbeni, junger unb Siebe, finb uifprüng- 
B4 überall unfiemu&t, ofine Snitroirtung be§ 
Serftanbea ober ber ffiemunft enlftanben; bei 
i56eren Sbieren finb |ie fpäter, niie beim 
3Renfi^en, @esenf[änbe beS SSeiDu^tfeinä qt- 
noibett. Umgeteärt oerliält e8 fl^ mit ben 
felunbdren Snftintten; biefe flnb ur> 
fpranQlid) bur4 intelligente Slnpaffung enl- 
ponben, buri^ oerlidnbigeS Tta^tienten unb 
ScttHeten, foraie jmetfmdgigeS BemugteB San* 
beln; allmä^li4 flnb fle fo gur ©eiDobn^eit ge- 
noTben, bat biefe .altera natura" unbemu^t 
mirll unb qu* bei ber Sßereibung ouf nie 
älai^tommen alB ,anaebaren* erft^eint- 3>ai 
urfpTünglic^ mit btefen befonberen 3nfttn!ten 
bec IiSberen Spiere unb beS SRenfc^en Der* 
tnüpfte aSenu^tfein unb Slai^benten tfl im 
Saufe bet 3eit ben ^laftibulen verloren ge* 
gangen (roie bei bet .abgetütjten Vererbung'). 
äMe unberouftten jiceifmäBigeii £ianblungen ber 
ftö^eren X^iere (j. S bie Äunfitriebe) erfi^einen 
je^ oIB anaeborne Snftinite. ®o ift au4 bie 
Snt^ung ber angebotenen .(Ettenntniffe 
a priori" beim SDlenfdien ju etlldren, met^ 
nrlprünQlic^ bei feinen 3)oreItern 
a posteriori R^ empiriftft entraiifelt Öatten. 

Sbala ^c« Oemunft. 3n jenen ober- 
na^liäfen. mit bem Seelenleben bet 3;btete 
unbefannten pf^diologifdien Setra^tunaen, 
meiere nut im 3Jleiifd|en eine .mo^re Seele' 
anerfennen, mirb aui^ i^m allein aI3 ^BdifteS 
®ut bie .Vernunft' unb baB »ewu^tfein 
iugefi^rieben. Hui^ biefet ttioiale Si^töurn 
(bet iibrigenä no^ beute in Dielen Sefirbüc^em 
Ipult) ifl buti^ bie uergleic^enbe 9ßtij(f|olDaie 
bet legten vierjig 3a^te grünblid) miberleat 
Sie ^S^eren Sirbeltbiere (cor SIDem bie bem 
fflenf^en ndi^flfteSenben ©äufletbiere) befielen 
eienfo gut Jßernunft wie bet SJlenf^ felbft, 
unb inner&alb ber I&iettei^e ift ebenfo eine 
lange Stufenleitet in ber oDmä^Ii^en (änt- 
»ittelung ber JBetnunft ju retfolgen wie inner» 
^Ib bet aKenf^en ■ ffleiSe. 2)et Unterf^ieb 
JtDifi^en bet Vernunft eineB ©oet^e, £ant, 
fijtmatd, S atmin unb betjentaen beB 
nieberfien 9talurmenfd|en, eintB SBebba, aifo, 
SufttalnegetB unb ^atagonierS, ift viel azi^ex 
Ali bie atabueQe SDifferenj gmifdien ber ^tv 
_ niuift biefer legieren unb ber «üemünftigflen' , 
' Sauget^tere, ber 3Renf4enaffen (Anthropomoi^ 



pha) unb felbft ber ^apftaffen (Papiomontha), 
bet 0unb« unb Slep^anten- aiu<4 eiefet 
roiijlige Saft ift burt^ atftnblii^e Ititif^e Ser- 
gleidiuna Don StomoneB u- 31. fibergeugenb 
bemiefen. SBir geSen ba&er ouf benfelben ^ier 
ni^t uA^er ein, ebenfo menig alB auf ben 
Unterfi^ieb jmift^en Setnunft (Ratio) unb 
Sßerftanb JntflUectiw); übet biefe ißegriffe 
unb i^re ©lenjen, mic übet viele anbete 
©tunbbcgtiffe bcr ^fg^ologie, geben bie an- 
aefel^enften iP^ilofop^en bie miberfptet^enbften 
Definitionen. 3m Maemeinen Tann man fügen, 
ba| bie Sd^igleit ber ©eatiffÄbilbuna, 
raeli^e Beiben @ebim'0^unftionen gemeinfam 
ift, beim Setftanbe ben engeren ftreil ber 
tonireten, ndfter liegenben Slffocionen umfa|it, 
bei bet Vernunft bafleaen ben raeiteren Sreiä bet 
abftraften, umfaffenbeten ai|TocionB"®tuppen. 
Stuf ber langen Stufenleiter, roelcöe von ben 
SReflejtbalen unb 3nftinlten ber niebeten Itiiere 
ju itx JBetnunft bet liöi^ften iEbiete binauffü^tt, 
gebt ber Serftanb ber le^teren voraus. äBi^tig 
ift für unfere allgemeine pfiti^olsaif^e 83e- 
trai^tung Dot älUem bie X^atfa^e, bafi aucb 
biefe fiöc^ftentmiifelten Seelent^dtigleiten ben 
©efegen ber SSeterbuna unb ainpaffung untet' 
liegen, ebenfo nie i^re Oraane; alB fol^e 
rSenloreane' flnb beim aJtenfi^en unb ben 
^B^eten Sduget^ieren bur<^ ^le^fig (1894) 
biejenigen Ifteile ber Oro&^itnrinbe naäige- 
roiefen , roeli^e gratf^n ben viet inneren 
SinneSl^etben lieaen (vetal- fiopitel 10 unb U). 
SpxtK^c 3}er ^öfiete @tab von Gut- 
midelung bet SSegtiffe, von SSerftanb unb Ver- 
nunft, melier ben Sltenfc^en fo bo^ über bie 
Slliete erbebt, ift eng verlnüpft mit ber 91u§' 
bilbung feiner Spradie. Über au4 biet, nie 
bort, ift eine lange Stufenleiter bet (Sntroidelung 
na^meiSbar, roeli^e ununterbtoi^en Don ben 
niebetften gu ben I)5c^ften ä^ilbungsnufen ^in- 
auffüf)tt. ©ptüi^e ift ebenfo raenig alB aJet- 
nunftein auBfc^Iiefilif^eB Sigent^um beSaJlen- 
f^en- 9)ielme^r ift Spta^e im meiteren Sinne 
ein B<nieinfamer Sotjug aKeibGbetenfocialen 
Siliere, minbeßenS aller @liebertbiete unb 
äBiibeltl^iere.meli^einOefellfi^aften unb beerben 
vereinigt leben; fle ift i^nen not^roenbig jut 
SSetftänbigung , gut SJtitt^etlung i^ter Ißor' 
fteDungen. IBiefe lann nun entwebet huid) 
SSerü^tuna obet bur^ Sei^ftengebung a^fAelien, 
obet but^ IBne, »elt^e beftimmte ^Begriffe be- 
gelegnen. Uad) ber ©efang ber Singnagel unb 
ber ftugenben SRenfiiienQffen (Hylobatee) ge^ 
Itbtt jur Sautfpracöe, ebenfo wie baB SBeHen 
ber öunbe unb baB aBie^ein ber ^ferbe; femer 
baB 3irpen ber OriHen unb ba8 ©efi^tei ber 
Sitaben- aiber nur Beim SDienf^cn Iiat ftd) 
ieneartüulirteaSegrifflfpraiieentnjidelt, 
TOeI<ftefeineSSetnunftau[oDielI|ö6erenfieiftunaen 
befdBial' 2)ie verglet^enbeSprat^- 



54 



eübtnttt RapütL etuftnlcitn bn ShU. 



VIT. 



forf^unB. eratberinteteftatttepniimlS.gttSt- 
^unbeit entilanbenm Siiffcnfi^aftni , W S^ 
Itkvt , nie bie jo^Iieit^en ^oi^entRiidelteii 
Sptat^en ber tierft^iebtneii %5Itei fli^ auS 
menigen (infamen Urfpcai^en [angfanx unb afl' 
mä^Iicg entnittttit ^ben (äBil^tlm 6um- 

o,_=ij„v.„, 1-. « BiSd|Iei<i&«rin3™a 

f<lie SntiDidelune bei 
it pbqloBenetif^cn ®e- 
cniße anbetet p^qUo* 
b i^ter Oraane. StO' 
1 Sta^metS iveiter auS* 
> batflet^ait, ba| aui^ 
)en nur bem ®iabe 
nti^t bem SQefen unb 
igen bei Ii5[|eten £^ieie 

Eisbetoegungnt obet 
@tut)pe snn Seelen. 
: unter bem SBeeriffe 
.ffen, fpielt eine gio^e 
loietif^en rate in bei 
ce. 3üt unfete SBe« 
g^ani befonberä roit^ttg, 
ufammen^anQ bet ©e* 
1 PÖ^flotoBifi^en Sunl- 
neStgilKgleit, anuStel- 

etnleud|let; bobuid) 
i SIBibernQtütli^e unb 
opW Oar, roelc^e bie 

von bei ^6^floloeie 
■llliei^en Heußerunflen 
^e n)ii 6eim !DJenfi$en 
;i ben ^B^eten 3^fiieten 
i 50lenfd)enaffen unb 
iitig fle au(^ entniicfelt 
i) oHe miebet auf bie 
nltionenber^fqtfte 
nbune unb ©eroegung, 
mg im fßefte; unb in 
'«biete bet Srnpfinbung 
3tt bag @efü^I oon 
[4e8 baS ®emüt^ be< 
jBrt auf bei anbeten 
: SSeraegung bie ent' 
unb übneigung 
Streben na^ @tlangen 
eiben bei llnluft. .^Kn- 
• erfiiieinert ^iet ju« 

beä SBilleng, iene3 
ementeS, meines ben 
xunS beftitnmt. a)ie 
eeinefo fltofie3tci[leim 
9nenfd|en fpielen, Unb 
,@emütb3ben)egungen' 
k biefe ben 3Jtenid)en 

ftnb, ^at iRomaneS 

flegeißt. Sluf bet tief- 
en 8e6en8 fcfinn flnben 



nti bei aOen ^totißen iene elementaren <St^ 
f&ble osn Suft unb Unluft, vnlAtt ft^ in i^ten 
fogenannten !£ropi9men augem, in bem 
Streben na^ Sic^t ober 3)unlel^tt, nadi 
i^dtme obet Solle, in bem uetfc^iebenen Ser> 
Iialten gegen pDftiue unb negatipe SIeltticitäL 
Stuf bet ^adiften Stufe beS @eeIenIe6enB ba< 
aegen treffen mir beim Äulturmenfi^en iene 
feinllen ®eftt6l8tBne unb üb^fungen »on Sitt. 
gütlen unb Slbfdieu, pon Siebe unb &a6, 
roel^e bie Sticbfebetn bet ffiulturgeft^itftte unb 
bie uueifc^Bpftidie ^unbQtube bei ^oeffe finb. 
Unb bo4 neibinbel eine jufammentangenbe 
fietle pon aDen benibaten UebeigangSÄufen 
iene primitipften UiguRänbe beS ©emilf^i im 
^fqi^opIaSma bet eingelligen ^lotiften mit 
liefen ^Ödiften ©nlroicfelungäformen bet gelben- 
f^aften beim EDlenfi^en, meli^e (14 in ben 
@angIienjeQen ber ©loftfiimtinbe abfpielen. 
^ai aai) biefe le^teren ben p^qlltalifc^en mc 
fetien abfolut untetroorfen flnb, 6at f^on bet 
gto6e Spinoja in feinet betüömten „Statu 
bet ©emütfiSberoegungen' bargetban. 

SAala t>e« tOtUetu. Sei Segtiff beS 
Sfflillenä untetliegt gleitft anbeten pfp^o- 
Ipgifi^en Orunbbegriffen (gleii* ben SBegrifTen ■ 
üon äotRellunfl, Seele, ®eift u. f. w.) ben mt- 
f^ieben^en Seutungen unb Definitionen. ©oEt | 
loitb bet SBiUe im roeiteften Sinne alB loa« 
malogift^eS Slttnbut bettai^tet: .bieSieit' 
aI3 iOiiae unb äJotfiellung' (Sc^open^auet), ' 
balb im engten Sinne ali ein ant^topo' 
togifc^eS atttibut, oI8 eine auSfcblie&Me 
Sigenf^üft beS 9Jlenfd)en; Ie|tete8 giltj.» 
fütSieScattcS, füt welchen bie Sö'ew "äen- 
lofe unb empRnbungSIofe SUtafi^inen flnb. Sm 
geroS^nlic^en Sprarf) gebraut^ raitb bei äBille 
von bet ^rf^einung bet mißlütli^en iSeroegunfl 
abgeleitet unb fomit als eine Seelent^Stigleit bei 
meiften I^ete bettoi^tet. äßenn mix ben 
aBiQen im fiii^te bet uetgleii^enben ^^qliologle 
unb @ntn)iilelung3gef^id)le untetfuc^en, |o 
lommen mit — ebcnfo roie bei ber ©mpfinbung 
— gut Uebei^cugung, bal er eine allgeineiiie 
®igenfii)aft beB lebenben ipfpc^opIaBma ifl- 
3)ie automatifi^en ©eroegungen foroo^I ali bie 
SReffejbenjegnngen, bie mir fi^on bei ben ein- 
geUigen $i(itiften allgemein beobaifiten, a- 
fdjeinen unB all bie B^olge von Strebungen, 
weEi^e mit bem SBegriffe beB SebenS felbft un- 
trennbar uerlnüpft finb. Stucti bei ben ^Ptmä')' 
unb ben nieberften Ifiieren erf feinen 'i' 
Strebungen ober SropiSmenatB baS@ef(iimnl' 
refultat ber Strebungen aller einseinen wi* 
einigten Sitten- 

Stft wenn baB .bteijeKige !Refle£0tflan' P4 
entmiJelt (S- 49), wenn groifi^en bie fenp&le 
SinneSgeQe unb bie motaiif^« SRuSIelgeDt bie 
felbft^änbige btitte SeKe eingef^altet wirb, bie , 
.Seelenaelle obet ©angliengeUe*, fBnnen nir 



■II. 



eiaimttS Aapilel. Shifcnlcltei bn Sutt. 



55 



iefe alB ein felbfiftdnbiaeä glemcniar-Otflon 
tS SBiKenä anertennen- 3)et Sßille bleibt ober 
iei, bei ben Riebeiren Xbieren, meiftenS noi^ 

benult- @ifl nenn fii^ &£■ ben gareren 
:&ieim baS SBewu^tfein enhoidelt, alB fub« 
Jrine ©piegelung bet o&jettioen inneren Sor- 
dnee im 9ieurop1a8ma bei ©eelenjeKen, et' 
ei4t ber SBttte jene Sö^fte ©tufe, roeldie ibn 
uaiitotiDbemmentt^Ii^en aDillen aleii^ftellt,unb 
ii ben man im aeroaimlii^enSpra^flebraui^ baS 
trUifot ber .Srei^eit' in Slnfpra^ ntraml. 
jtine freie entfattunfl unb SGJirlung erfi^eint 
m fo tmpofanter, ie melgi fidi mit bet freien 
:nb f^neüen Orlgberaegima baS Sllu3!elfqßetn 
nb bie ©inneSorflone entmirfeln unb in Änr- 
eTotion bamit bie S^enForeane beS ©e^irn@- 

mUIetufcet^eit. 3)a8 Problem von ber 
freifteit beS menfcfilic^en SBiUenS ift unter 
Sat äSeltiät^feln baSjenige, melc^eS ben benten' 
tn Snenfi^en non }eber am meiftcn beri^äfttgt 
ot, unb iioax hti^aXb , mal li^ Iiiet mit bem 
iiiben p6tlofop6ir<4en ^nterefTe bei ^rage ju« 
llei^ bie roitfitieften golgetunaen für bie pra!' 
ÜifK Vätlofop^ie nerlnüpfen, f&t bie Wloxal, 
ite ISijie^una, bie ERed)t3()fIege n- f vs. (S- £u 
SoiS'Steqmanb, mel^^er baSfeDäe alg baS 
^bente unb le^te unter feinen .flelben SBelt- 
rit^feln' be^anbelt, fagt bo^er von bem Problem 
>n SBilleRSfrei^eit mit 9led)t : ,3eben berüfiienb, 
r^einbctr Gebern jugänelidl I innig verfloifiten 
ntt ben ©lunbbebinsungen bn menfifiliifjett 
StfeDr^aft, auf ba9 tiefte eingreifenb in bte 
nligiOfen Uebeiieuaunsen, bat biete $rage in 
tin @eifteä' unb fiulturgefiliiibte eine iRoUe 
mm unermellii^r Sjii^tigfeit gefpielt, unb in 
ibrcrSei^anblungrviegeln^^bieSntraiifelungg« 
tobten beS Snenfdiengeiltea beutliifi ab. — SSiel* 
lei^t giebt eS teinen @egen^nb menf^IicEien 
31ad)benIenS, ilbei melden Idngere SRei^en nie 
meirt aufgefcblagener Folianten im ©taube ber 
Sibrtotbeten mobem." — ffiiefeSQSic^tigleit ber 
Siage tritt aud) barin Ilar gu Xage, ba^ Aant 
We Hebergeugung oon ber .SBillenSfreibeit' 
unmtttelbar neben biejenige uon ber ,nnflerb> 
li<6teit bet ©eele' unb neben ben .®Iauben 
on Sott' fteüte. ffir bejeic^nete biefe brei 
giofen ^gen aI9 bie biet unentbelirlidien 
■Voftulate ber praftif^en äternunft', 
nodibem er früher Ilar borgelegt ^atte, ba| bie 
fflealilät beifelben im fii^te bei reinen Ser- 
minft nii^t ju beroetfen ifll 

33a8 anettroiiibig^e in bem großartigen unb 
Wil(|l oemjonenen ©tteile aber bie SäSillenS- 
fnileit tft oieQet^t bie S^atfai^e, ba^ bieftlbe 
litgretifc^ ni^t nur oon ^ä^^ Iriti[(^en 
fiilofopben, fonbein aui^ non btn e|tremfien 
Oegentälen uerneint unb tro^bem von ben 



meifien aJlenftften al3 felbftterßanbli* no* 
Iieute beiadt tiiitb. öerooiragenbe Sedier ber 
dörifllii^en Ätrije, wie berffir*«nootetÄugu« 
ftin unb ber Reformator ©altiin, leugnen bie 
SiiiDenSfreideit ebenfo beftimmt roie bie be- 
lannteften fülltet beS reinen SmaterialiSrauä, 
roie &oIba4 im Vi. unb iS&^ner im 19. 
^ja^rEjunbett. 2lie i^rißlit^en Stieologen uef 
neinen fie, weil (le mit ifttem fe^en Olauben 
an bie Slüma^t @otte3 unb bie $rdbeflination 
unuereinbar ifl; QSott, ber StUmä^tige unb 
Slflroitfenbe, faf) unb ujottte 3IIIe3 oon ®roigteit 
oorauSi alfo beftimmte er aud) baS ganbeln 
ber ÜJienr^en. SBenn bet Slenf^ na^ freiem 
aBiQen Eianbelte,' anberS, alg eS ®ott oorauS* 
beftimmt 6atte, fo märe Sott nti^t atlmä^tig 
unb aDn)i(fenb geroefen. gtn bemfelben ©tnne 
mar aud^ aeibnijunbebingter ©etetminift. 
Sie montftifdien giQtutfotfrf)et bäS 18. 3ü6t' 
dunbertä, allen ooron Saplace, Dertl)eibigten 
ben SeterminiStnuS miebet auf @runb ibrer 
ein^itlii^en me^anifi^en SSeltaufd^auung. 

3}et gewaltige ßampf gtoifi^en ben Htttf 
mini|Ien unb Snbeteiminiften, jmifd^n 
ben @egnem unb ben Stnbüngem ber SSiÜenS- 
fiei^eit, tft Eieute, nai^ me^r als graei Sobr- 
taufenben, enbgültig gu @unßen ber eiferen 
entfc^teben. Set menf^ütfie SiDe ifl ebenfo 
Rientg frei aI3 bertenige bei I|SE|eien 3:biere, 
von meinem er fti!) nui bem ®rabe, ni^t bei 
Slrt naifi unteifc^eibet. EQJdbienb noi^ im 
18. Sa^r^unbeit ba8 alte 2)ogma oon bei 
!S!iIIen§fteibeit roefentlic^ mit allgemeinen, 
P^ilorocbifc^en unb ioSmoIogifi^ en ©lünben b^ 
^tten raurbe, (at ur9 bagegen baB 19- So^f 
bunbert gang anbete äBaffen gu beffen befini* 
tioet Sßibeilegung gefi^entt, bte geioaltigen 
Waffen, meli^e mir bem Slifenal ber oet' 
glei^enben Vbqfiotogie unb @nt> 
roidlelunflBgefii^teDetbanlen. ffiirn>tffen 
ie^t, bog Jeber äQiüenB > Uf t ebenfo buii^ bte 
JDrganifatton be§ moQenben ^ubtDibuumS tw 
ftimmt unb ebenfo oon ben jeroeiltgen S3e- 
bingungen ber umgebenben äußennielt ob« 
Mngig ift mit jebe anbete ©eelentliätigleit. 
Set Hboraltet beS ©trebenB ip »on oomfierein 
buti^ bie Setetbung uon Ettetn unb Set- 
eitern bebingt; bet @ntf4Iu| jum iebeSmaligen 
&anbeln nptrb burd) bie SlntJaffung an bte 
momentanen Umftänbe gegeben, mobei ba8 
pdtiPe anotto ben SluSf^Iag giebt, entfpre^enb 
ben Qlefetten, meiere bie ©tatil bet ©em&tbB* 
bemegungen beßimmen- Sie Ontogentele^rt 
unB bte inbioibueUe @ntniidelune beS SiQenB 
beim fiinbe Dctfteben, bie $Mlogenie aber 
bte ^porifi^e ^uSbilbung beS SÜQen} inner* 
^alb ber fßei^ unfetet Serlebiaten'!(6nen. 



.,C(iogIe 



ÜddUl AiMiUtt fltimriQrfd^id^lc b«t Bttlt. 



vin 



Heftes Kapitel. 

Keimesgefc^i^te der Seele. 

ntoniftif^e StuMen Über ontogenetif^e piij^ologte. (EntoiiAelung bes Seelenfelxni 
im inbiDJbuellen Ceben ber perfon. 

Snlialt: %ebnituit(| b« Otttoamic ffii bU SfDd^Ioait. SnttDUhluna bn ftinbt»'6edt. . 

bn e£i^ni btt fnbioibiullai 6«Ie. 6infii^c|it(tunq mt ShIc. SRiilGiIosle brt S«Ira>llTf)nRtnal 

m».«c»(— j. k.B «:..(_ ,nj[|,j„„.g_ SIttnnttan Soiganu b« bn Stfniqlung. Aobulatiiin b« ttnfc 

tnflnnltani €ainni»Si. SttCtnlitbe. Snnbung b« Smt bon Sltcnt anl 

oIoQij^t «alut all Sle^onil btB Stalmo, CKlniinifAunq (pf^c^Mt «ntibli 

iIosi[i$n VtaVilmuS. SuS fetogmtltf^t ®ninbfi(|t^ tn b« Vfb^QloQUi 

' ' Srnbr^onolc mtb tioftemn^onob 



qJhiDaolU. 



@ede ~ eleit^viel, nie 
&t — untetiteflt im Saufe 
CebenS einei: Retigen (SxiU 
ntogenelifi^e Ibot« 
i moniftif^e ^ffl^olDgie 
Sebeutung, ebmoitl bie 
bon ^aä)' Oti tl^lB nur 
: fBerfiif fii^ttflung f^enfen. 
Ue (SntnidelungSeefc^i^te 
i<f — unb na* ber jeSf 
i Uebeiaeugung bet Söio- 
^ii^tttäget für aße Untet- 
lifdie SSrper ifi', fo ibiib 
e tbi^tigFten @^einini|fe 
nS eri^ baS raa^rt Sid^t 

tfe ,ffeime3gefd)i4te ber 
irft n)id)tig unb intereffnnt 
; nur in fefir beft^räntlem 
X IBerftdllc^ttgung gefun' 
^er fa^ auSf^Iteglic^ bie 
t fii) mit einem S^^eile 
; bur4 i^ren prattifdien 
^en, bie KuSfiilbune ber 

fiinbe ju leiteti!unb gu 
e Qu^ tEieoretifd^eS Sntcr» 
ladileten pf^^ogenettfi^en 
nbeffen ßnnben biefe ^äba- 
fiber^aupt baifibet nad)- 
eugeit mie im Sllterläum 
tne bei Iienfjienben buo 

bagegen maren fle mit 
Qi^en ber uerglei<^enben 
tit ber Organifation unb 
3 meiftenS ni^l belannt. 
ifen ^|ie EÖeobat&lungen 
fitnber in fc^Ipfliditigem 
(mittelbar oct^erge^enben 

mei^fltbigen Sif^ei- 
bioibueüe $f^(^aBenie beS 

er^n SebenSjabi^en bar* 
: benlenben SItern fieubiß 

fafl niemals Segenilanb 



einge^nbei roiffenft^afllt^ Stubicn. 6lef 
bat erft 3StU(Iin $ieqer (18S1) Oa^n ge< 
bro^en, in feiner interefTanten @4rift über .St» 
©eele beS fiinbeS; iBeoba^tungen aber bi« 
geiflige ©ntmicJelung beä änenf^en in ben 
erften SebenBjafiren". 3nbeffen mülfen mit, 
um boQe ftlar^eit gu geminnen, no<^ weitet 
gurfl^eeben, bis auf bie etffe Snt^t^ung bet 
Seele im befrudjteten (Si 

SiHfte^uns ber inbiolftuenctt Seele 
3)er UrfiiruRg unb bit eifte (Sntftebung bei 
menftt|Ii(^en3nbibibuumS ~- ebenfo unferi 
flBrperS mie unfeier €eeU — galt no^ im 
anfange bei 19. gal^r^unbertä für ein oofl. 
lommeneS ®ef|eimni{i. SWerbingä ^atte bet 
groSe ©orpat Stiebtt* ffijolff Won 1759 
in feinet Theoria generatioiiiB ba3 maiixt 
:S!efen bei embryonalen Snlmidelung aufgc 
bellt unb an ber fixeren 6anb titttfdieT 8e- 
obadtung geieifit, baft t>ei bei Sntroidelung 
beS Äeimeä auB bem einfallen @i eine mobtt 
@pieenefiB, b. ii- eine iRtVtt ber mednüt- 
bigflen Keubilbunflä-lprocelTe ftaftfinbe. aUein 
bie bamalige ^^^floloQte, an ifirer @pt^e bet 
beiflbmte aibett fallet, lebnte biefe tn- 
pirifAen, unmittetbai milioftopiftft gu bp 
monfirirenben grlenntniffe lunbmeg ab unb 
^ielt an bem bergebraditen tiOQma bei embii]o< 
nalen$räformationfefl 9]ad] biefem nabn 
man an, baS im'menfttiliiben Si — ebenfo wie 
im @i aßer 3:^iere — ber OrganiBmuB mit 
allen feinen SEbeilen uorgebtlbet ober pröformiil 
fei; bie .Sntnidelung' be$ JfeimeS beftele 
eigentltd) nur in einer .SuBmidelung' (Erolutio) 
ber eingeroidelten Sbeile. SIS not^raenbiget 
Soleeft^luft bisfeB Stit^umB ergab flift barau» 
meiter^in bie oben ermähnte ßinfd^ai^telunet' 
Ibeorie (S. 27); ba im meibli^en @mbrqD h- 
reitB ber Sierftbd oor^anben märe, mu^te nut 
annehmen, baß in bcffen @iein wiebei f^on 
bie ßeime ber niti^ften ©eneration eingef4a<l)i(It 
borbanben feien, unb fo tveitei, in infinitunt 
3)iefetn Sognui ber >OvuUflen'',@4uIc0aiU 

t.ooylc 



vm. 



iX^teS AopUeL tttlmti%t]ä}i^U bn &tih. 



57 



gegenüber eine aitbere, ebenfo irrt^ümlii^e Sin* 
fidjt, bie beT,9lntmaIIuIiIlen'; blefe 0lau6' 
ten, ba^ bei eigentli^e ßetm ni^t in ber mcH' 
li^en Si^eUe bec SHultet, Tonbein in ber mann* 
Hi^en Spennoiiene beS SiaterS liege, unb ba6 
in biefem .©ament^ter^en' (Spermatozoon) 
bie Sinfc^aÄtelung ber @enetatiDn3-3ietIien ju 
füllen fei. 

Seibnig üb«ttrus biefe Sinff^ai^telungS' 

Ge^te gang folQ«nd|tig auc^ auf bie ntenft^- 

K^ Seele; ei leugnete für fle eine raa^te 

Sntwidelung (enigenefiS) ebenfo mit für ben 

Ältper unb fagte in feiner IS^obicee: .©d 

feUte i^ meinen, ba| bie Seelen, raeli^e einei 

ZageS menfc^Iic^e Seelen fein nierben, im 

@amen, loie iene von anberen ®;)ecie3, bage- 

nefen ^b ; baf fie in ben Sßoreltem bi3 auf 

Stulln, alfo feit bem Stnfang ber 3)inge, immer 

in ber^arm Dtganifivter fiörper ejiftirt baten.' 

Se^nliifie SJDifEeKungen erhielten fi^ forooll in 

i>n Siologie wie in ber ^I|iIofop^ie noc^ bid 

in baS britte Secennium beS 19- ^aiirbunberlS, 

m i^nen bie SReform ber ßeimeSfleft^ii^te bur^ 

8aer ben 2obeSftD6 Beifefete- 3m ®ebiete 

iti $fqd)DlDgie ^aben f!e aber felb^ biS auf 

len (leutigen Sag noc^ vielfai^ ISeltung; fle 

Bedm nur eine 0ru;ipc unter ben oielen fett' 

famtn, m^ftif^en SBorftelluiigen bar, niel^e bie 

Cnlogenie ber '^fij^e audi beute nodi aufroeift. 

ini)il}ol09ie bts Seelen •Uclprunj}*. 

Sie njiberen ^uff^lüffe, roelcbe mir buri^ bie 

mslet^enbe Stlnologie neuerbing^ übet bie 

mannißfolligen aif^tbenbilbungen ber älteren 

8iiltuT-SBI!er fomobl al8 ber heutigen IRtHux- 

SüBer geroonnen I)aben, flnb aui^ fflr bie 

¥fi)4oaenie con gw^em Sntereffe; inbeffen 

KÄibe e3 bier riel au weit fü6ren , roenn wir 

Mtmifeingeöen meßten; mir oermeifen barübet 

auf bai tieffliffte SDJert »on atbalbett ©do- 

6iibo: .©eftalten beS @Iauben§' (1897). 

Setielfä i^reä roiffenf^aftlit^en ober poetifdjen 

SelwIleS 15nnen bie betreffenben pf^i^O' 

Btiietif^en Snqtben etma folgenbermaien 

in fünf ©ruppen georbnet nierben: I- ÜTtqt^uS 

b" ©eelen-iffianberung: bie Seele lebte 

fcü^T im fiOrper eincä anberen XbiereS unb 

i^ etß toxi biefem in ben menfäilii^en ^Qrpei 

jteiflrtreten; bie äg^ptif^en ^riefter j. S8. be- 

nuflelen, ba| bie menfdiEi^e Seele na^ bem 

tobe beS fieibeS btircft atte löier-Sattungen 

Wnbur^ioonbere, na^ 8000 3abren aber mieber 

m einen aRenf^enleib jurödte^re. H. iPlfltbuS 

wteetlen-Sinpflangung: bie Seele efi* 

Bette ftlbftanbig on einem anbeten Orte, in einer 

p4ogenttifc^en Sorrat^tammer (etma in einer 

«t »tn Aeimf^laf ober latentem Seben); 

W nitb tion einem ißogel (biSroeilen al3 Sfbler, 

Booi^nlid] alS ,£IapperftoT4* gebad)!) gebolt 

^ in ben menf^U^ flSrper eingefelt. 

"L 3»5l^B ber Seelen-Sij|6pfung: bet 



gBttlidie Schöpfer, alä petfönli^et .©ctt« 
äiatei" gebaut, etf^afft bie Seelen, Wt fle 
Dorräfbig ~ balb in einem Seelentei^ (atö 
.^lanlton' lebenb), balb an einem Seelenbaum 
(als ^Tücftfe einer p^anerognmen Sftinje ge« 
bai^t); ber Sii|6pfer nimmt biefelben öerau8 
unb fe^t fte (mä^renb beS 3eugungS-imieä) 
bem menfÄtidien fteime ein. IV". StqtbuS bet 
Seelen'@inf4a(^telung (pon Seibnij, 
oorbei ermähnt). V. fOl^t^ui ber Seelen' 
X^eilung (oon ?luboIf SBagner, 1355, 
audi Don anberen ^^güologen angenommen); 
im S^ußunßä • Sitte fpaltet fit^ ein S^eil pon 
beiben (immaterieEen I) Seelen ab, bie ben 
Sörper ber beiben lopulirenben SItem be- 
mnbnen; ber mütletlii^e Seelenleim reitet auf 
ber (SigeUe, ber oüterlii^ auf bem bemegli^en 
SamentbiercEien; inbem biefe beiben ßeimjellen 
Perfi^meljen , raai^fen au^ bie beiben fle bt- 
gleitenben Seelen gur iBilbung einet neuen 
immateriellen Seele gufammen. 

p^qfiologle 6es SeeIen>Ui1t>nm0c 
Obmo^l bie angeführten Sii^tungen übet bie 
Sntfte^ung ber einzelnen EDlenfi^en'Seele ^eute 
nocb fefir meite Verbreitung unb itlnerlennung 
befiiien, i^ benno^ i^r rein mqtbologif^er 
SbaraRet iet(t fliiiet naÄgemiefen. 2)ie ^o4< 
intereffanlenunbbemunberungäraflrbigen Unter- 
fu^ungen, meiere im Saufe ber letiteii 28 gsobre 
übet bie feineren Sotgänge bei ber äöeftui^tuna 
unb fteimung bei SieB auSgefübrt roorbcn Pnb, 
boben ergeben, ba6 biefe mijftetiafen Srf^ei« 
nungen fämmtli^ in ba8 ©ebiet ber SeUei»' 
Sß^^ficlogie gehören (pergl. oben S- 24X So» 
raobi bie raeiblii^e Seim'Slnlage, baä Üi, alS 
bet männlii^e iSefrucE|tunggtbrper , baä ©pet« 
mium ober Samen-SIement, flnb einfädle 
3eIIen' Siefe lebenbigen 3^en befltjen eine 
Summe oon pöpflologif^en @igenf4aj?en, 
roelc&e mir unter bem S9egriff ber Sellfeele 
jufammenfaffen, ebenfo wie bei ben permanent 
eingeQigen Ißroti^en (uergl- ©• 24). iöeiberlei 
©efdilec^tägeUen befl^en baS SJermBgen bet 
©eroegung unb gmpfinbung. Die jugenblii^e 
gijeDe ober ba8 .Ut'Si' bewegt fic^ na^ Srt 
einer Ä m 5 b e; bie fe^t Keinen ©amenlötpet^en 
ober Spermien, von meldien EDliUionen in jebem 
Xtopfen beg fi^leimartigen, männlii^en ©amenS 
(Sperma) f1^ finben, |1nb ©ei^elgellen nnb be- 
wegen üi) mitteilt tE|ter f^wingenben ©eifiel 
ebenfo lebhaft f^wimraenb im Sperma um^et 
wie bie gerooftnlicben ®ei6el'3nfuforien 
(J'lagellftten). 

SEDenn nun bie beiberlei S^ff^n •" So^ße ber 
©egattungjufammentreffen, ober raenn fle burc^ 
tünftliifte £Befru(^tung ^- ^- ''«i Sifö)en) in 
Berübrung gebrad&t merben, gieben fte flc^ gegen- 
feitig an unb legen fitft feft an einanber. 2)ie 
Urfaifie biefet ceDularen Slttrattion ift eine 
^emif^e, bem ®etu<4e ober ®ef^ade oer- 



58 



«4trt UtOplttL Arintrtatfc^IdSto btr 6kI(. 



VIII. 



nanbte SinneS-X^dtigteit beS $IaBina, btt ntr 
al$ .eiotifi^en SfitmotiopiBinuS' be* 
jeU^en; man laitn fle auc^ gccabegu (foiDoIiI 
im Sinne bet S^emit als im Sinne ber sioman- 
£iebe) „3elIen-Sa^(DmDanbt|djaft' obn ,fe;u- 
eOe 3ellenliebe' nennen. Ba^Ireid^e @ei6et 
}ellen beS Sperma f^ivimmen auf bte ruhige 
Stjelle lebhaft ^in unb uerfudjen in beren 
fiärper eingubringen. Site fjeitmig (1875) 
aeaeiflt ^at, aeltngt eS aber nonnalet ffieife nur 
einem einjigen glüdlit^en Semetbeii baS et* 
feinte 3iel roiTllii^ ju eneii^n. Sobalb fid| 
biefeS benoTjugte .Sament^iexi^en* mit Idnem 
.Äopfe' (b. E|. bem 3eDenIem) in ben Beiß bet 
<SijdIe eingebo^tl bat, roiib oon ber @tjeDe eine 
bfinne Sc^Ieimfdiidjt abgefonbert, meldje baS 
einbringen anbetet mftnntii^ei Q^tn net- 
binbert 9Iut menn ^ettniig buidj niebete 
Sempetatut bie (SiaeHe in ^dlte-Statte pei' 
fet(te ober fie buxä) narlottf^e EHlittel (S^Ioio* 
fotm, Sltotp^ium. Slilotin) betäubte, untetblieb 
bie Silbung biefet St^u^büEIe; bann ttat 
.tleberfru<^tung ober ^olqfpetmie' ein, 
nnb ga^Ireii^e Samenf&ben bohrten fic^ in ben 
Seib bei benni^tlofen QtHt ein (Stni^rapogenie 
€■ 54). Siefe merlniütbige jtbatfac^e bezeugt 
ebenfo einen niebeten Stab con .cellulatem 
Snftintt' (ober minbeftenS oon fpeciRfc^er, 
flnnlitfiet, lebbafter Srnpfinbung) in ben beiberlei 
@ef^lec^tggellen itiie bie nii^tigen SJorgänge, 
bie gici^ barauf Ütt) in ibrem Innern abfpielen. 
Sie betbetlei QtUmleme, ber nieibliiiEie @ifem 
unb bet männlidie Speintafem, gteben Ri^ gegen' 
fettig an, näbern ftc^ unb Detf[^mel}en bei bet 
Setü^ntng DoHi'tdnbig mit einanber. So ift 
benn auS bet beftut^teten iSigeUe jene niii^tige 
neue BeQe entftanben, meiere mit Stamm« 
gelle (Gytula) nennen, nnb auS beren niiebet' 
6oIter Jtbeilung ber ganje »ieljellige DrganiB- 
muS (eraorge^t 

Sie pfi)4olDgifdien Sitenntniffe, niel^ fli$ 
aus biefen mer&DÜtbigen, etft in ben lefiten 28 
Sagten fi^et beoba(^teten SE^atfadien ber Bf 
frud)tung ergeben, fnb überaus mit^tig unb 
bisset niä|l entfernt in i^rer allgemeinen Ste- 
beutung gemilrbigt- SSit faffen bie mefent' 
lidlften Folgerungen in folgenben ffinf Sitten 
jufammen: I- 3ebee menfdili<i^e Snbiribuum 
1% mit iebeS anbete ^S^ere X4iet, im beginne 
feiner ffififtenj eine einfalle ^ete- n, 3)kU 
StamnijeQe (Cytula) entfielt überaU auf bie- 
felbe Steife, burd) ^erf^nteljung ober ^opu« 
lotton oon jniei getrennten Seüen cerf^iebenen 
UtfprungS, bet roeiblii^en (üjeUe (Ovulmn) 
unb bet männlidien SpetmajeKe (Spermium). 
m. aSeibe Sefc^Ie^tSaellen beflgen eine Der- 
f^bene wS<'^\eeU', b. it. beibe |lnb burc^ eine 
befonbere Sorm con (Sntpfinbung unb von 
aSeroeguna auSgegeiiftnet. IV. 3n bem SWo- 
mente bet »eftuitung ober Smpfängniß »et- 



f^mehen nit^t nut bie ^laSmalörper ber beiben 
@efi^le<i^tS}elien unb ibre fteme, fonbem aucb 

bi« .Seelen* betfelben; b. b- bie Spannträfte, 
toeli^e in beiben enthalten unb an bie Snaterie 
bei» VlaSina unttennbar gebunben finb, »et- 
einigen fliii gut EBilbung einet neuen Spann- 
Itoft, be8 .©eelenhimeS* ber neuaebilbeten 
StammaeHe. V. Saftet befiftt lebe ^ßerfon leib- 
lii^e unb geiftige ©iaenf^aften pon beiben 
Slletn; bineE) SJeretbung übetttägt ber Sern 
ber Sijelle einen Xbeil ber tnfitterlidien, ber 
Aem ber SpetmajeQe einen X^eil ber nätetli^en 
(gigenfi^Qften. 

2>urdi biefe empirif4 etlannten Stf<4ei' 
nunaen bet flonception loirb femer bie bB^ft 
nichtige Xbatfadbe feflgefEeUt, ba^ ieber iUlenf^ 
nie febeS anbere iTter einen beginn bet 
inbioibuellen S^Ütenj bot; bie oSQige 
Aopulation ber beiben fejueQen ^tZteuit be- 
jetdinet baarfdbarf ben Sugenblid, in rael^em 
nicftt nur ber ßbrper ber neuen Slammielle 
entftebt. fonbem aut^ ibre .Seele'. Sutt^ biefe 
Sftatfa^e aDein fi^on mirb ber alte SFf^tbuS 
von ber Unftetblit^teit bet Seele mibef 
legt, auf ben mir fp&ter jutüdtoinmcn. getnei 
rairb baburd) bet no^ febt petbteitete Slbef 
glaube roiberleat, bog ber Stenfdi feine inbioi* 
buelle @£iflena Der .Qtnabe beS Üebenben @otteS' 
verbanH. 2)ie Utfoifte berfetben betubt uiet 
mebt eingia unb aUein auf bem .€ro8' feinn 
beiben Altern, auf jenem mädiliaen, aQen viel* 
jeüigen Ibiercn unb ^flanjen gemeinfamen 
©ef^Iecbtätriebe , melier gu bereu aäcaattunn 
ffibtt 2?aS 3ßefentli^e bei biefem p^qflologif^en 
^rocelfe ■ ifl aber ni^t, mie man ftüftet an« 
nabm, bie .Umarmung' ober bie bamit nee 
Inüpften SiebeSfpiele, fonbem eingig unb oüeiit 
bie Sinffibrung beS männlichen Sperma in bie 
roeiblicben @ef(ible#3-i?anäle. 9tur baburtb 
roitb e8 bei ben lanbbcroobnenben JTbieren 
mBglii^, baß ber befm^tenbe Samen mit bei 
obgelSften ©igeUe gufammcnfommt (maä beim 
SfJlenfiien geroöbnli^ innerhalb be§ Ületuä fle- 
fi^iebt)- 18einieberen,mafferbeipobnenbenürbtereti 
(g. J8. ^if^en, gjlufi^eln, SWebufen) merben 
beibetlei reife ©ef^teditS-^tobulte einfaii in 
ba§ Sffiaffet entleert, unb biet bleibt ibt 3"' 
faramentteffen bem SuftW fiberloffen; bonn 
feblt eine eigentliffte SBegattung, unb bamit JU- 
aleii!) faßen iene gufammenaefeftten pf^i^ifien 
gfunttionen beä .äiebeSlebenS' binwea, bie bei 
bbbeten STbieten eine fo gtoße Molle fpieleH' 
Slaber fehlen aui$ ollen nieberen, ni^l FopU' 
lierenben ^bieten jene inteteffanten Crgaiift 
bie Darroin alS .fefunbäte Sesual-KbaraRew' 
begei^net bat, bie $robutte ber gefi^Iedilliiien 
3u*troabl: ber Satt beS SDlanneS, baäöemeift 
beS ©itfiiiea, boä ptai^lDoÜe ©eReber ber SoW 
bieSvägel unb nielet äübnet»a)6gel, fomie viele 
anbete ÜluSgeiifinungen bet SRänndien, nel^ 



vin. 



94tt3 AatiiUl. RtimHi/^^i^tt bet &ttU. 



59 



lxnSBeil)4enfe^(fn.(9;eigI.SSilfpeImSöif4e, 
Sie^eSlcbeit ber SÜatur, a «änbe, 1901.) 

X>ec«6un0 btat Seele. Unter btn an- 
gefahrten 9oIeeftillüftcn bet flonceptionS' 
$^i)fioIosic iß fni^ ^u Vfqi^olosie ganj &«• 
fonbetS niidEitigbie SeieTbung bei Seelen' 
Ou alitäten oon Reiben SIteTn. 3)aft 
jebeS £inb befonbeie tSigent^ümlt^feiten beS 
^atatterS, jEempeiament, %aitat, SinneS' 
f^äife, äSiII«nS>@netgie son betben SItem 
erbt, i^ aQgemetn betannt (Sbtnfo betannt tft 
bie X^atfai^e, bag oft (ober eigentlid) uUgemeinl) 
au* pf^^ifdie Sigenf^aften oon beiberlei ®ro6- 
eltexn buid) Vererbung ftbertragen nierben; (a, 
bflufie ftimmt in einzelnen aScjicbutigen ber 
aJlenfi^ mebr mit ben ©to^ellem al% mit ben 
@ftem überein. imb bafi gilt ebenfo von ßriftißen 
nne oon lörperlit^en Sigent&mlii^Idten. ÜUe 
bie meifmütbigen <Sefetie ber SSererbung, 
roeli^e i4 jueift (1866) in ber ©enereÜen 
anorp^olDgie foimuliert unb in ber Slatür» 
litten Sc^SpfunflSgefi^ii^ yopulär be^onbelt 
Eiobe, befielen ebenfo aOsemeine (Sültigleit für 
bie bcfonberen (Srfdi einungen ber @eetenl^ätig' 
lett nie ber fiörperbilbung ; la, fle treten unS 
^Aufig an ber erbeten itoi) oiet auffaSenber 
unb Warer entgegen, al8 an ber letiteren. 

SRun ift ja an ^äj baS grofee ®ebiet het 
Seier bung, für befTen ungeöeuete SBebeutung 
uns etH SJarroin (1859) baS «iffenfi^aftlii^e 
Sei^änbniEi eiÜfFnet ^at, zntb an bunlein 
ERät^eln unb pbi}ftologif(ben @^roierigleiten ; 
mir büifen tti^t beanfpnti^en , ba| unS fi^on 
ie^, nad) 40 Sauren, alle ©eiten beSfelben 
Ilar voi ^ugen liegen- aber fo otel l^aben 
iDtr bo(^ f(!|on fii^er spönnen, bafi mix bie 
Sererbung aI8 eine pb^fiologifi^e 
Munition beS OrganiSmug betrad|len, bie 
mit ber Sl^dtigleit feiner ^ottpRangung un« 
mittelbar verlnüvft ift; unb nie aQe anbeten 
SebenSt^ätigteiten raöfTen wir aui^ biefe f^Iieg- 
114 auf p^qfUoIifi^e unb c^etnifd^e !ßroceffe, 
auf Süei^anif beS $laSnia gurüctfü^ren. 
Shtn lennen nit aber ie|t ben ätorgang ber 
iSefrut^tung felbfl genau; mir niiffen, ba^ babei 
ebenfo bei @;iennatem bie odtetlidien, mte ber 
ISitern bie tnütteilii^en Sigenf^aften auf bie 
neugebilbete StarnntjeSe übertrögt Sie 3iev 
mifd^ung beiber S^Üinnt i^ boS eigentüdbe 
gauptmoment bei SSererbung; buicEi fle meiben 
ebenfo bie inbiuibueHen @tgen[c^aften ber Seele 
nie beS SeibeS auf baS neugebilbete Snbioibuunt 
übertragen, liefen ontogenetift^en X^atfa^en 
ftebt bie bualiftif^e unb nt^ftif^e $fq{^oIoeie 
bei nod) ^ute bercf^enben Spulen ratbloS 
gegenübei, wft^enb fle fti^ bui4 unfere 
moniftifi^e ^f^i^ogenie in einfaARer 93«tfe 
Dolltofflinen erHären. 

Seeletimflt^ung <p(tt*tf^c ütitp^b 
Senie). 2)ie p^qftologifc^e Stfatfai^e, auf 



mel^e e3 für bie lii^tige IQeurtgeilung ber 
inbiDibueUen ^fq^ogenie dpi Mem antommt, 
ift bie Kontinuität bei $fqä|e in b« 
®enerationi'9(eü|e. ®enn im AonceptionS* 
3Jlomenteaud|t6otfäi^li(^ ein neues Snbimbuura 
entße^t, fo ift baBfelbe bo^ roeber binRf^tlii^ 
feinei geiftigen noc^ leiblichen Dualität eine 
unabbängige dieubUbung, fonbein lebigiii^ ba3 
^obuft auB bei SBetfdjnielaung bet beiben 
eltetlit^en ^i^lown, ber müttetlii^cn Siselle 
unb bet oflterlii^en ©peimaaelle. 2)ie 3«l[f«elnt 
biefei beiben ©efi^letfttgjellen Derf(^meljen im 
Sefiu^tungS'Stlte ebenfo DoUltänbig »ur ißil' 
bung einer neuen ^^Hf'^I'- t>>'^ ^i' beiben 
3eUterne, neli^e bie materiellen Siöget biefer 
Vfqt^ifi^en €pannlräfte finb, gu einem neuen 
Seltrern fl(i ueibinben. 2)a wir nun feben, 
baß bie 3nbiaibuen einet unb betfelben Srt — 
ia fel&R bie ©efc^nii^u, bie oon einem eemein* 
famen ®itern.$aare abjlammen — fletS geroilTe, 
wenn aui) getingfügifle Unterfi^icbe aeigen, 
fo muffen mir annebmen, bog foldte auiii fii^on 
in bet 4emifd)en ^laSma-Äonfiitution ber 
(opulirenben fteimjeHen felbft ooibanben flnb 
(®efeti ber inbioibuetlen SSariation, 5tatürl. 
©^öpfungäflefiiiiAte, X. Auflage, ©. 215). 

^uä biefen Sbatfat^en allein fd)on läßt fl^ 
bie unenblic^e ünannigfalligteiC bet inbioibueHen 
©eclen- unb Sorm-Srfdieinungen in bet otgo» 
tiifi^en Statut begreifen. 3n eEtreraei, abet 
einfeitiget ftonfequen} eigiebt fl4 barauS bie 
äCuffaffung Don iSieiSmann, roel<Aer bie 
aimp^imi^iS, bieSnifi^ung beS fieimplaSma 
bei bet gefc^leditlii^en .geugung, fogar alS bie 
allgemeine unb auSf^lieglii^e Urfodbe ber 
inbioibuetten ajatiabilität bettafttet- Siiefe tf 
fluflne Suffaffunfl, bie mit feinet Ibeotie »on 
bet Äontinuitat beä fieimplaSma jufammen* 
bängl, ift na4 meinet anfliftt flbetttieben; 
vielm^ bolte id| an ber Uebeigeugung feft, 
bag bie mädjtigen ©efe^e ber prosiefftnen 
ätereibung unb bet bamil oethtüpften 
funttionetlen SInpaffung ebenfo für bie 
@eele nie für ben fieib gelten- 3)ie neuen 
(Eigenft^aften, mtliit ba9 Snbtoibuum raäbrenb 
feines fiebenS ermorben bat, tbnnen tbeitweife 
auf bie moletulate Sufammenfetiung beS ßeim* 
plnBma in bei SijeHe unb ©amenjeUe gutfli* 
Wirten unb lönnen fo buti^ SSeterbung unter 
gewiffen iöebingungen (natüilitö nur als latente 
Spannftäfte) auf bie nöf^fte ©enetalion über« 
tragen nierben- 

pftic^olosif^er SUeatlsmu». äBenn bei 
ber Seelen' Snif^ung im Kugenblitfe ber @m' 
pfängnife gunö^ft au4 nm tie ©pannliftfte 
bet beiben @ltem<@eelen mittelft Setf^melgung 
bet beiben etotiff^en QtUtiant etbü^ über« 
ttagen roetben, fo lann bamit bo4 gugleid^ 
bei etbli^e pf9(!|ifi^e €influ| älterer, oft weit 
jurüttliegenbei ®enerationen mit fortgep^nit 



9(^1(3 AotiitcL Arinulgtf^l^tt ia CttXt. 



VIII- 



iVRben. SJenn au^ bii ®e\tlse in latenten 
Seierbung übet beä attooiSmiiä (leiten 
etienfo füi bie ^Me roie für bie anatomifcEie 
Oiganifalion. Sie merhufirbiBcn ^ifd^einuneen 
bie(eS .!Hfi{tf<^Ias8' benignen unS in le^t 
einfädlet unb tebrreit^er Soim beim .SenttU' 
tionSnei^Fel* ber $Dlqpen unb SRebufen. 6ier 
niei^feln regelmfifeig jniei feSi »erft^iebme 
©eneiationen fo mit einanbet ob. ba| bie erjle 
ber britten, fünften u. f m- gleid) ifl. bageaen 
bie gttpeile {von fenen fe^t vec^ätitUnt) m 
»ierten, fe^flen u. f. n- (SRotarU ©d]&pfe8g. 
©. 185). ©eim Snenfi^en tcie bei ben Wöeren 
Spieren unb ^flanjen, reo in Qfolge lontinuit- 
lidier Sereibunfl febe ©eneration bet anbeten 
gleist fe^It fenei teguIA» @enetationSnie4feI; 
abet tiotbem fallen un8 aaät Htx tiielfat^ 
StFi^etnungen be3 fRQdf^lagS obet %tactS- 
muS auf, reelle auf baSfelb* ®efeg bet latenten 
SSetetbung iurüt(jufü6ten ftnb. 

@eiabe in feineren .gSgen beS Seelenleben), 
im !Öe|i^e be|}tmmter lünftletifi^er Xalente obet 
Steigungen, in bet @netgie bei ß^atotterS, in 
ber fieibenf^aft beS XetnveramenteS gleii^en 
oft (etDortagenbe iDIenf^en mebr iliten @tofi' 
eitern als ben Altern; nit^l feiten tritt audj 
ein auffälliget Sbatattetjug ^etoot, ben niber 
biefe noift jene befa^en, bet abet in einem 
aiteten ©liebe bet Sinnenreize cot langet Seit 
fiitt offenSatt 6alte. 9Iui4 in biefen met^ 
müibtgen ÜltasiSmcn gelten biefelben ä$ei' 
etbungSgefe^e für bie Vfqt^e mie für bie 
^Zgftognomie, für bie inbicibuelle Oualit&t 
ber ©inneSnrgane, ber ÜRuäteln, beS @IeIettS 
unb anbetet ßatpett^eile. Em auffäHig^en 
lönnen mir biefelben in regierenben Sl^naftien 
unb in alten 9lbeiS'@ef^le<^tern oerfolgen, 
beren ^etuortagenbe ST^ätigleit im Staatsleben 
juv genaueten ^iftoiif^en S)atrteIIung ber 
Snbioibuen in ber ©enetationS'fiette Sei> 
anlaffung gegeben 6fll. fo i- *■ bei ben fto^en- 
goQetn, do^nftoufen, Otatiietn, iBoutbonen 
u. f. ni., unb nii^t minber bei ben rSmifi^en 
6&faten- 

Das Bios'it'tfft^' «Srunftseia^ In der 
Pft)4olo0fe (1866). Set fiaufal'Sufani' 
men^ang bet biontififien (inbitiibueUen) 
unb ber p^nletif^en Aiftorift^en) ffint- 
roidelung, ben ii^ f^on in bet @enerellen 
SKotiilioIogie olä obeifteS ®efe$ an bie Spi^e 
aller biogenetif^en Unteifui^ungen gefteÜt 
batte, bejf^t ebenfo allgemeine ©eltung für bie 
^fqi^ologie nie für bie Sftorpbologie. 
2)ie befonbete fflebeutung, reelle baäfetbe in 
beifaen ffleäie&ungen für ben SBenf^en be- 
anfptui^t, 6afie id| (1874) im etften ißotttage 
meinet antferopogenie auSgefüfitt: „SaS ©tunb« 
gefel bet organifdien Sutrairfelung*. ^ie bei 
aDen anbeten DrganiSmen, fo ift aui^ beim 
aRenf(^en,bieÄeime8gef*idjte einauS« 



jug ber Stammeagefi^idjte'. Siefe ge* 
brflngte unb abgelütgte 9ie!apitulation ifi um 
fo DoDfEdnbiget, Je me^t butcb be^nbige Set* 
etbungbieurfprfingliiiieSluljugaentwiife- 
lung (Ptüingenesis) beibeiEialten roitb; ^in* 
gegen wiib fe um fo unonUftänbiger, fe mrfit 
bur4 toecfifelnbe Slnpaffung bie fpdtere @tB- 
rungSentieidelung (Cenogenesis) einge* 
fübtt retrb (ünfCrtopogenie @. 11, 19). 

Snbem n>ii biefeS Srunbgefet auf bie €nt> 
nidelungSgefc^iiflte bet Stele onreenben, muffen 
mit gang befonbeten 9Iac^btud batauf legen, 
bai ^el9 beibe ©eiten beSfelben ttittf4 im 
SCuge gu befallen Rnb. 3)enn beim Sllenfc^en 
mie bei allen !|Sberen 3:i|ieren unb fangen 
Iiaben im Saufe bei pb^Ietifdgen äati-aßinionen 
fo bettäc^tlidie ©tÜrungen obet (Senogenefen 
fli^ auSgebilbet, bal babur^ baS urfffrüngli^e, 
teine fflilb bet ^alingenefe ober be» .Se« 
fi^i^tä-auSjugeS' flarl getrübt unb oerdnbett 
erfc^eint. aÖa^tenb einctfeitS butcö bie (Sefeöe 
ber gleic^geitigen unb gleit^anlii^en SJererbung 
bie palingenetifi^e iReIa;iitulatian etbalten 
bleibt, niirb fle anbetetfeitä burc^ bie ©efe^e 
bet abgetürgten unb «ereinfa^ten ÜJereibung 
reefentüÄ cenogenetifd) oerÄnbett (9!at. 
©^apffläg. S. 190). 3unä^ft ift baS beutli* 
et!ennbar in ber ÄeimeSgef^irfite bet ©eelen- 
Oigane, bei 9teroen'©^ftem§, bet 9Jlu8leln unb 
©inneS-Oraane- 3n gang gleit^er SBeife gilt 
baSfelbe aber au^ DOn ber ©eelen-SIiiitigleit, 
bie unttennbat an bie normale StuSbilbung 
biefet Dtgane gebunben ift Sie fteimeägef(iii4le 
betreiben ifE beim STlenfdien, mie bei aOen 
anbeten lebenbig gebfirenben Rieten, ftfion 
beäöalb ftati cenogenetifd abgeflnbett, meil bie 
nolIe aiuSbilbung beS ÄeimeB &iet longere 3*'' 
innerhalb beS mütfetlicfien ftötperä ftattfinbet. 
3Sir muffen ba^et alS greei gauptperbben bn 
irtbiüibueHen SPf^iSogenie unterfdiiiben: I. bie 
embryonale unb H. bie poftembtqonale Snt- 
wicfelungSgefdii^te ber ©eete- 

Otnbxqonalc pft|^ogeti!e. S)er menfi* 
lii^e £eim ober SmBt^o ehtnjidelt fi^ normalei 
SBeife im SDluttetleibe mflötenb beS Beitraum« 
»on neun SHonaten (ober 370 Sagen), aßä^tenb 
biefe» S^tMumS ift et poHIommen Don bet 
atugenroelt abgefdilDfren unb ni<^t allein butd) 
bie bide SERuStelreanb beS mütterlichen gtudit- 
be^Qltetä (Uterus) gefc&üttt, fonbem au^ bui4 
bie befonbeten gtudltZüElen (EmbryoleroinenX 
meiere aOen btei ^ö^eten aBirbeltöier-Älaffen 
gemeinfam gulommen, ben iReptilien, Siiiitt 
unb ©äugd^ieren. iöei allen brei Mmnioten- 
Ätüffen entioirfelnlic^ biefe SrudiUüHenCÄmnioa 
obet ^affet^aut unb Serolamma obetfnBff 
©aut) genau in berfetten aßeife. ©8 flnb baä 
©4utt' Einrichtungen, reeli^e t?on ben ilteflen 
Reptilien {^roreptilien) , ben gemeinfütnen 
Stammformen allet Stmnioten, erft in bt 



vni. 



9[$t(B AntJittL Sttlmti^^i^U 



Verm-^eriobe (aegen Snbe btS paläcjoiTi^ni 
SeitalterS) enoorbni mürben, alS biffe ^Bbeien 
Sttrbelt^tere ftc^ an bal 6e^&nbige £anbleben 
unb bie Suftat^mung qaoHntta- S^te Dörfer' 
ge^enben ü^nert, bie ätmp^ibien ber SteintotiCen' 
^eriobe, lebten unb ot^meten noi$ im Raffet, 
icie i^re Alteten äiotfa^ien, bie Sifi^e- 

SSei biefen alteren unb mieten niaffer- 
beroodnenben ffiirbelt^ieren befafi bie Beimea- 
eer<4i4te no4 in otel ^fifieiem ®rabe ben 
oalingenetir^en SEmiafter, toie ei au^ noi^ 
bei Ben meiften ffifcöm unb Amphibien ber 
3egenniait ber ^all ift Xiit betannten Raul' 
qudppen, bte Samen ber Salamanbei unb 
SiSfdje, bemaören noi^ Eieute in ber erßen S^it 
äreS freien SßatTerlebenS ben ÄSrperbau ibrer 
Stf^-SC^nen; fle gleii^en i^nen auä) in bei 
SebenSraeife, in bei ftiemenat^ung, in ber 
^nttion t^rer €iitne3 • Organe unb i^rer 
anberen Seelen'Organe. @rft inenn bie inter- 
efTante SJletamorp^ofe ber f^iuimmenben Raul- 
quoppen eintritt, unb njenn fe fi4 an baS 
Sanbleben gemeinen, nemianbelt fti$ t^r fif^' 
ö^nlit^er BQiper in baS oierfü^ige, friecdenbe 
Ump^ibtum; an bie iSteQe bei Giemen '^t^mung 
im Saffer tritt bie auSfc^Iieglic^e Suflat^miing 
iüvS) Sungen, unb mit bei oerinberten SebenS* 
neife eilangt aud) ber Seelen-SIpparat, Sternen' 
fijBem unb ©inneB-Digane, einen ^b^ewn ®tab 
btt SuSbilbung. Sßenn mit bie ^f^i^oflenie 
ber Kaulquappen pon Slnfang bis ju @nbe 
ronftänbig üerfofgen (ännten, mürben mir baä 
bioaenefiHe ©runbgefett cielfat^ auf bie Snt« 
»inelunfl i^rer ©eele anroenben IBnnen. Senn 
fle entmiäeln fl^ unmittelbar unter ben raei^feln- 
ben Sebinguneen ber Slutenmelt unb muffen 
biefen frübgeitig ibie @mpftnbung unb ^e- 
luegune anpaffen- 2)ie fc^raimmenbe £aul' 
guappe befltt ni^t nur bie JDrganifatton, 
fonbem au^ bie SebenSraeife unb Seelen* 
tildtieletl beS S^ififieS unb erlangt eiR burd^ t^ie 
Setmanblung biejenige heB giof^eg- 

Seim SJJenf^en roie bei aDen anberen Slm« 
nioten ift ba8 nic^t bei gaU; i^r Embnio Ül 
f^on burift ben @infiftlu& in bie ft&ütenben 
Si^üUen bem bitelten ffiinf[u(fe bei ^u^enroelt 
9«nj entjogen unb ieber SBei^fetniirtung mit 
berfelben entroB^nl. SuSeibem aber bietet bie 
Sefonbere »rutpflege bei SlmninntBiete ifitem 
fieime piel gflnftigeie SBebingunßen für ceno- 
flenetifdie Ublüraüng ber palingenetifd^en Snt« 
ntictelunQ. äJor Slffem Qe^äit ba^in bie por- 
tteffli^e ®rnä6iung beS Äeimä; fle gefctlielt 
bei ben iReptilien, SBäBeln unb ÜJtonotremen 
(btneteileeenben@äuget{|ieien)bur<& bengro|en 



gelben 9tal 
geben ifl. 

gegen (Sei 
baS ^lut i 
gefa^c beB 
Äeimc gua« 
3ottentÖ 
mjtfige (S 
beBEDhittet 
ber SoII!i 
embrqo fd 
auSgebilbel 
rofibrenb t 
Aeimfi^I 
^reqei m 
verglichen I 
€<4Iaf fin 
iener 3nfe 
manblung I 
Sitegen, Ä. 

flftlof, TU 

bilbungen 
ge^en, um j 
äuftanb be 
ling ober S 
leben befl^ 
berjenigen 
^uppenf^: 
gefc^leditii 

Seelent^äti 
roä^renb j 
rate bei bei 
von @nln)i 
beifelien Ü 
aibfi^nitle 
geborenen 
feinB unb 
Seele beS 
$ubeitat (j 
3. bie ®eel 
bis }um Q 
$enobc bi 
raa^fenen : 
bei poQen 
beim Tita 
fei^jigften, 
SebenSja^i 
S. bie ©eele 
ber iRflctbi 
f^en bui^ 
ftufen bei 
Steife unb 
tebe anben 



^öbyGoOgle 



Sauitd AnpUiL 6taniiiulfltf414ti ba Cnb. 



neuntes Kapitel. 
Stammesgef^f^t« btv Seele. 

ntom{tl|i^ Stubien Aber pI)Qlogeneti{d)e Pfqi^ologie. CntipiAeluns 6es Seelen= 
lebens in ber t^ierlfd|en A^nen>Rei^e b«s nTen{d)en. 

3n&alt: 6tuf«iD(ifc bifbnlfd^ SntmltftluitQ ba Ka\dita.\tiU auf bn Z^lctftcte. aRd^bcn tm 

SitKoemni'Sttlt itit« 63tu)&ial> 

. Qic»ebf6ule (^ifto^fq<^). 3^ 

_-, ^, „...^ _ -.. , -- _,.__(ti. UoBpfI|Mlt tm eiptionoftbomi 

($ctfDnaI'®Kle unb StoxmaV^tü). IT. ncn>ntl«lt (Knitop |p4*) &ti qB^tn X^inm. S>m Se> 

füintitt)cil( i^ei StcInfilpparattB: einncioiflont, WulMn unb KnUcn. Z^pif^ StUbung bei 

«erbmccnttuinS in ben tvmicbtncn Xbln|Ummtit. Gnlttutaan bn aSitBcIt^inx: SRorico^ üb« 

aUebuIIimotir ((Be^tm unb «a<l(nmatl)- €t(I«i'0<f4U6tc bcr CauBct^icn. 

folfle, in niel^ei bie petfreinetten HebetteRe ber 
aJertefiraten'SlofTen nai^ dnanbei: in ben ¥«• 
lioben bn organil^en SrbQefc^it^te auftreten, 
offenbart unS tbeilnieife, juQleid) mit beien p^P' 
[etifdiem 3uf<itninen6anfl, auc^ bie ftufenroeife 
aiuebilbung i^rer @eelentbätig!eit' $reiU(^ fbü) 
mtc biei. nie überall bei p^qlogenetif^en Untef 
fudiungeii, jiir SSilbung gablreic^er öqpot^efen 
gegmungen, meli^e bie empftnbltifien Süden bet 
empirifc^en ®tamme§urlunben ausfüllen; abet 
bennod] raerfen bie lefiteren ein fo beUeS unb 
bebeutungänoUeS Sic^t auf bte nii^tigften iHu 
ftufungen bet flcfiftii^tli^sn ©ntwirfelung, baf 
mit eine befriebigenbe gintiiit in beren oU- 
gemeinen S}erlauf gerainnen Ibnnen. 

Qauptftufen btt p^qUtif^en p|i)<^ 
genfe. 3)ie oergleit^enbe ^U^oloqit beS 
3nenf(!|en unb ber bareren Xijiext lä^t unS 
gunä(!ift in ben ^Sdjften ©nipven bei vlaceif 
taten iBöuget^iere, bei ben ^errentHeren 
CPrimateB), bie nii<%tigen g^ortfdiritCe niennen, 
bur^ nelii^e bie SHenfi^en'iSeelc auS bei $fq4t 
ber Sidenf^en-Slffert {inthropomorplia) Öenl0^ 
gegangen tft- 3)ie iß^^Iogenie bei Sdugc 
liiere unb raeiteidin ber nieberen SSirbeltbiete 
geigt uni bie lange iHei^e ber diteren Soifo^ren 
ber '^ritnaten, raeli^e innerhalb biefeS ©tammeS 
feit ber ^ilur-Seit fl^ entraiifelt ^aben- Sitte 
biefe Seitebiaten Timmen ubeiein in ber 
©tiutlui unb Sntniidelung i^rel ^aiafterifti' 
fi^en Seelen-OrganS, be§ SRailro^ig. 3a^ 
biefeS ,3RebulIar-9to^r* fli^ aui einem borfalen 
atfrogangtion ober Si^eitel^irn roirbet 
lofet äorfa^ten ^erootgebilbet &at, lebrt uni 
bie »eiflleii^enbe änatomie bei Sßurmtöiere ober 
Süermalien. Leiter gurüdge^enb erf oliien oni 
bur<^ bie vergleidienbe Cntogenie, ba^ biefd 
einfache Seeletiorgan auS ber 3eIIenfd|id^t beS 
ituMi^en Keimblattes, au8 bem (Sttobecm vm 
$latobarien entftanben ift; beibiefen ätteftcn 
$latt entbieten, bie noäi tein gefotiberteS ^ietoetf 
®qftem belogen, »irtl bie äußere ^autbede ali 



Sie 3)efcenbenj'3^eorie in Serbinbung mit 

bet aint^ropolnaie ^at unä übeigeugt, ba6 unfer 

menfi^Ii^erCtganiSmuS ou8 einet longenSRei^e 

l^ietifi^er SSorfa^ren bui<4 aümä^lidge Um- 

bilbung im Saufe uieler So&r-aJIiUionen lang- 

[am unb ^fenraeife ft4 entraiAelt bot- £a mir 

nun baS Seelenleben beB SDlenfiiien oon feinen 

übrigen SebenStbäligleiten nic^t trennen tbnnen, 

»ielmebr }u ber Ueberjeugung von ber ein^eit- 

li(!ien Sntmittelung unfereS ganzen KSiperä 

unb I9eif)eS gelangt finb, fo ergiebt flät auä) 

für hJf mnhPHie moniftifcbe ißfu^ologie 

bie ^iftorifi^e Sntioidelung ber 

au8 Ber S^ierfeele jtufennjeife gu 

> Safung biefer älufgabe oerfuc^t 

nteggefdit^te ber Seele' ober bie 

bet ^-ßfqdje; man tann fte au4> 

t aQgemeinen Seelentunbe, mit 

!x p6i)IcBenetifdien ^ßf^d^o- 

im @egenfa^e jur biontifi^en 

— als p^nletifi^e $fi)i^O' 

inen. Obgleii^ biefe neue Riffen« 

im etnftiiä in Singriff genommen 

)ft i^re ©Eiftenj'fflereiStigung oon 

fas^'^f^c^ologen beftritten roitb, 

füi ^e benno^ bie oUer^bi^fte 

ib baS gragte Sntereffe in Sin* 

. SJenn na^ unferer feften lieber- 

X por Slllem berufen, unS baS 

t^fel* Dom SBefen unb ber Gnt- 

II Seele gu ISfett. 

1 6er p^qletflc^en Pftie^o« 

Kittel unb äUege, toeläit ju bem 

II, im giebel bet ^utuiift fütSßiele 

ennbaten ^iele ber pö^logene- 

^ologie liinfü^ren follen, ftnb 

n anberer ftamme8gefi4i(4tli(^er 

iii^t perfcbieben. 9Jor SlQem i^ 

pergletif)enbe älnatomie, $^qflD' 

agenie üon &ad)ftem fflJertfie. aber 

ontologie liefert un§ eine Slnjoftl 

Stfi^punlten; benn bie Steigen- 



IX. 



KninteS Stop\M. Ctammdseld^id^te bct €nIc 



63 



unberfalä @tnneS> unO SeeUnoOrgan. Siiic^ 
bie necgleidieitbe fieinieSgeri^ii^te überzeugen 
mix un^ enbltd), Da|i biefe einfai!|ften 3RetajDen 
tiuii^ @afttuIatton auS !8Ia^&aben ent- 
Ranben flnb, auS ßo^ltueeln, Deren SBanb 
eine einfalle SeUenfc^ii^t bilbete, baS 8IaftO' 
betm; jugleid) lernen mir ourc^ Dieselbe mit 
güEfe beS biogenetiMen ©runbgeHeS verfielen, 
nie btefe Vrotojioen-Sänobien urfprüneli^ tuS 
einfat^ften einjeQigeit Urtbieien gerODrgeQansen 
Pnb. 

3>ur(^üielntif'^e3)eutung0ieferijerfi^iebenen 
Keimbilbungen, beren @ntfte^ung auS einanber 
mi unmittelbar burc^ milroFfopifi^e ^eo&- 
at^tungDer^olgen tonnen, erhalten rotr mitlelft 
unfeteS biogenetifc^en QSntnbgefe^eä bie rcic^- 
liflften Stttfft^IüITe über bie ©auptftnfen in ber 
StammeSgerdiii^te un[ereä Seelenlebens: mir 
tBnnen beren gunäii^i't ai^tunterfi^eiben: 1- (Sin- 
jeUige $rotojoen mit einfai^er SdUeele: ^n* 
furorien; 2. meEjellige ^rotoaoen mit(£önii> 
bial'@eele: ^atallatten; 8. dltefte SDleta- 
loen mit Spitbelial-Seele: $Iatobarien; 
4. nrirbellofe Sinnen mit einfoiiiem ©djeitel- 
^irn; 9)eimalten; 5. ft^äbellofe SHSirbellÖiere 
miteinfailiemSinaTtrP^r.obneSe^irn: Sllra- 
nier; 6. ©i^äbeltfiiere mit QJe&irn {auä fünf 
6ini6larenent1ianben):ftrartioten; 7. Sauge- 
ll|im mit übermiegenb entroidelter ©ro^^irn- 
Tinbe: ^lacentalien; 8. datiere ffllenfi^en- 
äffen unb SJlenfc^en, mit Sentorganen (im 
^rincipal^im): aint^ropomorpben. Unter 
{liefen a<^t gQU])t^fen in ber ©tamme^efi^ic^te 
ber menfi^Iic^sn ^-Pfli^e [äffen fl(^ raeiter^in noii) 
eine angulil oon untergeorbneten ©ntmictelungS« 
ftufen mit met)t ober tneniger Alar^eit unter« 
f^etbm. Selbfioerflänbli^ finb mir aber bei 
beren nelonftniflion auf biejenigen lügenhaften 
äeagnilfe ber empirifi^en ^ßf^t^ologieanaemiefen, 
mel^e ung bie vergleic^enbe Hnatomie unb iß^q* 
BoloBie ber gegenmättigen gauna an bie 6anb 
fliebt. Sa bie @d]äbelt^iere ber fec^ften ©tufe, 
unb iwat e^te 9ifc&e, fi^ f^on im fHutift^en 
Softem Detfteinert ftnben, flnb mir ju ber Sin- 
iH^me gejaungen, bafe bie fünf onr&ergeöenben 
(ber Verfeinerung nic^t fähigen !} S(^nen'@tiifen 
84 fd|on in früherer, präftlurifcber ^^Ü 'ft> 
»Welt Iiaben- 

I. Die SeHfeele (Cqtopfi)^«); erfte 
gaupttlufe ber p^qlettf^en ^f^^o- 
Henefiä. Sie älteften ^orfatiren beg SHenfc^en, 
me aller übrigen jt^iere, tnaren einjellige Ür- 
lllitre (Protozoa). ®iefe ^unbamental-ÖApo« 
l^efe ber rationellen $t|qlagenie ergiebt fic^ nai^ 
tem biogenctifc^en @runbgefe^e aug ber be* 
tannten embrgoiogif^en Sl^atfai^e, baß jeber 
3Ilmf4, nie )ebe3 anbere imetajoon (febeS 
vielzellige ,@eniebet^ier*), im beginne feiner 
inbttiitiuenen (Sfiftenj eine einfa^e QtHe i% bie 
■Slammjelle* (Ojtnla) ober bie «befiu^tete 



StaeUe' (»ergl. @. 30). aSie biefe Untere fi^on 
oonünfang an ■t>efeelt* mar. fo au^ jene ent* 
fprei^enbe einhellige Stammform, meli^e 
in ber älteften iä^nen-9teiE)e be3 EIRenfc^en bui^ 
eine Kette oon oeifi^iebenen ^rotogoen sei' 
treten mar- 

Ueber bie @eelent^ätigteit biefer einhelligen 
Crgani§men untevri^tet unS bie Derglei^^nbe 
$[)i|fioIogie ber beute noä) lebenben ^rotiften; 
fomo^I genaue ftteoba^tung als flnnreii^eS €£• 
ueriment bafien unB ^ier in ber jroeiten ßötfte 
be3 19. 3a&rfiunberlS ein neueä ®ebiet doü 
llö^fl intereffttuter Srf^einungen eröffnet- Sie 
iefte SDarfteUung berfet&en ^at 1869 Slta^ SGer- 
raorn gegeben, in feinen gebanCenreic&en, auf 
eigene origineQe 9Jerfuc^e geflüt)ten ,$fq4o> 
Pbilfiologift^en SProtiften-Stubien*. 
9(ui^ bie nienigen älteren Beobachtungen über 
,bü§ ©eelenleben bet ^rotiften" flnb barin gu- 
fammengeftedt. SBetroorn gelongte juberfeften 
Uebeigeugung, ba| bei allen $rotiften bie vf^- 
c^ifc^en Vorgänge noi^ anberaumt flnb, baß 
bie SSorgänge bet (imjjfinbuna unb Semegung 
^ier noät mit ben moletulaten SebenSproceffen 
im ^-ßlaSma felbft gufammenfallen, unb baß itire 
leiten Urfac^en in ben ©igenf^aften bet 
^laSma-OToIelüIe (ber ^laftibule) ju fu^en 
Pnb. ,2)ie pfqi^tfc^ert Sotgänge im *4irotiften' 
teic^ flnb bofeer bie Stücte, mel^e bie t^emif^en 
Ißroceffe in ber unorganif^en SRatur mit bem 
©eelenleben ber ^fldjRen 26iere uerbinbet; fle 
repräfentiren ben fieim her ^ä(^ften pfgi^ifiiben 
Srfifieinunsen bei ben SRelagoen unb bem 
SDlenf^en.' 

Sie forgfältigen SSeobai^tungen unb itabl» 
reiif|en(£EPerimenteoon9Jermarnr im herein 
mit bcnjenigen ton SBiUelm @ngelmann, 
Sil^elm $ieqer, 9tti^arb &ertn)ig 
unb anberen neueren SBrotiften-fJorfiiiern, liefern 
bie fifinbigen Seroeife für meine moniflif^e 
.I&eoric bet ^ellfeele* (1866). ©eftü^t 
auf eigene langiäbrige Unterfuc^ungen oon 
cetfdjiebenen $totiften, befonbetB oon M^ijo- 
poben unb Snfufotien, fiatte i^ fifion oot 
S3 ^a^ren ben @ai aufgeteilt, baß febe lebenbige 
^eUe pfqd)ifi^e Sigenfi^af ten befl^t, unb baß aifo 
aud) baS Seelenleben ber oielgeUigen ST^iete 
unb ¥f(onjen ni^tS MnbereS ift alB baS die 
fultat bet pfqiiifiien Munitionen bet ibten 
fieib jufammenfe^ienben 3eQen- SJei ben niebeten 
@ruppen (}■ 99- ällgen unb Spongien) flnb alle 
-geUen beS fiSrperä gleichmäßig (ober mit ge- 
ringen Unterfi^ieben) baran bet^eiligt; in ben 
^oberen @ruppen bagegen, entfpre^nb ben ®e> 
fe^n ber SIrbeitStbeÜung. nur ein auSerlefenei 
Sbeil berfelben, bie .SeelenjeHen*. Sie be- 
beutungSooQenfionfequenjen biefer, ISeUuIat' 
$fqc^oIogie' ^atte iät tlieilS 1876 in meinet 
Scbrift übet bie .^ertgeneflS ber '.ßlabiftule* 
eröttett, tfieilS 1877 in meinet Sßfini^ener SRebe 



64 



91cunt(l Aofiittl- Stammclgcl^u^tc bei SttU. 



IX. 



rübtt bie heutige (SittmicIeEungSIt^Te im ^tx- 
faitnift jui SeTammtivifTenfdiaft'. Sine melit 
populdie SarfteUung bcrTelben entfallen meine 
beiben SBiener SSoitcAse (1378) .über UrFpiune 
unb @ntn)ideluna ber SinneSroerljeuee' unb 
.fibei 3'Q^^I^" ''"b Seelenjelteii'. 

!Sie einfache 3<lIfeeU jeigt übrisenB r4on 

innerhalb beS $ciiHflenreiii^B eine lange 9tei^e 

Don SntniitfelunBißufen , von ganj einfat^en, 

TTimiticen btB gu fe^i »olltommenen unb 6o^en 

@eelen>3"fänben- Sei ben älteflen unb ein- 

fat^ften ^rotiflen ift ba8 Vermögen bei ISm* 

pfinbung unb ^eraegung gleictimd^ig auf baS 

gange $[oBma beS Iiomogenen ftOipeiri^nS 

ocrt^eilt; bei ben ^eiteren gönnen bagegen 

iDoIogir^e Organe beifelben 

laeuge' ober Ocganelle- 

e SeUt^eile finb bie Vfeubo* 

poben , bie S^Ümmei^aare, 

pein bec iSufuforien- Vii 

al'Dtgan beS ^dltnlebmi 

'trautet, nieli^er ben ällefCen 

iften no^ fe^lt- Sn P^^fio- 

Biietiung ifl befonfaeriS ^ct« 

utfpiüngüiftllen unb ilteften 

bomen niaren, mil pflang' 

, alfo ^-ßiotopliqten ober 

inen entftanben erft Fetunbdr, 

bieeijlen^IaSmop^agen, 

ffneäifel, aI[o Vtotojoen 

liefet WetafitiSmuS, bie 

offnieijfels', bebeutefe einen 

ifctien ^ortfdjritt ; benn bo- 

itniidelung jener i^aratte' 

ber S^ierfeele, n)el(f|e ber 

fedlen. 

bilbung bei l^ieiiT^en Qeü' 
. ber fflaffe ber giltaten 
fuforien. SUennroit bie- 
tet^enben Seelent^ötigfeiten 
liiere Dergleichen, fo fifieint 
fd)et Unterfc&ieli ju befte&en; 
notorif^en Organelle jener 
baSfelbe ju letften roie bie 
itvtn unb SDhiSfeln biefer 
lat fogar in bem großen 
uoleua) ber Snfuforien ein 
X ©eelent^tigteit ecbltdt, 
injdligen Organismus eine 
t mit baS ©e^irn im Seelen- 
■C- Snbeffen ift feßc fi^roer 
: roeit biefe äJerglei^e be- 
geben barflber bie Stnfic^ten 
>fonen-fiennet niett auSein- 
faffen alle fpontonen Äörper- 
ben all automatififie ober 
ia-ajeroegungen alB Eftefteje 
tbiiden bartn tlieilmetfe mü- 
ic^e iSeroegungen. äBd^cenb 
Snfuforien beieitö ein ge* 



niffeS IBemufitfein, eine einheitliche 3(!^=%!or* 
fteQung gufi^reibtn, nitb btefe non ben ©rfteTen 
geleugnet ®Ieid]vieI, nie man biefe if&dfi 
Mntenge ^rage entfi^eiben miD, fo fte^t bodi 
fooiel feß, bafi unB biefe einjeQigen $rotojDen 
eine poi^entraitfelte 3<"feele jetgen, roelc^e 
für bie ri<6tige 8euit^eilung ber ^f^i^e uufecei 
älteren eingeUigen Sorfa^ren non ^öd}fletn 
Snlereffe ifl. 

n. Senaevefns* Seele ober SOnobiat 
^Jfijifte (Coenopayche); groeUe &ouptftufe 
ber pbQlettf^en ^f^^ogenefiS. 3)te 
inbtüibudIe6ntR)itIeluna beginnt beim anenfi^en 
fflie bei aßen anbeten oieljeKigen ;£^ieren mit 
ber roieber&oiten I^eitung einer einfa<^en Qdie- 
3)ie ©tammjelle (Cytüla) ober bie .befruc^' 
tete SijeOe* gerfäUt buri^ ben iSorgang bei ge* 
nStmlic^en inbiretten 3^Qtbeilung jun&di^ in 
gmei Xo^terjeÜen ; inbem tiefet SSorgang ftc^ 
niebei^olt, entfielen (bei ber ^Äqualen Si* 
furfftung'') na^ einonber 4, 8, 16, 32, 84 gleiche 
.Suit^ungSgellen ober Slaftomeren*. @eiti6bn' 
lid) (b. i). bei ber Smeötgafti bet ST&iere) tritt an 
bie Steffe biefet urfprüngliiJjen , gleitftmaltigen 
geCIt^eilung früher ober fpäter eine ungleii^- 
mäßige äSermelirung- SaB @tgebni$ ifl aber . 
in afien f^dUen baBfelbe: bie Silbung etne§ 
(meifl tugelfarmigen) ^aufenB ober iSaKeni 
Don inbi^erenten (uifprfingUi^ glei^artigen) 
^eOen- SJir nennen biefen^uftanb ben SHouI- 
beerfeim(Mortilfti ogl. Stnt^topogenie @- 57> 
®en)B^nIiii) fammelt fli^ bann im Innern biefel 
maulbeerfarmieen ^encn-SIggregateä Slüfftgteit 
an; eS cenoanbelf fl^ in Solge beffen in ein 
htgeligeB SläB^en; alle 3«llen treten an beffen 
Oberflä^e unb orbnen fii^ in eine etnfa^e 
ReQenr^if^t, bie Aeimbaut (Blaatodernut)- 
£ie fo entßanbene golillugel ift bei bt- 
beutungSooHeSuflaitb ber A e i mb I af e(Blestula 
ober Blastosphaera, Stnl^ropogenie @. 57). 

2)iepf9^ologif(^en5:^alfai^en,niei^e 
niti unmittelbar bei ber IBilbung bei Slaßuln 
beoba^ten tännen, ftnb l^eilS ^Beroegungen, 
t^eilä empflnbnngen biefeS SeDoereinB- ®ie 
Seroegungen jeifaüen in gwei Oiuppeni 
1. bie inneren Semegungen, wettiie überall in 
roefenlli^ gleii^ei 2Beife beim SÖorgange ber 
gen)b^nlii$en(inbireften;3(^t^eilnngfi4niiebet' 
!|oIen (SBilbung ber fiernfpinbcl, aRitofe, Si^ 
r^otinefe u. f- ni-); 2. bie öugeren IBeroegungen, 
roelt^e in ber gefe^md^gen &age>9)eianberune 
ber gefeHigen Qtitn unb üitei @iuppirung 
bei iSilbung beB SlaftobermS gu Xage treten. 
Sil faffen biefe aSeniegungen a!8 ^etebioe 
unb unbemufete auf, »eil fle übeiatt in gleift'' 
SHJeife bur(!& SJeteibung oon ben älteren ittnen" 
SReiJen bet ^totiften bebingt Pnb. Sie ©m; 
pfinbungen fBnnen ^enfaHS in Jtsei 
@tuppen unleif4ieben nierben: 1- bie ^«^ 
pfinbungen bei eingelnen 3^1^^ wtVfit 9^ i" 



fapütt Staintne3e(f(!^i(!(|te bn Snb. 



Ö5 



[ert 6eIIi|l> 
geeeit bie 

unb HieÜroeife bur^ SlnSmo-Sätüden in biwltet 
SetBinbung Be^ert); 2. bie eiii^eitliiie Sm- 
TÜnbung beS ganjm ßeHoeieinä ober ©Bno- 
biumS, nieli^ in bn: mbioibueUen ©eftaltuns 
bei aiaßula dB eo^Ituael'ju Xage tiitt 
(Snt^opooenie @- 491). 

SoS laufale Setftanbni^ bn Slaftula' 
Silbung liefert une baS Bioeetietif^e 
@runbgefe|, inbem el bie unmittelbar gu 
btobaditenben (Srfdieinunsen berfelben burdi 
bie SIeretbung ettlärt unb auf entfptedienbe 
^i^iifi^e SoTQ&nae gurüdfübit, mett^ fii) ur- 
fpt:anelt<% bei ber Srnfte^une bei Alteften ^lo- 
ti^n- (Sanobien, bet ^laftdaben, noOgogen 
ftaben (©qft. qj^^[. m, §§ 22-26). 2)ie pft^flo- 
logifi^ unb pfqdjoIoQifi^e Sin^^t in bieft 
mi^Hsen ^locefTe bei älteTten Bellcn'SlffO' 
cion aeniinneii ivii abei buri^ SeobaifitunB 
unb S^peiiment an btn beute no4 lebenben 
^Anobien. Solide befldnbige 3cIItieieine 
«bei 3eIl%0Tben (aui^ als geHtolonien, 3ell< 
gmeinben ober d^QI^Bttd^en bejeii^net) Unb 
njx^ Iieule fe^i oeibieilet, forao^l unter ben 
vlaSfflobomen nipflanjen (j. fß. $aulo> 
tomeen, Siatomeen, 8oli>0citien) oIB unter ben 
vlaantop^dSen QrtI|ierenOnfu[iirienunb 
Slbijopoben). 3n ollen biefen ßönobien lönnen 
nii bereits neben einanber jniei oeifi^iebene 
Stufen bet pfqdiifc&en üafigleit unlerfii|«ibert: 
1 bte Sel'feele bet einjelnen Seß'Snbioibuen 
(oB »Slementar-Orflamiäincn') unb n. bie 
SBnobialfeele beS gangen Qeüotxäni. 

HL <Benie&e> Seele dtiftopfit^e) ; 
btitte ßauptßufe bec pliqletifi^en 
$f^(i^DeenefiS. i8ei aOen oieliedigen unb 
gemebebißenben ^flanjen (ben Metaphyten 
ober ®en)ebe'¥flanjen) unb ebenfo bei ben 
niebei^, nemenlofen klaffen berlSeniebe- 
totere (iüetazoeu) baben mir jund^ft jnei 
nerfi^bene formen ber Seelent^Atigieit gu 
untetf {Reiben , nftntli^ A. bie ^fqi^e bei ein- 
idnen Qtlltn, meli^e bie ©emebe jufanimen' 
feien, unb B. bie ^fqi^e bet ©enebe felbfl 
über beS .^^^nftaateS', neli^et von biefen ge* 
bilbet roiib. Siefe @en)ebe'@eele ift übet' 
oB bie Ijb^ere vfq^ologifdie i^unttion, nei^e 
im jufammenaefet(ten oieläeUiflen OrganiSmuS 
nlieiniieitlitljeS^ion obet.pbqfiDlogif^eS 
Subioibunm", alS rairltit^en »S^Uenftaat' er- 
f^inenia&t.©ieBe%etrf^toIlebieeinaeInen.3e1' 
fcelen" bet focialen S^Qw- roeldje atä abhängige 
.StaatSbütget' ben ein^eittidien S^Henfiaat 
tonftituittn* Siefe funbamentale Suplicität 
Uv Vfq^e bei ben SHetap^^ten unb bei ben 
niebeien, nntKnlofen anetojoen ift feEji mistig ; 
fle Kiirb buidi uiüiefangene SSeobai^tung uitb 
paffenben 9}erfu4 untnittelbai bemiefen: eiftenS 

Qatitd, BtUiSmcl. 



beflfit lebe einzelne ^eHe übte eigene Sntpftnbung 
unb IBeraegung, unb iraeitenS geigt iebeS ©e- 
nebt unb iebeS Organ, baS auS einer ^l 
gleit^artiger 3*11«" fl"^' jufammenfe^t, feine be« 
fonbere !Rei}barIeit unb pf^if^e (Sin^eit (i- S9. 
^oUen unb Staubgefd^). 

m. A. Ofe pflonjetti Seele (P^tifo* 
pfU^fte) ift ffir uns bet Snbcgriff bei gc 
fantniten pf^^ifd)en Z^gtigfeit ber genebe- 
bilbenben, oielitlligen ^flangen (Meta- 
phyten, no4 S[u8fi^Iu6 ber einjeUigen Proto- 
phyten); He ifl ©egenfianb ber üerft^iebenften 
^eurtBeilung bi3 auf ben heutigen Sag ge* 
blieben- Si^Ber fanb man geraÖbnlicEi einen 
ßauptunterf^ieb gmifdjen ^ffanjen unb STIiieten 
barin. ba^ man ben legieren aUgemein eine 
.©eele' guft^rieb, ben erfteren bagegen ni^t 
SJnbeffen fß^tte unbefongene Sergleii^nng bet 
^eigbarfeit unb bet ajemegungen bei tief 
f^iebeiien ^oberen ^flangen unb nteberen 
Steten f^on im anfangt beS 19- 3abrbunbertB 
eingflne gorfifiet gu bet Uebetgeugung, tiafi 
beibe glei^md^ig befeelt t"n malten. Später 
traten namentlid) gei^net, Seitgeb u- U. 
lebbaft für bie Sinnabnu einer .^flangcn* 
©eele* ein. HiefereB aJerflilnbni6 betfelben 
mutbeerft erraoiben, na(^bemburd)bie3Kllcn' 
tbeorie(1838) bie gleii^e iSIementar-Sttuftui 
in ^fCangen unb X^ieren nai^geroiefen, unb Üe- 
fonberB feitbem buri^ bie VlaBma'Xbeorie 
oon ana; Si^ul^e (1859) baS gleidie 9}er» 
galten beB altioen, lebenbigen ^rotoplaima in 
beiben etlannt motben raat. ®ie neuere »er« 
glei^enbe ^b^ftologie (feit SO labten] geigte 
fobann, ba^ baS pB^üoIiigifclie äjet^alten gegen 
Detf^iebene «lige (Si^t, <SleItridtät, ^^drme, 
ScEiniere, EHeibung, i!iemifd)e @inflütfe u. f- a-) 
in ben .empfinblic^en* SBtpert&eilen tielei 
Sttangeji unb SBiete gang dlinlic^ 19, unb baß 
aui$ bie9iefIe£'3eroegungen,bie{ene!Reiie 
berDorrufen,gangä^nliiftenSerIaufBoben.S8enn 
man boBer biefeSliätiateiten bei niebeten, nemen« 
lofen ajietajDen (©^roämmen, ^olqpen) einet 
befonbeieu .Seele* gufi^rieb, fo roat mon bete^- 
ttgt, biefelbeau(^ bei nielen (ober eigentlidi aUen) 
ä^etapliq'^t angunebmen, minbeftenS bei ben felit 
.emp^nbti^en' Sinnpfiangen (Mimosa), ben 
gliegenfaHen (Dlonaea, Drosera] unb ben gal|l' 
reichen rantenbenßletter> unb S^lingp^angen. 

JlllerbingS ^at nun bie neuere ^^angen* 
^bqfloiogie oiele biefer ,9)etgbeniegungen* ober 
jtopiBmen rein p^iifllaüfd) erlldtl, bur* 
befonbeie 33erl|ältniffe beB Sar^StEiumS, buic^ 
SEur8Dt=©dönianIungen u. f. m. SlHein biefe 
meAaniftfeen Utfatf)en finb nid)t me^r unb 
niifttminbet pf^^opö^fif* alB bie dlinlii^en 
,MefIeE'J8eroegun9en' bei ©pongien, ^ot^en 
unb anbeten neroenlofen SOletagoen, fefbft menn 
bei MetfianiBmuS berfelben %ier nefentlit^ cer* 
f^ieben ift ®et S^ataltet bet Hiatopsvrlia 



66 



?}(imtol Staf'ütt StatnnuBgtFf^l^tt tm Scelt. 



IX. 



obet SenebcSttle gctgt flt^ in bciben 
SäSen elri^mA^e baiin, ba| bte Seilen tteS 
ÖemeBeS (beS gefelmAßig georbnetett 3^b<^' 
BanbeS) bie son einem 2^ile empfangenen 
neije fortleiten unb bobut^ Senwgunsen 
anbeiei ZfitÜt obei beS ganten CrganS ^etvoi» 
rufen- 3)iefe JRtijIeitung lann ^iet ebenfo 
als .Seelenl^ätioteit' {lejeit^net netben nie 
bie BotUammeneie Sontt berfelben bei 9Ien>en> 
toteren; |le erllAit fi4 anatomif^ babur^ ba^ 
bie focialen Si^üm beS ©eroebeS obei QiHotz' 
baitbeS nti^l (»i« man früher fllau6tej eetrennt 
an einanber liegen, fonbetn überaD bur«^ feine 
^loSmafaben obet SBrütfen jufammenbänoen. 
9Benn bie empflnblii^enSinnpflanien (Mimosen) 
bei bei äSerfi^iune obet <£cFd|fittening üitt auS' 
gebteitelen ^ieberblättc^en fdiliegen unb bie 
i^Iatt^iele ^erabfenlen, nxnn bte letgbare 
SlieeenfaHE fDionaea) bei bet ffletü^tnnfl ibret 
äiattei biefe tafc^ jufQmmenRoppt unb bie 
fliege fängt, fo eifi^eint bie Smpfinbung leb» 
baftei, bie Steigleitung ft^neaer unb bie %te- 
megung energifi^er aXi bie 9tefleE=!Rea!ticin beS 
gereiften Sabefi^roammeB unb »ielei anbeter 
©pongien. 

in. B. Dfe Seele neroenlofcr inetoa 
joen. SSon ganj befonbetem Snteieffe ffit bte 
oetgleicfeenbe ^fni^ologie tm Mgemeinen unb 
fat bie $^t)Ioaente ber Sfiierfeele im SSefonbeten 
ift bie ©eetent^ätigteit jenei nieberen üneta« 
goen. roelc^e imax ®tvotbt unb oft beieitS 
btffeiengitte Organe befl^en, aber nieber dttxom 
noi^ fpecififdie ©inneSorgane. 3)a^in gebüren 
oiei cerfi^iebene ®nippen non älteften Sdlen* 
teiien ober SBieberlbieten , nämli*: 1. bie 
©Qfttäaben, 2. bie ^lotobarien, 3. bie 
©pongten unb 4. bie fipbropolqpen, bie 
nieberßen Sotmen bet Steffeltfiiete. 

Die Saftraa&en o&et Uv&mmf^fece 
bitten iene tieine (Sruppe Bon nieberften SBlen- 
terien, mel^e alS bie gemeinrame Stammgruppe 
aUet SPletagoen »on bü^fter Sßii^tiglteit ift. Ser 
fiStper biefet Ileinen, fdjrotmmmben S^ietc^en 
ecf^eint alS ein fletneä (meift dfStmigeä) 
SläSAen, mtlätt eine einfaifie ^Bble mit einer 
iDeffnung enlbält (Urbarm unb Urmunb), Sie 
Sanb ber oerbauenbeu üSbfe nirb auS jinei 
einfallen ^eUenfi^i^ten ober @ptt^elien gebilbet, 
pon benen bte innere (2)armblatt) bie oegetaCen 
S^ötigteiten ber Srnäbrung, unb bte äufiere 
(&autblatt) bie animalen g^unhtonen ber 9e> 
megung unb Smpftnbung Permittelt- 2}ie gEeiifi' 
ottigen fenflblen S^Utn biefeä ©autfilatteä 
tragen jarte QSeißeln, lange glimmet^aare, 
beren ©^»ingungen bie iptUfürlic^e Scömimm« 
beroegung beniitten- 2)ie wenigen no^ lebenben 
Sormen ber @afträaben, bie @aßtemaxien 
(Triclioplaoiden) unb E^ematien (Ortho- 
nectiden), flnb beS^alb fo inteteffant, nieil fle 
aeillebenä ouf betfelben JBUbungSflufe fte^en 



bleiben, roel^e bie Seime aUer übrigen ^üw 
goen (pon bcn ©pongten bis gum ütenf^en 
i^inauf) im aSeginne i^tei AeimeS-SntmictelunB 
bur^Iaufen- SStte i^ in meiner ©aftrAa» 

Xbeoiie (1872) gegeigt ^abe, entftebt bei fAmmt* 
It^en @en)ebet^ieten gunäi^ft auS ber oorber 
betrai^teten IQIaftuIa (©■ 180) eine !iad)ft 
(baratteii^f^e Aeimform, bie @aßiula. Sie 
fieimbaut CBlastoderma), meiere bie äßanb bet 
£obIIugeI batfieQt, bilbet an einet Seite eine 
gtubenfBrmige äJertiefung, unb biefe mirb b<tlb 
gu einer fo tiefen Stnftülpung. ba^ ber innere 
So^ltaum bet üeimblafe oerfi^ntinbet. Sie 
eingeftfilpte (innere) ©difte ber Äeim^out legt 
fiit an bie äußere (nii^t eingeftftlple) $)&litt 
innen an; leitete bilbet baS Sautblatt obei 
dugeie Keimblatt (Ektoderm, EpibUat), erfteie 
bagegen baS £armblatl ober innere ffeim- 
blütt (Entoderm, Hypoblast). 3)er neu ent- 
ftanbene ©o()Iraura beS be^etförmigen fiÖrperS ■ 
ifl bie oerbauenbe OTagenöö^Ie, ber Urbatm 
(Progaster), (eine Deffnung ber Urmunb 
(Prostoma). SaS ^autblatt ober Sftoberm ift 
bei aQen SRetagoen baS urfprüngtidge .Seelen' 
organ*; benn au8 i^m entmideln fldi bei 
fSmmtlidien Ületoent^ieren ntd)t nur bie iUi^ert 
Sautbede unb bie Sinnesorgane, fonbent au* 
baä Slertjenfqftem- öei ben ©aflrdahen, nwldie 
lettteteS nocb nii^t befltien, fnb ade 3elletii 
neli^e bie einfa^e @pitbelf<^id|t beS SItobenn 
gufammenfe^en, gleii^mö^ig Organe ber ffimp- 
pnbung unb SBemegung; bie Oeraebe-Seele 
geigt fii^ biet in einfai^fter ^orm. 

Siefelbe primitioe SBilbung fifieinett mit 
nodi bie ^tatobatien gu bellten, bie dlteflett 
unb etnfa^ften ^formen bet ^lattent^iete 
(Piatodes). (Einige con biefen RrqptocftUn 
(Convoluta u. f. ni-) ^aben no(^ letn gefonbeitei 
9ten)enfi)ftem, mdl)tenb baSfelbe bei ifitett nd^H' 
oennanbten Epigonen, ben ©trubelroötmetn 
(Ihirbellaria), bereits Don bet ^autbecle fi4 
abgefonbert unb ein einfa(!|e3 ©^eitel^im oit' 
miäell bat- 

Dfe Spongien ober S^wotmnt^ierc 
ftellen einen felbftftdnbtgen ©tamm beS ibin« 
reicfeS bat, ber fic^ non aßen anbeten SDletoj«« 
bur^ feine eigent^fimli^e Otganifation untex" 
fi^eibet; bie fe&t ga^ltei^en Sitten beSfette« 
fiften meiftenS auf bem ÜJieeteSboben angp 
niaiifen. ®ie einfai^fte Sotm bet ©ijnjdmme, 
Olynthus, ift eigentli«^ nii^tS weitet alS eine 
Gaetraea, beten ffiBtperroanb flebfBtmig nc" 
feinen Voten butdjbroi^en ift, jum (Hntri" 
beä emäbrenben SBafferpromeS. S9ei '«" 
meiften ©pongien (audi beim belannteften, beffl 
Sobef^niamm) bitbct bet tnottenformtfle flati»' 
einen ©tocf obet ÄotmuS, nteli^er auä SEüufeit' 
ben foldiet ©afträaben (,®ei|el!ammem') J"* 
fammengefe^t unb oon einem etn4fireiib«ii 
Kanal 'Sqftem burt^gogen ift. (gntpfinbuiifl 



IX. 



KoinlfB SlopiUt Staittmtgatf<4l4te bei Sctlt. 



67 



mb Snvcfiung finb Üei ben SifimammtMeien 
nur in äuferft gerinsnit ©rabe enlnidell; 
SStTDen, ©inneSoteane unb 9Jtuä!eIn fehlen. 
SS »ai ba^et fef|t natütlii^, ba^ nun biefe 
(eil(l5enben , unfBnniflen unb unetnpflnbli^en 
liiere frtönr aHaone'" otB .©eroäc^fe' be- 
liQtiitete. 3Ör ©«lenleben (für roctc^eä leine 
^onbereti Otgaite biffeienjirt ilnb) fte^ lief 
untet bemienigeit bei SHimofen unb anbetet 
mpfinbli^et $f[angen. 

Ofc Seele b«v neffeU^icre (dnUaria) 
t|t ffii bie uetglei^nbe unb p^qlogenelifcEie 
^t^c^ologie oon gang ^emoTi^ageiibei Sebeutung. 
2>mn in biefem formenteiilen Stamm bei 
Sölenteiien uoHgie^t (td^ vor unfeien ätugen 
bie ^iftorif<^e Snt^e^ting ber 91eitienfeele 
ouS bei ©emebefeele. @3 ge^Oien ju biefem 
Stamme bie Dtelgeftaltigen jßlaffen bei fe^ 
S^enben ^olqpen unb ADiaKen, bei fdjtoimmeit' 
ben Snebufen unb Sip^onop^oren. 91IS gemein' 
tarne (i)poti|etifii^e Stammfoim aQei iReffelt^iete 
Ufit ft4 mit pollei Sidieilieit ein einfadiftei 
$oIqv eitennen, rael^ei bem gemeinen, ^ute 
mit lebenben ©üßroaffef^olgpen (Hydra) im 
Sefentlidjen glet^ gebaut mai. ^un befi^en aber 
biefe ö^bio unb ebenfo bie feftfl^enben, na^e 
oer»anbten©nbropolppen no^ leine aieioen 
unb gbCieien SinneSoigane , obgleich de felitr 
empflnbli^ ftnb. SJogeflett bie frei fc^niimmen' 
ben ^ebufen, wel^e ft4 fluS leiteten ent- 
mideln (unb no^ deute mit ibnen bun^ ©ene« 
lOtionSnie^fel oeilnüpft finb), beften bereits 
ein felbtt^änbigeS Steinen-Sqftem unb gefonbeite 
SinneSctgane. äSii tQnnen alfo dtei ben 
biftorifcden Uifpiung bei Eneiuenfeele(Neu- 
ropsyche) auS bei ©eroebefeeEe (Hiatopeyche) 
umntttelbai ontogenetifi^ beobacbten unb p^qlo' 
genetifc^oeifteden leinen- 3)iefe@ctenntni|iÄum 
fo intereffantei, als jene bebeutunftäDoUen Sßoi. 
Sänge polqpdn'etifi^ flnb, b. ^. fic^ me^imalä 
(minbeftenS groeimal) unabhängig oon einanbei 
Donjogen ^aben- ^ie it^ nai^geniiefen ^obe, 
ftnb bie fi^biomebufen (ober fiiafpebolen) 
auf anbete SDeife au9 ben Sqbiopolqpen 
mtSatüKn ali bie Slqpliamebufen (ober 
Htüfpeben) aus ben ©Iqpbopolqpen; ber 
fttufpungSvoirgang ift bei ben leiteten leiminal, 
bei ben eiferen lateral- 9lu^ feigen beibe 
@iuppen diaralteriftiri^e eiblit^e Unteif^iebe 
im feineren iSau i^iei Seelen'Organe. Seljr 
inteieJTant ift für bie ^[qc^obgie aut^ bie 
Itlaffe ber StaatSquallen (Siphonophorae). 
An biefen piddjtiaen, fiei fdjroimmenben SCdier« 
Wttn, Tätigte con Sqbromebufen abftammen, 
tinnen raii eine 2}oppeIfeele beoba^ten: 
bie Cinjelfeele (^eifonal-Seele) ber jabl- 
rei(%en ^erfonen, bie ibn jufammenfetien, unb 
bie gemeinfame, einheitlich t^ötige *-Pfi)(%e beS 
8anjen©to(teä(SDtmaI-See!e). SSergt. .SelU 
feelen unb ©eelengeUen* (QSm. »orti. 1902, U 



IT. Dte neweiuSeele OlcuropfiK^e); 

Dielte ßauplftufe bet p^^letif d)e n 
$fqä|i>eencfiS. 3>ad Seelenleben aUa 
dödeien Xdtere roirb, ebenfo roie beim anenf^cn, 
bui^ einen me^t ober minbei lorapliciiten 
rSeelen'Sfppatat* peimittelt, unb biefet 
befielt immei au3 biei &auptbeftanbtiietlen : 
bie ©inneS'Organe beroirlen bie ceif^iebe* 
nen Smpfinbungen , bie iDluSIcIn bagegen 
bie ^enegungen; bie steinen fteQen bie 9$ci' 
binbung giDifc^en eifteien unb leiteten bui^ 
ein befonbeieS Sential-Cigan (er: @el|itn 
ober Ganglion Oleinenlnolen). S)ie ©inridftung 
unb Sbätißteit biefeB ©eeIen-?[ppaiateB pflegt 
man mit einem eleltiiftöen 5Eelegropben-©^fiem 
au Migleidien; bie SReroen flnb bie Seilungä« 
biildte. ba8 Qtedim bie Sentrat-Station , bie 
EDluSteln unb SenftQen bie untergeorbneten 
Solal-Stalionen- 3)ie motorifdien Dietttenfafem 
leiten bie SBiUenS'iSefetile obei ^mpulfe centn* 
fugal uon biefem 9teTWncentrum ju ben aJluS« 
lein unb bewitlen burc^ bereu Äontialtion IBe- 
megungen; bie fenfiblen SHetuenfafem bagegen 
leiten bie cerfdiiebenen @mpfinbungen centii- 
pelal von ben peripheren Sinnesorganen gum 
@eE|im unb ftatten ^erid)! ab non ben empfan* 
genen Sinbiüden ber älu^enmelt. £ie@anglien< 
geCIen ober .SeeEenjeCen*, meiere boS neroBfe 
^entrat-Organ jufammenfe^n , flnb bie non* 
lommenften non allen organif^n (Slementar* 
Xdeilen; benn fle ueimitteln nii^t nut ben Sei* 
tebr gmifi^en ben SFtuSIeln unb Sinnesorganen, 
fonbetn aui^ bie b^^ften von allen Setzungen 
ber löietfeete, bie fiäilbung oon SotjleOungen 
unb (äebanlen, an bet Spige pon Sidem baS 
SBemu^tfein- 

2)ie gtolen gortf^ritte bet SCnatomie unb 
$d^fiolDgie, ber.^iftaIogie unb Ontogenie ^aben 
in bet äteujeit unfeie tiefere Senntniß beS 
©eelen-SlpparateS mit einer S^fille ber inteteffan' 
teften Sntbettungen beieiifiert. SSSenn bie fpetu» 
lotice '^Ijilafapbie au^ nur bie mii^Hgften oon 
biefen bebeut ungSooDen ©noerbungen bet empi« 
rifc^en SSioIogie in Rc^ aufgenommen bätte, 
mü^te fle beute f^on eine sanj anbete VbqflO' 
gnomie geigen, olS eä leibei beS ^aU ift. Sa 
eine eingebenbe S3efpiei^ung berfelben unS E|ier 
gu meit führen ra&rbe, befdjritnle t^ mi^ 
baiauf, nui ba§ SQÜdgtigfte berooi^uEieben. 

3ebei bei b^beren S^bieiftämme befi^t fein 
eigenibümlidieS Seelen^Oigan ; in iebem ift baS 
®entiaI-3ieiDenfpftem buit^ eine befonbere ©e« 
fialt, Sage unb Sufammenfe^ung auSgegeic^net. 
Unter ben fttabtig gebauten SReffettbieren 
(Cnidaria) geigen bie SDlebufen einen SletDen- 
ring am @d)iimranbe, meiftenS mit niet ober 
ai*t ©anglien auSgeftattet. Sei ben fünf« 
ftrabligen ©terntbieren (Eohinoderma) ift 
ber SRunb oon einem SteiPeniing umgeben, con 
nielcbem fünf ineroenftämme auSfttablen. 3)ie 



9Iftiiitti AotiittL StantmeBQrfc^ic^tt bn Gnb. 



IX. 



jroeifeiHö'f^nnnetriWen $lattent^iete (Pla- 
todea) unb 3Butntlt|iete (Termalia) befi^en 
ein Sdieitel^icn ober Sltioaaitslion, jufaminen> 
eefetd aui ein paar borfdeit, obti^alb beS 
anunbeS gelegenen ©anelien; Dcn biefen .oberen 
@d|luiibtnoten' ge^en gnei fettlii^e ^Itrotxi' 
€lämme an bie 6aut unb bie Wuildn- 93ei 
einem Stl^eile bei ^ennalien unb beibtnSSeid)' 
tbieien (MolluBoa) ttelen ba)u noi^ ein paar 
centrale .untere Si^lunblnoicn' . raeli^e R^ 
mit ben erfteren biir^ einen ben @d|Iunb um- 
faffenben 9ting nerbinben- liefet ,@d}Iunb' 
ring* leört au^ bei ben Oliebeit^ieren 
(Äxtäculata} «lieber, fet(t fltli ober ^ier auf ber 
©ausfeile beS langfleRreftten ÄörperS in ein 
.Sout^marl' fort, einen ftrictleiterförmigen 
3)oppel^ans, nield)er in jebem ©liebe ju einem 
2)oppeI»®an(|Iion onMniilit. ®ann entgegen- 
gefeilte Silbung beS Seelen-CiganS jeigen bie 
SBirbelt^iere (Vertebrata); fiier finbet R* 
aQgemein auf ber Stftctenfeite beS innerli^ ge> 
glieberten ßbrperS ein iHüttenmarl entmidelt; 
auS einer Slnf^neCung feines oorberen SCdeiSeS 
entfte&t fpäter baB djatöteriftifc^e blafenfBrmige 
©e^irn. 

Obgleich nun fo bie Seelen 'Organe ber 
&5I|eren X^ierftämme in ßage, ?form unb gu- 
fantmenfe^una f^r Aarafteripifi^e Sßerft^ieben- 
beiten aeigen, tfl bo^ bie oergleii^enbe Stnatomie 
im @tanbe gemefen, für bie meiften einen Qe> 
meinfamen Urfprung nai^aunieifen , au8 bem 
StiieiteUirn bct ^latoben unb 3)ei> 
malten; unb ollen gemeinfam ift bie @nt> 
fteöunft aus ber Sulerflen geHenf^i^t beS 
ßeimeB, auS bem .^autfinneBblatt' 
(Ektoderm). iSbenfo flnben mir in allen for- 
men ber neiobfen ^ntralorgane biefelbe iDefent' 
lii^e ©truttur roieber, bie 3ifammenfe^ung auä 
öanglien-aeHen »ber .Seelenjeüen' (ben 
eigentlichen alttpen SIementat'Organen ber 
Vfq^e) unbauSSleroenfafern, nieltfieben 
Sufammen^ang unb bie Seitung ber Üttion 
»ermitteln. 

SeeIett><I>rgan btt tDlrben^tere. 3)ie 
erfte Xbatfaäie, wtlä)t unS in ber nergleit^en* 
ben ^fijdjologie ber SSerlebraten entgegentritt, 
unb nel^e ber empirifäe 9[u8gang$punlt ieber 
roiffenft^aftlic^en ©eelenleöre be8 aÜenffften fein 
foQte, ift ber ^arattertflird)e Sau UireS Senlrol. 
ifleroenfpftemS. äSie biefeä centrale Seelen- 
Organ in iebem ber ^bberen Zbierftämme eine 
befonbere, biefem eigentbümlic^e Sage, @eftall 
unb ^ufinimenfe^ung geigt, fo iß ei aui^ bei 
ben SBirbeltbieren ber Sali. UeberaH flnben 
wir ^ier ein tRüdenmart oot, einen ftailen 
cqlinbrif^en Weroenftrang , mett^er in her 
SDtittellinie beS Mflitenä oeriauft, oberbatb ber 
Sirbelfftule (ober ber fle oertretenben S^orba). 
UeberaQ gelien oon biefem Stücfenmart }a^I' 
reti^e 9lerven^mmc in legelmäSiger , fegmen- 



taler Sert^ung ab, fe ein $aas an febem 
Segment ober Sßirbelgliebe- UebeioQ cntfte^ 
biefeS .SRebuQar'Sfofir' im ISmbrqo auf gleit^ 
aOeife: in ber EUlittellinie ber »fiden^aut bilbel 
Rd^ eine feine ^urdK ober Stinne; bie beiben 
parallelen iRänber biefet SHarlrinnc ober 
2llebulIar'!Rinne erbeben fl^, Irümmen 
fi(^ gegen einanber unb nentiai^fen in ber ■ 
anittellinie gu einem iRobre- 

SaS lange borfale, fo entflanbene cqlinbriff^ 
^teroenrobr ober Einebullar-Stotpr iß buri^auS 
ffir bie Siirbeltbiere i^aralteriftifd) , in ber 
fräb^n @mbn]onaI-3nIage überall baSfelbe unb 
bie gemeinfame ©runblage aller ber oerfc^iebe- 
neu formen beS Seelen-Organ 3, bie fi(b fp&ter 
barauS entroitteln. fflur eine eingige @ruppe 
von rairbellofen 3:t|ieren geigt eine äfinlii^ 
Silbung; baS fnb biefeltfamenmeerbenobnen- 
ben Sllantelt^iere (Tunicata), bie ßopela- 
ten, ai9cibien unb £baribien. Sie geigen 
au(^ in anberen niifitigen Qigentbümli^teiten 
beS flSrperbaueS (befonberS in ber IBilbunQ ber 
ßborba unb beS JtiemenbarmS) auffaßenbe ; 
Unterfd|iebe non ben äbrigen äQirbellofen unb i 
Uebereinftimmung mit ben SBirbeltbieren- 3Bir ' 
nebmen baber fe^t an, ia% beibe X^ierMmme, 
Sertebraten unb Sunitaten, ttuS einet 
gemeinfamen älteren Stamragruppe Mn fß er- 
malten b^roorgegangen ftnb, ajtS ben $ro- 
^orboniern- <Sin niicEitiger Unterf^ieb beiber . 
Stämme bejtebt barin, ba^ ber Aörpet ber 
Snanteltbiere ungegliebert bleibt unb eine febi 
einfacbe Drganifation bebält (bie meinen f^en 
fpäter auf bem ÜßeereSboben feß unb n»rben 
rüttgebilbet). ©ei ben SBirbeltbieren bagegen 
tritt frübgeitig eine (^oratteriflifi^e innere 
@lieberungbe3ffBrpergein,bie.Urn)irbel- 
bilbunfl' (Vertebratio). Siiefe uermitteli bie 
raeit bbbere morpEioIogtfi^e unb pb^ftologifdie 
SuSbilbung ibieS Organismus, meli^ guleil 
im 2IIenfd)en bie bb^fte Stufe ber SolUommen- 
^eit erreicht ©ie prdgt fläi aaäf frübjeitig 
fd)an in ber feineren Struttur ibreS ÜRartto^reS 
auS, in ber (Sntmlrfelung jo^Irei^er fegmen- 
taler Stemenpaare, bie aI8 tllüAenmart3-9ten>en 
ober ,Spinal-?iert)en' an bie eingelnen ßfirper- 
Segmente geben. 

P^ttletff^e BUbtmgsItufen be* nie« 
bunar*Bot)rs. Sie lange StammeSgefi^i^te 
unferer ,^irbeltl|ier-SeeIe' beginnt mit bei 
SBiibung beS einfa^ften aßebunar-dlobrä bei 
ben Alteren Si^Sbellofen ; fle fübrt un8 burdi 
einen Sei'niiini von pielen ÜRittionen SEobren 
langfam unb allm&bli^ bi3 gu jenem tompli- 
citten SäJunberbau be9 menfcbli^en ©ebimä 
binauf, n)d4er biefeöSc^ftentniidelte'Priraaten- 
^orra gu einer oolltommenen SluSnabme- 
©teUung in ber Slatur gu beret^tigen ftbeint 
2)a eine Ilare ©orfteDung Don biefem lang' 
famen unb ftetigcn @ange unferer pbqletifcben 



IX. 



9IeunteS ßatntcL Ctamnutgtf^t^^ bn Snle. 



ffil4osntie bie nfte Sorbebineung einet tvirl* 
Sd| natuT0emä|en ^T^^ologie ift, et' 
}itant eS pedmägte, ienen gewaltigen S^it* 
uum in etne Stngo^l oon @tufen cbei $au]:it' 
Hlifdinitten einjutöeilen; in iebem berfelben bat 
M (ilrii^mäßiB mit bei ©tniltut bei Sleroen- 
cmtmmS audfi feine gunltion, Me ,?fu(^e', 
BtTDoMommnet. 3(^ unterfdjeibe ait foli^e 
{titoben in bei $bqIoeenie beS üne- 
iuMaiaSlo^TS, 4<^ia(teiitii:t buri!i ad^t oer- 
fdliebenc ßauptQiuppen ber äQirbeltbiere ; näm- 
lüt L bie ©^äbetlofen (Acrania), n. bi« SRunb- 
Bänlet (Cydostoma), HL bie ^ifdie (Piflcos), 
IV- bie SiiT^e (Amphibia), V. bie implacen« 
tden Söuget^iere ^onoi^ema unb Marau- 
pudia), VI. bie Älteren placentalen ©äuge- 
tbine, befonbetS bie Halbaffen (Prosinuae), 
VH. bie jünge ien S ertent^iere, bie e^ten 
)l|fen(Simiae), vm. bie 2Renf<ftenoffen unb 
iw SJlenfi (Aiithropomorpha). 

I. Srfte ©tufe: ©t^ftbelloTe (Acrania), 
Ikute nut no4 tiertteten btitc^ ben Sangelot 
(Ampliiosiis); baS ©eelenorgon bleibt auf ber 
Stnfe beä einfa^en tDtebuUat-dlobrS Ke^en 
mb KeDt ein glei^mägig gegÜebetteS ERücten- 
Mxt bar, o^ne Oeöirn. n. ^roeite Stufe: 
iftiinbmäuIer(Crcloatoma),bieältefte®ruppe 
In S^äbelt^iere (Craniota), beute nocb oei' 
Irrten burt^ bie ^rirfen (PetromyzonteB) unb 
tie Snfler (Myxinoides); baS Sorberenbe beS 
ffiartrcbrä fcbmint ju einet »lafe an, mel^e 
11"^ in fünf binter einonber liegenbe öim- 
Hufen fonbett (SroS^irn, groiff^enöim, aJHtur- 
lum, fileinbirn , 9la^bim); tiefe ffinf öint- 
Mafen Silben bie aenieinfame ©tunblage, auB 
neldiei fi^ tiaS ®ebini fämmtlidier ©dbäbel* 
i^iete entnidelt, tion ben ^tiiJen bis gutn 
ilenf^en hinauf. DL Sritte Stufe: \Xi- 
Ül^e (Selaohü), Abniid) ben beiitigen Sai* 
Wim', bei biefen älteflen gifcben, oon benen 
(iUe ftiefetmäulet (Gtnathostoma) übftammen, 
Mflinnt bie ftärtere ©onberung ber fünf gleitl^' 
««igen feimblnfen. IV. SBierte ©tufe: Surfte 
(Amphibia). mit biefet älteflen filaffe ber 
lanbbeiDo^nenben SBirbeltbiere, bie juerft in 
w Stetntoblen'Veiiobe etf^einen, beginnt bie 
■Iwraltmftiffte Sörpetbilbung ber SierfüSer 
^eteapoda) unb eine entfprei^enbe Umbilbung 
!j* Bü^ebimS; fle fcbteitet weiter fort in 
jwn petmif^en Hpigonen, ben SReptilien, 
wen älttfte aäertieter, bie ©tammreptilien 
CTocoganria), bie gemeinfamen ©tammfornten 
»«t Slmnioten flnb (bet ifieptilien unb äBBgel 
™wleü8, ber Säuget&ieie anberetfeitS). V. big 
Ip- ^nfte MS a^te Stufe: SAugetbieie 

Sie SUbungSgeffti^te unfeteR memen. 

nmi unb bie bamit nerfnüpfte StammeS' 
fiti^idlte unferer @ee(e babe ic^ in meiner 
.tniliropogenie' ouSffi^rlicfi bcbanbettunb 



bui^gobltei^eUbbilbungen erläutert (IV. 9(uf[., 
24. Sortrag). ^<Si mug ba^er biet barauf oer> 
weifen, foroie auf bie Slnmeihingen, in benen 
ii^ einige ber nifttigften Xbalfa^en befonberS 
beroorgeboben babe. S)agegen laffe ift bier 
noft einige Säemertungen über ben legten unb 
intet eff an teften I^eil berfelben folgen, über bie 
@ntn)ictelung bet Seele unb ibrer £)rgane 
innerbalb bet ©dugetbiet'filaffe: ift er- 
innere babei befonbetS baran, ba^ ber mono' 
pbflletiffte Urfprung biefet Älaffe, bie 
ätbftammung aller ©äugetbiete von einer ge< 
meinfamen Stammform (bet EiiaS-^eriobe), 
ie^t li&er feRgeßetlt ift- 

Seeleit'tSef^t^te 6er sau0ei^iexe. 
®er wifttigfte goIgefftluSi roelftet pft qu8 
bem monopb^letifften Urfprung bet ©äuge- 
tbiete etgiebt, ift bie notWenbi^e SIbleilung 
bet Sßenfften'Seele au3 einet langen 
ffintroitfelungä-SSeibe oon anbeten SD! am» 
malien>©eelen- Sine gewaltige anatomifdie 
unb pb^flPloeiffte ßluft trennt ben (Sebimbnu 
unb baS bapon ab bängige Seelenleben ber 
böftften unb ber nieberften ©äugetbiere, unb 
benno4 niirb biefe tiefe ßluft burft eine lange 
üReibe pon oermitteinben ^tniFfteU'Stufen soU" 
ftdnbig aufgefüllt. S)er 3eitraum Don minbcflenl 
ciergebn (nad) anbeten iSereftnungen melir nlS 
bunbettl) SRiUionen ^a^ren, welfter feit ^e° 
ginn ber Sriaä-ißeriobe oetflo6, genügt aber 
PoUftänbig, felb^ bie grä|ten pf^ologifften 
{Jortftbritte ju ermögliften- 2)ie üUgemeinften 
€tgebniffe ber wii^tigen, neuerbingS biet lief 
eingebvungenen ffotfftungcn (Inb folgenbe: 
I- SDaS @e^irn bei Söugelbieie unterffteibet 
^ft Don bemienigen ber übrigen Sertebratcn 
burft gewiffe ßigentbümliftleiten, weifte aOen 
@liebetn bet ßlajfe gemeinfam ilnb, por SlHem 
bie überwiegenbe ^uibilbung bet erften unb 
eierten ESlafe, beä IStolbitnä unb ftlein!)iriig, 
mä^renb bie btitte iSlafe, baS EHlitteCbirn, gang 
autüdttitt n. ffrotbem fftließt fift bie öirn- 
bilbung ber nieberften unb älteren SJtammalien 
(Uonotremen, Mareapialien, Prochoriatou) 
noft eng an biejenige ibrer paläojoifften a?or- 
fabten an, ber farbonifften Slmpbibien (Stego- 
cephalen) unb bet permifften SReptilien (Toco- 
Baurier). III. Srft roäbtenb ber Ierliai-3f'' 
erfolgt bie tqpiffte ooHe StuSbilbung beS ©toft- 
birnS, roelfte bie jüngeren ©äugetbiete fo auf- 
fallenb por ben älteren auSjeiftnet- IV. I)ie 
befonbete (guontitatiije unb quaUtotine) Slu§- 
bilbung beS Sro^bima, weifte ben EDlenfftcn 
fo boft erbebt, unb melfte ibn ju feinen oor- 
jügliften pfpftifften Seiftungen befäbigt, finbel 
|ift auferbem nur bei einem £beile ber bäftft' 
entmitfelten ©äugetbtere bet lungeren SEertiäf 
3ei!, por atUen bei ben 3Renfften'91ffen 
(Anthropoiden). V. Sßie Unterfftiebe, roelfte 
im @ebimbau unb Seelenleben beS Snenfftcn 



70 



3t%nM Aoiitftl. Sttougtfeln in 6«b. 



«nb ber aHenftöen-Äffen e^ftiren, finb seringn 
all bie enlfpc«^cnben Untnfc^ictie jnifti^en 
biefen leiteten unb im nieberen Primaten 
(ben älteften Äffen unb Halbaffen)- VI. ^em- 
nadi mui bie ^iftocifi^ ftufeniMife Sntttnctebmg 
bei ÜRenfc^enfeele au9 einei langen Jtett« von 



[|55eten unb niebeten iUlammalien- Seelen — 
unlet Slnnenbung bei olloeinein eültigen p^ql*' 
tif^en (Befetw bei Sercenbcnj'X^eoiie — oB 
eine funbamenlale, but4 bie oeiglet^enbe Xnif 
tontie unb Cntogenie »iffenfc^aftlidi bnviefene 
Xiatfai^e gelten. 



Se^ntes KopUel. 
Betou^tfetn 5«r Seele. 

ntoTti{K{cE)e Stubien Aber beniugtes uttb unbemugtes Seelenleben. lEnhDtAelnngs' 
gef^l^te un6 tC^eorie des BetDugtfeins. 



3n^a(t: Sa! Seltm|tfetn alt 91<ttni>fti14cinuns. aSeflitR btlfelhn. e^Uieriglcittn bei Sc 
unt^iluna. Seht aJet^ättnlg jum Geelenlebeit. Un|n nmfmlidbeS !Beltnt|tfein- Stecfdbicbnie £W 
citit: 1. ant^Dfiinifc^ ZBcöiie (Xwacoite«). U. 9IeiRoIogt[^ X^rie (SaitDin). m. attimaltfA« 
Xbtorit (e^opnt^ouer). IT. Staleail<!^ X^eoiie (St^). T. SeHnlme X^orie (9^ eAim- 
VI. SltomiAifd^ Sentit. 3Rontfti|^ nnb buali^f^e X^oiU. Zianifcenbenj bei JBcua^tfciiiS. 
3gnoTabimul (Du SoiS-Kt^monb). ^b^Ioote bei JBctDugtfcinS. StttbedunQ bn Xienloigaiu 
(glt^fig). Vatbologlt. So^tJelteS nnb intermUtteenbä %iim%tfeiit- Ontogenie btt Seitra|t|elnl; 
äJtiSnbetung In ben Dnfd^ttbnttn St&enlatttni. ^^togeitic bd S9(iDu{ttIttnl. SBcQTiffi'ESilbung- 



Unter aOen Sltu^eningen beS Seelenlebens 
giebt eS teine, bie fo nunbeibat «iT^eint unb 

fo veif^ieben beuit^eilt toiib nie baS Se* 
ivuMfein. Slii^t allein übet baS eigentlii^i 
liefen biefei ©eelentbötigleit unb übet tbi 3iei' 
bältnig gum ftdipet, fonbern audi über ibie 
SBeibieitunfl in bei öiganif^en SBelt, ßbet 
ibie ©nlfte&unfl unb Sntroitfelung Beben 
noib beute, nie feit Sabitaufenben, bie nibei' 
[prei^enbften Slnfiditen gegenfibet- Snebi alS 
jebe anbete pfqd^ifdie ^unltion bat baS IBe* 
nuftfein gu bei irrtbflrali^en aJeiRenung eineS 
.tmmaterietlen ©eetenraefenä' unb im 3lnf<^lu| 
baian gu bem Stbeielauben bei .fieirBnliiben 
Unfteibli^Ieit* Steranlaffung gegeben; viele bei 
f^neiBen Snlbämei, bie unfer mobemeg 
fiultut-8eben ne(ti beule bebeitWen, ffnb bat- 
auf }utü(!^ufübten- ^äi babe babei ftbon 
fiübei bae SSenuEltfein aI3 baS rpfui^o* 
loßifdie 6«ntiaI'3Jlqfletium' begeiibnet; 
ei iR bie fefte SitabeOe allei mq^if^en unb 
bualiftifi^en Snt^Qmei. an beren genaltigen 
SBJäDen alle Singriffe bet beftßeiulleten Sßetnunft 
gu fibeitetn btoben. €^on biefe lEbatfai^e 
aOein lei^tfeitigt eS, bag nii bier bem ^tf 
nm^tFein eine befonbeie ttitifdje Setiai^tung 
von unfeiem miiniBif<^en Stanbpuntte au3 
roibmen. SHSit netben feben, ba| baB aerou^t- 
fein nii^t mebi unb ntibt minber nie jebe 
anbete ©eelentbätigleit «ine Slatur-Siffbet- 
nung ift, unb iai eS glei^ oQen anbeten 
dlatui'Sif^einungen bem @ubBan)'®efe^ 
unteiTODtfen ift. 

Begriff des Betoufitfclns. @<l^on Übet 
ben elementaien JBegtiff biefet ©eelentbätigteit, 
&bet feinen Snbalt unb Umfang, geben bie 



SnH^ten bet angefebenften $biIofapben unb 
JÜatuifoif^ei neit auB einanbei. iSielleiibt am 
beften begei^net mau ben ^nbolt beä %emu^- 
feinB als innete atnfdiauuna unb »eigleic6l 
biefe einet Spiegelung. Sita jroei fiaupt- 
begitfe beSfelben unterfibeiben roit baj3 obieCtice 
unb fubjelttoe SSennifilfetn, baS Sßeltbenugtfein 
unb Selbflbemufttfetn. ^ei äBeitem bet giSglf 
Zbeil ollei bemühten Seelentbt^ttgfeit bettifft 
nie fi^on Si^openbouec liditig eitannle, 
baS äenugtfein bet Stu^ennelt, bei „onbeten 
2)inge'; biefeS Sßeltbenjußtfein umfagt all* 
mSgli^en ©rf^einungen ber Mufeennelt, meW 
übetbaupt mifetet ßttenntnife gugdngticb finti- 
25ie!bef^iänltetiflunfet©elbftbenu6tfeiii, 
bie innete Spiegelung unferet eigenen gc 
fammten ©eelenlbätigreit, allct äStuffenungen, 
®mpfinbungen unb ©ttebungen obet SBiDenS' 
tbiStigleiten. 

BetDUgtfefn unö Sttlettleben. Siele 
unb angefebene Xientei, namentli<b unter ben 
$b#i>Iogen (j. »■ ^unbt unb Rieben), 
balten bie Segriffe beS ISenu^tfeinS unb bec 
pfqi^ifcben g^unltionen fftt ibentiftb: lalU 
©eelentbattgleit iftberouBte'; birö®ebiel 
beS pfqt^ifiben SebenS tci^t nur fo neit aÜ 
baBtenige beB iBenu^tfeinS. ^aä) unfeier 9n> 
(itbt erneitett biefe Definition bie Sebeutuiifl 
beB leiteten in ungebübili^ei Sßeife unb gieW 
Setanlaffung gu goblteii^en StttbÜmetn unb 
S)li6oetftdnbniffen. SJii tbeilen rielrae^r ia 
Slnlicbt anbeier Sßbilofopben (3. <8. ifiomatieS, 
Stil Sibulle, $autfen), bafe aud) bie un- 
berougten SoifteQungen , @mpi^nbungen lati 
©ttebungen §um Seelenleben geb&ren; in bet 
Zbat ift fogat baS @ebiet biefet unbenußten 



Stentes Aa]>lltt a)t»u6t|tiit ha BttU. 



71 



if^^ifdjen aiiionen (bet SReflejttÄtiflfeit u. f. ni.) 
nid auS^ebc^nter alS boBtcnißt ber berougteit' 
Bnbe @ebiete fUi)m abrigenS im «teftett 3if 
[ommtn^anfl itnb finb bur* leine fi^atfe ©tenje 

Bclmtnt; jebet 3tÜ lann uni eine unbeivu^te 
iDifUOung plague^ bnougt mnben; »itb unFerc 
nufmerfTon^cit baiauf bur^ ein anbeieS Cbielt 

Befeffelfc fo fonn fie ebenfo taf^ »tebet itnfeTeni 
lemu^tfein oSDiQ entfdtiDinben- 
Bcniubtfciti des ÜTcnt^en. Sie tinjigt 
idl« unferet (Eilenntnig beS SemuStTeinS ift 
liefeS felb^, unb hierin liegt in erHei Sinte bie 
ufieroibentlic^e S^roietiQtett feinet roineU' 
ifiafrti(i|«n Unterfuiiiiina unbajeutung. ©üb- 
t(t unb D b i el t fallen &ier in SinB gufttmmen ; 
la etlennenbe Subjett fpießelt fl^ in feinem 
eigenen inneren SJefen, nield|g8 OMet ber ffit- 
tenntni^ fein foK- Sluf baS iBerou^tfein anbeier 
SBeTen ISnnen roii alfn niemals mit DoQer 
otjeBiocr ©idjerbeit fc^lielen, fonbem immer 
nur burtft SSergleidiunfl feiner ©eelen-Suftönbe 
mit unfeien eigenen- Sonieit biefe Sergleii^una 
;M nur auf normale SDlenfien erftterft, 
I5nnen mir anerbingS auf bereu Serau^tfein 
gemiffe €<^lüffe jielien , bnen Hic^tiofeit 
Ktemanb begnieifelt. 3Cber fAon bei abncrmen 
$erf6nlid| feiten (bei genialen unb e^centrifdicn, 
ftumpffhinieen unb geifteSfranfen SnenfAen) 
finb biefe 9noIogie-S<^Iüffe enlmeber unfid)er 
ober falfi^- 3n not^ bli^erem (Stabe gilt ba9, 
nienn wir baS SerouStf^n beS SDlenfiJ^en mit 
bemtenigen ber liiere (junädjft ber ftö^eten, 
meitet^in ber nieberen Sliiete) in ajetgieic^ 
flellen. 5Da ergeben fi^ alSbalb fo gio^t t^ot- 
fä^liiie ©(ftmietigleiten, baS bie Slnft^ten ber 
berooiraoenb^en !ß6gflologen unb ^^ilofop^en 
timmelmeit au3 einonbet ge^en- Sir moEen 
^ier nur bie toii^tigpCTi %nf4Ktuungen batüber 
!urj einanber gegenfiberfietten. 

I. Attt^xoptftif^e a^eorie 5e* Be' 
nm^tfefits ; eS iß bem äJlenf^en eigen* 
tbümli^- ®ic meitoerbreitete atnf^auung, 
bn6 Jaenm6tfein wnb Jlenlen aiiSfcf)Iie61i^e3 
@igent^um beä !D)enfi^en feien, unb ba| aui^ 
i^m allein eine .un^erblii^e ©eele' jutomme, 
ifl auf SeScorteä jurüttjufü^ren (1643). 
2)iefer ßeiftreii^B franaöflfi^e ^bilofouft unb 
ÜJlotbematttet (etjogen in einem Sefuiten- 
J^o[|egiuml)begEilnbeteeinevoUtommene®i4eibe< 
loanb jniif^en bet ©eelenl&äti gleit beS aJlenfi^en 
unb ber liiere. 3)ie ©eele bc8 !DIenf(4en atS 
benlenbeB, immaterielles ffiefen ift nai% i^m 
Dam ft3T;ier, als auSgebe^ntem, materiellem 
^fen, »oüftänbig getrennt- Xrogbem foQ fte 
an einem Sßunfte beä ©eliimS {an ber Qiibtl- 
brüfeD mit bem Äürper oetbunben fein, um 
^ier Sinroirfungen ber Äuöenroelt aufgune^men 
unb ifirerfeitS auf ben ÄBrper ouSjuflben. 3)ie 
t^ittt bagegen, alä nii^t bentcnbe SSefen, 
follen feine Seele befi^en unb reine 31 ut 



maten fein, tunftuon gebaute EDlaf^inen, bcien 

(Smpfinben, aüorftellen unb äBoOen rein me^o- 

nif4 ju Staube lomntt unb nac^ pb9fitalif4«n 

<9efe|en verläuft- gür bie ^fq^ologie beS 

ÜRenfc^en vertrat bemnadi SeScarteS ben 

reinen SualiBmuS, für bieienigcber Spiere 

ben reinen aRoniSmuS. Siefer offenlunbige 

äBiberfprui^ bei einem fo Äarcn unb f4arf> 

finnigen ^lenter mug ^^ft auff oCenb etfcfeeinen ; 

jiur Srllärung beSfelbti 

Ste^t ann^men, baft 

jeugung oerft^ieg unb 

felbflltdnbieen S)enlern ] 

ber ^efuiten mar S)eSc 

baju ergogcn, raiber beff 

beit ju verleugnen; viel 

bie ana^t ber Airdie ui 

Dbnebin ^atte Ulm fein 

ba^ t'beS reine Sritennti 

am übetlieferlen Sogma 

tifd)e Wntlagen megei 

at^eiSmuB jugcgogen- 

roel^e DeBcarteS auf 

fop^ie auS&bte, nar febr 

.boppelten Sui^fübrun 

iDIaterialiften beB IT 

beriefen fldi für i^re 

auf bie cartefianifdie S 

feele unb ilirer mecbani 

Mt- Sie @ p i r i t u a 

^aupteten. ba^ i^r ffiogi 

teil bet Seele unb i^re: 

Aärper buri^ bie carl 

Snienf^enfeele unmibet 

aiefe änli^t ift aucfi 

ber Sbeologen unb bet bi 

bie ^errft^enbe- Sie na 

fi^auung beS 19. 3a& 

Sülfe ber empirift^en j 

ber p^^üolo giften unb 

logie vBQig Abemunben 

n. n«tYoio0if(4c 

»ngtfefn*: eB tomm 
unb jenen bb^eren 
ein centralillrteS SIeroei 
Organe befltjen. Sie 1 
großer Xbeil ber Xdien 
bB^eren ©dugetfiiere - 
©eele unb alfo auc^ Stei 
SDlenf*, be^ertfiiit bie 
3oologie, bet epatten 
moniftifc^en $fi) diu logie 
f^titte bet dleujeit in 
iSiologie ^aben unS ü 
SInetlennung biefet beb' 
ni6 gefübtt- Sflir befd 
Sßütbigung junä^fl ou 
t^iere unb vor Mem 
bie inteüigcnteften Sfert 
roitfellen aiettebtoten — 

Coogle 



72 



Se^nM ßapütt Stttugiftln bn 6m(c 



unb 6unlie — in iftut ecfornntten Sfclen* 

ttAtialett 114 bnii SRenfdKn 6'^f) A^nlid) »er* 

fyiüm, ift ftit 3ii6rtaur«tben bcfannt unb be* 

tDunbert- 3I|k SotpellunsS' unb €inne8' 

X^ättafcit, ^i CntfUnben unb Scflcttm ü) 

bem menfdili^ni \o SJmli^, ba6 tnh feine Vf 

nctft baffli anjufflbnn Iiiauci)cn. ttbcc au4 

bie ftA^ett ÜfTocionS-S^ättetrit t^icS SeliitnS, 

bie JBilbune nontirtiinim unb beren Ser&inbung 

SU &4Iilfren, baS Sentcn unb baB ^enultfrin 

im tneenn Sinne, flnb bei ignen Minliäi tnU 

roiielt wie Beim SDlenWen — nut bem OiaOc, 

ni^t bei litt nad) baoon tMifc^teben. Uebex' 

bieiS le^rt unS bie oerfllett^enbe Unolomte unb 

iJelte Sufammenfe^unfl 

feinere al8 bie gröbere 

i^eien S&uset^ieten 

ivtc beim SRenft^en i% 

jetelet^bc Cntogenie 

1 biefet Seeten-Draane. 

Üolosie Hrt, ba(i bie 

beS aänDultfnnS fi4 

(eltm $lacentalt^iertn 

t Snenft^en cer ballen, 

lueift, bag fle aud) auf 

iragtren. Man lanxi 

SCItoboI, &i|Itir(ifoim, 

EtAuben, burd) geeignete 

pnotiliren u. f. ni. nie 

n iß e3 ni^i möglii^, 

beftimmen, nio auf ben 

ieriebenS baS 9eniuEt> 

erfennbar ratrb. Site 

}ierelbe fe^r ioä) oben 

;ief unten. Sarroin, 

ftufungen beS Semu^t- 

anb beS ©emütbS bei 

^r genau unterfc^eibet 

Sntniidelung ei^ärt, 

^in, rote fi^ioer ober 

I eB iB, bie erpen Sin- 

elentftätigleiten bei bgn 

'Timmen. fRait meiner 

büntt mit unter ben 

c^enben S^^eotten am 

to^me, ba| baS 3uftanbe> 

nS an bte Sentrali' 

fgftemS gebunben iff, 

llafTen noÄ fe^It. 2)ie 

fen (SentralocganS, liod) 

:e unb eine roett auS' 

:S3oritenune3 • @iuppen 

4, um baS ein^eit' 

mSgli^en. 

^eovlc bes BetDUgb 
) bei allen X^ieren 
' SiemaA mürbe ein 
©etknleben ber S^tere 
ein M^er mürbe fi^on 
t angenommen unb oon 



Sinni f^arf fonnulitt in feinem giunbleaen- 
ben aSystemk naturae" (1735); bie beuten 
graben ^teic^e bei organifdien Hatui unter» 

fdieiben ^it naät ibm babuidi, ba| bie Sri^i«xe 
Smpfinbung unb 8eniuMein ^aben , bie 
¥flan}en ni(i|t SpAter^atbcfonberäS^open- 
^auei biefen Unterfi^icb fifiarf betont: r3>aS 
Semufitfein ift bei uns f^Iet^tbin nuT aI8 
fEtgenf^aft antmaler äßefen belannt Üudi 
na^bem e8 fi(!) burd) bie gange X^terrei^e, Bi3 
{|um Snenfc^en unb feiner S^rcnunft. geweigert 
bat, bleibt bte tSemugtloflgfeit ber $jtan|e, von 
ber eS auSginQ, noi^ immer bte Q^runblage- 
2)ie unterften Xbiere baben blo^ eine 3)ftnt- 
merung beSfelben.' Site Unboltbarteit biefer 
Itnfit^t mürbe ftdon um bie SUlitte beS netui- 
gebnten Sa^rbunbertS flar, alS man baS @eden> 
leben bet niebeten Sftierflämme, befonberi ber 
Sblentetaten (Sdjm&mme unb 9!effeItI|ieteX 
näder tennen lernte: et^te Xbiete, bie ebenfo 
menig Siiuren von Harem Semu^etn befl|en 
rote bte meiRen V^anjen. 3toil) mebr routbe 
ber Unterf^teb jroif^en beiben 9tetd}en tier* 
mifcbt, als man bie eingelltBen SebenSformen 
berfelben genauer unletfut^te. Site plaS' 
mopbaflen Ütt^iete (Protoioa) unb bieplaS» 
mobomen Utpflanaen (Protophyta) jetgen 
leine pf^^otogifi^en äntetT^iebe, auii ntc^t in 
fBejiebuna auf ibr ftagli^eü Serou^tfein- 

lY. Btolögift^e S^^corle bcs Benm^ 
(eins: e9 ift allen Organismen gemein- 
f am, eSfinbet fldi bei aKen Xbieren unb $flangen, 
roälirenb eS ben anorganifi^en 9}atur{5rpem 
(fir^ftoHen u. f. ro.) fe^It. S)iefe Ännabme 
rotrb geroBbnli^ mit ber 3Cnfic!|t vetlnüpft, ba^ 
aKe Organismen (im @egenfatie gu ben Stn* 
Organen) befeelt flnb; bie bret iBegrtffe: fieben, 
©eele unb Semu^tfetn, fiteren bann gemSbnlid) 
jufammen- @ine anbete Snobifitation biefer 
Slnf^auung ift, baß biefe brei Orunberft^et« 
nungen bei otganifi^en SebenS jroar unttenn« 
bar pethtüpft ftnb, baS übet iai S8erou|tfetn 
nur ein Xbeil bet pf^ifiifi^en Sbätigteit tft, 
mie biefe felbft ein Ibeil bei SebenStbättgteit. 
3a| bie $f[anjen in bemfelben ©tnne rote bie 
X^iere eine .Seele' befttien, bat namentli^ 
S^ec^ner jidi gu }etgen bemübt, unb Snandie 
fi^retben ber $flanjen'@eele ein SBerougtfein 
oon fibnli^er %xt gu mie ber Xbtei-Seele. 3n 
bet Ibat flnb ja bei febt empftnblttSen ,©inn' 
pflanjen' (Mimoea, Drosera, Dionaea) bie 
auffaDenben SReigbemegunaen ber Blattei, bei 
mani^en anbeten {Älee unb Saueillee, be» 
fonberi aber Hedysaram) bie autonomen f8f 
roegungen, bei .fijlafenben $flangen' (aui^ dop 
juaSroeife Papüionaceen) bie ©c^Iafbemeaungen 
u. f. ro. auffoKenb äbnli^ benienigen oielet 
niebeien Ibiete; wer ben le^teren äSeroufitfein 
jufcbieibt, batf e3 ganj geraifi au^ ben eiltecen 
ni<^t abfpie^en. 

- ■,:(;. ..Google 



Mittd ttapittl SetDugtlcin hee ©Kit. 



73 



T. (CeUuIorc lE^eori« &«• Bentubt« 

nt; es ift eine SeBenS<Sieenfdiaft 
er Seile. ®ie anioenbunß bei Setleii- 
urie auf alle Qmeiit bet ^Biologie Deilangl 
it t^e Sei^nüpfung mit b^i $fq(f|oIoBte. 
t bönfeKen Sterte, mit bem man in bei 
atomie unb ^^^ftoloeie bie lebenbige StZe 
ben .©lementai'OteaniämuS' be^anbelt 
) baS flanae SlSerftilnbmS heS ^ö^eien, oiel- 
igen Iliier- unb sppanaen-ÄöttierS botau» 
rittt, mit bemfelfim SRec^te lann man aucö 
,3eU[ceIe* atö boä ;>f^(^DlDaiftöe Element 
i^ten unb bie nufammenaefctite Seelen« 
tiBfeit ber 5&6ewn CraaniSmen oIS baS 
'ttltot Quä bem wretniflten Seelenteben bei 
len, bie fte lufamrnenfe^en- ^^ k<ibt bie 
rnibjAge biefer eellulai'^fqt^oloaie 
m 1866 in meinei .©eneiellen SKoipSoIoBie' 
»Ulfen unb jie fpätei meitei auSgefübit in 
inem Sfuffal übet ,3«DfeeI«n unb ©eelen- 
en". Sum lieferen Sinbiingen in biefe 
lementoi-^fqcbotoflie' mutbe ii^ buic^ meine 
ifliöfnige !Bef<^dftiQune mit ben einzeiligen 
6ni8fotmen aefüfiit SSiele »on biefen Keinen 
np milioflopifdten) ^rotiften aeigen ä^nlit^e 
oifteiungen nun @m;)flnbung unb äßillen, 
nlit^e 3nf(inlte unb ^emegunaen mie Wobeie 
ieie; befonbeil aüt baS uon ben fe^t em- 
inbli^en unb lebhaft bemeali^en ^nfujinien. 
«eoftl in bem Sfet^olttn biefet teiäbaien 
ittinfle ßegenübei ber aiußenmclt, mie in Bieten 
terra ßebenSäuöemngen beifelben (j. Ö. in 
n »unbeiboren OSe^äufe-SSou Sei SH^ijopoben, 
r II|aIamop6oien unb Snfuforien) tonnte 
iim beutli^e @puien ben>u|tei ©eelent^ätigteit 
> ertennen glauben- £Q}enn man nun bie bio' 
gif<^e Si^eoiie beS Semu^tfeinS acce^tieit 
^t-iy), unb wenn man jebe uf^i^ifi^e Sunttion 
mit einem a9emu^lfein3'91ntgeil auä^attet, bann 
gilb man ou^ Jeber felbftänbigen ^rotiften-SeUe 
Bnitufitfein jufi^reiben muffen. Sie materielle 
Siunblage beäfelben mdie bann entn>eber baB 
Saitje $la8ma beiS^tte obei beien£em ober 
«in Xbeil beSfelben. 3n bei Vfig^aben* 
Xüeotie von Bri^ @^ult« oeiMit fli^ ba3 
Slenentai'SSeniufetfein bei 5PfQ(5abe gui ein« 
Jtlnen 3dle äfinli^ mie im Sötieten löiere unb 
« Menfiften baS ;ieirf5nlid|e SBeroufetfein gum 
'Mljttliaen DtflaniSmuä bei Sßcrfon. Sefinitio 
""iKtleflen lä&t (li^ biefe 3tnnQ6me, bie i(ft fiü&et 
«rtiat,nii%t. 3(^mu6abeiieijtSWa5ißetmoin 
iuftimmen, weither in feinen üuSgcaei^neten 
■Sh^oiift^fiologifiSen ^rotiflen-Stubien' an« 
•iwmt, ba| motit fümmtlii^en $rotißen ein 
^vntelteS „3(^bemu|tfein' fei|lt, unb ba| i^ 
»Qpfinbunoen unb Semeguneen ben S^aialtei 
^ .tlnüemu^ten' liagen- 

TL atomtfUf dl« S^eotf c bts Bewußt« 
™tti ti ift eine @Iementar'IEigen> 
mit allet Atome. Unter oDen oeifd&le. 



lenen 31nf^auungen über bie äJeibreitung beS 
SSemuM^nS ge^t biefe atomißift^e &^potii^t 
am roeiteflen. Sie ifl roo^I ^auptfäi^Ud) bei 
©4mieiig!eit entfpiungen, roel^emand)e fpifilo- 
foplien unb SÖiolDgen bei bei Sfiage nat^ ber 
elften Gntftefiuita beä SeniultfeinS em< 
pfinben- Siefe Sif^einung trdal ja einen fo 
eigenartigen SEiaiattei, bafi i^ie Slbleilung auS 
anbeien pfqi^if(!|en B^unltionen ^Si^ft bebentli^ 
eifdieint; man glaubte bafier biefeS äinbemig 
am Iei{^teften boburt^ ju übermtnben, ba& man 
fie als eine @ lern entar<@igenf(^ oft allei Snoteiie 
annahm, gleirfi bei ailatTen-SInjieliunfl obei ber 
^eraifdien SIBa^Ioemianbtfi^aft. ©S mürbe bo« 
nai^ fo viele formen be8 (£Iementai>lßemu&l* 
feinS Stirn, als eS i^emifi^e (SIemente giebt; 
jebeg Sltom 3Baffeifloff müibe fein gqbrogeneS 
!Berou$tfein l^aben, tebeS SItom ßo^Ienftoff fein 
taibonif^eB StemuM^tn u.f.m. Stürben alten 
cier Elementen beS @mpebotIeS, beren 
Süifi^una bui4 .Sieben unb Raffen* baS 
Serben ber Xiinge bemiitt, fi^iieben mand^e 
$^ilofop^en iSemuM^n gu- 

^ä) felbft ^abe biefe £ii)pot^efe beS Sltom- 
SemugtfeinS niemals vertreten; id) bin ^t' 
grounaen, bieS ^ier befonberS ^emoiJuIiebeR, 
meil @. 3)u iSoiS-SReqmonb mir biefe Sin* 
fliftt fölfiftlidj unteraef^oben ^at. 3n bei fc^arfen 
!Polemif, melcbe beifelbe (1880) in feiner Webe 
übet ,bie fleben ffielträtjfel' aegen mitö fü&rl, 
befämpft er meine ,netbetbli(|e folfi^e 91atur> 
$^ilofop^ie* auf baS &eftigfte unb beEiauptet, 
\ä) Satte in meinem Sluffa^ übet bie ^erigenefiS 
bei ^laftibule bie ,3InnaI)me, iai bie SItome 
einjeln iSeniugtfein Iiaben, als metap^qftfc^eS 
Slfiom Singeftellt'- ^ä) ^abe uielmegr auS- 
brüttfii^ betont, ba^ ii^ mir bie elementaren 
pfqi^ifc^en S^^ötigteiten ber ISmpflnbunQ unb 
beB SiäenS, bie man ben Sltomen jufi^reiben 
lann, unbewußt ooiflette, ebenfo «nberou&t, 
mie baS etementaie ®ebäd)lni6, roel^eS iit naift 
bem SSorgange beS auSgejeid^neten ^Iigßologen 
@malb gering (18T0) als .eine aQgemeine 
gunttion bei otganiflrten Süateiie' (beffer ber 
.lebenbigen Subftanj*) betrodite. Siu ^oiS* 
Sle^monb oermei^felt t|tet in auffätliaer äBeife 
.Seele* unb ,4temu6tfein' ; ii^ roiH ba^tn ßf 
fteHt fein laffen, ob er biefe Äonfuflon nur auS 
»eiferen begebt Sa er felBfl boS 8emu6tfein 
füi eine tranSfcenbente ©ifc^einung erHäit, 
einen iEöeil bet anbeten Seelen • SJunttionen 
(g. ®. Sinne3'S^ötig(eit) obei nii^t, mu6 üti 
annehmen, bafi et beibe begriffe füi oetfi^ieben 
6ölt. aiuB anbeten ©teilen feinet eleganten 
Keben a^^t fieilii^ baä ©eflent^eit fietnoi, mie 
benn Überliaupt biefet beiübmte ffltietoi fli^ 
ßerabe in SBejug auf mistige Sprincipien-grogen 
oft ouffaHenb roiberfpridit. 3* betone ^ler 
no^malB, bat für micft baS ©eroußtfein nur 
einen S^eil bei Seelen-Sifdieinungen bilbel. 



74 



St^atti Aa)iiltL SStwu^tfcln bn Sttb. 



bic mir am iDlenfdKn unb ben ftütim %iiettn 
beoboci)lcn, tod^rcnb bei nmtauS giitetc ST^eil 
beifeRitn unbeiDugt ablauft 

b«s Bcnntttfefiu. Sowtit aiidi bic sei* 
fdlicbenen Stnflc^tni Abn bie 91atui unb btt 
Sntfteliunfl beS Snoutlfeinfi nuS dnanbei 
iüttn, fo laffen ftdi bo^ ttüt f^Iieflidi -- fwi 
flaret unb lonfequenler loetf^er fflefianblunfl 

— auf jwei enteegengefclite @runb>Snf4aU' 
ungen gurfldfü^n, ouf bie tranSfcenbente 
(bualiftifi^e) unb bie p^^fiologifi^e (mo- 
niflifi^e). Sä) felbB H'be von iifttx biefe 
letttere MuffafTung, unb jroat im Sidite ber 
(SnlroicfelungSIe^Te, vertreten, unbÄemiTb 
geeenniäifig pon einet großen SInjabI beroor- 
taeenbet 3latutfotfd)et fletfteift, wenn aucEi bri 
»eitern ni^f oon oQen- Sie erfle Änflt^t ba- 
acgen ifl bie Alteie unb bie weitaus oetbreitetere; 
^e iß in neuerer Qät tor SQem but4 Smil 
2)u IBoiS'EReqmonb niieber ju Zobern Sin- 
fegen gelangt unb bui^ feine berühmte „Seno* 
labimuS-SRebe'juetnembermei^bef^iriKfienen 
©egenftänbe in ben mobemen .äSelträtgfel' 
SiStufflonen' geroaiben- SJei ber aufterorbent' 
li^en ^ebeulune biefer ©runbfrage tonnen 
mir ni^t untMn, iler nodimalS auf ben ßem 
berfelben furj einzugeben. 

Uronsfeenbenj »es BetDUfttfcttu. 3n 
bem betAbniten iBortrage .fibei bie Strengen 
beS dtaturerlennenä" , neigen (S. 3)u iBoiS* 
91e^monb am 14. 3lugu^ 1872 auf ber Ülatuf 
fi>Tfd|er-93etrammIung in Seipjig bielt, feilte 
berfelbe gmet »erfwebene .unbebinjte 
©tenjen' unfereS 9iatutettennen8 auf , roel^e 
ber menfi^Iii^e Seift qui^ bei Dorgef^rittenRer 
3latut-@riennfnifi niemals übetf<^reiten roetbe 

— niemals, mie baS oft citiile Scblutroort 
beS JBorttQßä erapbatif^ betont: .agnorabi- 
muSI' 3)a3 eine abfolut uniaibare .Seit- 
SRftt^fel* ift ber .^ufammenfiang von SDiaterie 
unb Araft* unb baS eigentli^e äBefen biefer 
fu nbamentalen SRalut-Srf Meinungen ; ntir roer- 
ben biefeä .©ubftang-^roblem' im jniBlf' 
ten Kapitel eingegenb betianbeln. SiaS jmeite 
unüber|tcig(id)e ^inbernig ber ^bilofopgie foU 
baS Problem beS iBerau^tfeinS bilben, bie 
^ge: mie unfere ®eifle8tbätigfeit au3 mate* 
riellen ^Bebingungen, bejügli<^ Scioegungen jtu 
ertlären iß, nie bie (ber Materie unb Kraft ju 
@runbe liegenbe) .Subftau) unter beftimmten 
^ebingungen emp^nbet, bege^ unb ben!t'. 

Ser Äü:qe Silber, unb juglei^ um baS 
ffiJefen beä Seipgiger aSortraßeS mit einem 
©i^taßroorte ju äaraftetiileren , babe icb Bie- 
felbe aI3 .^gnDrabimuS'Slebe* bejei^net; 
e3 i^ bieS um fo mebr geftattet, aI3 @. Su 
JBoiS'iRe^mcinb fetbft o^t Subre fpätet (in 
bet iBebe übet bie Heben ffielttätbfel, 1880) ben 
aufeeiotbentli^en ßtfolfl betfelben mit beredifiß' 



tem Stolje rübtnen unb bobri fagen tonnte; 
.Sic Aritit f^Iuß aDe Siöne vom freubig gu- 
^mmenbcn Sobe biS tum megmeifenbflen Xobet 
an, unb baS äSorl ,3gnorabimuS', in 
meidiem meine Unlerfu^ung gipfelte, toarb 
ffirmlii^ }u einer 3lrt von naturpbüofop^if^em 
Sdliboletb-' S£E|atfä(^Ii4 erfdjonen bie lauten 
.iTSne beS freubig guftimmenben SobeS' auS 
ben 60rffilen ber bualiftiftfien unb fpititiialifti' 
fcben ^bilafop^ie unb befonbcrS au3 bem ßecr- 
iaget b« Eccleaia militans (ber .fi^margen 
Ontcmotionale'); ober au* aEIe ©pititipen 
unb aDe gläubigen ®em&tbei, raeli^e butc^ baä 
,3 g n 1 a B i m u 3' bie Unflerblii^Ieit ibter 
tbeuren .©cele* gerettet mflbntm, muten baoon 
entgftiJt. aien .niegnietfenbftcn label* etfubr 
bie giangcube agnorobirnuä-fflebe bogegeit an- 
fdngli(% nur von ©eiten toenigei Matarforfdier 
unb ^bilofopgen, von ienen SBenigen, bie 
gleidigeitig über binreit^enbe naturpbilofop^if^ 
iSenntniffe unb über ben erforberlit^en mnrdi' 
fd)en iStutt) perfügten, um ben bogmattfi^en 
2ta(^trprü4en beS aügeraaltigen S^ret&r3 unb 
£)iCtat(ir3 ber iSeriiner Sllabemie ber SiffeU' 
ft^aften entgegenjutreten- 

^er merfroürbige ©tfolg ber SgnorobimuB' 
aiebe (ben ber SHtbnet fetbft fpäter gelegentli^ 
als unbetetbtigt unb übettrtebcn bcgei^nct 
bat!) eitlätt fl4 au8 a»ei Otflnben, einem 
fluteten unb einem inneten. 9[eu^Tlt<i^ be* 
traf^tet mar biefelbe ungmeifelbaft .ein be> 
beutunggpoIIeS rgetorif^ei Aunftmerf, eine 
fd)Öne ^rebigt oon ^oger ißoäenbung ber 
tform unb überrafi^enbem SBei^rel naturpE|i(0' 
fopbifi^er IBilber. iBctanntli^ beurl^eilt aber 
bie ajle^rgeit — unb befonbet8 ba8 .fi^flne 
ISefd)Iei^f 1 — eine f^bne sptebigt nii^t nai^ 
bem matten 3been-®ebalte, fonbctn nad| bem 
äft^fi^en Unterbaitungäroertbe' (SRoniSmuS 
©. 44). Snnerli^ analuflrt bogegen entbält 
bie 3g«orabimu3'ERebe baä entf^iebene Pro- 
gramm be8 metap^^fif<^en ^ualilmuS; 
bie 3ßelt ift .boppelt unbegreiflii^': einmal 
bie materielle SQelt, in melier .SJEaterie unb 
fltaft' ibt Sffiefen treiben, unb gegenüber, ganj 
getrennt, bie immaterielle 3QeI. be8 .®eiR^'> 
in roeli^ct .3entcn unb ^emu^tfein nic^l ouS 
materiellen öebingungen eiHätbar' jlnb, wie 
bei ber erfteten. ®S mar ganj naturgemfifc 
ba^ ber Eterrfdjenbe 3)uali8mu3 unb SRqfticÜ* 
muä biefe Stnertennung bei iroei oerfi^iEbenen 
SKetten mit Segietbe etgtift, um bamit Jif 
Soppelnatur bei Snenfi^en unb bie UnfterbliA' 
feit ber ©eele ju bemeifen. 2)er ^ubel bei 
©piiituatiften tarüber mar um fo beEier uiili 
berei^tigtet, aI3 @- Su iBoi9>9Ieqmonb biS 
bübin al3 ein bebeulenber principteflcr Ser- 
tretet be8 roiRenf^oftli^en SIRateriaIi8mu8 flc 
gölten ^atle; unb ba8 roar unb blieb er au4 
(trofe [einer .frönen Kebeu' 0. ebenfo mie «H' 



ttt^ntrt StafHtl Scteugtfeiit bn €«It. 



75 



ontenn fa^tunbieen, tlaien unb lonfequtnt 
lunlenben WotutforWn: bet ©eßenniott. 

aSetbingS ^at bet äJetfoffet bet Sgnora- 
HrauS'Stebe am ©bluffe berfelbeit lutg auf bie 
griae ginaemtefen, od nt^t fent beiben gegen' 
fltierße^enben ,2l!e[tiätlifel' , baS aCgemtine 
Sobftang-^roblem unb baS befonbere Eßeniu^t- 
ftmä-^roblem, jufQramen fallen, ©ifagt: .Stei- 
Ii4 tft Mefe Sßorftelluna bie ttnfad)fte unb ber 
m^Ujit^en , roonac^ btc SQelt boppelt unbe« 
grnflii^ erf^etnl. 9Ibei eä liegt in bei 9]atui 
>n Singe, ba^ nrii aut^ in biefem fünfte 
nW jur ^latEieit tommen , unb alteS »eitere 
Sehen baiüber bleibt müßig-' — Siefer le^- 
ttten Änlliftt bin iiÖ oon Slnfang an entfc^ie- 
ten enteesengetieten unb bobe midt gu jeigen 
iemitlit , bag jene beiben großen ^agen ntc^t 
p« wifcbiebene SBeltiätbfel finb- .S a3 neu- 
i»Iogif(i(e Problem beS ffleniußtfeinS 
i|i nur ein befonberer Sali tion beni 
allumfaffenben toSmoIogif^en $to. 
Mein, bet SubBana-Svafle-' (SKoniSmuS, 
1692, @. 23.) 

SS in :^ier ni^t ber Ort, um nodimalS auf 
iii betieffenbe ^olemil unb bie febi umfang* 
teilte, barnber entflanbene Siteratut einju* 
fltien. 3(^ babe f^on vox 30 Saferen, im 
Sotmort jnt erften Sluflage metner Stnlfero« 
pogtnie, gegen bie ^gnorabimuS- Siebe, ibre 
hualÜHfi^en iptincipien unb i^re metapb^fif^en 
Inifli^tüfTe entftiiiEbenen ?!ioteft eiboben, «nb 
id) labe benfelben auSfübrlti^ begrünbet in 
«einer ©^rift übet .gteie aSifTenfAaft unb 
freie fiebre' (Stuttgart 1878, ©.78, 82 jc.). 
Sliii!) im .aJIoniämuä* ^abe i^ benfetben roie« 
tei berübrt {©. 23, 44). 2)u äBoiS-SHei). 
monb, niel^r baburt^ an feiner empfinb- 
Haften ©teile getroffen mar, antwortete febr 
Scceijt in oerfi^iebenenSReben; aui^ biefe finb, 
roie bie meiften feiner Dielgelefenen Weben, 
llenbenb bur^ ben eleganten frangäflf^en ©til 
unb ftlfelnb butc^ ben JSilberreidjtfeum unb bie 
überraf^enben SRebemenbungen. SIber eine 
wefentii^e ^Stberung bet aißelterlenntniB liefert 
ihtt oberfläc^Iicbe ESeliadtungSmeife ni<^t. 3lm 
iwniaften gilt baS com SarminiSmuB, aI8 
teften anbänget P^ bei Setliner 5ßbpfiDlDöe 
fpäter bebingungäroeife belennt, obgleuii er 
nie baS ©eringfte ju feiner Sörberung ge» 
tbw I|at; feine obfpreÄienben Semerlungen 
aber baS biogenetifi^e ©runbgefefe, feine Set. 
nwfung ber ©tammelgefi^iiilfe u. f. m. httun- 
ttn^^inlänglid), bafi berfelbe nieber mit ben 
"Wiiift^en ilbatfaiien bet oerglet^enben 
intniboiogie unb SnlmidelungSgefciiii^te ^in- 
teiiiNnb oertraut, notf) }u ber pfeilofopfeif^en 
SüTbigung ibrer bo^en tbeoretif^en Stbeutung 
'(ffl^igt roar. 

PlÜlftelosle bis Bcn>nf|tfeitu. £ie 
*lSniottige Äatur-erf^einung beS SemußtTein« 



ift nii^t, roie 3)u Soiä'Ste^monb unb bie 

bualiflifdie ^^ilofopliie bebauptet, ein pBUig 

unb ,buri4Qu8 tranSfcenbenteB sprobfem" ; 

fonbem fle ift, raie i^ f^on feit S3 labten 

bebauptet babe, ein pbqfioIogift^eS ?Jro« 

blem, unb aI8 foIi^eS auf bie ©rfrfieinungen 

im ®ebiete bet ^b^W nnb Sbemie aurürfju- 

fübren. 34 babe baSfelbe fpStet nocb be> 

ftimmter als ein n^toIogif^eS Problem 

bejtiftnet, roeil i^ '— <"-"■*■• •'-- *-^ — '— ■■ 

©emu&tfein (Sentei 

ienen b^beten Xbii 

ein centralifirti 

©inneS-Orgone so 

9lu8bilbung befielen. 

fl^ hca für bie tiif)e 

unb nor SIDem fi 

tbiete, au8 beten i 

f^Ie^t felblt entfpri 

bet bSi^ftenlmiiieltei 

u. f. a- ift pon ben 

bem @tabe, nicbt be 

bie giabueBen Unter 

.pernünftigflen' 3" 

3JJenf4en'SHaffcn(a 

finb geringer aI8 bie 

jmif^en (enteren ii 

3)ernunft ■ EDtenfi^eii 

Samard, S)arn)i 

fein ift mitbin nur 

©eelentbätigtei 

pon bet normalen 

©eelcn-Otganä, beS 

spbqfiologildje »f 
baben feit amanjifl '■ 
gefübtt, ba| berjenii 
t!|ier'@ebim3, ben 
,@i^' (beffet alä , 
bejei(^net, ein SEbeil 
jniai jener fpät entft 
bie „Oroßbimrinbe" 
Sorfol'Jbeil ber pri: 
^iorberbimS, ftd) i 
inorpbDt''sif<^e 
lo giften @r!ennlni 
mürbigeu SJortfiftritl 
esebirn-anatom 
ben ;perpoU[oramne 
ber neueften 3eit nei 
fig. ®Dlgi, ©bii 

SBobl bie mistig 
iß bie @ntbe(fung 
$aul a^Ied)fig in 
in ber grauen 91i; 
oier ©ebiele ber ce 
pier .innere Grapfi; 
ÄBrperfübIfpbäte in 
fpbäre im ©timlapp 
bauptSIappen, bie S' 
3mifi**n biefen piei .^^^^ CdOQlc 



76 



St^nbl flotiUlL ScUtttttlcitt bn SttU. 



X. 



t>i( otn gio^ .Scnt^eibc' obn ItfTDcunt' 
ecntreii, bic nolcn CrQanc bcS Seiftet' 
IrbcnS; fit flnb jene ^At^ffen SBetljieuee bei 
Seeltnt^atigleit, ncl^t ba3 3)cnlcn unb ba9 
99eRiu{itfetn venniltcin: vont bftS Stitn^im 
obet baA frontal« Unocionfi'Scittium, (inten 
oben ba9 @(^eiteI4im ober ))orictaIc UnodonS* 
fientrum, (inten unten baS Vrinctpalfiini ober 
baS ■grofic occipito ■ tempotale üfTociont« 
Centnint' (baS n)id)ttgtle von oDenQ unb enb- 
Iii!6 tief unten, im Snnem netftetft. bo8 Snfel- 
(im obei ,bie Steil'fdie Snfel', baS infitlare 
!IfTociiin9'Senttum> SJiefe »ier Senfiiertie, but(( 
eiaenll|üntli4e unb (B^ft Denoideltt Sternen' 
ftniltur »or ben greifi^enliesenben ©inneB- 
(erben auSeejei^mt, llnb bie magren ,3)en!' 
Organe*, bie eingigen Crgane unfereiS iQf 
wu^tfeinB. 3n neuefter S^H (at SIet(fig 
na^geisiefm, bafi in einem Xlieile berfelEien |1[( 
beim SRenfc^en na(( gang BefonbeiS oemiäelte 
Strutturen flnbcn, loeli^e ben übrigen Sduge- 
t(ieren fe(Ien, unb mtlätt bie Üeberlegen^eit 
beS raenft(Ii(^en JBemuStfeinS erllftwn. 

Poi^ologie 6cs Beivttttfeftu. Sie be- 
beutunßSDoIle Srlenntnil ber mobemen $(q1io> 
loeie, bng baS <Sio6(im beim SRenf^n unb 
ben (a(eren 6äuaet(ieren baS Organ beB 
SeifteSIebenS unb beS iBcraugtfeinS iR, niirb 
einleuditenb beft&tigt burc^ bie $at(o(ogie, 
bur^ bie Aenntni^ feiner Srtranlungen- 
Sßenn bie betreffenben St(eile ber @ro^(irnrinbe 
bur^ fiTant(eit )er|Urt roerben, erlif^t 
i(re ^ntlion, unb gmar lägt fii^ (iei bie 
Sotalifation ber @e(irn'^unftionen fogar 
Httttietl na^roeifen ; nienn eirtjelne ©teilen jeneS 
©ebieteS erfranlen, »erWniinbet auä) ber %l)ti\ 
beS SenlenS unb beS iQeniu^tfeinB, meieret an 
bie betreffenbe Stelle gebunben t^. 2)aBfelbe 
Srgebni^ liefert baB vat^ologif^e @;periment: 
ßerflBrung einer foldjen belannten ©tette (j. S. 
im ©prai§'E«ntrum) oemi^tet beren gunltion 
(bie Svvai)!!)- UebrigenB flenttflt Ja ber ßin- 
roeiS ouf bie B«rannteflen atttäflliitien @r- 
fi^einungen im ©ebiete beS äöeroulitfeinB, um 
bie DflUiae Slb^änaiflleit beSfelben con ben 
<^emir<^en SSeränberungen ber ®e(im>Sut» 
ftonj ju beweifen. Siele ©enttfemittel (Äoffee, 
a:(ee) reflen unfer Jienltierraaaen an; anbere 
(ffiein, Siet) ftimmen unfer ®emüt( (eiter; 
ÜCRofi^uB unb fiamp(er aI3 gEzcitaatia" bc 
leben büB erlSf^enbe SSeroußtfein ; aiet(er unb 
€(Ioroform betäuben baBfelbe u. f. n>. SBie 
mixt baä aineS mbgli^, nenn baB sSenufitff' 
ein immaterielles ^ffiefen, unabbdngig von Jenen 
anatomir(^ nacbgeroielenen Organen m' " 
Unb morin befl^t baS Semu^tfein bei . 
fteibli^en Seele', roenn fle nidit me(i Jene 
Organe be|lttt? 

Snie biefe unb anbere belonnte S(atfa4en 
beroeifen, ba| boB SewuStfein beim SDlenf*en 



unb genau ebenfo bei ben nddiftoeRDanbteii 
S(Iuget(ieren — ueianbcriid) i% unb ba| 
feine Z(dtigteit ieberjeit abgeänbeit werben 
lann burt^ innere Orfai^en (Stoffmedifd, !8Iuf- 
hetBlauf) unb dufiere Uifadicn (Serl^ung beB 
<Sc(intt. Sleigung u. f. xo.). @e(r !e(rrei4 
Unb au4 bie mertmfirbigen ^u^nbe beB aitec 
nirenben ober boppelten ^eioufitfeinS, 
metdie an einen .®enerationSnic<(fel ber Sor> 
fteQungen' erinnern; berfeKe SRenf^ jeigt an 
serf^iebenen SEagen, unter verQnbnten Um' 
ftflnben ein ganj nerfdgiebeneS ^emugtfein; er 
met^ (eute nii^t me(i, niaS 'er geftern gel^n 
(at; geflem lonnte er fagen: 3(^ bin 3t^; — 
(eute mu^ er fagen: 3^ bin ein Slnberet 
@al((e 3ntermifftonen beS SäeniultfeinS fCnnen 
ni((t blog Sage, fonbem SDtonate unb 3a(re 
bauem; fle tSnnen felbft (leibenb merben- 

ISntosenle bt» Bcwu^tfefns. Sie 
3ebermann meifi, ift baB neugeborene Äinb 
no^ gang obne i8eniu6tfein, unb wie ^te^er 
gegeigt (at, entniidelt f1i( bidfelbe erfl fpfit, 
nadibem baS Heine Ainb gu fpredien ange« 
fangen bot; eB fpri^t von fi^ lange 3«t in 
bei britten ^erfon- Srit in bem bebeutungS« 
DoDen anomente, in »eli^em eB jum erflm 
EDlale .3((* fagt, in iiieldiem baS .3((ge' 
fflbl' tiar roirb, beginnt fein Selb^bemugffein 
gu kirnen unb bamit autii ber ©egenfa^ jur 
Slugenroelt. Sie jf^neDen unb tiefgreifenben 
^ortfdirittc ber Srtenntni^, nel^e baS ^nb 
burtti ben Unterri^t ber (SItem unb ber @d|ule 
in ben erften ge(n fiebenSjaden madit, unb 
fpater langfamer im gnieiten S)ecennium biB 
gur »oüenbeten geiftigen SReife, flnb eng uer 
Inüpft mit ungädigen gortfi^ritten im Srönc^ä- 
t(um unb in ber Sntniidelung beB Semu^t' 
feinB unb mit berjenigen feineB OrganB, bäS 
@ebtrn3. !tber audi menn ber Si^ület bol 
,3eugmg ber 9)eife' erlangt (at, fo i^ in 
£[ßa(r(eit fein ISeraufitfein noi^ lange ni^C 
reif, unb Je^t beginnt erß red|t, in oielfeitigei 
Setfi(rung mit ber »uBenmelt, baB .ffielt- 
bemußtfein' fl^ ju entinirfEln. 3e|t etft 
reift im britten Secennium fene solle SluiS' 
bilbung beB uemünftigen 3)enlen3 unb bamit 
beS aSeroufetfeinB, roeldje bann bei normalet 
Sntniidelung in ben folgenben brei 3ii(rge(nten 
i(re reifen Srfl<%te trägt @en)3(nli4 mit 
E9eginn beS flebenten SecenntumB (baib ^(ei, 
balb fpäter) beginnt bann iene langsame unb 
allm&(lid)e IHaifbilbung ber (oberen @eift(S' 
t(ätigieit, roeli^e baB ©reifenalter ((arotteriflrt 
@ebä^tni^, EReceptionB'^Öbigfeit unb 3ntercffe 
an fpecieUen Ob fetten nebtnen mebr unii 
me(r ab; bagegen bleibt bie ißtobußionBföbtg' 
leit, bi^ gereifte aSemufetfein unb baB pbil»' 
fo)>(if4e Snteieffe an allgemeinen Seaie(unflen, 
oft nod( lange er(alten. Sie inbiüibueHe ent- 
midelung beB SerauttreinB in frä(er 3uS^^ 



XI. 



Clftrt Ao^iUtt UvIfiam^Wt in 6(tlc 



77 



bnvtiff bte aOgemeinc Scltung bcB b i o« 
eenttifi^en ÖTunbQt[tt|c3; a(n au4 
in [pfttetett 3a^en t^ biefdbe no^ oielfadi 
nfeimbar- SdienfiillS fibetjeugl un8 bie Dnto- 
Bniffe brS aSerouMwnS üuf'ä ftlarfte »oii ber 
tliatratbe, ba$ baSfelbe lein .immatmeQeS 
ffiefni', fonbein eine pb^fioloeifctie gunttion 
bei 3e^tntB ifl, unb ba^ eS alfo aut^ leine 
XuBna^me vom @ubftiingt@erege bilbet 

pimlogetiU bt» Bcwugtletns. Sic 
Sliatfa^e. hai baS ISemufitfein, gleii^ aUen 
anbeten Sctlent^ätigfetten, an bie noimale Uug' 
lilbung be^mmter C^Sant gebunben iil, unb 
bag ^(^ boSfelbe beim ßtnbe, in Bufornmen^ang 
mit btefen Sebiin-Oteanen, aUmäElli^ ent' 
niitelt, M^t ft^on von vornherein ft^Iie^en, 
bag baäfelbe auät innerhalb bei X^ierrei^e fi^ 
ftufentdeife (|i|tDtir<^ entroidelt bat- €o ^iitx 
niT aber aui^ eine fDld)e natütliciie @tamme3' 
seft^ii^ie beS aSeroufitfeinS im ^rintxp 
bebaupten muffen, fo wenig fhtb wir boi^ leibet 
im Stanbe, tiefet in biefelbe einjubtingen unb 
fwcieKe ©^volliefen barüber aufaufteUen. Sn- 
beflen liefett unS bie ^aläonlologie bod^ einige 
inteteffante anbaltgpuntte, bie nit^t oEine f8f 
keutuno finb. Suffonenb ifl g- V- bie be< 
btutenbe, quantilatiDe unb qualitative ®nt> 
mitteluns beS <BebitnS bet placenialen Sause« 



l^iete innerbalb ber ZettÜt'S«'' *n oielen 
foffllen ©Äifibeln berfelben ift bie innere S^öbel* 
babU genau belannt unb liefett unS fixere Suf' 
fdjlfiffe übet bie Stbfie unb iöe"™-if- ■"■* "»"- 
ben ^QU beS baoon umf<%IofTeti 
geigt ftd| benn inneibalb ein< 
Segion ^- S9. bet ©uftbiete, be: 
6ertent$iere) ein gemaltigei 9 
filteren eoeAnen unb oligocäner 
mioednen unb pliocSnen Set 
Stammes ; bei ben leiteten iß 
Setbaitnii jur J^ärpergrage) ' 
al8 bei ben erfleten. 

üu^ jene bOAfte (Enlmt 
IBemu fitfein 8, roeldie nur ber 
en;eid)t, ^al fi^ erft aümäblid 
— eben buti^ ben goitfi^ritt bi 
auS nieberen Buft^nben entrai 
no4 beute bei primitiven SHatui 
3)aS jeigt un9 fci^on bie S 
Sptai^en, niel^e mit ber 
griffe eng oerfnüpft ip. 3^ 
beitfenben Äullur • SRenf^er 
iSilbung etitroidelt. Je meftt ei 
gablreii^en oecf^iebenen Sin 
meinfamen anetfmale üufam: 
unter allgemeine ^Segriffe )t 
Ilatet unb tiefet wirb bamit 



iHftes Kapitel. 
Unfterblic^feit der Seele. 

Olontftift^e Stubien über C^onatismus unb Atltanismus. Kosmtf^e 
Unltertilit^lieii AggregatsjuItanÖ ber SeeleH'Subftanj 

änbalt: S)ie SibattKe bc8 ^etglaubenl. üibontimu) unb Z^anatiSmut. 3nbi 
H Xobei. Un^blicblttt bet SinjeUigen (Stottflen). AoStnifiibe unb ptilfinll($e U 
mditt X^notUmuS (bei 9tatutbb(tetn). SctunbAtet Xbanatilmul (bei AUtim t 
mfya). Kt^nilmul aub Keligion. Cntßt'^ng bei Ilnftnblic^IeitSelaubenB. 
nUmu). 3>a3 enioe Seben. £aS iangRe filetidbl aRetap%ftf(i^ ntbanünml. 
lttbct•.6eeI^ 8uft«eele. gTflffige unb fe^ Seelen. Snflnbuc^Iett btt Zl^feelc. 
gegen ben Vt^aniSmi^. Sa^ntüifc^e S^u^nen. 



Snbem lott unB von ber genetifi^en Se* 
tin^tung bet ©eele ju bet ßto^en SJtafl« »Stet 
•Mnfletbliiftfeit' menben, betreten mit iene§ 
tüdlfte Oebiet be3 Aberglaubens, nel^eS ge* 
wiffetmofiert bie unaerftflrbore GitobeDe oQet 
mnflift^en unb bualifitf^en SorfteUungfi'ftteife 
bilbet- 2)enn bei biefer flatbinal'Srage fnfivft 
R4 an bie tein p^tlorDp^ifc^en Sotftcllungen 
ne^r aI3 bei iebem anbeten $tobIem baS ego- 
iftif^ 3"teteITe bet menf^tiitien ^erfon, mel^e 
um ieben ?tei8 ibte inbivibueHe gottbouet übet 
ben 2:ob ^inauS gatantitt ^aben iviQ> 3)iefe3 
■bBitere OemütfiS-aSebürfnife' ift fo mä^tig, baß 
* aae logtfttien Stftlüffe ber Iritif^en SBemunft 
ütt ben Saufen mirft. ^eniult ober unbenult 



ivetben bei ben nteiften SDIen 
oHgemeinen Snfic^ten, alfo ou 
anfc^auung, von bem S>ogm( 
Unftetbli^leit beeinflußt, unb 
tiftfien Sttt^um Inüpfen tlA 
tungen von roeiteftteic^enbei ä 
baber unfete Stuf gäbe fein , i 
nidttigen SogntaS tiitift^ }u 
UnbaUbatleit gegenübet ben 
lenntniffen bet mobetnen ^ioli 
Ctt^anistmu nn6 S^a 
einen (utjen unb bequemen 
beiben entgegengefettten ®i 
übet bie Unflerblt^feitS-Stai 
jei^nen mir ben @lauben a: 



~.oogIe 



78 



Cllltl ttapütt nnrtnMt^Mt bn CmIc. 



XL 



nnttciblic^Ieit bt8 ÜRenf^cn* alS %t^anif> 
ffl u S (obgtltitct oon Athuea obet Athanatos — 
unfttiblid))- Sogeem nennen mir X^anatiS* 
m u 9 (abgeleitet Don Thanatos — Zeh) bte Uebet* 
leuauna, baß mit bem Xobc b«S aRenfcfien nid)t 
nui aOe Obriam p^nHologif^en SebenStbAtie* 
feiten erUft^, fonbem aud) bte ,@ccle' oei' 
rdininbet, b- 6- Jene Sutnnu oon ®ebiIn■9un^ 
ttonen, roel^t bcc pfqdiif^ SualiflmuB als ein 
eigenes ,9!cfen', unabb'instg oon brn fibrigen 
£eb«nS'iteu$eningen bäl läenbigen ftiriieiA, 
betrautet 

3i^em mit ^er baS v6i)fioIoetr4e ^loblem 
beS SobeS berübrcn, betoneit loii not^mais 
ben inbioibuellen Sbaiaher biefei oigani- 
fiften SiatuT'Srfi^einunfl- SBit oetHeb«" inilet 
tob auSf^Iteglid) baS befinitioe Sluf^aten ber 
SebenSl^tigfeit beS oTSanifi^en :3nbtoi' 
buuniS, gleit^otel meldet fiategorie ober 
mtUttn Stufenfolge ber OnbtDtbualität baS be> 
treffenbe einaelroefen anßebart. 33« ÜUenf^ ift 
tobt, roenn feine 0erfon ftitbt, glei^oiel ob er 
gar leine SRad)(omin«nfd|üft birttetlaffen bat, 
ober ob tx Sinber eijeugt bot, beten *ßai^' 
tommen fli^ burt^ »iele @eneiationen frutf)tbat 
fortpffangen. SUlan fogt ja in ßeraiffem ©inne, 
ba| ber ,@eift' gro6er SJlilnnet (j- i8. in einer 
3)qnaftie ^emortagenbEt öenfi^et, in einer 
Sarailie talentooHer flflnftier) bui* iSenera- 
tionen fortlebt; unb ebenfo fogt man, ba6 bie 
,©eele'au8flejei(ftneter grauen oft inbenÄinbern 
unb fiinbeStinbern fti^ forlei^ält. SlUein in 
biefen SäUen banbelt eS fi^ ftetS um oerraidelte 
Sorgänge ber Sßereibung, bei neldien eine 
abgelSfte mittofropififie 3el[e (bie ©permoaeHe 
beS fflatetl, bie ffiigeBe bet iUJuttet) geroiffe 
Kigenfi^aflen ber ©ubflanj auf bie 91a<i(otnraen 
überträgt. 35ie eingelnen ^etfonen, meiere 
iene Oefc^lei^tSjeden }u Xaufenben piobuciren, 
bleiben trotibem fterblii^, unb mit iEirem Sobe 
erlifc^t ibre inbiDibueUe Seelen-iTbätt gleit ebenfo 
niie iebe anbete pöpflologif^e Sunftion. 

Unfterblf^KeitberSinjemgcn. «Reuec 
bingS ifi oon mebteren nambaften SoDlogen — 
am eingebenb^en 1882 oon SBeiSntann ~ 
bie älnfl^t oettbeibigt morben, bafs nui bie 
nieberften einjeSigen Ctganiämen, Cie $rO' 
tiften, unftetbli4 feien, im ©egenfaie ju 
aUen oieljelliflen liieren unb ^Ranjen, beten 
SQtper auS ©cnieben gufammengefettt ift- >8e- 
fonbetS rautbe biefe feltfame Sluffaffung baburdö 
begtünbet, bag bie meiften $rotiften fl(f| oof 
TOiegenb auf ungefcblet^tltc^em Söege oerrae^ren, 
burc^ Ibeilung ober ©potenbilbung. IBabei fler- 
fdUt ber gange ABrpet beg eingeOigen OtganiS- 
muS in jroei ober mebt gleidiniertbige ©lüde 
(loiijtetjellen), unb iebeä biefer Stfitte er0änjt 
Pill loieber bur<ft aSacbStbum, biS eS berüRuttet- 
jeQc an ISrSße unb gorm gleiift geworben ift. 
«Bein buri^ ben aSeilungB-lptocefi fetbft ifl ja 



bereits bie Snbioibualitat beS einjeOigen 
OrganiSnniS oetnti^tet, ebenfo bie p^nflologifdie 
nie bie morpbologifdfe Sinbeit- ^r SSegiiff 
beS Snbioibuumfl felbft, beS .Untbeilbaren', 
roiberlegt logifi^ bie Sluffaffung oon SBeiB- 
mann; btnn ei bebeutet ia einefSinbeit, bte 
man nit^t tbeilen tann, obtie ilir äSefen auf* 
lubeben. 3n biefem ©inne finb bie einzeiligen 
urpjIanacR (Protopbyta) unb bie eingeUigen 
Urtbiete (Protosoa) geitlebenS ebenfo iQionten 
ober pbqfiologift^e Snbioibuen. wie bie 
oicljeilieen , gemebebUbenben ^ftangcn unb 
Xbiere. "Saat bn ben k^teren tontmt un* 
gefiEiIei^tlit^e l^ortpfianjung bun^ etnfati^ S^- 
lung Dor (j. SQ. bei mannen !9teffeltbieren, fto* 
rollen, (Dlebufen u- StO; baS aHuttertbiet, ouä 
beffen Xbeilung bte beiben Xoditertbteie beroop 
geben, ^ot au^ biet mit bet Trennung auf' 
gebütt gu e^iftiien. SßeiSmann behauptet: 
,ß8 giebt leine ^nbioibuen unb leine Sene- 
rationen bei ben $rotogoen im ©inne bet 
Snetojoen.' 3(^ inu| biefen Safe entfdiieben 
beftteiten- Sa ii^ felbft luetft (1872) ben 9t' 
griff bet SRetajoen aufgefteHt unb biefe oiel- 
geHigen, geioebebilbenben Xbiete ben eingeüigen 
^rotojoen Onfufotien, Mbtjopoben u- f. w.) 
gegenübetgeftellt babe, ba icb felbft fetnet guetR 
ben principieDen Unterf^ieb in bet <Sntn)i(fe> 
lung SBeibet (bort auS Äeimbiftttetn, bier nicbt) 
begiünbet babe, muß ii^ um fo mebt beConen, 
baß ii$ bte$rotogoen im pb^flologifdien (alfo 
aud) im pfqi^ologifdjen ©innel) ebenfo filr 
ftetbli^ balte mie bie Snetagoen; unftetb' 
ti<^ ift in beiben @ruppen roeber bei Seib no4 
bie ©eele- Sie übrigen irtttiümlic^en ^olge* 
tungenSßeiSmann'S finb bereits (1884) buti^ 
SnoebiuS loibetlegt niotben, bet mit Sleibt 
betPotbebt, baß .31UeS in bet SBelt peiiobif4 
gefi^iebt*, unb baß eS .teine Guelle giebt, aui 
nieIdieiunftetbli(^eoiganifdie3nbii)ibuen bitten 
entfpringen fbnnen'. 

Uo»mtf4e vnb pwfSnlt^e Unltccft* 
lit^Aeit. aßenn man ben SBeßtiff ber Unfterb- 
li^ieit gang allgemein auffaßt unb auf bie ©e* 
fommtbeit ber erlennbaren Sßatur auSbebnt, fo 
gewinnt et roiffenfdiaftli^e IBebeutung; er et' 
fjeint bann ber monifhf^en Sßbilofopb'f uitftt 
nut annebmbar, fonbem felbftDerftänblitf). Senn 
bie Ibefe »on bet Unjerfiatbatteit unb emigen 
Sauet oDeä ©eienben fönt bann gufammen mit 
unferm b3<^Ren SJatufSefeSe, bem ©ubftanj' 
Oefeft (12. Äapilel). Sa loit biefe IoSmif4e 
Unfterblii^Ieit fpdtet, bei Segtünbung ber Sebtc 
iion ber Srbaltung bet Äraft unb beS ©toffeS. 
auSfübtlii^ erSttem nierben, balten mir unB 
bier ni^t n>eiter babei auf- Süelmebr menben 
mir unS foglei^ gur Aritif feneS „Unftetblicb' 
teitS • ©laubenS*, bet gembbnli^ allein unter 
biefem begriffe oetftanben mitb, ber Smmoitfl' 
litdt ber perfdnli^en Seele. S&h unte^ 



XI. 



Clftel AaditcL llnftablt^Mt tn 6«l(. 



79 



filmen gunS^fl i>ie Seibteitung unb Sntfte^ung 
biefn m^^tf^en unb bualiftir^en SotReÜunQ 
iinii betonen ba£« befonbeiS bie neite äJei' 
bieituiifl iftreS ®eßent^«iI8,;b«8 moniftitt^en, 
nnpirifiä begrünbelen £^analiSmu3. ^d) 
itnteif^eibe ^ter a!3 gtoei mefentlic^ oeift^iebenc 
lErfifiemuneen beSfetben ben ptimftren unb 
bcn felunb&ten ISanatiimuS : bri erfterem 
Ül tier aRanflcl beS Unftci:bIid)(eit3'3)Dema§ ein 
uifpiünfllidjei (bei iititnitioen 9tatun>91tern); 
btr fttunb&te Z6anatt8mu3 bagegen ift ba8 
fpätt <£[jeu0ni6 nernunftgemäger 9talur>@t> 
tntntnig bei ^oi^ entmidelten ttultunblletn. 

primfiTcr S^anatUmt» (wrfprftngi 

Rtf|«vinanscI&CTUnfteT&IU4Aefto>36ee). 

Sn vielen pf)ilofop^ifc^n unb befonbeiS l^eo- 

logif^en @4tiflen Icfen mit not^ ^eute bte 

SäjQuptunQ, ba| bei @Iaube an bie pet[bnlicl)f 

tln^eibliiiifeit bei menfc^Ui^en ©eele allen 

SAenfi^en — ober bod) allen .oemünftiflen 

9Jlenf(6en" — urfprünalt^ OWO'tifoni fei- 2!a8 

ift folfc^- SliertS Sogma ift nrebet eine ur* 

ilTänali^ SoifCellune bei menMIii^en %ei' 

Kunft, no(& ftat ei {emoIB aKeemeine SQeirbieitune 

iilfibi. 3n biefei äegU^ung ift oot Slllem niii^tie 

W Udmc ei9 neuttbineS bui^ bie oereleii^enbe 

St^ologie fcflgeHeltte Xbatfa<^e, ba^ meiiTeTe 

ItaturDaifei bei dlleften unb primititiften Stufe 

tbnifo menie con einei Unfteiblii^Ieit als von 

tinemfEtotte iigenb eine JlorfteQune ^aben. 3)ai 

fiilt namentlii^ von ben äSebbaS auf (Seqbn, 

jenen primitiven $qsmäen, bie roii auf <3ntnb 

in ouägejeii^neten gorfiijunßen ber fienren 

@aiaf in für einen Qebene^ ber dlleften inbi- 

ton .Htmenldien' galten; fem« oon mc&remt 

öüeften Stämmen bet nä^ftfeiroanblen Sro- 

nibia, »on ben inbife^en ©eelongS unb einißen 

Stammen ber aiufttalneflet. llbenfo lennen 

meutere bet primifioften UttiSIter ber ameiilO' 

nifi^ SRaffe, im inneren Srafitien, am oberen 

Smäjonen > Strom u. f. m-, n>eber ®fittei nod) 

Utißerbli^tett Siefer primäre SRanßel beS 

Unfitetbli4{eit8' unb @Dtte3-@lauben8 ift eine 

niii^tiee SJatfa^e; « ift felbftnerftänblic^ rooM 

(u unterfi^eiben oonbemfelunbftren Manael 

iieSreOien , melden etft ber ItS^ftentmi^elte 

SuItut-äHenfc^ auf ®runb Iritif^-p^ilofop^i- 

|i^ ©tubien fpüt unb ntü6(am ßeioonnen 6at. 

Seftunbfivcx S^onatistnu* (ertoordea 

n» mangel ber Unfterblb^fiettS'Jbee). 

am ©eßenfage au bem primären jTIianatiämui, 

^ ftdjer bei ben olteften Utraenf^en urfprüng- 

li^ bfftanb unb immer eine »eite SBerbreitung 

bthfi, ift bet fe!unbare SBlanflel beä ^mmot- 

lalitatö.@Iauben8 eift fpät entftanben; ei ift 

'Ift bie reife Snic^t einßelienben 9fad|benfenS 

über .geben unb Xob', alfo ein ^robutt eistet 

unb unab^äne'Ö« p6ilofop5if^ei: IRefleEion. 

m foldier tritt et unS fc&on im fe^ften 3abf 

Wett Dor S^t- bei einem Zueile bet ionif^en 



SlaluTpIiilofop^en entsegcn, fpAter bei ben 
®rlinbem b« alten moterialifttfi^en V^ilofop^ie, 
bei Scmottiloa unb SmpcbotUS. aber 
au4 bei SimonibeS unb @pifut, bei 
Seneca unb ^liniuS, am metften burdige* 
btibct bei SuctetiuS SaiuB. itI8 bann 
naii bem Unterflonee beB Mafftf^en aUert&umS 
baS S^riftentbum ft^ ausbreitete, genann mit 
iitm ber SU^aniSmuB, aI3 einer feinet loit^tioften 
®laubenB<UrtiIel, bie ^ildifte Sebeutung. 

äBä^renb ber langen SrifteBnai^t beS li^tift' 
li^en MtttelalterB maßte begteifli^er SBetfe 
nur feiten ein lü^ner greibentei feine ab- 
met^enbe tlebeijeußunß ju äufiern; bie Säei- 
fpiele Pon @alilei, oon ©iotbano Sruno 
unb anbeten unab^ngißen spbilofopfien, roelä)e 
Don ben .Sftodjfolgern ß^rifti" bei lortur unb 
bem St^eiterbaufen überliefert mürben, fdirectten 
genügenb iebeS freie iBeFenntnil ab. 2>iefeg 
niurbe etft mietet mSßUd), nadibem bie tHc 
foimation unb bie jRenaiffance bie Sldma^l 
beS $apiBmuB gebtodien Ratten. 3}ie Se« 
f^ic^te bet neueten ^biCofop^ie geißt bie 
mannißfaltißen SBeße, auf benen bte gereifte 
menfc^lit^e Vernunft bem Stberßlauben ber Hn* 
fterblid|Ieit gu entrinnen oerfui^te- Smmef 
^tn oetlieEi bemfelben tto^bem bie enge ^tv 
InQpfunß mit bem ^liftli^en Soßma aui^ in 
ben freieren ptoteftantifÄen ftreifen folifie 
äHa^t, baS felbft bie meiften übeijeugten ^i* 
benler i^e Süeinung ftill für ftdi bebielten- 
91ur feiten »>agten einzelne bctoorragenbe 
Snanner üre Ueberaeußung pon bei Unmaß' 
lid}feit bei Seelen'^ orüauei nai^ bem Xobe 
frei au betennen. IBefonberS gef^ab bieB in 
ber ameiten Hälfte beS a^tjel^nten Sa^t^unbertB 
in Stanitei* "on SoUaiie, Santo n, 
Smirabeau u. Ü., ferner oon ben Saupt- 
nertretem beB bamaligen SmaterialiSmuB, ßol- 
ba4rSameltrieu-3I- 3)iefelbe Uebetjeugunß 
oertrat aut^ ber geiftreiclie Sieunb bet Steteren, 
ber grölte bet ^oiienaoQeTn'tJ'ürften , ber mo> 
niftifi^e .$^itofopb oon SanB'Souct'. SQ}a8 
iDütbe giiebtii^ bet ®ro|e, biefer .ge« 
tränte XHnatift unb Sll^eift', fagen, 
nienn et beute feine moniftifdien Uebetjeugungen 
mit benjenigen feiner IRa^foIßei oetgUic^en 
Wnnte! 

Untet ben benlenben Sleijten ift bie 
Uebetjeugung, ba| mit bem Xobe beB SDtenf^en 
auäf bie ©EipfJ feiner ©eele aufböte, mobi 
feit Sa^ibunberten feftt oetbreitet ßeniefen ; aber 
aud) fle jäteten M meiftenS wo^l, btefelbe 
au^aufprei^en- ^uät blieb immerhin noi$ im 
18. Saiirjunbett bie empitif^e Senntni| beB 
@e^itnB fo unooDfommen, ba& bie .©eele' alB 
ein tätbfel^Qftet 33en)of|ner beBfelben idte ftete 
Stiftena fortfriften tonnte. Gnbgültig befeitißt 
rourbe btefelbe erft butd) bte DJiefenfortf^ritle 
bet öioloßie im 19. Sabifiunbert, unb befonber« 



eiftrt Staplül nnftnbUHMi bn GhU. 



XI 



in bcITen jnieltci ijülftt- Sit eee^nbune bn 
ilcfcenbeng-XElcorie unb tm 3tll<n'3%one, bic 
ütwnaf^enben Snlbetfunsen bn Dntoeeni« unb 
bet (S;perimental'$&qfloIoeit, uot Itllcm obet 
bie beivunbemSmürbtocn gorifdiTittt bet miftiK 
ffoptf^n (Sebini'SInotomit cntjoflcn bcm StlHf 
niSmuB aI[ntW4 leben Qobnt, fo ba$ {etit 
nui ftlten tin rat^tunbign unb e^rlit^n fSiotogc 
nodi für bie tlnjtcTblicbfcit ber Seele «nliilt- 
Sie monifHf^en ^biloroplien beS neunjt^ntfn 
aa^tgunbectS (6tiau|, ^euetbad), )8fi(E|' 
nti, 9iau, Spencer u.f. »■) ünb fdmmtlif^ 
fibeijeugte St^anatiHen- 

fUlianismus unb BcUgton. St« iveitelle 
Seibreitung unb bie ^b^fle fBebtulune bat baS 
Sogma bet iterfBuIi^en nnftetbliditeit txft 
buic^feineinmstS3eibinbunsmitben®Iauben&> 
Ic^ien beS SbtiltentbumS eefunben; unb 
biefe Eiat andt ju ber trtt^fimlid^en, beute no4 
febr oerbreiteten Slnflcbt flefübrlr bafi baflfelbe 
überhaupt einen mefentU^en @runbbe|tanbtbeil 
teber geläuterten ^eliflion bUbe. SaS iH 
bun^auS nii^t ber SoUl Ser @[au&e an bie 
nnfleibli^tftt ber Seele feblt »oQftdnbiQ ben 
meinen b^bet entraiJelten onenlalift^cn dtt* 
lietonen; er febll bem SubbbiSmuS, ber 
no(^ beule über 30 ^rocent ber gcfammtcn 
men[(!| litten IBcDbüening ber @rbe bei^erif^t: 
er feblt cbenfo ber alten SoIIg-tReligion bet 
^binefen nie ber reforinirteni ffätei an beren 
©teile Betretenen Sleligion beS SonfuciuS; 
unb, roaS baS 3Btd)tisfte i% er feblt ber Alteren 
unb reineren iübifd)en SleUeion; nebet in ben 
fünf aSfi^em SUlofeB' no^ in ienen AUcren 
©Stiften beS Sllten XeftamenleS, roel^e Dor 
bem babqloniTi^n @£il gefdirieben mürben, tft 
bie Se^re non bet inbioibuellen ^ortbauet na^ 
bem Xobe tu flnben. 

(Entfte^ung »es Unftcrblt^Reit»- 
Sloubcns. Sie nrnftif^e StoifteQune, ba^ 
bie Seele beS !D]enf4cn nadi feinem Sobe fort' 
bauere unb un^erblid) neiterlebe, ift fli^er 
volqv^qletifd) entftanben; He feblte bem 
dlteften, Mon mit Spraye begabten VLx- 
menfi^en (bem bwotbetifi^en Homo priini- 
genius 3Ifien§) gemife ebenfo nie feinen SJot. 
fabren, bem PithectmibropuB unb Protby- 
iobatee, unb roie feinen mobernen, nieniß ent« 
mi&Ilen Sla^Iommen, ben SBebbaS von Qe^Ion, 
ben SeelongS non 3nbien unb anberen roeit 
entfernt mobnenben Statut-SSölfent. (ärfl bei 
junebmenbet SBernunft, bei einßebenberem ^aä)' 
beuten über £eben unb £ob, übet S^laf unb 
Staum, entmidelten fli) bei cerf 4tebenen älteren 
aJienfiJen-Siaffen - unobbängig von einanbet 
— m^ftifi^ Siotftellungen Aber bie bualiitifdje 
ftompolWton unfeteS DrganiSmuS. Sebr »et- 
f^iebene SRotbe merben bei biefem pol9pb^Ie> 
tif^en Sotgange jufammenBeniirh baben : 
9lbnen*fiultu3, Setmanbten- Siebe, fiebenSluft 



unb 3Qunft^ bet SebenS-Serlängerung, ^off 
nung auf beffetc SebenS-SSerbSItniffe im 3en 
feitS, Hoffnung auf Selobnung bet guten im] 
Befttofung ber f^le^len Ib«ten u. f. to. Si 
Derglci^enbe $fqd)oloBte bot unt neuerbingi 
eine gtolc Vniobl von fcbt t>etf4<ebenen bet 
attigen SlaubenS-Stc^tungcn fonnen gele^ 
gtogentbeilS bansen biefe^en eng jufammei 
mit ben dlteffen formen beB SotteSslaubeni 
unb bet SteÜBion überbaupt- 3n ben meifter 
mobernen SieltBionen ift bet KtbaniSmuS 
enB oertnfipft mit bem XbeiSuiuS, unb bii 
materialiRif^e Sorflelluns, meltbe fl4 bit 
meiften Släubtgen non tbrem .petfbnlit^en 
©Ott' bilben, fibertragen de auf ibte .unfteib^ 
lii^ Seele'. SaS gilt cor Mem pon ber 
berrfdienben SSeltteltgion bet mobernen ftultur* 
t)M!er, vom ßbriflentbum- (Sergl- Sbalbett 
Sooboba, ®eflalten bcS OtlaubenB. 1897.) 

iCtrlfUii^ct UnftefbHdtfecUS'IBIaube. 
9Bte allgemein betannt, ffot baS Sogma oon 
ber Unfletblitl^Ictt bet Seele in bei ÄtiRÜdien 
{Religion ftbon lange bielentge feRe ^otm an- 
genommen, tveli^e ^i^ in bem @IaubenS<SrtiteI* 
auSfpfi^t: .3d| glaube an bie Stufetflebung beS 
^[etf^eS unb ein cnigeSfieben.' SßteamO^^ 
SbtifluS felbft oon ben ^lobten auferftanben ift: 
unb nun in @niigleit olä ,©otteS Sobn, fi&enbi 
jut re<bten 6anb ©otteS', gebälgt mttb, perr 
flnnlii^en unS unjäbtige Silber unb Segenben. 
3n aleit^er SBeife nirb autb bet Snenfti ,om 
i&ngflen Zage aufeifteben" unb feinen Sob» 
für bie SObtung feineS einzigen ISrbcnlebenS 
empfangen. Siefet ganje (Eitiltli^e Soi- 
fteUungSIreiS ift but4 unb but(^ materio' 
iifttf^ unb antbtopifHfd) ; er erbebt fi^ nitbt 
diel Ober bie entfpte^enben toben SotftelEungen 
uielet nieberen DJatutPdflct- 3)a^ bie .Auf- 
etftebung beB gleif^eB' unmBglii^ ift nmi 
eigentlitb 3eber, bet einige Äenntniffe in Stno- 
tomie unb ^bqflologie befigt. Sie aiuferRcbang 
SbriiU, ntUke von Ü^illionen glAubiget ^btiftcn 
an iebem Oflerfefte gefeiert roirb, iü ebenfo ein 
retner SThj^uB nie bie .Slufemeitung von ben 
2!obten', nieldje berfelbe mebrfadi auSgefübtt 
baben foQ. ^fir bie tetne Setnunft finb biefe 
mqftifi^en ®Iaubeng>3CrtiIeI ebenfo unannebnt' 
bar mie bie bamtt oetlnüpfte ögpotbefe cineS 
■emigen SebenS'. 

Das ewige Ceben. Sic pbantaftifdien 
SorfteQungen, nieldje bie d)riftlii^e Air^e über 
bie eniige g^ortbauer ber unfterblti^en Seefe 
na(b bem Zott beS SeibeB lebrt, finb ebenfo 
tein moterialiftift^ wie baä bamtt oethtfipfte 
Sogma »on bet .Sluferftebung be6 gleifi^eS'- 
©ebt tii^tig bemerlt in biefet *8ejiebung Su' 
oage in feinem intereffanten Sßerte .Sie Sic 
ligion im fiiitte bet Samin'ftben fiebre' (1886): 
.Sine ber ftebenben Slntlagen bet Aittfie gegen 
bie eiff enfdiaft lautet , baft leitete matetialiftildl 



eifttS flü^JÜd. Un^rtlt^Irit b« enlt. 



81 



34 miittt im Sorbeigeiicn baniuf auf* 
Tam ma^en, bag bie saitje tirifiUc^e 
ßtllune Dom jutänfttgen ätitn 
jc^ei unb nix^ Mt bei leinftt 
terieltSntuS mat unb tu Sei mo* 
Gcib foB aufetpc^n unb in einem 
[en Fimmel no^tn-' Um fl4 ^ienon 
fiberjeugen, braucht man nui unbefangen 
bn unjdÜigcn ¥i>bigten ober aut^ ber 
:fcnrci4*n, neueibinfiS fe^i beliebten Xifd)* 
11 )u lefen, in bencn bie Qenlit^teit be3 
rigen ficbent alB bB4fteS @ut bä Sänften 
ber Slaulie baian als Siunblage ber 
inle^ gepiiefen »irb- Sa etmarten ben 
tnen fpirituali^ff^n @Iiubigen im .^ara- 
, . . Je' aSe ^ttuben beS ^ot^enhDideltcn gefeUigen 
JtuItut'SebenS, todfiienb bie flottbfen ano* 
tcriali^ twin .liebenben Sater* burt^ eroige 
Cftllenquaicn gemartert »erben- 

mtiapimm^t* UnfterbH^fectts ■ 
aiatbc (Segenflber bem moterialifKf^en 
SOnnttiNuS, wel^n in bei d)iifUic^ unb 
moiiammcbanif4en ftiiciK (etif^enb ill, vei- 
tritt fcbeinbai eine reinen unb etilen OlaubenS* 
form bei mctap^qfifilte Kt^aniSmuS, 
tmc t^ bie meinen bualtltiri^n unb firiri» 
tuoliflir^cn ^^lofop^n Id^ren. %IS bei bc 
bcutenbib! Qegtünbei bcSfelbcn in ^loto lu 
bctm^ten; et Ic^ite ft^on im oieiten 3a^i' 
bunbert ooi ßbri^S ienen ooIUommcnen 
SuoIiSmuB greiften Selb unb Seele, ntlättx 
bann in bei ^tißli^cn @Iauben3tebre j|U einem 
bei t^tetif4 mi^ttg^en unb piattif d) nnriungS* 
wOftcn Itrtttel muibe. Sei £etb iff flerbli^, 
materidl, p^üf^S bie Geele ift un^blitd, im« 
MoteiieQ, metöplräf (4- <U«bc finb nui wäiienb 
beS inbimbueOcn SebcnS ooiflbcigelKnb oet' 
buntwn- Sa Vlato ein emiget Seben bei 
autonomen €cele fomolil vor Ott no4 bicfer 
leitnieiliorn Seibtnbung annimmt, ift er au4 
Vnltdngn bei «etelennianbcrung'; bie 
6edcn c^i^iitcn oll foI4e> nIS •emtge Sbeen', 
fdton beoot fic in ben menT4Ii4>n fiötpei ritt* 
traten- 9la4bem fle benfelben seilaflen, fud)cn 
Re Ad) oB SBo^noit einen anbeten fliipet aufi, 
ber ilirei ©efftaffen^eit am meiften angemeffen 
Ht; bie @eeUn von Diaufamen Xtjiannen 
Wflpfen in ben ftbiver von Sbtfcn unb 0eiem, 
biejcniflen von tugenb^ften Ktbeitetn -in ben 
fieÜi von Qienen unb Umeifen u- f- a- Sie 
tbiblt4en unb naii>en Knf^Quungen btefei 
plolonif^en Seeleiile^ie liegen auf bet ganb; 
bei iDeiteiem Ctnbiingen eif4ctnen fle cäQtg 
BUMieinbai mit ben fti^erften pft)d|olDgird|en 
Sitenntniffen, vaüätt mit ber mobernen älna- 
toHie unb $lra^ologie, ber fortgefcE)rittenen 
ttilologie utib Ontogcnie cerbanlen; nir ei> 
»Ibnen ftc (iei nur, tneil ffe tio^ ibrei %b- 
fmiitdt ben gibttcn fultui^i^orif^en @influ^ 
tilangten- Senn eineifettfi fnOtifte an bie 

(ac«(I, IBcttiltUtl. 



platonifc^c Seelenleliie bie Tltf^it bei 9Ieu> 
platonitei an, meCi^e in baS ßbriftentlium Sin* 
gang gemann; anbereife Ü8 rouibe |ie fpOtei 
gu einem fiaujitpfeiler bei fviiitualt^f^en unb ' 
ibealiftif^en V^ilofop^e- Sie platonift^e 
,3bee' Deimanbelte ft4 fpätei in ben iBe* 
gtifT ber Scelen'Subftang/ bie oÜeibingS 
äienfo unfagbai unb metapbi)fif4 iR. abei bo4 
oft einen pbqfllalififien Stnf^ein geroann- 

Seelen ■Subftanj. Sie auffaffung ber 
Seele al8 ,©ubftani' ift bei oielen Sfndio. 
legen feI|runRor;balbmirbbiefeIbe in abflraltem 
unb ibealiRifcbem @inne alB ein .immateiieHeS 
Sefen' von ganj eigent^ümß^cr Un betrautet, 
balb in toniretem unb lealiftif^em ©inne, balb 
als ein unHareS äßittelbing jmif^en beiben- 
galten mir an bem moniftif^en Subftan)« 
begriffe feft, nie mit ibn (im 12. flapitet) alt 
einfai^fte (lliunblage unferer gefammtcn äBelt' 
anfdiauung entmitteln, fo i|t in bcmfelben 
(Snctgic unb ajlateri* untrennbar ««■ 
bunben- Sann mÜfTen mit an bet .Seelen« 
Subftanj' bie etgentlit^e, unB oHetn betannte 
pfi|d)if4e ©netgie untetfdjeiben {ffim* 
pfinben, ^orfteDcn, ^oQenj unb bie pfqt^iftlic 
ajlaterie, Butd) roel^e aHein biefelbe jur 
äßirtung gelangen tann, alfo baS lebenbige 
$laBma. !8ei ben IiObeten 2^f|ieten bilbet 
bann ber .Seelenpoff* einen Xbeil beS SRetoen' 
SqflemB, bei ben niebeten, nemenlofen X^ieten 
unb ben ^ffonaen einen X^etl ibtee sielgeUigm 
$la§ma-ftötpet8, bei ben einjetligen ^rotiften 
einen Z^il i^ieS pla§malifd)en Qe&m'^bTx>m. 
Somit tommen wir raieber auf bie Seelen* 
Organe unb gelangen ju ber naturgemäßen 
Stlenntnig , ba6 biefe maletieHen Otgane für 
bieSeelentWttgWtunentbeötlit^ffnb; bie Seele 
felbD ober ifl aftuell, t^ bie Summe itrer 
pdijftoloaif^en Sunftionen. 

@an} anbeiS geftaltct fUt ber Segiiff bei 
fpecififcl)en Seclen^ufeftanj) bei Jenen bualiftt> 
f4en ^^ilofop&en, nelcbe eine foldie onnebmen. 
Sie unftetblt^e .Seele' fod bann jroai materiell 
fein, ober bo4 und^tbar unb ganj oerfdiiebcn 
oon bem fltt)tbaien Stäxjttt, in meinem fle 
nobnt- Sie Unfii^tbarteit ber Seele miib 
babei alS ein febi mefentlic^eS Attribut ber< 
felben betrautet- (Sinigc oerglei^en babei bie 
Seele mit bem Ketbet unb betrauten He glei^ 
biefem aI8 einen äußerft feinen unb Uit^im, 
{|6d|ft bemeglidten Stoff obet ein imponbeiableS 
SlgenS, meli^eS überall imifclien ben mdgbaren 
X^eilc^en beä lebenbigen OtganiSmuB fd|n>ebt- 
Rubere bingegen oetgleit^en bie Seele mit bem 
tnebenben SBinbe unb fc^teiben ibr alfo einen 
gaBfBrmigen 3u|tanb )u; unb biefer SJergleid) 
ifl ia au4 beiienige, melier guer^ bei Den 
9iatuioClIem ju bet fpater fo allgemein g«* 
morbenen buali^ifi^en Suffaffung fübrte. Stenn 
ber anenfd) fhtib, blieb bet fibiper alS tobte 



eifttl Aa^ibC XLnflnbmm b« etüt. 



XI. 



Sei(^ jurQd; bic unRerfilii^e Seele aber .ntt- 
Hob aus bemfelben mit bcm legten St^emjuge*. 
aettiexi Seele. Sic Seieleii^una ber 
tnenfdiliiiien Seele mit bem |ibi)|1falifd)en Üel^er 
als qualitatin ä^nlitlitm SeBilbt ^al in neuerer 
3<it eine tontreten (Seflalt gewonnen buic^ 
bie SToSaitigen ^oitfc^iitte ber Opitt unb ber 
Sletlrijitfit (befonbeiS im legten 2)ecenntum); 
benn biefc Men unS mit bei (Energie beS 
Stt^eiB betannt gemacht unb bamit juglei^ 

.__..«.. *^.»=. , .... materielle Kotui blefeS 

I QtftattH. Sa ii^ biefe 
fpdter (im 12. ftapiteO 
d) mii^ ^irr nid)t meiter 
n nur lurj barauf öin- 
Inna^me einer Setzei' 
n^altbai geicorben i^. 
^e Seele', b- ^ eine 
die bem v^qfltalifdien 
gleich i^ jtoil'äien beti 
eS lebenbigen ^laima 
[n ft^mebt, lann unrnfig* 
enlebcn ^eraorbiingen. 
S(nf4auungen , weUie 
unfeiefi SafnbunbertS 
en, no^ bie Serfui^e 
iliSmuS, biernnfttfc^e 
V^i)fltanr<^ Üellier in 
b ^eute me^T ber SlJiber- 

aOgemeineT verbleitet 
n ^o^em Slnfe^ Ite^t 
le bei ©eeUn 'Subftang 
efcfiafTenbett guf^ieibt. 
bung beS menfc^Iii^en 
nie^enben JSünb^au^e; 
id| für ibentif^ gehalten 
men belegL ÜnemoS 
Heiden, Slnima unb 
: flnb urfprünglit^ SBc 
iuft^au^ beS äßinbeS; 
auf ben Kt^em^aui^ beS 

€pdter nurbe bann 
■ mit ber .Sebenälraft" 
il3 baS Sßcfen ber Seele 
n engerem Sinne alS 
B, ber ,®tift'- SoDon 

»ieber bie ^^antafle 
ber inbivibueÜen ©eifler 
' („Spirito"); QU(t| biefe 
leiflenB al§ .luftfBrmige 
mit ben pft^fiologifdjen 
niämuäl — DorgefteHt; 
en Spiritiflen • greifen 
I trofebem p^otograp^irtl 
[tc Seele. 3)er (£;• 
in ben Mlten ®ecennien 

gelungen , aße gaS' 
in tropfbar -Pfifflflen — 
1 ben fefte« — Äggregot- 



3u|tanb flberjuffi^tcn. SS bebarf baju weiter 
niditB als geeigneter Apparate, meltfie unter 
fefir iofitm Sruct unb bei fe^r nieberer Sem* 
peratur bi* ®afe feljr ftail tomprimiren. Slitftt 
aUein bic luftfbrmigen <S(emente, SauerftoH' 
SBafferfloff, StWftDff, fonbem aud) jufammen. 
gefet)te @afe (JloI|(enfAure) unb ®aä'®emengc 
(atniofpliärif^e &uft) finb fo auS bem lufü 
fBtmigen in ben RQfflgen guftanb iierfe%t 1 
morben- 3>aburc( finb aber itne unfid^t« | 
baten ftbtper für ^ebermann fii^tbar unb 
in gemiffem Sinnt .^nbgreiflidi'' gemorben. 
SRit bietet Slcnbeiung ber 3)i4^tcit iß bei 
mp^dje nimbuS oerfi^munben, melt^ frOiier 
baS ^rfcn ber ®afe in ber gemeinen Unf^auung 
peifc^Ieierte , alS unft^tbarc Jlikper, bie bo4 
fl(f|tbare Sffiirlungen auSflben. ffienn nun bie 
Seelen.€ubßanj mitflid), nie otele .@ebUbete' 
notf) Iieute glauben, gaSfBrmig npdrc, fo m&Bte 
man aut^ im Stanbe fein, fle bur^ Snmenbung 
con ^o^em 2)rud unb febr nieberer Semperotnt 1 
in ben Pfiffigen Suftanb fibergufübren. 9Ran | 
tonnte bann bie Seele, neldie im EDlomente 
beS SobeS .auBge^u^t' mirb, auffangen, unter 
fe^t Qo^em Srud bei nieberer Z^emperatur 
tonbenftren unb in einer SlaBftafdie al3 
.unflerblti^e ^Ififft gleit' aufbenia^ren 
(Floidum uümae inunortale). 2)urd) niettert 
übtfl^lung unb Aonbenfation mügte eS bann 
au4 gelingen, bie flüfdge Seele in ben feften 
Suftanb Überjufüören (.Seelen-S^nee'). i8iS 
jetit ift baS S;periment nod) nic^t gelungen. 

Unltcrbltt^llctt ttt S^ierfcclc. mmn 
ber SltbianiSmuB mabr mdtc, toenn roirllt^ bie 
.Seele' beB 9Renf4en in oUe ISmigfeit fort» 
lebte, fo mflfite man ganj baBfelbe au^ für 
bie Seele bet fieberen Si^eie befiaupten, min- 
beffenS für btetentge ber nAd)ftf[^enben SSuge- 
t^iere (3Iffen, &unbe u. f. m-). Senn ber 3RenH 
geic^net fi^ vor biefen letiteren ni^t butt^ eine 
befonbere neue Slrt ober eine eigent^fimli^e, 
nur iftm julommenbe Sfunftion ber ¥ffl^< 
aus. fonbem lebtgli^ but^ einen b^^eren 
@Tab ber pfq^tfqen SI|3tigteU, burd^ eine 
codlommenere Stufe i^rer (gntroidelung. SSe« 
fonberS ift bei vielen ÜRenf^en (ober bur^auä 
nicbt bei aUenl) baS Senufitfein Iib^er ent» 
roidelt alB bei ben meiflen 2i)ieren, bie Säft'B' 
teit bet 3been-9I1Tocion, beS SenlenS unb ber 
Betnunft. ^nbeffen ift biefer Unteifi^teb bei 
heilem nit^t fo grog, als man geraä^nlid) 
annimmt; unb er ift in jeber ESqieliung oiel 
gering« als ber entfpreiJenbeUnterf^ieb jroif^en 
ben^Bfieten unb nieberenl^ierfeelen ober felbftoB 
ber Unterftiiieb gmifi^en ben ÖB^ften unb tieften 
Stufen ber OTenft^enfeele. 2Denn man alfo ber leS- 
teren .perfBnfitlie Unfletblif^Ieit' jufdjreibt, fo 
muEi man ^e au(^ ben l|3^eienX^ieren gugefteben- 

Siefe Uebcigeugung von bet inbiuibu^en 
Unfterblidileit bet X^iere i\l benn ou^ ganj 



XI. 



elfte! flapUtl ItnnRilic^ItU bre SmIc 



natinennfifi bei oielm Seilern ollei unb n 
Seit ju finbeit; abtt au4 {etit not^ bei vielen 
binfetitien äftenfi^en, mel^e für ft^ felbfl ein 
.mieeS Seben' in Snfpni^ nehmen unb gleidi' 
jtitie eine giünblidbe empirif^e ftennlnil beS 
Seelenlebens bei X^ieiebeft^en. S^tannteeinen 
alten ObeifBi^, b«, fifi^gcttis »enoittrod unb 
finieiloä, m^ oIS btcilig So^tc einfam in einem 
ilcRli<^en S}albe Don Oftvreu^en Qelcbt ^tte. 
Seinen einjiBen nntgane btlbeten einige S)ienR' 
[tute, mit benen er nur bie nbtliiBflen SBorte 
wdjfelte, unb eine qxoit SReute her wt« 
tWenften ßunbe, mit benen er im innigften 
Cttlen-Sert^t lebte- 3)ur4 cieliä^riee Qi- 
iidiune unb 2)refTur berfelbcn ^attc fidi biefer 
fonfinnige SSeoba^ter unb SOaturfrcunb tief in 
^ inbioibucDe ¥f4d)c feiner 6unbe eingelebt, 
unb er n>ai oon beien pcrfBnU4ei ünfterblic^- 
Itit ^nfo feil liberjeust, nie oon feiner eigenen, 
^ielne feiner inteUisente^n 6unbe flanben 
üu^ feinem obiettiuen Serglei^e auf eineT 
alleren pfqdiifc^en Stufe alS feine alle, ftumpf» 
Rnniee äülagb unb ber ro^e, tinfälligt finedit. 
3to unbefangene ISeoba^tei, ber So^te lane 
isl bemufte unb inteOigente Seelenleben auB* 
Btjeidineter ßunbe Bubirt, bet üufmertfom bie 
Pdlfiobgifdien »organge ilireS SenlenS, Ur- 
tVilenS, @4Iie^S twrfolat iat. ivirb jugeben 
Küffen, ba^ ftc mit gleichem 31ed|te bie .Un- 
tnbli^Ieit* für fl^ in Stnfprui^ nehmen fOnnen 
mt ber SRenf*. 

B«n>ctfe fSr bcn at^nntomtu. Sit 
^titnbe, niel<^ man feit graeitaufenb Sta^Ten 
mtbie nnftetblii^leit bet Seele anfübrt, unb 
>d^ auä) ^ute no^ bafür geltenb gemadit 
•«rten, entfpringen jum gtfllten Ifieile nii^t 
Jnn Stieben nai Srtenntnil ber aSobttieit, 
fonlietn cielmclii bem fooenonnten ,8ebfirfni6 
W ©emüt^eS* , b- 6- bem 5ß&antoflelelien unb 
w 3)idit«nfl. Um mit ff ant gu reben, iR bie 
nnftnbli^teit ber Seele nii!|t ein gtlenntni^- 
Ciieft ber reinen ffiernunft, fonbem ein 
.Softulot bet iirü(tif(i|en Setnunft'. 2iiefe 
l<|teie unb bie mit t^r gufammenliangenben 
■^«bürfniffe be8 ©emütlieg, bet motalifi^en 
K^ieftung" u- f- ». muffen roir aber ganj auB 
Km 6|iiele laffen, menn mit efitUiJ unb un« 
Mangen jur reinen ffitfenntnif beiaOa^t^eit 
adangen rooQen; benn biefe i|l einjig unb 
wn butd) einpitifA begrünbete unb Ii>gif4 
WK S^Iüffe ber reinen Sietnunft aiBß{i<(|- 
«* Bilt alfo 6iet oom Ht^aniBmu» boä- 
mbe, wie vom E^eiflmuB; beibe finb nur 
«eßtitRänbe ber m^ft^en Sü^tung, be8 ttonä. 
"nbenten .OlaubenS', nii^t ber oemünftig 
It^ltefeenben SBSifTenf^aft. 
, Kottten mir aQe bie einzelnen ®tünbe ono« 
•wn, mtläie für ben UnftetBIitiileita-OlQuben 
emenb gemat^t rooiben flnb, fo mürbe fl* er- 
Owen, ba| nidjt ein etngiget betfelben mirfli^ 



miffenfi^aftlidi ifl; lein einjiger wrtr JtQt fl4 
mit ben flöten Srtenntniffen, mel^e mir bim^ 
bie p^^fiologifi^e ¥fi)d|ci(ogie unb bie Snt> 
mideiuneS'Z^orie in ben legten Secennien 
gemonnen ^aben- 2}er t^eologifi^e ISemeiS, 
ba6 ein »etfbnli^er St^öpfei bem SHenf^en 
eine unfteiblii^e Seele (meiftenS aSi X^eil 
feinet eigenen Oottä-Stele betrautet] einge- 
bautet Itäit. ift retner Snqt^uS- 2)er to8mo> 
logift^e «emeiS. ba6 bie .flttlii^ SBeÜorb- 
nung' bie emige Sortbauer ber menf^i^en 
Seele erfoibete, iß unbegrünbeteS Sogmo. Set 
teleologift^e «emett, baft bie .^ft^ctc ee> 
Rimmung' beB Snenf^en eine DoDe KuSbilbung 
feiner mangeibaften irbift^n Seele im ScnfeitS 
erforbere, berubt ouf einem falft^en Knt^o* 
piSmuS- Set maralifc^e SemeiS, bat bie 
Snangel unb bie unbefri^igten Sünfi^ bet 
irbifdien S)afein9 burdb eine .au^lei^enbe 9e> 
tei^tigleit' im SenfeitS befricbigt loerben tnüffen. 
ift ein frommer äBunf^i loetter ni<i)t9- Set 
etbnologifd)t QemeiB, bafi ber <3IauBc an bie 
Unftetbli^teit ebenfo mie an <9oU eine ange> 
borene, allen SRenf^n onneinfame fflabt^ 
fei, ift tbatfä^n^et Snt^um. Sei onto> 
logif^e f&tmtiS. bafi bie Seele al8 ein ,ein> 
fai^eB, immaterielles unb untbeilbaie8 IQJefen' 
unmCglid) mit bem Xobe serf^roinben tonne, 
beiubt auf einer ganj falf^en Äuffaffung bet 
pf^älifdien Qrf^einungen; fie ift ein fpiritua* 
liftifi^r Strrtbum. KQt biefe unb anbete &bn' 
litte .iSemeife füt ben StbaniSmuS' ftnb bin- 
fäUig gemotben; fie flnb but4 bie miffeufd^aft- 
lidte Äritil bet legten Setennien befinitio 
raiberlegt 

Bemeife segcn htn at^onfsmn*. 
Gegenüber ben angefübtten, fSmmtlidi unbalt' 
baren (Srünben für bie Unfterblii^feit bet 
Seele iß eB bei bet boben IBebeutung biefet 
Sftage mobl jmeifmä^ig, bie moblbegrünbeten, 
roiffenfcbaftlicben Semeife gegen biefelbe biet 
luri gufammeniufafTen. Set pb^fiologifiiic 
^emeiS lebtt unS, ba^i bie menf(bli<f|e Seele 
ebenfo mie bie bet b^beten Ültitvt tein felbft- 
ftänbigeB, immatetieüeB Sefen iR, fonbem bei 
fioDeltio-Begtiff füt eine Summe »on @ebitn' 
gunltionen; biefe Pnb ebenfo mie a0e onberen 
SebenBt^Atigleiten bu«!) BbiifHaÜfi^e unb i^e- 
miff^e ¥toceffe bebingt, alfo autf) bem SubRanj- 
(Sefe^e untemorfen. Set biftologif^e lBe> 
mei8 grünbet M auf ben ibdift vermidelten 
mitroftopif^en fBau beS @ebirn3 unb lebrt 
uns in ben (Sanglien 'Seilen beBfelben bie 
roabten .Slementar-Dtgane ber Seele* lennen. 
Set eipetimentelle SBeroeiS überjeugt unä, 
bag bie einjelnen Seelentb&tigleiten an einzelne 
Segirfe beS SSebimS gebunben unb obne beten 
normale ISefibaffenbett unmitgiid) flnb; »erben 
biefe S9egitle getftdrt, fo etlif^t bamtt au^ 
beten ^unttion; inSbefonbeie gilt bieSoonbe» 



84 



ClfM AapittL nn^&U^bit bn Ctdf. 



XI. 



,£enforganen' , bcn einjigen centralen SBcI^ 
Mueenbefi .SeifteSlcbena'- 3)eiiiat(alogif<iäe 
htntit ngänit ben pbi}ftologtf4en ; menn it- 
ftimmU (S^int'^qitfe (®pTad)-ficntrum, €cl|- 
fp^fitCr fiöifpiSrt) buTi^ ftnmfbeil tnftStt 
raerben, fo cerf^ninM au4 beten Sibcil 
(Sfin^en, Geben, 6aren); bie Stalui felbR 
fü^ ^ier baB entf^eUienbe p^qftaloßift&e S|' 
Veiimeitt aus. Sin ontoBenctif^e SenwtB 
ffibtt un3 unmitlelBai bif Ziiatfadien bei inbi* 
sibuellen Sntmidteluns ber Seele dot Kueen; 
uii fe^en, nie bie AinbeSfeele i^re einzelnen 
ffd^gleiten na4 unb na^ entoidelt; bei 
Süngling bilbet fl4 jitt noDen €lßte, ber 
Silann jui Tcifen Snidit aut; hn @ietren> 
ÜUet flnbet aQmabli^e Stfidbilbuno bei Stdt 
ftatt, entfptetl^enb bei fenilcn Segenciation beS 
(Sebime. Set p^qUsenetifc^e f&tatit ftül^ 
fid) auf bie Vaiaonlologie, bie oeiglei^enbe 
Knotomie unb V^qflologic btS Se^imS; in 
i^ei gcgenfeitigen SigAnjung begiünben btcfc 
SBiffenf^ften oeietnigt bie ©etniglieit, bafi baS 
@e|iin beS Stenf^en (unb aifo au^ belTen 
Sfunttion, bie Seele) fli^ (hifenneife unb oQ« 
mdlilid) ouS bemjenigen bei Sdugct^iere unb 
meitei^in bei niebeicn SBiiMtliieie entoicfelt 

at4antfti(4c 3nufien«it. Sic nDi^ei' 
gefeenben Unteifut^ungen, bie but^ oiele anbete 
Stgefiniffe ber mobeintn SBüTenft^aft etgdnjt 
weiben ISnnten, ^oben baS alte 3)osina von 
bet .UnfietUii^ett bei Seele' aä üBUig un^alt* 
bu nadigennefen; baSfcIbc tann im (manjigRen 
Sa^tbunbeit ni^t me^t ®egenRanb eintet 
RiifTenfd)aflli(^ei tfer^iiuni, fonbetn nui no4 
beB ttanSfcenbcntcn ÖlaubcnS fein- Sie 
,JlntiI bei icinen Semunft' neift abet nat^, 
iai biefei ^o^gefdiä^te ©laube, bei Sit^t be> 
ttaditet, beitcineSbetglaube i% ebenforoie 
bet oft bamit veilnflpfte @laube an ben ,|iet> 
fBnlii^en (Sott*- 9hin galten abet na4 ^eute 
SRiOicnen von .Gläubigen' — ni<fit nut auS 
ben niebeien, ungebUbeten SoIIBmaffen, fonbein 
auB ben Üö^eien unb 6act)Ren SilbungSfteifen — 
biefen StbetglauBen ffit ibi t^euetfteS iBeütitbum, 
fÜT t^ien ito^bat^ @^a^'. (£8 »iib ba^ei 
nBibifl fein, in ben bainit »ertnüpften Sßoi- 
fteQungS'ltteiS no^ etmaS tiefet einjuge^en 
unb — feine SBabt^eit »otauSflefetjt — feinen 
roiTlIii^en ^ert^ einer (ritif^en Prüfung gn 
untetaiebfn. Sa etgiebt fid» henn für ben ob« 
idltcen ffritit« bie Sinfitbt, baS jener SBettb 
jum gtöfiten Ibeile auf Sinbilbung betubt, ouf 
SDlangel an tlarem Uxt^eil unb an folgeriditiflem 
Senlen- Set beflnitice äJerji^t auf biefe 
.atbaniflift^en Sllufionen* mürbe na^ 
meiner feften unb ebrlit^en nebetgeugung für 
bie SDlenfc^^eit nii^t nut teinen fdjmetslicöen 
aSetluft, fonbetn einen unf^ölbaren po(i- 
liuen @eioinn bebeuten- 



SaS menftfili^ .<9emQtH>Sebfirfni6* 
(Alt ben UnßctbIid)IeitS^Iauben befonbeti anS 
Itoei @rünben fefl, erftenS in bei Hoffnung 
auf ein bcffctcS inUnftigeB Seben im SenfeitB, 
unb jnicitcnB in bet ^ofhiung auf SBiebcife^en 
ber tleurcn Sieben unb ffieunbc, uMldie unB 
bet tob biet entiiffen (»t. SoB iunfid)^ bie 
etffe Oof^tung bettifft, fo cntfirai^t fte einen 
natfitlid)en ScifleltungB'täefflbl, baS imat hiB- 
iettio benötigt, abei obicttiu obnc ieben 9n< 
balt i^ Sic eibeben Xnfpia^ auf fint- 
f^Obigung ffit bie ja^Oofen SRdnael unb 
trautigen Sifalitungen biefeS iibif4en 3>afeinB, 
ofine itgenb eine leolc SuBfliEit ob« Oamntie 
bafür gu bellten. Sit oeifangen eine unbe* 
grengte Sauet eineB emigen Scbeid, in mdi^etR 
mir nut fiuf) unb Stcubc, leine tlnluR unb 
leinen S^tnetg eifdbien wollen. Sic Sor- 
jungen ber metften Slenftben aber btefä 
,felige Seben im 3enfeitB' |inh W^ft feltfom 
unb um fo fonberbarer, olB barin bie .immot^ 
neue Seele' fi^ an ifbitf^ materiellen Qlenüffen 
erfreut. Sie fbcntafle febei gldubtgen Vetfon 
geftaltet fläf biefe permanente &enlid)teU ettt- 
fprei^enb ibren peifönlit^en IBünfÄen. Set 
anuiilantfd)e Snbianet, beffen SltbaniBmuB 
Stiller in feiner nobonietfifi^en Xobtentlase 
fo anfc^aultdi ft^ilbeit, bofft in feinem Vatobiefe 
bie benli<i)pen Sagbgtfinbe iu ftnbm, mit 
unetmc^[i4 i>ielen Süffeln unb Q&tcn; bet 
SStimo ermattet bort fonncnbefliabtte <tiB' 
Rddien mit einet unetf^Bpfli^en Süll« iwn 
(Eisbären, 91obben unb anbeien VoIartÜieien; 
bet fanfte @ingbalefe geRaltet fi^ fein jenf(ttigeS 
$atabieS entfvre^enb bem munberbacen Snfef« 
tßatäbiefe Seqlon mit feinen beirlic^en ®dtten 
unb 3B&(bent; nui fetjt er ooiauB, ba^ iebei* 
gett unbegiengte SRengen von 9teiS unb Suir^ 
con Aotoänfiffen unb anbeten Stühlen bereit 
fteben; bet mo^ammebantfcbe Htabei iß fibet* 
geugt, bai in feinem $atabiefe blumeniei^e. 
f<^attige ©Arten fl4 auBbebnen, buti^touf^t 
Don tüblen Cluellen unb beoOIfert mit ben 
fi^bnften anibdien; bet latboltf<be 3ifd)ei in 
Stcilien etnartet bort tägli^ einen Uebeiflu^ 
ber t5ftli4ften 9ifd)e unb bei f etnften Onaccaront, 
unb emigen 9lbla| ffit aDe Sünben, bie et ouib 
im emigen Seben noi^ tdglii^ begeben tanni 
ber eoangelif^e SiorbeuropSet bofft auf einen 
unermefili^en gotbift^en Som, in melcbem 
.erotge fiobgefdnge auf ben öetin ber ßeef 
ft^aaien' ettönen- Äurj, iebet Släubtge et- 
märtet oon feinem enrigen Seben in 9SiaM0 
eine biiette ^ottfegung feines inbioibttdbi 
Srben-Safeinfl, nur in einet bebeutenb ,Wf 
mebrten unb eetbefferten Stuflage'- 

8efonberS mu$ biet nod) bie burtbouB 
mateiialiftif^e @tunbanfd)auung b^ 
ibtiftltc^en SttbaniSmuB betont metbcn, 
bie mit bem abfutben Sogma oon bei ,Xuf> 



IL 



(Slftcl Stapiltt nafttthrnW bn Gfele. 



Sit imB Xaufenbe non Oelgemdlbm berA^mtn 
SReiSn oerfinnli^, gefeit bie .auferftanbenen 
Crilmr' mit i^ten .nitAereebOTenen Cfeleit' 
ttibnt im Ointtttd genbe fo fpajteien, nie 
tin im Sammert^ol bet <Stbc; tie flauen &oü 
mit iftten Äugen, Re Wwn feine ©timme mit 
üien Dören, jle finaen ßieber gu feinen @liten 
mit ibtem fie^Itopf u. f ro- Äutj, bie mcbet« 
not SeiDDliner beS ^tiflli^en $atabiefeS flnb 
tknfo Soppeliuefen son Seib unb Seele, 
(benjo mit allen Drflanen beiS itbif^en SeibeiS 
fluige^ttet, wie unfere Ältootbern in Obin'S 
Sod gu SBal^aQa, nie bie .unfteibli^n' 
lütlen unb Sltiiber in 9Jlo6ommeb'8 liebli^en 
^ambieS-Sdrlen, mie bie ollöriecötfcöen ßolb« 
gittei unb Reiben an 3eu3' Xafel im Cl^m«, 
im Stnuffe »on SReftat unb Mmbtofla. 

9ßDS man fi^ biefeS .eroiee Seben' im 
latabiefe aber not^ fo ^enli<4 auBmalen, fo 
mi-i baSfelbe auf bie Sauet unenblit^ lang- 
»filifl merben- Unb nun flat: .Smig!* 
Dbne Unterbte^unfl biefe eniige inbioibueHe 
eiißeng fottfüiienl 3)er tiefflnnifle SUIat^uS 
com .Qmtgen Suben", bü8 »eigeMi^e 
Mtfu^en beS unfeligen U^SveiuB foQte unS 
ikt ben äBettfi einrf folgen .emißen öebenB' 
aufflärenl 3)oB Sefte, moS mit unB nad) 
einen tüi^tigen, nacii unfenn beffen ©emiffen 
pt ansemanbten Seben nünf^en Knnen, i|t 
in ewiae Stiebe be8®ra&eB: ,6ett, f^enle 
ijnen bie emige ERube!' 

ätbet sentfinftige Sebilbete, ber bie geolo* 
Sif^e Betttedinung tennt unb bet übet 
bie lange Slei^ bet Sabtmilltonen in bet otga- 
nif^m Stbgef^i^tc not^gebad)! ^at. mufi bei 
unitfangenem tttt^etl gugeben, bafi bet banale 
Säxmte beB .enigen £ebenB* au4 füt ben 
lifStn Slenfd^en lein ^etttidKt Xtoft, fenbetn 
<int fui^tbate Störung if). 9h» aHang«! 
tn tiatem Uitfieil unb folgeti^tigem Xienlen 
bmt bieB bettelten- 

Sen beften unb ben am meiften beie^tigtcn 
8tu«b (üt ben HfbaniSmuB giebt bie Hoffnung, 
« .eroigen fieben' bie treueren Änfle^örigen 
unii ^teunbe mieber ju feben, »on benen unB 
iier auf gtben ein graufameB ©c^idfal ftü6 
gelrennC ^at- UBei ouci^ biefeB oermeintli^e 
fM emieift fi<^ bei näbetet JBetta^tung alB 
SÜuilon; unb jdienfallB rofitbe e8 ftatit buttii 
ii< äuSfldit getrübt, bort auift allen ben weniger 
«iBene|men sSefannlen unb ben reiberniärtigen 
oriitben JU begegnen, bie biet unfet 3)afein ge* 
Wibl ^aben. Selbft bie nöt^pen Samilien-Sei' 
wini^e bflrften bann bo^ mandie ©AiDietig« 
wen beteitcnl Siele SRAnnet wütben gerail 
Wnt onf aSe Cwtriidilettcn bei VatobiefeS per- 
(<4tm, wenn fte bi* 9miWtäi b'Uten, bort 
.enig* mit i^tet .beffcten OOIfte* obet gat 
"W l«n €c^icgcnnuttet gufamnien ju fein- 



%uät iß eB fraglich, a( bott Sti 
oon Snglanb mit feinen ' 
bauemb nobl fäblte; obet i 
ber ©tarte von $oIen, bet 
^unbett Stouen f(^nttc ut 
Äinber geugte! SJa berfelbe 
alB bem .©tatt^altet ®otteB 
&u6e llanb, müßte Qud) er 
mobnen, troti aUer feiner Sfld 
feine t^5Tid)ten JtrtegB-tIbi 
^un berttauf enb ©a^fen baB 

Unläibaie ©c^mierigteit« 
gläubigen üt^niften bie 9 
Stabium i^rer inbi» 
10 1 J e I u n g bie abgefi^iebenc 
Seben' fottfübren foQ? @dI 
neu etft im Fimmel ibre Seel 
bemfelben barten .Äampf u 
ben ÜRenft^en dier auf bei Q 
ber talentvolle Süngling, 1 
QTIorbe beS JlriegeB gum 
äSalboQa feine reii^en, unfleni 
entnndeln? @olI ber afterl 
gemotbene @teiS, ber alB 
meü mit bem ißu^m feinet tk 
alB rücfgebilbeter @ei{t fen 
ei f1d| gar in ein frfibereB 
gurü^enlmicteln? äBennabi 
Seelen tm Cl^mp alS oolll 
Derjilngt fortleben foUen, i 
Steig unb baS SnterefTe ber 
für Pe gang »erfc^anben. 

(Sbenfo unbaltbar crf^ei 
2id)te bet reinen SJemunft 
ün^tbuB com .iüngpen Q 
©d)eibung aDer SUIenfi^en.®« 
Saufen, oon benen ber eine 
gteuben beS SotabiefeB, bi 
enigen Oualen ber6bDeb< 
baS Don einem peifbnlidien C 
Satei ber Siebe* ipl fiat 1 
Smoater felbp bie Sebinguuf 
unb Slnpaffung .geft^affen', 
einerfeitB bie beoorgugtcn ( 
menbig gu ftiaflofen €eligi 
unglüdli(^en Sinnen unb Sie 
menbig gu ftrafrafirbigen 
mideln mn&ten- 

(Sine tritifc^e SSetglei^ut 
bunten ^IpantaPe-Sebilbe, n 
[ic^teilB-@iaube bet Dcrfc^ie 
SReligionen feit 3abrtaufenb« 
roäört ba8 meitmütbigpe i0i: 
effante, auf auSgebe^nte 
gegr&nbete SarfteUung berfell 
Sooboba gegeben in feini 
Ketten: .Seelennrabn" (188 
beB ©laubenB* (1897). SSie 
bie meinen bicfer anqt^n 
mie unvereinbar fte fflmmtli 



~.oog[e 



3»UfM StapM. 2)0« Biäftani^tHt^ 



XIL 



fc^ritlentn 91atttT • Silntntitifi bn Qcflntitiart 
(tnb, fo fpicitn ffe bntno^ ouc^ beute eine f|341l 
imd)tigc Holle unb flben tro^bera alB .VoRÜ' 
lote bei iminifd^en Seniunft' ben siCItcti 
ViitfUit auf bie Scbenftanfi^auunsn bei an- 
biptbuen unb bie 0efc^<te bei SBUei. 

SHc ibealtftift^ unb Tviiitualijtirt^c ^iHo* 
fopllic bei (Seacnnuit ttiiib nun fieilit^ jugeBen. 
noteiialiftif^en Sonnen 
lubenS un^altbai Teien, 
, bafi an i^te Stelle bie 
lon einem immaterienen 
ti platonifdien 3bee obei 
Seelen 'Gubftang treten 



tn&ffe- nUein mit biefen unfafbaien Sot- 
Hedungen tann bie lealtfliftbeinatui'Slnf^auuns 
bei Segennait abfolut sfid^ll anfangen; fit 
befiiebtgcn niebei baS JtaufalitAtS - IBebürfnift 
uitreiS SeiflanbtS, noi% bie ISünf^e unfeii 
tStmäOttS. 9afTen nii XlleS infammen, niaS 
ooigef^iittene Kntbiopologie, ^fqifeoloQie unb 
JtoSmoIogi* bei Oegenmait Aber ben Slt^niS' 
tnu< etsüintiet baBen, fo mfiffen nrii ju bem 
beftimmlen Gi^Iuffc lontmen: .2)« Staube an 
bie UnReibli^teit bei nenf^li^en Seele ifl ein 
Sogmo, »eitles mit ben fcbeiften Sifabrangi' 
Sd^en bei mobemcn Slatutm^cnfc^aft in un* 
laebaiem 3Bibeift)nt4e Hebt' 



Smölftes KapiteL 
Das $ubftan3a<5efe^. 

fiber bas fiosmologff^ (Sninbgefe^. (Er^Itung bet moteric 
nergie. Kftietifdiet un& pQ&notif^er Subftanj'Begrtff. 



i ffiiunbge^ Uira bn Ctliaaun^^brt^ eto^eS (Aan^n) bn maiait). iMi 

...tttiU'S 

_., iltome uiib ttinntntt'. SSo^l« 

Ablung unb GheüunB bn SHaffc^ <Esiftenj nnb SBcfra 



tion bet iStbaOnng bn Jhoft (JtonRani mi (Nergie). Seiblnbung beibn 
j^tft|. Ainetifd^Jii}(noti|^n unb buali^j^n Sub^atg'Stegnff. SRo«*^ 

9fatutfidfle. «Kulant be3 Biä^nt^Hti. 



^ obn Aaneiitoff^onbRa^Ie äRatetie). 

lite. Vtuwettu ^blung unb GheüunB . .. ... 

Jtta^ nnb Cnn{|U. ^annhaft unb I(6fntnBt ffraft (Ein^it bn 



lUurnf ofTenbe Slatutflefefc 
ins>@efeti. baS maiivt 
gifibe <3iunbecfe^; 
re^tUung ift bie gi5|le 
n^unbectS, infafem alle 
ax^tUtt flc^ i^m untei' 
IBegriffe .©ub^ang- 
)3(b^e allgemeine Oefe^e 
1 unb SUteiS aufamnien, 
efeg ton bei »Si^altung 
iQngeie pb^fitdüf^e 
ung bei fiiaft* (aHoniS' 
Dal biefe beiben @iunb' 
imifTenftbaft im SQiefen 
iib vielen Sefem mobl 
inen unb ift non ben 

bei ©egenmait anei- 
efe funbamentale Ueber- 
beiei ©eile no^ beule 
mu^ iebenfalis eift be* 
nt&ffen babei gunä^ß 

beibe QJefefte gefonbert 

:f|altun9 5es Stoffes 
SRaterie', ßoooifiei, 
t>e$ @toffe3, niel^e 
eltiaum eifüHt, tft 
lenn ein Stixpex gu twi* 
elt er nui feine ^otm; 



nenn bie Ao^Ie veibiennt, seimanbett fie fl4 
buidi Seibinbung mit bem ©aueiftoff bet Suft 
in aoBfStmige ftoblenf flute; itenn ein 3"*"* 
pürf n* im ffiaffei IBft, ge^t feine fefte Sonn 
in bie Itopfbat flüfftec flbei. ISbenfo votäütli 
bie aRateiie nui ibie Sorm, menn ein neuer 
9latuit5t(>ei ju entfteben f^eint; nenn tS 
legnet, wttb bei SÜaffeibampf bei Suft in 
Xiopfenfoim niebeigeft^lagen; menn ba§ Sifen 
roflet, »etbinbet fldj bie oberflä^Iic^e @d)id)l 
beS DJtetaUeä mit SJaffet unb bem ©auei^off 
bei Suft unb bilbel fo tRoft ober <£ifen'Oiqb' 
Sqbrat miigenbS in bet SRotut feben wii, 
bai neue SHateiie entffebt obet .gefi^affen' 
raitb; nitgenbS finben mit, bat Botbanbtn» 
aHaletie »etftbroinbet ober in 9ti^t8 üerfäHt 
Iiiefet ©tfabnmgäfaö gilt beule als eipet tmb 
unerfcbüttetlii^ei @tunbfa^ bei ISbemie nvi 
tarm jebetgeit mittelft berffiaage unmittett« 
benjiefen netbcn. Sä mar ober ba§ unfteiBIii*' 
SBerbienfl beS gicgen ftanjafifiiien (li)emit«i 
Saooifiei, biefen iSeweiä buttfi bie äBooge 
jueifl gefübrt ju boben- öeute finb alle Sotui- 
forf(^ei, nielibe pi Sabie lang mit bem benlen' 
ben ©tubium bei 91atuT ' Stfcbeinungen Bf 
fcbaftigt baben, fo feft von ber abfolaten SonpMiJ 
bei Sltatetie QBetgeugt, bag fte fi4 baS @e||tn' 
tbeil gat nii^t mebi oorfteQen lannen. 

<BefeQ oon bn Srlialtung btx Kraft 



xn. 



3DMflt8 Sta^M. SaS eub|tan}-@(ft|. 



87 



(cliet her .Äonftanj bet ®netßie*, fRo&ert 
anaßet, 1843.) Site @umme bei ftiaft, 
mtldtt in bem unenbli^em SBeltTaum 
tMtig iß unb alle Sifi^einungeit be- 
nixtt, iß unt)eiänbeili(f|. aSenn bie 
Solomotioe ben ®ifenbaÖn-3i>8 fortfüH, »er- 
nanbelt üd) bie ©(iann!iaft beS erbieten SßalTei- 
bamvfeS in bie lebenbige ftraft bei; me^anW^en 
Qeneaung ; roenn ivtr bie pfeife ber Solomotbe 
iitta, weiben bie @iJKtlir<%>tiitiguneen bei be- 
i negten ßuft bui^ unfer SCiommelfeH unb bie 
■ Äette ber ©e^bifno^en jum Sotnjiintfi unfereä 
inneren C^ieS foitgeleitet unb von ta bui^ 
ben ßörneiD }u ben ahiftifi!ien Oaneltenjellen, 
neI4e bie öärTp^öie im @i!|Iäfenla(ipen unreier 
Stoi^imrinbe bilben- Sie ganje munbeibaie 
SeftaÜenfüUe , meldie unferen SibbaQ belebt, 
iß in le^ter ^nftanj umgenanbelteS @onnen- 
lidit- UUbetannt iß, nne eegenniörtig bie be- 
nunbenineSniflibiQen Soitfifiritte bei Xei^nit 
, ba}u geführt Ratten, bie oeifi^iebencn *Ratui- 
' hafte in einonbei juoeinianbeln: aBdrmeroitb 
in XnafTenbeioeeunQ, biefe roiebei in Sii^t ober 
BäfoÜ, biefe toiebeium in @leltrijttäl ftbeigefübit 
Dbec umgete^rt. Sie genaue aneffune bei 
. fiiaftmenge, lueli^e bei biefei JBerroanblunß 
j t^Q iß, ^at ergeben, bag audi ße tonßant 
i bleibt Jtein Studien bei benegenben ^laft 
' im SettaD ge^ ie perloren; tetn Xbeildien 
lammt neu ^ingu. S)er großen Sntbedung 
birfer funbamentalen SEiatfa^e ^atte ßd| f^on 
1837 S I i e b 1 1 4 an b I in IBonn fe^i genähert ; 
fie 0ef(^a^ 1842 burcE) ben geißiei^en f^rofk* 
bif^en 9trjt Stöbert SRa^er in £>eiIbronn; 
imabb&ngig von i^m lam faß gleti^eitig bei 
berfibmte $li>)ßologe Aeimann &eIm!|oI| 
utf bie Silenntnig beSfelben tßiincipS; ei niieä 
fünf 3alitt fpdtei feine allgemeine ^nnenbbai' 
feit unb 9m(^tbaTteit auf allen ©ebieten bei 
¥ 4 9 f i t nai^. Siii mürben beute fagen 
«Offen, hai eS audt baS gefammte ®ebiet bei 
V^nriologic — b- b- ber .oiganifi^en 
Knßll' — be^enfdie, menn bagegen nii^t ent* 
fibiebener SBiberfpiu^ »on Seiten ber »ita- 
lißifi^n 93ioIogen, foniie ber bualißifi^en unb 
flriiitualiftifd^en ^^Uofop^en erhoben ni&ibe. 
Zücfe erbli&n in ben eigentbilmliäien ,@eiße3' 
haften' befl aßenfi^en eine ®TUppe con .freien', 
bem Sneigie^efe^ nicftt unteiroorfenen Äiaft- 
Sifdjeinungen; befonbeiS geftüfet niirb biefe 
bualißifdie $tuffaffung bur<4 baS Sognta oon 
bei SBiQenSfceibeit. l^ii ^aben fi^on bei beien 
Scfpre^ung (@- 55) gefe^en, bag biefelbe un* 
(altbar iß- 3n neueßer Seit ^at bie '^^fa 
bmöegiiff bei .Äraft' unb bei .ffineigie' 
Stttennt; fttr unfeie »orliegenbe allgemeine ©e- 
tioditung iß biefe Unteifijeibung gtcit^gültia- 
«Stn^cit &es SuI>tt(nt3<<S«|«^«s. ißon 
firtfeter SBirfitigteil far unfeie monißifdie SBelt- 
mftbauung iß bie feße Uebergeugung. ba| bie 



beiben großen loSmoIogifc^en ©runblebien, baS 
^emif^e @iunbgefet| con ber (Si^altung beS 
@toffeä unb baS pb^ßtalif^e @iunbgefe^ oon 
bei Si^altung bei ^laft, untrennbar jufammen« 
ge^Bien; beibe Slieoiien ßnb ebenfo innig oei- 
(nüpft, mie ibre beiben Dbiehe, Stoff unb 
Sraft, ober aflaterie unb Sneigte. fielen 
raonißif^ benlenben Slot urfotfi^ ein unb ^bito> 
fopSen mitb biefe funbomentole einSett 
beiber @efetie ferbßoeißänbli^ eifi^einen, ba 
ia betbe nur gmct oeif^iebene Seiten eineä 
unb beSfelben Objefteg, beS .ft o 3 m o 3', be- 
treffen; inbeffen iß biefe r 
jeuguna nieit entfernt, fli 
er(enming gu erfreuen. < 
eneigtfc^ belämpft von b( 
lißif^en ^ß^itofop^ie, vor 
Siologie, ber paroDelißifiJi 
fogar von vielen (intonfen 
neli^e tm .Semugtfein* o 
©eißeätbätiateit beS ÜJIenf 
anberen grfi^einungen be 
lebenä' einen @egenbeitieiS 

3^ betone baW ganj I 
mentale ISebeutung be3 ei 
ßang'SefetteS alS tuSbiud 
3ufammei^angeä ienei be 
trennten @efeie. Sat bt< 
nic^t gufammengefafct unb 
beit ertannt mürben, cigiel 
ber £batfa<4e ibier verf^te 
Seit Sae Altere unb näSn 
@iunbgefe^ von ber .fioi 
mürbe von fiapoifier fc^i 
bur^ allgemeine äinraenbu 
fSafli bei ehalten S^emit 
mürbe baä iüngere unb viel i 
gefei von ber .Äonßflnj be 
von Stöbert 9Raqer eni 
delmbolfe als ®runblag< 
^ingeßeHt- Sie (Sinbeit I 
roeli^e noc^ beute vielfai^ be' 
viele üb eigeugte SZatuifoif^i 
au3: .©efe« von bei Sibal 
beS Stoffes*. Um einen 
Quemeren SluSbiud filr bii 
aus neun äBorten aufami 
|u baben. ^be i^ f<^on vo' 
gefdilagcn, baSfelbe ba9 ,€ 
oberbaS .toSmoIogifi^e ®tu 
man fannte eS au^ baS V 
ober Sonßanj'@efei neni 
.Sl^iom von ber Aon 
verfura'; im ©runbe ge 
felbe notbmenbig au3 be 
ßaufdlitat (3noniBmuS, 

Subfianj-Bcfirttf. S 
ben reinen monißif^en 
in Bie aBiffenf^aft einführt 
mentale ÜJebeutung erfann ~ i 

.oogle 



BvblUti ttapM. XMi« 6iibfbRia'ec((|- 



XIL 



V^tlofop^ tBatu^ Gpinoja; fein 6aupt> 
tont erf^int lurt ttatfi feinem frii^jcitisni 
Xobe, 1677, geiabc (unbcit 3<tbie bevor 
&aooifieT oeimitlelft bei dicinifdKn fiaupt* 
tnFtnimetittv bet SBoaflc, Uc flonftani in 
Snaleric c^peTimentcIl bcniieS. 3tt feinet grol» 
aitifien pant^fftf^eti fficllanfdiauutta fSOl bet 
Segriff bei Seit (Univctfum, ffo8mi>S) )u* 
fammen mit bcm anumfaflctibcn Setiiff @otl; 
fle ift elet^jcttie bei tcinfle unb twmflnftiflfte 
ÜRoniSmuS, unb ber eetlSTtete unb i^ 
Riatteße Snonot^eiSmuS. 2)iefe Uni- 
oetfal'GubRanj ober biefeS sCttlidie ffielt- 
mefen' letgt unS jnwi oerfc^iebene Seiten feincS 
magren SBefenS, iioet funbamentale Sttri« 
bute: bie SRalerie (ber unenblidie auSgei 
bcbnte ©ubßan} -Stoff] unb ber Seift (bie 
oOumfanenbe b e nte n b e Subltanj • Snerete). 
SDe äBanbelungen, bie fpdtei ber Cubfiant« 
Vefltiff sema4t ^t, (ommcn bei tonfequentet 
flnalqfe auf biefcn (O^ftnt Oninbbtfiriff von 
Spinoga jurfid, bcn i4 mit <Soetbc für 
einen bei eibabenften, tiefften unb nKtbrllen 
Vebanlen aCer Seiten balte. HQe eingelnen 
Cbjelle ber SJelt, bie unferer Stiennlnig }U' 
ßdttsli<^ flnb, aHt tnbiDibuellen Samten beS 
Safeini, flnb nur befonbere neieftneli^c 
Somen ber Subftani. Hccibengen ober 
aJloben. Siefc aRobi nnb tBrperliifte Singe, 
materielle AOipei, nenn mir fle unter bem 
Slttribut ber Suibebnung (ber ,ERaum' 
erfüQung') betiaditen, bageQen . fiiäfte ober 
3been, twnn mir fle unter bem älttiibut 
beS SentenS (bet .ßneigie*) betrai^ten. 
auf biefe @ninbiior11eIIune von Spinoga 
tommt aud) unfer 0erttnigtet SlloniSmuS 
nad) 200 ^Ea^ien aurüd; auc^ für un8 flnb 
aHaterie (ber raumerfüllenbe ©tofR unb 
Snergie (bte beraegenbe firaft) nur jipei utt' 
trennbare Attribute ber einen Subftang. 

Der MnctifC^c Su&ftatt3>Begrlff. (Ur- 
princip ber SAmtngung ober Vibration.) Unter 
ben oerfi^iebenen SRobifitationen, roel^e ber 
funbamentale ©ubflana-SBegriff in ber neueren 
$I|^fl(i in ißerbtnbung mit ber bertftbenben 
ätomiRil. angtnommen bat, mbgen bier nur 
jmei ejtrem bioergirenbe Sbeorien lurg be- 
teui^tet merben. bie linetifiiie unb p^Inotif^e. 
©eibe Subftanj-Ibeorien ftimmen barin über« 
ein, iai ti gelungen ift, aOe oerfditebenen 
fflaluthäfte ouf eine gemeinfame Urttaft jurü* 
juffitren; Sc^raere unb SbemigmuS, @Ie^ 
tticitat unb aJlQgnetiSmuS. Sitbt unb iffiärme 
u- f. ni. flnb nur oerf^tebene 9fcu{ienmaä- 
weifen, ffraftformen ober Sqnamoben einer 
einiigen UrIraft(?robqnami8). Siefe gemein- 
fame aDeinige Urtraft mirb meiilenl alä eine 
fdfraineenbe SBeroegung bet tleinHen änaffen* 
tbeildien geba<^t, alft eine 3)ibratton ber 
Ktome. Sie Sttome felbft flnb bem aeroben- 



Ii<^n .Knctifdicn 6itbRan) 'Seariff* lufolg« 
lobte biSttcte fifitpcit^i^, mcl^ im letrtn 
ERaum f^mtnflcn unb in bie 9äne nmtm. 
3)et ei(tcntli4c Scfltßnbct unb anflefebeitftc 
Sertrcttt bicfet KneHFdKn Gubftaitj'Zbeone ift 
bet grolc SFlattematitet Kemtoit, bet be- 
lübmtc Cntbedtv beS OtavitationB-Oe' 
feteS- SEti feinem ßauptmetfe .Philoaophiae 
DAtonJis prinoipift m»th<au«tiQ»* (1687) nricS 
er na4> bat im flanjen Seitall «n unb baS- 
felbe @ntnbgefefe bet aRaffenanjtebitRg, 
btefclbe unnetänbcriid)« (Brasitatioid'Jtonftante 
berrft^t; bie Unitc^ung wn ie |mei SRaffen- 
tbeili^en ficbt im ceraben ScwftntI ibtet 
SRaffen unb im untflcl^bitcn SeibAltnil bc0 
OuabrotB ibret flhitfcmuRgen. Siefe äuge' 
meine .SdtmeitrafI' benriitt ebenfo bie 9e* 
megung bcB faOenbcn XpfelS unb bie ^lutt* 
meÜc befi SRccteS, mit bcn tlntlauf ber Planeten 
um bie Sonne unb bie Io3mif4cn SenKgunoen 
alei SBelttöipct- Sa« unßeiblii^ SerbienR 
von 91en>toit mot, biefcB 0tanitationS<9efefe 
enbd&Itig feftiufleUen unb bafüi eine unan* 
fe^tbaie motbemattFAc SonncI |u finben- 
Hber biefe tobte mat^ematif^e ^otmcl, 
auf n>el4e bie meiften 9)alutforf4er bier, wie 
in vielen anbeten ftilka, baS gtS^te Semi^ 
legen, giebt unS bIo| bie quantitatioe Se« 
roeiBfOIrtung ffir bie Sbeorie, fle gemObrt tml 
nii^t bie minbefte (Einfl^t in bai quatitotivc 
Siefen bet Srf^einungen. Sie unoerrnttteÖc 
Sernmirlung, nel^e Slenton aus feinem 
Siat)itatton8'®efe6 ableitete unb ivcldtc }« 
einem bet mid|tig^ unb gefdbrlidifteR Sogmen 
ber fpdteren $bQJlI mutbe, giebt uni nid)t b«n 
minbe^n Suff^IuB übet bie eigentlttüen Ui- 
fa^en bet 3naffen-%njiebung; oielmebc oet* 
fperrt fie uns ben SBeg ju beten (Erlernitni^ 
3d| oennutbe, bai bie fortgefe^ten Spcbf 
lotionen über feine mqfferiefe Semmtifung 
nii^t roenig baau beigctiogen boben, ben ftbatf' 
finnigen englifdien EDlatbematiiet fpätet in baB 
bunHe Sab^rintb mqßifdiei Xrdumein unb 
tbeiftifi^n SlberglaubenS gu oeifObren, in bem 
et bie legten Bi Sobre fcinefi Sdictd manbebe; 
er Rente julegt fogar metopb^flfAe 69Potbefen 
über bte SBi^rfagerei beB fßropbcten Santel 
auf unb übet bie roibetflnnigen VbontaReteien 
ber Offenbarung Sanit SobanniSI 

Der pt)6notff(4eS1l6ftan^■Begrtff(tt^ 
princip ber Süerbii^tung ober ^ijlnofe)- Stt 
principieüem @egenfatte ju ber beirf^enben 
SßibtationS'flebre ober ber Rnetifdjen Sab« 
ftang'Ibeorie ftebt bie moberne SenfationS« 
Sebte ober biepqlnottfi^eSubRang'SEieone- 
Siefetbc tfl am eingebenbften oon 3- ®.Sogt 
(in Setpsig) begrünbet, in feinem ibeenreüben 
SBerle über .SaS Siefen ber (ElettricttOt unb 
bee SnagnetiBmue auf @runb eineS einbeit> 
li^n SubAant-SegriffeS' (1891). Sogt nimmt 



Isn. 



3P6IfM flopttd. S>aM 6ubflonj.«ff(|. 



aB bic flemeinj'ane Urtiaft bee SSdtoIIS, aI9 
)it uttivcrfclle Vvob^namiB, nii^l bit 
€4»in0une obnSibTatton betbetocgim 
äftaflent^c^en im heim naunu an, fenbnm 
bit inbioibuflle Seibii^tung obn SDenfation 
rinn rin^eitlit^en 6ubftan|, ücl^e b«n ganjcn 
untnblidicn SBeltraum tontinutrii^. b- 4- lüden* 
hi unb itnuntfibio^en, erfüllt; bic einjtge ber- 
friben ittnenw^nenbe mei^aittf<i|e SBirlungSf onn 
^geitS) beßelit baiin, ba| bui4 baB Secbit^ 
tungS* obci AontiahionB'Sepreben unenbli^ 
firine 3}eTbi4tunBB*ScntTcn entft^n, bie twaz 
illttn SidiUgiab unb bamtt iI|E Salumcn iif 
btm Unnen, aber an unb für fiät beftanbig 
|tnb. 3)teff inbivibudltn llctnften S^Ut^cn 
ter unioerfalen Subftani, bie Serbic^tungS- 
Enitien, bte man ^^Inatome nennen IBnnle, 
mtfpre^en in aDeemeincn ben tliatomen 
obn (e^ btBheten aRaffent^l^en beS tine- 
tiFdim SuHflan)' Begriffes ; ^e unlerfAeiben 
^4 obet fe^ nwfentli^ babunfi , baS fle (Em* 
ofnürnng unb Streben (ober SiienSbeme^unfl 
rinfadiftet Htt) bellten, alfo im geraiffen Sinne 
Itfcelt fhtb — ein Entlang an beB alten 
CmiieboIIeS fitere oom ,&ieben unb &aiTen 
itt Elemente'- 9Iu4 fi^mtben biefe .befeelten 
Itene' nid|t im leeren ERaume, fonbem in ber 
lontiimiilidien, äuleiß bünnen 3>>iif4<nfub' 
tot), meiere ben nii^t oerbii^teten X^eil ber 
QtfubBanj barßeat S)ur4 fiemilTe .flon< 
fttllationen, StixungäcentTen ober SiefoT' 
'»tntngg^^fteine' , treten groge üßaffen oon 
Snbi^tunggcentien lafc^ in gemalliger Su3> 
^nutig gufammen unb erlangen ein Uebei» 
Eiemi^t über bie umtagemben äRafTen. 3)aburcti 
f^ribet ober bifferenjirt f^ bie €uti|iang, bie 
i» uifpiünglic^m 9tul|egu1tanb überaU bie 
gleii^ mittlere 3)i<f|te beft^t, in amei ^aupt» 
^anbteile : bie StitungS-Sentien, roeldje bie 
mallere Si^te burd) ^qlnofe Dofitin über* 
mreilen, bilben bie mftgbaien Snaffen ber 
Stittatfier (bie fogenannte .«onberable 3Jta> 
tttte'); bie bünnere 3n)if4enfubftang bagegen, 
n^dje jnnfdien ibnen ben JRaum erfüllt unb 
^it mittlere Sid)te neg atio fiberf^reitet, bilbet 
'tnaet^er(bie .imponbeiable SRaterie'). 3)ie 
l^lge biefer ®d)eibung amif^^en 3J[a1Te unb 
™Set ift ein ununterbroi^ener Äampf biefer 
wibm üntagoniftifdjen ©ubftanj-SEbeile, unb 
™fn ßampf ip bie Urfaifte aller p^nflfalifi^en 
WDoffe. S)ie pofltioe SKaffe, berlräget beS 
ji'l'Bffülilä, (Irebt immer meE|T, ben begonnenen 
™iii4tungB.$roce6 ju ootlenben, unb fammelt 
^U^M Sert^e potentieller @nergie; 
«".MBulioe aetber umgeleSrt Riilubt fliii in 
J^l^ SViafe gegen iebe meiteie Steigerung 
™Ki CiKinnung unb beS bamit verlnfipften 
1i<>ufiaefä41S; er fammelt bie ^Sc^ßen Siert^c 
«'«Iler ffinetgie. 
*S würbe fpet ^l in roeit f&i^ren, moOte 



ii^ nAber auf bic flnnieit^ %erbi(E|(ung9>3;^oric 
von 3.®. Siagt eingeben; ber Stfer, bei flife 
bafüi intereffirt, mu| bie SorfteOungB-Sruppen, 
beren C^mierigleit im @egenitanbe felbft liegt, 
in bem nar gefdiriebenen, populfticn BuBgug 
auS bem )n>eitcn 8anbc bcS cititten SßeiteB 
)u eifaffen fu^tn- 34 fdbp bin ju menig 
mit Vb^flt unb SRatbematil oeitiaut, um bie 
Si^t* unb St^attenfeiten beifelbcn tritift^ fon- 
bem gu fSnncn; id) glaube lebo^, hai biefer 
pqtnotifi^e Subftang^egriff für feben l^io' 
logen, ber oon bei (Sin^eit ber 9Iatut 
übetgeugt ift, in mani^r ginflibt annehmbarer 
erfd)eint, alB ber gegenmaitig in ber $6qfll 
Iterrf^enbe linetif^e Subpang'Oegriff. (Sin 
ani^Derftanbnifi lann lei^t boburcf) entfielen, 
bai Sogt feinen 2BeUproce| ber Seibid)* 
tung in principieüen Gegcnfa^ flOt |u bem 
aO^emtinen Vorgang bei Semegung — et 
metnt bamit bie €d)n>tngung im Sinne bei 
mobemen ¥6401- Ku4 feine b^pot^etifdic 
.Seibic^tung' (^hioflB) ift ebenfo burd) 9c- 
megung ber Subflan) bcbtngt, roie bie ^i» 
t^etif^e »S^ingung" (Sibtation); nur ift bic 
Sri ber ^teraegung unb baS 9!er^alten bet bc 
megten Subßang'S^eil^on nad) ber erAeien 
&qpotEiefe gang anberi alB tmcb ber letlteien- 
ÖebrigenS mirb bur4 bie SerbidilungSIe^ie 
teineSniegg bie gefammte Sc^mingunaBle^re 
befeitigt, fonbem nur ein nric^tigei Sbeil bei' 
felben. 

Sie mobeine $^9flt tpält gegeniofirtig gum 
grasten Steile noc^ i&k an ber älteren lÖibiO' 
tionS-Xbeoiie fefl, an ber SorfleQung ber un- 
Dermitlelten ^emroirtung unb bei eniigen 
Sdimingung tobter Stome im leeren ERaume; 
fle oeimiift ba^er bie $^tnofe-Ibeorie- ^enn 
biefe lefttere nun auHi leineBmegS ooUenbel fein 
mag, unb menn Sogt'B ongineQe Spetula* 
tbnen oudi mebifai^ iire gelien, fo erblide t^ 
bod) ein gio^eB Serbienft biefeS Slaturp^ilo' 
fopben barin, ha% er fene unhaltbaren ^rin' 
dpien ber linetifdien ©ubpong-jT^eorie elimintit. 
^ür meine eigene Siorftellung , mie für bie« 
jenige trieler anbetet benlenber SHatutforf^et, 
mu^ id| bie folgenben, in S o g t ' B p^tnotif i^et 
Subflang'X^eoiie enthaltenen ©runbfä^e alB 
unentbe^tliii für eine mirtlic^ montfttf^e, 
baS gange otganifi^e unb anorganifdie 9iatur- 
gebiet umfaffenbe @ubftartj'9lnfl(ftt ÖinfteOen; 

I. 1t>it beiben öauplbeflanbtöeile bet ©ubftang, 
SPloffe unb Setbet, Unb ni^t tobt unb nut 
but(^ äulete Gräfte beniegli^, fonbem fie 
befl^n ISmpfinbung unb äSiUen (natürlidi 
nieberflen ©tabegl); f.t empfinben fiufl bei 
Setbiitung, Unlull bei Spannung; fe ftreben 
nad) bet etfteten unb lärapfen gegen letttete. 

II. (SS giebt feinen leeren 9)aum; bet Z^eU 
beB unenblidien ERaumeB, meldien nii^t bie 
anafleu'Ktome einne^en, iß von üettiet ev 



90 



BmlUlM flnuUel. »ai CuhftanfVi^ 



JU 



fünt. HL & gicfet leine unvmttittclte ^tnt* 
nirfunQ buid) bcn leeren nautn; alte Sßirliinfl 
bet JtBrpeimafFeii auf rinanbei tfl eiUioib« 
buidi unmittelBare ScrflUnino, bui4 ffoiüiA 
ber ÖlafTen Bebingl, ober He ntib bur^ ben 
Mctbn ocrmittelL 

ücv »uoHttlt^c Stttftanj-Bcgrtff. Sie 
beiben Subftanj-X^orien, bte mir uorfte^b 
einanbet geflenüber eeReOt ^bcn, ftnb beibe int 
¥nncivtnontftif4> ba bei Sescnfot Jinif^en 
ben bcibcn £>auvtbe|laiibt6eibn ber Subftait}, 
SDaflc unb Xet^er, lein uifpritnolicEier ift; 
audr muß eine befidnbige bitette «eriferung 
unb SBedifelioir'inis beiber Subllanjcn auf 
einanber angenommen ttMrbcn. ®an| anberS 
ocrWIt ti Mi mit ben bualipif^en €ub> 
ttang'Xbeorien, mcl^e no4 beute in ber ibeali^ 
fdien unb fviritualiftiri^n V^ilofopbie berrf^enb 
Hub; biefe merben outb von ber einflußreich 
Xbeoloeie geflutt, fonMÜ fld) biefelbe llberbaupt 
ouf ^oldft metapboiir^ @pefuIationen einläßt- 
6ierna4 i^nb jroei ganj verfdiiebene fiaupt' 
beftanbt^etie ber Subftanj gu unterbleiben, 
mateiielle unb immaterielle. Sie mate' 
itelle ®ubf)an) bUbet bie .ffetvetnielt', 
bereu IErf'>rr4uns Obfelt bet $fmfU unb S^mie 
ift; bier oQein gtU baS @efet von bei (hbaltune 
bei EUtaterie unb Snergie (fomeit man ni^t 
Abei^oupt an beren .ßTF^Q^unfl aue ^idfii' 
unb anbete Sunber glaubtl). Sie immatc* 
tielle @ubft an) hingegen bilbet bie, Qeiflei' 
weit*, in meli^ JeneS Qefet) nitbt gilt; biet 
gelten bie @ef^e ber $b9fF unb Sbtmie ent* 
roebet gor ni4t, ober fle Rnb bei .8ebenS!raft' 
untemorfen, ober bem .freien ffiJtHen", ober 
ber ,gBttlid|en Itama^t', ober anbercn folifien 
®efpenftein, non benen bie fritif^e äBiffen* 
fii)aft ni^tS toeiß. (Eigentlich bebürfen biefe 
principieQtn 3irtl|ümer beute tetnei äSiber» 
legung me^t; benn bie Srfa^rung bat unS bis 
auf ben beutigen Sag (eine einjtge immate- 
rielle Subftanj tennen gelebrt, teineeingige 
fiiaft, twlibe nidit an ben Stoff gebunben ift, 
leine einjtge ^otm bei Snergie, roeli^e ni<bt 
bunb IBeniegungen bei ütateiie oennittell nirb, 
fei eS nun ber SDioffe obei beS Setberd ober 
btiber Seftanbtbeile- 9Iu4 bie fompUcirteften 
unb ooUIommenllen ©neiaie-gonnen, nteldj« 
mir fcnnen, bog ©eelcnleben bei böberen Ibiete, 
Senten unb Vernunft 6e8 Menfc^en, beruben 
auf materieUen Vorgängen, auf ißeiänbmingen 
im SteuiopIaSma ber Sanglienjellen ; ile flnb 
ebne biefelben ntdbt bentbar- Sa| bie pirafiolo- 
gifcbe &qPotbefe einer befonberen immateriellen 
.©eelen-SubPan»' unbaltbar iß, babe ic^ fcbcn 
fifi^r naibgemiefen (im elften Kapitel)- 

ntaffe ober H5tpet|toft (^onbetable 
Sßaterie). Sie Srlenntnig biefeS niägbaren 
XbeileS bei 2ltatene ift in erflei Sinie ©egen« 
ftanb ber Sbemie. Slllbelaniit flnb bie erftaun- 



licbni t^retif^n ffortf^rittc, tpcli^e 
ffltflenfdtoft im Saufe bcS neunjebnten Stok» 
bunbntS gemalt ftai, unb ber unge^te 9m 
fluß, meldten fle auf alle Seiten be9 ptaHtf^M 
ffuItui^cbenS gewonnen bot- SBir beonfigoi 
uns babec mit tvcnigen Oemerfungen über bt< 
midiligRen princivi^en fragen vm ber Slobn 
bei SRaffe. Ser anal^tifA*" <^emte it rt b» 
lannllii^ gelungen, aDe bte unAlbli0en oe» 
f4tcbcncn 9tatuitBrpet bui4 S^ltfuna mf 
eine geringe Snjabl von nrftoffen ober Sie* 
menlen tuifidjufAbren, b. b- auf einfo^a 
ftörpei, toelifee nii^t meiter jerlegt ivnbei 
Ibnnen. Sic ^I biefer SIemcnt« beträgt un» 

Siefdbr fleben|ig- Htux ber fleinerc X^eU beiv 
eUien (eigentlich nur mei^ebn) iff allgentetn a4 
ber Sibe verbreitet unb van bober Sebcutung; 
biegiÖßere&aiftebefleblauSfelbenenunbtDenigei 
miÄligen (Elementen (meiftenS aRetoDen). Sie 
giuppenn>eife:Qeinianbtf<baft biefer Sie* 
mente unb bie merfooürbigen Segiebungen üftn 
Btomgemiibte, mel^e Sotbai aReqei unb 
Sltenbelcieff in ibiem .^eiiobtfcbes 
Sqllem bei (SIcmente' nacbgemiefen boben, 
ma^en eS febr tDabr|dieinli4> baß biefelben 
feine abfoluten Speciefi bei Stoffe, leine 
emtg unnerdnberlitbcn ®r5ßen flnb. HRan bot 
nacb Jenem Sqflem bie 70 SIemente auf dif 
^auptgiuppen vertbeilt unb inneibalb berfelbm 
na^ ber (9iBße ibrei Ktomgemid|te georbnet, 
fo ba| bie ^emif^ Öbnli^en (Elemente ^amilieit' 
Bleiben bilben. Sie gruppeniueifen aSegiebungat 
im natürli^en ©uftem ber SIemente trinncnt 
einerfeits an Obniiiie Seibältniffe ber mannig' 
fad) jufommengef^ten fioblenftoff • Serbin' 
bungen, anbertifeilS an bie Sejiebungen va- 
loUelei ®iuppen, mie fle im natüilicben ®i|^ | 
ber Zbiet' unb ^Ranaen-SIrten fl4 je^en. Sic ! 
nun in biefen letjteren ^dllen bie „Sennanbl' 
ftbaft' ber äbnlii^en ©eftoUen auf abflaramunfl i 
öon gemeinfamcn einfadjen Stammformen fi^ 
lubt, fo ifl eS f«br mobrf^^nl'fb , baß auii 
baSfelbe für bie Familien unb Cibnungen bet 
■Elemente gilt $&ix bilrfen babei onnebmtn, 
baß bie i^geu .empirifcben 6lemente' feine . 
miifliib einfacben unbunoeiänberlii^en .Spe- 
cieS bet 2ßaffe* flnb, fonbetn uifprünglid) 
gufammengefelt au3 glei^attigen einfai^eti Uf 
atomen in verfd|iebenet QalA unb Sagenuig- 
9ieueTbing3babenbieSpetuIationenDon(Sufliiii 
SBenbt, SSilbelm $reqer, SQ. Stoolc! 
u. 31. gegeigt, in meldet äBeife man jlib Üt 
Sonberung ber Elemente aui einem etnjigeii | 
utfprünglic^en Ut^off, bem ^totbql, etiM j 
voiftellen tann- 

Atome unb <EIeinentc. Sie mobcrnt 
Sttomlebre, mie fle beute bet (£bemi( dl^ 
unentbebriidieä gülfSmittel erfibeint, iß wbH 
ju unlerf^eiben pon bem alten pbilofopbifibcii 
Sltomiemue, mie er fcbon por mebi alSinei' 



XIL 



SnBIfttl AatitttL SaS eubjtanj<0tfetr. 



91 



toufenb Sauren von ^eraotragenbeit moniflt' 
" i ¥6ilofop6«i Bei ailtcin^umB ßeleSrt rautbe, 
SeittippoS, Semoltitoe unb Sucre* 
tiu8; fpflter fanb beifel^ «ne xotitett unb 
winniefad) oerfi^ieben« auSbilbuna but(^ 2)«8 ■ 
eaitcS, ^otbeS, £«ibnii unb anbete ^et* 
tportaeenbe $Eiitofopt|en. ffiine bepimmte an* 
tte^tnfeate S^alTune unbcmpiiifdie i&egifin' 
bnne fanb abei beitnobeTne^tomiSmuÜ 
oft 1808 bui4 ben eneüfi^en S^emilet Xal- 
ton, meldet baS .Qtefeg ber etnfai^ unb 
Kultiplen Proportionen' bei ber Silbung (^e- 
Kifdier Seibinbungen aufFteIIte> Sr befHmmte 
Wrft btc 9tomgen)i(^te bet einjetnen 
Clentente unb fi^uf banitt bit unerf^ütteT' 
fic^ ehalte ISafiB, auf roeli^er bie neueren 
t^emtf^en ä^eorien ru|en; biefe flnb fdmmtlicE) 
atotnißifd, infofem fte bte Slemente au3 
Bteic^ttieen, lieinpen, Walteten leiliften au* 
fammenQei'etit anne^en, bte ntifit netter ger* 
'legt tuerben IBnnen. Sobei bleibt bie %xa^t 
«ad^ bem eioentlicAenSBeren berSlome, i^rer 
Seflatt, ®TB^e, iSefeelung u- f- »>■ sanj auger 
6piele; benn biefe Gualitäten betfelben finb 
|i|pot%etif4 ; empiiif^ bagegen ifl bei Sge> 
niSmuS ber Sltome obei i^ie .t^emif^e 3tffl* 
sildt', t. 4. bie lonftante Proportion, in bei 
fe fldt mit ben SItonten anbetet Elemente vet* 
WnSen (ÜUoniSmuS ®. 17, 41). 

1I)al|Iocn»an&t1(^aft öer demente. 
3)aA Dctftfiiebene 9Jer^aIten bei einjclnen @Ie- 
mente ßegen etnanber, bae bie S^emie als ,!lffl* '' 
Mitdt obet SSetmanbtfc^aft' b(}ei4net, ift eine 
bec niiljtig^en @ieenf(f)aften bet SRaffe unb 
Jtu^eit ilä) in ben Der|i!^i ebenen Sneneen-SJer* 
^Äbniffen ober Proportionen, in benen itire 
SeÄinbuns flatt^nbet, unb in ber ^ntenfttät, 
mit bet btefelbe erfolgt- älUe @iabe ber 3"- 
neigunfl, non ber PoQIomtnenen @lei(f)gültigteit 
btt jur ^ftisften Seibenfd&aft, finben fit^ in 
bcm t^emtf^n Serratien ber nerfc^iebenen Sie* 
•lente oeeen einanbet ebenfo niieber, niie fte in 
bet ^qi^ologie be3 39)enfi^en unb namentlii!) 
in bei ^un^isung ber beiben ©efdglecEiter bte 
at5^te ERoUe fpielen. ©oet^e fiat betanntlic^ 
nt feinem flaffifdien Vornan u3)ic SSaM* 
oertoanbtfi^aften' bie SeibältnifTe ber 
£iebe8'$aate in eine Kei^e gebellt mit bet 
g[ei4namtsen Sift^einung bei Silbung t^emi* 
f^nSeibinbungetL Sie unroibetfte^lii^e Seiben- 
Ti^ft,iDe!i4e®buQtbgubetfi)mpat6if(^enDlfiIie, 
?aii8 gu Helena öinjie^t unb alle ©inbentitfe 
bei Semunft unb 9RotaI ftbetwinbet, ift bie* 
felbe mA^tiae .unbemuSte" 3UttaItion8*Ätaft, 
näin bei bet Seftu^tung bet Hiict* unb 
$f(an)en'Siet ben lebenbigen Samenfaben gntn 
Crabrineen in bie ®ijene {abet aui^ jut Slepfet* 
filutel) antreibt i biefelbe heftige öeroegung, but(4 
»elt^ jtiMt atome 3Baf erftoff unb ein Dltom 
Cauetftoff M gut ISilbung oon einem ÜJtoIelel 



SBaffei Dereiniflen. SJiefe piineipieüe ©in^ei* 
bei SBaMoemanbtfc^aft in bet sanjctt 
9Iatur, DOm etnfac^flen .d^rmifdgen $roce| bif 
gu bem oertoiifeltften SiebeSioman binauf, ^tai 
fi^on ber gto|e Qtie^if^e 91aturp^ilofop^ Sm«- 
peboIleS im fünften äabt^unbert 0. Eftt- ei^ 
lannt, in feinei fiepte com .Sieben unb 
6 a f f e n bet Elemente'- ®ie (inbet i^i» 
empttif^e SJefiatigung buidi bie inteteffantcn 
Sortfd^titte bei (£ellulai< ^fq^ologie, 
beten ^of|e SSebeutung mit eift in ben legten 
bieigtg Sagten geniütbigt boben- SQii grünben 
baiouf unfete Üebetgeugung, ba6 au^ fc^on 
ben Utonien bie einfa^fte Sotm beiSmpftn* 
bung unb bei SJiHenB innenioftnt — obei Reffet 
gefagt: bet gü^lung (Aestbesis) unb bef 
Sttebung (Tropesis) — , olfo eine unberfale 
.©eele' »on piimitioftct Mit (— no(% o^ne- 
aSemugtfeinl —\ 3)a8felbe gilt aber au4 »o« 
ben aitoleleln ober XRaJTenlbeildien, roelilie aui^ 
greei ober me^iBien Sllomen R^ gutammenfetien. 
9Iu8 bei weileien SSeibinbung iterf^tebener 
folget 3noIe!eln (ober aRoIelßle] entfteben bantt 
bie einfachen unb nieitet^in bie gufammengefe^n 
i^emifi^en SJerbinbungen, in beren SlRion fl^ 
baSfelbe Spiel in pemit({elterei goim niebet* 

^ort. 

aei^e« (imponbetable SKatetie); 2)i» 
Srfenntnig biefeS unniögbaten S^^eileS bet 
anateiie ip in etRer ßinie Oegenfianb ber 
$6qfii 9Iad|bem man fAon lange bie S^ifien^ 
eines äu^erft feinen, ben iRaum au&eilialb ber 
EUtaffe etfüHenben SHebiumS angenommen unb- 
biefen .Sletbet' gut Stllätung netfcEiiebenei St* 
fi^einungen (not Mem beS Sitzte S) oeimenbet 
^atte, tft unS bie nd^eie S9danntf4aft mit 
biefem raunbetbaten Stoffe etft in bet gmeiteit 
^älfte beS neunge^nten Sa^t^unbettS gelungcnp 
unb jmat tm 3ufnmmcn6ang mit ben eillourt» 
[i^en empitif^en Sntbettungen auf bem QSe- 
biete bet ISIettiigttät, mit ibiet eiperimcn' 
teilen @ttenntnt|, intern t^eDretif^en SetftAnb* 
nii unb ibier praitif(!ien SSenoeitliune. Sor 
3(Qem finb ^iet babnbreti^enb geraorben bte be* 
rülimten Unterfudiungen non ^einti<!i Sttxi^ 
in »onn (1888); bet ftü^geitige Job biefe» 
genialen jungen ^^qfitetS, bet baS ©tagte git 
erteilen »etfprac^, i^nic^t genug jubellagen; 
ei ge^tt ebenfo niie bet aÜgu fiä^e Sob oott 
Spinoga, »onSHaffael, oonSAubett unb 
öielen anbeten genialen 3änglingen ju Jenen 
btutalen S^atfad^en bei menf(!|liä|en ®f 
fi^ii^te, mläft fftt flt^ allein ft^on ben unbalt* 
baren EDi^t^uS non einet .meifen ESorfe^ung* 
unb pon einem .allltebenben Siatet im &tmmd* 
giünbli(^ roibeticgen- 

Die (Eriftenj be» aet^crs ober .Seit' 
at^etS' (fioSmoötbeiS) alS tealei aHotetie 
ift ^eute (fett 15 labten) eine vofitioe X^at' 
fai^e- 3Ran lann aKeibingS au^ beute no^ 



fiiD&IfM üaptoL ttttl 6i>&|toin-Cdet- 



xn. 



vielfai^ Itffn, bat bct liefet eine ,B[o|t fi^o- 

t^etc' f«; bitft iTTtbfltnli^e Qe^auplung ipiib 

ni^t HUT sott untuttbigcn 9I|ilDfopbnt t»^ Po* 

liuIilTen ScbrifWclUnt nricüt^It, fotibera autfe 

i>oit citiielitett .notüditiectt esottm Vbqftlent'. 

Snit twmlelbcn ffitäfit ntfittc nutt aber taii) bie 

-Slifleni bCT ponbctnbkn SRatnit, bn ÜRalTc, 

feugnen. ^Tcili4 eieBt eS |eute noi^ 9Reta> 

;>^t1Itt, bie au4 biefeS Jtunflftüit )ii Stonbc 

Arinectt, uitb beten ^Bt^fle SSeiB^cit barin b» 

fUkt, bie fRealttÖt ber XuMninelt au leußimt 

ober boi^ )u bejinetf ein ; nat^ i^nen cEt^rt 

«iBcntlii^ nur ein einjigeS reaM SJefen, nftm» 

lidi ü)ic eigene tlieuie $eifon, ober oielnic^r 

beten unfteibltt^e Seele. SteuetbingS boBen 

fogat einige betnortagenbe $i|^oIoeen bieren 

itÜtO'ibeaWf^enStanbiiuntt occeptiit.beifdjon 

inberSIletaviqni vi>n2)eScatte0,SerteIeq, 

9tii)te lt. S' ouSgebilbet tnar; ibt .^f^c^o- 

montSmuB' bdjauptet: ,@8 e^t^it nur etnS, 

unb iai itt meine ^f^die-' UnS f^eint biefe 

lübne rpintuoliftti'^t S^ouptung auf einet 

irrtlifimlt^en @d)Iu6foIgentng au3 ber ri^tigen 

(rttifi^en @tlenntni^ ffant'3 ju berufen, ba| 

mir bie umgebenbt Stu^enrodt nur in bcrjenigen 

{Erfi^einuiig cttcnnen tonnen, itielil^e un3 buti^ 

untere menf^üd^m Srlmntni^'Ctgane gu* 

Qiingli^ ift, but4 baS Gehirn unb bie ©inne8» 

«tgane- 9)enn mir abet au(4 but^ beten 

Sunftion nui eine unooUIomniene unb be* 

fi^rdnFte Jtenntnig von ber flörperroelt er> 

langen tCnnen, fo bürfen mir baiaui ni^i baB 

Sle^t entnebmen, i^te SfiReng }u Ifugnen- 3n 

•niiinor stuTfieiiung roenigllenS efiftitt bet 

) fi^er nie bie 9)taffe ; ebenfo 

felbft, wenn i^ jetrt baiüber no^- 

treibe, fflie wir un8 von ber 

lonberablen EDtatetie butdi fBla% 

, bun^ djentif^e unb medianifi^e 

äbeijeugen, fo oon betjenigen beS 

it Stet^erS butd) bie optift^en 

m Stfabtungen unb Sietfu^e. 

IC* act^ers. 30enn nun aui$ 

) aQen ^b^fltetn bie reale Sjilieng 

18 eine pofitiDe Sbatfa^e bettai^tet 

tnn un8 aüä) viele SBirlungen 

rbaten aRatetie buti^ ungftöltge 

befonberS opttMe unb elettrif^e 

au belannt finb, fo ift eS bod) Mä* 

nngen, filai^eit unb ©ic^etbeit 

entÜdieS SBefen gu gewinnen- 

en aui^ beute not^ bie 9(nfi<^ten 

jcnb^n ^bqfitet, bie fie fpecieD 

, feilt neit auB einanber; ja fle 

fli4 fogat in ben niic^tiglien 

I Äebt baber Sebem frei, fldi bei 

if^en ben raiberTpiecbenben SqpO' 

eigene Slteinung gu bilben, ent* 

n @rabe feinet Sa^Ienntnig unb 

(bie la beibe immer unooIUommen 



bleiben !)■ Sie aßeinung , bie id| p«tfi}nli4 (aU 
bieget Süetlant auf biefem Oebiete!) mit 
bur4 tciflidjeB Kadibenlen gebilbet babe, faffe 
i4 in folgenben adfi @d^en gufammen: 

L Set Htüitx ctffini al8 eine lontinnif 
IiA< SRaterie ben gatijcn SBeltraum, fomcit 
biefcr nicfit von bet Snaffc (ober bet ponbetoBIen 
3Raterie) eingenommen ift; et fiUtt aut^ olfe 
3niif4entSume gmif^en ben Xtmnen bet let^citn 
ponftAnbig au8- IL 2)er Hetbet befl^t intbi' 
f^inli4 no4 leinen Sl)emi8mu8 unb i^ 
nod) ni^l onB Iltomen jurammeng<fe%t nie 
bie SRaffe; nenn man annimmt, bcifdüe fei 
au8 dufietp tletncn , gleicbattigen SCtomen ju* 
fammen^efefet (g- S9- untbeilbaten Setberhigtln 
Don sleti^ Ötbge), fo muB man roeüerbtn 
auä) annebmen, hai ginifdjen benfelben nocb 
etnaS UnbeteS ejiftirt, entnebet ber .leere 
ERaum' obet ein btitteS (gang unbdanniti) 
SRebium, ein oBDig Bvpotbetif^er .^nler- 
dtbct*; bei bet ^lage naät beffen ffiefen 
n&tbe 114 bann biefelbe Scbrotetigteit, nie beim 
tietbet etfieben (in infinitoml). III. Sa bie 
SInnabme beS leeren SfaumeS unb bet unoei' 
mitteilen Semniittung beim ledigen Staube | 
unfereB SlalurlennenB faum mebr mSgli^ iß | 
(nenigHenS gu teinet Haren moni^ifdien Sdt* 
Rettung fübtt), fo nebme i^ eine eigentbümTi^ 
truttut bei ÜetberS an, bie nidit ato' 
mi^f4 i% nie biejenige betponbetablen SRaffc , 
unb bie man Dotldufig (obne neitete SSeÜini' j 
mung) olS dtbetif^e obet bqnamtft^f 
Sttutlutbegei^nen tann.rv. SetÜggiegat* i 
3ut)anb beB KetbetB i^ biefer fippot^efe gu- ' 
folge, ebenfaQB eigentümliife unb oon bemjenigcn 
ber Stoffe Derfibieben; er ifl nebet gaSfünnig. 
nie einige, noä) feR, nie anbere ^bqftlet an- 
nebmen; bie beRe SotRelluns geninnt man 
oieDeid^t bur^ ben Serglei^ mit einer dujlerfl 
feinen, elaftif^en unb leiteten @allerte. T. Sei 
Sletber iR imponberable äßatetie in bem 
Sinne, bag nir lein aitittel beflgen, fein 9e- 
nidit experimentell gu beRimmen; nenn n 
nittlid) ®eni(bt beftfit, naB febr nabtf(!ieinli4 
ift, fo iR baSfelbe duferR gering unb für 
unfete fetnften Saagen unmägbat; einig' 
$b9|iler baben »tfui^t, ouB ber Snetgie to; 
Sii^tmeQen baS deraidit b«S SIetberS gu bc 
te^nen; fle (joben gefunben, bag e8 etnit 1^ 
Trillionen mal geringer fei alB biUl bet atme 
fpbärifcben fiuft; immerbin foQ eine Sletbn* 
^ugel com Solumen unfetet Srbe minbcResS 
250 ¥funb roitgra. (?) VI. Set ätberif4« 
Slggtegat-SuRanb (ann raabrfAeinlidg (ber??' 
tnofe-jtbeorie entfpte<benb) untet beRimmten St 
bingungen but<^ fottfditettenbe ißetbi^tung i> 
ben gaSfbrmigen SuRanb ber SRaffe äbergwUr 
ebenfo nie biefer leitete bur^ HblÜblung iX 
ben Rüfftgen unb neitetbin in ben feRen (ibf 
ge^ vn. Siefe «ggtegat-SuRftnb* b(t 



3aBEft^ Aopittt DaS Sulb^tonj-Otelt^ 



r 

F xa 

[ Rateiit orbnm ^ät bemna^ (nia3 fflr bie 

I N»nt^i!|c Aoimogenie fe^t tvii^tis ifl) In 

(int eenetififte, lontinuMi^efRei^e; mir untei* 

I f^tiken fünf i^tufen berfelben : 1. ber dt^nif 4e, 

! i.t>« eoSfOnniet, 3. ber ftAfttet, 4. ber feft' 

RQfßSe (im (ebenben ^laimaX 5. bei fefte 3u* 

^k Vin. Set Slet^et i^ ebenfo unenblidi 

nttb nnerme^It^ tote bev ERaum, ben er auS- 

ffiOlt n beflnbet fi^ emig in iinuntecbro^ener 

StncgunQ ; bief er eigent^amli^ 31 e 1 1| e r > 

IRotui (stetdiDiel, ob ali Si^ntneung, @pan- 

nung, S3erbid)tung u- f> ni- aufgefaßt), in 

ffl«])felttiirtung mit ben SRaffni'Seniegungen 

(Sraiiitation), ifl bie le^te Uifadie oOei St« 

f^tinungen. 

Ac^cr unb maffc .Sie geivaltige S>auj>U 
Frage nati^ bem SSefen beS Slet^trä', »ie fit 
6tr| mit 81e4l nennt, f^lie&t auifi biejenige 
fcinn Sejte^neen }ut Slia^t ein; benn beibe 
&ui)itbeftanbt^eile bei Sltaterie befinben fl(^ 
nidit nui ilberall in innigßer ilugeter SSetü^- 
ning, fonbem au^ in eroiger bqnamifc^er 
Sec^felroitlung- Snontannbieallgenieinften 
Üotur-Sifi^einungen, nwlcbe bie $6iiflt al3 
Saturhafte ober als .^nttionen bei aJlateiie' 
ttnterf (Reibet, in jmei ©ruppen t^eilen, Don 
lenni bie eine norjugSioeife (abet nit^l 
mäft^Iiegli^) giintlion beS SletbeiS, bie anbete 
^fo gfunltion bei aRaffe ift, etma no4 fol* 
gntbem St^emo, baS i4 (1892) im .SDloniSmuS' 
iiufgtllellt fyiit (€. 18, 4^: 

IDcIt (~ZI(rtur — Su6ItatQ— Kosmos 
- Utttoerfttm — Sott). 



LltlMK-ImpaDdaTk- 
l>ll«,atfpatnit«|eu>. 



I-Kgsieflat • 3ii> 
Ranb:U^I4(|[iebtT 
anStairaia, iu4 flflffiB, 
iük6(eft> 

«■6ttuItiii:ni4tiiio' 
mi^f4r toitHnuiilic^, 
nic^t an! biStrtttn 
X^^ (SUomcit) jif 
tanraunBefebt. 

S-fantitfunItionen: 
Eid^tr Gtia^IiDdntu, 
ildtiijiUU, 9Riiatie> 



JaHt t- P. 



l^Xt 



I>9BBitBat • 3»' 
ffanb:ni4tat^fd^ 
(fonbem gaSfEimig, 
BflfSfl obet m- 

2.6triiltut: ato» 
mi^fc^, biHontinuif 
114 r onS tleinften bi»* 
hclen Xfieil^m {Vtn- 
men) jofammengefelt. 

3.^anptfun(tloncn: 
et^tnere, Xtag^, 
Vtaffensarme, S^ 
nilnul. 



2Üe beiben @nqipen von ^ui^ioncn bei 
Sllalnie, neli^e In biefem ßdttma gegenübei' 
ViM ünb, tonnen geniiffennafien als golgen 
^ elften ÜrbeitSt^eilung beS Stoffe« betiac^let 
onben, ali »rimftre @igonomie ber Tla- 
tttie Sliefe Unterfc^eibung bebeutet a6ei leine 
obfolule JErennunfl ber beiben entaeaengefetiten 
Siuppen; oielme^i bleiben ieibe troSbem oer- 
tinigt, behalten i^ien 3ufammeiibang unb fleiien 



übetaQ in beftänbigei SBec^felrairtung. JEBit 
befannt, ftnb optif^e unb elettiif^e Soigdngt 
beS HetbetS eng seifnüpft mit me^anifi^en 
unb (ftemif^en ^etönberungen ber Snaffe; bie 
ftroblenbe SBätme beä elfteren gebt bireft üitt 
in bie ÜJlaffenmärme ober meianifcbe SBärme 
bei let(teren ; bie ©raritütinn lann nit^t raitten, 
ebne baß bei Ketbei bie ÜRaffen'lInjiebung bet 
getrennten SItome vermittelt, ba mit leine %tm- 
niirfung annehmen tbnnen- 3>ic Sermonbluno 
einer Snergie-j^otm in bie anbete, wie de bc» 
©efe^ von ber .@ri|altung ber firaft naiiweiR, 
beftatigt gugleii^ bie beftänbige ^etibfelmirtunft 
jroifdien ben beiben ^aupttbeilen ber SubRanj, 
tetbet unb «Diaffe- 

Kraft utl^ «Energie. 3)aS gio^ ®ninb- 
gefe^ ber Slatui, roeIeE|e8 mii alS @ub|tan)> 
©efef) an bie ®pi$e ollet pb^filalifdien 9e> 
tra^tungen pellen, nmrbe urftiiünglit^ non 
JUobert aJlapet, ber e8 auffteDte (184^, unb 
oon Selmbol«, bei eS auSf&brte (1847), alS 
baS ©efe$ pon ber Srbaltung ber Straft 
bejei^net- ©dion 10 3abre frübei botte ein 
onbcter beutft^er Ptaturforft^ei, griebrii^ 
aHobi in Sonn, bie roefentlidjen ©runb* 
gebanlen beifelben Hai entraitfelt (1837> ^pSiet 
rourbe bei alte begriff ber ffraft bun^ bie 
mobeine $b^fit pon bemienigen ber Qncigie 
getrennt, ber uifprüngli^ gleidibebeutenb nur. 
3)emna^ nirb je^t bäsfeloe ©efeg geioObnlicft 
als ba8 ,©efe^ oon ber ftonftanibei (Snei- 
gie' bejet^net- i^fir bie aUgemeine EBetiaditune 
beSfelben, mit bei icb mi<^ biet begnügen mufi, 
unb fflr ba8 grofie ^lincip ton bei .Stboltung 
ber ©nbftanj* lommt biefer feiner« Unterft^ieb 
nid|t in »Jetra^t- 2)er Sefei, ber fti^ bafüi 
inteitffirt, ftnbet eine febr flaie StuSeinanbei' 
fettung baiübei )■ 9- in bem auftgegeii!|neten 
iluffo« beS cnglif^en $I|qflIeiS Xi^nball übet 
,bo8 ©runbgefei bei 9iatur' (Sraunf^nieig 
1898). Slort ift auc^ eingebenb bie unioerfale 
iBebeutung biefeB foSmoIo gif dien ©tunbgefe^eft 
eil&uteil, foniie feine Slnmenbung auf bie mi^' 
tigftcn ^loblemc febt petfd)tebeneT ©ebiete. 
Siit begnügen un8 biet mit ber roi<%tigen 
2:batf»4t> baft gegenmfirtig baS ,@neisic> 
!Ötincip" unb bie bamil oeifnüpfte UebeigeU' 
gung oon bet @inb«t bei 9tatuilrdfte, oon 
ibtem gemeinfamcn Urfpiung, bun^ olle tom* 
Petenten ^b^fllet anettannt unb alS bet ipi^- 
tiflfte gottftibtitt bei ¥b?flt im 19- Sobtbunbet* 
geniütbigt roiib. SBir roiffen le^t, bai SBütme 
ebenfo gut eine ffoim bei Seniegung ifl, npie 
©4aa, eiettiigitat ebenfo nie Sid)t, S^nnia« 
mu8 ebenfo roie SnagnetiSmt^ ffiii tonnen 
buw^ geeignete 8oiii^tungen eine biefei Äiftfte 
in bie anbete penoanbeln, unb übeijeugen unft 
babei but^ genauefte ^effung, ba6 pon ibiei 
@efammt>@untmc niemals bai tleinfle XbeU4<it 
peiloien gebt- . . , 

C.oogic 



«4 



Sictjt^M Ba»m. «ittuiiteluttBi'etl^i^lt Ime SBclt. 



XUL 



Spannkraft unb Icbcnfttgc Kxoft (po* 
tentielle unb a!tufIU €ntTste> 3>» 
tfefammtrume bet Jlraft obet Sneigic im SBelt* 
oD bleibt beDdnbts. elcidiDtel, niel^e Snanbo 
xunem uni cif4irimn; fle ift noig unb un- 
«nblidi, rote bte anatcrit, an bU fie untrennbar 
flcbunben ift- 3)aS e<in)e Spiel bet Statut be- 
tagt auf bcm ffi(4TeI wn f^einbarer EFhibe 
unb ESoveetine; bie niiKuben ASiper bcft^ni 
■obet ebenfo eine unDerlierbait ®tS6e Don 
Arafl, roie bie beroegten- Sei ber Seroegung 
felblt Dtnoanbeb fl^ bie Spanntiafl bei erbeten 
in bie Icbcnbige fiiaft bet legteien. ,3ntiem 
taS $rinci)> bei Sibaliung bei ftiaft foroo^l 
tiie %bflo{lung ali bie S(n|ie^unQ in %etia<i|t 
«ie^ bebauptet eB, bag bet metbanif^e Seitb 
bei Sponnli&fte unb bei lebenbigen fti&fte in 
tei moteiieDett SBelt eine tonßante Quantität 
4R. ffutg gefast, jierfallt bei Aiaftbeflti beS 
ÜmDeifumi in jroei Xbetle, bie nadi einem be- 
^immten Seitboeigöltnife in etnanbn oei' 
oianbelt meiben lOnnen. 2)ie Senninbemng 
i)eS einen bringt bie SeigtBleiung be§ anbeten 
-mit flc^; bet (Sefammtmeitb feineS SQt^^ei 
feleibt iebod) unoeiitntieri.' 2)ie ©pannltaft 
«bei bie potentielle (Sneigie unb bte Ic 
ienbige fiiaft obei bie altueüe (ihteigie 
tserben beRäitbig in einanber umgeroanbell, 
«^ne ba^ bie unenbli^e (üefammtfumme bei 
Äiaft im unenblit^en SieltaD lemalS ben ge* 
TOigften SetluB etleibet. 

(Einl}eit b«t nattufixfiftc. 9lad|bem bie 
fltobeme Vbqft baS Subflana-Sefet lunädift 
■füi bie cinfoi^cien SBegiejungen bei anDtga- 
-iM«. ea««. fM«M.yin ijatte, roieS bie ffOn^o- 



logte beffen oOgetneine Geltung au4 int <3e> 
farnrntbeiei^e bet atganifdien 9Iatui nac^- @ic 
jeigte, bafi alle SebenSt^ätigleiten bei Orga*' 
niBmen — obne KuSnobme! — ebenfo auf 
einem befiänbigen ,Aiaftroe(%reI* unb einem 
bamit ceifnflpften .©toffroet^fcl' berufen wie 
bie einfai^flen JBoigänge in bei [»genannten 
.leblofen 91atiii'. 9Ii4t nui baB äSa^Stum 
unb bie ISmä^iung bei ^flanjen unb SEieie, 
ftinbent au^ bie ^unttioncn i^iei SnipfinbunB 
unb Seroegung, ibiei €inneBt&atiglett unb 
i^ieB Seelenlebens Beiuten auf bei Seinoanbi 
lung von Spannhaft in lebenbige ftiaft ut^ 
urngde^tt. StefeS ^tiifte ®efe6 bebcirf^t aui^ 
biefenigen uoniommenften Seiftungen beS ^ei* 
oenfqftemB, niel^e man bei beu bbbeien Xftieien 
unb beim SDlcnf^n als baS ,@eifte3Ieben' 
bejeit^net- Somit gilt baSfelbe out^ fät bie 
gefammte STq^oIogte- 

anmalet 6csSnbftan3><Bete4es. Unfeie 
fefte moniflifd^e Uebeijeugung, bafi baB loSmo* ^ 
loei[[^e ©ninbgefett oOgemeine @eltung fftr bie 
gefammte ERatut beft^it, nimmt bie ^54fte 
Sebeutung in Ünfpiudi- 3)enn babuidi »iib ' 
niiiit nui pofitiD bie piindpieUe @inbeit beS 
fioSmoB unb bet taufale ßufammenbang oOei 
unS eitennbaien Sifdgeinungen betniefen, fon* 
bent e3 luitb boburdi guglei^ negatis bei 
^Si^fte inteOeftuelle ffoitfcdiitt eigielt, bei be* ' 
^nitice Stuig bei biei (Sential'^ogmen - 
bet QRetapEiDfit: ,@ott, Sieibeit unb Un- ' 
fteiblid)leit'. 3nbem boB ©ubflang-Olefeft übet- 
all medianit^e Utfadien in ben Sif^einungen 
na^metfl, uetlnüpft e3 \iii mit bem .altge* 
meinen SauUlgefel*. 



Dretje^nies Kq)tteL 

oidelungS'tBef^i^te 6er tDelt. 

)er bie emlge CntioiAelung ties Uitioerfum. St^dpfung, Rn> 
! bei IDelt. Kreati|ti{d)e unb genetifi^e Uostnogenie. 



goimen beS ontolDi 



ttub bn filtiicl' 

6c|Bpftin<0toa- 

enttttotlima 

, , ,. „ _ ntbltäleit niiB 

tautn unb 3'<i- üniveraam perpätuum mobile. (Entiotiit bä SBelioIB. 
9Inotaani|dbe unb otganifcfie eibgefc^id^te. III. äRirat^fd^ Stogtitie. 
enbent-X^CDite. SainaidC unb Sloimn. IV. SKonittifd^e Slnt^po^Bib 
9(b|tammunB btS Menf^en. 



In baB giitll«, um< 
ft baBjenige von bet 
ilung bet Seit, lutj 
ifungBfioge' ge- 
B biefeB fd&roiciigfien 
neunge^nteB 3abi- 
alB oOe fluteten, fa 



He ift ibm fogai biB ju einem geroiffcn ©tobe 
gelungen- SBenigftenB ftnb mit ju bei Ilaten 
Ginflctit gelangt, ba^ aUe »eifdiiebenen eingelnen 
©^ÖpfungSftagen unttennbat oertnupft Rn*, 
ba6 Re otte nur ein einjigefl, aHumfaffenbeä 
«loSmif^eS Uniueifal-^ioblem' 
Mlben, unb ben @d)l&iTeI jut Sifung biefer 



rni. 



Smjc^tiS Aa))ittL (Entuicbluna>'®tf(]iic6te bn SBeU. 



95 



Sdtfmge' gt«6t unS baS eine Sou^ci^ott: 
Cntmitfelungl' Sie giolen ^agen von bei 
S4i|)hm0 beS 3J)cnr4et<. oon bei Si^S^funs 
nÖiweunb ^ftanjen, oon bei Sd&Spfung 

PSib« unb bet ©onue u. f. id., Re alle flnb 
JSwIe jener Unioerfal-gtafle : SBie ifl bie 
mt ffiett entfianben? oft fle auf über- 
lüfltlWieni XBege »erf^affen*. ober 6af lle 
d) auf natfirli^em SBefle .entroidelt"? 
W4« Hrt flnb bie Urfai^ unb bie SBege 
icfn SnttDidelune? QSelingt eS unS, eine 
e Unfniait auf biefe ^agen ffti eineS 
: 2:i|eiI>$ioMeme ju finben, fo ^aben mit 
. unferei ein^eitli^en Watuiauffaffuna ba- 
ut jugltit^ ein ei^eOenbeS Si^t auf beten 
hanlRiDitunB f&i tiaS ganje äBeltpioblem 
|»DTfen. 

Sifipfans (CreaUo). Sie (eirfc^enbe 
(nndii ftber bie Sntfl^uno bet äBelt mar in 
ttttfwn Sa^t^unberten foft üfieioH, reo ben- 
■lle SRenf^en roo^nten, bet @Iaube an bie 
SitBpfuna betfelben. 3n laufenben oon 
ftoeffanlen, ntebi obet menigei fabcQaften 
■Htm uttb Si^tungen, AoSmogonien unb 
!iciitiDn3'9Rnt^en bat bieget. S^öpfungS- 
Uuibe feinen mannigfaltigen SuSbrutf ge- 
üben. Srtei baoon biteben nut njentge gto^e 
tilnlop^ unb befonbetS iene beraunbecungS- 
fn freien 3)enler beS Ilafflfi^en STlter- 
^ — , bie luetft ben @ebanlen ber natflilii^en 
intoiifelung eifaiten. 3m (Segenfaft ju 
•A« legieren trugen aUe jene ©(Sspfungä- 
MenbenSÖaiaherböUebeinatürliiften, 
MBietbaten ober SranSfcenbenten. UnfAfiig, 
W ffiefen bet 3ßelt felbp gu ertennen unb 
m Sntfte^ung bur^ natürlidie Urfa^en ju 
ffifiten, mu^te bie unenlraiJeUe Sernunft 
WMtoeiftänbli^ gum SÖunbei greifen. 3n 
Wh mnßtn Si^apfunag'Sagen oertnüpfte fl$ 
"■tiemaBunber bei Slnt^ropiSrnuä. SBie 
^ Vlenf(^ mit aibfii^t unb bur^ Sunft feine 
afde fi^affte, fo fottte bei bilbenbe ,®ott' 
Jlnniilig bie SBelt eif<^affen ^aben; bie Sor- 
wuna biefeS S^äpferä mar meißenS ganj 
'Bt^eponurp^ , ein offenlunbigei .antäte 
^if^er Areatiintug*. 2)er ,aIIniä^H0e 
"l'pfn ßimmelB unb ber ©rben", wie er im 
na Su4 aJlofeS' unb in unfeiem ^eute noiii 
W%n «Qted(i8mu8 f^afft, ift ebenfo gang 
«fflii^Ii^ gebotet wie ber mobetne ©tapfer 
°^^Baffii unbSteinfe obei bei inteUigente 
TMcii^inen.3naenieur" oon anbeten Siologen 
wSeSMUJOrt. 

Si^Opfuns btM tDeltoU» unt> 6cv 
""^IMnae (Äreation bet ©ubftani 
Knb bei Slccibengen). fflei tieferem ®in. 
Ww in ben EBunbetbegrifT bet Äteatior 
"nnen tak ali groei roefentli^ oetfiljiebene 
°«< We totale ©i^apfunfl beS SJeltöas unb bie 
""Mit Schöpfung bei einjelnen Stinge untei- 



fäietben, entfpre^enb bem ©egtiffeSpinoga'S 
von beiSubRanj (bem Universoia] unb ben 
Slccibengen (ober Modi, ben eingelnen ,ffit. 
fd^einungSformen bei Subftanj"). 2)ief« Untei- 
f^eibung ift principtell mistig; benn e3 ^t 
nieCe unb angefe^ene $^iIofop^en gegeben (unb 
e8 giebt noi^ beute fold^e), welche bie etitere 
annehmen, bie lefitere bagegen oemeifeii. 

Sc^Spfung btt Subttonj (loBmo< 
logift^ei fftcatiSmuS). Stac^ biefci 
©c^öpfungSle^re &at ,@otl bie äBelt au8 bem 
5Ri*t8 gefd)affen'- SJlan ftellt P4 ooi, bafi 
ber .eniige @ott' (atö peinünftigeS , ober 
irnmatetießeB SJefen!) ffti flcE) aUein oon Smig» 
(sit bei (im SHaum) obne ®dt e^ifHite, biS et 
bann einmal auf ben Oebanlen !am, ,bie fflelt 
}u ftftoffen'. IDie einen anfiänger biefe* 
©taubenB befc^iSnten bie Scö&pfungät^ätigleit 
®DtteB auf'l aieuftcifte, auf einen eingigen a(t; 
fle nebmen an, bau bei eittamunbane ®ott 
(beffen übrige S^äligleit rät^el^aft bleibtl) 
in einem Jlugenblid bie Subftanj eif^affen, l&t 
bie 3^ä^ig!eit gut meitefigeEienben Sntraicfelung 
beigelegt unb fliii bann nie roeitei um fle be> 
{Qmmert ^abe. Siefe neit oeibteitete Slnfc^t 
ifl namentlid) im englifdien 3)ei8muB oieI> 
^<x<i) auägebitbet morben; fle näfiett fi^unferer 
monifttf(öen EntroirfelungBlelite biä gut SSe« 
lülimng unb giebt fle nui in bem einen 
ÜBomente (ber groiglcit!) pieiB, in melc^ 
©Ott auf ben Sc^öpfungägebanlen lam. Stnbere 
Slnbänget beS toämologifc^en StcatiBmuS 
nehmen bagegen an, baS .©Ott bet 6err' bir 
©ubftat^ nj^t blog einmal etft^affen Itabt, 
fonbern aI8 bemühtet .Si^alter unb 9tegteter 
ber Sßelt* in beten ©cfcfii^te fortniiile. Siele 
Sariationen biefeB ©laubenB nftliern fl<^ balb 
bem $ant^ei8muS, balb bem tonfequenten 
3!^et8mu§. Me biefe unb äbniidie formen 
beB ©^ipfungBglaubenB flnb unoeieinbai mit 
bem ©efeti oon ber Si^altung bet Sraft unb bä 
©toffS; biefeB tennt leinen .Anfang bet ^It'- 
^efonbetS intereffant i^, ba^ <S. bu IBoiB- 
Üteqmonb in fetner legten Diebe (übet 
92eooitaIi3mu8, 1894) flc^ gu biefem toBmo' 
logifAen fireatiBmuB (als S5funa beS giBgten 
Selträtbfeiei)betannt ^at; et fagt; ,3) et gStt* 
li^en Sillma^t m&rbig aOein ift. fl4 ju ben- 
fen, bau fle oor nnbenltirfiet Seit bur^ einen 
©(^bpfungSatt bie ganje Enateiie fo g_e« 
fc^affen fjabt, bal na^ bet Snaterte mit* 
geg^enen unpeibiAc^liifien ©efetten ba, too bie 
»ebingungen für Entfielen unb ffoitbefteben 
oon fiebemefen poi^anben niaren, beifptelBmeife 
biet auf @iben, einfa^fte Sebemefen entftanben, 
aui benen o^ne metteie Slai^^ülfe bie heutige 
9iatut oon einer UrbaciQe bis gum $almen- 
malbe, oon einem UrmitrotoIluS biB gu 
©uteima'B l)oIben ©ebärben, bis gu SReroton'* 
@e^iin maib. So lämen mir mit einem 



96 



Snil4nM ftopUcI- Cttt»iiI(lunflMM4i<%tt ba SS(U. 



xnE 



S^SpfungStagc (!) auS unb tiefen obnc 
alten unb neuen SitaliSmuS bit oiaanif^e 
91atur (ein me4amf4 entfielen-' dtet nie 
bei ber 9tmaWnni-%xom in bct Senova' 
birnng-fflAe (6. 73) ofttnbort Su eoiS< 
ncqmiinb in autTalltnbcf XBeiTt bic scringe 
Kiefe vnb ^oleeii^tigleit feineS monipif4«n 
Sltnlen». 

S(^Spfiiii0 der atii3cl&tngc (ontolo» 
gtf4ev ftteatiSnuS). !Rad) biefer inbivi* 
bueQcn, no4 tefet ^eirfdicnbcn 6d)BvfuneSIe^ 
bat Qott bei btxt nid)t nur bie ffieß im 
(Bansen (,auS Ni^ttl') gefti^ffen, fonbem 
auit alle cin)clnen Sinae in bnfelbcn. 3n ber 
^li^Iidjen Jtultunoelt btRIt nod) beute bie 
Utaitc iemitif^e, auS bem er^ Sud) SRofd 
berQbeisenoinmen« 64övfun08fa0e bienwttefte 
QcUung; felbp untct ben moberaen 9}atui> 
folftiKin finbel fle no^ tfit unk ba eldubifie 
HnVinBcr- 34 Habe meine tritifc^ Vuffaffun« 
bcrfelben tm er^tn flapitel meinet ,9)atflilt4en 
6(I|SiifunflBgcf4i<i)tc* eineebenb baieeiegt- SU 
intcrefTante SFlobiftlationcn biefcS ontolögifdien 
itnatiSmuS bütften folgenbc Z^eoiim gu untet- 
f4(iben fein: L Sualiftif^e ftteation: 
0olt bat fl4 auf )niei e^SpfungSaltt 
befd)riinlt; juerft f<i|uf et bie anatganifJie 
SScIt, bie tobte 6ubftan), f&t bie allein baS 
Qefeli bei (Energie fiilt, Minb unb liello« 
nitlenb im SRe^aniSmuS btt Selttlltpei unb 
bei (SebttoSbilbune; fpOtei etnaib Oott 3ntel> 
lifienj unb tbeilte bicfe ben 3)iimtnanten mit, 
ben gielftnbieen, intdligenten fttAftm, nel^e 
bie Cntmtfteluno bet Otaanümen betoiilen 
unb I(iten(n einte), n. SiialiRif^eAica- 
tion: (Sott lat bie SBelt in btel eaupt> 
attcn geTdiafren: A. G^Bpfung bei ^imtnelS 
(b. t- bcT aufeetitbif^en KBelt); B. C^öpfung 
bei lEtbe (aU !Dltttet|iunft bei XBelt) unb i^iei 
OtganiSmen; 0. C^Bpfung bcS SRenft^en (alB 
(Ebenbilb (Sottet): biefÜ Sogma ift no4 beute 
»eit seibreitel untet ikn^ifyn X^eologen unb 
anbeten .®ebilbetcn*; e8 roiib in vielen Si^ulen 
als SBabtbeit gele^it- IQ. ficptameiale 
ilteattvn: bie S^Bpfung in ^eben Sagen 
(na4 SnofeB)- Obgleid) nui menige ©ebilbete 
(cute no4 mirtli^ an biefen mofaif^en 3niiti|u3 
glauben, nitb et bennod) unfcien Rinbein 
f^on in bet ftübeften Sugenb mit bem Sibcl> 
Untettidit fefl eingeptdgt. Sie Dtelfai^en, 
namentli4 in Snglanb gemalten Serfu^e, 
benfclbcn mit bet nubemen (Entmideiungeiebie 
in CinQang ju btingen, Änb vBDig feblge* 
fifilagen- &üt bie SlatunotlTcnfdiaft gemonn 
berfelbe babuiib gro^e ißebeutung, ba| Sinnä 
bei Segtflnbung feines Statur- ®i)fleniB (1785) 
ibn annalim unb |ui SegtiffS-Seftimmung bei 
organifdjen (non ibm füt beftSnbig gehaltenen) 
©pecieS benutte: ,ffiB ßiebt fo »iele oet- 
fdiiebene Krten von Xbieien unb $flanjen. 



all im Snfang oetf^iebene ^Tonnen non Um 
unenbli^enSDeren etfdiaffen motben ftnb.' SKfjil 
Sogma nuibe jiemlidi aOgemein bil auf 3)at> 
min (1859) feflgebalten, obgleid) Samati 
fd)on 1809 feine ttn^Itbatfeit batgekst ^otl» 
IV. Qeiiobifdie Jtteation: im Unfall 
iebei ^eiiobe bet (Eibaefi^ii^te tvutbc bic ffa^ 
Xbiei>unb Vflonien'BeDBIIetung neu flef^affei 
unb am (Enbe betfelben but<^ eitu o^emeitM 
A )e Mnii4ict; «I gtebt fo viele (8enctdi 

S }B'Xttc, als gettennU geologif^i 

% luf cinanbei folgten (bie ftataRToptic» 

X in (tuviet, 1818, unb von Souil 

Agoni). 1868). Sie IßalSontologie, md4l 
in ibiten unvoOtommenen Unf&ngeit (in bct 
et^ fiaifte bei 19. Sati^nbeitS) biefe fii^ 
von ben miAettolten 9)euf4öpfungen bei orgO' 
ntft^en Kclt iu ftflttn fii)ien, bat Üefelbc fpltei 
PoIlttAnbigmibetlegt-T.SnbivibuelleÄiefl' 
tion: \Ätx ciniclnc 9Renf4 — ebenfo mic 
lebeS etnjelne £^iet unb {cbd Vffan|i» 
SnUvibuum — ifl ni^t bun^ einen natütlidKK 
^oitptlanjungS'IQt cntftonben, fonbecn bmi^ 
bic @nabe OoltcS gefibafTen (.bei oOe JÄufß 
fennt unb bie &aatc auf unfetem Raupte gi^ 
jillilt ^at'). anan lieft biefe^rißlidicet^Spfnn^ 
Slnfii^t nodt beute oft in ben .3*itungen, w* 
fonbetS bei Oebuitl'llnteieen (.(Seftetn fdientM 
uns bct gnUigc Oott einen gefunben KnabM* 
u. f. »■). Xu4 bie inbioibuelien Zaicnte u^ 
BotgAge unfetet Ainbtt metben oft aU M^ 
fonbete Oabcn (9otte6' bantbat onetfonnt (bk 
cibli^en ^^let genlbnli^ nidfiiy 

(Eirtnidlclting (QmmU, BvotartH 
Sic Unbaltbatleit bet GABpfungl^agen unb 
bei bamit vethillpften SunbciglaubenS mu^ 
tl4 F^on ftübieitig bentenben SHcnf^en oirf* ! 
btdngen; mit ftnben babei fd)on sot m^r oB : 
imeitaufcnb Sobtcn ta^Itti^e Seifuifie, bic*! 
felben bui4 eine vetnanfttge Xtcorie )n eM 
fe%en unb bie (EntRe^ung bet IBÜcIt mittdS 
natütli^et Utfat^en |u eitUien. Sllcn vonm \ 
Reben bieiin »iebet bie giogcn Scntei bei; 
ionififetn Stolutpbilofopbie, fetnei SemotiUelr | 
detoIIitoS, (EmpeboneS, Htiftoteiel, Sutietiul j 
unb anbete ^ilofopben bei HIteitbumS. 3!te i 
etficn unooÜommenen SSeifu^e, nel^e fit | 
untemabmen, fibenaf^n unS jum Zbeil buiq : 
ftio^Ienbe Sii^tblide bd «cipel, bic alS Sof \ 
Idufei mobernet Sbcen eifdieincn. Snbeffen 
febUe bem tlaf|lfd)en Slteitbum fener ßi^en 
8obcn bet notutp^ilofopbif^oi SpetnlotiDii. 
bei etfl butifi unitt^Itge 9eoba4tnngen unii 
Beifüge bet 91eugett gemonncn muibc füSf 
lenb beS aHittelalteiS — unb befanbetS mibnnb 
ber (»emaltScrtfiftaft beS ^aptSmuS — mite 
bie BiifTenf4<tftlt4e S'orf^ung auf bicfem Sc 
biete ganj. 3>ie Xortui unb bic S^etteibaafen 
bet Snquifttton foigtcn bafüi, ba6 bei nnbe> 
bingte @Iaube an bit ^ebiöiftbe SFlqtboIotie 



:fm. 



Srdje'diitcS ßapUti Snttoldtlungi'^tfi^tc^te ixe SQiU. 



97 



M RoT^ ali befinittve JCntmoit auf alle 
t^Mantiftasm Salt. iSelbfl btejenieen (St- 
HÄrangm, btc unmittelbat gui EQeoba^ng 
IR fntintdefunBa'Stiatfa^en aufforbeiten, 
tie Stimdgeft^i^ ber jt^terc unb ^flaitjen, 
Ib fntlirqoIoQie befi ÜRenfi^en, blieticn uif 
' ■ t obn erteeten nut ^ier unb ba baB 
. fle eii^elnet »iSbegietifier »eoba(ftlet; 
iht ijitt Qntbedunsen tnurbm iflnoritt unb 
wrg^nt- 3(vSetbent wuibe bei raaEiTen @c- 
tantnig bet notfitli^en ffintroictelung i^r üßeg 
ootn^iein butdi bie tjtxx^iieaiit ^td- 
tationfi'öe&re oetfperrt, burdi baä 
iBopiii, ba6 bie diQtaÖeriftifdie ^Mtn unb 
Stnifiui ieb« met- unb ^Sanaen-Slrt fdjon 
JM Äeime coiaebiliiet fei (oerßl. ©■ 26). 

Stittt>{AeIung$Ie^c(®enetiI, SdoIu* 
tilmuS, SvoIutiontSmug). 2)ie SSiffen- 
Mofl' He tnii ^eute SntroidelungSle^Te (im 
witeften Sinne) nennen, ifl foraobl im @anjen 
tf in i&ien einzelnen Steilen ein llinb beB 
lliSa^bunbeitS ; fle ge^Srt }U beffen rait^tigflen 
«ü gidntenbften (STjeuenilfen. Sbaträ<^Iii$ i^ 
Ma Begriff, bet no^ im 18. ^a^i^unberi 
M unfieiannt mai, l^eute beiettS ein feßer 
'ftcin unfeter ganjen SSeltanfi^auung 
cn- 34 babe bie @iunbjüge berfelben 
ii fiübeten Sänften auSfü^dit^ bebanbelt, 
n etngelienbften in bei ,@encreUen SRorp^o- 
fctie' (1866), fobann me&r populftt in b« 
.»aürliiiien Si^öpfungSaet^ic^te' (1868, gcbnle 
bflitae IdOS] unb mit befonbeier %tejie^ung 
mf btn aßenfi^en in bet .älutliiofiogenie* 
Wi, fünfte «uflaae 1903). 34 befi^ränle 
wiit ba^er ^ier auf eine tu^e Ue&eifi4t ber 
vidMenSoitfcEintte, neli^e bie SntnictelungS' 
lette im Saufe beS 19. ^a^rbunbectS gemalt 
Hi fle letfäOt nai^ t^ten Objetten in viel 
botwu^tle: |ie betrifft bte natürÜi^e (SnU 
Mpms 1. beS fioSmoB, 2. ber Sibe, 3. 1 
it)^4ni JDrgoniSmen unb 4 beB QRenfcben. 

L tllenflHIdie Uosmogenlc. 2ien eifleu 
•Stifii^', bie 9)eifaflung unb ben me^anif^en 
Uifptunfl beS ganjen aöeltgeböubeS na^ 
.StBlon'f^en ©tunbfdften' — b. ^. bui^ 
aaSemotif^e unb p^iiPfaUWe ©efetie — in 
riafadiftet Iffieife gu etllüten, untentabm 3m- 
nitnuel ftant in feinem berii^mten Sugenb' 
Mb, ber .Hlleemrinen ^laturgefc&ii^te unb 
Weori* beS ©imraelB' (1760). Selber blieb 
^et großartige unb tÜint SBert 90 ^oi^re 
btbun!) faß unbelannt; eS raurbe erfl 1315 
^n^ )(le;anber Sumbolbt niieber ouS* 
Itgraben, im er^n ^Banbe feineS .fioBmoB'. 
äimnfi^en nur aber ber große frunjaflfi^e 
Stolbeniatiler $ierie Saplace felb^änbig 
Ulf a^nlic^e X^eorien niie Aant gelomuten 
»nb f^brte biefelben mit matbematif^er !Be« 
Pfinbung loeiter auS in feinet nExposition du 
*ridime da monde" (1796). Sein gauptmerf 



„M&anique Celeste" eifi^ien im 3ab« 1'99. 
t)K übereinftimmenbtn ©runbjfige ber Stoi- 
mogenie non Aant unb Saplace benilKn 
befanntlti^ auf riner mei^anif^en (ErlÜning 
ber $laneten*9en)egungen unb ber botauS ab- 
geleiteten Slnna^me, bafi oHe SßelttBrpet ur> 
fprüngliäi au3 rotirenben dlebelbODen burdU 
Setbi^tung enthüben finb. 3)iefe .91ebulai> 
6i|potbefe' ober .toämologifdbe @a9> 
j^beorie' ift jroar fp&tet oielfad^ ueibeffett 
unb ergdnjt motben, ^e befte^t aber no4 beute 
unetfdjüttcri alS ber befle uon allen ESetfui^en, 
bie Sntftebung beS SieltgebäubeS einbeitli^ 
unb mei^anifä gu etllArcn (petgL SQilbelm 
öifcbe, ®ntR)ideIungSaef<f|i(^te bei ^lutui- 
m. 1894). 3n ueueftet 3eit 6at biefelbe 
(ine bebeutungBoode ©rgänjung unb jugleii^ 
SeIßAI^tng burt^ bie Unna^me gewonnen, baß 
biefet (oämogonifi^e ^roeet ni^t nur 
einmal flQttgefiinben , fonbem fldi periobifi 
mieber^olt bat. ÜQäbtenb in geroiffen X^eilen 
beä unenbli(^en iSielltaumS ouB rottrenben 
5RebelbäDert neue SöeltTörpet entfteben unb R(^ 
entroideln, meiben in anbeten Xbeilen beBfelben 
umgelebit alte, citaltete unb obgeftorbene SQelt- 
tarper burdi Bufammenftog nieber lerftäubt 
unb in biffufe Üiebelmaffen aufgeiaft. (iSergl. 
3ebnber, Sie aRec^anit beS Meltaus. 1897.) 
Anfang un^ ttnbt btv IDelt. ^aft alle 
Alleren unb neueren JtoBmogenien unb fo aud^ 
bie meinen, bte ftcE) an fiant unb Saplace 
anf^loffen, gingen oon bet berrfdienben Slnfii^t 
aus, baß bieiBelt einen Anfang ge'babt^abe. 
So ^ätte flA ,im Slnfang' nat§ einer oiel- 
uerbteiteten ?fotm bet ,5RebuIat.&flpot&efe' ur- 
fprAnglid) ein ungebeuiet 9tebe[baD au3 äußerfl 
bünner unb leidster Süaterie gebilbet, unb in 
einem befttmmten Beitpunlte (.oor unbenflii^ 
fanget ^eit'} babe in biefem eine StolationB- 
iBeniegung angefangen. 3ft bei .eifte ainfang' 
biefet toBmogenen ^Bemegung cift einmal ge- 
geben, fo laufen fld) bann nai^ ienen me<^a« 
nifdieu $rincipten bie meiteren SotgAnge in 
ber ©ilbung bet SJeltlarper, ber ©nnberung 
ber ^laneten-Sqfteme u. f. to- fl^et ableiten 
unb matbematif4 begtünben- Siefer erfte .Ut- 
fprung bet Seroegung' ifl ba» gmcite 
.aßeltrötbfel' oon Su aSotS-iReqmonb; et 
erlldri boBfelbe für tranBfcenbent äu4 
piele anbete Slaturforf^er unb Vbüofopben 
tommen um biefe @i$n)icrigfeit niÄt berum 
unb reflgniren mit bem ©eftänbniß, baß man 
biet einen et^en . übern atürli^en Knftoß', 
alfo ein .SJunbet', annebmen muffe-' 

9ta4 unfetet Snlli^t nitb biefeS .gmeitt 
SiJelträtbfel' but(b bie atnnobme gelbfl, bai 
bie SÖeroegung ebenfo eine immanente unb 
uiTprÜngli^e (figenf^aft ber ©ubfiani i? 
mie bie Smpfinbung (@. 91). SHe «e- 
tei^gung ju biefet moni^fd)en ttnnobme 



Srily^nltf ttapiUl Catut(lelun(^0tf(^i4tt btc 9BdL 



ftnben ntii erftenS im SubftaiM'Ocfct unb 
petlent in ben giofifn 9oitfd)rittcn, mtlitt 
Dt« Xftronantie unb VIpqfif in bei inmten ßdlftc 
beS 19. 3ii^iiunbcit< oma^t vaEwn- 3)ut4 
bü Cpcttral'Mnalqfe oitn Sunfen unb 
ffiidb^ff (1860) iHibennii nidit nuicrfo^Mn. 
bai bie Slillionen SBelHErpec, nwb^ ben un* 
«iDli^tn SJeltraum erfüllen, auS benfelben 9na' 
terien bcfteEien mie unfeit Sonne unb (Sibe, 
fonbtm oud). ba{i fle flii in oerfdgiebenen 3U' 
ftdnben bei Sntmidelune befinben; nii tpaben 
foQQi mit ibrer &ülfe fienntniffe übei bie Se- 
nKgunoen unb Sntfernunsen bet ^i^eine qt- 
toonntn, niel^e buidg baS SentiD^i aäein nti^l 
eilannt nerben tonnten, ^einei ift baS %i' 
leftop felbft fefit Bebeutenb oetbefTeit niaiben 
unb bot unft mit gfilfe ber $6otO0Tat>Ipt( 
eine Süße non afltonomifcöen ffintberfunflen 
gefi^entt, meiere im SJeginne be8 19- 3abt' 
qunbeitS no^ ni^t gtolint »ecben lonnten. 
SnSbefonbere bat bie belftie Aenntnift bei 
ftometen unb Gtemf^nupven, ber Stem^aufen 
unbÜltbelflecte, unS bie giofie Scbeutune ber 
Reinen SBeltfanier fennen gelehrt, mel^ lu 
SRiQiaiben jniifi^fn ben grOgercn Sternen im 
S3eltiaum oett^eilt flnb. 

3Bii niffen le^t audi. bag bie SSaEinen ber 
üniüionen t>on SßeltlSrpent oetdRbetliit 
unb au<n ^hnl unregelmügig flnb, iDiÜiTenb 
man früfiet bie $Ianeten*©i)fleme oIS beftdnbifl 
betratitete unO bie totiienben SSflUe tn eniiflet 
@Ietitma&igfett tE|n ffreife befdiieiben lie^. 
SBi^tiee atuffAiaiTe cerbanft bie SlfhopÖ^Pt 
aber autt) ben geroaltigen Sottf^ritten in an- 
beren (Sebteten bei Vbqfit, noi SQem in ber 
Cstit unb QlettTit, foraie in ber babur<^ ge* 
förberten Kellier'X^eime- Snblii^ unb noi 
üllem enoeift ft^ au4 Hei nieber als grOgtei 
^ortf^iitt unftrer 91atur>@rlenntnig baS uni- 
BetfQleSubftanj-Oefetj. ffiir roiffen lebt, 
ba6 boafelbe ebenfo ftbettül in b«i femften 
SBeltTdumen unbedingte ©eltuitg bat n>ie in 
unfttem Planeten ©pfiem, ebenfo in bem Hein« 
flen Sbeild&en unferer ffitbe mie in bei Heinften 
3eae unfeieä menf*Ii*en ÄBrpetS- SBir ffnb 
aber au^ au ber rotÄlißeR Slnnobnte betetfetigt 
unb logifA eejnjungen, bog bie (Sr^altung bei 
ajlatetieunb betSneigie ju ollen 3<i>"i <!""• 
fo aOgemein be|tanben bat, mie fie beute obne 
lluSna^me beftebt- 3n alle @nii8{eit mat, 
iß unb bleibt baS unenblidbeUnioeifum 
bem @ubflan}'@e[et untermorfen. 

tluS ollen biefen geraaltigen goTtf^ritten 
bei Slftronomte unb ißb^Üt bie f1d| gegenfettig 
eildutein unb eigänjen, eigiebt fl^ eine iReibe 
ton überaus niicbtigen ©cblüfTen über bie Qu' 
fammenfetiung unb Sntroidelung beg Ao3mo8, 
übei bie ^e^airung unb UmbiCbung bei 6ub' 
Panj. SBii falTen biefelben luij in folflenben 
Xb«fen jufammen: L £er SBeltraum iR utt> 



T iftnirS 
ib^n« tri 



enbli^ Stoi unb unbegienjt; et ift n 
leer, fonbem aDcntbalben mit Sub^nj e 
n. 3)ie SBeltgeit ift ebenfalls unenbltd) 
unb^tcnjt; fle bat feinen Knfang unb 
ISnb«, fie ifl Cmiglett- m. 3>it €ubft( 
bcflnbet fl4 fiberall unb fcbcr Seit in umin 
biodienetOemegungunbSetanbentng; nirge 
berrfdft ooDtommene Shibe unb Starre; b 
bleibt obre bie uncnblit^ Cuantitftt bet SRot 
ebenf» unvei&nbert mie bieienige bet ci 
meififeinbtn Qnergie- IV. Sie nntoetfal'l 
megung bei Subftaiti im SBeltraum ift 
emigei AreiSlouf mit peiiobtf^ fld) nrieb 
bolenben Sntn]iÄeIung8>3uflAnbcn. Y. S 
^bafen befteben in einem periobif^en See 
ber Sggregat-3uftAnbe, mobei jundd^ft 
primdte Conberung oon Snaffe unb Stetbei t 
tritt (bie Cigonomie non ponbciabler unb i 
ponberabler SKaterie). VL 2)iefe ©onberu 
berubt auf einer fortfdbtcitenbenBctbi^tu 
bn Sftaterie, bei Silbung oon unadblisen fie 
flen Serbic^tungS'SentTen, mobti bie immon 
ten Qreigenfdiaften ber Subflant bie benid 
ben Urfa^en flnb: ^Oblung uttb 6trdui 
Vn. SBObrenb in einem Xbeilc beS SBeltroui 
bnri^ biefen pqlnotifcben $ioge6 aund4f> flti 
meiterbin giS^ere ffielUBrper cntRc^en unb I 
Selber groif^en ibncn in ftHttzt Spannu 
tritt, erfolgt gleidiaeitig in bem anbeien Zb< 
ber cntgegengefe^te $roce$, bie 3eiftBtn: 
con SBeltfBrpem. Del<be auf einanber 90% 
VUL Sie ungebeuren ffiarme-CuantitU 
meltbe buitb biefe med|anifd|nt ^oceffe 1 
ben BufammenftBgen bet totiienben ffieltün 
etjeugt merben, fteUen bie neuen lebenbig 
Atäfte bai, neliibe bie Semegung bei bobei ^ 
bilbeten IoSmtf(f|cn €taubmaffen unb bieKeU' 
bilbung rotircnbet SftQe beroitlen: baSemigc 
Spiel beginnt miebei non Steuern- Kud) unfni 
Butter 6rbe, bte cot SRilliDnen uon Sfoi^ 
taufenben ouS einem Ibrile be8 totiienben 
Sonnen-Silfteiiä entftanben ift, rotib naib Sn- 
|luS meilerer Snillionen erftatien unb, nitdibcin 
i^ie ^abn immei lleinet gemotbcn. in bie Sonnt 
ftütgen. . 

ÖefonbetS nritbtie für bie flarc Sinftcqt m 
ben uninetfalen loSmiftb«! GSHtmiäelunfl»-?!!»- 
ceft fd^einen mit biefe mobemen 3Jor|ldluii9«n 
über periobtf^ me^felnben Untergang o^ 
gteubilbung bet aSeltMrper, bie mir ben V 
maltigen neueren gortfibritten bet 9Wl um 
Sftronomic nerbanlen, in JSerbinbung mit boii 
Subpana-fflefeft. Unfere SRuttet ,Cti« 
f(ftiumpft babei auf ben Sßertb eineS ntinjifiw 
.iSonnenflQub^enB' (ufammen, n>te beten vi' 
geadblte aRiOtonen im unenbli^en SBelteniuni 
umbeiioaen. Unfer eigenes .SR enf i^ennefen • 
iPeldbeS tn feinem antbropiflif^ (SiB^nwA'' 
n^ als .SbcnbHb OotteS' oeibetili^t. <!<» 
)ur Qebeutuna eine! vlacentolen Sdugdtin* 



xm. 



fnüiifyniti aaspütt (Snt\o\M\m^S-IS^ä)ii^it bei SBelt- 



. toeläiei ni(^t mrf)t SBettfi fßx baS oange 
Qnocrfum üefi^t aß bie Hmeire unb bie (Sin- 
b^iltege, alS baS mitro^opifi^e 3nrufottum 
aiö» ker winatöf« ^öacitlug. KutJ wir SBlen- 
f^en fttii nur oorübecge&enbe SntmWelungS- 
Suftfinie bsr eioiflen ©ubftanj, inbioibueüe dr- 
ft^^nungefonnm bei SRatme unb SnEtate, 
inen dUc^ttgteil nii begreifen, loenn nii Pe 
bcm unenbli^en {Raum unb bei eroiaen 3^^ 
Itflenfibet^dlen. 

Raum unb Seit. Seitbem fiant bie 
flegriffe von SRaum unb 3«' <il3 bloße .9ot' 
nm he? «nfdjauuna' erflärt fet — ben Klaum 
dS Sonn bei duneren, bie Qnt aI3 goim bei 
iimeten anf^auuna ~, iat flit übet biefe 
»ii^tiaen ^lobleme bet Silenntni^ ein qt- 
noltiaer ©tieit erhoben, bet au^ ^eute no<^ 
foitbauert- ©ei einem atoßen leile bei mo- 
bemen ÜRetopbqfilei ffat ^ä) bie Hnfc^t be> 
fefttgt, baß biefei .hitifi^en ZW alS SIuS' 
gangSpunIt einei ,iein ibealiftif^en Silennt' 
nil'X^eoiie' bie ei&^te JSebeutuns beijulegen 
fei, unb bag bamtt bie natüilit^e Slnlii^t beS 
gefmüien !DIenf<4en-93eiftanbe8 tion bei dleali' 
t&t beS iRaumel unb ber 3^'^ niiberlegt 
fd- Siefe etnfeitiae unb ultiaibealiftifi^e äluf- 
Üfung jener beiben ©tunbbeflriffe ifl bie 
OÜdle bei at^ßten Snt^ämei a^i^tben; fe 
Ibecfte^t, hai kaut mit ienem ®a^e nüi bie 
eine Seite beS Problems, bie fubieltioe, 
tteifte, baneben aber bie anbeiei bie obieT- 
tise, atS a^<^beie(4tiat anerlannte; er faate: 
,ERaum unb 3«t ^aben empirifi^e EReali* 
tSt, abei tianSfcenbcntale 3bealität.' 
SRU biefem Sa^e fiant'iB lann flc^ unfer 
mobemer OnoniSimiS roo^l einuerftanben er* 
fläten, ni^t aber mit jener einfeitigen ©eltenb- 
ma^ung bet fubjeRinen Seite beS Problems ; 
ftenn biefe fübrt in i^iet flonfequenj ju jenem 
obfatben SbealiSmuS, bet in Serleleq'ß 
Co^e aiff^'= .Körper llnb nur SQorüellunaen, 
SU Safein beßebt im ^obraenommennerben'. 
Ciefei ©flS foUte feigen: .flbtpet pnb füt mein 
perfSnli^eB Serou^tfein nui SoifteUunflen; 
ibt S)afein i^ ebenfo real roie OaBienige meinet 
Sentoigane, n&mlii^ ber ©anglienjellcn bei 
ISroHimB, mel^e bie ginbiütfe bet Satpet auf 
meine Sinneäoieane aufnebmen unb bur^ 
XlfDcion beifeOien jene 9)orßeIluna bilben-* 
fbtnfo gut, nie läj bie .Slealität von ERaum 
mb Seit' begmeifle, ober gar leugne, lann idi 
Ui$ biejenige meinea eigenen IBemufitfeinS 
Inanen; im Sieber.SDelirium , in ©oUucina« 
tiontn, im Siaum, im Soppelbenugtfein ^alte 
14 Soifldluneen f&t nabt, roelcbe nidit real 
Imbcm .Sinbilbunaen' finb; it^ ^alte fogar 
■eise eigene $etfon ffii eine anbete (©• ^^^, 
ttt berÄ^e ,Oogito er^ ■am" gilt biet 
Bi^t me^i. Saatgen i^ bie fRealit&t non 
Raxm unb 3eit ie^t enbaabig beniefen bunfe 



L 



bie Snoeiteruna unfetei SBeltanfi^auung, meldte 
mti bem ©ub^anj-Oefeg unb bei moniftif^eR 
ßoBmogenie oerbanten- 9IaeE|bem roir bie un< 
baltbaie ^orfteHung com .leeien 9)aum' gia((> 
lic^ abgeftieift baben, bleibt un3 als baS nn< 
enblidie, ,roum erfüll enbe Üflebium' bie 
a^aterie, unb gniai in ibren beiben formen: 
Uetber unb aRaffc Unb ebenfo betro^ten 
raii auf bei anberen @eite alS ba3 .jeit' 
eiffillenbe ©ef^eben' bie eraige iSeroegung 
ober genetifcbe @netale, mel^e Rili in bei 
ununterbrodgenenSntrotdelungberSubftan) 
äugett. in bem „Ferpetunm mobile" htS 
Univeifum. 

Universum perpetuum mobile. 3)a 
jcbet beroegle Äörpet feine ©eroeguna fo lange 
foitfetjt, oI8 ibn ni^t äußere Umfiänbe batan 
binbEtn, lam bet SRenfift fd&on oor Sabf 
taufenben auf ben @ebanlen, Slppatate gu bauen, 
bie prf), einmal in Seroegung gefegt, immerfort 
in bcrfelben ffleife nieiter bemegen. STtan übet' 
fab babei, bag jebe Semcaung auf äuletc 
Sinbemiffe Itaßt unb aümäblti^ aufbOrt, roenn 
ni(!|t ein neuer Slnftoß oon äugen erfolgt, nienn 
ni^t eine neue jfraft jugefübrt mitb, bie jene 
&inbemiffe übcnpinbet. So märbe ). iS- ein 
fcbroingenbeS ^enbel in @n)iafeit mit betfelben 
@efi^minbigCett fidi bin unb bei bemegeui raenu 
ni^t bet äBiber^anb ber Su^ unb bie iReibung 
im 91ufbänflung§punlte bie mci^anifi^e lebenbige 
Kraft feiner fflewegnng aUmäbliiii aufbeben unb 
in aSdime Derroanbelten. SBir muffen ibm 
but<b einen neuen Slnftog (ober bei bei $enbel' 
ubr butd) Huftieren beS ©eni^teB) neue 
mecbanifi^e ßtaft jufübten- Sobet iff bie 
ßonftrutlion einer EDlafdiine, mel^e obne äufieie 
£)&Ife einen 3ttbeit§übeti(^ug einengt, bui^ ben 
fie fldb felbß immetfott im @ang erbält, un- 
m58li(^. Sitte 3Jerfu<ie, ein folcbeä Perpetuum 
mobile gu bauen, mugten f^If^lagen; bieCi« 
tenntniß beB Subftana-Sefetieä bemieS fobann 
audi tbeotetifi^ bie Unmbglid)teit beSfelben- 

ÜnbetS vetbält eS fl^ aber, menn mit ben 
Roimai aI3 ©angeS in'E Kuge falTen, hai 
unenbli^e Sieltoll, mel^eS in emiget ESemegung 
begriffen ift- 2)ie unenbli^e aßateiie, aelUtt 
objeftiD benfelben eiffiHf, nennen mir in unfein 
fubjeltiuen IBorflelluna ,£Raum'; bie emigc 
©eniegung beifelben, bie objettio eine petiobifc^e, 
in ticb felbft gurüdfebienbe Sntroideiung bat- 
fUttt, nennen mit fubjeltiü ,3eit". »iefe bei- 
ben .^otmen bet Sln[i!iauuna* übeijeugen unS 
Don ber Unenbli^teit unb gmigleil beS OSelt* 
aUS. 3)amit ift aber gugleidi gefagt, bag bot 
gange Univeifum felbfl ein oUumfaffenbeS 
Perpetaum mobile ift Siefe unenbli^e unb 
emige .SRaf^ine beS SBeltattS' erbält )1<li felb^ 
in emigei unb ununteibtodiener 33emegungt 
meil jebeS fiinbeinig but^ ein .Slequioaltnt 
bet fineioie' auSgeoIi^ien toitb, meil bie im* 



100 



:&nijt^M Sa^itA. CntVtiltlntif^Stfdii^ti In SBcIt. 



XIII. 



tnblii^ grogcCnmmt bn oftutQtn unb poteii' 
titCen dnetgtc enrig bieftlbc 6IriM- Sai 9c 
fct oon bn Sr^Uitng bei: fitaft beroeiR alfo, 
baft bic SotfleDung bei Perpetuum mobile 
fftr bm gongen fioSmoS e6fnfo noAi unb 
funbomental bebeutenb ift, «ie fle füt bi* ifo« 
lierte SUtion eines S^eileS beSfelben untnSg« 
It4 t^ Sabui4 nntb auc^ bi« Se^ie uon bei 
Qnttopie raibetlegt. 

<Entroplc ftes tDettoIIs. Ser fdiarffln« 
nigeSegifinbet ber me^anifd)«» SBärntc* 
t^cetie (1850), SlaufiuB, fa^te ben ni^' 
Hgften Sn^lt biefer bebeutungäooKen SeE|te 
in giDti 3auptfät)en jurantmen- S)er er^ 
eouptfat) lautet: ,£te(Snriete bcS ^elt- 
alle ift lonftant'; et bilhd bie eine ßfllfle 
Mnfereg ©ubflanj-Sefe^eg, bü8 .ffinerflie-^rin- 
cip» (©. 93). Sei gneitc ßfluptfafe bäoupte': 
,3)te Sntiopie beB SQeltaHs fttebt 
einem SKaiintum ju*; biefer sraeite daupt* 
fot ifl nai^ unfein Stnfl^t ebenfo inig , roie 
ber eifte liditig ift 9taif| ber Slnfldji pon 
SlnufiuS jeif&Ilt bic ®t[amml ■ Siiereie bc! 
SeltaQS in ^toti Htttüt, von benm bei: eine 
(ale ^ärme oon ^5^eiei Semperatui, alfi 
met^anil^e, elettrififee, ^emifc&e Energie u-f.ii)-) 
noA tbeilipeife in ältbeit untfe^bai ift. bei an- 
beie bagegen ni^t; biefe letitcie, bie beieitS in 
ffi&tnte peinianbelte unb in tilteien Säipem 
angefammelEe Snergie, t^ füi neiteie VibeitS' 
leiflung unn}iebeibringltd| peiloien- S)iefen un> 
veibrauc^ten Snecßte'jT^il, bei nic^t mebi in 
mec^anifd^e ätibeil umgefe^t meiben lann, 
nennt ßlQufiuB ©nttopie (b. (. Me nai^ 
innen genenbete fiiaft); ei raädgft beftänbig 
auf fio^en beS elften X^eilS. Sa nun tag- 
täglich immei me^t ntedianif^e @neigie beS 
SBeltaüä in SBätme übeige^l unb biefe ntdit in 
bie erfteie gutürfpetroonbett nierben lonn, ntuS 
bie gefammte (unenbli^el) Quantität bei 
SBAime unb Sneigie immer me^i jetftieut unb 
^eiabgefe^t raeiben. SUIe Sempeiatui'Untei' 
iitii&t mügten }ule$t oeifdiroinben unb bie 
oSOig gebunbene SBAimc gleidimö^ig in einem 
cinjigen tilgen filumpen con ftanei SUaterie 
oeibieilet fein; aOei oiganif^e Scben unb 
aDe oiganifdje Seraegung raüibe aufge^Sit 
(aben, nienn btefeS üna^imum bei SntiO' 
pie eneit^t niäie; baS nia^ie ,@nbe bei äSelt' 
ro&ie ba. Seigl. geli; Slueiba^, Sie 
Keltöeirin unb ibi ©ijatten, 1902. 

^enn biefe 2ebte oon bei gntropte listig 
möie, fo müßte bcm angenommenen ,®nb' 
bei aöelt' aui^ ein urfpiünglit^ei »Anfang' 
beifclben entfpte^en, ein Sninimum be 
Sntiopie, in meinem bie SiempeTatui-Siffe* 
tengcn bei gefonbeiten l^eltt^eile bie giBgten 
niaien. ffleibe aSoifteKungcn Rnb naiJi unfetei 
moniftifdien unb ftreng (onfequenten Üluffaffung 
beS emigen IoBmogenelif<^en $iDceffeS gleii^ 
»ntoßbai; beibe tvibeifpiedien bem €ubftan)> 



@efe^ (Si giebt einen Unfang bei Sßelt eben« 
fo nieniQ alt ein Snbe beifelben. ffiie bol 
Unioeifum unenbli^ i|l> fo bleibt eS audi cnig 
in ISeniegung : ununteibiodien flnbet eineSe» 
roanblung bei lebenbigen fhaft in Spann* 
Iiaft Ratt unb umgeteliit; unb bie Summt 
biefei aftueüen unb potentteDen (Energie bleibt 
immei biefelbe. Sei jroeite ^auptfol bei 
me^anifiiien SBftime-X^oiit mibeifpiidit Um 
eißen unb muß aufgegeben meiben. 

Sie Seit^eibigei bei (Sntiopie beboupten 
biefelbe bagegen mit dteätt, fobalb ^e nut 
einzelne ^loceffe in'S^luge faffen. bei nMlini 
untci gemtffen ißebingungen biegebutn 
bene SBAime nit^t in Slibeit jurüdoenDanbelt 
raetben lann. So lann g. 9. bei bei Sampf' 
mafd|ine bie äSdime nui bann in medianif^e 
Sibeit umgemanbelt meiben . menn , jie auS 
einem mdimeien SOipei (Santpf) in einen tSl' 
teien (ffü^lniaffei) übeige^t, ober nid|t umgc 
le^it 3m gioßen @angen bei äßeltaOB ben- 
f^en aber gang anbeic SSet^äUniffe; biet finb 
Sebingungen gegeben, in benen aui^ bie uni' 
getebite ätenoanblung ber latenten S^Sime in 
me^anifd^e Uibeit flattfinben lann. So na- 
hm i- S. beim gulintnienlloße pon jroei SBeß- 
Ibipem, bte mit unge^euiei ©efdjrainbigleil 
auf einanbei tieffen. toloffale Siäime'S'iengea 
fiei, mältrenb bie geifläubten SRaffen in ben 
äBeltraum ^inauSgefi^Ieubeit unb geiftnul 
roeiben. Si^emige Spiel bei lotitenbenaflnitcn 
mit SJeibi^tung bei X^eile, SaQung neun 
tleinei SJteleoiiten, Seieinigung beifelbtn jn 
giBßeien u. f- xo- beginnt bann non Sleut»- 
aüeigl- Be^nbei, Sie Dnet^anil beg äBdt- 
008, 1897. 

n. ntonilttf^c Seogenie. Sie Snt' 
midelungggefi^idlte bei Sibe, auf bie mir je^t 
no<^ einen jlüditigen iBIid roeifen, bilbet nui 
einen mingm Qeinen £l|eil ton berjenigen iä 
flo8mo3- Sie ift groai aui% gleid) biefei feit 
melireien 3al)itaufenben (Segenflanb ber vbi^ 
fDP^if<^en Spetulotion unb no^ mein bn 
m^tbologifdien Siditung geroefen; obei üin 
n>iitli4 miffenfi^aftlii^e Sitenntntg i|t tiid 
jflngei unb flammt gum nieitaui giSften I^tik 
aug unfeiem 19. ^abibunbeit 3m ^tinw 
mar bie 9£atui ber Sibe, als eineS $lantttii 
bei um bte Sonne tieift, fdion bui4 baSSSiIl' 
fqftembeSSopernitua (1543) benimmt; bvA 
@aUIei, fleppler unb anbete große HflCT' 
nomen mar i^ 3(bltanb non bei Sonne, i^ 
9enMgungB>@efe% u. f. w. mat^matif^ f* 
geftetlt. SIu^^ wai beteitS butd) bie Sotmv 
genie Pon ^ant unb Saplace ber ffi<t 
gegeigt, auf rael<i)em flt^ bie Sibe auB btt 
SRutteiSonneentiPidelt^aUe. Über bie fpUttt 
Sefi^ii^te unfeieS Planeten, bie UmbUbntil 
feinet Dbetflä*e, bie Sntfte^ung bet Äontinentt 
unb STteeie, bei ®ebiige unb SBüften mar niA 
}u (Snbe beS IS. unb In ben elften beiben 



xra. 



SMtjt^td HapÜil entuidtlunQä-ßetcgidgte btt fUtlt. 



©»cennien biS 19. Sa^r^imbcttS nur loenie 
öeaenftanh emftet roilTenftfiaftlii^er Untet- 
^uitQen gettiefen; meiftenS be^nfiete man 
Vcd mit jietnlic^ unfii^eren Seimutbungen 
ober mit btz Xnno^me bn tiabitionelCen 
6il)Spfuna8fae«n; inSbefonbere niai ti au^ 
tin niieber ber überlieferte @Iaube an bie 
msfaifi^e Sc^SvfungSsefifii^te, raeldger bet 
feßft^änbigen g^otT^ung von oont^eiein ben 
Steg jur na^Ten (Silcnntnig oeirlegte- 

gtft im 3alire 1822 erf(f)ien ein bebeutenbeS 
Sei:!, welkes jur n)tfTen|'c^aftli(!|en Siforf^unS 
bei SrbQef^i^te bieientge !DtetE|otie etnf<4Iug, 
bie ^äi balb aI3 bie nieitauS fruditEiatße 
enoiei, bie ontologifi^e ünet^obe ober 
k^ $tincip be8 WItualiSmuS- ©te be- 
Bellt baiin, ba| mir bie @tf<^einungen ber 
Segenmait genau ftubiien unb benulen, 
mn bobutd) bie äl^nlidien ge[<^tditli4<n ißor- 
Bange bet ißeigangenVit ju erllären- Sie 
eefenf4aft bet äBinenf^aften gu @5tttngen 
Intte baTaufbin 1818 eine SßtetSaufgobe gefteßt 
föi: ,3:ie Qtfinblt^ße unb umfaffenbfte Untet* 
luibung üba bie ÜJeiänberungen ber Stbober* 
Vii)t, mel^e in bei ©efc^ic^le ft^ nac^tueifen 
laffen, unb bie Slnmenbung. roelc^e man nun 
üieifhinbe bei @tf oif^ung bei StbieooluliDnen, 
bie anfiel bem @ebiete bei @efd)id|te liegen, 
ma^en lann*. t>it fibfung biefei roii^tigen 
VieiSaufgabe gelang Satl ßoff av.$ ©otfia 
in feinem auSgeaeii^neten SDeite: .©efdiii^te 
ber bur4 Ueb erlief erung na^gemiefenen notüi* 
G(^ Sera nberun gen bei Sibobeiflätbe' (in 
Pier fflanben, 1822-1834). 3n umfatfenbfter 
Sieife unb mit grä^tem Erfolge mutbe bann 
ik non ibm begiünbete ontologtfi^e ober 
oftualiftifc^e fDlet^obe auf ba§ gefommtc 
Sebiet bei ©eologie Don bem giogen eng- 
lifd)en @eo[ogen SliarleS Sqell angemenbet; 
feine ^rinciiiien ber ©eologie (1830) 
legten ben feften @iunb, auf bem bie folgenbe 
Gefc^i^te ber @ibe mit fo Qlänjenbem Sifolge 
DKiteibaute- JliebebeutungSDoDengeogenetif^en 
^orfd^ungen oon SlU^anbei Öumbolbt 
unb Seopolb SSu^, von ©uftan «ifc^tif 
unb ßbuaib ©fig, mie von vielen anbeten 
mobemen Oeologen ftü^en fldi fammtlidi auf 
bie feflen empicif(^en Orunblagen unb fpefu> 
latinen $rincipien, roeldje roic ben babnbrec^en' 
ben Unietfu<^ungen oon &azl ^off unb 
Sbatleö Sqell veibanlen; fle matten ber 
Rtnen, oernünftigen SEJiffenft^aft bie Sobn frei 
auf bem (Sebtele ber @rbgefd|ti^te ; fie entfernten 
bie gewaltigen &inberntf|e, nielt^e au(4 ^iei 
bie mqtbologifi^e 3i<^tung unb bie leligiBfe 
Ütabition aufgebäuft batten, Dor tCßem bie 
SiBel unb bie bat auf gegtünbete cbrirtlii^e 
Slqtbelogie- ^(^ babe bie gioflen iSerbienfte 
Mn e^ailei Suell unb beffen Segicbungen 

6 feinem g^reunbe Sbai^I^S Sarmin bereits 
\tSfitn unb ffinfjeEinten ätortroge meinet 



_,5KatüiIi*cn ©diapfi 
füt bie nieiteie ÄennI 
bet genialUgen gottfcbi 
unb bißotifi^e @eolo[ 
bunbett gemacht beb 
betannten äßeile v 
Siebnet unb 3ob 

9II3 jnei ^auptd 
muffen roii vor acien 
otganifcbe ®eoa 
letttete beginnt mit 
lebenbei liefen ouf 
anorganifcöe ®ei 
ältere abfi^ntlt, oetli 
biejenige ber übrigen ! 
fqftemä; fie aUe lafit 
rotirenben ©onnen-ßi 
nelcbe ft^ aßmäblid 
I5rpern verbiiliteten- 
Siebelball niurbe but 
flü[(1ge @ibba[l, un 
beffen Dbetfläcbe bui 
aiugftrablung Sie bü 
mit beiDobnen- Grft 
on ber Oberfläcbe biS 
gef unten mar, tonnte 
3)antpfb&Ile baS eifti 
niebeifci][agen , unb 
SJotb^ingung füi bie' 
SebenS gegeben. SS' 
i ebenfalls mebi als b 
feitbem biefei bebeu 
bet SBafferbilbung, ei 
leitung aum britten i 
genie, gut ißiogeni 

HL moniftif^c 
Sauptabfi^nitt bei 
mit ber elften @ntfteC 
unferem ©ibbat! unl 
brocbenbiSjuiSegeni 
rätbfel, roel^e biefei ii 
gefiäjit^te unS Doileg 
beä 19. Sabrbunbert! 
ober botb für fo f^ni 
meitefter i}erne ju li< 
felben bürfen roirmil 
baß ^t burcE) bie mot 
2:ian3formiSmuJ 
Ünb; t« felbp nieli 
biefeS rounberbaren 
fo QoUtommen pb^fl 
ein noblbetannteä p. 
bet anotgantfc^en 91 
elften auSfl^tStei^ 
f^roierigen Sabn g 
moniftift^en fibfung i 
gejeiflt ju ba&en, 
fianjöllf^en Maturf 
er oeröffentlid^te 18( 
GbaiUS Saimii 
„Philosophie zooloj 



~.oogIe 



102 



9Htr^ttM Aa)>it(L CittVÜ ha «ahn. 



XIV. 



nrnen T^ttt ifl nt4t oUtiit bet B«itattige 
Sexfu4 aenta^t iDoibeti. oKe Vrf<$etnunfien 
beS otganiMtn SebettS oon tincm ciiitcUIi^en, 
p^qfitalifdien Seflc^tSviiiiftc ud ju cttidien, 
fonbcnt au4 bet SBeg nöffntt, auf bcni oKtiit 
baS ff^nieTiBftc not^fcl bitfeS Qdidct stUlI 
»nben tann, boB ^oblcm von bei tiotüilic^n 
ISntfte^ung ber oi^anift^en 6pcde>>9i>nnen. 
Samaid, bei slnt^ auSQcbttnU «npiiifc^ 
ftenntniffe m Söoloaic unb Sotanit befaf. 
entnaif ^iei lum elften SRoIe bte Qkunbjägc 
bei tt&ftammuneSleiiie obei Scfcenbeni* 
Xleoiie; et }eigle, nie alle bte unjd^ligen 
Sonnen beS X^tei- unb ^anjenieii^d but4 
ollmA^Ii^e Umbilbung auS semeinfamen ein» 
f äfften Stammformen ^eiDoiaeeangcn ffnb, 
unb nie bie oDmäilt^e Sei&nbemna bet @f 
Halten bui4 !tnpaffuita> in Se^felnittung 
mit Sctei&unai biefe Janafame XianSmuta- 
tion benittt ^t- 

3m fünften Sottiaae meinet ,9tatailid|en 
G^SpfunaSeefc^ii^te' ^obe i4 hit 8eibten|le 
nun SamatJ na4 ®ebfi^i genftibiat, im 
fediften unb ftebenten Soittage bieienigen fetnei 
ai5$ten 9ta4f olectS, ß b a 1 1 e i 3) a t n i n (1859). 
»uid| i^n nutbcn fünftig 3ai|ie fpAtn ni^t 
nui alle mistigen ^auptfätie bei Sefnnbenj- 
Zbeoiie uitnibeilcgliii^ begifinbet, fonbem audi 
bur^ Sinfü^na bet SelettionS'X^eoiie 
•bet 3üältungSIe^e bte Sude auSeefüHt, nelc^e 
bet (Elftere aelaffen bntte. 3)ei Srfolg, neli^en 
Samatd trot iUei Serbienfte nii^t gatte er- 
langen tbnnen, nurbe 2>ain)in in rei^ftem 
Sna|e gu X^I; fein epo^emai^enbeS SBerf 
(Hebet ben Urfpntng ber Srttn bur(^ natürlicde 
.g^tune' ^ot im Saufe ber lefiten oieijig 
Sa^ie bie ^antt mebeme Biologie uon @runb 
aus umgeftaltet unb fte auf eine Stufe ber @nt' 
nittelune gehoben, neli^e berjenigen oHei 
übrigen Katumiffenf^aften nidjtS nacbgi^t- 
Sarntn iR bei ifopernituS ber oiga' 
nifi^en äBelt genoiben, nie id| fi^pn 1868 
ausrptadi unb nie S. 2)u SotS'iReqmonb 



fünf}el)n 3a^re fpStet mtebetboUe. (JBti^ 
.SRoniSmuS', 6- 39.) 

17. monifHIt^c ant^to^oacnfe. aif 
ointei unb legtet (auptabf^nitt bei SBetU 
etitmtdelung tann füt unS SRenfc^n berierngt 
jOngftc 3<<ttaum itittn, innerbaÜ beffen ft^ 
unfet cie^net 9t\diMtt enlnictelt fytt. €4oii 
Samatit(1809] bottc Itai erfannt, ba| bieft 
SntiDiitelung tKrufinftiaei Seife nur orf 
einem nolfltlic^it Sieae benUai fei, lunb 
.MbRammung uom Kffen', als von bem 
na^ftoetmanbten Säueetbieie. &u£Icd geigte 
fobanit (1863) in feinet betObnttcn SU^onblung 
über ,bie Stdiune beS SRenfÄcn in bet Slotur*, 
ba| biefe bebeutungSooIIe ünnabmc ein not^ 
nenbieer SoIset4Iu{l bet S'efcenbeng'Sbenie 
unb bui4 anotomifi^e. embt^ologifc^ uiA 
palöontologtfdie Xbatfa^en no^l&egtili^ fei; 
er erllArte biefe .fftage aUei Ziagen' im ^ncip 
für geUft- 2)arnin be^anbeltefobannbiefdbt 
in geiftreic^ei SBeife oon oeift^i ebenen Seiten 
in fetttem SQerte über ,bie SIbftammuns bei 
STtenf^en unb bie notüilit^e 3u4troa^l' (ISTU 
3di felbft batte fi^on in meiner (SenereQen 
3Jtorp!|oIogie (1866) biefem ni^tig^en Sptciol- 
$ioblem ber Sbftammungilebie ein befonbenS 
ftapitel aen>ibmet 1874 DeiOffentItcbte i^ meine 
aint^ropogenie, in bei gum erpen 3RaIe 
bei 9Jeifu4 butifigefübit ift. bte älbflamttwng 
beS fDlenfi^en buidi feine gange Slbnentei^ tä 
jui dlteflen arc^ieoneu fDloneien'^orm ^inoiif 
gu neifolgen; id) ftüfite mi(% bobei eleidim&^it 
auf bte brei großen Urtunben ber Stamtwl' 
geft^i^te, auf bie veiglei^enbe Anatomie, Ottto' 
genie unb Valdontoloeie (^nfte ttmgeaibcttttc 
Sluflage 1903). SSte n>eit nti in ben leiten 
Sobren burtf) goblret^e niitttgc Sfortfi^iittt 
bet ant^iopoeenetift^en gorft^una gelontwen 
Pnb, ^abe tdf in bem SJorltaae gegeigt, ben id» 
lS98ttuf bem internationalen Soolnaen^tonareffe 
in fiombribge .über unfete gegennärtige fiennt- 
ni6 »om Üifprung beS iUlenfi^en' a^'>'t*t 
^abe (Sonn, lUbente atuflage 1899). 



t)ier3e^ntes Kqittel. 
(Einlfeit 6er ttatur. 

inoniftt{d)e Stubien ü6er t)ie materielle un& energettfdie (Einheit t>es Kosmos. — 
tne^anismus unb Ditalismus. — 3iel, ömeA uno 3ufalL 

an&alt: 3JlaiiiSmu8 bd itoamoS. $iincipiclle <Sin^t bn oiganild^en unb ouoiganifc^en 'Saba. 
Ro^len^ff-S^oiie (Aatboaen-XtKOite). ßqsat^efe bet IlTjeuauna (aid^igonie). Slcdbaniff^e unk 
itotiibäiitt UifadieTt. Sned^ontl unb XtLeotoaic bei Aani I>ec StntA in ber OTganili^en unb an* 
stSantfdäen Ütatui. SlitaliSmua, Sebenlhaft. yteotiitaliimuS, Sominanten. S^gteUologie (Se^n uon 
ben luotmentdiett Organm). UtigtDtdtndgi^Ecit unb ltntioaCDmineit|ieit bet Statut. Sielftiebigtett in 
ben organtf^tn JtBipenu 3bte äßtoefenbeit in ber Dittogentfe unb in bei ^bqCogenefe. $IaunHi4t 
3beeti. Stttiidbe äDeltotbntmg, ni^t naqguttieifen in bei oigani{(ben (Eibgefmiibtc , in bn SBökI' 
t'^iei.«(fd^i<^te, in bei SbUei.Seft^tc^te. Soife^ng. 3ul, 3^'i u"b ^ufaU- 
SHtrd) bag Subflang<@efet tft gunftdift bie 1 traft mittelbai ober unmittelbar in iebe anbete 
fuitbamentaleZbatfat^eetit)iefen,batiebe^atut'|umaeroanbeU nerben tann. Tleiiani\ä)e wd 



11. 



XIV. 



aHKjt^tei Sa^üÜ. Cin^rit bei Biotin. 



103 



itnrift^ eiHtsic, Gätda unb Sffiörme, SU^t 
nb ClettxigitAt latntcn in einanb« fibeisef üliit 
Mibcn imb emeifen fli^ nuc oU ccrfi^iebenc 
9if4ctniiRg9'8oTm«i einer unb bcrftlbcn Ut» 
haft, bet Cneisie. 2)iiiauS etgtebt ft^ bec 
Meutnneetione 60^ non ber Stn^eit allei 
SatuttTfifteober, loie nii au^ fagen {bnnen, 
bttt .SnontSmuS bei SneTgie'- 3ni ge» 
forntten Gebiete bet $^i)fit unb Sbemie iß 
tefet Sunbamentol^afe ietjt aQe«niEin onet- 
hnnt, foinett ei bie anoigamfiiini SlatuiIBnier 

KnberjS vtxtt&ü fli^ TAeinBai bie organif^e 
ÜScIt, baS bunte unb formenreii^e ®ebiet bei 
£(ben8. Qxoaz litqt ei au4 ^ict luf ber fianb, 
bot ein 0xo|er Xi|eiIber£ebenSerfd|einungen 
«nmitt^ai auf mettianif^e unb djcmifi^e 
Cnernie, auf eleltrif^e unb Sii^t-^tttuneen 
inifldqufü^ren ül Sfit einen anbeten Jfteil 
hrfcl&en abex nirb baS aud) ^ule noc^ be> 
tntten, fo o« SWem fat baB SBelttätbfel bei 
6ceIenIeben3,tni&eft)nbttebeg£3eniu^fmS. 
6ict iß d nun ba8 tiobe SJexbienft bei mobetnen 
CntwidclungSttlire, bie Siüde juiifdien 
ben bcibtn, f^einliar getrennten ©«bieten gc* 
fAlosm ju ^abcn- ffiii finb jegt gu bei Haren 
IMe^eugung gelangt, hai aaät alle Srf^ei* 
nniflcn beS otganift^en SebenS ebenfo bem 
mtiocrfalen @ubftanj'@tefee untenvorfen Unb 
nie bie anorgantf^en ^gänomene im un> 
tnblidMn Stoimoi. 

m* Cfn^cft btt nakux, bie ^eiaui folgt, 
Mc Hdicminbung beS früberen £ualtimu8, ift 
1l4n rineS bei toeit^ollften SrgebnifTe unfeter 
iwbcnun®enetil. Si^ Habe biefen ,3)1 oniS» 
nnl beS AoSmoi', bie princtpieüe .Qtn^eit 
in organifäien unb anorganifi^en Statut' fc^on 
»ot 38 Labien !e6t eingebenb $u begrünben 
verfugt, tnbem xit bie Uebereinftimntung bet 
beibtn flrD^en 9laturrei<^e in SJciie^ung auf 
6t«fFe, formen unb Jtiftfle einci einge^enben 
Intif4cn Vtfifung unb 3etgletd|ung untet}og 
(QkncieHe Snotv^ologie, 5. Stav-)- Sinen fuigen 
Val|ug ibrei Stgebniffe entbält bei fanfjebnte 
Snttag meinet ,9tatütlid|en ®4Spfing9' 
gefdlit^te'. HJäbtenb bie biet entroidelien Stn- 
IdKuungcn oon ber großen Snebtjabl ber ^latur* 
foifiEKr gegennidTtig angenommen finb, ifl bo4 
wnerbinaS von mdlieren Seiten ber Setfud) 
gtmadrt »orben, biefelben ju beldmvfen unb 
ben alten @cgenfati oon jmei Derf^tebenen 
JtohiT' Gebieten aufteii)t gu erbalten. 3)en 
tmfMuenteßen betaitigen Serfu<^ entbält ba8 
taijli^ erfdiienene Sierl beS Sotantteri 
Kiinle: .2)ie äBelt al3 SEbat*. SaSfelbe oer- 
tritt in lobcnSmert^ fttarbeit unb fionfequenj 
bea reinen (oSmoIngifiten SualiSmuS 
imb bemeifl bamit felblt, mie gänglit^ un^altbai 
bicbomituertnütifteteleoIogif^eSQeltanfi^amtng 
äL 3» bem ganjen Sebiete bei anorgantfct)eii 



9Iotui feilen bana^ nui p^^fHalifite unb 
(^emirt^e fliSfte roirlen, in bemjenigen bei 
orgailifi^en Statur baneben nod) „intelligente 
fliafte*, bie !Ri(i]tCrilfte ober 2)ominanten. 9Iur 
im erfteren @ebiete foll bai Subftanj*@efe4 
®eltung baben, im lefiteten nic^t 3n ber 
&au))ttatf|e banbelt e9 |i^ audi biet miebei um 
ben uralten @egenlati bei mec^anif^en unb 
teleologifdien 9Beftanfd|auung- ^enoi mir 
auf benfeiben eingeben, noilen mir lurj auf 
gmei anbete jEbeoiien binmeifen. meli^e nad^ 
meiner Ueberjeugung für bie 6ntf (Reibung 
biefet roicdtigen ^obleme febt mettbooH flnb, 
bie Äoblenftoff-Ibeorie unb bie UiaeugunflS- 
Sebie. 

Uo^Icnfton<tr4corfc (Aaibogen-Zibe' 
oiie). 3)ie pb^flologifiiie Sbemie bat im Saufe 
bei legten Dietgig 3abre butdi unjäblige Slna* 
Iqfen folgenbe fünf Ibatfai^en feRgeßeUt: 1. Sn 
ben oiganiftfien SRatutiatpern lommen leine 
anbeten Slemente cot al8 in ben anorganiff^en. 
n. 3)ieienigen aUeibinbungen ber gfemente, 
meldie bem OiganiSmul eigentbümli^ flnb, unb 
n>tli!ie ibte .aebeniScrf^inuneen' beroirlen, 
flnb jufammengefe^te ^laSma^^biper, au3 bei 
9iuvpe bei Sllbuminaie obei Qiroeifi'Betbin' 
bungen. ni. 3)ai oiganifcbe fieBen felbß ift 
ein cbemifd|'pbi)fitalififiei '^toceß, ber auf bem 
Stoffmei^rel biefet plaSmatifi^en Sllbuminate 
betubt. IV, 5)a8jenige Element, roelc^eS allein 
im ©lanbe ip, biefe jufammengefeöten @in>ei|' 
IBtpet in Setbinbung mit anbeten Elementen 
(©auetftoff, äßaffetftoff, ©titfftoff, S^mefeO 
oufjubouen, ifl bet Äoblenftoff- V. Iiiefe plaS- 
matif^en Soblenftoff-äieibinbungen jei^nen 
ft4 DDi ben meiften anbeten ^emif^en Ser> 
binbungen buti$ i^te febt lomplicirte anoIeIu> 
lar'Sttuftut aui, buidi ibre Unbeßönbigfeit 
unb ibien gequollenen ^ggiegat'^uftanb- Kuf 
®iunb biefet fünf funbamentalen Ifjatfai^en 
fteflle i^ im3a()te 1866 folgenbe Aarbogen' 
Xbeoiie auf: ,SebigIi(^ bie eigent^ümlii^en, 
c^emifi4->pbi)ftfalif4en Eigenfcbaften bei Soblen* 
ßoffi — unb namentlit^ bei feftflüffiae älggie* 
gotguftanb unb bie leidjte Setfe^batfeit bei bSi^ft 
jufammengefedlen, eiroeifiattigen ÄoIilenltofT' 
aSetbinbungen ~ flnb bie me^anifrfien Ütfadjen 
ienei eigen tbümtii^en SemegungS • @r[<fiei* 
nungcn, buii^ nieli^e fit^ bie Organismen oon 
ben ätnoiganen untetfdjeiben, unb bie man im 
engeien Sinne baS fieben nennt' (9tatürL 
©(bSpfungSgefii. X. Äufl-, ©- 357). Obroobl 
biefe .ffobI.enftoff-Zbeoiie' oon mebteien Sio- 
logen b^füS angegiiffen moiben ift, bat bo^ 
biSber fteiner eine beffeie monifliM^ Xbeorie 
an beren €telle gefegt, deute, mo mir bie 
v(|i)1iologiftfien Serbältniffe beS ^ellenlebenB, 
bie Qbemie unb ^buRI bcS lebenbigen VlaSma 
siel beffei unb giünblidiet lennen als oor 86 
^obiCTi' M^t fl^ bie ßaibogen'XIieonc siel 



104 



Stnjt^nM UapM. ftin^ htt Sahn. 



XIV, 



rinoctenbcT nnb fi^ntr Bcgrfiitbm, ali cS bo* 
mall mBsIti^ vaat- 

a.tilt'iqonl* 06cT UT3eil8Uii0. Sei alle 
QcgnfT b« ttltcugung (Ganaratio»poii- 
tanek ob» keqaivooft) niib beute noc^ in 
feftr wrfc^wbeneni ©inne Dentienbct; gctobe 
bte nnllai^tit Übti biefen Segiiff unb bte 
lotbeifpte^cnbc SInroenbuna beSfelben auf Sana 
Dciftfiiebenc, alte unb neue btvoiftt^m finb 
f^ulb batan, ba| biefä nii^tiee fioblem gu 
ben be^iittenften unb tonfufeften fragen ber 

Samen StatunoinenfAaft ^iS auf ben beuttgen 
loa ael|5it 3(b bef^T^nlc ben Oegriff bei 
Hijeueuna — als Stidjigonie obei Slliio-' 
genefiS! — ouf bie eilte Sittflebune oon; 
lelienbeni ^laSma au8 anoieanif^n Aobleit- ' 
^off-Beibinbunaen unb untetfcb«be aie iroet 
&aupt>$eni)ben in biefctn .beginn bei 9io-| 
genefiS': I- bie Kulogonie, bie Sntftebung 
von einfaiiiflen ^loSma-RBipem in einei on- 
OTganif^en SUbungifl&fflgteit, unb n. bie 
VlaBnoeonie, bie SnbivtbualillTune oon 
yiimitioRen OteaniBmcn auS jenen ^laSma* 
Seibinbungen, in Sorm oon 971oneten- 3cb 
babe biefe roii^tigen, obet auit febi fi^ioieiiecn 
$iobIenie im 15. fiapitel meiner 9iatüilt^en 
S^Spfungeaefcbi^te fo eingebenb bebonbelt, 
ba| i4 bin baiauf oetnietfen tann. (Sine febi 
auSfübiiiifie unb ftteng »iFfenfcfgaftli^e ISi- 
ÖTterung berfelbcn babe i^ bereits 1866 in bei 
.SenereUen SStoiptiDlogie' gegeben (%b. I, 
@. 167—190); fpfitei bot Staegeli in feinei 
SRetbantf^ ■ pbufloIoBifi^cn Stbeoiie bei 3(b' 
liamnuina@Ieibit (1884) bie ©opotbefe bei Ur- 
jeugung ganj in bemfelben Sinne febi ein- 
gebenb bebanbelt unb alS eine unentbebi- 
Ii4e Slnnabme bei natütlt^en Sntmicte- 
Iuns3-S:beoiie bejcii!inet. 34 Himme ooUtommen 
feinem @(i|e bei: .Xiie Uiaeugung leugnen 
bei|t baS Siunbei oertünben.' 

SeleoloQlc unb tReC^antt. Soioobl bie 
gung ali bie eng bomit 
■Ibeorie befiften bie graßte 
Sntfi^eibung beS alten 
teleologifdien (bua* 
le^anifd^en (moniftt- 
bec @ifi^etnungen. @eit 
ierjig 3ai)ten Bui4 feine 
ie ben Si^lüffel jur rao- 
bei Oiganifotion in bie 
in ben @tanb gefettt, bie 
it bei aroeiimä^igen Sin- 
tnbigen ÄBrpernielt e&enfo 
nif^e Utfacben guiütfau- 
r nur in bei anorganififten 
Eie öbetnatüiEi^en imed' 
nieldien man ftfibei feine 
in muffen. Rnb bobuii^ 
Siogbtm fäb^ bte mo* 
:, bie k^teien alS unent- 



bebrlidi unb bie eifteien alS un|ura4enl t> 
bejcidinen. 

IDcTttttfadtcn (Caiua« afflclentes) anl 
(EnftUTfad^ (CauM« flnclM). Scn tieft! 
Segenfa^ imifcbni ben benriclenben ttifa^ra 
(ob« ffleituifatiien) unb ben jnmft^ittgen Qt' 
facben (obei Snburfa^tn) bot mit S3egug dd 
bie St^äiung bei Sefammtnatui lein neuetet 
fßbilofopb fi^äTfei beiDOtgebobcn, aU 3«- 
monuelfiant 3n feinem beififenttcn dugatW 
neile, bei .Stilgemeinen 9taturgefdiicl|tc mit 
Xbeoiie btS &immeß', batte ei 1755 ben Kaum 
Serfu^ unternommen, .bieScifafTungunblitB 
me<4anifdien Uifpmng beS ganaen SeltgC' 
bäubei natb 9temton'f4en @iunbf(l%en ob* 
jubanbeln'. Siefe .totmologifi^c Saitbeoiit' 
p^tefi^ gan) auf bie me^anif^en Senwgime)' 
Sxfi^einungen bei ©laoitation; fle nmibe fpiitei 
Don bem gio|en Kftienomen unb SRatbanotüti 
Soplace weitei ouSgebilbet unb mat^enotift 
begrünbet %li biefei oon 9)apoleon I. gefiott 
niutbe, melcbe Stdle in feinem Sqftem ttttt, 
bet Sibepfei unb Srbaltei beS SBeDtons, «V 
nebme, antmortete er Ilai unb ebiliib: w&!tt, 
id| bebaif biefei ^qpotbefe nii^t.' Slamit nxti 
bei atbeiftifcbe Sbaiattei biefei media- 
nif^en fioSmogenie, ben fie mit ollen ait' 
oiganifdien ffiiflenfcbaften tbeÜt, offen an(^ 
lannt. IiieS mu^ um fo mebt ^erooigebebfit 
mecben, alB bie ßant-SapIace'f4e iEbeoiit 
no^ beute in faft altgemeinei Seltung ftebti 
alle 33eifu<be, ße buid) eine beffete gu eife^ 
flnb feblgefi^Iagen- Sßenn man ben Htbtil' 
muS nod) beute in metten Ateifen alS einen 
fiiroeren ißoirourf bettai^tet, fo trifft biefei Iw 
gefammte mobeme Satunoiffenftbaft, infofen 
^e bie anoiganifcbe SBelt unbebingt ne^Q* 
nifd) erllärt. 

3)er anedianiemuS allein (im 6iniH 
itant'81) giebt unä eine roiitlitbe Sf 
II&Tung bei 9iatui-@if(beinungen, inbem et 
biefefben auf leale SBertucfacben guiüdfilbnr 
ouf Minbe unb berou^tloB loirtenbe SemeflUii' 
gen, niel^e bui<b bie materielle flonftttution 
ber betieffenben diaturlSipei felbft bebiiW 
flnb. fiont felbft betont, ba| eS ,obne Mtn 
aJledbaniSmue bei 9tatur leine Slatuimiffenf^afl 
geben tann', unb ba| bieiOefugnifibeimeni^ 
.lii^en Bemunft jui mei^anifdiien SrUdiuni 
laller @rfdieinungen unbef^i&nft fei- IQi) t' 
' abei fpätei in feiner ßittil ber teleologif^n 
UrtbeilStroft bie ^rlldrung bei permidelt» 
@if^einungen in ber organif^en Statur i^ 
fprail, bebauptete er, ba^ bafür jene me(tianif<b<'' 
Uifacb^n ntd|t auBreii^enb feien; bier ntüRt 
man gnie^ä^ig mirlenbe Snburfai^en gu ßül^ 
nebmen- Smoi fei oui^ bier bie ©efuflniS 
unterer SBernunft jur medianiftben ffirtWanm 
anjuetlennen , ober ibi Betmögen fei«* 
Orenit- UUeibingS g^nb et ibt tbolwnft 



ilV. 



atinit^ntc« Stof'iitl SinVU tin 9Iatin. 



105 



MeftS SemtSam ju, abet für ben grasten Ifieil 
kr StbmSeiFi^etnuneen (unb befonbeiB für bte 
Seelm^ättfltcit be8 Snenft^en) ftielt er bie Sn- 
Hi^t oon ISnbutfat^en unentbehrlich. 3ter 
■erftoürbiec g 79 bei Äritit ber UrtSeiBhaft 
(rfgl bie djfltatterifiiWe Uebetf^rift: ,Son 
tti not^enbigen Unteioibnung beS ^rinctvS 
M 3Re4attiSmug unter baS teleolagift^e in 
CitUiuna eintiS 2)inge3 alS Staturaned*- Sie 
i«dnä^igen einiit^tuneen im ßArpeibau ber 
nennifdien äSefen fi^ienen Aant o^ne 3In' 
naiiine übernatürlii^ei Snburfa^cn (b. E|. al^o 
«net Dlanmäüe nirtenben ®c^5pfertraft) fo 
merüärlicb, bog er fagte: ,ISä ift ganj genii^, 
ba^ mir bie organtiliten SJefen ui^ bnen 
innen ORBglic^feit nad^ bIo| mei^anifdien $Tin' 
cifiien ber dlatur ni^t einmal gureidienb tennen, 
iriil raeniger unS ertlAren ISnnen, unb iioai 
10 geni^ , baß man breifl [agen lann: (SS i\l 
fni ^enfi^en ungereimt, aui!i nur einen folt^en 
tnfdjiafl JU fafien ober au Reffen, ba6 nod) 
ebva beieinft ein 9)eivton aufriefen ISnne, bei 
m^ nur bie SijeugunB eineS ©laSEpalmS nat^ 
Ülaturgefe^en, bie teine SlbRi^t geotbnet I|at, 
ttgreiflid) madien werbe, foubem man mu^ 
ei^e Sinfli^t bem SRenfifeen fc^let^tcibingS ab- 
Fm^en- SiebenjiQ ^a^ie fpStei ift biefei 
nmttaglu^ ,9tcmton bei organifiien 91atur' 
in 3)arn)in miilUdi erf^ienen unb bat bie 
mit Aufgabe gelö^, bie ftant fAr untSSbor 
cdUrt baltc- 

DerStDcA fai bn onorganffc^ennattur 
liinPTQanifcI|e3:eIeol0Bie}-@eitbem9ten]- 
Ion (1682) boS @rat)ilation8'@eret( aufgeftelU, 
unb feitbem Äant (1755) ,bie äJerfafTung unb 
den me(^ antfdien Urftiiune beS samten Seit- 
fltbaubeB no^ Kemton'fdien ®mnbfätjen" 
feftgeftent — feitbem enblii^ floplace (1796) 
biefeB (Siunbgefeti beB ffiellmei^aniS' 
au9 matfiemattf4 begiünbet batte, flnb bie 
fintiitlidten anotganifi^en StatunviFfenfi^aften 
rtitt medtanifdi unb bamit jugleid) rein 
atbeiftif4 gemorben- ^n bei Slftronomie unb 
Kolmoeenic, in bei ©eobgie unb STleteOTO' 
logie, in bei anpigantfcben $6q|il unb (S^emie 
giÜ feitbem bie obfolute &eirf(fiaft mec^anifc^ei 
Sefegt auf matfiematifi^ei @iunblage alä im- 
liäingt fe^eEienb. Seitbem ift abei au<^ ber 
gnedbegriff au9 biefem gangen großen ^e* 
Mete peifditDunben- Se^t, am Scbluffe 
unfeieS neunzehnten Sa^r^unbertS, no biefe 
noniRif^e 9etra<%tune na^ (larten kämpfen 
Hd) gu aQgemeiner Seming burcbeetungen ^t, 
fragt fein !Raturfoif4er mebi im Smfte na4 
bcn Qnxt iigenb einet Qifi^einung in biefem 
lOKien unermeßlidKn @ebiete. Ober foQte teilt 
Ud) no4 (eute im Sm^e ein Kfltonom nai^ 
bem 3mede bei ^laneten'Seniegungcn ober ein 
Blineialoge nac^ bem Qmeit ber einjelnen 
itniltall'Sonnen fragen? Cbei foDte ctn$^' 



fiter flbei ben 3ned bei eleltrifc^en ftraflc 
ober ein S^emiler Über ben Qatd bei Ktom* 
(Bmidttt grfibeln? fflii b&rfen eelroll ant' 
norten: Steint Gi^er ni4t in bem Sinne, 
bat ber .liebe @Dtt' ob« eine jielfhrcbige matttt* 
traft biefc <9runbgefe^ beS XBeltmctbaniSmnI 
einmal i)U4li4 »auS ntditS' ju einem befttmmten 
Qmtt nfc^affen ttoi, unb baß et |le nadi feinen 
oemiinftigen 3BiIIen lagtdglidi nirten tdßt 
Siefe anÄrovomoTTi^e SDorftedung von cineai 
petft^Atigen S9ieltbauniei^ unb 9BeItbenf4ct 
ift 6ier nSQig abemmnben; an feine Stelle flnli 
bie .enigen, efiemeti, großen 91aturgefeke' ge> 
tieten- 

Der 3mtA in btt orgonlK^en natav 
(bioloeifdieXeleologie). (Sine gang anben 
S3ebeutung unb ©citung aI9 in ber anorgani« 
fdjen fiefiöt ber äfeibegriff no^ beute in 
bei oiganiftöen Katui. 3m flörperbau unb in 
ber SebenSt^ätigteit oDei Organismen tiitt unl 
bie Siorf'W'iflteit unleugbar entaegen- 3eb« 
l^flanje unb jebeS ST^ier erfc^einen in ber ßu- 
fammenfe^ung auS eingeinen Steilen cbenfo 
für einen beftimmten SebenBamett eingeii^td 
roie bie lünftli^en, com SJlenf^en eifunbenen 
unb (on^iiten Stafi^inen; unb folange itr 
Sebm foitbaueit, ift aucb bie ^unltion ber ein* 
jelnen Oiqone ebenfo auf befummle 3i»ede te» 
ritztet mie bie 31rbeil in ben einaelnen Sbeiun 
ber iBia.\ij\nt. (£S mar bafier ganj naturgemdfc 
baß bie Altere naitie 9tatuibetrad)tung für btt 
(Sntfte^ung unb bie fiebenSt^ätigleit ber orso* 
nifi^en SBefen einen Si^Bpfei in Stnfpru^ na^ 
bei mit „SBeiSbeit unb Serßanb aQe 3)inge ge- 
orbnet' batte, unb bei febeS Zkitr nnb icbc 
^flonge i^rem befonberen SebenBamede ent» 
fpiedienb organiflit botte. &tm6f)nlidi tmtrbc 
biefei .allmöd|tige @d|Qpfer fiimmelS unb bn 
@rben' buicbauS antbiopomoipt) gebaut • et 
fdiuf .iegli^eS Sßefen nacb feinei »if. 6o- 
lange babei bem SJienft^en ber 6d|3pfer nii4 
in menfdjlii^et @eftalt erftfiten, benlenb mit 
feinem @ebim, felienb mit feinen Slugen, fot« 
menb mit feinen ^dnben, lonnte mon fld) von 
biefem „gbttlic^en ünafcbinenbouei* unb pon 
feiner tünfllerifiben Ürbeit in bei giofen 
@cbapfung3'3Bertftätte noi^ eine anf^auU^t 
^oifteQung ma^en. iSiel fi^roieiigei muibe 
bieB, als fiiil bei (SotteBbegriff läuterte unb 
man in bem .unflibtbaren @Dtt' einen ©(^Bpfei 
obne Organe (— ein gasförmiges ifiJefen —) 
erbliifte. 3to^ unbegreifli^er enblidi routben 
biefe antbropiflif^en SJorftellungcn , alS bie 
^fiqflologie an bie Stelle beB beroußt bauenbcn 
(SotteS bie unbewußt fcbaffenbe ,SebenS> 
Iraft' fettte — eine unbetannte, ara^dmißig 
tbätige 91aturliaft. nielt^e »an ben belannten 
pbqfltalif^n unb ^emifdien ftiiiften ueiftliicbett 
Dax unb biefe nur jeitmeife — auf SebenSjeit — - 
in Zitenft na^m. Siefer SitoIiSmuS blid 



106 



SiRtt^ttM JtopibL Cin^ bei «otn. 



iu4 M8 um bie SRitte bc« 19. Sa^t^unbntS 
lerrfc^nb; et fanb feint t^tfd4Ii4« SUbtx- 
kgunfl eifl buid^ btn 0to^ ^(qfloIoecnSo* 
(anneS anüllet in ^ctltn. Sfox ■oot au4 
bicfci geroalti^e Biologe (elei^ iiQttt anbeten 
in bet cTftcn ßälftc btf 19- 3a4i4unbtitB) in 
(Stauben an bie SebcnStiaft aufgenat^fen unb 
l|ielt tie fOr bie Sitl&ning bet ,letten SebeMS* 
urfaii)en' fili unentbe^Iid), abet et fflfiite )u> 
glei^ in feinem tlaffifäicn, no^ Iieute unfibet* 
ttoffenen St^ibu« bei V^flotooic (18S3) ben 
apDSogif4cn SeraciB, ba| cieentlid) nidiU mit 
itt angufonQen i|L SRfiltei felbll |cigte in 
einer langen ERet^e von auSsegn^neUn 9eob> 
ac^tunflen unb f4aiffinnifien Ssperinienten, 
ba| bie meiften SebenStiiAti^leitcn int CtflaniA« 
muS be9 aitenf ^ ebenfo mie bet tibrigen Xbictc 
na4 v^DfUoIift^ unb ifennifc^en (Sefetien gc 
ff^tben, ba| vtde von i^nen foeai matbematif^ 
beftimmbat finb. 3)aS gib Äenfoioobl Don ben 
animalen gunttionen bet SRuSIeln unb Genien, 
bei niebeten unb bSbetcn SinneSoieane, nie 
von ben ttegetalen SotgAngen bei bet Stn&ttune 
unb bem iStofTnie(4feI, bet Setbauung unb bem 
eiutftetSlouf. 9tätbfeltaft unb o^nc bie Xn> 
no^e einet SebenShaft nidgi ettldtbat blieben 
eigentliit nui )niei Gebiete, baS bei badeten 
GeelcntliJUieteit (0eifteS(eben) unb baS bet ffott- 
;iflanjung IS^ugung). Sbet oui^ auf btefen 
9cbietcn nuiben unmittelbat na4 änüllet'l 
Sobe fol^e genntUige Qntbtttungen unb Sott« 
flirte iemaäfi, baf baS un^eimli^e .(Befvenlt 
bei SebenShaf t' ou^ auS bicfen legten S^Iupf- 
»inleln vetfc^nKinb. SS mat itmi% ein nieil« 
ii)&tbigei4tonoIogtf^et3uf<>n,bafiäoIianneS 
SmtUci 1858 in bemfclbcn Sabie ftaib, in 
meinem SbatleS Satnin bie etßen Snit* 
Teilungen &bei feine epo^emac^nbe %f)tom 
twibffentlt^te. Sie SeleftionS-Iiieotie 
M fiettteien beantnioitete baS gto^e iHdlbfeL 
not n>el(^cni bei (Elftere flehen geblieben mai: 
bie S^iage Don bet Snt^ebung jiDedtmägigei 
Sinrid^tungen bui4 tein me^anifi^e Uifaifien- 
Der 3n>e(fi In btt ScIcbtlons*a^cor{c 
OJaiisin 1859). Soft unftetbliifie p^tIofop^i[c^e 
SetbienS2>aTn>in'8 bleibt, nie n>ii fi^on oft 
betont ^aben, ein boppelteä : eiftcnS bie EReform 
bet alteren, 1809 oon Samaitt Beerünbeten 
Slefcenbenj • X^eotie, ibta SegtAnbung 
bui4 ^i genaltige, im Saufe biefeS balbtn 
Soi^^unbeitS angefammelte jÜbatfat^en-SDlate» 
rittl — unb jiveitenS bie SIufftcEIung bet ©e- 
lettionS'Sibeotie, ienet Buc^traabHebte, 
uMlÄe un3 eift eigrntlidi bie motten beinitttn' 
ben Uifai^en ber aUmäbMen atit-UmbUbung 
ent^üDb Saimtn geigte aueift, nie bei ge- 
waltige »ft am pf um'8 Stafein'betunbemufit 
n>iTlenbe9teBulatDtift,n)eId|eibteSBe4felniiitung 
bet SiereibunB unb Unpaffung bei bet a&md^ 
lidKn SiianSformalion bet @petie8 leitet; et tft 



bei giofte .jü^lenbe ®ott', müifttt «^ 
Stbfidbt neu« gotmen ebenfo bnt^ ,natiltli< 
Kuilefe' bcnriilt, nie bet jücbtenbe QRenf 
neue $oimen mit Sbfi^t buiÄ .tünftli^e Slu 
lefe' bttnoibtingt 3>amt muibe bat 0to 
p^ilofopbif^c nÜ^fel gelBft : ,2Bte Ibnnen »mi 
n&|ige Cinriditungcn lein me4onir4 ent^e^i 
obnc jnwdl^dtige uifa^en?' ilant itai bicf 
f4niierige28eltt&t6fcl nod) ffit unlbSbat erOai 
obmafel f4on mett alB 2000 Saifu UtOtts b 
gtofe Senlet CmvcboIleS auf ben 93 
feinei Sbfung ^ingemiefen (atte- steuerbim 
Ihit fI4 aus betfelben baS $rincip bei ,telei 
logif^en QRe^anit* ju immei gi9^ei 
@eltung entnrideÜ unb bat aucb bie feinßi 
unb oetbotgcnften Sinri^tungen bei Di^an 
fdten SBefen unS butc^ bie .funltionelle @db{ 
geftaltung bet gioedmdfigen Struttut* mc4' 
nif4 eifldtt- £amit iß obet bet tianfifccnben 
^neäbegtiff unferet tcleologif^en S^uI'VbUi 
foppte Sejeitigt, Uli qxbfÄt 6inbeiniß eim 
ocmfinftigen unb eittÄcitlitfKn Statut' Itu 
faffunfl. 

ncoottan«tmt«.3nncueftet3eitiftbaSaIi 
<8efven|l bei m^llif^cn SebenShort, bat gtanl 
li4 getbbtct fAien, mtebei aufgelebt; tietfd)iebeti 
angefelienc Biologen ^aben »eifuc^t, baSfelb 
untei neuem 9tamen )ut Geltung )u bringet 
3)ic Kai^ unb lonfequentefle SatfieOung bei 
felben tat tiliilt^ bei flielet eotanilci S 
Weinte gegeben. @i Dcit^cibigt ben SBunbei 
glauben unb ben XbetSmuS, btc 3Ftofaif4 
6i4ilpfung8eefd)idite unb bie Aon^ni be 
Ktten; et nennt bie rSebenSti&fte", imlS^ei 
fatie }u ben pbqfllaiif^en iltäften, ERi^tfiSft 
OberftdfteobeiXiamtnanten- änbetenebme 
ftatt beffen, in ganj antlitopiftif^et Uuffaffungi 
einen ,9Raf4inen'3ngenieui' an,niel(^ 
bet otganift^en Su&ftanj eine iroedmäiige, au 
ein be^intmteS 3iel gericbtetc Öiganifation bei 
gegeben tabe. Siefe feltfamen telealogifi^ei 
&qpotE|efen bebüifen ^eute ebcnfo nHUig mei^c 
einet ntffenf^aftli^en S}ibeilegung, ai bii 
natnen, meiftenS bamit oetlnäpften Sintl^rft 
gegen ben SaminiSmuS. 

UnjtocAmaKtgftctttte^c (3)qStcIe9 
logte). Untet biefem iQegtiffc ^e i4 f<^a 
im Sabte 1866 bie SBiffenf^aft oon benienigei 
übeiauB inteieffanten unb mistigen Biologif^ei 
Sbatfat^en aufgehellt, mel^e in banbgteiflic^^ 
Sßeife bie betfleBiatJte teleologif^e äluffaffun) 
con bet .jniechnä^igen @inri^tung bet läeif 
bigen iRatuttSrpet' titelt miberlegen. ®ief( 
.ffiiffenfi^aft oon ben rubimentären, abottinen, 
o«rtümmerten,fel)Ieefi^lagenen,attopBi[tiieiioi«e 
(atoplaftiftf)«'! 3nbipibuen' ftüfet SÄ auf eine 
unermtSlii^e SüCU bei mettoüibioften Si-' 
fi^einungen, »elt^e jniat ben 3'>o'''Stf i"^ 
Sotaniletn Idngft belannt n>aien, abei eiß 
but^ Sainin urfä^Itd) edUit unb in ibm 



av. 



Sinjt^nlrt ßafUA. Ctn^t b« Statut. 



107 



IfN p^fopbifi^en Säieittung oollftdnbig 
M&ibtst noTben ^nb. 

SOc ^ö^eien Xliine unb Vflanüni, übn- 
luvt ade btejenietn Organismen, bettn ftdrpn 
U|t ganj einfadi eeE)aut,fcinbem aut me^rnen, 
»«hnä6ig juratnnuniDiitenbRi Otganen gu. 
«menflefefet ift , laffen bei aufmerffamei 
iltcTftiälunfl eine Snja^I t>on nu^Iofeit obei 
iniirffameii, ia jum X^eil foeai gefdfititdten 
Kt r^äblidien (Sinrii^tungeR eilenncn- Sn 
a Statten ber meiBen !pflanaen finben ^dt 
äciibenniiitfamm9eWed)t3'!8iattem,nieI(%e 
ie SottpRanjung nennitteln, einjelne nullofe 
Hott' Organe o^ne Sebeutung (oettümmettt 
lin,feg[geri4Iagene'@taubfdbtn,Siu4tbIättei. 
iunm-, ^eId)&IiUtei u. f. n).> 3n bcn beiben 
«^ unb formenreii^en ftlaffen ber fliegenben 
'We. 9)3flel unb ^nFelten, giebt eS neben 
ns»D£i)nIti^en,t6reSIüeeItäglidieebTau4en- 
en Srten eine Slnjofil von 9onntn, beien 
Hngel Dertümmett i^nb, unb bie nidit Üiegen 
(nntn. gaft in ollen Ataffen ber bQiieien 
^tne, bie i^rc Slugen jum Seben gebrauten, 
Eiftittit einjelne Sitten, meliüie im Sunleln 
ocn unb ni^t fe^en; tiofibem befl^en auät 
Mt no^ nieiftenS 31ugen; nur ftnb fte sei' 
itanett, )um @eben ni^ me^r tauglii^- 9In 
*lntm eigenen menfi^li^en Abr^er befttien 
»It fold^e nutlofe Subimente in ben ÜJluSIeln 
mfnö Obteä, in bet 9ti«iaut unfereS SugeS, 
1 im ©niftrootje unb SHiltfebnife beS ÜKonne« 
"i in anberen Äörwrtbeilen ; ia ber gefütditete 
Bunnfortfa^ unfereS iölinbbartneä ifl nitftl nur 
WÜS- fonbem fogat gefd^rlii^, unb Qniii6rli(ft 
w eine atnsaEiI aJlenWen butc^ feine Ent- 
™^8 jn ®tunb^ 

ä)ie 6tII4tunB biefer unb »iiler onberen 
■»eflofen ffiinriditungert im ftBrperbnu ber 
iflitie unb ^llanjen oetmag roeber ber alte 
"Iftifi^e SitaliSmufl noiii ber neue, ebenfo 
Rationelle SleouituliSmuS ju geben; 
jäflegen Rnben mir de fe^r einfaiJi buxd) bie 
^'Kenbenj'Ibeorie- ©ie jeigt, büß biefe 
"mentäten Organe nerlümmert (tnb, unb 
|n buiri^ 9ti(^tgebrauif|- ßbenfo, nie bie' 
Y^leln, bie 91ertien, bie ©inneäorgane buriii 

^ng unb ^dufleeren @ebraucfi geftärtt mer* 

■ ^enfo erleiben fie umgelebrt buic^ Untbätig» 
unb unlerlofTenen ®ebrau(% me^r ober 

"ifln Siütf&ilbunfl. aber obgleiift fo buri^ 

^g unb SCnpaJTung bie EiB(|ere (Sntnidelung 
Draone geförbert roirb, fo oerfiiiroinben [ie 

[1 'eineSioega fofoit fputloä burdi SUitötübung ; 
Plnw^t metben Pe burt^ bie Süai^t ber SSer- 
r-|"'a no(!| rofi&renb oieler ®enerationen er- 
r'"! unb terf^roinben etfi affmd^Iic!) nai^ 
PBrttr 3rit. S)«r btinbe .ftampf um'8 23o. 
F* iwifi^en ben Organen' bebingt ebenfo 
^ijiftorifdien Untergang, nie er urfptäng- 

^ we Sntjte^ung unb StuSbUbung oetur' 



fa^te. (Ein immanenter .^iDed' fptelt babei 
überbauet gar leine 9)oIIe. 

UnooUliominen^eft &ex nattir. Sie 

baS 3)tenf4en-Seben fo bleibt oud| baS Xbiet* 
unb ^flanjen-Seben immer unb überall unuon* 
lommen. Siefe X^tfat^ ergtebt fli^ einfa^ 
ouS ber Srienntntfi, bafi bie 9Iatur — ebenfo 
bie organif^e nie bieanorganifi^e — in einem 
beft&nbigen Sluffe ber Sntnidleluns, ber 
ißeränberung unb UmMlbung begriffen i^- Siefe 
(Entroidelung erfi^eint un8 im &rofien unb 
Sanken — ntenigftenS fonieit mit bie ©tammeä- 
geft^t^te bei organif^en 91atur auf unferem 
Planeten fiberfe^en tOnnen — al! eine fort- 
f^reitenbe Umbilbung, oI8 ein biftorif^er ffort- 
fc^ritt com Sinfad^en ium Snfammengefe^en, 
com Stieberen jum ^oberen, com UnooHIom« 
menen jum Soniommneren. 34 babe f^on in 
ber (SeneteDen Snorvbologie (1866) ben 9la4it>etö 
gefubrt, ba^ biefer ftiftorifiiie 9ortf*ritt 
(ProgreasttB) — ober bie aümäblt^e SDer- 
solltommnung {TeUosiB) — bte notÖ- 
ivenbige SBirtung ber Selettion ift, 
nidit aber bie $oIge eineS oorbebai^ten ^medeS- 
£a3 ergiebt fti^ au^ baraufi, bag tein Orga- 
nismus gang Dolllommen ift; felbft nenn et in 
einem gegebenen 3lugenblide ben UmftAnben 
DoUtommen angepa&t roäre, mürbe biefer 3"* 
ftanb nii^t lange bauern; benn bte @;iftenj' 
^ebingungen ber Stugenroelt flnb felbft einem 
beftdnbigen äSe^fel untenoorfen unb bebingen 
bamit eine ununterbrodiene ^npafTung bei 
Organismen. 

SIcIftrebtgliclt in bcn ovsanift^en 
KStpem insbefonfeete. Unter biefem Kitel 
oerö^ent tilgte ber berübntte Smbrqologe flarl 
©rnflSaer 1876 einen aiuffaft, ber im 3u- 
fammenbang mit bem nadifolgenben Slrtitel über 
3)atn)in'8 Se^re ben ©egnern berfetten febr 
roiQtommen erfdiien unb ou4 beute nod) oiel- 
fad) gegen bie mobetne SntmidelungSt^eorie 
oerraertbet wirb. 3wa'eidi erneuerte er bie a(te 
teleologifi^e^atuibetra^tung unter einemneuen 
Flamen; biefer mu^ bier einer lurjen JSrittt 
unterzogen roerben- 3$orau3jufibiden ift babet 
ber fiinnieiS, bafi Saer jniar ein ?talurpt|iIo> 
fopb im beften ©inne mar, ba^ aber feine ur* 
fprüngli^en moniftifi^en Snfc^auungen 
mit junebmenbem 3llter immer mebr buid) einen 
tiefen mqftifc^en 3u9 beeinflu^i unb guleftt tein 
bualiflifi^ mürben, ^n feinem grunblegen« 
ben gauptmerle .über ®ntroidelung3gef(%id|te 
ber Ibiete' (1828), baS er felbft atS .Sßeoba*- 
tung unb Ütefte^ion' bejcidinet, finb biefe bei« 
ben @rtenntni|tbäti gleiten gleicbma^ig Der- 
mertbet- Surdi forgfäliigfle ißeoba^tung aller 
einjelnen Vorgänge bei bet Sntmidelung beft 
tbierifi^en SieS gelaugte SSaei jur etften ju- 
fammenbängenben 3)aiftellung altet ber wunber« 
baren Umbilbungen, mel^ bei bei Sntftebung 



108 



a)ia|i^tcl UaiftitL C:nV>t bn 91alia. 



XlV 



ünpaffung eilcnitt S)a8 biostnetir« 
@iunbgeftt, fftr tneHeeSaet tein SN 
ftänbnift gcnrinnen lonnU, eiBffnet unS M 
innigm laufalen 3uranimeni|ano gRit[dKn bt 
Ontoecneft bcr ^nbiiiibuen unb bet $lil 
loecncft i^ifi Soifabien; bie erflcic erft^ni 
uns t'it als eine «blicke Stetopituiation M 
Uftttttn. 9iun Unncn toti abei in bei @bititiiicl 
gef^i^tc bei Z^ieie unb ^ITanjen nixqaäi 
eine ^^ftvibititü ertennen, fonbent \ö)iqM 
baS not^enbige Slefultat be8 geioaltisen SiM 
pfeS um'S 3>afein, bei a[e blinbei ERcgulaUi^ 
nti^t ali Dor^e^enbet ®ott, bie tlmbtltinng M 
organifdien gönnen buri% SSe4feIn>iitung m 
anpaffunflS. unb SJererbungSgefele itwm 
Sbenfo »ente lünnen mir aber au<^ bmiu|t 
.Sielftiebigleit* in bei ÄeimeäBefifii^ti b^ 
3[nbit)ibuen anne^cn. in bei (Smbnioiet« M 
einzelnen $flangen, Si^iete unb ällenfdin 
Senn biefe Ontogenie ift ia. nui ein tuqfl 
StuSgug aus ienet ^^glogente. eine abg(tüiit| 
unb gebiAngte äSiebei^olung beifelben buin 
bie pSijfioloaifc^en @e[etie bet Sereibung- 

2)aä »oinjott ju feinet nafßfi^n .W 
niiÄelunflSßeWiAte bei liiere' fd|Io6 San 
1828 mit ben SBoiten: .£ie Coline nitb M 
@lüillii$e eitineen, bem ei Doibe^olten ift, ^ 
bilbenben Äiflfte beS t^ierifien ÄSrptri d 
bie aügeineinen Siäfte obei £ebeneTi4fins<* 
beS Seltflangen jurfittjufüdren. 2)ei Sau« 
aai mläjtm feine SBiege geaimtneit totM 
foll, Öal no^ nidit geteimt.' — Hudi bmw 
inte bei gro^e SmbiqolDge- 3n beinftlh^ 
3a^n 1328beiog bei junge eiiaileS Sainil 
bie Uniceilität Sambribge, um IT^lisit (^ 
)u ftubiien, bei geraaltige .Slüdlidje', b»M 
^almf breiSig ^aiit fpötei buti feine S«* 
lettionS-Sbeotie niiilliifi enang. 

SftUi^e tDcItorftnuns. 3n bei Pil> 
fop^ie bei ©efdiii^te, in ~ben aUgemetnen S>' 
tiai^tungen, nieli^e bie @efc4i(E|t8fd|ieittT tt^ 
bie ©(fiittfaie bei SSBItei unb übet ben pet- 
fi^Iungenen ®ang bei StoatenentroidelunB >"' 
ftdlen, ^enfi^l npd) ^eute bie %nniibine ^'^ 
.(Itilit^en SBelfoibnung'. SJie ©ifforil« futi» 
in bem bunten SBe^fel bei mUtt-&e\^^ 
einen leitenben Qioti, eine ibeale Sibfl^t, tue!'?' 
biefe ober jene Kaffe, biefen obei ienen ®W 
JU befonbeiem ©ebeifien auSeilefen unb i« 
©eufd^aft flbei bie anbeten beftiramt 6» 
3Jiefe teleologiffte ®ef(f)i4[lbetiad)lunB * 
neueibingS um fo fc^atfei in piinripi"«'' 
®egenfaft ju unfetei moniftifclien SB«!«"'' 
fdlQUung getieten, je fl^eier fl(i biefe leStew ij" 
gefammten ©ebiete bei otgiinifiÖEn Statut m 
bie allein betet^tigte öeiauSgeftetlt E|at Sf ^ 
gefammten Slftionomie unb ©eologie, in ^ 
loeiten ©ebiete bei ¥öqfl( unb g^mie fjw' 
Öeute 9iientanb mein non einet jtttli^ ^f" 
otbnung, ebenfo wenig oIS uon einem V"^ 



beS Siibelt^iet-AfttpeiS auS bet «infamen 0t' 1 
Itigel f4 abfpielen. Sui4 unflätige Set* 
glei^ung unb fc^atffinnige Siejle^n fu^te et ' 
abei (uglei^ bie tltfa^en lenet XtanSfoimo- J 
tion tu ettennen unb |le auf allgemeine 
CilbungSgcfe^e |utfli^ufit6ten. XIS oOge-j 
metnfleS 91efultat beifäben fptai^ et ben €ab 
au9: .Sie SntnritfelungSgetcbittite bcS änbi- 
oibüumi ift bie Oefdriditc bet »a^fenben Snbi- 
oibualit&t in jeglit^ S^tebung-* 3)abei bc< 
tonte et, ba^ .bet (Eine ®iunbgebonte,| 
bei aOe einzelnen Sei^dltntfTe bei t^ieiifdien 
Sntmtdclung tie^tifd|t, betfette ift, bei im, 
äÜeUiaum bie verl^ilU SRaffe in Spbdien 
fanmelte unb biefe ju Sennenfqflemen neibanb. 
Tiefet @ebante tfl abei nichts als baSSeben: 
ffiblt unb bie Siotte unb Silben, in benen et 
it(!l auSfpnd)t, Unb bie oerf^iebenen ffotmen 
be8 Sebenbigen'. 

3u einet tiefeten <itfenntni| biefeS gene* 
tifdien ©tunbgebanlenS unb gut Koten l£in> 
1ld)t in bie roabien betoittenben üifa^en bei 
oiganifdien (Sntniiifelung venno^te 9 aei ba> 
moIS nii^t ja gelangen, tueil fein Stubium 
auSfc^Iiellic^ bei einen £>ä[fte bet entmittelungS» 
gefc^ii^te gewibmet toat, betientgen bei ^n- 
bioibuen.beiSmbtqologieobctimmeileien. 
Sinne bei Ontegenie. ftiit anbete fiätfte 
beifelben, bie @ntn)iiieIungSgefc^i4tebetStftnime 
unb Sitten, unfeie Stamme3gef4i4te ober 
iß^^Iogenie, e^iftiite bomalS noi% nii^t, ob' 
moM bei meitfdiauenbe Samatd f4on 1809 
ben SBeg ju betfelben gejeigt ^atte- 36ie 
fpdtere Segiünbung bui4 Xainin (1859) pei- 
mochte bei gealteite S3aei nit^t me^i ju sei» 
flehen; bei nuglofe ßampf, ben et gegen bcffen 
SelettionS'S^eoiie f&^e, leigt flai, ba^ ei 
Hiebet beten eigentlii^en Sinn no^ ttite pbilo- 
fopbif^e iBebeutung ettannte. Xeleologif^e unb 
fpätet bamit oetlnüpfte tbeofopbifiie Spe- 
iulationen Iiotten ben alten Saei unfähig ge- 
ma^t, biefe gib^te iHeform bei Sioloeie getc^l 
gu niüibigen; bie teleologifi^en Setia^tungen, 
meiere et gegen fle in feinen .Sieben unb 
Stubien' (1876) ali 84ia6tiget @tete in'S^elb 
fß^ite, flnb nui Sitebetbolungen oon ä^nlii^en 
Sitt^&mein, nie fle bie änwdmäfeig'eitS'Sdiie 
bet buali^fdien ^^ilofop^ie feit me^t aI3 graei' 
taufenb Sagten gegen bie med|üniflift&e obei 
moni^fc^e 2SeItanfi%auung aufgefüllt Iiotte- 
Sei .jielfttebige @ebanle', roeld^ei naät 
Ctaei'S SiDifteUung bie gan^e (Sntniicfelung 
beB X^iettötpeiS auS bet {SigeOe bebingt, i^ 
um ein anbetet SluSbiud füt bie emige ,3bee' 
von $lato unb fOt bie .Sntelei^ie* feineS 
Si^illetS «liflotelea. 

Unfete mobeme Siogenic eillAtt bogegen 
bieembr^oIosifc^enS^tfa^enteinp^fioIogif^, 
nibem fle alg beniiienbe nieii|anif4e Utfai^en 
betfelben bie Junttionen bet »etetbung unb 



tiv. 



Stinjt^M Sta^iid. Cin^tll bex Statut. 



109 



Uen ®i>tte, bcjTen ,Sanb mit SBriS^rit unb 
KT^onb alle Singe eeotbitel bat'- SaSfelbe 
^ ober aud^ von bem ecfantmten iSebiete ber 
Biologie, von bet ganaen Scrfaffune unb @e> 
'iÄätit ber otganiTdien 9latui, junddift ben 
BhnrdKn no4 ausgenommen- Slacniinliat 
ml in Teinei ©eleTtionS-Xbeorie ni4t nui e<* 
leigt, nie bie groe^d^igen Sindt^tungen im 
itben unb im ftaiverliau bei Xbiere unb 
^njen o^ne ooi^eba^ten ^loe^ medianif^ 
Bttlanben Unb, fonbem et $at un3 aui^ in 
mm. .JlantDf um'S SaTein' bie getoaltige 
Ratutma^t eitenntn gele^, neliiie ben ganjen 
EntnidelunflSgang bei oiganif^en Sielt feit 
fidm Sa^rmtHionen ununterbro^en be^eirfdit 
isb legelt. SHan ISnnte fieilicEi fagen: 2lei 
.Kampf um'ä Siafein' ift baS .Uebeileben beS 
PaffenbRen' »bei bei .Steg beS aSeften'; baS 
hnn man aber nui, menn man baS Stäitere 
bti atö baS a3efle (in moiatifi^em Sinnet) be- 
tmdnet; unb übeibieS jcigt uns bie ganje ®f 
Hi^te ber organifdien Sielt, bag neben bem 
jiHnniiegenben Soitfdiritt jum lioCItommenen 
j(^«3eit au4 einzelne 9Hl[fr<fiiitte )u niebeten 
3uft3nben Doifomitun. Selbft bie ,3ieIftiebiQ' 
Int' im Sinne aSaer'S ttdgt but^id leinen 
«otQlif^en ßbarafteil 

, aSerbält eiS Rt^ nun in bei mUnßtWättt, 
gt in SHenfc^ in feinem auUnopocenttifiien 
^genraa^n bie .SBeltgefi^ic^te' ju nennen 
pAtt etnm anbeiS? 3R ba übeiaD unb jebei 
[Seit ein i|ßd|peS moralifdieS $rincip ober ein 
P^tx aBeltregent a" entbeden, bei bie @e> 
:^i^ bei Völler letUt? 23ie unbefangene 
«nttvoit tann ^eute, bei bem uotgefi^iitlenen 
Buftanbe unfeiei 9tatuigef(^i4te unb SSlIei- 
eif^ici^te, nur lauten: 9tetn! Sie ©efi^idc 
't^ 3>oeige beS aReufdgengeTc^Ie^tS, bie alS 
«offen unb Stationen feit Sabitaufenben um 
^ ©ppenj unb i^te Soitbilbnng gerungen 
'fim, unteiliegen genau benfelben .emigen, 
^tnien, giogen ©efetjen' roie bie ©efi^iiftte 
^ ganjen otganifi^en SBelt, bie feit vielen 
aifitmillionen bie Erbe beoaileit. 

3He ©eologen unteifdieiben in bet .oigani' 
nm (Srügef{i&i(^te', Tonjetl pe un8 burdi bie 
*ttilmiUet bei SerfteinerungSIunbe belannt ifi, 
''"i gioge Venoben: boS primäte, fetunbdte 
"nll tertiäre Seitalter. Sie Seilbauer bet et- 
«nn foK nac^ einet neueren ^teiec^nung 
JinheftenS 34 smiHionen, bie bet gmeiten 11, 
"«ber brüten 3 amaionen 3a5te bettagen 
Jwn (— nad) anberen %eted|nungen meöt al8 
^ Jfteiffl^e biefet 3eit! — ). Sie ®ef4t*te 
«» ffiiibett(|iet'©tammeB , au8 bem unfet 
"itmeS ©efdjiecöt entfproflen ift, liegt innet- 
*** biefeS langen 3eiltaumeB Hot not unfeten 
^Sen; biet oerf^iebene (fntmidelungSftufen 
«t Certebtaten maten in Jenen btei giogen 
*'tti>bra fueeeffto enlmittelt; in bei ptim&ien 



(paläojoift^cn) Veriobe bie tfif^e, in bem 
jetunbäten (me f og o t f (^ t n) ^eitaltet bitdiiv 
tüten, in bem teitütien (cinojoifi^cn) bie 
SAugetiiierc. Son biefen biei Sauptgruppen 
bet SSiirbeltfiiere ne^en bie ^iftbe ben nieber* 
pen, bie {Reptilien einen mittleren, bie ©äuge* 
t^iete ben ^adiften ERang bei SoUtommen^eit 
ein- Sei tieferem Singeijen in bie ®ef^icl)te 
bet btei ftlafTen finben mit, bag auc^ bie ein* 
seinen Orbnungen unb Samilien berfelben 
innerhalb bei brei 3eiltäume fidi fortfc^reitenb 
}u ^B^r SSoDfammen^it entroidelten- flann 
man nun biefen fottf^reitenben SntioidelungS' 
gang al3 3[u3flu| einet beraubten gmedmdfitgen 
Sielflrebigfett obei einer ftttlii^enSüieltoTbnung 
bejei^nen? Surc^auS niditl Senn bie ©e- 
leitionS-Xbeorie le^ unS, baß ber otganifc^e 
gottfc^ritt, eben[o wie bie organifcfie Siffe* 
tengiiung, eine notbmenbige Solge beS 
fiampfeS um'3 Safetn i^ Saufenbe non guten, 
fd|Bnen, beniunbetungBmürbigen litten beS 
Zbiet' unb Vfianaeniet^eS ftnb im Soufe Jener 
48 StiHionen ^a^re gu ®ninbe gegangen, meit 
fle anberen, ftärferen ^-ßlafi ma^en mußten, 
unb biefe Sieger im Aampfe um'S Safein 
maren ntdit immer bie ebleren ober im mo- 
ralif^en Sinne DoIIfommneten Sonnen. 

@enau baSfelbe gilt non bet 9Ü Stier* 
gefdiidjte- Sie berounberungBroürbige Äultut 
beS tlafftf^en 3(lterlI|um3 ift gu @runbe ge> 
gangen, roeil baB Söriftent^um bem ringenben 
SRenfdiengeifte bomalS buti^ ben @Iauben an 
einen liebenben ®ott unb bie £)affnung auf 
ein beffereB jenfeitigeS geben einen geroattigen 
neuen !tuffd|<>)ung cerlie^- Set $apiSmuS 
routbe gnar balb gut fi^amlofen Jlaiitatui beS 
reinen@^[tftent^um3unbjeitrotf(4oinineBloBbic 
S(f|ätte berStfenntnifi, meli^ebie ^eHenifi^e^MIo' 
fopÖie fi^on eirootben fialte; aber er geroonn bie 
Sieltf)etrfd)aft buic^ bie Unmiffen^eit ber blinb« 
gläubigen Sftaffen- @ift bie ERefotmotion 
gerri^ bie itetten biefei @eifte3-finec^tf^aft unb 
neilialf rotebet ben Slnfprüi^en bei Semunft 
gu i^rem Siebte- Kbei aui^ in biefer neuen, 
wie in jenen frühen iperioben bet Äultut- 
gef4ici)te, mögt emig ber grofie £antpf um'S 
Safeinl|inunbl|et, o^neiebemoralif^eOrbnung- 

Ootfe^uns. So menig bei unbefangene« 
unb Ftitifcfiet Setra^tung eine .moralifciie 
äBeltotbnung* im @ange bei Sailetgefi^i^te 
nod)gun)eifen ift, ebenfo menig ISnnen roir eine 
.nieife SotfeI|ung' im Sc^ittfat bei eingelnen 
Snenfdien anerlennen- Siefed mie Jenei miib 
mit eifcrncr Wot^menbigleit bux^ bie meiiiani« 
fijie Äaufalität beftimmt, mel^e }ebe (Srliiieinurtg 
auS einer ober meEjteien porliergefienben Ui« 
fa(^en ableitet- S^on bie allen ßeHenen et« 
tannten aI3 ^SttifteB äOeltptinctp bieHnanle, 
bie blinbe fieimaimene, baS ^atum. ba8 
(OSttcc unb 3Renr<^ be^ecrCi:^'. 2(n itie 



110 



aHnit^nlrt Ko^Ütl. Cin]^ ber «atui. 



xn 



Stellt trat hn fiftrifttnl^um bte beraubte fßn- 
ft&ung, tneli^c nii^l blinb, fonbern fe^enb itt 
unt mläit bit Seltcceierung all patTtai4aItf4n 
Oenfi^ei füEirt- Set antlitopomotp^e Ktiaiaf' 
in biefn SorfteQuns, bie 1i^ gcn^nli^ mit 
icijenigen beS ,pnf6nlid)en fltottce' eng vn- 
Indpft, liegt auf bet ^anb. Set Slaube an 
«inen .liebenben Satei', bet bie Oeft^ide con 
1500 sniUtonen SRenft^en auf unfetem Planeten 
unabläffla lenlt unb babei bie miDionenfadi 
1f4 treujenbcn Sebete unb .fiommen SSünfcbe' 
Wfelbtn iebci)ett bctfidll^tiBt iR ooUomtnen 
unltaltbai: baS ergiebt fl4 fofoit, roenn bie 
Semunft beim Eflad^benten turübei bie farbige 
«tiCe beS ,®[aubenS' abltal. 

ISenibbnlii^ pflegt bei bem mobemen ffultur« 
nenfc^en — seiabefo nie beim ungebilbeten 
Silben — bei Q^Iaube an bie Sorfe^ung unb 
bie 3uDeTfic^t gum liebenben Sater bann fld| 
lebhaft einjuftellen, menn ibm itgenb etniaS 
föiadü^cS begegnet iß: Errettung auS fiebenS- 
gefabt, Seilung von fd^roetet fitantl)eit, @e- 
toinn beS giogen CeofeS in bet Sotterie, @ebutt 
«ineS lang erfeiinten fiinbeS u- f- ro. Sienn 
ha^tstn irgenb ein Unglüd pafütt eber ein ^ei^ei 
IBunfc^ nid|t etfüQt mitb, fo ift bie .Süof 
fcbung' Dergeffen; ber meife Seitregent f|at 
tann gefc^Iafen ober feinen Segen oenoeigett. 

Sei bem ungeheueren üuffc^roung be3 ^et> 
le^tS im 19. 3al)Tbunbett bat notttmenbig bie 
ßabi bet Serbte^en unb Unglüdäfdlle in einem 
^ka nii^t geahnten Süa^e jugenommen; baS 
crfai)ten mit tagtäglid) buidj bie ^^ituiS^- 
Sn iebem 3af|te ge&en Jaufenbe con 9Jienfd|en 
|u ®tunbe butcö ©c^iffbriid)B, laufenbe butd) 
«ifenbabn-Unglüde, jaufenbe bui^ ^etBiuetrs« 
flatalltopben u. f. m- SJiele Saufenbe tasten 
ftäi alle Sobte gegenfeitig im Kriege, unb bie 
^urfiflung für biefen S^lalfenmorb nimmt bei 
ben bSdiftentniidelten , bie i^tifllic^e Siebe be> 
iennenben ÄuItut-SKationen ben roeitauS gtBSten 
Z^til beS 9iational'iBeimöflen8 in Slnfpiud). 
WnO unter jenen ©unberttaufenhen, bie aQjdbf 
-lid) ali Opfer bet mobetnen SitiiliFation faUen, 
beÄnben fid) itbeimiegetib tü^tige, t^atttäftige, 
urbeitfame 3!nenf($en. Sobet tebet man nod) 
von fittlii^er äDeltoibnung I SS foQ but^auS 
nidit beßtitten metben, ba| ber beute nodi 
bertfc^enbe unb in ben Spulen gelehrte @laube 
an eine ,flttli^e ©eltptbnung" — ebenfo wie 
an eine .tiebeeoHe SBotfe^ung* — einen i|o6en 
■Sbeül'ffiJertHeilÖt- ffit ttBftet bie Seibenben, 
ftötlt bie ©i^roa^en, ergebt im Ungtücf; er be- 
friebigt unfet gnietfelnbeS ®emülC| unb nerfegt 
un8 in eine Sbeal-SBelt be8 .^enfeitS', in 
-raeldier bie SRängel beS icbifi^en SafeinS im 
rSteSfeitS' übenounben finb. So lange bet 
aRenf^ !inbli<^ unb unerfabten genug bleibt, 
mag et fidi mit biefen <9ebilben bet Sichtung 
iegnüam. Slllein ba8 fortgef^itttenc Jhiltut- 



Sebcn bet iSegenniatt teigt ibn genialtfam « 
tenet f^Bnen ^beal-SBclt berauS unb fteHt i| 
vor %ufgaben , ju beten SBfung tbn nut tri 
pemfinftige Sttenntni^ ber SBirtli^feit bi| 
fdbigt. Unjiseifel^aft nirb bie früliieittge Xi 
paffung an biefe Äeal-fflclt, gmeÄmilig U 
ben Unterricht eingefübrt uub auf bie mobemj 
SntmidelungSle^re geRütit, ben I|5^er gebilbdoj 
SRenfi^n ber 3utunft nid|t allein t>emQnfti|)q 
unb voturtbeiUfteier, fonbern au4 beffer Üb) 
glüdli^er matten- ' 

Siel. SncA und anfoll. aSSenn md 
unbefangene Prüfung bet äBeltentmiitelutu 
le^rt. bag babei mebei ein beftimntteg SiA no^ 
ein befonbetet ^wed (im ©inne ber menfA 
Itdien 3)emunft^ nadijumeiren ifl, fo fcbeiM 
nid)tS fibtig ju bleiben, aI3 KUeä bem ,bliij 
ben SufoH' ju übetlaften- 3)iefer SJonmd 
i^ in bet Xliat ebenfo bem XtanSf oimiSmui 
oon Samatd unb Satroin n>ie ftü^ t^n 
ffoSmogenie pon ftant unb Saplact 
entgegengebaltenmotben;oieIebuaHftifdiePiIa< 
foppen legen getabe ^ietauf befonbetS 9f 
raic^t. @$ Detlötint fic^ baber mobi ber fSüiii, 
l)iet nod) einen flüi^tigen Slicf barauf p 
roetfen. 

Sie eine @tuppe bet $bilofopben bebaufüt 
nai^ i^tet teUoIogifi^en Sluffaffung: Hi 
ganje SBelt ijt ein geotbnetei AoSmoS, in im 
aUe <£tf4einungen Si«' unb 3med baben; 4 
giebt teinen ^ufalU Sie anbete ®mt* 
bagegen meint gemä^ ibret mei^anittifi^tB 
Sluffaffung: Sie @ntn)idelung bet gangen Sdt 
in ein einbeitlid) medianifi^et $tojeg, in bn> 
reit nitgenbä S'^l unb ^med entbeden ISitiuBt 
roaä mit im otganif^en Seben (o nennen,!^ 
eine befonbete golge ber biologifc^en SGerftält' 
niffe; mebet in bet Sntmidelung berSBelttflriiKr, 
noi^inbetjenigenunferetotganifdien&rbtinlieilt 
ein leitenbet Sioednai^guroeifen; (liet iftSldel 
3ufani ISeibe !qatteien ^aben iRe^t, je iw* 
bei Sefinition beS .SufaffS*. Sa3 attgnn«"'. 
SaufoI'Oefeö, in SJeibinbung mit W 
iSubftan)'@efeti. übeigeugt un8, ba| jeSe 1^ 
Tdieinung ibte mei^anifAe Qifat^e itat\ "} 
biefem Sinne giebt ti leinen SufoE. Sm 
aber tonnen unb mülfen mir biefen uatei' 
beEjiIic^en Segriff beibeb alten , um bamit li" 
Sufammentteffen oon groei ®tfd)einune«n_^ 
bejeic^nen, bie nidjt untet fic^ laufal peifnW 
Unb, oon benen afiet natüilid) jebe ib« UriM* 
bat unabbängig oon bei anbeten. SBie 3«**^ 
mann meift , fpielt bec 3"faß »u biefem mW"" ' 
ftifdien ©inne bie giöSle ^oZt im Seben w 
3Jtenfdien mie in bemienigen aUei anbetw 
Siatuiiarpet. SaB binbert aber nicbt, ba^ ^ 
in iebem eingelnen .Sufall' roie in Nr ff"'' 
midelung bei äßeltgangen bie uniuerfole 6*^ 
fdjaft bei umfaffenbften ERaturgefeiel W>f 
lennen, be8 ©ubftan|-®<fe|e8. 



Sftnfjt^ntt« AopUd. «ott va3> äSelt 



5ünf3C^ntes Kqiitel. 

<5ott un& tDeli. 

inontIti|<!^e Stubieti flt>er C^eismus un& panttteismus. 
t^etsmus ber biet großen ntebUerrartoReitgtonett. 
httiomunbaner (Eott. 



Der 



Sn'^alt: Qlotlei-S)oi|lt1Xuna im Saaraubiai. SeocnfatF bon 9iott unb EQ 
■b Sabtt. Sl^imuS uns Spaitt^cämug. ßauptfoiinni bti X^amui. 
bnSnmB (Xteigfitieici). ambäit^nämuS (3tiieiafittc«t). Snonot^iimuS (I 
Aoiimat- 9tatinaliflil<i)n Wlomti)tiStaui. eolaiiSmua (€i)iiiintIiiUi») 
cÜnuS. Sie brti qto^h Wtttelmcn'Sleltg tonen. SnotaÜniua C3e^Dba]&). 
libmutRfßuUid imb ^Ita^ $at)t^il(|er $alqt^SmuB. SiUim. m. 
Itftn bei X^^nuiS. ßjtiamiiiibanR unb antOTapomorffiet Sott @aBfbi 
(igno^. 2tnhani]inbann @oU (Statut). ^qlojDiSmul ber tonifd^n 
nt^üt beS $ant^BmuB unb b^ e:^^ntI)UDtS. €()inoja. aRootinei 

Xtö legten unb (SA^enQremnbaKetSrf^ei- I. O^elsimu: <E 

Bungen betrautet bie!iJ]enfi^^eit feit ^ä^itaufen- 3i»«t Dcrfc^lebene 

teil eine beiotrienbe Utfai^e untei bem iBegiiffe Sielt gegenüber als b 

ffolt (Dens, Theos). Sie alle anbtten aüge- unb ^egieier. 3)aiti 

■einen EBegriffe, fo if) au^ bieTn ^Si^fte ®iunb- obei weniger menFc^en 

hgriff im Saufe bet ÜSemunft-Sntniidelunfl ben OtganiämuS, roeli^er 

^ieutenbUen tlmbilbungen unb ben mannig- (nenn auc^ in b&4ft vi 

illie^n Slbattunflen untetrooifen fleniefen. unb banbelt. Siefer 

|tt man lann fagen, baf tein onberer SSegriff ®ott, offenbut polqi 

» fe^T iimfleftQltrt unb abgeänbetf roorben ift: fd|iebenen SßaluroöIIer 

enn tein anbeier berührt in gleidi bo^em beten ^(lantafie betei 

Sla^e fonolil bie bBi^^en Aufgaben beS er- 3(bftufungen , vom 3el 

bnenben SerilanbeS unb ber vernünftigen gu ben geläuterten mo 

Biffenfc^aft aI8 au4 äuglet^ bie Hefften ber ©egenniart- %l% i 

JntcTefTen beS gläubigen ®emüti&eB unb bei tbeiftifi^en !Begitff§bil 

idilenben $bantafle. $oli)tbeiämu3, Xriptot 

Sine Dergletclienbe Atitit ber ja^Irct^en unb ^onolbeÜmuS- 
nerfi^iebenen &aui)tfotmen bei SotteS-SSot' polqtlteUmus (l 

SiQung ift groar ^^^ inteieffant unb kliiieit^, ift von Dielen Deifdite 

nüibe unS ^ei aber oiel ju roeit füEiren; mir nield]e me^i obeiraent 

müflen unä bamit begnügen, nur auf bie ®ettiebe eingreifen. 

mi^ifigHen ®eftaltungert bei Ootteä-Sbe« unb flnbet betgleii^en unte' 

ouf il^te Sejte^ung ju unfeiet gütigen, but^ tetfdiiebenften leblofet 

He reine Siatur-ßtlenntnt^ bebinglen SSelt> Steinen, im Saffer, 

onfi^auung einen flfid)tiflen Slii ju merfen. lii^en flunftprcbuften 

ftür ofle weiteten Untetfut^ungen über biefeB ©totuen u. f. ».). Sei 

fotereffante ®ebiet nemieiren mir auf baB aus- @5ttei in lebenbigen 

Mqei^nete, mebifai^ citirte SBeil von Stbal* in Säumen, Silieren, 

keit Soobpba: ,®eftalten beS @Iauben3' gätteiei nimmt fifion in 

IS «tobe, fieipjig 1897). formen ber ro^en % 

SBenn nir Don allen feineren Stbtdnungen faltige ^oimen an. € 

unb bunten Seraanbungen beS @otteS-!Biäe3 ften Stufe geläutert in 

abfegen, lönnen mir füglic^— mit iÖef^räntung t^eiSmuB, in jenei 

tuf ben tiefiten 3n^alt beBfelben — alle Der- beS alten @riec^enlai 

I^iebenen SorReIlun|en barübet in imti ent- unfetei mobemen ftun 

legntgcfe^te &aupt><Bruv))en otbnen, in bie für $oeite unb ESitbi 

tlieiftifÄe unb bie pantäei^ifdie ©luppe. tieferer @tufe ftebt be 

Sie It^terc ift eng DertnÜpft mit bei mc tbeiSmuB, in bem 

niftif^en ober tottonden, bie elftere mit oon fe^r jmeifelbaft« 

)et bnalifttfciicn ob«t m^ftif^n Süeltau' georbnete ©ott^eiten a 

f4auing. Sennittelung beim o 



.,C(iogIe 



112 



QfinlV^M UaifM. «oU unb 3Bclt 



bcfltn 9t*unbin unb Zodfitx, bet ,3utiefniu 
natia') nfu^t lonbcn. 

VrlpIotMitnu* (SttieSttnei, ZrintUtS* 
S^te). Sie ßOrn tum bei .Stcicinigleit 
•»tteS', iDclc^ ttute no4 im OlaubcnSüc- 
lettntniB bn 4nRIi(f)ni ffultunbUei bi* gntnb* 
(Mcnbcn .bin QlauBtnS>XrtiItl* bilbtt, givfelt 
bcntimtlii^ in itt SotfttOuiifl, bafi ber Sine 
• otl beS eäiißentliumS eieenlli^ in SDai|i> 
bett aus biet ^ßeifonen oon ticrf4iebennn 
Scfen ftc^ jufammcnfett: L (Sott bct Satei 
ift Ux ,aUmS4tisc 6d)epfet eimmcIS unb bei 
Cibe' (bicfet un^alibai« !D)i}t^S ift but4 bie 
loifTenfi^^Iidie AoBmooenie, nftiDnonric unb 
•coIosteUneiliDibetlegt). n.3cfu8S6iiftu> 
t(l bei .eineebonne Sofin @ottd bd SatetB' 
(unb jueleid) bn btitten ¥erfan, beS .&«Iis«t 
Scifteit!), eijeugi buiiii unbcfleÄe Srnpfünonil 
bei aungfiou fOldvia (Übet biefcn SDlqt^uS 
pcrgl. Jlapild 17). HI. 3)ei fieilige Seift, 
ein ntDftifAeS SSefen, äbei beffen unbegreifliAcS 
Sn^&Üntl )um .Sobne' unb gunt Satei fl<4 
SKiQiimen oon ^riftlic^en S^ologen feit 1900 
Sagten ben Aopf eanj umfon^ jerbiodien 
kabtn. 2)ie Soanaelien, bic bod) bie etnjigen 
louteren Cliiellen biefeS i^iiftlii^en XiiplO' 
t^eiSmuS finb, laffen unS &bet bie eieent- 
It^en Sejie^ungen biefei btei Seifonen ju 
einanbet v3Di^ im Sunlein unb geien auf bie 
ffraoe nait t^ter idt^fel^aften @inC|eit leine 
itflenb Befiiebigenbe Slntnoit Ziagegen müflen 
inii befonbeie baiauf ^inmetfen, roel<^e Set- 
nritrung biefe unllaTe unb miiftif^e 3!iinitQt3' 
Se^e in ben £5pfen unfeiet ftinber läton beim 
elften @4ulunterrtd|t not^menbig anitd)ten 
inu6> ünontag SDIoigenS in bet erften Unter- 
ri^tBfonbe (Sieligton) (einen fle: Skeimol 
llinS ift @in8l — unb gteii^ baiauf in bei 
jiMiten Stunbe (iRec^nen): 3)ieiinal SinB ift 
Sieil ääi erinneie mi^ felbfl febr nobl noi^ 
bet Sebenten, roeli^e biefei auffdQige äBibei- 
fpnt^ in mit felbft beim elften Qntetri^t et- 
tegte. — Uebtigenä ift bie ,3)ieieinigteit' im 
Iftiiftent^um leineBnegB oiigineQ, fonbem 
gleit^ ben meiften anbeten Sebten bcBfelben auB 
Olteien Steligionen übetnommen- SluS bem 
6onnenbienfte bet djalbäif^en ÜFtagiei ent« 
loidelt fid) bie XrinitSt ber 3lu, bet ge^eimnig' 
DoHen UmueUe bet Sffielt; iftie btei Offen- 
barungen maren 31 n u, baB utfpr&ngltdie ßbaoS, 
»el, ber Otbner bet aBett, unb «o, boB 
tlimmlififie Sii^t, bie SIUeB erleut^tenbe 9)ei3> 
%eit — 3n bet SSra^anen-SReligion miib bie 
Xrimuiti alS ,@otteS-@in^eit' ebenfaOB auB 
btei $etfonen jufammengefe^t, auB StaEima 
(bem @(i|6pfet), äßifc^nu (bem Stifalter) unb 
©diinia (bem getRötet). @B fi^eint, ba6 in 
biefcn n>ie in anbeten 2:iinität9 • SorfteOungen 
bie .^eilige 2JtetjaI|I" ott foldje — alfl 
.fqmbolif^c 3a4I' — ein« noQe tcfpiett 



fyit- Ku<i| bie btei etftcn «ntifleniitlic^ti 
.Vlaubc, Siebe, Hoffnung', Hlben cti 
Itiabfc 

atnp^tt^cfmmu (3neig5tlet«t> Sie !B 
mitb »an imei T>etf4iebcnen &btttm legi 
einem guten unb einem bbfen SBcfcn, @ 
unb Zeuf cL Oeibc ffielttegcntcn befinben 
in einem beftSnbigen Xam^t, nie ffaifei i 
Oegenlaifei, Vopft unb tSeaenpopft- 3)ai 1 
gdbnif biefef ftampfcf ift jebciaeit ber m 
»Artige ^uftanb bet SBelt Sei liebe Oo 
Ott bid gute fflefcn, ift bet Urquell bei 9n 
unb &dtintn, ber Suft unb ffteube. Sie S 
würbe DoOtoninten fein, n»nn fein SSiiten ii' 
beftünbig butt^heujt mfitbe oon bem U 
SBefen, bem Xeufel; biefei fd^Iimnte Sotai 
iR bie Utfa^e alleS Sbfen unb öä^t^en, 
UnluR unb beB SdimetteB- 

Sicfei Kmp^itbetBmuB ift unter al 
Deift^tebenen formen be} OötteigloubenB 
fofem bei oemanftigfte, alB M fe>ne X^co 
am elften mit einet niffenf^ftlt^en Seit 
ndrung Derträgt Sir ftnbcn tbn bal)ei fifl 
mebtetc Sobttaufenbe vot CMftid ^ ' 
fäfiebenen XultutoBUein beB WteitbumB a 
gebilbet. 3m alten 3nbten Umvft 3Bif4) 
bet St^altet, mit @4in)a, bem ^erftdrei' ' 
alten (Egnpten ftebt bem guten OfiiiS 
fiflfe 2:i;pi|Bn gegenfibet- aSei ben äl" 
fiebrdem befielt ein &linli<^ei SuoIiSn 
jmifdjen Hfdieta, bei fiui^tbai jeugeni 
ffitbrnutlet (— Keturah), unb ffiliou {= ' 
loch ober Sethoa), bem fttengen SimmelSiMl 
3n ber Benb-SBeligion bet alten Reifer, n 
äotoaftet 2000 So^te oot EbriftuB gegiflnl 
Öerrfii^t beftänbiget Aampf jmifiien Dtwu^ 
bem guten @ott beB Sii^teB, unb UJitimn 
bem böfen (Sott ber ^inftemiS- 

Äeine geiingere StoUe fpielt ber leufel o» 
Segnet beS guten ©otteB in bet ajlutbologie m 
e^ttftent^umS a\S ber Serfu^et unb Seifülc^ 
bet gütft ber ©flOe unb ©err ber JinftemiS- W' 
petfönlitliei © a i a n a 8 »ot et oui^ noät im »"' 
fange be! 19. 9abt&unbert8 ein roefentlii^eB v» 
ment im ®lauben ber meiften ßbriften; erft deg« 
bie aJlitte beBfetten mürbe et mit jun^menw 
aufIWrunfl aümo^Iii^ obgefeSt, ober et muSU 
ftd) mit jenet untetgeoibneten 9toIIe begnSs«'' 
neldie i^m Soet^e in bet grasten aller iK'"^ 
tifi^en Si<^tungen, im ,3auft', alB aRepbiP"' 
plieleS aut&eilt. ©egenmditig gilt in J« 
beffeten gebilbeten Ätetfen bei .Sloube an m 
perfönli^en leufel' alB ein fibetniunbenfi 
Stberglaube beB ÜJlittelaUerfl, mlbrenb fli«* 
jeitig bet .iSIaube an @ott' (b. ff. ben peiP' 
litten, guten unb lieben Sott) alS ein uncnt' 
befirli^er ^eftanbt^etl bet iReligion feftgelult^ 
mitb- Unb bo(b ift bei elftere Oltube ebtnf* 
PoU bete^tigt (unb ebenfo baltloB!) nie f^ 
le$terel ^ebenfaHB erliatt f4 bie vtelH' 



XV. 



SflnfjeVitcS ftofibt. &M uttb SBcIi 



113 



Ibgte .nmaDlaimnen^rit beS (Srbentebene*, ber 
.Xampr um'S Sarebi', unb mtä boju s^Btt, 
ntl einfa^er unb natüilic^et t>uT(^ btefen 
ftnnpf bd BiOen unb bafen @otteS als 
iadt irsenb tnel^ anbne ^omt beS ®i)tte3' 
^enS> 

notto^cisnnu (StngStteiri)- 3}w Se^ie 

wt ter ginjetf QlotteS lann in otelet Se- 

Muna als bte einfadifle unb natfttltc^ftt ^orm 

a SotleS'SeiegiunB getten; nac^ bei fierr» 

ieiUm aneinung ift fie bie loeileft wrbteitete 

hunblagc bei Religion unb be^enf^t nament* 

4 bm ftitfbeneläutien ber fluttUT'SiUei. 

Siiiffa^It«^ t|l bteS ieboc^ nidit ber ^all; benn 

it angeblt^e ünonot^eiSniuS ermeiR (1$ 

' nS^ei Setiat^tung meiflenS aI8 eine ber 

im angefüllten formen beS X^eiSmuS, 

cm neben bent oberflen ,&auptgotte' noä) 

■j ober me^iete 9t ebene Btter Angebetet 

ben. ÜuiSi flnb bte nteiften Steligionen, lüelcbe 

m itin monot^iftif^en SluSgangSpuntI 

m, im Saufe bei Qtit mein ober mtnbei 

»(it^tfttfd^ genoiben- SHIeibingS beliauptet 

ic mobeine Slaliftit, hai unter ben 1600 

lionen aJIenfdien, roelcbe unfere ®rbe be< 

tm, bte grofie 3)le!ir}af|i !EßonotIi elften 

i; angcblt^ fallen banon ungefdfir 600 

Wliimen eru^ma-^ubbbülen fein, 500 miHi- 

(fDflenonntel) Sliriften, 200 aRittionen 

I (DCtf^iebenflet ©orte), 180 aJliQionen 

i^mebanei, 10 SDlillionen SSraeliten unb 

SRiDisnen gon) religtonBIoS. Ullein bie 

[m SRe^rgobl bei angeMi^en Sßonot^iflen 

Oan) unÜare OotteiDoiflellungcn obei glaubt 

len bem einen Cauptgott au4 no^ an Diele 

Ktbengatter, aß ba ftnb: @ngel, Xeufel, Sä- 

nonen u. f. vo- 3)ie oerfi^iebenen formen, in 

lenen ff^ bei anonot^iSmuS polqptiqletifc^ 

otiDidelt (at, tSnnen roir in jivei Saupt* 

(tappen bringen: naturali^fi^ unb antbro» 

rittfdie (Singötterci. 

natturanftl14«t ntono^eicmtw. Siiefe 
olutform bcT Sieligion erblidt bie SerlSrpeiung 
Stöea in einer erhabenen, StlleS beEierrfclienben 
!bilur>erf(^inung- ÜI8 foli^e imponirte f<!|Dn 
m «(den 3a^rtaufenben ben Stenfi^en noi 
Hon bie €onne, bie leuc^tenbe unb ei> 
tritmenbc Sott^ett, oan beren Sinflu^ tl^tß^ 
oDel organifdie Seben unmittelbat abbilngig 
ifL !^ Sonncn-ftultuS (SoIaiiSmuS 
■bei ^ist^etöniid) erfc^eint ffti ben mobeinen 
Sotutforfilti mobf untei allen tljei^tf^en 
SbuibfnB* Sonnen al8 bie »ilibig^ unb aia 
bieienigci mUit am leic^teften mit ber moni« 
W4en Sbltuip^ilofop^e ber Segennart f14 
Deif^mcljcn Idfit Senn unfere mobeme ü^rc 
ffpltä lutb Qleogenie bot uns flberjeugt, ba^ 
iie Srbe ein abgeUfter X^eil ber €onne i^ unb 
[pStei «nebei in beren @4oo^ jurildle^ren 
»iA. 3)ie mobeme ^Iiqfiologie leljrt uns, bab 



ber etile tlriniell beS organift^en ßebenS auf 
bei ISibe bie $Ia3mo'Sifbung ober $taS< 
mobomie ift unb ia% biefe S^nt^efe oan 
einfadien anorganif^en Serbinbungen, von 
äSaffer, fto^Ienfülute unb Slrnmonial (ober 
©a^eterfAure), nur unter bem Sinfluffe beS 
SonnenliditeS erfolgt- Vuf bie primdie 
gntntidelung bei plaimobomen Vflongen 
i^ eiß na^ttSgltd), fefunbdr, bt^enige bei 
pfaSmepbagen Zbieie gefolgt, bie flc^ 
biiett obei inbirelt ton ibnen nähren; unb 
bie Sntflebung beS 3?)enfcbengef4Ie^teS felbft 
ift wtebeium nui ein ffätetei Soigang in bei 
6tamntä)gefcbiil|te beS ZMenei^S- 3lu4 unfei 
gefammteS türpeilt^S unb geifKgeS Sllenf^en' 
Seben fft ebenfo wie oHe« anbere organifi^e 
Seben im letiten Qtiunbe auf bie flra^Ienbe, 
Sit^t unb SBdnne fpenbenbe Sonne gurü^U' 
fübren. 3m SiAte bei reinen Sernunft be« 
trachtet, etfi^eint baEier ber ®onnen-fiuItu9 
aI3 naturaUftif^erÜTIonotteilmuS nett 
beffer begrünbet alä ber antbropiftiftfte fflotleS» 
bienft ber Gbriften unb anberer ftuiturofliler, 
welche Qlott in Sltenfiliengeftalt fl^ norfteOen. 
SbatfS^id) boben aucb fi^on »or Sobrtaufen- 
ben bie Sonnen 'finbeter fl4 auf eine böbeie 
inteüettuelle unb moraltf^e SilbungSßufe ei* 
boben als bie meilten anberen Sbeiften- 31IS 
i4 im ERonember 1381 in Sonibaq mar, be> 
tra^tete iäf mit bei giSfiten Xbeilnabmt bie 
etbebenben Slnbai^tS • Uebungen ber frommen 
$arf1, meli^e beim Aufgang unb Untergang 
ber Sonne, am iDleerASftianbe flebenb ober auf 
ausgebreitetem Zeppi^ Inieenb, bem (ommen« 
ben unb f^eibenben XageSgefHm ibie S)er< 
ebrungbeamgtenOnbififteSHeifebriefe, IV-Hufl., 
S.56). ~ Beniner bebeutenb als biefer SoIanS- 
mu8 ift bei SunariBmuS ober Seleno- 
tbeiSmuS. ber Snonb-AuItuS; menn audi 
einige 9taturo0Itei ben Sftonb aOetn oIS @otl> 
bett oeiebien, fo raeiben bo4 mei^enS baneben 
notib bie Steine unb bie Sonne angebetet. 

ant^roptfttft^CT ntonotiteUtmu. 3)ie 
Seimenfi^Iii^ung @otteS, bie SBoiftellung, baft 
baS .^6S)fU 9Befen' bem S^enf^en gicicb emp> 
finbet, beult unb banbelt (roenn autii in ei- 
babenfter^orm^fpieltolS anlbropomorpber 
aHonotbeiBmuS bie grdfite SloIIe in ber 
fiuItuTgefcbi^te' Sor allen anberen treten 
bier in ben ^oibergrunb bie brei großen JReli* 
gionen bei mtbiteiranen EDlenfi^enart, bie altere 
mofatf^e, bie mittlere dtriftli^e unb bie jüngere 
mobammebanifcbe. 3)iefe brei gr ollen Snittel« 
meer'lRelieionen, olle biei on bei gefeg. 
nelen Dftlüfle beS intereffanteften oDer äJleere 
entftanben, aCe brei in dbnlicber SJeife oon 
einem pbantafleiei4en Seemänner femitifdiet 
(Baffe geftiftet, bongen nitbt nur öuSetlid) but* 
biefen gemeinfamen Hifprung innig jufammen, 
fonbem au4 but(6 joblreidie gemeinfame Süge 



114 



Sünfie^nttS flaptUL lEIolt unb 3Q(U. 



XV. 



i^rei inneren @Iau&enB • SorftcOunsen. Sie 
baä (S^riftentbum einen gToften XSeil feiner 
Snnt&oIOQie auS bem älteien Sufient^m biielt 
abetnommen bat. fo bat bei tüns<" Sälam 
luiebetum von biefen beiben iReliaionen niele 
Qibfdiaften beibebalteti. Sllle biei aRebiterran' 
Sleligionen raaien uifpiünQlid) rein mono' 
tbeiftif Al alle biet flnb [pötetbin ben mannifl- 
foltieften 7 Iq t ^ e i R t Tii) en Umbilbungen 
unteiUeen. ie roritei üe fld) junOt^fl an ben 
DieltbeiltRin fiüRen btS tnannigfa^ bendlteiten 
SnittelmeeriS unb Tobann in ben übiiaen Sib» 
t^Ien aufibieiteten- 

Der mofotoimu. Ser ifibtfc^ !DIono' 
lEieiSmue, nie Um ÜJtofeS (1600 not ßbt-) bc 
gifinbete, gilt gettiöiinltd) al§ biejentge ®IautienS< 
fom bei Stltett^ume, weldje bie tiG(%ße SSe» 
beutunn für bie nieiteie etbif<^e unb ieligi5fe 
Snlnictelung bei Snenfdi^eit belttt Ungraeifel' 
^aft iß i^T biefer bolie ^iftorifi^e SBertb fi^on 
be§tialb jujugelieiien, raeil bie beiben anbeien 
roeltbeberrldienben Snebiterran'Steligionen auS 
ibt tiemorge gangen finb; (i^iiftuS Rebt 
ebenfo auf ben @d|ultein von atofeB, rote 
f;iäter Dllobammeb auf ben Sc^uitein Don 
(SbriRuB- (Sbenfo rubt baB 91eue Xeftament, 
roeId)eSinbeiftiriert3ei'fpanneiionl9003abren 
baS ©taubeuB-Sunbament ber b&dlftentniitf eilen 
^uUui^aUölFec gebilbet bat, auf bei ebrroüibigen 
!6afig beB SllCen XeftamentS. ißeibe jufammen' 
genommen baben atB ^ibel einen @influ6 
unb eine Sierbteitung gewonnen n»ie (ein 
anbereB iSuät in bei; aSelt. Xbntfö^Iiä ift ja 
noi^ beute in geroiffer ^ejiebung bie IBibel — 
tioft ibret feltfamen SHif^ung auB ben beflen 
unb ben fi^Iei^teften ißeftanbtbeilenl — baB 
,SBud] ber SüAer*. Senn mit aber biefe 
merlroürbige ©eft^icbfBqueUe unbefangen unb 
norurtbeiiaioä prüfen , fo flellen ^äj otele 
niii^tige ißegiebungen gona anberB bar, alB 
überall gelebrt wirb- %aä) bt« bat bie tiefer 
einbringenbe mobeme Ärilit unb Äultur=ISe« 
fdiidile mistige 9Iuffi!|lüffe geliefert, meiere bie 
geltenbe £iabition in ibren ^unbamenten er* 
fi^üttern. 

Ser SnonotbeiBmuB, mie ibn aRofeS im 
3e^0Dab*S)ienfte ju begrünben fut^te, unb mie 
ibn fpäter mit grogem (Srfolge bie ^lopbeten 
— bie $biIofopben ber Hebräer — auBbilbeten, 
batte urfprüngli^ barte unb lange Rümpfe mit 
bem berrfi^enben älteren ^olqtbeiBmuB ju be> 
flehen. Urfprüngli^ mar Sebooab ober 
^apbeb auB jenem ^immelSgolte abgeleitet, 
ber alfl Sßoloi^ ober äflaal eine ber meiftcer- 
ebrlen otientalifi^en ®ott6eiten mar (©etboä 
ober Iflpbon ber ©aW«, SatumuB ober 
ÄronoB Ber ©liei^en). Sie nielbefpro^enen 
gorffibungen ber mobernen älff^riotogen über 
.iÖibel unb äöabel' (Selitfi^ u. 91.) baben 
gelebrt, ba| ber monotbciflifi^e ^apbeb'@laube 



ftboH fange vor 97tofeS in Sobqlon beixii^dj 
mar- daneben tibn blieben anbere @ittn 
Dielfa4 in Itoiftm Xnfeben, unb ber Aamsl 
mit ber .SbgSIteret' beftanb im iübifdben SoUt 
immer fort- Sro^bem bliä im ^rincipt 
Sebooab bei alleinige @ott, bei im erßen ia 
sebn @eboteano{i8 auBbrüttlidi fugt: ,3(b Mn 
ber fierr bein @ott, bu foIlB nic^t anbtie 
@5tter baben neben mir-' 

Das <C^ftent^nin. £ei4ti91i4eanonix 
tbeiSmuB tbeilte baS S^idfal feiner SRutler, M 
räofaiSmuB, unb blieb wabre ISingittei« 
meiftenS nur tbeoretifd) im $rincip, roäbreni 
R ptaftifc^ in bie mannigfaltigjten formen 
beS tßoIqtbeiBmuS fldb oenoanbelte. Sigenllidl 
mar }a fi^on in her Srinitütäleöre felbft, bi« 
bo4 als ein unentbebrlii^eB Sunbament bet 
diriftUi^en Sleligion gilt, bei ^onotbeilntui 
logififieT Seife anfgcgeben- I)ie biei ^ei- 
fönen, bie afB Sater, €obn unb heiliget 
@eift unterfdiieben merben, ^nb unb bleititn 
ebenfo biei ncif^icbene ^nbioibuen (unb 
jmai antbropomoTpEie Verfonen I) nie bie bcti 
inbifdien ©ottbeiten ber Xrimuiti (Sratmiv 
Sifibnu, Si^iroa) ober nie bie Xtinitdt bu 
allen SebrAer Olnu, Sei, 3(o). Soju fcnnntt: 
noi$, bag in ben meiteftDerbreitelen Slbattsi' 
bei ^riftianiSmuS aI3 nieite ©ottbeit ^\ 
Sunafrau SDlaria, alB unbefledte aMiittei &0<\ 
eine gro^e Rolle fpielt; in netten latbolifito'i 
Greifen gilt fie fogar alB Piel roii^tiger iinl 
einflugreii^ei nie bie brei männlichen $erfaiun 
ber Fimmels 'Stegiening. 2)er anabonnefl' 
AuItuB bat bier tbatfäi^Ii^ eine foli^e Se- 
beutuna geroonnen, ba^ man ibn alB ein« 
meiblidien SRonotbeiBmuB bei getDÜDi'; 
litten männlii^en S^orm bei @tngÖtterei gegen'' 
über ftellen tann- 3>ie .be^re ßimmelBtSnisii' 
eifc^eint biei fo febi ini ätoibeigiunb aller Bot- 
ftedungen (mie eS au(^ unjö^lige snabonnen^ 
Vilbel unb Sagen bejeugen), ba$ bie bni 
männlti^en ^eijonen bagegen gonj )utü<l' 
tieten- 

Sßun bat fi* abei außeibem fifton fiü^ 
geitig in ber ^bau'afie bei gläubigen fSA^W 
eine gablteitbe ©efeHfi^aft non ,6eilia"' 
aQei SEil gu biefei obei^en OinimelB'ERegiennig 
gefeilt, unb ntufitalifcbe @ngel forgen bifüti 
bau eB im .eroigen Seben' an Äonjert.®BnflfI« 
nt^t feblt- S)ie römif^en ^äpfte — bie giB^ 
SbarlatanB, bie jemalB eine 9)eIigion Ikt»i^ 
gebtoAt botl — Unb beftänbig beftiffen. tut" 
neue ^eiligfprei^ungen bie 3abl biefei antbi'»"'' 
moipben ^immelB'Xiabanten gu oemietiien- 
Iien rei^fJen unb inteieffonteften 3unm4S W 
aber biefe feltfame $aiabieB • ©efeOfi^aft o" 
13- Suli 1870 babur^ betommen, ba^ i«i 
oatüanifdie ftoncil bie »äpfle alB SteUoertiet« 
©brifti fttt unfebibot ermrt unb fie banui 
felbft jum Stange von ©ettein erboben 4ii^ 



Sünfjc'^ntee ffopttet Sott unb SBcIi 



115 



mmt man Iiaju noi$ Den oon i^nen atiei* 1 
inten ,periönlt(^n S^euM' unb bie «bSfen 
lid', loelAe feinen ^offtaat btiben , fo ä'' ' 
Üit uns ber $iipi3muS, bie (eute not^' 
iftoertiietletc S^oim beS mobemen S^riften« ; 
itnS, ein fo bunteS iQilb bed reii^ften ^olif 
eiSmuS, bag ber ^eHenifi^e Olijmp baoegen 
in unb bfliftiß etft^eint. 
Der Sslatn (ober bet moHntmebani' 
c affonot^etämue) ift bie jünQfte unb 
lleic^ bie reinfte ^onn bet GinaStletei. ffltä 
Junge SDlottammeb (gell. 570) frü&jettiB ben 
'qt^et^ifi^en @3genbtenft feiner arabifi^en 
nmmeSeenofTen vecaditen unb baä S^tiften' 
.nt ber 9Ieftorianei lennen lernte, eignete er 

3mar beren @runble^ren im ungemeinen 

er tonnte fi<^ aber nii^t entfdilie^en , in 
riftuS etmaS Slnbereä gu erbliden aI3 einen 
op^eten, gleii^ 2to[eS. ^m Dogma ber 3)rei' 
igleit fanb er nun baS, mai bei unbefangenem 
4benlen ieber oorurt^eilSfieie STlenfif) barin 
ben mu% einen roiber^nnigen ©laubenSfat), 

ivebet mit ben @runbfä^en unferer ^er- 
[tft oeieinbat noc^ für unfere religibfe Sr- 
lunfl oon irgenb nwlt^em ffierl&e ift. 2)ie 
:betung ber unbeftettten Sungfrau iPtaria 

ber .SRutter ©otteB' betrai^tete er mit 
il)t ebenfo als eitle Sagenbienerei mie bie 
reftrung ton aSitbem unb iSilbJfluIen. 3e 
10« er baiüber Rad)bai$te, unb te meE|t er 
i) einer reineren ®otteS'9}or|teUung binftiebte, 
to Ilarer nurbe ibm bie @en)it^eit feineB 
m>tfatie3: .@ott iR ber alleinige ©otf; eS 
bt feine anberen @0tter neben i^. 
SlOeibingS lonnte aui^ Sllogammeb fld^ non 
n 3[nt|roi)onior|)(|ii^muS bei ©otteS'Sor* 
lung nic^t frei matten. 9tui$ fein alleiniger 
itt blieb ein ibealiflrler, aÜniat^tiger ütenfc^, 
mfo nie ber jlrenge, ftrafenbe @Dtt beB SRofeg, 
info niie ber milbe, liebenbe ©ott beS S^riftuB. 
«r tro^bem ntüffen mir ber mobammebanifi^en 
ligion ben ^otgug laJTen, ba| fle au<^ im 
irlaufe tbrer ^iftortfdien Sntmidelung unb 
; unoermeibli^en Slbaitung ben ß^aratter 
I reinen SRonotbeiSmuS oiel Rrenger 
loabite als bte mofaifc^e unb bie d^riftlii^e 
Jtaion. SaS jeigl flc^ au^ beute noi^ äu|er> 
I) m ben SebetB-gotmen unb ^rebigt-aßeifen 
«B ffultui, mie in bet Ätd|ileltut unb StuS- 
mfitfung ibter ©otteSbäufer. aiI8 i^ 1873 
m erften Sffale ben Orient befut^te unb bie 
rrlidien SKof^een in Jtaito unb ©mijma. in 
cuffa unb fionftantinopel bemunbette, etfÜKten 
iA mit roabrei Hnbac^t bie einfa^e unb ge> 
ima^aüe Sefotation be8 Innern, ber er> 
ibene .unb auglei4 piA^tige aii^iteltonifdie 
4inucl beS Steu^etn- äBie ebel unb ergaben 
T^cinen btefe ÜDlaf^een im Setgleii^e gu ber 
' 'njalil ber Iatf|olifil)en 5tirdien, mel^e innen 

bunten Silbern unb golbenem ^litterlram 



fiberloben, au|en burifi übermSSige 0ülle von 
Wenf^en- unb Xbier-^iguren oerunftaltet ftnbl 
9Iicf)t minber erbaben erf^einen bie ßiQen ®f 
bete unb bie einfachen ainba^ti^Uebungen beS 
£oran im Sergleidie mit bem lauten, unpet* 
ftanbenenSSiorlgeplapperberlatboIifi^enSFtefFen 
unb ber lärmenben Slhili! i^rer tbeattalifi^en 
¥rocetfionen. 

imYöt^efcmti« (anif^gBiteiei). Unter bie- 
fem 93egriffe tann man füglic^ aQe biejenigen 
formen beB ©ötterglaubenB jufammenfaffen, 
mel^^e IDlif jungen bdu teligiöfen Sor- 
fteüungen oerfc^iebenet unb jum Ibeil birett 
mibetfptecbenbet Slrt enttialten. S^eoretift^ ifl 
biefe njeiteflüerbteitete SBeligionBform bisher 
niigenbS anertanni- ^rattifi^ aber ift fle bie 
nii^tigfle unb metimürbigße von aQen. 3)enn 
bie groge Stebrjalil aller Mtnffiitn, bie fld| 
Oberbaupt reltgiSfe 3}orfteIlungen bilbeten, maren 
tion te^er unb ftnb no4 beute ÜHisolbeiflen; 
ibie ©otteS'Sor^ellung ift bunt gemifi^t au3 
ben frü^jeitig in ber ßinbbeit eingeprägten 
©laubenBfätien ibrer fpecieQen Aonfeffion unb 
auB Dielen cerft^iebenen @inbrürfen, nel^e 
fpäter bei ber Slerü^rung mit anberen @IaubenS' 
formen empfangennerben, unb mel^ebieerfteren 
mobiflciren. Sei oielen @ebilbeten (ommen boju 
noäi ber umgeftaltenbe Einfluß pbilofopbif^er 
Stubien im reiferen ätiter unb uoi jlllem bie un- 
befangene Sefi^aftigung mit ben (Srf($einungen 
ber Sialut, melcbe bie Ülii^tiflleit ber tbeiflifi^en 
©laubenBbilber batlbun. 2)er Äampf biefer 
ntiberfptecbenben SJotfteHungen, nielt^er für 
feiner empfinbenbe @emütber dußerft fi^merg' 
ii(^ i^ unb oft baB gati^e Seben binburcb un> 
entfdiieben bleibt, offenbart fiaz bie ungeheure 
Onai^t ber SQeterbung alter ©laubenSfä^e 
einerfeitB unb bet frübieitigen Slnpaffung 
an irttbümlicb« Seiten oubererfeitB. Sie be» 
fonbere JConfeffion, in iveC^e baS J!inb uon 
frfibefter 3ugenb an burdi bie Sltetn ein» 
g^radngt »utbe, bleibt mei^enB in ber ßaupt» 
fa^e ma^gebenb, faQB ni^t fpäter burdb ben 
parieren Sinflul eineS anberen ©laubenS- 
betenntniffeS eine ßonoerflon eintritt. iUber 
aiiHi bei biefem Ueberttitt von einer ©laubenB- 
fona jut anberen ift oft bet neue ?tame, ebenfo 
n)ie ber alte aufgegebene, nur eine äußere Sti- 
lette, unter meli^er bei näherer Unterfucbung 
bieaäemerfdiiebenftenllebergeugungenunbSrr- 
tbümer bunt gemif^t fi^ oerftnten. 3tie gro|e 
SJtebrjobl ber fogenannten Sbnften ^nb nidit 
^Dtonotb elften (mie ile glauben), fonbem Enipbi- 
täeiften, Zrtplotb elften ober ^olqtbeiften. 3)a3- 
felbe gilt aber aucb von ben ^etennem beB 
SSIam unb beS SItofaiBmuS, mie ton anberen 
monotbeiflifc^en {Religionen. UeberaÜ gefeKen 
fidi au ber urfprQnglii^en SorfteQung beS .all- 
einigen ober breieinigen @otte3* fpäter et* 
morbene ©loubenBbilbei non untergfotbneten 



116 



Sünfje^ntti gupttd ISolt unb äBt». 



XV. 



QloUteiteii: engeln, Zeufeln, Snlinen unb 
anbereti Sämonni, eine bunte äRift^ng bei 
oeiTiiiiebenfltn t^eiRifdim Odtallfn- 

IDefett 6cs IT^eismu«. tllle (in an- 
gefüllten Sonnen beS S^nSmuS im eigent' 
liAen Smtu — aleic^iiiel, 06 biefer ®otte$< 
glaube eine natuialiftir^e obei antliropiftifi^e 
S^onn annimmt — fiabeit gemeinTam bie fßox- 
rteKunfl QtotteS aI9 beS !tn(eineltli4en 
(Eztrummdanom) ober Uebcxnatütlidier 
(Sopmifttimae). Shnmer ^t @ott alB felbD- 
ftOnbigeS ffiefen bct äßelt ober bei Statur geeen« 
Ober, meiflenS ai9 @4(ipfei Qibalt« unb ERe« 
Oieter bet XBelt- Sn ben aUcimeiften Slelieionen 
tommt boju tioäi bei ^Utatatttt US $eif&n< 
li<^tn unb beflimmtei nix^ bie Sotitellune, 
baf ®ott als $eifon bem ürtenf^en &bnlic6 i$- 
,3n feinen @ättent malet P4 bei 9nenfd|.' 
3)iefeiStntio;iomot|if|iSmu 3 Zottel obci 
bie antbiopifttfi^e äJoiftcSung etne< Iffiefeni, 
nrel^cS glti^ bem SRenft^n bentt, empflnbet 
unb ^anbelt, tft bei bei giogen Sne^a^l bei 
©olteSeiaubieen maggebenb, balb in mebr ittb^ 
unb noiwi, balb in mebi feinei unb abfitattei 
iJorm. ^DeibingS roiib bie foitgefdiriltenfl* 
(foim bei Xbeoropbie bdiaupten, bag @ott aI8 
bbi^ReS SSefen son obfolutei 93olllommenbeit 
unb bobei edn}Ii(!) von bem unooDIommenen 
SBelcn bd Oncnfcben oeifc^ieben fei. SIbin bei 
genauem Untcifu^ung bleibt tnimei baS ®e- 
mcinfanu Setbei i^ie Seelen* ob« ®etfteg- 
tbätiglett. ®ott empflnbet, bentt unb fianbelt 
toie bei SRenf4. nwnn auÄ in unenbli^ «oll« 
lomnuneiei iioxm. 

De« pcrlSnltt^c An^o|>tnnu» Lottes 
tft bei bei eioEten ÜRebijobl bei ©laubigen ju 
etnei fo natfiili^en SoifttÜung gemoiben, bag 
flc leinen Mnfto^ an bei ntenfäi(t4en Sßeifiini' 
fitation ©ottefi in Oilbent unb Statuen nehmen. 
unb an ben mannigfaltigen Slii^tungen bei 
^^antafte, in melden ©ott menfAlic^e @eftalt 
annimmt, b. i. 114 in ein SBirbeltbiei oei' 
nianbelt- 3n sielen Sn^t^en eif^eint bie Werfen 
®otte9 aud) in @e|tclt anberei Sduqet^ieie 
(Hffen, Sömen ©tieie u. f- »■). feltenet in ®e- 
jtalt oon StOgeln (Slblei, Xauben, Stärke) ober 
in goim Don anbeten äSiibelt^ieien (Schlangen, 
fliotobile, I)iad|en). 

3n ben bi^fl^nn unbabthaltennfHeligianS- 
jjormen mitb biefe KxvttlÜke (Sifdieinung auf« 
gegeben unb @ott nui als .leinei ®eift' 
obne fl5ipei veiebit .©ott iß ein Q)ei^, unb 
»et ibn anbetet foll t^n im ©etft unb in bei 
Sßabtbeit anbeten.' Itojjbem bleibt abei bie 
©eelentbdtigkit biefeB reinen ©eifteS ganj bie« 
felbe roie biejenige bei antbiopomoipben ©otteS- 
$eifon. 3n SJitni^Ieil roitb auüi biefei im- 
mateiieüe Oeift mdjt unlörpeilitb , fonbein 
unfli^tbai gebac^t, gaafbimig- ffiii gelangen 
fo JU bei iiaiabosen SorfteUung ©ottei al3 



eines fogenannten .goSfSimigen SBiibeN 
tMcieS' (1866). 

n. Pantheismus (KO'einS'Se^ie): ®ott 
unb^elt finb ein einjtgeS!Kefen. Sei 
aSegiiff ©Ott« fallt mit bemjenigen b« Äa- 
tui ob« b« ©ubftanj aufornmen- 3)ief« 
pantbeilHfc^e Sieltanfdiauung flebt im Vrinctp 
fämmtli^en angefül)iten unb allen fonft not^ 
mOglit^en ^oirnen beS XbeiSmuS fd)roft 
gegenüb«, mentr.glei^ man but^ Sntgegen' 
lommen oon beiben ©eiten bie tiefe fliuft groi- 1 
ft^en beiben ju fibetbiuiJen fldj oielfa^ be» ; 
mü^t bat Smmei bleibt jnif^n beiben bei| 
funbamentale ©egenfa^befteben, bag im £ ( ei S< ] 
muS ©Ott als e^tiomunbaneS SBefen bet'j 
9Iatui ft^affenb unb «baltenb gegenüberftebt '. 
unb Don au^en ouffie einmiitl, mdbienb im l 
$antbetSmuS ©Ott olS intiamunbaneS J 
ißefen aüentbalbcn bie 9tatui felbft ift unb im 
Innern bei Subftanj alS .fliaft ob« ©nei* 
gte' t^dtig ift. Siefe legteie Knfi^t allein iß 
oeieinbar mitienembS^fttn Staturgefe^, befTen 
(Eitenntni^ einen b« giB^ten Ziiump^ beS 
19. 3a(|TbunbeitB bilbet, mit bem Gubftant» 
©efete. Sobei ift notbmenbigei SBeife bei 
Pantheismus bie9BeItanfd)auung un* 
feiet mobeinen Siatuimiffenf^aft. 
gieilti^ giebt eS autb beute nodi ni^t menige 
^atuiforftfiet, roel^e biefen ©oft beßteiten unb 
roel^e meinen, bie alte tbeiftifi^e ^euitbeilung 
beS Snenf^en mit ben oantbeiftif^en @cunb> 

Sebanlen beS ©ubftana-@efeieä oereintgen ja 
Bnnen Snbeffen beruben aUe biefe oei' 
gebli^en Oefttebungen auf Untlaibeit obei 
änfonfequeni beS SentenB, fallB fle überbauet 
oufiid^ig unb ebili^ gemeint flnb. 

Sa bei $antbei3muS etft auS bei gc 
läuterten Siatuibetiai^tung beS benlenben 
jtultutmenfiben benor^eben Tonnte, ift « bc 
gieiflicbei Seife oiel iünger alS b« SbeiS* 
muS. beffen lobefte ^»nnen ddin fcbon ooi 
mebi als jebntaufenb Labien bei ben inimi' 
tiuen StatuiDOlCein in mannigfaltigen SJaiiO' 
lionen auSgebilbet muiben Senn au4 in ben 
elften 31nfängen bei ^bilofopbie bei ben dltcften 
flultui-Sßailern (in Snbien unb Sgqpten, in 
Sbina unb 3apan) fi^on mebiete 3d6itauftnbe 
001 SbitßuS Äeime beS $antbetSmu3 in oef 
ftbiebenen ReligionS-Soimen eingeRieut |l(b 
finben. fo tritt bot^ eine bettimmte Tibilofop^ifiiti 
gaffung beSfelben etft in bem©DlojoiBinul 
bei ionifc^en Slatuipbilofop^en auf 
in bei elften $&Ifte beS fediften SobibunbetlB 
not Sbi' Sne gto^en Senfet biefei fSHUkt- 
$eiiobe beS beüentf^en ©eifteS übeitagt bei 
gemaltige Slna^imanbei von SFtiletp bei bie 
piincipietle Sinbeit beS unenblidien SBell' 
gangen (Apeiros) tiefet unb Hat« erfa^e 
als fein Sebrei SbaleS unb fein BäiÜtt 
ainastmeneS. Sli^t nur btn gio^n 0c> 



g^ünfjc^ntei Xtapitü. Sott unt> SJelt 



117 



lunhn bet utfpTüngU<!^en Sinket t be9 Ad9* 
ntai, bei Snlnitdelung aller @r[^einunsen 
ntS her Wlei butdibringenben Qtmateiie, 
^tle Slna^imanbeT beteiti auBgefpro^en, 
Fnnbem au^ bie lüline ^otfleCIunQ von ga^t- 
loFen. in petiobif^em l^e^fel mtftelienbm 
mb Derge^enben ^eltb Übungen. 

^näi otele oon ben foleenben orofien $^iIo' 
fopien beS Hafllfi^en 9lltettl|um8 , Dor Mllen 
StmotritoS, £eiafIito3 iinb @mpe> 
kcIIeB, liatten in gleit^e"! ober äönlicöem 
Sinne tief einbtiiigenb bereits jene ©in^eit uon 
Sahir unb ®ott, von ÄÖrper unb Seift erfaßt, 
nri^e im ©ubftang>®efeSe unfeieä öeutiflen 
SloniiStnuS ben bejlimrateften SluSbrurf ge- 
nionnen ^at- 3)er ßroSe r&mift&e 3)ii^ter unb 
Salurp^ilofop^ SucretiuS 6aru3 fiat tl|n 
in feinem berühmten Se^rgebii^te „De rerum 
EBtora'' in })0(ii9otti\ä)tx gorm bargefteltt. 
IQein biefer natunoabre pant^eiftifi^e ÜÖIoniS« 
nul nmtbe balb gang guiüctsebränet buri^ ben 
iiti)M(E|en SHtaliSmuS Don $Iato unb be* 
fonberS burti^ ben geroaltigen @influ^, ben feine 
tl<eali|hfd^e ^^ilofop^ie burdi bie äierTi^nielgung 
mit ben tdriftli^en @laubenBIebren geraann- 
X[3 fobann beren mät^tigftei Hnnialt, ber 
tümifc^e ^opfl, bie geiflige SSJeltberrf^aft ge- 
Dann, nnirbe ber ^antbeiSmuB getualtfam unter- 
biüA; Siorbano Sruno, [ein geiftnallftec 
Strttetet, nturbe am 17. Jebruar 1600 auf beut 
Scmpo ^ion in ^om oon bem .@teIIoeitretei 
flotteä" lebenbig nerbrannt. 

ern in ber jnieiten Sdlfte bcB 17. 3af|t. 
^nbertä rourbe buri^ ben großen SSaru^ 
Spinoja baä Softem beB Santfieiämirö in 
icinfter Sorm auBgebitbef; er fteÖte für bie 
Sefammt^eit ber Sinfle ben reinen ©ubflanj» 
Segiiff auf in reellem ,@ott unb Sfflelf 
untrennbar oereinigt finb- SDäir tnSffen bie 
ftbifteit, ©if^etlieit unb Sotgerirfitigleit beS 
moniftififten ©uUeinS oonSpinoja ^eute um 
!n me^r berounbem, alS biefem geroaltigen 
Benter »or 250 Sauren nod| alle bie fiätextn 
fBptrif^en Suntianieiite fe&Iten, bie mir erft 
in bet jroeiten ©äffte beB 19. 3alirfiiinbett§ 
gemonnen ^aben. SaB SBer^ältnig oon ©vi' 
nsga gum fpSleren SnaterioUSmuB im 

18. unb gu unferem beutigen 2floniBmu3 im 

19. Sabt^nnberl baben mir bereits im erften 
ftipitel befpro^en. Quz meiteren IDerbreitung 
btifelben, befonberS im bcutfc^en ©eifteSleben, 
feoben cor aiüem bie unBerbU^en SHJerle un- 
ftitB sT5|ten 3)ic^terS unb 3)enferB beigetragen, 
Solfgang ®oetbe- Seine ^errlii^en 2)ii$< 
tungen ,@ott unb 9SeIt', ,$rometIieuJ', 
.^au^' u. f ni. b&Ken bit ®runbgeban!en bäS 
fontbeiSmuS in bie DoUtommenfte unb f^infte 
biditerif^e Sorm. 

Sie ^ejiebunaen unfereS beutigen SRoniS' 
ul gu ben frfi^n pbilorovbif^en Sqftemen, 



fomie bie niiiljtigften Orunbäüge DOn beren 
6ifti)tif^er dntraidelung, finb in bem uortreff' 
Miim .®runbriß ber ©ef^icble bet ^Silofoptiie' 
von ^riebri^ äbeiroegeingebenb bargefteltt 
(5rieunte aufläge, bearbeitet oon aJlaj ©einje- 
Setiin 1902). dine rorttefflii^e llare Uebetfliftt 
berfelben — gemifierraaaBen eine .©tamraeS« 
gef^itbte ber SBelträtbfel unb ber äierfui^e gu 
Uirer fiöfung' — bat tri& © ^ul^e (SteSben) 
in feinem „©tammbaura ber ^bilofopbie' 
gegeben; ein ,S:abeDarif4'©^ematifi^er®runb- 
xii ber ®ef t^ic^te ber 5ßbiIcifi>P()ie »on Sei ©riedien 
bis gur ©egenniQrf (Seipgig, U. HufL, 1899). 

AtlteUmus (,bie entgätlerte SBeltanftfiau. 
ung'). @S fliebt (einen ®ott unb leine 
®Stter, falls man unter biefem aSegtifT verfön- 
lic^e, außerhalb bet Statur ftebenbe SBefen oei< 
liebt SJiefe .gottlofe aSeltanfiftauuna' 
fäUt im äBefentli^en mit bem SRoniSmuS 
ober SßantSeiSmuS unferer mobernen Slatut- 
roiffenftbaft jufammen ; He giebt nur einen on. 
beren auSbruiJ bafür, inbem fle eine negatitie 
Seite berfelben beroorbebt, bie iRii^t'SfiBena 
her ejltttmunbanen ober abemalürlicben ©ctt« 
beit. 3n biefem ©inne fagt ©cbopenbauet 
gang riditig: „$antbeiSmuS ift nur ein 
bBfli(ber MtbeiSmuS. 2)ie SßJabrbeit beS ^an- 
tbeiSmuä beftcbt in ber Kuföe&ung beB bualifti« 
fi^en ®egenfat(eB groift^en ©otl unb SSelt, in 
ber Stlennlniß, baß bie ^elt auB ibrer inneren 
Kraft unb butcb fi^ felbß ba i|t. 3)et @a^ 
beS VantbeiSmuB : ,®Dtt unb bie 3BeIt ift SinS' 
ijt bloß eine bQflii^e 9Benbung, bem Siettgott 
ben Stbf^ieb gu geben." 

^abi^cnb beS gangen OnittelaltetB, unter bet 
biutigen S^tannei beB ^apiSmuS, routbe bet 
SItbeiSmuS afö bie entfe^Iii^fte gorm bet 
SSieltanfi^auung mit ^euer unb ©i^mert oei- 
folgt 3)a ber „®ottIofe" im Soangelium mit 
bem „SSfen" fcblecblnieg ibentificirt unb ibm 
im emigen Seben — bloß niegen „®IaubenB- 
mangels"! — bie ©BlEenftrafe bet eniigenfflet« 
bammniß angebrobt roirb, ift eS begteifli(bi baß 
ieber gute Sbrift felbft ben entfernten 9)etba4t 
beS ^tb^iSmuS ängftlii^ mieb- Seiber Befl^t 
auc^ beute no4 t)iefe Sfuffaffung in meiten 
Sreifeti fort Sem atbeiftifi^en 9tatuf 
forfiber, ber feine fttaft unb fein Seien ber 
Stforftbungber aBobtbeitroibmet, trautman 
non oornberein aÜeS S8Bfe gu; ber tbeiftiftbc 
ßir^gänger bagegen, ber bie leeren Eeiemonien 
beS papi^if^en ^ultuS gebantenloS mitma^t, 
gilt fi^on beSmegen alB guter ©taatSbflrget, 
aud) menn et ft(b bei feinem @lauben got 
niibtS benft unb nebenher bet oetroerfli^ften 
anotal bulbigt Biefer 3rrtbum mirb flft etil 
Iläten, roenn im 20.gtabrbun5«rtberbetrfd)enbe 
Slbetfltaube mebr ber pernttnftigen SRaturet- 
lennlniB roeidit «nb ber mouiftififien UeBet. 
geugung bet @inbeit non @ott unblffielt 



118 Sef^je^nttS AapitcL ÜBilftn unb Qloubtn. 

Se^3el)ntes Kapitel. 
tDiffen un6 Glauben. 

ntoniftift^e Stubien über (Erkenntnig &er tDa^r^ett. Simtest^ätigbeit unt> Dernun^< 
t^ättgfteit (Blauben unb flberglouben. Crfaf)ning unb (Dffenbarung. 



3n4aU: Sifrantnifj b« SDa^i^t unb i^ Outllcn: Siniult^tiQltU unb Slffacion bn aisu 
iltUunflni. Sinntloigont (Oeft^ctnt) unb Sentoigant (^^onflen). Sinnrtotgant unb iifit \ptd\\W 
SntTQU. Sntttidtlung brntlotn. 94iIo|opbU bn €innli(|bit. Unfc^ftbam SSrrt^ bn Cintu. 
Sttnam bn flnnlit^n Immntnil. tobotW' "ub glaube. Ifeot« unb SlauSt. ^tincipitlln 
Stgmfab jnifc^m wifl«tf4aftl{4tttt (nalfliü^m) unb tcHaifilcm (übnnattTlic^nn) ffilaubnt. 9brr- 
glaubt bn naturbCKn nnb ftuttutbbRn. Slaubntd'EStunntnHfe. Aonfctfionlfalt S^ult. Sxi 
Qtlaubt nnfnn SUtn. Spititiimnl. Onntbarung. i 



mt nxbnt nagtet ZBitfcnf^aft aiftt auf 
eitenntnig bn Sta^ibeit. Unfn e^teS unb 
ntrÜivoUii SBiffen ifl realer 9IatUT unb Befielt 
au8 SSorftellunem, meiere nirtltiii e^ilttcenben 
2)ineen entfprei^en. 3Bii; flnb jraar unfähig, 
baS innetite 3Be[en biefer realen 3St\t — Mi 
3)in8 an fl(^' — ju ntennen; ober unbefangene 
unb tritif^e ISeobai^tung unb Dergleii^ung 
fibe[}eust utiS. bal bei normaler ^ef^affen^eit 
be8 @e^irn$ unb ber ©tnneSorgane bie Sin- 
brütte ber SlußenneCt auf btefe bei allen ver- 
nünftigen ajjenfcöen biefelben Rnb, unb ba& bei 
nottnaler gunltion bet Senloigane bepiramte, 
überall gleidie SSoiHellungen gebilbet raerben; 
btefe nennen mir nia^r unb ftnb babei fibei* 
geugt, ba| i^i ^n^alt bem eilennbaren Sfieile 
ber Singe entfpric^t. SBir roirfen, ba^ biefe 
X^atfai^en nid|t eingebilbet, fonbem roirflid^ 
flnb. 

<Erftenntnf%*Queneit. ülle Srienntnifi 
bet äBabr^eit berubt auf groei oerf^iebenen, 
aber innig gufammenbängenben ©ruppen oon 
pb^ltologifi^en ^unttionen beS JÜtenfäien; 
erftenS auf ber ßmpfinbung ber Obielte 
mittelft bet ©inneBt^etigfeit, unb jroeitenB ouf 
ber Serbinbung ber fo genionnenen ©inbrörfe 
burift ttffotion jut aJorflellung im Subjett 
21ie ^erfgeuge ber @mpf!nbung Unb bie 
CinneBorgane (Sensülen); bie SBerljeuge, 
mel^e bie Sorfteüurtgen bilben unb Derinöpfen, 
Jlnb bie iBcnloTgane (Phroneten). äJiefe 
leiteten flnb Zueile beB centralen, bie etfleren 
fiingegen Zueile beB peripbeten 9IeiDen' 
f p II em B, teneS loiditigRen unb böcöftentwiifelten 
Crgan-SnftemB bet oberen Ibiere, roeläieB 
einjig uiw aDein beten gefammte Seelen- 
Ibätigfeil nermittelt. 

Sinneforsone (Sensilla). Sie Sinnes- 
tb^tigteit beS Snenfdien, roeli^e ber e r ft e 
SluSgangBpuntt aller @rlenntiit| ift, 
bat fic^ langfam unb aUmäblii^ auB berjenigen 
bet nai^itoermanbten Siluget^tere, ber Primaten, 
entrotctelt. 3)ie Organe berfetben pnb in biefer 
böi^ftentroiifelten Sbietllaffe überall non »efent- 



[i(E| gleichem !8au, unb i^e ^unttion erfolel 
überall notfi benfelben pb^jHalifi^en unl 
diemift^en Qtefe^en- Sie b^ben ^^ oOentJ 
falben in berfeäen SBeife ^ifloiif^ entmidelt 
3Bie bei allen anberen Sbieren, fo Unb mät 
bei ben Sllammalien aüe Seitflllen urfprüngli^ 
S^beile ber Sautbede, unb bie emp^nbli^eni 
deQen ber Obetbaut (Epidenois) ftnb bit 
Üreltem aller ber oetfi^iebenen Sinnesorgane, 
niel^e bur$ Snpaffung an oerTi^iebene ^eije 
(Siebt, aBörme, ©c^üfl, Sfiemopatboä) ibre fpe. 
jiflfcbe Bnngie erlangt baben- SontobI b« 
Stäbc^engeUen ber 9tetina in unferem Sluge 
unb bie ©BraeHen in ber S^netfe unferö 
O^reS, als au4 bie ERie^eOen in bet 91a[e 
unb bie Si^medieHen ouf unfetet Sunfit 
Rammen urfpcünglic^ oon jenen einfatben 
inbiffetenten gellen ber Obetbaut ab, neli^c 
bie gonje Dberfiäi^e unfereB flatperä über- 
aieben. Siefe bebeulungBooQe Ibatfoifee mitS 
butt^ bie unmittelbare ESeobaditung am @mbti|o 1 
beB SDlenfcben ebenfo »ie aUer anbeten Stbi«"' 
bitctt beroiefen. WuB biefet ontogenetif^sn j 
Ibalfacbe folgt ober nai^ bem biogenelifdien ; 
(Stunbflefe^e mit Sicbetbeit bet f olgenfiJiroere i 
pbulogenelif^e ©i^lu6, baS auiti in ber langen] 
SWmmeBgefi^iibte unfetet SGorf obren bie bäb««" 1 
Sinnesorgane mit ibren fpecieüen Snergien i 
urfptüngli^ auB bet Obetbaut nieberer 3Si(W j 
entftanben Unb, auB einet einfa^en geDen-' 
fc^i^t, bie nocb leine folc^en gefonbetten Sch' ' 
Iiaen entbielt. 

Spccifift^e (Enersie ftct SenfUlen. ' 
Son gtbEltet ^ebeutung füt bie menfi^lit^e Si' i 
lenntni^ ifl bie Stbatfa^e , bag serfdiietieni 
Sternen unfereB ftUtperS im Staube Pnb, ganj 
oerfibiebene Oualitäten ber äCu^enroeÜ unl 
nut biefc toabtgunebmen. 3)et Sebnero tti 
augeS oetmittelt nur fiii^lempflnbung, tn 
SStnem beS ObteB nur Sc^aKempfinbunB, bd 
Sieibnetn bet Siafe nut ®etu(i|Sempfiiibun9 
u. f. w. ®Ieii^DieI tnel^e iReiae baB einjelne 
®inneBroer!jeug treffen unb erregen, ibre ^t' 
tion bagegen bebält biefelbe Qualität. 8ul 



Ixvi. 



6e4)t^ntt3 ffapttcL aBt|fen unb SHaubcn. 



119 



Mein: \ptciV\^&tta (Sneiqie btt ©inneS- 
nmien, meiere oon bent grogen ^fmfioloqai 
So^anneS SnüUer juetH in i^Tet iveit< 
rct^mben Sebeuhtnß setoürbiet muTbe, ftnb 
fe^T ttTt^ümli(^e @(^lülTe Qejogen »oiben, 6»< 
jonberi jii @unflcn einei bitaliftiftfien unb 
aprionfi^en Srlennlnig • Sporte. SHan be> 
fnuptete, hai baS ©e^irn ober bü @ede nur 
einen geioifTen 3"ll<^"b beS erregten SletDen 
iDOfiinebme, unb ba^ barauS 9Iii^t3 auf bie 
E^ftenj unb Scft^affen^eit bct emgenben 
Ku^entoelt flcWIoffen nierben tbnnt- Sie fiel»- 
lift^e V^Uofop^ie jog barauS ben @c^Iu|, ba% 
Wefe leitete felbft jtoeifel^ft fei, unb ber 
ntinne Sbealtömuä Njnieifelte ntdit nur bteTe 
Healit&t, fonbem er negtrte fle einfaif) ; er be- 
hauptete, ba^ bie 36e[t nur in unfetet Sot« 
ReQung ejiftire. 

Siefen ^rrt^ftnum gegenüber mülTen mix 
bnan erinnern, bal bie .fpeciflfdie Energie' 
nfprünglic^ ni(^t eine uneif^affene befonbere 
OÜaliläl entjelner Sternen, fonbem bun^ Hn' 
ffaffung an bie befonbere S^ttgteit ber Ober« 
kau^eOen ent^nben iß, in n>eld|en fle enben. 
Ka^ ben großen @efe|en ber SibeitStlieilung 
na^en bie uifiirüngii^ inbifferenten ,6aut' 
finneSjellen' wrlt^iebene äufgo6en in An- 
griff, inbem bie einen ben 9teia ber Si^t^n^Ien, 
trie anberen ben Sinbrud ber ©^aQniellcn, eine 
britte @TUppe bie 4emif(E|C (Sinmirlunfl rieben' 
bet ©ubßanjen u. f. m. aufnahmen. 3m Saufe 
langer 3^äurae beniirtlen biefe äußeren 
€innc3reijc eine aümälili^e SerAnberung bet 
p^fiDlogifdien unb npetterEiin aui^ ber morpfio' 
Ugifc^en QHgenfc&aften biefet Obeilittiitliellen, 
unb banttt gugleit^ nerünberten fld) bie fenfblen 
Sperren, roeld^e bie oon i^nen aufgenommenen 
Stnbrütfe gum Se^tm leiteten- Sie €clellian 
cerbefferte @i$nlt für @^ritt bie befonberen 
Umbilbungen berfelben, meli^ fi^ alä nü^lt<b 
ftroiefen, unb ft^f fo gule^t im Saufe pieler 
da^imillionen fene benninberungSmürbigenSn- 
ßnimenle, neli^e qI3 %uge unb O^r unfere 
t^euerlten @iilec barft^en; iQic (Sinrii^tung ift 
fD nmnbcrbar gwedmä^, ba| fle unS ju ber 
int^ünili^n Snni^e einer ,€(E|Spfung nac^ 
Dorbebai^lent Sauplan" führen ffinnten- 3)ie 
befonbere (Sigent^umlit^teit jebe§@inneSorgane3 
nib feines fpctifif^en Giemen ftat fl<6 aBet erft 
hn4 SeniD^nlKit unb Uebung — b. ^ bur^ 
Knpaffung — oOmOtili^ entroidelt unb i^ 
bann burd) Sererbung oon Seneration }u 
(Seneiotion übertragen werben- fllbrt^l 
Kau Iiat biefe Stuffaffung auäfübrlid^ begrünbet 
in feinem oortiefflii^n ffierte über .(Sntpfinben 
unb Senlen; eine ptaftvlpgifdie tlnter|ii4uns 
üb« bie Statut bcB menfiÜi«^ Serftanbeä' 
(IKKE). Soit ift fmoo^I bie riAttgc 3>eutung 
bdaRailer'f^enQefegeS pon ben fpeciftfi^en 
SimieS'Cnergien geg^n, als autt f4<<rfflnnige 



lErSrterungen über iftre 9eaie^ungen jum <St- 
^im unb befonbeii im legten Kapitel eine au3> 
gejei^nete, auf ben @d|ultem nun Subnig 
^eueiboc^ lle^enbe .^^ilofop^ie ber 
©innlii^teit'; i^ ft^Uege mÜk biefen über. 
jeugenben SluSfü^rungen bur^auS an. 

Steigen &er Sbtneswa^me^tmins. 
Sie httiFAe Serglei^ung bei Sinn^Üidtigfeit 
beim SRenfdien unb bei ben übrigen äBttbel* 
tbieien ergiebt eine Slnga&I überauä mt^tiger 
S^atfa^en, nielc^ mir eift ben einge^enben 
Sorfi^ungen be9 19. 3a[|i6unbenS unb be> 
fonberS feiner jmeiten gälfte terbanlen- Oang 
befonbetS gilt bieS Bon ben bciben ^Si^fü 
entniidelten , ben , Sfi^etifdien &inne^mer^ 
jeugen', Suge unb O^. Siefefben {eigen hn 
©tamme bei SGirbelt^ieie einen anberen unb 
pemiiif eiteren Sau al3 bei ben übrigen Xbieien 
unb entmiifeln fid) au4 int @mbrgo berfelben 
auf eigent^ümlic^ SBeife- Siefe t^frift^ Onto« 
genefe unb StruÜur bei Senftlen bei fSntnt« 
li^en !B!irbellbieien ertlAit ft<b bur^ Sei' 
erbung Don einer gemeinfamen Stomrafonit- 
Snner^lb beS ©tammeS aber getgt fttb eine 
grofe SJIannigf altig teil ber ^uSbilbung im 
(Sinjelnen, unb biefe ift bebingt bui^ bie Hn« 
paffung an bie Sebenän>eife ber eingetnen 
arten, bun^ ben gefteigerten ober gnninbciten 
ScbroucEi ber einzelnen iTfieile. 

2)et OTenft^ eif^eint nun in Segug ouf bie 
auSbilbung feiner @inne teineSmegd alä boS 
oontommenfte unb ^Bi^ftentmiilelte ^irbell^ier. 
3)a3 Sluge ber SS3geI ift uiel f^Arfet unb unter* 
fi^eibet tleine @egenftdnbe auf roeile (Entfernung 
niel beullti^er al3 baS menf^li^e Vuge. 2)a8 
@eb9i oielei ©äugetbiere, befonbeii ber in 
lüften lebenben Staubtbiere, ^uft^iere, Slagc 
t^iere u. f. ra., i^ oiel empfinblii^er oIS boS 
menfi^Iidie unb nimmt leife Serftuji^e auf oiel 
nieiteie Sritfemungen mo^c; baiauf meifl fd|on 
i^ie gioie unb fe^r bemeglii^e O^rmufdiel ^n. 
Sie ©ingoägel offenbaren felbft in Sejug auf 
ttiuflfaiif(E|e Begabung eine &0^cre Sutmide* 
lungSftufe als uiele aUenfi^en. Ser ©eru^S» 
finn ift bei ben nieiflcn 6äugetl|ieren, nament« 
ii^ 9IaubtI|ieien unb ^ufÄtcren, otel mebr 
auSgebilbet oIS beim Stenftben ; menn bei &unb 
feine eigene feine Spümafe mit beiienigen beS 
SJIenf^en peigleit^en ISnnte, mürbe ei mit» 
leibig auf le^teie ^erobfeben- Sui^ in Segug 
auf bie nieberen Sinne, ben @efd)ma(fS|inn, 
ben ©efcbleditSftnn, brn Saflflnn unb ben 
Sempeiaturflnn, behauptet bei 9Renfd| IcineS« 
megS in jeber ESegiebung bie ^Bi^fte entmitte* 
lungSftufe- 

niii felbft Knnen natüili^ nur übet bte> 
jenigen ©inneSempfinbungen uitbcilen. bie mir 
felbf bellten- 9Iun nxift unS t^ei bie Hna> 
tomie im flSipet otelei Zbiere no4 onbere alS 
unfere b>tannten ©inneSoiganc nad). @a üc 



120 



Cc^it^nttl ßafüü. IBilTnt unb Slaubm. 



XVL 



n^en bie 9ifd)c unb anbnc nieberc im äBaffn 
I^cnbe ^irltüimt eisent^Ümlitbe 6enf1Ilen 
in bti baut, tveit^ mit befonbtien ©inneS* 
netwn in Set&inbung flehen- 3n ben Seiten 
beS fii]iit1bipra verläuft ttäiti unb linte ein 
langet flanal, ber Dom am ftopfe in me^ctc 
oeqnMigte ftanfile ÜtieTst^ 3n biefen „6d|[etm> 
lanaien' liegen !nen>cn mit go^lnic^n üeflen, 
beien (Enben mit etgent^ßnitidien Sleioen^&geln 
neibunben flnb. 2Ba^ifd)einli4 bient btefeS 
auSgebebnte ,6autflnndoiean' |ui So^r- 
nc^munB von Unterfdiieben im KBafletbiud 
ober in anbemt Stgenf^often beS ffiaffetS. 
Oinige ©nippen flnb nod) butd) ben Vcm» 
auberer eigen^üntli^i: SenfUlen anSgegcidinct, 
beten Sebeutung unS unbelannt ift 

S^on aus biefen Z^atfa^en etgiebt fl4> 
bafi unfete menfc^Iit^e SinneStbAtigleil bc« 
Ti^tdnll t0, unb tmax foroo^I in quantitatiner 
als in qualitatiDet fiinfi^t. Sit tSnnen alfo 
mit unferen Sinnen, DOt aUem bem Äufle unb 
bem Xaßfinn, immet nut einen X^il b«t 
Sigenft^aften etlennen, roeld^e bie Objette bet 
Uulenroelt beü^. Übet aucEi btefe pattieüe 
SJobme^ung ift unooIlRdnbiß, infofetn unfete 
GinneSnMiI^euge unooDfornnicn flnb unb bie 
SinneSncnen al8 SoImetf(i)et bem @e^itn nur 
bie tieberfettung bet empfangenen (Einbiftde 
mitt&eilen. 

S)iefe anertannte UnooUtommenl&ett unfetet 
GinneSi^fttigteit baif uns abet niäit ^nbetn, 
in beten SBei^cugen, unb v VUem im Xuge, 
bie ebeIRcn Oigane au etbucfen; im Seieine 
mit ben 3>entotganen beS ©ebintS flnb fle boS 
nertfetiollße Steffen! bet ißatui ffit ben snen- 
f4en. 3n vollet SBa^tliett fagt Sllbtec^t 
nau (0. 0.00: .Stile SBifrenf^aft ift in 
[efetet Sinie SinneSertenntni^; bie 
2)ala bet €inne neiben baiin niii^t negitt. 
Fonbetn intetpretiit. 3)ie Sinne flnb unfete 
erflen unb be^en ^teunbe; lange beoot flc^ 
bet Serftanb entraidelt, fagen bie Sinne bem 
Snenfi^en, roaS et t^un unb lafTen foU- SBet 
bie Sinnlic^teit überhaupt Demeint, um 
i^ten Oefafeien ju entgeöen, bei ^anbelt ebenfo 
unbefonnen unb t^Bti^t aI8 bet, »eldiei feine 
Slugen ouStei^t, meil fle einmal auäj ft^änb« 
It^e Singe fe^n IBnnten; obet bei, meltfiec 
feine fianb abbaut, meil ei fütditet fe tonnte 
einmal auc^ nad) fiembem ®ute langen." iUlit 
oollem IRei^te nennt be@^alb ^eueiba^ alle 
$^ilafcip^ien, alle Sleligionen, olle 3nftitute, bie 
bem^iincipe bei Sinnli^ feit n)iberfpie4en, 
nii^t nut ititbümlii^e, fonbmt fcgai grunb» 
oetbeiblii^e. O^ne Sinne leine Silenntnifel 
gNihil est La intellecta, quod noD faerit in 
MMul" (Sode.) Seliges (obe «eibienR Pdi 
neuetbingS bei SatniiniSmuS um bie tiefete 
(Etlenntnit unb ri^tige SBfltbigung bet ©tnneS' 
t^Atigleit enooiben tat, babe i^ fd|on not 



26 3ai|ien in meinem Soittage .Udet Ht» 
fpning unb Gntmitfelung bet SinntiSroetIgciige* 
)u jeigen netfuc^t (Sonn 187S). 

i^ttpot^efc nnft tflottbc. 2)er IEttenitt< 
nigtrieb beS ^oi^entnitfclten ftuIturmenftbcB 
begnügt fl^ nidit mit fenn Iflttcn^f ten ff enntn$ 
bei Kugennelt, meldie et butd) feine unDoll> 
tommencn Sinnesorgane geninnt. <Kr bemSIt 
fld) oiclnu^i, bie flnnli^en (ünbtfide, meltfec 
ei bunt bicfelben gemonncn hat, in Ct femU ni^ 
fBett^e umaufelen; er wnmnbelt fle in ben 
SinneS^etben bet Oioglpiintinbe in fpecifif4e 
SinneS-Snipfinbungen unb nerbinbet biefe bur4 
H ff c i n in beten Sent^etttn )u So*> 
fteDungen; buitii n>citete Set!ettung bet S»^ 
MbingS-Snippen gelangt er enbliifi in l» 
tommentdngenbcm SBiffcn- Uet biefeS »iffen 
bleibt immer l&itentaft unb nnlicfnebifleitb, 
roenn ni^t bie ^lantaftc bie ungenfigenbe 
flombinotionS' Jtta^ beB ertennenben SSetponbct 
etgdngt unb bunt üffocion von OebO^laiS' 
btlbent entfernt (iegenbc Stf enntniffe jn etnen 
lufamment&nBenbem (SanMn setfnÜpft. Xtiba 
cntflelien neue allgemeine «otRelIungS>9äüItie. 
npehte erfi bie nutrgenommenen Xtatfat^en 
«n&ren unb txä .ftaufolitdtS'Bebfitfni^ btr 
Semunft beftiebigen*- i 

2)ie SoifteDungen, meiere bie Sitden bet I 
ISiffenS auSfüUen obet an beffen €telte treten, ■• 
lann man im meiteien Sinne als .©lauben' | 
beaet^nen. So gefdiiett eS fottmdttenb in ' 
oUlAglii^en Seben- 3Benn mir itgenb eint 
Xiiatfa^e nti^t fldiet miffen, fo fagen n>ii: 34 
glaube fe- Sn biefem Sinne flnb mit auit 
in ber Sitffenfdiaft felbft jum Stauben ge- 
jtvungen; mir oermutben obet nelmien an, ini 
ein beftimmteS Sei^ältnifi gmift^en a^ei 6i' 
ft^einungen beße^tr obniotil mir baSfelbe ntc|t 
fl^ei lennen. ^anbelt eS fldi babei um bie 
Silenntnig oonUtfat^en, fo bilben roiiunS 
eine Sqpattef^ Snbeffeu bflifen in iei 
niffenfttaft nur folc^e £>i)pottefen jugelaffen 
»erben, bie tnnettalb beS menf^Iidim So 
lenntnig-ffietmBgenS liegen, unb bie ni^t '^ 
lannten Xbatfo^en mibetfpte^en. Solttt 
eqpottefen ftnb j. B. in bet VtQfit bie Se^ 
von fflibtationen beS MetterS, in bet S6«n< 
bie 3Inna!inte bet Btome unb beten So^lvn' 
nanbtfi^art, in bei Siologie bie Sc^re von bc 
anoIehilat'Sttuttut beS lebenbigen ^IiJiwtl 
u. (. m. 

tC^corfe un& tflottbc. Sie Sitidnins 
einet gi5&eten Steige von aufommentönfienben 
Stfd) einungen but^ Hnno^me einet gemti"; 
famen Utfoi^e nennen mir Jrteotie. Slut^ W 
bet SEteotie, roie bei bei &^poHefe, ift ^ 
©laube (in niifTcnf^aftli^em ©innel) unoil' 
be^ili^; benn autfa biet eigänat bie bit^tenit 
^tantafie bie Sütte, nieldie bet Sei^b in ht 
Sitenntnig beS SufammentangS bei i)W 



XVI. 



etätttfßUA Aapitd. SÖiffni unb &Umim, 



121 



ttfltn Ufit Sie £^eaiie lann bo^ immer 
trat als eine Slnnä^erung an bie 9Bai)r^ 
bcttat^tet netben ; e3 mu^ gugeftanben roerbeit, 
tat fit fpOtev but4 eine anbeice, beFfet beoiftitbete 
HiwTtc perbrdnflt tveiben tann- Xtoi biefei 
«xtcRanbenen Unfli^ei^eit bleibt bic !£^onc 
f&( jebc tm^Te ffliffenfc^aft unentbebtKA t benn 
|k ctlldTt erfl bie Z^atfocEieit bUT4 Slnnobme 
m IIi:Ta4en. ^cr auf bie S^eotie goni <»<^' 
^en unb teine 3BifTenf4aft blafi au3 .{lebeten 
nötfa^en' aufbauen »iÜ (nie eS oft oon bc 
f^nheti Adpfen in bet mobenten fooenannten 
lAtftai KatunvifTcnf^aft' qtfdti^t), ber oer 
Mtct bamit auf bie <f rienntnil ber Urfa^en 
Wfi^auiit unb fomit auf bie Seftiebieung be8 
l(anfoIttatS.9ebai:fnine3 bn Semunft 

Sie (SiavitotionS'X^eoiie in ber St^onomie 
RcwtonX bie foSmoIoaift^e SaS'X^eoiie in 
kt iloSntogenie (flant unb Saplace), boS 
torasicVirincip in bei ^b^flt (3naqei unb 
Ctlm^ol^^ bie fitom-T^m in ber ßbemtc 
äalton), bie SibTationS-Xbeorie in bet Opttt, 
(CuqgbenS), bie SeKen-Z^otie in bet ©eroebc 
Ute (©(bleiben unb Sifinann), bie Se* 
ftenbena-Zbeorie in bet 9ii>I(isie(Samatd unb 
fiaTniin)|lnbeen>aItise3:6ei>tien elften 91anQe8; 
Rc ertiftten eine ganie 3Belt von gtofien 92atui' 
Ctfc^nungen but^ Stnnobme einet gemein* 
famcn ntfattie füt alle einjelnen Sbatfadjen 
ttnS @ebieteS unb bur^ ben Sfai^meiS, bag 
aOe Sif^einungen in bemfelben jufammeu' 
hingen unb butt^ feffe, con biefet einen Ht- 
(o(^ suSgefienbe ©efe^e geiegelt roeiben- Sa- 
lti bnn aber biefe Urfad^e felbft ifirem IBefen 
Md) unbelannl ober nur eine .piosifodf^e 
impotfttW [ein. Sie .S^merttaft' in bet 
9tauitation3'X^eatie unb in bet ftoSmogenie, 
Üe .(Snetgie' felbft in ilirem Serbältnil jui 
3ffatetie, ber .Slet^er' in ber Dptir unb 
eieRtit, baS .Htom' in ber dbemie, baS le. 
Eienbige .^laSma* in bei ^tRenUbre, bie 
.Beretbung' in bet abftammung!Ie%tc — 
triefe unb O^niic^e (Siunbbegtiffe in anbeten 
flto&en I^eorien I5nnen »on bet ^eptif^en 
¥^fopbie als .biege £iqpotbefen', al3 Sf 
jeugniffe be8 roiffenf4aftli<^en@taubenS be- 
trautet metben. abet f(e bleiben unS alS foU^e 
nnentbebtlit^, fo Iange> bis (le butt^ eine 
Mfere bqpot^efc etfe|t netben. 

Cloulteiinftfacrglatibe. @anjanbeiet 
Kitut als biefe gönnen beS nnffenf^aftli^en 
SloubenS finb biejentgen Sotfiellungen, toelt^e 
in ben oetf^iebenen Steligionen sut St' 
nttung bet Sifi^etnungen benu|t unb f^Iedit' 
HKS <ÜB Staube im engeien Sinne (I) be- 
)ri4net tserben- Sa abet btefe beiben VlaubenS* 
Sotmen. ber .natütlit^e Staube' bet äBiffen* 
f4aft unb ber ■Übetnalittlti^ Staube' bei 
Rettoiim, ni^t feiten oenoet^felt »etben unb 
(» Sentrittuna enthebt, ift eS jroedmdtis. ia 



notbnenbig, i^ren ptincipiellen @egenfa$ 
f^atf ju betonen. Set ,teligi5fe' (Staube ift 
^etS Siunbetglaube unb jiebt aI3 foti^er 
mit bem notütli^en Stauben ber Sernunft 
in unpetfebntidicm 9Bibetftiiu4- 9m Segen* 
foi au ieitetem bdiauptet et übematürlidie 
Sorgiinge unb tonn fomit als .Ueberglaube' 
ober lObetgtaube' begei^net roerben, bie 
utfprünglii^e ^oim beS SotteS ttbergtaube. 
Set mefentliäie tlntetf^ieb btefeS %betglaubenS 
von bem .uetnünftigen Stauben' beftebt eben 
barin, bal et übetnatütli^e Atäfte unb St* 
fcEietnungen annimmt, toeli^e bie 9Biffenf<^aft 
ntc^t tennt unb ni4t jutägt, met^ but4 irt- 
t^&mlidK ^abmebmungen unb falfd)e ^ban* 
talte-Sii^tungen ergeugt finb; ber Aberglaube 
»ibetfptii^t mitbin ben tlax erlannten Enatuf 
gefefeen unb iß olS folt^er unvernfinftig. 

Aberfilaube 5er noturoSIKer. Surcb 
bie grofien S^ortf^titte bei Stlinologie im 19. 
Sabrbunbett ip uns eine etftaunli^ ^üüe Don 
mannigfaltigen formen unb Srgeugniffen beS 
SIberglaubenS belannt gemorben, niie fie no4 
beute unter ben toben Slatutcbltem e^ftiten- 
Setgleidit man biefelben untet einanber unb 
mit ben entfpte^enben mqtbologif^en Sot> 
Rettungen fiübetet 3"*«", fo eigiebt |1(^ eine 
Dielfa<äe Snaloflie. oft ein gemeinfamet ttt« 
fptung unb jule^t fdjlicllitb eine einfüge Ut« 
queCte für aICe. Siefe finben toir in bem nat&t- 
li^en AaufalitatS*a9eb&rfniffebetaSet< 
nunft, in bem Suiten nac^ Sillätung un< 
belanntei Stfcbeinungen buti^ Xuffinben tbret 
Utfa^en- SefonberS gilt baS non folgen Qe> 
»egungS'Qtfcbeinungen, bie Sefabt btoben unb 
^i4t etregen, nie !Bti| unb Sonnet, Stb> 
beben, äBonbfinftetnit u. f. ro- SaS Sebfttf- 
nig nai^ laufatcr Stlläiung fol^ Statur« 
Srfdieinungen beftebt ft^on bei ben Salut« 
obtletn ber niebetflen Stufe unb ip beteiU 
non i^ren ¥timaten'9Ibnen bur^ Seietbung 
abetttagen- SS begebt ebenfo bei vielen an* 
beten ^irbeltbieren- 9ßenn ein &unb ben 
Sollmonb anbeut ober eine tbnenbe Slocte, 
beten AlBppel er fid) beniegen Hebt, ober eine 
g^abne, bie im S^inbe raebt, fo äußert er babet 
nicbt nut Bfuti^t, fonbetn aurfi ben bunHen 
Stang nacb Stienntnit bet Utfai^e biefet 
unbetannten @tf4einung. Sietoben9)eIigbnS> 
ünfAnge bet printttinen SRotutoaiiet bntien Uite 
äBurgeln tbeilmeife in fol<^em etblidien Stbet« 
glauben ibtet ^timaten-älbnen, tbeilmeife im 
Xbneu'JhiftuS, in nerfdiiebenen SemfitbS*^ 
bfirfniiTen unb in tiabitioneU gemotbenen Se- 
ttpobnbeiten- 

abctglonbc btt KttUuroSOicr. Sie 
teligtSfen SlaubenS'SoifteEungen bet mobenten 
ftultumöltet, bie ibnen als (Si^ftei gei^get 
9tfl% gelten, pflegen von ibnen bo4 übet ben 
,toben Stbetglauben' bet Sllatunibltet gebellt 



122 



Ct^lt^trt ffopitcl SBifftn ttitb (Slaubm. 



XVL 



}u ocTben; man pm\t ben QTofien Sottfc^rttt, 
iwltfieit bte auftiaTtnbc ftultui burdi 8e> 
feiligune bcS leiteten (nbeifleffi^Tt baBe- SaS 
i|l ein großer 3rrtiium! EQei unbefatiflenn 
tritifi^eT ^ififung unb Sciglei^uiig jetgt (14, 
ba^ beibe nui bur^ bie befonben ,®tftaU beS 
@laubenS' unb buttfi bie Augen ftMe bei 
Jtonfeffion Don einanber Kcrftfiieben flnb. 3m 
naiett Std)le ber Seinunft erfÄeiitt bet 
beftiDirte SBunberelaube bei freiÄnnisItcn 
fftrc^en-Steliaionen — infofern er tlai et* 
tonnten unb feften 91atuifleTet)en mibeifpii^t, 
genau fo ali unoemünfttflei Vbn^Utuht, nie 
bei 10^ Oefpenfteifllaube bei piintttinen Setifd* 
SRelieionen, auf melden tene fiot« fieiobfe^n. 

Reifen n>ir von biefem unbefaneencn 
©tanbpunite einen fnttfc^en 991ict auf bie 
aesenroSiria nccö IienTi^enben ©laubenS-Sof 
Teilungen bei heutigen Äultum&lter, fo ftnben 
nii fie aOentfiaUten von tiabttioneScm übei* 
glauben buri^biungcn- Set 4iiftIiAe (Slaube 
an bie Schöpfung, bie 3>ieicinig(eU @ottä, an 
bie unbefledte Smpfdngnifi äRaiid, an bie 
SrIOfung, bie Sluferffe^ung unb ^immelfo^Tt 
SHRi u- f. m- ift ebenfc leine 2)i4tung 
unb tonn ebenfc menig mit bei i>einünftigen 
9tatui'€itenntni^ in Sinflang gebraut tneiben, 
all bie uetf^ietienen Ztogmcn bei mofiamme« 
banififien unb mofaif^en, bei bubbfiifüfi^en unt 
bta^manifi^en Steligion. 3ebe Don biefett 9)e> 
ligionen ift füi ben nabt^aft .©laubigen' 
eine anieifellofe Sffiabtbeil. unb jebe »on ibnen 
betiQt^tet iebe anbete ©laubenSIe^te alS fte^eiei 
unb Detbetbli^en 3rttl)um. 3e mebt eine be- 
flimmle Äonfefflon flc^ für bie .allein felig 
ma^enbe' ^ält — für bie .lotöolififte' — , 
unb ie inniger biefe Uebergeugung als beiligfte 
SeijenBfai^ oertI|Eibigt roiib, beflo eifrigei 
mu^ fle nahiigemSfi alle anbeten ftonfeftlonen 
belämpfen, unb beßo fanatifi^er geflallen fic^ 
bie fftii^tetliiiien ÖSIaubenSliiege, reelle bie 
ttauiigflert SBlältei im ä8u*e ber flulturge- 
fd|id)U bilben. Unb boi^ überjeugt unS bie un- 
patteiifcbe .Äritil ber leinen Sernunft'. 
ba| alle bicfe uerfcbiebenen ©laubenSfoimen in 
gleichem Tla%e unroa^r unb unpernfinftig fnb, 
^robutte ber bicblenben ^fiantafle unb bet un- 
ftitifi^en Strabition. Sie cetnünftige äBiffen* 
f(^a^ mug fie fammt unb fonbei8 al3 tSt« 
jeugniffe be3 9lberglauben3 petroeifen- 

Sloubens > BcKcnntnifi OConf efff on). 
2)et uneime^li^e St^aben, meli^en bei un* 
oetnfinftige ätbeiglaube fett Sabtiaufenben in 
ber gläubigen 3)tenf4Ht angenietet bat, offen- 
bart fi(^ nobi nirgenbä auffälliger alä in bem 
unaufbürli^em .Kampfe bei @Iauben3-Se' 
tenntniffe*. Unter oDeu Stiegen, »eldje bie 
Sollet mit 3euet unb ©liiroett gegen einanber 
gefübrt baten, Unb bie SHeligionältiege bie 
blutigflen genefen; unter aQen Sfotmen bei 



^mictta^t, tpelc^e ba3 (Stüit ber Familien unb 
ber eingelnen ^erfonen jetftBtt baben, finb bie 
religi&fen, bem QtlaubenS • Unteif^tebe ent> 
fpiungenen nocb beute bie gebSffigften. 9Ran 
bente nui an bie oiclen SRillionen SUenfd)«!, 
wel<ibe in ben Sbiiften-Sefe^ningen unb 'Ser* i 
folgungen, in ben ©laubenSfAmpfen brt 33Iam 
unb bet 9)eFaimation, butdi bie Snituifltioit | 
unb bie Qeren'VrocefTe ibt fieben vetloien 
baben- Ober man bente an bie not^ giBfiere , 
3abl ber Unglüctlidien, nelf^e twgen QVIauben^ ; 
Serfdiiebeubeiten in 3^amilien'3R>ift geiatben< 
ibt ifnfeben bei ben gläubigen EDIitbüigetn unb 
ibte Stellung im Staate Deiloien obei auS ben 
Soteilanbe baben auSnanbein muffen. Sie 
uerbeibli^Re Siitung übt baS officieDe @Iau' 
ben9-£9etenntnifi bann, n>enn eS mit ben po* 
litiftben 3n>ecten beS Aultui<€taate8 oei^üpfl 
unb als .lonfefftoneHei 9teltgton9'Unteiiicbt' 
in ben Spulen inningSnieife gelebit miib. Sie 
Siemunft bei JHnbei miib babui^ f(l)on ftfib* 
üettig Don bei Qitenntnil bet Siaiiiüt aHt- 
lentt unb bem überglauben gugefüJitt. 3ebtT 
SRenfdgenfteunb fönte baber bietonfeffionS-' 
lofe Si^ule, als eine ber neitbcollflen Sn- 
ßitutionen be3 raobemen ißemunft • Staate!, 
mit aQen ütitteln ju f5rbein fui^en. 

De« ifilcRi&e unfere« V&itt. Set b(^ 
Sßettb • meieret iro^bem noi^ b'utc in ben . 
roeiteften Äreifen bem !cnf«fjloneQen TteligionS« , 
Unterriebt beigelegt roitb, ift nitbt allein bur4 
benflonfeffionS'3n'aiiabe8rü(fftänbigenfiultu> 
Staates unb beffen Stbbängigteit uon Ileritaln ! 
feeirfdiaft Bebingt. fonbem aut^ burdi baS ©»• i 
nii^t pon alten ^trabitionen unb oon ,@emütb^ 
aSebürfniffen' oerfdiiebener atrt- Unter biefen 
ifl befonberS mirhingSuoH bie anbä^tige S3ti> 
^rung, loel^e in meiteften Greifen bei Ion« 
feffionellen Xrabition gejolll mirb, bem 
ibeiligen @Iauben unferer Sätei*. 3n Saufen* 
ben Don Si^äblungen unb @€bid|ten rairb bai 
S^efl^alten an bemfelben alS ein geiftigei Si^l) 
unb als eine beilige tpfliiftt gepriefen. Unb bo<4 
genügt unbefangenes 9ta^benten übet bie 9f 
f<^ii^te beS @Iauben8, um unS son bn 
uBKigen Ungereimtbeit Jener einfluftreiiien Set- : 
Teilung gu fibergeugen- Set bcrrf^enbe epan- 
gelifi^e i^iri^englGube in bet gniciten Qälfte bet 
aufgellärten 19. SabrbunbettS ift roefentli* . 
oerfcbieten non bemjenigen in ber erften öfllfM 
beSfeiben. unb biefer roiebei pon bemjenigen M 
18. SabrbunbertS. Ser lefitere roei^t febr ei 
von bem .©lauben unferer SSätei' im 17. unl 
noi$ mebr im 16. ^abibunbert- Sie iRefoi' 
mation, melibe bie getne^tete Vernunft von 
btc Xqrannei beS $aptömuS befteite, tnirt ■ 
notürliii pon biefer als ärg^e Aetierei uerfolsl' 
aber aud) ber ®laube beS VapiSmuB f(IM 
batle fl^ im Saufe eineS 3abttaufenbS pMlij 
petänbeit. Unb wie petfd)ieben ifl bet01flubt 



Scdije^RteS AoVitiL 



it unb Slaubnt. 



123 



bn flelcuften ©Stiften oon bemjeniflen i^rei 
iribnif^en SJäter! 3eb« felbfiftänbiß benlenbe 
SRnif^ fiilbet |1(^ eben feinen eigenen, nieör 
Bba toenifln: ,peifenliiten @IauE>en*, unb 
tnmtei üt biefei oeifdiieben oon bemjentgen 
tcmtT Sätei; benn ei ift abhängig von bem 
jefammten ©inrnngä-Suftanbe friner ßeit. 3e 
meileT ivii in bei jf uttuT-Sert^id^te aurüttge^en, 
tafto me^r eif^eint ung bec gepriesene , (Glaube 
mifeier Sätet' alS unftallbater Hbetglaube, 
beffen Sonnen fl^ befiänbig umbilben. 

SpIrfttoimUt ®ine bet meitm&ibigften 
SDimen beB atberglaubene ift bieienige, roeli^e 
iu4 beutjutage in unferei mobexnen Sultuf 
DKlt eine eiitaunlii^e SRoUe fpielt, bei 8piriti@* 
ums unb CItuItiSinuS, bei mobeine @eiftei> 
glaube* SS tft eine ebenfo befinnbenbe nie 
Üettfibenbe X^atfa^e, bag noi^ fieute SniKionen 
gtMIbeter fiultutmenfi^en Hon biefem finfleien 
Jtteifllauben o5nig beftertf^t flnb; ja fogot ein- 
jflne beiüfimle 9Ialnrfotfd)et liaben fi^ oon 
iemjelben nit^t loSma^en !önnen. Saiilxeid)e 
[pititijliWe SeilWriften oetbteiten biefen ©e- 
[penfUi-®lauben in roeiteften ftieifen, unb un- 
tere .feinften ©efeÜWaftä-flieife' fi^ämen 11(% 
nidit, ,@eiftei' eifc^etnen au laffen, mel^e 
Hopfen, f^ieiben, .SRittEteilungen au8 bem 
Senfeitg' madien u. f. m- Stan beruft fli^ in 
titn ^letfen bet ©piritiften oft baiauf, ba| 
felbft angefe^e Jlatutforfiiet biefem Sbei- 
glauben ^ulbigen. 3n Seutfi^Ianb meiben ba> 
für als Seiffiiele u. %■ 35Ilner unb gec^- 
nci in Seiiijig angeführt, inSnglanbSOallacc 
unb SrooteS tn fionbon- 3)ie bebaueilidie 
T^tfai^e, bag felbß fo fienonagenbe ^^qfifet 
unb ajiologen ft^ babuic^ ^aben irre ffibien 
laffen, eitlärt fic^ tiieilS au3 ibiem Uebemia^ an 
¥^antalle unb flritilmanßel, tl^eilS auä bem 
mfit^tiflen ©inPuß Porter Soßmen, roelt^e 
nlißiafe Seigiebung bem linbliti&en ©e^im in 
fiübefter Sugenb fi^on einprägt- UebrigenS 
iR ßerabe bei ben beiü^mlen fpiritiftifdgen 9ior' 
Mlunßen in Seipgig, in nieti^en bie ^^qflfet 
Sillner, ^e^nei unb äßiUelm aSebet 
liur4 ben f^Iauen Siaft^enfpiclei @Iabe irre 
gefiUirt mürben, bei ©c^minbel beS Sedieren 
na^ttSßlit^ Ilar }U Xaße getommen; ©labe 
felbp rourbe alä gemeiner Sfletrilget trttlarot 
unb beflraff. %uät in aUen anbeten SäUen, in 
melden bie angeblichen ,3Qunber beS ©piiitiS' 
mu8' granbli^ unterfuc^t roerben fonnten, bat 
fl4 ol8 Uifadie berfelben eine gröbeie obei 
feinere £öufdiung tierauSgeüent, unb bie foge» 
nannten .ÜRebten' (meiü »eidlichen @ef(^Ie4t3) 
Rnb t^ilS als fdiCaue ©t^rainblei entlarot, 
llieilS al8 neipSfe $erfonen oon uneeraö^n* 
lii^ei 91eijbarEeil erfannt uorben. S^xe angeb* 
lüV iTelevat^ie (ober .ffemmiitung beS ®f 
hutbnS o^ne materielle Seimittelung*] e^iftirt 
tbenfo meniß als bie .Stimmen bei @eifler', 



bie .Seufjet bei @efpenftei' u. f. ni. 2)ie leb« 
baften ©i^ilbeiungen, »eli^e Sari bu Viel 
ui^ anbere ©pirttiften Pon folgen .@eifter-St> 
fäieinungen' geben, betuben auf Xbätigleit 
ber freien $bantaf1e, oerbunben mit Süangel an 
ffritit unb an p^q^ologtfc^en Aenntniffen. 

(DffenliaruTis (SReoelalion). Sie meiften 
iReligionen ^aben troö il|iei mannigfaltigen 
Serf^iebenlieit einen gemeinfamen ©lunbjug, 
ber juflleic^ eine ikxex mät^ligften ©lü^en in 
meiten flreifen bilbet; fle behaupten, bie JHätlifel 
beS SafeinS, beien Safung ouf nat&tlid)em 
aißege buit^ bie SSeinunft ni^t mSglic^ ift, auf 
fibetnatüilidiem äßege bui4 Offenbaiung geben 
]u f5nnen ; gugleicb leiten fie barauS bie ©ellung 
ber Dogmen ober ®Iaubengfät)e ah, midie alS 
.gbttlic^e ®efe|e' bie ©itlenleliie oibnen unb 
bie SebenSfübtuna befliramen fotlen. Sietaitige 
gBttiiiSe ^nfpiroiionen bilben bie ©tunblage 
goblteic^erSnqtlien unbSegenben, beren ant^o» 
piliifi^et Utfprung auf bet ©anb liegt. S"»! 
eif^etnt bet @olt, ber .11^ offenbatt', oft nidjt 
bitelt in menfi^Iii^Et QJellalt, fcnbetn im 3)on« 
ner unb !8Iit|, im ©türm unb Sibbeben, im 
feurigen Suf^ ober bei brofienben SBolte. Slber 
bie Offenbarung felbft, meiere et bem gläubigen 
anenf^enfinbe giebt, mitb in allen S^dQen an* 
t^ropipif^ gebaut, al3 Snitt^eilung non Sor* 
fteUungen ober £9efeglen, meldie genau fo for- 
muliert unb au8ßefpT0(4en werben, roie eS noi- 
malet SBeife nur buti^ bie ©toßbimiinbe unb 
but^ benfieI|IIopf beS aJienfi^en gefi^iebt 3n 
ben inbif^en unb egijptiftften ^Religionen, in 
bet ^etlenifi^en unb römififten SDlijtöoIogie, im 
2:almub roie im )¥oran, im Klten mie im 9teuen 
leRament — beulen, fpiet^en unb banbeln bie 
©öttet gang nie bie SÜenfi^en, unb bie Offen« 
batungen, in benen fie und bie ©ebeimniffe 
beS SafeinS entbüSen, bie buntein SQelträtbfel 
ISfen tPoHen, flnb 2)i<f|tungen bei menf^« 
l!<^en V^anlafie. 3)ie Sabibeit, rael^e bet 
©laubige baiin flnbet, tft menfi^Iicbe Stfinbung, 
unb bet .linblii^e ©laube* an biefe unoer« 
nünfttgen Offenbarungen ift Slbetglaube- 

£ie nia^te Offenbarung, b. ^. bie 
mabre OueUe oemfinftiger Sttenntnig, ijl nur 
in bet 9iatui gu finben. Set lei^e 64^4 
matten SBiffenä, bei ben mert^oollßen X6eil 
ber menf^lidien Kultur barftellt, ifl einzig unb 
aRein ben Srfabtungen entfptungen, roeli^e ber 
forfi^enbe Jßerftanb buri^ SRatur-Srlennt« 
nii geroonnen lat, unb ben SSeinunft« 
©c^ianen, roelc^e et buttf) rii^tige atfforion 
biefer empirif^en SorfteHungen gebilbet ftoL 
Sfebei oetnünflige SRenfc^ mit normalem ®e- 
biin unb notmalen ©innen f^iJpft bei unbe- 
fangener SIetiatdtung ouiS bei Satut biefe 
roabte Offenbarung unb befreit flcb bomit oon 
bem31beiglauben,roe[i%eni4mbieOffenbarungen 
ber ERelißion aufßebflrbet ^aben- 



Citbji^trt AotiiteL SBiffnif^aft wib Q^riftenl^tim. 



Siebje^ntes Kapitel. 
tDin«nf^aft un& (T^rlfteni^itm. 

nioiiiIti|d|e Shi6len über ften Kampf ätnMen ber minenlÄaftliien (Erfahrung «tib 

ber ^Tiftlic^en (Dffen&orunS- "^^^ »ier petioben In ber MtoTi{c^en metamorp^le 

ber ^riftuc^en Religion. Demunft unb Dogma. 

^n^olt: WaMmbn Strantfa^ inifc^ mobentn natnrnlcnntnil unb t^iilHid^ äBtltanfc^auung. 
SM olte mtf) MI neue wlaube. äMit^bigung bn untiünftigcn Sßt[Ien[i$aft acfloi bic Slnaiifft M 
4iiftll(^ X^eraCnubtnS Um: Witm sncn ben $iUiilinul. Eßln ^Rubra in b« amftDtdt[uii^ 
Otfml^te be3 S^ßmtlmttiS. I £ai Uttqttftenf^iit (btri 3a^(^unbRttV Die Vxn lanoitifAtit eMii> 
gtlUn. S>lc SfiiMn Vonli. U- 9)n SnoUntuI (baS ulhamonlant S^^%mV Siacn^Titt bn 
ftultni Im aniUtlaatT nihatnontant Stfi^li^lBfalf^iniq- ^ofiiiiintS nttb ÜSiRntf^afL «ouiSittid 
unb S^ltnit^m. IIL Xiti SttfoTmatiott Sntbn unb «aloin. SaS 3a^^unmt ber Xufnanmg. 
IV. S»a 6i!^n4riftnit^uni bti 19. aa^t^unbntS. 2)it Jhte^nndtuns bcS $a&ftt3 flcont bic Sn- 
nnnft unb S)if|ntid|aft: I. nnfc^Cbatleit IL «nc^tltta m UnbefltAe Smp(dngnig- 



^ bot beiDonoeenben e^aiattnjfiQen beS 
f^nbenben 19.3a4r^nbeTt3 geöBrt bie roat^fenbe 
et^irfe beS ©eeenfugeS jniifi^en äBiffenf^aft 
unb StiriltenAutn SaS ift ganj natüTÜi^ unb 
not^menbig; benn in bemfcIlEien aRa^c, in mtlüiem 
Die fiegtei^en Sottf^Titte ber mobetnen SR at ui " 
e 1 1 en n t n 1 6 ade niiff enfi^oftlic^en Stroberungen 
fiA^n iSa^i^^u'tbeTte fibei^&Beln, ifl gugleii^ 
bie Un^altbarteit allet itaez mqftif^en ^elt* 
anfdtduungen offcnbai gemoTben mtläte bte 
Sernunft unlei; bai So^ bei fcgenannten 
„Offenbaiung' beugen noltten; unb baju 
fle^ert auä) bie (^nfttidje SReligton. ^t ftdttttx 
butd) bie mobeme Slfhonomie, $$q11t «nb 
S^emie bte Stöein^errfi^aft unbeuafam« Statut- 
gefefte im Univerfunt, hut^ hie moberne Sotanil, 
Zoologie unb Stnt^ropologte bie @ültigteit bei' 
felben @efefie im ©efantnttberei^e bei oiga- 
nif^en Statur nac^genteren ift, befto Iiefli^ei 
HtüuM ^ä) bte änriftii^e ^Religion, im Sjemne 
mit bei bualiflifdien iDIeJap^qfll, bie @eltung 
biefet atatuigefeie im Seiei^ beS fogenannten 
,®eifte8IebenS' anaueifeitnen, b.^. in einem 
^Teilgebiete ber ®e6itrt-¥&qftoIogie. 

aiefen offenlunbigen unb uncerfa^nlit^en 
@egenTa^ ^roifdien ber mobemen mtlTenfdiaft' 
li^n unb bei übeilebten <f)iißlii%en SBeltan- 
f^auung tiat 9Zicmanb Ilaiei, mutbigec unb 
unroibeileglii^et beniiefen als bet giBßte 
X&eologe beä 19. 3abibunbeit3, Saoib 
^tiebiic^ @ttauE>- ©ein Iet(te9 ISelennt' 
nig: *2)ei alte unb bet neue @laube' 
(1872, oierje^ute Auflage 1900) ift bei aUge- 
mein gültige SluSbrud bei e^ilii^en Uebei- 
geugung aQet beiienigen Oebilbeten bei ©egen- 
matt , wellte ben unoeimeiblii^en Aonflitt 
jroifi^en ben orteigogenen , ^nftfieuben 
©IttubenSIebien beB (S^ftentbumS unb ben 
ein!eu^tenben,DBtnunftgemä6enOffenbaiungen 
ber mobemen ^Ratuimiffenfc^aft einfeben; aDei 
betieuigen, roeli^e ben SDlutb finben, ba8 SHe^t 
bet SSeinunfl gegenübet ben Slnfpifiifjen beB 
übeiglaubenS ju mabren, unb mel^ baS 
oEiilofoviiift^e JBebfiifni{i nad) einei etn^itlit^en 



Katuranfti&auung empfinben. €tiau6 botdS 
ebili<^ei unb mutbtger ^etbetttei n>eit beffei, 
olä i<^ eB Dermag, bie roiditigflen ©egenfäSe 
gmifc^en .altem unb neuem ®Iauben' üaf 
gelegt- Sic doQc llnoerfBänlic^teit gnifi^n 
beiben ©egenfätien, bie Unoetmciblit^feit W 
entfdfeibungStampfeä gnifi^en beiben — .auf 
lob unb ßeben' - ftot pon p&ilofopbit<bn 
Seite namentUrf) Sbnoib fiartmann nai^' 
gemiefen in feinet intereffanfen ©tfttift fib« 
bie ©elbfljetfetjung beB ©biiflentbumS (1874). 

Untei ben jabireitben SIBerlcn bie im Soufe 
beB 19. SobibunbettS bie miffenfi^aftlitfie Äritil 
beB SbriitentbumB, feineB SiefenS unb feiner 
fiebie geföibeit boben, finb au&eibem namentUci 
folgenbe benotjubeben : Sautb Strauß, Sei 
Seben 3e(u füi baB beutfi^e Solt 1864 (XL Huf- 
läge, aSonn 1890). Öiibroig (Jeuerbatb. Sw* 
aBefen beB EbrijlenlbumB. 1841 (IV tufl. 1883). 
¥aul be Segia (¥■ 2)e8jatbin), 3efuB oen 
Slaaatetb, »om ipifTenf^afllii^en, geftöi(btlitb«' 
unb gefeüfi^aftli^en @tanbpunlte baigejiellt- 
Seipaig 1894 © ® aSeiuiJ. aSeigIei4enli( 
Uebeiff^t bei piet Soangelien. Seipjig '83^- 

l^enn man bie SBeite oon ©tiauf uni 
9euetba<&, fomte bie .(Sefi^i^te bei Aon- 
Pilte jroif^en SKeligion unb SBiffenf^aft" oon 
3obn aUilliam Stapet (1875) gelefen *at, 
rannte eä übeiftüfflg etfi^einen, biefem ©efien- 
ftanbe biet ein befonbereB flapitel }u roibmen- 
Ito^bem miib eB nß^Eidj unb notbroenbig fan 
biet einen hitifiiien Slicf auf ben bipotif^m 
Beilauf biefö gießen ÄampfeB au njeifen, 
unb amai beSbalb, nieil bie Angriffe hc 
ftreitenben Äiti^e auf bie SDiffenf^aft im HD' 
gemeinen unb auf bie ßntroiifeiungBIebre i» 
SBefonbeien in neueflet 3"' befonbeiä fibflif 
unb gefabrbtobenb gerooiben pnb. SIu^ ift 
leibec bie geiftige gtfifilaffung, roel^e fi(b neue^ 
bingS geltenb mai^t, foroie bie (leigenbe 5Iul6 
bei EHeattion auf politif^em, focialem un> 
tiiiblitbem ®ebiete nur ju febt geeignet, jene 
©efobien ju »er(i^ärfen. SDJoate 3emfl^ 
batan aroeifeln, fo brauet et nut bie aSetbon*' 



svn. 



Sübje^ntcl Ao^iiitl. 3Sif((ni4aft unb e^i|l(iit^utn. 



125 



bmscn htt i^riftlii^n Sqnoben unb beS 
Snitfi^en 8teic^StaQ3 in ben legten 3a^»n )u 
[(fm- 3nt Sinflang bamit ^e^n bie $&• 
DiiUlunaen vitltv neltli^er Stegieningen , fic^ 
dt bem geiftti^en ERcgimente igrem natürlii^en 
Eobfetnbe, auf tnjlsltc^ft gulen gul au fe^en, 
k t- ^ belTen 3i)(^e ju untcmerfen , als eemein* 
aneS 3^1 f4n>eM ba6ei ben beiben Serbünbeten 
lit Unteibtachina beS fieten ®ebantcnä unb 
ci freien tviffenft^aftlii^en ^orfi^une coi, mit 
«m Sniette ^(^ auf biefe SSeife om leii^teRen 
ie aBfotulefieTTri^aft }u filtern. 

Sil muffen auBbiüdlirf) betonen, baß eS 
14 ^iei um not^gebiungeneißectäetbiduns 
fc SitffenfAaft unb bet ißemunft gegen bie 
i^arfen Slngriffe tec ^tiftlit^en Siid)e unb 
\ixa semaltigeu ^eeifi^aaten Iianbelt, unb 
li^t etwa' um unbeteiligte üngriffe ber 
ifteien Qt^tn bie leljleten. 3n etftet Sinie 
mt babei unfere übnie^r gegen ben ^apiS' 
RttS ober UltramontaniSmuS getii^tei 
tat; benn biefe .allein feiig modienbe' unb ,fili 
die teftimmle' lat^olif^e ftii^e ifl ni^t allein 
Mit gtdßet unb meit mäditiget als bie anbeten 
triftli^en Äonfeffonen, fonbem fle befitt not 
(Dem ben SSotgug einet gtofiattigen, centialt' 
Wen Dtganifotion unb einet unübetttoffenen 
iriitifd)en ©c^iau^eit 3J!an l|5tt aCIetbingS 
ft »on fflalutfotfftetn unb tmn anbeten 
Rdnnein bet ^tffenHaft bie ätnfli^t dußetn, 
ai bet fat^olifc^e Mbetglaube nit^t fc^Iimmet 
n als bie anbeten Sotmen beS ttbetnatüt- 
i^n Glaubens, unb bog biefe ttfigerif^en 
0eßalten beS QtlaubenS' aDe in glei^em 
Rafie bie nalütlii^en O^einbe bet Setnunft unb 
Siffenfc^aft feien. 3m aUgemeinen tdeotetifc^en 
Jiincip ilt biefe Seliauptung ri^tig, abet in 
Squg auf bie ptaltifi^en Steigen ttrt^fimli^t 
betm bie gielbeniu^ten unb tüdfi^tSlofen Sin* 
Btilfe ber ulttamontanen llitdie auf bie ÜBiffeu' 
^ft. geflütit auf bie Xtäg^eit unb 3)umnt^eit 
let SoIISmaffen, ftnb Detmöge i^tet mäd|tigen 
lOtganiration ungleid) fdiroeter unb gefü^tlicöet 
'' biejenigen oUet anbeten iReltgionen. 

Cnttitfdteluns be« O^rif tent^ums. Um 
unge^eute ©ebeutung b«! S^tiftent^umä 

; bie ganje Aulturgefd^i^te, befonbetS ah^t 
m ptinciptellen @egenfati gegen ißetnunft 
usb ffiiffcnf^aft rii^tig ju roürbigen, muffen 
hrit einen ^üditigen %Iidl auf bie ni^tigften 
Vtf^nitle feiner gefi^ii^tiidien ^ntroidelung 
:iMifett- SBit unlerfdieiben in betfelben oiet 
ßaupttieTioben: I. baS UicEitiftent^um (bie 
bwi etilen 3aftrliunbette), H- ben $api8mu8 
(iioBIf 3ot|tbunhetle, oom oietten bis fünf« 
jetnlen), HI. bie SRefotmation (btei 3a&f 
Sunbette, oom fei^jeönten biS oditje^nten), IT. 
bai mobetne ®<^eind)tiftent^um(im neun* 
l4nten So^T^unbett). 

I SaS Ut4tiftentf|umumfaßtbieerften 
hrci 3atr^nbette. (SdttßuS felbft, ber eble, 



ganj von EDtenf^Iiebe erfüllte ^loptfet unb 
Sdtmärraer, ftanb tief unter bem SRiwau bet 
Hafflfi^en ftuttutbilbung; er lannte nur 
ifibifc^e Xrabition; er bat felbft leine einzige 
3eile ^interlaffen- 3Iu4 ^atte ei von bem 
I|oI|en Suftanbe ber Seltertenntnig, ju bem 
giiecöif^e Sß^ilofopöie unb 9tatutforftftung 
fction ein Iialbea Sa^rtaufenb früiiei fl(^ et« 
boben Ratten leine Si^nung- Wai mir botet 
von idm unb oon feiner urfptilngltdien Se^te 
niffen, fi^Spfen mir auS ben roi^tigfbin 
Si^tiften beS iReuen SIeftamenteS: et^enB ouS 
ben Diet S&angelien unb gweitenS au9 ben 
poulinif^n ^tiefen, äton ben vier tono« 
nifc^en dcangelien miffen mir je^t, baß 
ftc im 3obre S25 auf bem Itoneil lu jßic&o 
but^ 318 oetfommelte Sifi^Sfe aui einem 
Raufen oon mibetfpteifienben unb gefalteten 
ßanitfi^nften bet btei etilen Saät^unbertc au3' 
gefüllt mutben- 3luf bie mettete 3Boi|IIifte 
lamen Dietjig, auf bie engete viet Snangelien- 
Sa flc^ bie ^eitenben boSbaft ftd) f^mS^enben 
^if^dfe übet bie SluSmol)! ni^t einigen 
tonnten, bef^ioß man, bie 31uSmal|l but4 ein 
göttli^eS aiSunber bemitlen ju [offen: mon 
legte alle Suchet jufammen unter ben ttltar 
unb betete, baß bie unedlen menft^Ii^n Ut> 
fprungS, barunter liegen bleiben matten, bie 
e^ten, oon @ott felbft eingegebenen bogcgen 
ouf ben Xif<^ beS {lerrn tiinanfliüpfen mSqten. 
Unb baS gef^a^ mittlii^I £te brei fijnoptif^en 
(loangelien («Dtati^öuS SRottuS, Sulaä — oHe 
btei ni4t oon i^nen, fonbetn nad) i^nen 
niebetgefdjrieben, im iSeginn beS jroeiten 
3a4r^unbertä — ) unb baS gang perfc^iebene 
vierte Spongelium [angeblich nai^ So^anneS, 
in ber SKitte beS aroeiten SaSt^unbettS obge- 
foßt), a&e nier l^üpften auf ben Xif4 unb 
mürben nunmehr an ed)ten (taufenbfad) fic^ 
roiberfpredienbenl) ©runbCagen ber c^riftlii^en 
@IaubenBleäre. Sollte ein mobemer .Un« 
gläubiger' biefeS .Sütfteröüpfen' ungloub« 
raütbig finben, fo erinnern roir i^n boran, boß 
boS ebenfo gloub^afte ,Xif(^ rüden* unb 
Oeiftertlopfen' noi^ ^ute »on SßiHionen 
.gebilbeter* Spititiften fefl geglaubt miib; unb 
fiunbette pon SItilEionen gläubiger S^ri^en 
flnb noi^ ^eute ebenfo feft oon ibrer eigenen 
Unfterblidileit, ibret ,9(uferftebung na^ bem 
Xobe' unb oon ber ,3)teieinialeit @otteS' über« 
aeugt — Sogmen, meli^e ber reinen äJetnunft 
nicbt mebr unb nijit meniget miberfpred^en 
als jenes munberbare Sptingen bet fSoangelien* 
ßonbfditiften. Siä&ereS batübet berii^tet bet 
englifc^e Ibeologe ©alabin (Steroatt SHoß) 
in feinet f^atffmnigen , neuetbingS oiel oe« 
fptoi^enen ®4rift; ,3ebopabS ©efammelte 
aSetfe', eine Wtif^e Untetfuf^ung beS fübif^ 
^fllitben gteligionS-®ebäubeS auf @runb bet 
«ibelfotf^unfl, ßeipaifi 1886. 

Slädgfl ben Spongelien finb betanntlt^ bie 



6ic6j(^nbi ftapltiL aSlfftnMaft unb ff^iiflntt^iiL 



xva 



Hii^Hflften DueDen bie 13 wrfd|tebenen (gtä^ten- 
t^eil3aefdlf(^ten!)@i]iflclnbe3apoMS$auIu9. 
Sie ed^len voulinifdjenSiiefe (bn neueren Itittit 
|ufoIaemtrDier:anbie9}imer,bie@alatecunbbie 
Reiben flonnt^ei-Snefe) flnb fftninttlidi früher 
ntebeigefi^rte&en alS bie ciei lanonif^cn Scan* 
selten unb enthalten neniaer unglaublidie 
äBunbeifagen als bie lebteien; aui^ 'iv^m ^e 
me^t aI8 biefe fid) mit einer DemünftiQen MiiU 
anfdiauuna ju Dereinigen. ®ie aufaeflötte 
X^coIoQie ber SIeujeit tonitruirt baiier tlieil« 
loeife i^i ibealeS ^^rifient^um me^r auf 
©runb bet ¥auIuB-!8riefe üI8 ber Soanaelien, 
fo ba| man baSfelbe gerabeju aI3 $aulint&* 
muß bejeit^rtet dal. S3ie beheutenbe ^erffln« 
[i^Ieü beä «pofielä ^aului, ber jebenfon» 
üiel meftr SBeIt!enntni| unb prattifc^en ©inn 
Be(a6, a(8 66rifluB, ift für bie antfiropo. 
loatf^e S3eu[l{|eiluna au^ infofem intereffont, 
alBber JHaffen-Utfprunß ber beiben gtoöen 
MeliBionB'Stifter ä^nli* fein fott. Äu^ von 
ben Reiben 8Uetn beS ?auluB foll (neueren 
Öiporifdien gorft^ungen (ufolge) ber ißoter 
8riei4ifc&er, bie aJluttet iÜbif(J)er fflafTe fein- 
ffite aHifd)linge biefer beiben Sfiaffen, bie ut- 
fptfinaliift IQ felir uerf^ieben fhib (obgleifft &eibe 
Smäat berfelben ©pecieä: Homo medi- 
teiraneus!), jeii^nen fi* off burdj eine alüÄ- 
lid)e anifc^ung ber XalenU unb S^aratter- 
Sigenfc^aften auB, niie auiE) Diele Seifpiele aai 
neuerei 3^'' u^ib au3 ber ©egenniart beraeifen- 
£ie plaflifi^e onenlalifi^e ^ibantafte bei Se- 
miten unb bie fritif(l)e occibentalifiiie Sernunft 
bet Sttiet eTfldnjen fi* oft in »oitteißiafter 
9Beife- SaS geigt ^(^ auit in bet paulinifdien 
Se^re, bie bolb itbitim Sinflu^ geniann als 
bie ditefte uri^rifllitbe Vnft^auung- anan bat 
baber auc^ ben ^auIiniSmuS mit fRei^t als 
eine neue (Etfdieinung bejei^net, beten Sater 
bie grie(%if(^e ^^ilofop^ie, beren ÜRuttet bie 
i&bifi^e Steligion roat; eine d^nlii^e Snifdjuna 
jeiate ber SleupIatoniSmuB- 

Ueber bie uifprünglii^en Seiten unb ^itU 
»on GbrifluB — etenfo wie übet öiele roit^- 
tißen ©eiten feineB ßebenB — flnb bie Sin« 
fluten ber ftreitenben Si^eologen um fo mebr 
ai^einanber gegangen, fe me^r bie ^iflorif^e 
flritil (©traug, ^euerbai^, £9aui, tR'enan 
u. f. W-) bie jugdnglicben Sbatfa^en in ibi 
too^ieS £i<^l gefteUt unb unbefangene ©t^I&ffe 
baiauB g^ogen ^at- ©idger bleibt bapon fteben 
baS «belfte ^lincip ber allgemeinen £Dlenfd)en' 
li^e unb bei barauS folgenbe bii^fte ©runb- 
fflft bei ©ittenlebie: bie .golbene SRegel' — 
beibe übrigens f^on Sa^r^unberte oot (IStiftuB 
betannt unb geübt (nergl. Rav- 19)1 3m 
Uebiiaen maten bie Ui^riften bei elften 
3al|ibunberte jum arS^ten Stdeil reine ßcmmw 
niflen, gum 3%eil ©octiJl'Semotioten, bie 
naäf ben ^tute in Seulfi^Ianb betifdienben 



Orunbfdtien mit ^euet unb ©dinwit bitten 
Deitilgt werben muffen- 

n. Der paptsmiu. SaS .lateintf^e 
Sbriftentbum' obet $apfttbum, bie ,i6' 
mift^'tat^olift^e itiid)e', o^ au^ alS UItra< 
montaniSmuBi nac^ ibier 31e|ibenj Satt[a< 
niSmuS ober lur} olS^apiSmuSbegetc^nel, 
ift unter allen (Sifi^einungen bei menft^lt^en 
itulturgefdiii^le eine bet gto^artigllen unb 
merlroürbigllen , eine ,meItI|iftonf4e OrdM' 
elften StangeS ; tto| aller ©türme bei Qät tu 
fieut fte fi4 no4 Ipeute beB mdi^ttgften (Ein> 
HuffeB- Son ben 410 SDliUiDnen Sbrifttn. 
mel^e bie Qibe geaenroditig berooEinen, bclennl 
bie gr&Bete &dlfle, ndmliifi 225 üniDionen, ben 
iSmif^en, nur 15 SniUionen ben grie4if4en 
Sat^oIiciSmuB, unb 110 Eüflillionen ftnb $rote> 
ftanten- äBd^ienb eines Seitnumd von 1200 
3a&ren, »um »ierten biS jum fet^je^nten Sajr« 
burtbett, ^01 bei ¥apiBmuB baS geiftige Ceben 
ISuiopa'B faft poKIommen bebeiifc^l unb DeK 
giftet; bagegen ^at et ben gio6en alten SReli" 
gionS'Siiftemen in Slfien unb afrifo nur fefit 
raenig iBoben aBgemonnen. 3n Hfien jd^lt 
ber iSubb^iSmuS Üeute naäi 503 SRiUionen, bie 
»ra^ma-Sleligion 138 aniQionen, bei SSlam 
120 aRiQionen Stnbdngei. 3)ie SBeltberrf^aft 
beS VapiSmuS ptdgt doi SUIem bem EDtittel' 
alter feinen flnfteten Sftataftet auf; |le be« 
beutet ben 3:ob aüeS fteten (beifteBIebenS, ben 
fRüctgang aller roo^ien Sßiffenf^aft , ben Se» 
foQ aUet reinen ©ittlit^teit. SOon bei gUn- 
jenben iBIütbe, ju roeli^et ft4 baS menf^Iicbe 
@eifteBleben im tlafffi^en StÜertbum etboben 
batte, im elften ^abttaufenb nor SBtiftuB unb 
in ben eiflen Sabrbunbetten nadi bemfelbenr 
fan! baBfelbe unter ber feenf^aft beB ^apB- 
tbumB balb gu einem 9Iipeau berab, baS mit 
aSegug auf bie (£ilenntni$ ber äBa^tb'it 
nur als ^Barbarei bejeictinet nerben tann. 
Snan rülimt too^l am EDtittelafter, ba| anbete 
Seiten beS (SeiÜeSIebenS barin gu leit^ec Snl« 
faltung getommen feien, 2)ii4ttun|t unb bilbenbt 
ftunft, f^olaflif^e ©ele^ifamfeit unb patriftifc^' 
^bilofop^ie. Slbei biefe flulturtbdti gleit befanb 
fi4 im Sienfle ber ^ertfi^enben fiir^e unC 
niurbe nidit jur Jiebung, fonbem jur nnter- 
biürfung bei fteien (SeifteSfnifi^ung oerraaiiM. 
Sie ouäfi^Iie^Iii^e Storbeieitung für ein un- 
belannteS .eraigeB Eeben im SenfeitS", bie See 
a<^tung ber 91atui, bie Stbroenbung »on i5rem 
©lubium, mel^e im $tincip bet ditiftlit^ea 
EHeligion tnnen>oI|nt, n>utbe Don ber lömifc^en 
£)ieiar(^ie )ur Bfißgen ¥flid)t gemalt. @ine 
ffiJanblung jum SBeffeien brachte etft im 
iBeginn beS 16. 3a44unbeiU bie Stefot' 
mation- 

Hattlt^rittc btx Uultuf tm mitteb 
oHcr. @B mürbe unS piel gu nieit fübren. 
nenn mir ^tei bie iammeipoöen Stättf^ritte 



XVII. 



€itbje^nl(§ AaptieL äBiffenf^aft unb Sljii^nttutni- 



127 



WÜbctn roolllen, roelrfje menfdjlid)« Äultui unb 
Sefittuns rodjrenb jitiölf Oa&iftunberte unttt bex 
fleipißen ©enidtöerrfi^Qft beg ^apiämuS evlitten. 
Um prößnantepen \lnb biefelben wd^I inxä) 
ein«! einaiaen Sa^ bei ßta&ten unb geift- 
trippelt ©oöengoIIettt-Sürften iDuftrirt; 
Sriebii^ her ®To6e falte fein Utl&eil in 
bem @atie jufantinen, man roeibe bui^ baS 
@tubium beT Qiefi^ii^te gu bet Uetiei^eu' 
gung gefülitt, ba& con Sonflantin bem ©Togen 
m auf bie S^it ber Stefoimation bis gange 
Seit ma^nfinntg geniefen fd- @ine cor- 
Iwfflic^e lutje ©(^ilberung biefet ,SBal)n(lnn8- 
¥etiobe' fial (1887) S>. fflüdinei: gegeben in 
feiner S^rift .liebet teliaiSfe unb roiffenfi^aft. 
lit^e aSeltänfi^auung'. Ser fl^ nd^et baiüfiei 
untcrriäiten roiU, ben oerroeifen mix auf bie 
©eftftic^tSroetfe oon SRanle, jiraper, fiolb, 
Qvoboba a. f. n. 3)ie mafir^eilSgema^e 
©atpellung , nieli^e biefe unb anbere unb«. 
fangene ©iftorilet oon ben grauenhaften Qu- 
ftönben beS duiftlii^en aJltttelaltetS geben, 
nritb beftätigt burt^ alle e^tlit^e jQuellenfoT« 
f^ung unb bui<^ bie fultutgefc^i^tli^en Sent- 
mftlei, Rieldie biefe tiautigfte $etiobe bei 
menf^Iiiften Sefi^ii^te überall binterloffen 6at 
Sebilbete Aatboltlen, roeldie e^ilii^ bieSBabc 
^it fu<%en, ISnnen nidjt genug auf bai eigne 
Stubium biefet Cuellen dingeniiefen roerben. 
3ieä ift um fa mebt ju betonen, alä auä) 
Scgenmätttg noit bie ultramontane Sileratur 
einen genialtigen @influfi beflttt; ba3 alte ßiinft* 
^d, bui<^ breifte Umleitung ber STbalfai^en 
unb Stftnbung oon äßunbermittc^en baS .gläu* 
Bige ffioH' gu beibäten, roirb au(^ iiiuU no^ 
oon ibr mit ßraßtem Stfolge angeroenbet; mit 
erinnern nur an fiourbeS unb an ben .©ei« 
liflen Kocf oon Irier (1844, erneuert 1890) 
Sie roeit bie ©nifletlung ber iffiabrbeit felbft in 
niiffenf^afllii^en SBerfen gebt, banon liefert ein 
ouffaaigeS Bcifpiel ber ultramontane Jirofeffor 
bet ®ef*i^te SobonneS Qanffen in Sran!- 
futt 0. SDI.; feine oielßelefenen iffierle (befonbetS 
bie ,@ef[^i^te beS beutfi^en SoIteS feit bem 
KuSgang be§ ÜDIittelalterS*, in aa^lreid]en 31uf- 
lagen erf^ienen) leiften ba§ Unglaublicbfte 
an breiRet @ef^i(bt3fA[f4una- Sie ißer- 
logenbeit biefer jefuitifien ^älftöungen ftebt 
(Ulf gleii^er ©tufe mit bet fieid^tg laubig leit 
uiÄ ttritifloflgteit be8 einfältigen beutf^en 
Sollefi, ba9 fie aU baate Emünge annimmt- 

popismu* unb IDinenf<4aft. Unlet 
ben biftorif^en Sbatfac^en, roelcbe am ein* 
leuditenbften bie ißermerflic^teit ber ultra- 
mentantn @eifte3tqrannei bemeifen, tntereffirt 
tui8 oot Stilem ibre energifd)e unb tonfequente 
Qdämpfung ber mabten ^tffenf^aft al8 
foliftet. Siefe mar aroar f^on uon Stnfang an 
Ptincipidl im dbtiftent&um bobuit^ benimmt, 
bal baSfelbe ben (Slauben übet bie ißernunft 



flente unb bie blinbe Untetmerfung ber lettteien 

unter ben erffetenforberfe; nitbtminbetbabut{ib, 
bag e3 baä gan^e @tbenleben nur als eine Sof 
beteitung füt baS etbii^tete .^enfeitg' be- 
troi^tete, alfo aui% ber miffenf^aftlic^en t^OT» 
f^ung an fii^ {eben ^ertb abfprac^. Mein 
bie planmäßige unb erfolgrei^e £3etämpfung 
bei letiteren begann boi^ erft im SInfange beS 
vierten SabtbunbertS , befonber@ feil bem be- 
rüi^tigten Songil oon 9ticäa (325), meinem 
ÄaiferÄonftantinpräfibirte, — ,bet®to6e' 
genannt, meil er baS S^riftent^um }ut Staats« 
teligion et^ob unb fionftantinopel gtünbete, 
babei ein nicötäroütbiget Sbataltet, ein falf^er 
Seud)Iet unb oielfai^et ÜJlÖtber- Sffiie erfolg- 
teii$ bet ^apiSmuS in feinem Kampfe gegen 
jebeS felbftliänbifle niffenft^aftlii^e SienFen unb 
i>Drfi$en mar, bemeifl am tieften ber jammet' 
poQe 3uftaiib bet Slalurerfenntniß unb ibrer 
Siteratut im SQittelaltet. 9ti^t nur mürben 
bie reichen ©eipeSft^ä^, mtläjt baS tlafilf^e 
Slltettbum bintetlaffen batte, jum grämten ^beil 
oetnii^tet ober ber 93erbreitung entzogen, fon- 
bern t^oltertnei^te unb Sdieitetbaufen forgten 
bafür, ba^eber .Be^fc', b-b- ieber felbftpänbige 
2)enler, feine oernünftigen @ebanfen f&r 114 
bebielt- Xbat er baS ni^t, fo mu^te et ficb 
barauf gefaxt matten, lebenbig oerbtanni ju 
meiben, mie eS bem grogen moniftifcben $bil0' 
fopben ®iorbano Sruno, bem SReformotet 
Sobann Su& unb mebt alä bunberttaufenb 
anbeten ,3eugen bet SBabrbeit' gefc^ab. Die 
®efd)ii^te bet SBiffenfdiaften im SDiitUkllet 
belebrl unS auf jebet Seite, ba| baS felbft- 
ftänbige Renten unb bie empirifi^e miffen- 
fi^aftlicbe tJorfiftung unlet bera 3)rutfe b«B 
admäi^eigen ^apiämuS burc^ jniCIf trautige 
Sabtbunbetle rairllii^ o5Iltg begtaben blieben. 
popismus unb (Z^rfftent^utn. 3llle8 
ba8, roa§ mir am roabten ©briRentbum im 
©inne feineä Slifteö unb feinet ebeiften SHad). 
folget ba^f^ä&en, unb mag mit au8 bem 
unauSbleibliien Untergänge biefer .lESSelt- 
religion' in unfere neue, moniftifi^e {Religion 
binübet ju retten fui^en m&ffen, liegt aitf feinet 
etbtfcben unb focialen @eite- 2)ie $rin- 
cipien bei mabren $)umanität, ber golbenen 
Siegel, bei S^oleranj, ber SVIenf^enliebe im 
beften unb bO<%ften Sinne be@ SSorteS, aUe 
biefe mabten Si^tfeiten be8 ©biiftentbumS flnb 
jraat nidjt oon ibm guetft erfunben unb auf- 
geftellt, ober bod) etfofgiei^ in jenei tritif^en 
$eriobe jur ©eltung gebraut noiben, in ber 
ba8 Ilafflf^e Slltertbum feiner Suflöfung ent- 
gegenging. 2)er $a|iiSmu8 aber bat e3 oer- 
ftanben, alle jene Stugenben in ibi birefteS 
@egentbeil ju oettebren unb babei bod) bie 
alle Srirma al8 9Iu§bängefi^ilb ju beraabren. 
ain bie SteOe ber d)riplid)en Siebe trat bet 
fanotif^e $af gegen alle StnberSgläubigen; 



128 



Bkiv^ttta StaVÜtl SSlflcnf^aft tmb C^flent^n. 



XVII. 



mit 9*uet uuti @4n)ert mürben nii^t allein 
bie fttiben auSgeiottet, fonbem au(( iene c^rift' 
liefen Serten, mel^c in befferei Cilcnntm^ 
€inmtnbunaen Qt^tn bic aufgegmungenm Se^r- 
fäfee beS ultiamontanen SltinelauEienfi ju ci- 
^eben mästen, tlebnall in (Europa blü^ttn 
Mc fie^ergeri^le unb foibcrten uniA^Iige Opfer, 
beten Folterqualen i^ren frommen, non .i^rtfl' 
li^er ätuberliebe' etfÜQten $einieetn befon* 
bereB Setanftgen bereiteten. Sie ^opfhna^t 
mlitliete auf ifitet S)ikt but4 So^T^unbertt 
erbarmunsSIol gegen UlleS, ma8 Ibiec £«»• 
f^aft im 9Be0e flanb- Unter bem bei&^tigten 
(»ro6-3nquifltot loiquemaba (1481—1498) 
würben allein in Spanien at^Etaufenb fle^ 
lebenbig uerbrannt, neungigtaufenb mit (Sin> 
jiebung beS SSermBgenS unb ben empftnbli^ften 
flir^enbugen befiraft, raabienb in ben !Riebci> 
lanben unter ber ßerrf^aft ftnrrs beS 9&nften 
bem Herilalen 8Iutburp minbeftenS ffinfgig- 
laufenb SnenfAen jum Opfer fielen. Unb 
mdbrtnb baS @el|eul gemarterter SÜenfi^en bie 
Suft erfanie, fliömten in 91om, bem bie ganje 
^riflli^e ajelt tributpftiiitie war, bie Sei^. 
Ibfimer ber Laiben SJelt jufammcn, unb Uilljten 
fi^ bie anseblit^en SteHtiertieler ®otte8 ouf 
Stben unb i^ ftelferSIielfer (roeli^e felbft 
nti^t feiten bem neiteßge^enben SEtbeiSmuS 
bußiiatenl) in Süften unb Saflem {eber 9rt. 
,aBeI(4e SJoitbeile,' fagte ber frisoie unb 
fqpbilitifäie $apft fieo X. ironifd), »bat ung 
boi^ biefe ^abel non Seful S^rtßuS gc* 
bra^t I' 2)abei roai ber ^iij^'^tib ber europAt' 
f^en ©efeüfi^aft tto^ fttrc^enguc^t unb @otl^> 
furtbt oon ber allerf^nmmften %rt. ^eubaliS' 
muS, SeibeigenfdiQft, ©otle3gnabent(|um unb 
9Kbn{^tbum bebenrfifiten baS Sanb, unb bie 
armen ßeloten raaren fro^r menn fie i^re 
elenben £>ülten im 9)Iac^tbei;ei(^e ber @<$isrter 
ober fli&fter tbter geiftlic^en unb roeltlii^en 
Unterbrütfer unb üuSbeuter etcirfiten burften. 
ßeutjutage no4 leiben mir unter bin Ka^* 
m^en unb Ueberbleibfeln biefet ttautiflen 3u- 
ftänbe unb Reiten, in meieren non V^ege ber 
SQilTenfc^aft unb 65i|etei Sei^eSbilbung nur 
auSnabmSmeife unb im Setboigenen bie 3tri>e 
fein lonnte- .Unmiffenlieit, Mtmutb unb Slber. 
glaube Pereinigten fic^ mit ber entRttliiiienben 
aßittung beS im elften Sabrbunbert einge« 
fübtten SBIibatS, um bie abfolute $apftmad)t 
immer ftärler metben ju laffen' (©üi^net 
a. a. C-). Tlaa bat betei^net, ba& mäbienb 
biefer @(anjperiobe beS ^apiSmuS über gebn 
anillionen ^m^ätm bem fanattf^en ®Iauben3' 
bag ber .<!iri|llt^en Siebe' aum Cffei 
^elen; unb raie piel mebr SRiUionen betrugen 
bie gebeimen Snenffbenopfer, mel^e baS SBIi* 
bat, bie Cbrenbeictgteunb ber ©emiffenS* 
jmang erfoibeiten, bie gemeinft!|ilb!t^ften unb 
fluiftnmrbigften Snftttutioncn beiS päpftltdjen 



XbfoIutiSmuS ! 3)te .ungläubigen* V^ilofop^ 
roeldie Semcifc gegen baS 3)afein ®ottei 
fammetten, ^aben einen ber pdrfften Säemetfc! 
bagegen ftberfeben, bie Zttatjaäte, bat bie 
tömifi^en .Stattbalter ß^rifli' givMf g^obi' 
bunberte binbur4 ungeftraft bie e^ntli^Ren: 
Serbrecben unb Si^anbtbiilen ,im SRamem 
SotteS' vciflben burften. i 

m. IHc HeformoHon. Sie ®ef^te| 
bei ftuIturoSlIer, n)el(^emir .biel^eltgef^i^tCj 
ju nennen belieben, lägt beren brittcn 6aupt<' 
abfi^nitt, bie „Äeu3eit", mit ber nefotmation 
ber i^riftlicben flircbe beginnen, ebenfo ntie ben j 
groeiten, ba8 Mittelalter, mit ber (Srfinbungi 
beS SbriflentbumS, unb fie tbul re^t batan-l 
SennmitberfReformationbeginnt bie SSicber* ; 
gcburt ber gcfeffelten SScrnunft, bai 
Siiebeiemia^en bei SBiffenf^aft, nieli^ bie. 
eifeme Sau|t beS (!|ii1tli<^en $apiSnni9 bunt 
1200 3abie geroaltfam ntebeigebaften batte- 
EIEeibingS batte bie Verbreitung aEgemeiner 
Silbung burd) bie fSut^bnufertunft fi^on um 
bie Sßitte be3 fönfaebnten ^abrbunbeitS be> 
gönnen, unb gegen @nbe beSfelben traten 
meliere oioSe Sieigniffe ein, mtliitt im SSe^ 
ein mit otr ,4ltenaiffance" ber Aunft au4 
biefenige ber niffenft^aft poibereiteten, p« 
StOem bie Sntbething non Kmerita (1492). au4 
mürben in bei elften ßdlfle beS fe^jelrnten 
3flbibunbertB mebrere bö^fl mistige Sort" 
fi^iitte in ber (Srtenntni^ bei 9Iatui gemalt, 
meldie bie beflebenbc Skltanfcbauunfl in ibnn 
Oiunbfeften eifdiilttcrten ; fo bie erße Um* 
f^iffung bei Sibe buii^ SnagcIIan, melibe 
ben empirifdien SSeroeiS füi tbre ftugelgeftatt 
liefeite (1622); bie ©ifinbung beS neuen ä6ell> 
f^ftemS bui4 AopeinituS (1543). SIbei b« 
Sl.Ottdber 1517, an meinem anartinSutgei 
feine 95 Xbefen an bie bbljeme Z^üi in 
©dilo&Iirdie ju SDittcnberg nagelte , bleibt it> 
neben ein meltgefdii^CIii^r Xag; btnn bomit 
raurbe bie eifeine i.})iit beS ÄeileiA gcfpiengb 
in bem bei päpfllidie SbfoIutiSmuB bui4 '^ 
3abre hie gefeffelte Säemunft eingefdiloffen g»! 
ballen batle. iSJlan bat bie Seibienfle bei 
großen Reformators, bei auf bei ffiartbutg 
bie fflibe! überfeite, tbeilS fibertrieben, tSeJB 
unterf^atSf; man bat caiii mit SRe^t batauf 
bingeroiefen , raie er gleii^ ben anbeten fflefof 
matoten no^ nielfa^ im tiefflen Ubeiglavttn 
befongen blieb, ©o tonnte fltb Sutber jeit« 
lebenB nic^t oon bem ftarten Säu^ftabenglaiiboi 
bet Sibel befreien; er nevlbeibigte eifrig bi* 
Cebre non bet auferftebunfl, bet Srbfünbe unb 
5Ptabeftirtation, bei iRediiffttigung but^ b« 
@Iauben u> f. m- Sie genoldge Sei^tbot 
be§ fiopetnituS perroaif et alt 9lanbeit 
nieil in bet iflibel ,3ofuQ bie Sonne BiHlW« 
biefi unb ni^t baB Ctbteitft'- Büt bie gtaStJ 
politif^en UmR)äI}ungen feinet 3ctt, 6 ' 

C.ooylc 



[vn. 



6t^s^«W itafUd. aaSiRmf^aft uni S^pmOpxm. 



129 



MSnne, totte ei lein Snftdntiiril. St^ltmmet 
nq mal bn ^ntotifcEie GReformotOT Saloin 
bi Stuf, toeldKi (1553) ben geütirit^ Tvani* 
Kra Ib^Sctneto lebenbig otitttennen ließ, 
mS et ben imltatiigen Olauben an bie 2)m' 
liniglrit bcUnpfte- Uebei^upt traten bie 
idtäif^en ,S>lMtoItubigen' bei nformirten 
Kt6)t IcibCT mtr gu oft in bie blutbellMtten 
^ttnpfm i^Tet po^ii^fdiien Zobfcinbe, n>te fit 
1 «14 %este tut^ tWn. Seiber folfiten oud) 
i«e4enre Chceiielt^aten bei Slefotraatton auf 
m %uie: bie nüt^oIom&uS'JRa^t unb bie 
ii0iiietteii>^erfo1gitiig in ^nhri^r ^luHe« 
l^et'SNigbcn itt Stallen, lange Süigertnefie 
iCneltmb, bec2)Tei^iOJa^iieeArieginS)eulf4' 
nib. SCber trof) aX^mt Bleibt bent Te^^nten 
nb ^ebje^nten 3alrri|tinbett ber nii^m, bem 
Bitenben SRenfc^enseiftc gnerft wiebet freie 
)dft itefc^afTen imb bie Sernnnft von bem 
cVideiiWn SituAe ber popiRifcfieB Cenfiiiaft 
(fieit )« ^aben. (Srft bt^nrt^ »utbe bie 
i&^i^ Sittfaltnng verfi^benei 8H^tun(ten 
er häif^cn ^^ilofop^ie trab neuer Sahnen 
Rt Stotnifsif^uns mSgli^ , n>d<i^e bann bem 
i[(enbet( a<^e^nten Sa^^unberl ben S^mt- 
it((b«S.3aIii6unbeTt3ber!(uftiaTuns' 

IT. Das St^etnc^rlf tcnt^mn ^cs nctuu 
t^tttcn So^riptitfrcrt*. SI> trieiten nnb 
E^ eauptäbfc^nitt in bei ®efd)idtte btf 
EtriltentWB *^en ivii b<^ 19. ^a^ilbitnbeit 
nnen SoTflAnoeni gegoiflber. äBenn in bieten 
!|teien beteitS Me.XnfCIäEunn* nadi ollen 
tit^tungen 6tn bie hitif^e $^iIofopE|te ge- 
Ihbeit, nnb nenn baS Xitfblft^en bei 9Eatur- 
»iffenf^aften berfdBen bie ftOtfßen em^rinft^en 
Btifen in bie d&nbe gee^ben Iiatte, fo eiftfieittt 
Eni bo^ ber ^oitfdiiitt nft4 beiben 3tid|tiuieeii 
im in imfetem 19. Sa^i^nbeit gan} flenialtiQ; 
ei begimd bamü niebentm eine sanj nene 
l$<nobe in bei Oefdgi^e beS SnenfÄengetlM, 
jdiarafieriflit bui4 bie (Sntnideluns beimo» 

ISfflinne beSfeffien würbe ber ®tunb ju rinei 
jtun Slntbropologie gelegt (bunli bie «t- 
|;ln4enbe Slnatomte non Sutiei) unb gu einei 
'neuen Biologie (bnn^ bie Philosophie zoolo- 
giqns non SamaiÄ). Salb folgten btefen 
Üeiben giogen ^rangoren itniei ebenbüitige 
Seutf^, Saei alä Ütegiünbei bei @nttiiic(e> 
lun0geri^t4te(182S)unb 3oI|anneS9niiner 
(1834) oB bei bei wrölei<l6enben SUbipboIoflie 
unb VtmllolDgie. (Sin @(^&ki beS Settnen, 
Ifeeobot Bemann, f^f 1836, im ^nein 
mil3R- 6(^Ieiben, bie giunblegenbe SeOen* 
•^(TCie. S^n ooi^ei ftatt« S^ell (1830) He 
SntmittelungSgef Att^te ber @rbe onf notiiiÄi^e 
Uifac^ jurfidgef&Iirt unb bamit ont^ f&t un« 
tnni Planeten bie @eltung bei metbaniMen 



ÄoBmogenie bcftätigt, roel*e Äant bereits 
1755 mit tülpxtz &anb entnioifen ^tte. Snb> 
Ii4 nmriM bur4 Stöbert STtaner unb $elm- 
^olt (1842) baS ffinergie-Srinetp feftgefteHt unb 
bamit bie Jtnwtte, ergängenbe ©olfte beB gingen 
@ub|lan}>®efe|eS gegeben, beffen eiße igälfte, 
bie Aonftoiq bei Tlatetit, f<$on Sacoifiet 
en&t^ haut. HKcn biefen tiefen (Einblitfen 
in baS innere SBefen bei Jlatui fettte bann soi 
nierjig Sa^ien S^iileB Sarniin bie Arone 
onf bni(^ feine neue ISntnjicfelungSle^ie, baä 
gibgte nahtivBilofopgift^ Steigni^ beS 19. 
3aftiftnnbeit8 (1859). 

!Sie VfxViU ft4 ttnn lu biefen genialligen, 
oKeS ^ü^ meit fibeibietenben ^oitf^tilten 
bet ?2atnrei{enntni| baBmoberneS^ri^en' 
f &um? Sunäi^fl mnibe natnrgemäS bie tiefe 
ftluft jroift^n ben beiben &auptii^tungen beS« 
felben immer girBfier, gniiftiien bem lonferoo- 
tioen ?api8mn8 unb bem ptogrefftoen ^ro- 
teftantiSmuS. SleiuItiamontane£leru3 (— unb 
im Seiein mit i^m bie oii^obo^e .^oangelifc^ 
SQtong' — ) mußten notuigemäß jenen mäk- 
ligen (Siobeiungen be9 fteien @ei^B bett 
Öeftigften SJtbei^nb entgeßenfe^en; ftt »et- 
darrten unbeirrt auf i^iem fhrengen ajut^Roben' 
©lau&en unb rterlangtin bie uiüebingte Unter- 
roeifung ber Sßemunfl untei baS Sograa. 3)et 
liberale ^loteftantiSmuS hingegen oet- 
Pü^tiate flc^ iramei metir ju einem monifti- 
fdien ipantbeiämuS unb fhe&te nac^ SSet- 
fS^nung ber beiben entgegengefetjten ^lincipien; 
et fn^te bie unnermeiblidie Stneifennung ber 
emT>iiif4tien)iefenen9taluigefe^eunbbeibaitni8 
gefolgeiten pfiilofop^ifi^en ©i^läffe mit einei 
geläuteiten iHeligionSfaim ju neiMaben, in bei 
fieilid) oon bet eigentlid)en ©laubenSMre faft 
^äfii man übrig blidi. Qmi^ätm fieibm @;> 
tremen benagten fi^ ga^Ireidie Aompnmtiß- 
SeifudK; baiÄbet binauS aber brang in immer 
»eitetc ttteife bie Uebergeugung, bo| UiS bog- 
raatifcde ®6riilentSum übet&aupt leben ©oben 
wiloien \tait, unb bafi man nui fetnen roeit^* 
DoQen et^ifc^cn ^nlialt in bie neue, monifhfc^e 
9)eIigion beS 20. ^abibunbeitS binObeiretten 
tonne. 3)a ieboc^ glei^geitifl bie gegebenen 
äußeren go^men ber Iteirfi^enben ^rifttidicn 
SRetigion foitbeftanben , ba fle fogai troft ber 
foitfieffijiittenen politififten ©ntroitlelung mit 
ben pit^ifi^en Scbürfniffen beS ©taotä immer 
engei nertnüpft würben, entwitfelte fi(% jene 
weittieibieitete teligiQfe SScltanfdiauung bei 
gebilbeten Steife, bie wir nur aI8 Si^ein- 
i$iiflentf|um begeidinen tBnnen — im @runbe 
eine .«»fliafe Sfige- bebentli^ftet «ri 2He 
großen ©efo&ten, weli^e biefct tiefe Äonflift 
jwifi^ert bet wafiteH tiebei^eugung unb bem 
falfi^en Selenntniß ber mobetnen Sdieinc^tiften 
mit 114 bringt, ^at u.3I.ttefni4 2nas Koi- 
bau gef^ilbeit in feinem inteieffanten SQerle: 



6u6ac^nttl ttapiUL aSincnfi^aft unb ff^iftint^um. 



xvn. 



•Sie fionocnttonellen Süaeti bcr 
ßultutnienf*6eit' (188»; XU.Sluflflfl« 

1886). 

gnmilten biefer offen! unb igen Unroa^r- 
(laftigteit bei gtrrfi^tnbEn @cäetndjn|lent&untS 
ift eS ffii bcn poitfdintt bei vernunflflemälen 
Katurerfenntniö feftr roeitöonE, hoj beffen 
mäc^tigfter unb entf^iebenftet ©eener, ber 
VapiSmuS, um bie ÜJlitte beS 18- ^o^f 
^unbecte bie olte SRaSte aneeblidier ^b^eier 
@cifteSb Übung abgetODtfen unb bet felb^ftän» 
bigm ^iffenft^afl al3 TDld^i ben entf^ei- 
benben .Äawpf auf Sob unb SeBen' anfle« 
lünbiet fiat @3 gef^o^ bit§ in biet bebeu« 
tuneenoHen ßriegSeillämneen gegen bie Sei* 
nunft, fftt bereit Unjroeibeutigteü unb Ent- 
fcbieben^eit bie mobeme SßiiTenfi^aft unb ftul- 
tur bem tamifd)en .Statthalter @t|rifli' nur 
banlbar fein laim: 1. Qm Sejember 1854 per- 
lünbete bet $apft baB Sogma uon ber un- 
IftefleAtenempfängni^aRartft. n. Se^n 
SSoitti fpäter, im 2)e)emBer 1864, fprai^ ber 
.^eilige 3!atei' in ber berüchtigten SncQlIita 
baS abfolute SerbammungS-Uitfieil 
übet bie ganje mobetnc Sipilifation 
unb @ eine Sb Übung auS; in bem if 
gleitenben @i)![abu9 gab er eine Slufjä^lung 
unb iSerfluc^ung aSer eingelnen SSernunflfdge 
unb p^ilofop^ifc^en Sßrincipien, roeli^e pon 
unferer mobernen Sßi(fenfiiiaft aB fonnentlate 
SÖSaörfieit anerfannt fiub. m. gnblii feSte 
fet^ä 3a(|re fpäter, om 13. 3uU 1870, bei 
flteitbare Äixi^enfürft im iBotilan feinem Slber- 
mü bie jtrone auf, inbem er für fd) unb aOe 
feine Vorgänger in ber ^npftmürbe bie Un- 
feölbotleit in Slnfpru^ aaitm. Siefei 
Itiump^ ber ramifdien flurie rourbe bet et- 
ftaunten ffielt fünf Jage fpäter oerfünbet, am 
18. 3u!i 1870, an bemfelben bcnfroürbigen Inge, 
an meinem granfreii^ ben Stieg an ^reufien 
erllärtel ^ei iDtonale fpätet nutbe bie ipelt* 
Iti^e ^ettfc^aft beS VapfteS in Solge biefeS 
Krieges aufge^obeii- 

Unfe^IbarReit 6es popftei. 3)iefe brei 
niiditigften HUte beS ^ßapigmuS im 119. Salix- 
Iiunbert maren fo offentunbige ^auftfi^Iilge in 
bae Slntliti ber Sßemunft, ba| fie felbft inner- 
itaib ber ort^obojen lal^olifi^en ICreife von 
Anfang an boS b&c^fie ^ebenfen erregten. 9II3 
man im rati!anifct)en Äoncil am 13. Quli 1870 
jut älbftimmung über baS Sogma von bet 
Unfe^ibatfeit fd)ritt, erflarlen fii^ nui brei 
Viertel ber Sin^enfüt^en gu @unflen beSfelben, 
nömlit^ 451 Don 601 3lbftimmenben ; baju fefilten 
nod) DaE)Iteid|e anbete ^if^5fe, meEdie flc^ bei 
gefd^rlii^en SlbftiTnmung entgolten rooQten. 3n« 
beffen jeigte fic^ balb, ba| ber tluge unb menFc^en- 
{unbige ^apft rii^tiger gere(!|net ^atte alS bie 
jagfiaften .befonnenen ftatboHIen*; benn in 
ben Uicötalüubigen unb ungebilbeten SRaffen 



fanb au4 biefeS ungebeuerii^e Sogma trol 
aDei 9eben!en blinbe Unnobme. 

2)it gange ©ef^i^lc bcB $apfltbumS, 
roie fie burdi Xaufenbe Pon jupetf affigen QueQcn 
unb pon fianbgteifli^n ^iftotif^en Sotumenten 
unmibetlegli^ feflgenagelt ifl, erf^eint fflt ben 
unbefangenen Äenner aU ein geniffenlofeS &f 
nebe Pon Sug unb Xtug, oIS ein tücfflclitllafei 
©tteben naid obfolutet geifllit^et 6etif4»ft i«* 
meltlidiet Süai^t, alB eine frioolc Setleugnung 
aller bet bo^en flttli^en @ebote, meiere boS tsolirt 
SbriflentÖum prebigt: SDenfi^enlicbe unb Sul- 
bung, äBobr^t unb fieuftfi^eit, Sltmut^ unb 
Sntfagung. SQenn man bie lange Steige bei 
^äpfte unb bet rSmifi^en fiird)enfürften, lui 
benen fie gen&blt mürben', nad) bem 9)}a||lah 
ber teinen (^tiftltiben 3Jloral muftert, etgiEbt 
fl4 liai, ba^ bie gto^e Sne^tjabl berfelben 
f^amlofe ®autlei unb SSettüger roaren, viele 
Don i^nen ni^tBnürbige ißerbre^et. 2>ie|e aU' 
betannten ^ifloiifi^en S^atfai^en binben 
abet ni^t. baß no^ ^ute SÜtidionen Pon .gc 
bilbeten' gläubigen fiat^oliten an bie .ttnfe^l' 
barleit' biefeS .^eiligen ißaterB* glauben, bie 
er Pd) felbfl jugefptodien ^at; fte binbem niiftt, 
baß no^ ^eute proteßantif^e gütRen nai^SiDin 
faxten unb bem »öeil'aen Sätet' (ititem geföfti' 
iii^Ren geinbel) ibte löerefitung begeugem fie 
^inbem nii^t, bai no^ beute im £eutf(^i 
8iei*8tage bie Anette unb feelfet86elfet bi([(ä ■ 
.beiligen Oaullert" bie ®ef*itle beS SJeutfi^ui 
SolIeB beflimmen — bani feinet unglaublichen 
politif^en Unfd^igteit unb feiner ttititlcfn 
91dubigteitl 

«EncqMUa unb Sitlla&u*. Unter im 
angefübrten btei gtoßen ®en)altt^aten, bur(6 
raelt^e bet mobetne ^apiSmuB in bet jmeiten 
&Slfte beS 19. Sabtftunbettä feine abfolute öerp 
f^aft ju teilen unb ju befeftigen fu^te, tfi für 
uns am intereffanteften bie SBettünbigung bet 
Snc^ltita unb beS ©^IlobuS im 3)ejeni6ei 
1864; benn in biefen bentroütbigen SHtenftüden 
mirb ber ffietnunft unb SBiffenf^aft über^oupt 
JEbE felbftftanbige Ibötigteit abgefptoc&en unb 
ibte abfolute Unterroerfung unter ben .oUri«' 
feligmai^enben Olouben', b. b- unter bie $)f 
trete beS .unfehlbaren ißapfteS', gefotbert. Sie ■ 
ungebeure ©tregung, nieli^e biefe maglofe fftw 
Seit in alten gebilbelen unb unabhängig beitlen- 
ben Greifen betporrief, entfprad) bem ungeheuef 
litten SnÖalle ber Encullira ; eine porttefflifc 
Siöitetung i^tet luttutellen unb poütifdjen Se- 
beutung ^atl u- «. 2)tapet in feinet OefAii^tt 
ber fionRüte groififten SReligion unb &m'' 
f^aft gegeben (1875). 

Unbefledite «EmpfOngnifi &er 3uttS' 
trau marfa. SBeniger einf^neibenb unb w- 
beutungBuDÜ als bie ©ncptlita unb oliä w« 
Sogma ber ^nfaUibilität be§ qjapfteä er[*eint 
oieltei^t bo8 Sogma Pon ber unbefleilteii Elf 



xva 



6i(&ae^nte3 ßtOfiUt SÖifftnld^aft unb S^nftent^um. 



131 



irfdnpt6- Snbeffen legt ni^t nur bie rCmifc^e 
ßitmrt^te auf bitfeti @Iauben9fati ba3 bBdiFte 
Stmicfet, fonbent aa^ ein S^eil bet ortöobojoi 
?Mtefcmten (j. J8. bie eoangelif^e 3ttlianä). 
Sit foBenannte ,3mma(ulat'®ib*, b. 6- 
bie eibli^e äJeirftifieTuna beS ®IaubenS an 
lit unbeffetfte Smpfänenil SOTaria, ßilt no4 
knite auilfionen oon K^riflen alS ^eilige 5ßffi(ftl. 
8it[e ®iäu&tfle petbinben bantit einen boppelten 
Segriff ; Re behaupten, baß bie äJlutter bei Sung« 
ftüu iÖlatia ebenfo burcft beit . Reuigen ®eifi' 
Wru:4iet morben fei niie biefe fefbjt Semnocfi 
Bftilie tiefer feltfame ®ott fontoöl jut SWutter 
aÜ jur Zoditet in ben intimften Seäie&ungen 
flttenben l^aben; et mü^te mitbin fein eigener 
li^niiegetBater fein (©alabin). S)ie cergletdienbe 
ntb tritifdie SE^eoIogie tiat neuerbtngi nad)* 
pitefen, ba^ auid biefer QJt^t^uS, gleiA ben 
MriPtn anbeten ßegenben ber iriftlit^en ÜJtqt^o- 
b^t. leineSniegä origineU, fonbem auS äEteren 
Stligionen , befonberS bem Subb6i3ntu8, 
Sbemomnten i% Se^nlii^e ©agen Ratten fifton 
watete 3a6r&unbette oor S^rifti ®e6urt eine 
wil« Seibteitung in Snbien, Sperfien, Älein« 
Ifteit unb ©rie^enlanb. SBenn Äanigätei^ter 
(in anbere 3unßftttuen ttu§ ftaberen ©länben, 
Ane legitim ver^eiratbet au fein, bur^ bie ©e- 
iutt rinea ÄinbeS erfreut »utben, fo rourbe 
BÖ btt aSüler biefeS illegitimen ©prSfelinga 
HfiftenB ein ,®ott' ober .Satbgott' aaigeQtim, 
is liefern SoHe ber mijfteriöfe .^eilige ©eift'. 

Sie befonberen ®aben beS ©eifteä unb 
StTpe^, bur^ roetdie foli^e ,ßinbet bei Siebe' 
oft Dor geroÖ^nlic^en ünenf^entinbem fli^ aul' 
Ißdineten, ivurben bamtt jualei(!| t^eilnieife 
hii4 ajeretbung erlläit. Sol^e ftetoof 
ngmbe .®ötterf&^ne' ßanben fomoEiI im Slltet- 
tlum als im Snittelalter in ^oEiem 3tnfcben, 
loäiitenb bei SKoral-ÄobeE ber mobemen SiDili- 
fotion i^nen ben Süangel ber .legitimen' gltem 
ite SRalel aniedinet. 3n noit barerem Sßa^e 
BÜt bieg uon ben .©flttertai^tem", obniolil biefe 
OTien SJläbdien an bem fe&ienben litel ibreä 
Sueti ebenfo unfd)ultitg finb. UebrigenS neifi 
3^, bei fi^ an ber F^an^eJlgDoOen Sßqt^O' 
l»gi« beS tlcffifi^en atltertbnmä erfreut bat, mie 
inibe bie angeblid)en @5t|ne unb STBc^tet ber 
fltied|tft^en unb lömifi^en ,®ötler' fld) oft ben 
^idiften 3bealen beS reinen aJienfi^en'ZqpuS 
^ meiflen gend^eit ^aben; man benle nur an 
^ Btofe legitime unb bie no4 piel giSgere 
iOteittme gamilie beS SatternateiS 3eu3 u- f. id. 
^al au^ S^lefpeaie.) 

^aB nun fpecieQ bie iSefru^tung bet 3ung- 
trau ajlaria buidi ben ^eiligen Seift betrifft, 
fo nwiben mir burdi baä Se^gniS bei ® Dangelien 
m barübet aufgetlärt. SJie beiben Soan. 
Bdiflen, roel^e oQein baiüber Sevicbt erftatten, 
Katlbäui unb Sulaä, ergfi^len Übeiein- 
Knnnenb, ba^ bie iabifc^e Jungfrau IRatia 



mit bem Biinmennann 3ofep^ petlobt mot, 
abet obne beffen Snilmiitung f^mangei mutber 
unb jmai bur^ ben .Seiligen @eift'. SRat- 
tMu-S fagt QuSbiüifli^ (^ap- 1, SSeiS 19):'- 
.Sofepl^ iber, il|i 3Jlann, roat fromm unb'' 
mollte fle nic^t in Sdianbe bringen, gebacbte 
aber fte ^eimlit^ ju nerlaffen'; er mürbe eift 
bcfc^roiiStißt, aI3 ifim bei .©ngel b«B ©ettn' 
mittöeilte: Ma& in idt geboren ift, baS ift - 
pon bem beiligen ®eift.' ÄwSfü^tli^er eigätilt 
8u!qS (Sau. 1, aSerä 26—58) bie .Serlünbi- 
gung aJlariä* but^ ben grjenflel ®abriel mit 
ben SEßorten: .2)et beilige ®eift roirb über bii^ 
tommen, unb bie Itiaft beS &Bdi|len roiib bit^ 
überft^atlen' — ranrauf SÖlaiia ontroortet: 
«@i^e, t^ bin beS ^erm SUagb, mir geft^ebe, 
niie bu gefagt daft-' SSefanntlti^ ip biefer SBe- 
fui^ beS ©ngelS ®abriel unb feine SJertünbi- 
gung pon oielen berühmten SRalem jnm S)or« 
rouif interefjantet ®em4lbe flerod^It rooiben. 
©Doboba fagt batabei: ,3)er St^engel fpii^ 
ba mit einer Stufri^tigleit, »eldie bie SBlalerei 
itum @lü(t nidit mteberiiolen tonnte- @S jeigt 
^4 aud; in btefem ^aUe bie 93etebe{une eineS 
profoifi^en BibelftoffeS burd) bie Mlbenbe Äunft. 
ätüerbingS gab eS aut^ SRalet, meiere füi bte 
embrpologif^en iBettaditungen beS Srjengela 
©abiiel in tbien SatfteUungcn voEeä Ser> 
ftänbni^ bdunbeten.' 

Sie f^on poi^er angef&^rt rourbe, flnb bie 
Pier lanonifdien gpangelten, meldie Pon bei 
^riftlii^en fiii^e allein als bie eisten anei* 
lannt unb aliS bie @runblagen beS ®Iauben$ 
^oc^ge^alten metben, miCltürlit^ auSg^^^U au9 
einer Piel größeren ^o^l Don ®oangeIien, beten 
t^atfädilic^e älngaben h<it oft unter fli^ nidit 
roeniget roibetfpredien aI3 bie ©agen ber eifteien. 
Mt ßiii^enoäter felbfl gäblen ntt^t nienigei 
als 40—50 foli^cr unei^ter ober opotrqp^ei 
Suangelten auf; einige bapon fnb foroo^I in 
gtiei^ifdict al8 in Iateinifd)er ©protze poi» 
lanben, fo j. £9- baS @pangelium beS SotobuB, 
beS tiiomai, beS SRilobemuS u. Sl. Sie An- 
gaben, roeldie biefe apotrqpben Soangelien aber 
baS Seben 3efu matten, befonberS über feine 
®eburt unb iHnb^it, lönnen ebenfo gut (ober 
pielmebi grägtent^eilB ebenfo roenig!) Slnfprudi 
auf bifiorifi^e ®Iaubn)ürbtgtett ergeben alS bie 
piei lanontf^en, bte fogenonnten ,e^ten* 
@pangelien- ?tun finbet fi^ aber in einer 
jener apolrqp^en ©(Triften eine biftorift^e Sin- 
gäbe, bie roa^rfi^einlti^ boä .Sßelträlbfel' 
pon ber übeinatüilidien Smpfdngni^ unb ®e> 
burt Sbrifti gang einfadi unb natürlii^ 15^ 
Sener @efdiidilfiireibei ersd^It mit trodenen 
Sorten in einem @a|e bte meitmüTbige SlopeUe, 
roeldie biefe fibfung entbält: ,3ofepduS 
$anbeia, bei rbmifdie Hauptmann einer 
talabteflfdien fiegion, nwli^e in Suboo ftanb, 
petfftEitte SDlitittm oon Setble^em, ein ^ebrdt' 



St^je^ntrt fla;iittl. SSiffnif^aft unb C^flntt^um. 



xvn. 



f4ct SROb^m, unb n>ur&e bcr Satcr v 
3efui.' (äJnal. SelfuS, 178 n. fS.tn.) 

Katüilii^ roeiben biefe t|ifloTtf(!|en Sneaben 
son bm officiellen Zi^toloitn foiafdltifl .net- 
fc^raiegm, ba fic Tt^Ici^l gu bem tiabittoneQen 
SinqtliuS pa^eit unb ben 6(f|Ieiti Don beffen 
@e^eimni6 in ft^r einfallet unb nalfttlii^ei 
äBetfe lüften. Um fo me^r ift eS guteS fRei^t 
ber obfeltiDen ffia^cfiettSfArf^ung unb 
beiliee VRtd^t bcr reinen SJernunft. biefe 
roiditiflen flugabfn Iritir*^ tu prüfen. Sa er- 
diebt fl^ benn, ba| biefelben |I4er nieit me^r 
Knre^t auf (SlaubttPÜibielnt ^beit, oB alle 
onbeten aSetauntungen ÜEur ben nrfpning 
S^rifti. Sa mir feine 9art6enoeeneflS , bie 
fibcrnotaTliil^e (Brgeuguno buri^ .Uefierfdiattuna 
be* ftddiflen', auS ben brannten miffenf^aft- 
litfien Vtinctfiien ftber^aupt alS reinen Sü^tliui 
ablehnen muffen, bleibt nur nai% bie roeitoer' 
breitete SSe^uptuns ber mobemen .rationellen 
X^oloeic* übrig, bafi ber tübif^e 3innnennann 
Sofepfi ber iva^rc 9)ater von Gbrifiui se- 
nden fei. 3)iefe Hnnatnne rairb aber buri^ 
ser[il)iel)ene €ä^e beS lEnangeliumi auäbrftdli^ 
Riiberlegt; (SbriRuS felbft mar fiberieugt, 
,0ottcB So^n' gu fein, unb ^at niemals 
feinen Stiefuater ^cfep^ alS feinen (Ergeuger 
anertannt- Sofep^ aber nollte feine Sraut 
ÜRaria Perlaffen, alS er entbefte, ba^ He o^ne 
fein 3ittfiun fdiroanger geroorben mar- (St gab 
biefe Sbfl4t erft auf, nadibemtbm im jEraum 
ein .Snoet beS äemt' erfi^ienen mar unb Uin 
bcft^ividltiet batle- Mit im erften fiapitel beS 
epangeliumS snattbili (Ser» 24, 25) ouSbrüd' 
Ii4 benoigeEioben mirb, fanb bie fe^elCe Sßa- 
binbung »on Sofep^ unb S^aria jum erffen 
SDtale ßatt, na^^em 3efu§ geboien mar. 

Sie Slngabe ber alten apolt^ben Sänften, 
ba& ber r&mifcbc Hauptmann ^anbeio ober 
Uant^eraa ber roa^re Sater von (S^riftuS 
getoefen, erfdjeint um fo glaubbafter, roenn 
man oonflreng antbropologif^en (Seft^tS' 
puntten au3 bie$erfon ßbrifti tritifi^ präft- 
@en)ö^nlic^ mirb berfelbe alS reiner Stube be» 
trautet. äiUein gerabe bie ^boraltei'^üge, bie 
feine botie unb eble ^erfSnlii^teit befonberS 
au8geii^nen unb nel^e feiner .Steligion ber 
fiiebe* ben Stempel aufbrüden, ilnb entf^ieben 
nid|t femittf^; oielmebi erf^einen fie alS 
@iunbj&Qe ber ^öfteren arifi^en SRaffe unb 
poi Mem ibreS ebelften 3n>eise3, ber £ e 1 1 e n e n. 
3iun beutet aber ber 9lame oon SbriftuS' 
roabtem SJatet: .HJanbera', ungmeifelftaft auf 
beHeniffiien Urfprung ; in einet ©anbfdjrift mirb 
er fogar ,¥anbota' gefcbrieben. ^anbora 
mar aber belannttii^ nadi ber grieiftifi^n Sage 
bie eiße, pon IBuIton auS Srbe gebilbete unb 



oon ben OBttem mit aQen Stebreigen auige- ' 
fiattete ^rau, meldie Spimel^euS beiratbete, ; 
unb neldje ber ©Bcter-Sater mit ber ft^red- 
li^en, alle Uebel entbaltenben .^anbora-^üdife' 
)u ben SÜenf^en f^idte, gur Strafe bafür, ba& 
ber Sicbibnnger 9romelbeu8 baS gSttlüi^e 
iJeuer (ber .SJemunft'I) oom 6immel ent- 
nienbet ^atte. 

3nletelTant ift ftSrigenS bie perf(^iebene Ättf- 
fatfungunb8euTtbeiIung,n)eI4eberfiiebe3roinan 
ber Sniriam oon Seiten ber oier großen c^riftli^en 
ihiItur'91ationen Suropa'S erfabren bot- Stot^ 
ben ftrengeren SRoroI'Üegriffen ber gcrmani' 
fdien {Raffen »itb berfelbe f^Iei^toeg i>ei> 
rootfen; lieber glaubt ber ebrli^e Scutf4e unb 
ber ptübe ©rite blinb an bie unmSgltt^e ©oge 
pon ber Srgeugung bui^ ben .^eiligen Seift'- 
ajie belanni, entfpriiftt biefe ftreng^ fotgfäÜig 
gur Si^au fletragcne ijjrüberie ber feineren ©e- 
feHfibaft (befonbeiS in (finglanblT teineBivei^ 
bem niabren 3uftanbe ber fejcueUen SitUi^ikit 
in bem bortigen nHigh life". SU (EntbüKungen 
1- 8-, neldie baiüber pot einem Su^enb Sauren 
bie .VaH WaÜ ©agette' braute, erinnerten 
febr an bie ^ufAnbe oon Sabqlon unb an 
baS 9iom ber ßatferjeit- 

Sie romanifi^en klaffen, loeli^e biefe 
Vrüberie oetlatben unb bie fefueHen Ser&ölt- 
niffe leifttfertiget beuttbeilen, finben ienen 
.Sioman bet STlatia' ted|t angiebenb, unb 
bet befonbete l?ullue, beffen geroBe in JJta^^ 
rei^ unb Stauen .Unfere liebe grau" fld& er- 
freut, ift oft in mertraürbiger dlaioetöt mit 
jener SiebeBgefdiidite perlnüpft- So finbet 
g. «. ¥aul be Megla (Dr. SeSjarbinX 
roeltber (1894) .Sfefui oon 9Iagaret^ oom miffen* 
fi^aftlidien, gefibi^^tlic^en unb gefeüf^aftlt^en 
Stanbpunite auS bargefteUt' bat, gerobe in ber 
mebelidien @eburt Sb^ifti ein befonbetefi 
Enrei^t auf ben ^eiligenfi^ein, ber feine 
berrlii^e @eftalt umftroblt' I 

SB erfdiien mir notbroenbig, biefe mistigen 
fragen bet EbriftuB-SorfAung bier offen im 
Sinne ber objeftinen ©efdjiditg-aSiffen' 
fcbaft gu beleutbten, roeil bie ftreitenbe ffir^e 
felbft barauf baS grS^te @en)ic^ legt, unb neil 
|te ben barauf gegtünbeten äSunbir glauben al§ 
ftäitftelSiaffe gegen bie mobeme!SJeltanf4auune 
oenoenbel. Scr bobe etbif^e SJettb beS ur* 
fptunglii^en reinen SbtiftentbumS , bet oer- . 
ebelnbe Sinftuft biefer .aJeltgion ber Siebe' 
auf bie SuUurgef^ii^te, ift gang unabbdngig 
Don ienen m^tbologiftben Sogmen. Sie angeb- 
lidjen .Cffenbatungen', auf roel^e flt^ 
biefe Sn^tben ftü^en, ftiäi bagegen unoereinbar 
mit ben fldierften Sigebniffen unferet mobemen 
9IatuierlenntniC 



.,C(iog[e • 



xvni. 



äld^tjt^ntei SafütL Unfen tnonipili^t SitligiDit. 



flc^^e^ntes Kapitel. 

Unfere moniftifdie Religion. 

Dloniftilt^c Stubien über 6ic Religion öer Dernunft unft if(te (jannoixic mit 6er 
n)iflcn|(^aft Die örei Kultus'3öeale des IDa^ten, ffiutcn unb Simonen. 

Si^qU: a« SHoniSmuS al3 fflanb atoil^ni SReliflion unt. S[8if!en|c^afl. Sa Äuttolamtif. S«- 
u&ntffc Don Staat unb Stitc^t. !Ihiitctpien bei moittflild^ni IReligion. 36it bni AuItuS'^btalt: 
eof äßa^t, 0iitt unb Sc^Bne. (Btgtnla^ bei natüiUd^eti unb d^t^ttd^m ^a^^it. ^atuignie bn 
■mifHfc&ni unb ^ßlii^en Suaenb-SBegiiffe. ©Menfafe bn moniftifi^cn unb c^iiplittini tta.a.\t. 
Hbbone tSttonUmna unb Sttü^timia m 3SeItbiUieä. Sanbfc&aftä'Walmt unb Dubemn Ülatitc 
antug. ef^Gn^eitnt bn 9tanti. SieäfettS unb Smtith snoni^fc^e Aii^en. 

tnüpfen unb fomit gut SluSgleiiiune beB ®f 
genfatiei bettiageii, neli^ei jraifi^ni biefen 
beiben @ebtelen ber ftfli^Ren menfiili^en Oei- 
fttSt^ätigfeit unnSt^igei SBeife aufiet^t einölten 
mixb; baS et^if^e »ebürfniS unfeieS ®f 
mütl^eS raitb but* ben aJIoniämuS etenfo bf 
friebiBt rote baS loßifc^e Äaufolildtä'äßebütfni^ 
unfereS SleiftanbeS-' 

Sie ftarih SSittung, roeli^e biefec ällteiK 
buiger SSoitrag ^atte, bettieifl, bag i^ mit biefem 
moniftift^en ©laubenSbefennlnig nüt nur baä« 
lenige nieler Siaturfotf^er, fonbem autÖ goöl« 
reid^er e^btlbeter 3Ränner unb trauen auS 
tierfi^iebenen iBeiufgfretTen auSgefpro^en ^atte. 
fHiäit nur rouibe iä) but^ Öunberte oon gu> 
Rimmenben iBtiefen belohnt, fonbein auä) biirü) 
bie roeite Serbrettung beä SßortragS, von oel* 
^em innerhalb UäfS 3Ronaten fe(^§ Sluflagen 
erf(f|tenen- 3di barf btefen unenoarleten Sr- 
folg um fn bB^er anMIaflen, alB jetteä @Iau' 
benäbelenntnil urfptüngliii eine fteie ©elegen' 
beitSiebe mar. bie unDoiberettet am 9- Ottobei 
1892 in ^Itenburg mä^renb beS SubiläumS 
bet 9Zatuifotf<^enben ©efeUfcbaft beS OfteT' 
lanbeS entitanb. 9tatürlicb eifolgte aui^ baß) 
bte not^roenbige@egenn)itIung na^ ber anbeten 
Seite; t(^ rourbe nii^t nur oon ber ultranton' 
tanen¥tefTebee$apiBmugauf baS Seftioft« 
angegriffen , son ben gefcbniorenen Siertbeibisent 
beä SlberglaubenS, fonbetn aucb con .liberalen* 
ffciegämannem bei etongelifcben ßbriftentbumg, 
melcbe foroobi bie miffenfi^aFtlit^e läiobrbeit als 
auä) ben aufgetidtten @Iauben ju oertreten 
bcbaupten. 9tun bat ftc^ ober in ben lieben 
feilbeni nerflafTenen Sabren ber gro^e fiampf 
groifi^en ber mobernen Slatumiirfenfi^aft unb 
bem ortbobo^en Sbriftentbum immer brobenber 
geftaltet; er ift für bie erftere um fo gefdgr* 
lidier geroorben, je mäcbtigere Unterftügung baS 
legiere bur^ bie iiiai^fenbe geizige unb po- 
litifcbe aieattion gefuRben ^at 3fC bo^b bie 
leitete in man<$en fiänbem fi^on fo nieit Dot* 
gefi^ritlen, bag bie gefe^Ii^ garantitte Senl* 
unb OeroiffenS'Sreibeit proltiftb fditwr ge- 
fobrbrt roirb (fo a- ö. jeftt in Sägern). 3n 



Siele unb febr angefebene Slaturfoifi^er unb 
^^ilofop^en bei ®egenroart , roel4e unfere 
Dtoniftif^en Ueberjeugungen tbeilen, b<ilten bie 
Xeligion übetbaupt f&r eine abgetbane @ad|e. 
6ie meinen, baS bie Rare @infi(^t in bie SBelt- 
attttiidelung. bie roii ben gcrodtigen ®trenntrti6- 
fortfttititten beB 19. 3abrbunbert8 oerbanten, 
niiftt bloß baS ftaufatitatS-äSebürfni^ unferer 
Ser n u n f t poKtommen befriebige, fonbem auiii 
bie bödiflen ®efübIä'Sebürfniffe unfereä ®e- 
niütbel. aiiefe ttnfi^t ift in geniiffem Sinne 
ri^tigr infofetn bei einer noDfornmen Haren 
unb folgeri^igen ätuffuffung beS SliontBmuS 
t^d^Iid) bie beiben begriffe oon äteligion 
mtb SBiffenfdiaft }u @inem mit einanbei oet* 
fi^eljen' ^nbeffen nur roenige entf^Ioffene 
Senln ringen flt^ gu biefer büibßen unb rein* 
flen tliiffafTung von Spinoga unb @oet^e 
(«POt; otelmäir oerbarren bie meiften ©e* 
Hlbeten unferer 3ait (gang abgefeben pon ben 
ungeHUbeten SolISmaffen) bei ber ilebergeuaung, 
tat bie Steligion ein fdbftflänbigeS, pon ber 
ffliffenf(%aft unabböngige§ ©ebiet unfereS 
iSeißeSIebenä barfteQe, nii^t minber roertbooK 
unb unentbebilt^ als bie lettlere. 

SBenn nii bieten Stanbpunft einnebmen, 
tlnnen mir eine SerfSbnung groit^en jenen 
6*ib«n grogen, anffbeinenb getrennten QSebieten 
in ber Sluffaffung pnben, raelcbe i(f| 1892 in 
meinem HItenburger Sortrage niebereelegt babe: 
.Set SUIoniSmuS aI8 »anb groiffben Meligion 
unb Sßiffenfibaft'. 3n bem SBotmott ju biefem 
.,@Iauben8betenntni& eineS 91aturforf^er3' 
ftabe icb mic^ über befTen boppelten Qmtd mit 
folgenben SSotten geäußert: ,@rften3 mbibte 
t4 bamit berienigen pernünftigenSSeltan' 
ft^auuung atulbmd geben, roelt^e unS buri^ 
)iic neueren ^ortfdiritle ber einbeitli<^en 9iatui' 
Rlenntniß mit logif^er Slotbroenbiglett auf« 
Sebnngen roirb; fie roobnt im dnnerften con 
hi allen unbefangenen unb benCenben <ßatur' 
(nf^ern, menn aui^ nur menige ben SHuif) 
ober bae Sebficfniß baben, fle offen gu belennen- 
^mattnl mBdite ii^ baburcb ein ^anb 
mitten SReügion unb SQJiffenfi^aft 



134 



fl^tji^M aapM. Unfnt 



ntlHI^t SUiQlon. 



xvni 



htx £6at ^1 bei giofee tDcItaef^i^tlidlc <8ttfIeS* 
tampf, iDeldieii 3o6n 3)ioper in feititi h^c* 
fi^ii^te ber JIonfCtRe jmif^m Sleligion unb 
IBtfTenf^aft' fo coitre^i^ f^ilbett. fieute eine 
Steife unb äebeutung eilanät wie niejuiioi; 
man Ewgeii^net i^n beStalb feit 30 3al)ten mit 
üttifi als .ftultuifamvf. 

Der UuUttrfeampt* 3>i* betfi^mtc Sn» 
cqllita neliff S^IlaüuS, toelt^e ber ftieit> 
ian Vavft $iuS IX. 18U in oUe SDeU sefanbt 
bottc, txtlMt in bei ^tu^tfac^e bei aanien 
mobemtn ^ffenf^oft ben ftiicg; fic foibeit 
blinbe Unteineifune bei Cemunft untet bte 
Sognten beS .unfe^lbaien StottialteiB S^tiftt'. 
SoBUnge^eueilic^e unb UnetäBTte bieS brutalen 
Attentates eegcn bie 65d|ften Öfiter b« Aultui« 
SRcnfi^^it lüttcUe felb^ tnelc tiftat unb tR> 
bolcnte Semüt^ei aai i^iem genpolintcn 9Iau> 
benS-@4Iaf c 3m Seteine mit bei nai^foleenben 
Sextünbung bei vdpftlit&en Snfatlibilitdt 
(1870) tief bie (Encqtlila eiiie meitge^enbe Si« 
tegung ^emor unb eine enetgifi^e Utmtfft, 
totlätt ju b«i beften Ooffnungen beteiligte. 
3n bem neuen 3}eutf(^tn dttiift, wdätA in 
ben Kämpfen non 1866 unb 1871 untet fcöroeten 
Opfern feine nnentbebtli^e nationale Qin^it 
emingen 6attc, rouiben bie ftet^en Htlenlate 
beS $api3mu8 btfonbei> f4n>et cmpfunben; 
benn einetjeilS ifl 2)eutf<^Ianb bie Oebuit!* 
|14tU b«t Wefotmation unb Set mobetnen 
©eifteäbefieiuna; anbetetfeitä obei beftöt et 
leibei in feinen 18 SniUiDuen fiat^oltten ein 
mfti^tieeS geet von ftieitbaien Oläubieen, 
vatliiei an bttnbem ©ebotfam fltgen bie 99«fe&le 
feines OBet^rten pon feinem anbeten ftultui* 
Solte übeittoffen nittb. l&btiRuS fagt }u 
^etiuB: .3Beibe meine ©(^afel' 2>ie 9ta(^ 
folget ouf bem©tu^[e $etii baben baS .Sei- 
ben' in ,@d|eeien* übcife^t Sie liieiauS 
cntfptingenben @efa^ien etlannte mit Ilarem 
eiid bet geroaltige Staatsmann, bei baS ,po> 
litif^e SBelttdt^fel' bei beutfi^en 9talionaI> 
3etiiff enteil geUftunbunSbuii^beniunbeningS» 
nfitbige lätaatäluitß gu bem eifebnten Qith 
nationatei Sinbeit unb SHadit geffi^tt ^atte- 
gflrft Siäraard begann 1872 jenen be^^ 
nfiibigen, uom iSatilan aufgebtungenen £ul' 
turtampf, bet von bem auSgejeic^neten 
AultuSminift« Sali buiifi bie .Snaigefe^ 
gebung' (1873) ebenfo tlug alB energift^ ge- 
fübtt niurbe. Seiöei muftte betfelbe fcbon fe^ä 
Sa^re fpdtet aufgegeben merben. Obmoftl unfet 
giB&let StaatBmonn ein auägeaeit^netei SDlen- 
ft^enfennei unb finget Stealpolitifet raat, batte 
et boc^ bie 3nadjt oon btei geroalltgen &inbei' 
niffen unleif^äli^: eiftenS bie un&bettioffene 
€^Iaubeit unb genincnlofe tßetftbie bei iB- 
mifdjen Autie, groeitenS bie entfptei^enbe @e> 
banlenloflgleit unb Seic^tgldubigleit bei lut' 
gebilbetm Iat^oUfd)en ÜRaffen, auf meldie f^ 



bie ctftete Rfifete, unb biittenS bie Sßat^t bei 
Zt&qfttit, beS Sortbepe^enS beS Unoetnünfttgen, 
blo6 hmU el ba ill. So mufttt benn fdbon 
1878, na4b(m bei nögete ¥apfl Seo xm 
feine EReflientng angetteten ^tte, bet fdmiete 
•®ang na^Sanoffa* niebetbolt metben- Sie 
neu gep&tttc Waäft beS iSatilanB na^ fett< 
bem tviebei mdt^tig |u, einetfeitS buid) bie ge> 
mifFenlofen BtSnle unb ©djInngen-SBinbungen 
fein« aalglatten 3efuiten-$olitif, anbetetfeitS 
but4 bie falf4e itittficnpolitit bet beutfd^en 
net^Stcgiening unb bie meitniltbige politif^t 
nnfätigtcit bei bcutf4en SoUeB. So maffen 
»it benn am S^Iuffe bed 19. Sa^^unbetU 
bat bef'^'linenbc Sdiaufpiel eilelwn, ba^ bat 
fogenonnte .Centium im 3)tutf4on Stei^Stoge 
Xiumpf' i|l, unb \m% bie ®ef<i|ide unfeieS ge* 
bemüt^gten Sateilanb«! pon einet papiftifc^en 
$aitri geleitet meibcn, bcien ftopfjol)! nodii 
nii^t ben biitten 3l6eU bei gangen ISeoBIIetung 
betrögt 

31IS bei beutf^c fiultuilampf 1872 begonn, 
niutbe er mit oollem dttä)tt von aOen fiei 
benlenben SRännem als eine politif^ ff» 
neueiung bei 9tefonnotion begtütt, alS ein 
eneigir^ei Serfui^, bie mobetne fiultut von 
bem 3od|e bet paptfti^^en ©etfteB'Spiannei 
gu befteien; bie gefammte liberale $teffe feierte 
9ütft SBiBmard aI3 „poIittfd)en Sut^et", al> 
ben geipaltigen gelben, bet nict|t nuibie nationale 
(Sinigung, fonbern fluc^ bie geiftige Befreiung 
3)eultd|lanb8 etringe- S^Ön 3ttbre fpäter, naft- 
bem bei ^apiSmuS ßefifgt batte, behauptete bi^ 
felbe, liberale SPteffe' baB ©egentbeil unb etliartt 
ben flulturtampf fßr einen gtogen S«&Ieti ""* 
baBfelbe t^ut fe not^ ^ute. Siefe Sibalfat^t 
benjeift nur , raie tutj baS @ebad)tni6 unferer 
SeitungBI^teibei.mie mangelbaft ibte fienntnig 
bet @e[4idite unb mie unooQtommen il|te pbUo- 
fnpbifdie fflilbung iß. Seifogenannte.gtidienB' ; 
f^Iui gmi[cben Staat unb J^itt^e* ifl immei 
nut ein äBaffenftiililanb. 3)er mobetne VopiS' 
muB, getieu ben abfolutt^fifien, feit 1600 aalten 
befolgten ^rincipien, rntQ unb nui# bie X( 11 ei «• 
beirf^aft übet bie leii^tgldubigen Seelen be> 
Raupten; et mu6 bie abfolute Untermerfung 
BeB ffulturftaateS forbem, ber aI8 foliier bit 
Weihte bei Kemunft unb ffijiffenfc^aft »ertritt. 
Sßirllii^et Stiebe lann erfl eintreten, menn 
einet bet beiben rtngenben Aämpfet beroältigt 
am $)oben liegt. (Sntroebet flegt bie ,a[Ieiii> 
fetigmat^enbe Äir^e', unb bann bbtt .freie 
Sffiiffenfdiaft unb freie Sebre' übetbaupt auf; 
bonn roerben fii^ unfete Unioeiflfflten in fton- 
pilte, unfete ©ijmnQflen in fttoftetf^Ien w» 
manbeln. Obet eB fiegt bei mobetne SBetnunft' 
Staat, unb bann mirb fli^ im 20. ^obibuntiert 
bie menfi^Ii^e SBilbung, Steibeit unb SBoJI' 
ftonb in no4 roeit f|6I|etem ^aait foitf^reitenb 
entmWeln, al8 eS im 1». eifteulit&et ÜBeife bei 



IVIII. 



adgtjt^ntea AapiteL QnlKi 



rtifHföe Kriigton. 



135 



9oS geiDefen ift- (SeigL ^ierßbn @t>uarb 
eortmann, Sie @elbftgerfe|un0 be3 Sbttfteii' 
(JumB, 1874.) 

@eiabe juc SStbecune biefei 6oI|en ^tf'« 
nf^eint eS 6a<^ft mistig, ba| bie mobetite 
»aturatiffenMaft nic&t bloS bU Sffiabnflcbilbe 
btS SbetQlaubenB jeTttümmett unb beicn niüften 
S^utt aus bem tit^e Täumt, fonbem ba^ (1e 
011^ auf bem frei geroaibenen ^aupla^e ein 
neues tno^nli^eS @ebäube ffli bag menfi^Hi^e 
0emüt6 ^errt^tet; einen ^alaft ber iSer* 
nunft, in meinem rote mittelil unferer neu 
Stmonnenen numiftifi^en Keltanfdiauunß bie 
no^te .^eientieteit* beä 19- 3flftr^anS«lB 
anbdt^tig oere^ien , bie X i; t n 1 1 ä t b e S 
Sa^Ttn, @uten unb Sdibnen. Um ben 
SuItuS biefei g9ttlid)en Sbeole fiieifbat ju ge- 
lten, eife^eint eä not SlCem nortroeubig, unS 
mit ben Iienfi^enben neliQionSfimnen beS 
e^Tiftent^untS auS einanbei }u fe^en unb bie 
Scianberungen in'9 3luse }u faffen. neldie bei 
bei SrTetung bei Iet(teien bui4 bie eiFtere gu 
erftreBen flnb- ®enn bie diiiftlüe Meligion 
feefi^t (in i^iet uifpiünfllitfien, reinen 
5oiml) tro8 aDet SnlWuiet unb SWftngel einen 
fo ^o^en fittlidien SBert^, fte i^ doi EUem feit 
anbert^alb ^a^itaufenben fo ena mit ben mic^- 
tigßen focialen unb voUtifi^en Üinii^tungen 
unfeteä ÄiilfuilebenB oeiniQrfifen, bQ& mit un8 
bei 93egiünbuna unfeier moniftif^en Steligion 
mbgK^ß an bie beftefienben ^n^tutionen an« 
[e^en muffen. SÖit loollen leine fleroalltame 
9tet>Dlulion, fonbem eine vemünflige SHe* 
foimation unfereS religiöfen @eifte@Ieben3. 
9n Ä^Ii^er äöeife nun, mie üoi 2000 Sauren 
bie Üafflft^e $oefle bei alten Hellenen i^ie 
Xugenb'Sbeale in @5tter-®eftaKen »erfflipeite, 
Unnen mir aui^ unferen brei SSeinunft« 
3bealen bie @eflalt ^e^ier (Sbttinen oeilei^en; 
im ivoDen untetfui^en, nie bie biet ©ättinnen 
Im SBa^t^eit, ber Sdjen^eit unb bei 
ZuQtnb naH) unferem !BIoni§mu3 üc^ %f 
ftoUeni unb mir niaCIen ferner i^i SBei^Sltnil 
ju ben entfpie^nben OSttem be8 Söriften- 
üpimS unteifudien, bie fte eiferen foUen- 

L Do» 3btal 5er tDa^T^eit. SBit fiaben 
uns buri^ bie soi^erge^nben SSetiai^tungen 
(befonbeiS im ei^n unb biitten SCbfdinitt) über- 
ieu0t, bog bie reine ^al|i!|eit nur in bem 
lempel ber Katur-SitenntniB ju fhiben 
ift, unb tai bie eingisen biaui^baien SSege }u 
bemfelben bie Iritififte .Seoba^tung unb Sie* 
fl^on' Unb, bie empiiififte Srfoifc^ung beii 
Ibotfatfien unb bie teiunnftgemaße @r(eiintnift ' 
i^rei Bemittenben Uifai^en- So gelangen mii 
mütelft bei reinen 9)ernuttft jui na^ien 
Siffenfi^aft, bem toftbarften Sdia^e bei Aultur« 
SRenfi^beit- SJogegen muffen mir au§ ben ge- 
mutigen, im 16- Kapitel eiBiteiten Uifadien 
lebe fogenannte .Offenbarung' ablehnen. 



iebe ©laubenS'Si^tune, roelt^e be^uptet. auf 
übematüilt^em äßege Sßa^i^eiten ju eilennen. 

:|U beien Sntbedung unfeie Semunft nid)t 
auSiei^t Sa nun baS ganje @IaubenS<®e< 
bäube bei jübifi^-c^iißlic^en Sieligion, ebenfo 
mie baS iälamitifc^e unb bubb^iftif^e, auf folgen 
angeblii^en Offenbarungen beiubt, ba feiner 
btefe mqftif^en ^bantafle* '^tobutte biiett ber 
Ilaren empiiiFc&en Sfatut-Stlennlniß roibei- 
fpre<l&cn, fo ift eä fii^ei, ba^ mit bie S5Jaf|i&eit 
nui miltclft ber Seinunft-SiEiätigteit bei ed|ten 
SBiffenfi^Qft finben Mnnen, nid)t mittelft ber 
¥&antofte-3)i(^tung beä m^ftififten OlaubenS. _3n 
biefei ^ejiebungift eäganjft^ei. ba^ bie c^ii^* 
lic^e äBeitanfi^auung buid) bie moniftifcbe 
^btlofop^ie JU erfetten ift. Sie ®Sttin bei ^a^i' 
bei! niD^nt im Zempel ber 91atur, im grünen 
äBalbe, auf bem blauen SReere, auf ben f^nee> 
bebectten @ebiigät)i^b^ t — aber nit^t in ben 
bumpfen SaQen ber AlSfter, in ben engen 
ftertein bei £onpiIt>@i^ulen unb nii^t in ben 
nei^tauc^buftenben ^iiftli{^en ßiidien. Sie 
^cQe, auf benen mii unS biefei ^eirlii^n 
©Silin ber äßainbeit unb @ilenntnifl näbern. 
flnb bie liebetiolle. @ifoifcE|ung ber Siatui unb 
ibtei @efe§e, bie iSeobat^tung bei unenblid) 
giD^en ©lemenmelt miltelft be8 SeleftopS, bei 
unenblicb Heinen ^eHennjelt mittelft beS OTilio- 
ftopS ; — ober nit^t ftnntofe anbo^tä-Uebungen 
unb gebantenlofe @ebete, nii^t bie Opfeigoben 
beS ablaffeS unb bei ^steiSpfennifle. Sie (oft- 
baten @aben, mit benen unS bie ©bttin ber 
SBabibcit befdjenlt, flnb bie bmli^en ^i&dite 
com tSaume bei Sitenntni^ unb bei unfjiäg' 
bäte @eniinn einei tlaien, ein^eitlii^en Sielt' 
anfi^auung, — abei nidit bei @laube an über* 
natütliiiie .SBunber' unb boS SQalingebilbe 
eines .eraigen SebenB*. 

II. Dos 35eal ber Stigeti^. HnberB als 
mit bem eniig SSa^ien ceibält eS fli^ mit bem 
@otteg-S£eaI beB emig @uten. ^i^ienb bei 
ber @itenntni|l ber SQa^iäeit bie Offenbarung 
ber ßiii^e oBQig ai^guf^lie^en unb aQein bie 
Sifoifc^ung bei Eßatui ju befragen ift, fällt 
boflegen bei Inbegriff beS @uten, ben roii 
Sugenb nennen, in unfeieimoniftifi^enSHeUflion 
eiöltenl^eilä mit ber (^liftlidien STugenb ju* 
fammen; notürlicft gilt baS nur oon bem ui« 
fprünglicben, leinen S&riftentbum ber biei elften 
äobibunbeite, mie beffen lugenblebien in ben 
eoangelien unb in ben paulinifcben SSriefen 
niebeigelegt flnb; — eS gilt aber ni*t Don ber 
oatitanifi^en Sarilatut iener reinen Se^re, 
roelifie bie euiopäifc^e Kultur }u ibiem unenb- 
litten Stoben buri jioöif 3o&i^unbecte be- 
berrf*t ^at Sen beften Ziieil bei *iiftli(^en 
ajloial, an bem wir feH&alten, bilben bie 
ßumanitötS ■ <Sebote bei Siebe unb Sulbung, 
beB aititleibB unb ber ^ülfe- 9Iur flnb biefe 
eblen $f{i^tgebote, bie mon ali .^liftliAe 



136 



a^tjt^ttS AuttütL Unfnt monifKl^t 9t((!aioii. 



xvm. 



ÜRoial' (im bEflen ©inneD jufamraenfa&t, letiw 
neuen ffirfinbunBen beä 6^riflentlium3, fonbetn 
fle flnb Don biefem au8 äUeien 9teItaionSfonnen 
kexübttstnommtn. 3n ber %kat iß ia bie 
,®olbene 9teeel*, toel^e biefe &tbott in 
ciiiein @at)e jufammenfafit, So^i^unbeite Altei 
als ba8 IS^nflenl^um. ^n ber JßiatÜ beS 
SebenS obei iDiirbe btefeS nolflrli^e SiKeit' 
eefel ebeitfo oftDon üttteiften unb Sti^tt^iiften 
forgfam befalgt a!S Don frommen, gldubigen 
S^riflen au^er ^^t aelaften- ttebrigen3 if 

Sing bie i^riftli^e TugenbUb» einen erogen 
'e^Ier, inbem fie einfettig ben KltrulSmuS 
)um Oebote er^ob, ben l£goiSmuS bagegen 
oetniarf. Unfere monipifi^e @tbif legt 
beiben gleiiien aBerlfa bei unb finbet bie ooQ- 
tommene Xugenb in bem rid|ttgen ©leti^ge' 
midjt Bon Slä^Üenliebe unb Eigenliebe. (SÜergL 
Ravittl 19. SaS et^if^e ©runbeefeg.) 

III. Dos 3»eal ber Sc^Sn^eit. 3n 
gi&lten @egenfati gum S^rtßentbum tritt unfer 
SHoniSmuä auf bem @ebtete ber Sätbnktü. 
SaS uifpcüngli^e, reine Sbriftent^um prebigte 
bie SBerlglofigtett beS irbtfi^en SebenS unb 
betrachtete baSfelbe blo^ alB eine Sorbereitung 
füibaS eiDtfleSeben im .^enfeitS*. S)arau§ 
folgt unmittelbar, ba$ ÜQeS, maä baS menfi^- 
lii^e Seben im ,2)ie@feitS' barbietet, alle§ 
©djBne in Äunft unb SBiffenf^aft, im öffent- 
lichen unb prtoaten fieben, tetncit Serlb befltit. 
2)er roolire ©EpnR muß fl^ »on ibm obraettben 
unb nur baran benlen, Ptft füt boS 3enfeit8 
ntürbifl oorjuberetlni. S)ie SSerai^lung ber 
Statur, bie Jlbroenbung von allen ibren uner- 
fcb&pflicäen Steigen, bie ätermerfung jäiec %xt 
Don fi^anerJtunft finb ei^te ßbriften-^ili^ten; 
biefe mürben am ootltommenflen erfüllt, roenn 
btt SAenf^ fl^ von feinen ^ttnienfc^en ab- 
fonberte, 114 lafteite unb in Älöftem ober @in- 
fiebeleien auäf^liegti^ mit ber .Slnbetung 
®ottcä' befi!|äftigte. 

91un le^it uns freilid) bie ffulturgef^ic^te, 
ba& biefe aStetifi^e Obriften-SRoral, bie aäer 
Statur Sobn fpra^, als notürlii^e ^olge baS 
@egentl|eil berairtte. 3)te Siafter, bie Slffile ber 
Seuf^^eit unb 3u4t. rouiben balb bie iBrut- 
ftätten ber toUflen Orgien; bei fefueQe Berte^r 
bei Snsnc^e unb 9tonnen ergeugte maffen^aft 
SloueHen, niie fle bie Siteratur ber iRenaiffance 
febt natUTmabr gefdgtlbeit bat Ser ifuItuS 
bei ,®diBnbeit', bei bi'i getrieben mürbe, 
fianb mit ber geptebigten .SBeltentfagung' in 
f^neibenbcm SJüieifpimi , unb baSfelbe gilt 
Don bem £utuS unb bei $ia4t, stelle fit^ 
balb in bem fittenlofen ^lioatleben beS b&^eien 
lotbolif^en SIeruS unb in ber lünftlerif^en 
atuSftfim&ifung ber i^riftlit^en Silben unb 
filSfiei entmidelten. 

O^rtftH^e Uuntt SJtan wirb bin ein' 
menben, ba^ unfere Slnftt^t bur^ bie @d|ön' 



beitSfÜOe ber t^nftlidien ffunli miberlegt roerb^ 
meldie befonberS in ber iSIütbegeit beS Snittd« 
alters fo unpergänglii^e 3StÄt f^uf. 3)ie 
pracbtPoQen gotbift^en 2)omeunb bqjanttnifi^ 
SJafililen, bie öunbeite »on prü^tigcn ffopellen, 
bie Zaufcnbe »on SWormor-StatuEn ^riftlit^er 
heiligen unb Snärtqiei, bie SniQionen Don 
fi^önen ßeiligenbilbein , oon tiefempfunbenen 
Sar^eQungen von Sbii|IuS unb ber SRobonna 
— fle jeugen alle »on einei Sntmictelung bei 
ft^Bnen ftflnlle im ÜJlittelalter, bie in ibier Itrt 
einjig i% Me biefe benli^en Stenhnälet bet 
bilbenbcn ftunfl, ebenfo mie bie bei Si^ttunf), 
bebalten ibren iebtn äftbetifi^en Sffiertb. glei^- 
Diel, mie mir bie barin cntbaltene Snif^ung 
Don ,3Babrbeit unb Sii^tung' beurtbeileit 
Aber nag bat baS SlleS mit ber reinen ebrißen- 
lebie )u tbun, mit fenei {Religion ber @nt- 
fagung, mel^ oon aÖem irbift^en $runl unb 
®lan} , oon aller materiellen @d)5nbeit unb 
fiunft fl4 abmenbete, meiere baS Familienleben 
unb bie grauenliebe gering [(^ötite, meldie 
allein bie Sorge um bie immateriellen @ütet 
beS .eroigen SebenS' prebigteP 3)er Segriff 
ber .(^riftlidien Runfl' ift eigentlich ein äßtbtt' 
fpru^ in ft(E|> eine „Oontradictio in 
adjeoto". jjie reiiften fliriftenfürRen frei- 
lieb, roeldje biefelbe pflegten, oerfolgten bamit 
gang anbere Qmtdt, unb |le errei^ten fle aud) 
DoQftanbig. Snbem fle baS ganje Snteiejfe 
unb Streben beS menfi^Iii^en @ei|te8 in 
SJIiftelalter ouf bie djriftlii^e Äii^e unb 
beren eigentbümli^e flunft lenlten, nienbeten 
fle baSfelbe uon ber 9tatur ab unb oon ber 
@i(enntnig ber i^xa verborgenen S^S^e, bie 
ju felbftflänbiger^iffenf^aft geführt bötten. 
3(ugeibem aber erinnerte ber täglidfe ^nbliit 
bet überall maffen^aft auSgeftelltcn fieUigen» 
bilber, ber SlarfteKungen auS ber .beiligen ©e* 
ft^iälte', ben gläubigen Cbriften jebergeit an 
ben rei4^ ©agenfdia^, ben bie $bantafle ber 
Äir^e angefammelt batte. 3)ie fiegenben bei- 
felben mürben füi ioa!)re Srjdblungen, bie 
^unbergefäi^ten für roirllii^e Sreigniffe aus- 
gegeben unb geglaubt. Unjmeifelbaft bat in 
biefei ißegiebung bie cferiftlidie fiunft einen un- 
gebeuten ®influ6 auf bie atigemeine Silbung 
unb gang befonbeiS auf bie ^eßigung b*8 
©laubenS geübt, einen Sinflu^, bei A4 in bei 
gangen fiulluiroelt bis auf ben blutigen Zaq 
geltenb ma^t- 

motiiftif^e Uunft. £aS biametrole 
dtegenftüd biefer ^enf^enben ^nftü^en fiunff 
ifl biejenige neue Sorm ber bilbenben Sunfc 
bie fl4 erft in unferem So^ibunbert, im Qu- 
fammenbang mit bet Sßatutroiffenfcbflft 
entroiifelt bat Die ttbenafi^enbe (Srroeitetuna 
unfeier SBelftenntniJ, bie ©ntbedung Don iiif 
gäbligen fäSnen SebenS'&ormen, bie mir ber 
legieren Derbanlen, bat in unferer Qtü einen 



xvni. 



Slc^tjt^iitä Stafütl Unfete monifUfc^c Sbliaioit- 



137 



ifOt anbeien aWettf^en ©ittn qtmit unb 
imit au4 bei Eiilbenben fiunft eine neue 
üü^tung gegeben- 3aMTeid|e ivtffenfi^aftlii^e 
Seifen unb gio|e SEPebitionen }ui @[fotfd|ung 
imBdattnter Sänber unb SUIeete fBrbetten f^on 
im 18., noi^ oiel mtiti aber im 19. Satir^unbert 
one ungei^rtte Jütle von unbelannten orga- 
ntfi^en gönnen ju laae- SJie^abl bet neuen 
Xiier- unb ^flangcn'ättten tsudis balb tn'3 
nietmefiUcöe, unb unter bieftn (befonberä 
raUer ben frii^er ümiodjidfflgten nieteten 
Ätuppen) fanben Ilt^ loufenbe fc^öner unb 
tnleieffantei @eftalten, ganj neue SHotine für 
Snolerei unb Silbbauerei, für Stri^itettut unb 
itunfteewetbe- @tne neue iffielt tx^Moi in 
Üefei iSejieE|ung befonbeiS bie auSgebe^nteie 
mitioilopiSäit g^oifcEiung in ber jroeiten 
Eiälfte beS 19. So^i^unbeitS unb namentli^ 
He gntbeilung bet fabelliaften SEteffee-Se- 
miixiex, bie eift buti^ bie fieiüfinite S^aEenger' 
«jiebition (1872-1876) an'S ßic6t gegogen 
vuriien. Zaufenbe »on jieilit^en SRabiolatten 
unb X^alamopboren. oon prat^tigen SJiebufen 
unb fioiaUen. oon abentcueilii^cn SnoQuSIen 
unb Äiebfen erAffnetcn unä ba mit einem Mote 
eine ungeahnte gfüHe »on »etbotgenen gönnen, 
berat eigenaitige ©djön^eit unb ^nannigfaltig- 
leil olle Don bet menf^Ii^en $^anta|le ge* 
Maffenen ftunftptobutte neitauS übertritt. 
Ulein f^Dn in ben £0 gtolen Sünben beS 
lUaaenget • Serien ifi ouf SOOO Slafeln eine 
Otaffe foI(^er fi^anet @eftalten abgebübet; aber 
flucb in Dielen anbeten großen ^lai^tmexfen, 
nttld^e bie mät^tig roat^fenbe jooUieifdie unb 
totanif^e Siteratut bet legten 2)ecennien ent- 
eilt, finb 3Rinionen teigenbet tfotmen batae« 
iOi- 3^ babe tätjlid) ben SSetfucE) begonnen, 
in meinen .Äunftfotmen bet SRatur' (1899) eine 
31uSniaI|l oon feieren fi^i^nen unb teijDoUen 
@ef)Qlten neiteten Uteifen gugängüi^ ju ma<^en- 

Stibeffen bebatf eä nii^t nieitet SRetfen unb 
fQrtfpieUsei iBeite, um jebem 3nenf<^en bie 
Öetrlicf) feiten biefer Seit gu etfditie^en. 3}iel- 
inebi mßffen baffir nut [eine Stugen geöffnet 
nnb fein Sinn geäbl roeiben- UebeioU bietet 
tie umgebenbe Statur eine überreiche güQe 
Don fi^inen unb interefTanten Obieüen aQer 
Htt 3rt iebem SlRoofe unb ©nöbalme, 
iebem ßdfei unb @d)metterling flnben mit bei 
genauer Untetfuc^ung S^Sniieiten, an benen 
bet Üßenfi^ geroBbTtUiii aditloS DOtübeige^l. 
SoIIenbS menn mit biefelben mit einer Supe 
in fdimac^t SSetgrS^etung beltai^ten. ober 
tu4 mebr, uienn mir bie fidäere SergiSfierung 
cinti guten (Dlilro^oveS anmenben, entbeden 
vir überall in bet organif^en SRatut eint 
wne ffielt coQ unet^i^Bpfli^et Steije. 

Über niäit nut für biefe äft^etifcbe tSelrad)' 
tung bei ftleinen unb ftleinften, fonbem au<^ 
für biejenige beS @io^en unb @tÖgten in ber 



Statut ^Qt uns erft bo8 19. So^t^unbert bie 
atugen geöffnet, ißotö im ifleginne beSfelben 
mar bie Slnfl^t berrf^enb, bo| bie ^o^gebiigS- 
Statur jmar gro|artie, aber abf c^reiienb , ba» 
SDleer jroar gemaltig, aber futt^tbat fet Se^t, 
am @nbe begfelben, finb bie meinen @ebilbeteii 
unb befonbetS bie Setoo^net ber @to^fläbic 
glüdlii^i menn fte iü^rlii^ auf ein paat 
äBo^en bie ^ertlii^teit bet üipen unb bie 
ÄroftaUptüf^t ber Sletf^er genießen lönnen; 
ober roenn ffe flc^ an bet Snajettät beS blauen 
aJleeteä, an ben reijenben Snnbfc^aftSbilbetn 
feiner Äüften erfreuen lönnen. IQe btefe 
Oueüen beB ebelften 3iaturgenuffeS finb unä 
erft neuetbingä in ibtet gangen ßetrlii^feit 
offenbar unb oerftAnblii^ geraotben, unb bie et« 
ftaunli^ gefteigerte 8eid|ligleit unb ©c^neUigteit 
beS SerlebcS &at felbft ben Unbcmiltelteren bie 
©clegenbeit gu i^ret Äenntnig netfdjafft. ÄCle 
biefe Sottfrfiritte im oft^etifdjen SÜaturgenuIfe 
— unb bamit gugleit^ im miffenf^afllic^en 
9iatun)et|ianbni& — bebeuten ebenfo üiele gort- 
fi^titte in bet böseren menf(^Iii!|en QleifteS« 
bilbung unb bamit juglei^ in unfeter miw 
niftif(^en Religion. 

Can&f (^aft*nialeretuii5 snuftratton«» 
lOeilte. i}et ©egenfa^, in meinem unfet 
naturaliftifd^eS Sabtbunbett gubenootbet' 
aetienben antbropiftifi^en fte^t, prögt fl* 
befonbeiS in bei serfi^iebenen !Ö!ett^[4ät|un0 
unb SQetbieitung oon Sttußtationen bei mannig- 
faltigften aiatur-Obiette auS. 68 bat fi^ in 
unfetet 3«i' ein lebbafteS Ssnteieffe füt btlb« 
liebe SatfteUungen betfelben entmidelt, ba9 
ftiibcten Reiten unbe!annt roat; boäfelbe roitb 
untetftüftt buitb bie etftaun lieben Sottfcbritte 
bet Sei^nil unb beS SetlebtS, melifie eine all- 
gemeine Serbtettuna betfelben in roeitefien 
Steifen geflotten. ^i^blreidie iHufttitte ^eiu 
ftfitiften uetbreiten mit bet aflgemeinen Sil- 
{luna guglei<^ ben Sinn für bie unenblit^e 
©d)Bn6eit ber SRatui in aÖen ©cbieten. Se- 
fonberS ift eS bie Sanbf^aftimaletei, bie 
bier eine ftubet ni(^t geahnte Sebeutung ge- 
iDonnen ftat- ©^on in bet etften fedlfte beS 
19. Sabr^unbettS batte einet unfeter grBfiten unb 
oielfeitigften 9]aturfotfcber, Slle^anbet Cum« 
bolbt, batauf bingeniiefen, raie bie Sntroide' 
lung bet mobetnen fianbfdiaftSmaletei nii^t 
nut aI8 „älntegungS-aRittel gum SRotut-Stu- 
bium' unb al3 geogtapbifdieS SlnfcbauungS' 
EDtittel VOR ^obet ^ebeutung fei, fonbern wie 
fle auiii in anbetet iSeaiebuna als ein ebleS 
SUbunaSmittel bo4)uf(^ä^en fei. ©ettbem ijl 
bet ©inn bafüi no4 bebeutenb meitet ent> 
mtiielt. @S foUte aiufgabe iebei Sdiule fein. 
bie ftinbet frübgeitig gum Oenuffe ber Sanb- 
f^aft anjuleilen unb ju bei bödift banibaren 
Süri% ße but^ geii^nen unb aiquattll-aRalen 
ibtem (Sebäcbmil einauptägen. 



138 



U^tjt^itttl Ita^Üil Uni« numi^f^e »elialon. 



xvin. 



mobenicr noturfiettuf). 3)eT unenbli^e 
Rci(t|tlium ber 9}atui an @(i|3nem uttb Sr* 
^ennn bietet iebem SnenMen, bcr offene 
äugen unb dftbetif^en Sinn beft^t, eine un- 
nf^fipflidic Sfille bn (enlii^ften @aben. €o 
nnt^DoB unb beglütlenb abei auc^ bet un> 
mittdbaie @enu^ iebei einjelnen @abe ift, fo 
npiib beren fEiedit bo4 no4 bo4 eefleieert 
buic^ bie ISrIcnntnig i^ci SSebeutung unb tbreS 
Sufaramenbangeä mit bet Übrigen ^atut. 3118 
äle^anbei Sumbolbt vev fünfjia 3abren 
tn feinem eiolanigen ,fioBmo8' ben ,@nt> 
muif einet plnfifiien Sieltbefditeibung' gab, 
oB er in feinen mufteigültiscn ,3(nftd)ten bei 
Jlatur' miffenf^aftlic^e unb ftft^etifdie fSt- 
tiac^iung in glüdlt^ftei SBdfe nerbunb, ba bat 
er mit iRe^t benoreeboben, nie eng bet Deiebelle 
9tatuieenuf mit bet .iniffenf^aftiidieit 6t> 
arünbune ber SBeltgefe^e', :)ei;lnflpft ift, unb roie 
beibe oeteiniet boju bienen, bal SJlenfi^enreefen 
auf eine bötjeie Stufe bei äiollenbung }u er* 
beben. Sie ftaunenbe Seniunberung, mit bei 
niii ben seftinüen Fimmel unb ba8 mifro* 
fIopifd)c Seben in einem SBaffertropfen bf 
trauten, bie ISbtfurdit, mit beiioii baS raunbei' 
baie Ifflirten ber Snergie in ber ben>eeten SHa* 
terie unterfuc^en, bie Snba^t, mit melt^ei mir 
bie ©eltuns be8 aQumfaffenben Subftan}«®«' 
fetieS im Unioeifum Detebren, — fie alle 
finb $e|lanbtbeile unfeteS @emütb8-SebenB, 
bie unter ben SJegrift bet .natätli^en SRe- 
ligion" foDen- 

Ciesteits unb 3en|eits. £ie angebeu- 
telen ^ortfcbrttte ber ÜReujeit in ber @r!enntniS 
bei :Sabren unb im @enuffe beS Sc^bnen 
bilben ebenfo einetfeit8 einen mertbDoHen 3n> 
balt unferer monifti[(ben iReligion, ali fte an- 
bererfeitä in feinbli^em ©egenfa^e jum Sbriften- 
tbum fteben- 3)enn bei menfcbli^e ®Ei^ I<bt 
bort in bem belannten ,Sie8fett8', biet in 
einem unbefannten ,3«nfeit8'. Unfer äJIiv 
niSmuB lebrt, bafi mir ftetbti^e flinbet ber 
®rbe Unb. bie ein obei jroei, b^t^f^^B btei 
,9Tlenfi$enaliet* binbutdi baB @IlicI Eiaben, im 
SieSfeitB bie ^enltc^Ieiten biefeS Planeten gu 
genießen, bie unetf^^Spfliiie Saile feinet ©^Sn« 
^eit ju fi^auen unb bie iDunbeibaten Spiele 
feiner 9Zatuittäfte gu ernennen- 3)aB Sbriften- 
t^um bagegen lebrt, baf bie Srbe ein elenbefi 
Sammettbal ift, auf mel<!^em mir &lo^ eine 
lurje Seit lang unS gu tafteien unb abgu- 
tfu&Un bleuten, ym fobann im ,3enfeit8' ein 
cmigeB Seben colIeT sQJonne gu geniegen- ^o 
bicfeS .SenfeitB' liegt, unb mie biefe Setrlii^- 
Eeit be8 emigen SebenB eigentlii^ befibaffen fein 
foll, baS iaX uns nodi teine .Cffenbaning' ge- 



fügt Solange ber ,&immer ffir ben SRenfi^ 
ein blaue8 B«!' n"t<^r autgefvannl über ber 
fi^eibenfOrmigen Qrbe unb etleuditet bui4 bal 
bitntenbe Sampenlidit einiger taufenb Sterne, 
tonnte fitb bie menfd)Iii^e ^^antafie oben in 
biefem ^immelBfoal aUenfoIlB baS ambrofif^e 
OafImabI ber olqmpifi^en ®ßtter ober bie 
Xafel'^ieuben ber SialboHa-iSetvobner doi' 
fieOen- 9Iun i^ aber neuerbingB für aBe biefe 
©ottbeiten unb für bie mit ibnen tafelnbeit 
.unfferbliifien Seelen' bie offentunbige , oon. 
3)ao{b Stiau^ gefcbilbette SBobnung!' 
nolb eingetreten; benn roti miffen ie^ bun^ 
bie Sftropb^fil, ba^ bei unenblid)c Etaum. 
mit ungenießbarem Sletbei erfüllt ift, unb baB 
SRißionen pon SSeltlüipeni, nad) etoigen 
ebernen ©efegen bemegt, fi4 laftloS inbnn* 
felben umbertreiben, aQe im emigen grofien 
.äBetben unb $etgei|en' begriffen- 

inonittlf<^e Ktr^en. Sie Statten b« 
3Inbad|t, in benen ber SRenfi^ fein religibfeli 
@emütl)8'9ebfirfnifi befriebigt unb bie Segen« | 
ßAnbc feinet SInbetung nerebrt, betracbtet et 
aia feine gelKÜigten .flirdjen'- 3)ie Vagoben 
im bubbÜi^f^en üflen, bie grie^ifc^en Sempd 
im tlafflfcben SItertbum, bie Sqnagogen in 
^atäflina, bie Sltof^een in Sgqpten, bie bf 
tEiolifdien Ziome im f&blit^en unb bie enon' 
geiifdgen fiatbebralen im nStbli(^en @uropa — 
aQe biefe .©otteBbäufer" foden boju bientn, 
ben aWenfdjen über bie aHifere unb $rofa b«B 
realen SIÜtagBlebenS gu erbeben; fie foOen ibn 
in bie SBeibe unb bie ^oefle einet ftifttzm, ib*- 
alen ^elt Deife&en- Sie eifütlen biefen 3"*' 
in Dielen taufenb Detft^iebenen formen, ent« 
fpredienb ben petfi^iebenen Äultutformen unb 
Beitperbältniffen. Set mobeine 3)1enf4, mel^ 
.aBiffcnft^aft unb Äunft' beflljt — unb bamit 
jugleii^ autft Steligion — , bebarf leinet be- 
fonbeten Air^e, teineS engen, eingefi^loffenen 
9)aumeB. Senn übeiaH in bei freien 9tatut, 
mo ei feine Sliife auf baB unenblit^e Unioef 
fum ober auf einen Zfteü beSfelben riditet, 
überall finbet et jmar ben batten .Aampf um'! 
3)afcin', abet baneben auc^ baS rSßalite, S<b8ne 
unb ©Ute'; übetoK finbet et feine ,Sit(be' in 
ber benutzen Siatui felbfl. Snbeffen mitbel 
bo(% ben befonberen Sebürfniffen pie(eiSI1enf4a> 
entfpiei!)en, aucb augerbemin f^Bn gef<i|mii(Ren 
Xempeln ober ^iicfien gefdiloffene 31nbadit{> 
bäufer }U beulen, in bie fte fid^ gurüc^ieben 
[Önnen- ©benfo, roie frit bem 16. äo^bunbett 
ber ^apiämuS gai|Itei^e ßit^en on bie fflefo^ 
mation abtreten muftte, roiib im 20. Stobi^nnbeit 
ein gio^ei Sbeil beifelben an bie .freien 9f 
meinoen' beB SRoniSmuB fibergeben. 



^öbyGoogle 



XIX. 



gintny^ntti Stapütl Vm]nt mDntßili^e Sittntlt^te. 



tteun5c^ntes Kapitel. 

Unferc moniftif^e SittenUltre. 

IItoni{t{{{^e Stubien Aber bos et^ijt^e (ßntnbgefe^ 6Iei(^gmii^t 3n>t|(^en Selbft- 

lit&e unb ttädiftenliebe. <5Ieid|bered)tigung bes ^oismus unb Altruismus. Seilet 

ber i^Ti(tI{c^en DToroL Staat, S^ule unb Kiri^e. 

JnialU aRoniftifAt unb bitalt^f^c CfEiit. flSibtx\pmii ba xtiiutt miti ^idti|4eii Snnunft M 
anL Sein tottBOtlfcfi« ampetaHo. ^ii 9leolanHonet. finbnt 6)»fnc«. «aoiSmi^ nnb «Itnt* 
-" '"etbftlitit uttb 9iai!|petiltebt). Otquitialnn beibtt SlatuirliWt 2)td rt^fcfe »ninbflefeb: bll 



^mä)!. eiiitnltlixt. ^nai^tia» bc8 3nMt>ibtiitntS, bc8 Sritti, 
bei mau. $iipimi(tie anornl. llnfttUi^ Solam bä CGlibaM. 
. SBlibat, 01ptribriä)tt unb 9&Ia|(taiii. 6taat unb ftted^ 



1« iRahn:, Det Äultuir, bee afamilie, bet 

Sol^ttOTbialett ba Sttf^afmnB Bon 6L..._., _, ,„ „ ,_ 

Stttsiim ip[ $iiDalfac^ Atr^t unb 6^uU. €taat unb St^ulc 9Iot^tDcnbig(rit btt SätuU^tefatm. 

3)a3 ptoltir^e Sebeit fteHt an ben Sltmf^en 



Eine Steilie »on ganj beftimmten fittliiiien ain* 
fnbeiuttQcn, bie nui bann ndittg unb natui- 
gntiit^ erfüllt nmben tSnnen, nenn ße in 
leinem Sintlang mit feiner uemünftieen äBelt' 
tmfc^uung fielen- Stefem ©tunMate unfeiei 
wcnifKf^en p^ibfopfiie ju Solge mu^ unfere 
gcTommte Sittenlehre ober @tl|tl in uer- 
nünfttgem SuTammen^ane mit ber einlieitli^en 
Xuffa^ung beS „floSmoS' fteE)en, melifie mir 
)iur^ unfere forte eft^rittene ^ttenntniß ber 
Statur- @efege getoonnen oaben. Sie baS sanje 
unenblt^e Uniserfum im Sii^te unfereS SDlo- 
ni3mu$ ein einjigeS grogeS @anje8 barfteUl, fo 
biibet aui^ ba8 Qetftige unb 1lttlid|c Seben beS 
Slenfien nur einen 5Ef)eil Mefö .Bo8mo8', 
unb to (ann ouc^ unfeie natuigemftSe Dtbnung 
BtSfenien nur eine ein^eitli^e fein- @8 giebt 
ni^t jmei ocrfdiiebette, getrennte 
Selten: eine p^qfift^e, materielle unb 
eine moialifiie, immaterielle mdU 

®an§ entgegengefetiter 9In(ld|t ift bie grofie 
W^rja^I ber ^dilofop^en unb X^eologen not^ 
iieute; ^e be^u;)ten mit Immanuel Aant, 
tag bie flttli^e ÜBelt von ber p^qflfcEien aoitj 
unabhängig fei unb gang anberen ®efetten ge- 
iatifi; alfo mfiffe audi baS fittlit&e föf 
ivugtfein be3 Wltn^äitn, alä bie iBaflS beB 
uiDialifc^en SebenS, gang unabhängig oon ber 
toiffenft^aftli^en fflelterlenntni6 fein 
unb (l^ »ielmelit auf ben teligiöfen ©lauben 
H|en. aiie StlenntniS ber fittli^en SfDett foö 
banad) bur4 bie gIfluMge praftif^e SSer* 
nunft gef^e^en, hingegen biefenige berSlatui 
olier bet p^q|lfii)en äSelt burt^ bie reine 
Ueotetif^e Vernunft. 2)iefet unjnieifeE. 
tifte unb bemühte 2)uaIi8muB in Äant'S 
¥f|iIofopMe mar i^r giöftter unb (^werftet 
S'Mei; er ^at unenblii^eB Unlieil angenietet 
unb ni^ nod) ^eute mäi^tig fort 3net^ 
batte ber Iritifdieflnnt ben großartigen unb 
fumunberungSmürhigen $alaft bei reinen Sei- 
nunft autgebaut unb einleu^tenb gqetgt, baf 



biet großen Sential • Dogmen bei 
Snetap^qfil: ber peifönlii^e ®ott, ber freie 
SJiDe unb bie unfteiblii^e Seele, baiin nirgenb8 
untergebta^l merben I&nnen, jo boS nemünftige 
8en>eife für beren SlealitSt gai ni^t ju flnben 
flnb. Später aber boute bei bogmattfc^e 
Äant on biefen lealen flr^ftaH - $alaft bei 
reinen Siemunft baS f^immembe ibeale Cuft- 
fiftloS ber praßifc^en Semunft on, in meinem 
brei impofante fiii^enfc^iffe jui SBoIin^e 
iener btei geroaltigen mufKf^en ®oltE|eiten 
Öergeriditet mürben. Sabbern |ie butift W« 
Soibeit^üi mittelft beB ueinünftigen SiiffenB 
binauBgefi^afft naien, teilten fle nun bur4 
bie ^inlertliüi mittelft befl unoemünftiaen 
©laubenB mieber gurütt. 

3)ie i?uppel fein^ großen ®IaubenS-Some8 
tränte Aant mit einem feltfamen 3bol, bcm 
berühmten tategoiifcEien Srnpeiatio; ba> 
nai% iR bie ^orberung beS allgemeinen Sitten- 
gefeteS ganj unbebingt, unabhängig con 
lebei mficCndit auf SJirtliifiteit unb Snaeli^- 
leit; fte lautet: ,6anble iebeijeit fo, ba| bit 
ÜRa^me (obei ber fubidttice ©runbfat beind 
SBiQenB) }uglei4 oIB $rincip einer allgemeinen 
@efe^gebung gelten ISune.' 3eber normole 
anenfd^ foate bemna4 baSfelbe ^flii^tgeffibi 
^aben nie jebei SInbeie. 3>ie mobeme ilnt^ro' 
pologie bat biefen fc^inen Xraum giaufam }er< 
ftSrt; fle dat gejeigt, baß unter ben 9Iatut« 
ißöllem bie $fli4ten noi^ meit oeif^iebenei 
flnb als unter ben fiuItur.3!ationen. Slöe Sitten 
unb @ebrdu4e, bie mir al3 oermeifli^e Sün< 
ben obei obftfieutii^e Safter anfeljen (SiebRa^I, 
betrug, 3Jtorb, Sbebrui^ u. f. w-), gelten bei 
anbeten iSBlIern unter Umftänben aI3 jTugenben 
obei fetbft als ^flii^tgebole. 

Obgleii^ nun bei offentunbige @egenfa^ bei 
beiben SBetnttnfte oon flaut, ber principieUe 
SlntagoniSmuB ber reinen unb ber pial* 
tifi^en aSemunft, f^on im anfange beB 19 
Sa^i^unbertS ertannt unb miberlegt murbtv 
blieb er bodj biB beute in meiten fireifen ^en* 



140 



9bitiy(tiM AapitcL llitftit nonifüf^' düraUfitt. 



f4*nb- Sit nubentt 6(^ulc b« 9}coIaii> 
tianet yicbigt no^ böte ben ,8t&fganQ auf 
Jtottt* fo finbrinolitf) etii^ toeacn bicrri 
loiaiommcticn SualiSmuS, unb bic fiTcitmbe 
fitt4c untetMfet ü« UAn ouf'S ffidnnftc rocil 
i^t eigene! m^pifd^ei ®Iaube bftju DortrcffltA 
VO.it- Cin« tviitTimu Sliebetlagc bemiete betn> 
fclben eifl bie mobente Statunniffenfi^aft in 
ha jmeiten fiaifte btS IS. Sfl^i^unbeitS; bic 
SorauSfetuneen ber prottifi^en Sernunflle^re 
nntiben böbuiA IlinfaKig. Sie moniftifdlc ftoS* 
motoeit [>en>ieS ouf IBiunb beS Subjlaita-Qc' 
fetiei, baf eS feinen ,9ctf3nlid|en ISntt' giebt; 
bfe Deielci^enbe unb aenetift^e VTq^oI.ogie 
geigte, baf etni .unfteibli^tSedc* ni4l eEiffiren 
fann, unb bie moni^fi^e ^b^olooie nies nad), 
bafi bie Xnnabme beS .freien miUmi' out 
Xaufdning bembt Sie Sntnicfelungile^e enb- 
ti^ ms^te not, bafi bie .emigen, ebetnen 
naturgefele' bei anorganift^en Sielt aud| 
m bet Dieanif(^ unb moialifdien Seit @eltung 
^oben- 

Unfeie mobeme 9laturertcnntni^ loiitt 
«bei füT bie ptaüifc^ ^diloFoDäte unb @t^i( 
ni^t nur negativ, inbem fie ben fiantift^en 
2)ualiSinu8 jetttfimmeil, fonbem oud) ^lofitio, 
inbem fle an beffen Stelle baS neue Sebitube 
beS etbif^en SnoniSmuS fett- Sie seigt, 
ba^ baS ^rii^tatfübl beS Snenf^en ni^t 
auf einem tlluiorif^cn .lategorif^tn 3i»' 
pciatiu' beiu^l, fonbent auf bent lealen 
Voben bei fociaten Snftinfte, bie n>ii 
bei allen gefeKig lebenben bb^eien Sbieien fin* 
ben. Sie erfennt ali b&4fteS 3iel bei ^oxal 
bie &eifteQung einei gefunben £aimonte jroifi^en 
egoifimuS unb 9(IliuiStnu3, jrotf^en 
6elbftliebe unb Kä^ftenliebe- ^oi allen 3tn< 
bcren mar e3 bet gi^ofit englif^e VbiloFopb 
6e(beitSpencci, bem roii bie ^Segiünbung 
biefer moniflif^en fSiiiii bui^ bic (£ntQ)ide< 
lungSIebte neibanlen. 

SgoUtnus unb flltniistnus. 3)ei!DIenf4 
gebärt }u ben fDjta Ten äBiibeltbieien unb 
lot babei, nie alle fogialen Zbieie, jnieieilei 
oeifcbiebene ^flii^len, eiftenS gegen |i^ felbft 
unb jroeitenS gegen bie SefeUfi^aft, bei ei an- 
gebürL Sifteie flnb @ebote bei ©el beliebt 
<@eotfniuSX le^tere @ebotebci3'Iäi^RenIiebe 
01ItniiSmuä]L iSeibe natAiIi^e @eboie flnb 
gleidi beit^tigt, gleich natürlich unb gleid) 
entbebiH^- äBiH bei SAenf^ in geotbnetei 
(SefeUf^aft ejiftiten unb fläi tnobl beflnben, 
fo null et nic^t nui fein eigenes ®läi an- 
ftteben, fonbein aut^ baälenige Sei ©emeinf^oft, 
bei ei angeb^tt, unb bei .Statinen', roelc^e 
btefen focialen SSerein bilben. 6t nm^ et- 
lennen, bag ibT®ebeiben fein Scbeil^en ift unb 
tbt 2eiben fein Seiben. SiefeS foctafc (Srunb- 
gefet i^ fo einfaifi unb fo natuinotbnienbig, 
baß man fi&nei begieift. nie bemfelben tbeo* 



letifdi unb pioltifc^ miberfptocben mt 
fann; unb bo^ gefffiie^t baS no^ beute, 
rt feit Sobitaufenben gef^eben ifi. 

Reqnloolens bts SgoUmns mtb 
truUmus. Sie elci4e 9eted|tigung b 
bctbcn Katurttiebe, bie ntotolif^e @[ci(&niei 
teit bei Selbftliebe unb bei SiaÄiRenliebc ift 
wi^tigRe^nnbamental'^iincip unfi 
SRoial SaS bSt^fte 3iel allet neinünfl 
Sittenfebie iß bemnai^ febi einfach, bie 
fleHung beS .naturgemdßen @Ieid 
roi^lSjiroifdien SgoiSmuS unbmtit 
mu8. gnifcben Eigenliebe unb 9täcbftenli 
3)flB®Dlbtne©ittengefe(t fagt: .BJoS bun 
bag bii bie Seute tbuen foEen, baS Ibui 
ibnen au^' 9Iu8 biefem bb^ften &tbot 
GfiripentbumS folgt non felbfl, bafi mit eb 
beiltge $flii!|ten gegen unS felbfl mie gi 
unfeie Blitmenftben baben. 3ib bobe i 
Muffaffung biefeS ©lunbprincipB bereitt 
in meinem .3)toniBmuS' auSeinanberg 
{©. 29, 45) unb babei befonbeiB btei mit 

je betont: L SSeibe lonluiriienbe X 
finb Slatuigefefie, bie gum SSefteben 
Familie unb bei ©efeDf^aft gleii^ mübtig' 
gleit^ notbmenbis flnb; bei SgoiSmuS 
li(bt bie Selbßeibaäung beS ^nbicib 
bei ttItnitSmuS biefenige bet Gattung 
SpecieS, bie ftcb QuS bei fiette bei 
lieben Snbtutbuen jufanmtenfett- 
focialen $fli(&ten, meiere bie ©efeSfAl 
bilbung ben affocüilen snenftben aufeilegt. 
buitt) mel^e ^<f| bicfelbe eibftll, finb nui b' 
@ntroidebinnBfonnen bei focialen Snßii 
niel(^e nii bei aDen b^beien, gefeSig tebi 
^bieten finben (aI8 ,etbli4 genioibene @tn 
beiten'). tH. 8eim Aultutmenfdien flebt 
@tbil, fon)DbIbie tbeoictifibe alBbicpiatf' 
Sittenlebie, alB .Slotnupiffenfdiaft' in 3u 
menbang mit bei SBeItanf<bauung unb 
nad) au<^ mit bei EHeligion, 

Das et^ifc^« <Stun&gefet|. (3)aB C 
bene Sittengefe^) Huä bei Sneitem 
unfeteB ^unbamental-^rincipS bei 3Roid 
giebt flc^ unmittelbat baS bBd)Re @ebot 
felben, ieneS $fIicbtflebot, boS man jeftl 
als baS,@oIbene Sittengefe^ obei 
alB bie .^olbene SHegel' bejeidjnet. Sbti 
fptai^ baSfelbe raieberbolt in bem cinft 
@ate auS: ,3u foIIR beinen 9Id4 
lieben mte bi(b felbft' (SRattb- 18 
22, ■>, m; StBmet 13, e u. f. n>.); bei Span 
SJtaituS (12, ii) fügte gana lic^tig bingu: 
ift lein giügeieS ®ebot alB biefeS'; unb 9 
tbAuä Tagte: .^n biefen iniei Qtebotcn b' 
baS ganje ©efefi unb bie $iopbeten.' 
biefem n)ii!|ttgftEn unb b^^ften @ebote fti 
unfeie moniftift^e Stbil ooQfomnien 
bet i^iifiliiben übeiein- 9lut muffen 
gleii^ bie biftoiifdie Xbatfu^e bittjuf&gen, 



9Inuty^M StapÜtt Ünftit monilhf^t 6ittRiIel)n. 



141 



flufftellung biefS oberflen @iunbsefe|teB 
t tin SSnbtenfl Sbtilli i^. nie bie meiften 
Rücken Ideologen it^auftm unb ttice un> 
if4eit@I<iuMQenunbereiimonnebmm. SSiel' 
[ iß biefe Qtolbeitc iRegel mc^r als fünf* 
bnl Sa^ie ditei qK &firtftu3 unb von 
tn iMrf^iEbenen SBeifen iSrie^enlanbe unb 

Orients aß) ni^tifl^eS Sittengeft« an> 
imt. $ittato3 von ÜRqtilene. timi ber 
n Seifen OrieAentanbi, fagte 620 Sa^re 

eilriftuS: ,Ziae beinern 9]34ften ni^t, 

bu ii)m »erübeln wftrbefi.' — Äonfutfe, 
grD^e 4ineflf4e $f|ilofop6 unb SleltgionS' 
X (ber bie Ünfteiblidileit bei @eete unb 
peif5nli<&en ISott leugnete], fagte 500 ^a^te 
ebr-: ,%i)ue febem ^Inberen, maS bu ivillft, 
er bir t^un foS; unb tE|ue feinem Stnberen, 

bu rDiä% baH n bir nidgt tbun fall. 3)u 
i4fl nur biefeS @ebot allein; eS ift bit 
inblage aller anbeten @ebote.* — 
ftoteleS lehrte um bie Snitte beB vierten 
4unbert9 por (S^r.: ,9Bir follen unS gegen 
ere fo benebmen, aÜ tsir »Anfi^en, ba^ 
nt gegen unS bonbeln foQen.' !3n glei<^em 
le unb ium ^eil mit benfelben 3Sorten 

au^ bie @oIbene Siegel von StialeB, 
IrateS, StriftippuB, bem $i)l^agotdei 
tuS unb anberen ^^ilofop^en beB tlaffl- 
lüItert^umS— mehrere ^alit^unbeite 

S^tifluSI — auSgefptoüen. (3)etglei4e 
betbaS ni^tigeSBetf von Salabin: .^e* 
il'8 gefttmmelte SBetle'.) 31u8 biefet Qu- 
nenflälung ge^t I|en>or, ba^ boB ©olbene 
nbgefe^ tioltip^tiletif^ entßanben, b. f|. 
Derf^iebenen Reiten unb an cerfdiiebenen 
in von mehreren ^^ilofop^en — unab- 
}ig von etnanber — aufgeflellt notben i|t. 
eienfaQS müfte man annehmen, bafi SefuS 
tibe auS anberen ocientalififienOuenen (auB 
femitifi^en, inbifdien. 4ineftf<^en STrabi- 
m, befonbeiB bubb^iftifcben fiebren) über» 
men liabe, raie e3 legt für bie meinen anberen 
Hieben ©laubenBlebten nat^geraiefen ifU 
labtn fafit bie begüglidien Stgebniffe ber 
I tiitiff^en X&eologie in bem @at)e 
tnmen: ,S3 giebt feinen vernünftigen unb 
tif^en . von 3 e f u B gelehrten SRoral 
ibfi^, ber nic^t cor i^m au^ f^an vor 
e n geleiert moiben mdre' (X^aleB, Solon, 

. ,«, ^lato, Äonfutfe u. f. n).> 
C^rtftll^« Sittenlehre. Sa baS et^if^e 
iRbgefe^ bemnadj bereits feit S500 Sabxen 
!bt, unb ba baS S^iiftentbum baBfelbe auS« 
tlid) als ^Öi^jleB, ade anberen umfaffenbeS 
«t an öie ©pifte feinet Sittenlehre ftetlf, 
^lie unfeie moniftif^e ffitöil in biefem 
itigften ^unlte ni^t nur mit jenen filteren 
nifcäen ©ittenle^ten, fonbern aui^ mit ben 
RU(^en in ooStommenem Stntlang fein. 
'« rairb aber biefe etfreuli^e ^o^monie 



babuK^ geßbrt, baft bie Soangelien unb bir 
paulinifi^en SpiReln oiele anbete @ittntlef|ien 
entbalten, bie jenem erften unb obeiften @ebote 
getabeju miberfpre^en. 3)ic t^riftli^en Ideo- 
logen baben fld^ vergebens bemütit, biefe auf' 
fdDigen unb f^metjli<^ enqifunbenen ^ibet' 
fprüdie tmiüt tünftlit^e Deutungen ouBgU' 
gleit^en. SBii braudien ba^er Iiiei nt(6t baiauf 
einjuge^en, mfiffen aber mo^I tuij auf ienc 
bebau erlii^n Seiten ber dfri^idieR Se^tc btn> 
roeifen, n»Iifee mit bet befferen !SeIlanfif|auung 
ber Sleujett unvertrAglid^ unb bejüglii^ i^tet 
ptaftififein Sonfequenaen getabeju fi^äblitf» 
pnb. S)al|in gel|5tt bie Seta^tung ber (^rip* 
lii^en ÜRotat gegen ba8 eigene iQnbivibuum, 
gegen ben Scib, bie Statut, bie ftuUut, bie 
gamilie unb bie ^rau- 

I. äJteSelbfl'^^era^lunobeBS^tiften- 
tbumS. 91IB oberflen unb rat^tigften ÜRilgriff 
bet i^tiftli^en @tbit, melier bie ®oltiene Siegel 
getabeju aufgebt, müfTen mir bie lieber- 
treibung bet 91äif|ftenltebe auf Aoflen bet 
©elbftliebe bettac^len. SaS S^ftenlbum 6e> 
Cämpft unb veimirft ben SgoiSmuB im 
^tincip, unb bo^ ift biefet Slatuttrieb gur 
©elbjterboltung abfolut unentbe^rlii^ ; )a, man 
tann fagen, ba^ aut^ ber 3(lttuiSmuB, fein 
f^einbareä ©egentbeil, im @mnbe ein oer- 
fetnettet SgoiSmuS ift- <ßi(&tB ®toßeB, nit&tS 
Qikobeati ift jemals o^ne SgoiSmuS gefi^elien 
unb o&ne bie Setbenfc^aft, nel^e unS ju 
großen Opfern befähigt 9Iut bie 31 uS- 
fditettungen biefet Stiebe flnb ocnveiflic^. 
3u benjenigen ditiftlii^en Oeboten, meldge un9 
in ftü^eflet SEugenb als rotctiligfte eingeptfigt 
unb mel^ in EDtillionen von ^tebigten vet- 
^ettlic^t werben, geb&tt ber Sa* (ÜJlattWuS 
5,ii); .Giebel eute S^ittbe, fegnel, bie eud) 
flutten, t^ut roo^l benen, bie eu^ baffen, bittet 
für bie, fo eut^ beleibigen unb verfolgen.* 
SiefcS ®ebot ift fel|i ibeal, aber ptattift^ oon 
febr bebenflii^em ^eit^e. Sbenfo oet^ält eS 
fit^ mit ber Änroeifung: .Sienn bit 3emanb 
ben 9)ocf nimmt, bem gieb au4 ben Sliantel'; 
b. b- in baB mobetne Seben flbetfe^t: .SIBenn 
bi^ ein geroiffenlofet @d|uft um bie eine ©äifte 
beineB SSenuBgenS betrügt, bann fi^enle ibm 
au(^ noi^ bie anbete ©filfte' — obet in bie 
politifi^c Vta^iS übertragen: ,Sßenn eutb ein- 
fältigen Xieutfäien bie frommen (Snglönbet in 
Slfrila eine eurer neuen nett^vollen AoConien 
nac^ ber onbeten negne^men, bann fdjenlt 
ibnen audi not^ eute übrigen Solonien — obet 
am beften: gebt ibnen SJeutfi^Ianb no^ bajul" 
3)0 mit biet getobe bie vielbemunbette EJelt- 
mad)tS-$oIitiI beS mobetnen @nglanb be- 
teten, wollen mir im aSotbeigeben batauf bin- 
neifeui in melc^em ft^neibenben ^iber> 
fptu^ biefelbe }u ollen ©tunblebten ber 
4tiftli(^en Siebe fteljl, mel^e son biefet großen 



U2 



ntunje^nttS RapÜd. Ilnfm inoiiitlif^t Sittntb^ 



XIX. 



flation me^ alfi oon )eber anbeitn int 
anunbe ßtUkn uirb- nebtiflenS iR ia in 
offtithinbige SBibetfpTud) gnrif^en ber em- 
pfofilnttn tbealcn, aIttutRird)<n Snoiol beS 
cinjtelnen 3Jlenfd^n uitb bei realen, wtn 
t0oiftif4en SRotoI bei mmfdfltdicn <3 e> 
Ri c t n b e n , unb bcfonbnS bct (tirtftli^en 
ftiillui' Staaten, eine oübdannte Xbatfai^e. 
SS n&tt inteteffant, natlieinatifd) feRiwffellen, 
fwt neiget ^ail von octeinisten SRenfifeen 
baS altiuißifd^e 6itten'3beat ber einjdnen 
TerToit fic^ in fein Sesent^eil Dcnuanbelt, in 
bterein eooi|tifi6e .ffieol'^olitil' ber Staaten 
unb Stotionen- 

n. £ie SeibeS' Seiaditune beS 
Q^tiftentbutnS. Xa ber i^rililicEie ©laube 
ben Organismus beS Snenft^n flanj bualiftifcEi 
beiirt^eill unb bet unftetbliifeen ©eele nur einen 
ooTÜbeige^enben Kufentlialt im ftetbli^en Seibe 
aniDeift, ift eS gang natüitii^i ba^ bei erbeten 
ein tiel oberer wert^ beigemtfTen ndtb oIS 
bem (ebteien. SarauS folst iene Semad)- 
Uffigune bec SeibeSpfleae, bei tbipeili^n üuS- 
(ilbung unb EReinlii^Ieit, nieläie hat itultui- 
liben beS ^liülii^ SRittelalteiS Te^t jintiot- 
tbeilbaft vor bemlenigen beS beibnif^en Haffi- 
fi^en SllteitliumS auSjeit^net Snbeidiiifllidien 
Shtenlebie feblen jene Giengen ©ebote bei 
tafllidlfln SBaf^unflen unb bei fotgfflitiaen 
ftBiperpfleQe, bie mii in bei mobammebaniri^en, 
btt inbif^en unb anbeien Steltgionen nid)t nur 
ti|eDieti!4 feftgerett, fonbem audi pialtifc^ au3- 

SEfflbit fcben. Sias Sbeal beS frommen S^riften 
l in Dielen Äiaftern ber Penfift, ber (Idi 
niemals otbentli^ mäfiftt unb lleibct, ber feine 
öbel rie^enbe flutte niemals roet^felt, unb bei 
fitttt orbentltdiet Arbeit fein fauIeS fieben mit 
flebantenlofen Setabungen, ffnulofem gaften 
«. f. m. jubrinat- 9IIS SuSmü^fe biefet SeibeS- 
Miacdtune mBge noc^ on bie mibermärtieen 
Ougübungen bei ©eiglei unb anbei» Sfifetilei 
«linnert meiben- 

in. ^it Snatut 'Sieio^tung itl 
'C^tiftentbumS. Sine Quelle von unjlliiieen 
llienretifdjen 3trtbametn unb pröltift^en 
Seglern, con gebulbeten 9Iobbeiten unb be- 
bauerlii^en Sntbebningen liegt in bem falfi^en 
SlnfEiroptBmuS beS ßbrif>ent^um8, in 
bei e^ftulitien Stellung, roeli^e baSfelbe bem 
-ffllenfi^en ol8 .Sbenbilb @otteS' annieiR, im 
<Segenfat(e ju ber &brieen 9tatur- 2)abuii^ ^Qt 
baSfelbe ntcjit aQein gu einer bö^ft f4äbli(^en 
ISntfrembun^ non unfeiei 6eirlii^en SKutter 
.Statur' beigetragen, fonbern aui^ ju einer 
iebauernSnert^en Seia^tung ber übrigen 
Organismen- 2)a8 Sbriilentbum tennt nid)t 
iene rü^mli^e Siebe }U ben S^bieren, jeneS 
SDtitleib mit ben nädjßftebenben.unS befieunbeten 
@öugetbieien (&unben, ^ferben, JRinbern 
u- f. ro), roeldie ju ben Sittengefegen vieler 



anberer älterer Religionen g^ftren, »or Allem 
ber meitefberbreiteten, beS SubbbiSmuS- 
SBet Mngeie Seit im latbolifc^en Sfib^Suropa 
gelebt ^at, iR oftmals 3c"g' iener abfdteulic^en 
2:bierqufileieien aeroefen, bie unS S&ierf reunben 
foroobl baS tiefRe SRitleib olS ben ^Bi^ften 
Soin enegen; unb wenn ei bann ienen lo&en 
.Sbriften" Sormüife ßber iftie ©raufamicit 
ma^t, erbält ei jui latfienben Sntroort: .3a, 
"bie Jbtere flnb boi^ leine SbriRenl" Selber 
rourbe btefer 3irtbum auii buidi 3)e8carte8 
befeftigt. bei nui bem SKenfd)en eine fa&lenbe 
Seele auftrieb, ni^t abei ben Sbienn- SBie , 
eiboben flebt in biefer iSegiebung unfeie [ 
moniRifde €lbit ftber bei i^iiRIi^enl ^er ■■ 
SarminiSmuB lebit unS, ba^ mir juni^R 
von ^limaten unb meiterbin von einei 9)eibe 
alteret Saugetbiere abRammen, unb bog biefe 
»unfeie ffliü bei' Rnb ; bie Sb^Rologie ben«iR . 
uns, bafe biefe Ifiiete biefelben 91erven unb ; 
Sinnesorgane baben roie mir, ba6 Re ebenfo 
8uR unb Sdimerj empRnben roie roir. Jtcin ! 
mitfüblenber moniftif^er JUaturforfi^er wirb 
Rdi jemals jener loben SRilbanblung ber Xbiere 
fdiultiig madien, bie ber gläubige (HiriR in I 
feinem ontbtopiRif^en (SrüEienroabn — oIS 
.flinb beB ®oiteS ber SiebeJ' — gebanfenlol 
begebt — Xu^bem ober entgiebt bie piincipidb 
^latui-Seiat^tung beS SbiiftentbumS bem SRen- 
fdien eine ^Ile bei cbdften irbifdpen ^leuben, 
cor Sinem ben betrltAen, mafiibafi ei^dbenben 
91aturgenuß- 

IV. Sie ffultut-Setocbtung bei 
(SbriRenIbumS- So nai^ SbiiRi Sebie unfete 
®tbe ein Sammertbal iR, unfei irbifdjeB Seben 
ivertbloB unb nur eine Vorbereitung auf boB 
.eroige fieben' im bejTercn 3enfeitB, fo »erlangt 
Re folgeri^tig, boft bemgemäö ber SRenf^ ouf 
alles @I&ct im SieSfeitS ju vergilbten unb oSc 
bagu erforberlidjen tibifcben ©fltet gerinp 
gu aiiiten bat. 3" biefen .irbif^en @ätem' 
ge^bren aber füi ben mobeinen Jtulturmenfdteii 
bie ungdbltgen Ileinen unb großen 6ÜIfBmtltel 
ber Xec^nit ber dqgiene, beS Serle^rB, roel^c 
unfer beutigeB fiultuileben angenebm utÄ ge> 
mütblii^ geRalten; — gu btefen .irbtf^en 
Qlittem' gebbren olle bie boben @en&ffe bec 
bilbenben flunR, bei SonlunR. ber Spoefle, 
roel<^e fc^on mdbienb beS ^riftlt4en MiM- 
alters (unb tro^ feiner $rincivien!) R4 )u 
bober ^lulbc entroiitelten, unb meldbe roii m 
.ibeate Oüter' btx^fdbA^en; — gu biefen 
.iibifi^en ®ütern* gebbren alle jene unfi^tk 
baren Sortfdjritte ber SBiffenfiSaft unb vor 
SlCera ber Sßatureifenntnife, auf beten ungeobnle 
Sntroilfelung unfei 19. 3al|ibunbett in ber 
Stbat Roljj fein lann. SHe biefe »itbif^en @üler' 
bet oetfeinetten ßultut, roeli^e nadi unfetei 
raoniRifi^en Sßeltanfdiouuna ben böÄRen SfflettS 
beR^en, jlnb na4 ber c^iiRIiäen Sebre meri^loS, 



IX. 



^Inntjt^td AopiUL Unlm rnsni^ifi^f Citttnitte. 



143 



0ro6ent6cilS venverflic^, unb bit fttenge 
rijtli^ anoial tnug baS Stieben nai^ 
(f^ Ötütern eficnfo mildiUiBm, nie unfere 
BBMtii^ft^ ^^il baSfelbe biülgt unb etnvfie^It. 
'08 S^rtftent&um geigt ftd) alfo au^ auf 
cfem ptaltifcäen @ebiete fultuifeinbli^ ; bei 
ompf. loel^n bie tnobeme IBilbung unb 
i^enfdiaft baqtqtn ju führen gqiDitneen linb, 

aud) in bteTem Sinne .Jtiiltuitatnpf' ■ 

T. Sie Familien -SSeiat^tuna beS 
^tißent^umi. 3" ^'^ Sebauerlii^lten 
etten bei d)ri^Iid^en SRocal Qeliait bie Oe* 
ner<4&^ung , neldje baBfelbe gegen baS 
amilien'Seben it^^t, b. i|. gegen ieneS 
ituTgcmA^e Sufammenleben mit ben n&diflen 
lutBoenDanbten, raeli^eS für ben nonnalen 
tenftben ebenfo unentbedli^ ifl rate fili alte 
l^eten foctalen S^ieie. Sie .^amiEie' gilt 
iS ia mit Steigt als bte .@iunblage ber ®f 
nfdtoft' unb baS gefunbe i!ramtIien-Seben als 
ntliebineuna fiki ein blöbenbeS StaatSleben- 
lonj anberei Slnfti^t nai SbitftuS, bellen na4 
n .SenfeitS' geiiditetei SliJ bie giau unb 
Santilie cbenfo gering f(!|a^te nie a&e 

nen @äter beS .SieSfeite". !ßon ben 
Itcnen Qeifi^rungen mit feinen @Uem unb 
«f<4raiflem miffen bie (Suangelien nur felii 
entg su erjO^len; ba« Sei^ältniS ju feiner 
tuttet äßaria mar bana^ teineSraegS fo gart 
nb innis. wie «8 unä laufenbe con f^Bnen 
itbtm in poetif^er 33erlläruna Dor- 
tlircn; er felbft mar ntt^t oeibeiial^et. Sie 
lef^Ie^li'Siebe, bie boi^ bie erfte ®runblag( 
X 9<^>n>'i^>t'''B'I^u"S '^' erf<%ien ^efuS e^er 
ie ein not^roenbigeS UebeL Slodi meitcr ging 
nin fein etfiigfter aipoftel, $auIuS, bei ei 
ix beffet erilärte, nii^t gu ^eiratben, al3 ju 
eiiatben- >@§ ifl bem Sltenft^en gut, baS er 
sin SBeib berübre' (1. Äorinßier 7, i, m—u). 
Benn bie Sßenfc^beit biefen guten 9tatb befolgte, 
nätbe |te bamit aUetbingS balb alle9 irbifdbe 
!elb unb @1enb loBmerben; fie roürbe burdj 
i^e ERabüal-fiui innerbalb eineS 3abrbunbecl3 
luSfteiben. 

VI. Sie ffrauen-Sera^tung beS 
:4rißentlium3. Sa Sbri^S felbft bie 
^uenliebe nit^t lannte, blieb itim peifanlid) 
tat feine ^eiebelung beS roabren Stenfcben' 
DcfenS ftemb, raeli^e erft aai bem innigen 3u' 
omnenleben be9 SnanneS mit bem ^eibe ent- 
iningt- Ser intime fe^ueQeä^eirlebr, aufmeldiem 
diein bie (£iba1tung beS änenf^engefcble^tS 
ibeiubt, iff baföi ebenfo roit^tig mie bie geiftige 
Sni^bringung beiber Sefi^Ie^ter unb bie 
' )enfeUige Srgängung, bie fii^ ESeibe gleicher 
. tife in ben proftif^en Sehürfniffen bei tag- 
Udien fiebenS n>ie in ben b&<^^en ibealen 
$unIlionen bei @eeientbätig!eit gemäbien- 
Senn Sltann unb SBeib jlnb gmei veifc^iebene, 
«bei gleitbioettliige Organismen, ieber mit feinen 



eigenti^ämlid^en Soigügen unb Snängeln. 3e 
bSber fl^ bie Aultui entmidelle, befto mebr 
mürbe biefei ibeale äSSeitb ber fe^ueOen Siebe 
ertannt, unb beRo b&bei flieg bie Sldituug ber 
i^rau, befonberS in ber germaniftben Maffe; ifl 
^e boi^ bie Cuelle, auS raeli^er bie ^errli^flen 
SBIütben ber ¥oefle unb ber Äunfl entfproffen 
flnb- (SbriftuS bagegen lag btefe Slnfi^auung 
ebenfo fem mie faft bem gangen nitertbura; 
er tbeilte bie allgemein berrfdienbe Xnfcbnuung 
beS Orients, bog baS 3Beib bem 9Ranne 
unteraeoibnet unb bei SSerCe^r mit ibm „unrein' 
fei' Sie beleibigle 9Iatur &at fid} für biefe 
3ni^aif|tung furcbtbai geräd^t, unb bie tiauiigcn 
Solgen beifelben |lnb namentli^ in ber £ullur> 
gefi^i^te beS papiRifdien ÜÜittelalterS mit 
blutiger @d|rift pergeicbnet. (93ergl. Xlbredit 
fflou, Sie etfpil Sefu- ®ie|en 1900^ 

papifH(4e tnoral. Sie beraunbeiungl' 
mürbige ^ieiaii^ie beS iSmifi^en $apiSmu8, 
bie tein Süittel gur abfoluten 9cberrfd}ung ber 
@eifler nerft^mä^te, fänb ein anSgegei^netd 
^njtrument in ber ^ortbitbung Jener „un» 
reinen" Knfd)auung unb in ber Pflege ber aB> 
letifi^en SSorfteÜung, bog bie Sntbaltung com 
Srauenoerlebi an fi^ eine Xugenb fei. @(bon 
in ben erften ^dirliunberten natb l^riftuS 
entbielten ^cb oiele ^riefter freimiQtg ber S^e, 
unb balb ftteg ber oermeintlit^e SBertb biefeS 
esiibatS fo io^, bai baSfelbe fftr obliga' 
torif^ erlEärt rourbe. Sie Sittenloftgfeit, bie 
in ^oEge beffen einriß, iß bur^ bie ^orfc^ngen 
ber neueren flultuigefälidjte oQbetannt gemor* 
ben- Sd)on im EUtittelalter rouibe bie Set« 
fübrung ebrbaier grauen unb Satter bui4 
tatboiif^e Qteißtidie (mobei bei SSei^tftu^t eine 
n)i<^tige Stoße fpielte) ein öffentli^eS SIerger* 
nifi; oiele ©emeinben brangen baiauf, ba^gur 
ajeibütung beifelben ben .feuf^en' Spriefletn 
baS Konlubinat gemattet nierbel SaS ge« 
fdbob benn audi in oerft^iebenen, oft rei^t ro> 
mantifdien formen. So mürbe g. 9. baS 
lanonifdEie @efett. bafi bie $FarrerSI3^in mäfi 
t&nger oS viergig Sa^re alt fein bürfe, fe^r 
ftnnreii^ babur^ .aufgelegt', bag fi^ bei geir 
£aplan gmei .£6(^intten' bielt, eine im ^ari' 
baufe, bie anbere braulen; nenn iene 24 unb 
biefe 18 ^a^re alt mar, ma^te baS gufammen 
42 " alfo noi^ 2 Sabre mebi, alS nblbig mar. 
Sfuf ben if)n|)Ii(^en AoncJIien, auf meli^en un> 
gläubige Aeier lebenbig »eibrannl mürben, 
tafelten bie Pnfammelten JfaibinÖle unb Sift^Sfe 
mit gangen Sdiaaren von ^eubenmäbdien. 
Sie gebeiuien unb flffentlii^en 3Iu3fd)roeifungen 
beS {atbnlifi^en ßleruS mürben fo fi^amloB 
unb gemeingefäbrlif^ , baS fi^on vor Sufbet 
bie (Smpörung barüber oHgentein unb bei fRuf 
nai^ einer .iReformation ber fiirdbe an Saupt 
unb ©liebem' äbeioU laut mürbe. Sa| Iro^' 
bem biefe unfitilicben ajerbdUniffe in tatboli» 



144 



Kamat^ttl AotiUiL Ilitfm iiu)iitRi|(^ Sittnile^n. 



XIX. 



f4en Sanbmi luc^ Iieutc foitbc^cn (nenn 
aud& mefir im Se^einun), tft bdannt 9^n 
toiebeiliollcn fldi no4 intmet non Qtit ju 3nt 
bie Sntidge auf beftnitioe Suf^ebung beS QAli- 
baii, fo in ben Äammem oon Sabrä, Saqern, 
fteffm, Saufen unb anbeten Sänbern. Seibft 
bisher oergeiwnSI 3m Seutfdfcn tRci^Stase- 
in neli^em baS ultramontanc Sentntnt ^egen' 
roäitifl bie I&^tlii^ften aRittel jur Sermeibuna 
ber fc;ueaeit UnOttlii^Ieit potf^lAgt, benu 
no4 ^eutt ttine gartet baran, bie Slbfi^fTung 
beS (SSlibatS im 3ntcrefTe bcr äffenUii^en 
9IIoial ju beantragen- (Seigl ScenSIirDcd), 
2)08 ^apfttliuin, Seipgiß 1901). 

2)er mobeme fiuUuiflaat, bet nti^t Eilol 
baS vraltif^e, fonbem auii baS motalififie 
SoKSIeben auf eine tiB^ere Stufe beben foll, 
Iiat bo8 Ke^t unb bie $fCi4t, fol^e unmürbise 
unb Bemeinf4äbliif|e Buft&nbe aufju^eben- £a8 
o&IieatoiifAe Seiibat bei lat^olifdien 
@eiitltdien iß ebenfo oeTbeiblid) unb unfittltc^ 
nie bie O^cenbet^tc unb ber Ublag- 
Iiam; aßt brei Sinridituneen Iiaben mit bem 
urfpifingli^en S^riftent^um 9ti(^tS 
gu t^un; oOe brei fdilaeen ber reinen Gfiriften- 
aßoral in'S (Scft^t; alle brei finb ni^tSrnfirbige 
Srfinbungen beS Va^iBmuB, barauf be* 
rennet, bie abfolute Serrf^oft über bie lei^t- 
eldubisen Soißmaffen aufregt gu erholten 
unb fie nat^ Gräften mateneQ auSjubeuten- 

Sie Siemens ber ®t\äiükte miib früher ober 
fpOtcr über ben ramifi^en ^apiemuS ein fun^t* 
bald Strafgericht galten, unb bie aRillionen 
SRenfdfen, bie burdi biefe entartete 9ieIigion um 
iitr SebenfiQlüd eebra4t nmrbeit, werben bagu 
bienen, tl|r im gmangigften Sa^T^unbert ben 
Zobtiiloi gu Bcrfeien — roemgllenS in ben 
motiren .Sultucffaaten'. anan tat neuerbinsS 
beregnet, ba^ bie S^U ber Süenf^en, meldte 
burt^ bie popiftifdien ffe^ier-SerfolBungen , bie 
SnquintiDn , bie i^ftlii^en ©laubenSIneae 
u. f. n- um'S Seben tamen, meit über gei^n 
aniQionen beträgt. SIber naS bebeutet biefe 
^a^l gegen bie gelinfa^ grSflere ^kl ber Un- 
glä^Iic^en, meli^e ben Sa^ungen unb bei 
^rieftei^errffftaft ber entarteten (!|riftlid)en Sirene 
moralifi^ gum Opfer fielen? — gegen bie 
Unja&I be^enigen, beten ^S^eteB OeifteSIeben 
bur^ fie getbbtet, beren natoeS @eniiffen ge- 
quält, beren Familienleben oerni^tet rourbe? 
&ier gilt bei maiixe ^ort auS ®oetbe'S bett' 
liebem ©ebi^te „Sie 99raut von Aorintb': 

„Övfer faÖen ^ier, roebei Samm no4 @ttet. 

3tber iSIenf^enopfer unerb&rtl' 
Staat und Ufx^e. 3n bem großen 
.ßultuilampfe', ber in ^olge biefei trau- 
rigen üter^ältniffe noä) immer geführt merben 
mufe, foDEe bag erfte ^iel bie nollftänbige 
jErennung oon Staat unb fiirdje fein. 
2)ie .freie fttr^e foU im freien Staate' be- 



fetten, b. (■ iebe Jtircfie fod frei fein in ooDev 
StuSübung i^reS ftuItuS unb i^rer Seiemonien, 
au(^ im Stuebau itiei p^anta^if^en 3>t^ 
tungen unb abergldubifdien Dogmen — iebo4 
unter ber Sorauifegung, iai fie babiir4 
nii^t bie bffentU^e Orbnung unb Siltlii^fett 
gefftbtbet. Unb bann foII gieic^eS 9te^t fat 
alle gelten I Sic freien @emeinben unb bi« 
ntoniftif^cn !Reli4ionS'9efe[lf<i^aftcn foOen fActf 
fo gebulbet unb ebenfo frei in iljttn SSeoeeunges 
fein roie bie liberalen ^coteftanten-Serrine uni 
bieortbobo^ uIttamont[inen@emeinben. ^Üa 
für alle biefe .©laubigen' ber »erff^iebenfteil 
ffonfefftouen fott bie Weligion Srinat- 
fo^e bleiben; ber ©toat foS Pe nur beouf' 
Rcfitigen unb il|te SluSfcbreitungen oerbüten, 
He aber meber unteibtficten no(^ unterftü^em 
8or aUem follen feboc^ bie Steuergobler nidit 
mebc gehalten merben, il|r Selb für bie auf- 
rei^terbaltung unb gätbeiung eineB fremben 
.©laubenS* beigugeben, ber nad) ibcet ebt- 
lifben Uebergeugung ein fi^äbli^er Aber- 
glaube ift. 3n ben bereinigten Staaten tion 
9Ioib'3[meriIa , in ßollanb unb einigen IIei> 
neren Sänbem ifl in biefem Sinne bie voK' 
^nbige .Xrennung »on Staat unb fiir^* 
langft buti^gefübrt, unb gmar jut ^ufridien' 
beit aDet ^etbeiligten. 2)amtt ift bort iur 
gteidb bie ebenfo ntditige Trennung ber fiii^e 
Don ber Siiiule beflimmt, unjroeifelbttft ein 
rot^Hger @runb fflt ben geioalttgen Suf« 
f<bn>ung, meieren bit SSiffenfi^aft unb bi^ 
Ilöbere @dfle3Ieben überbauet neuerbingS ts 
9tDib»9tmertIa genommen t|at- 

Kir(^c un5 S^^ta«. @S ift felbftnerftänb- 
lieb, bat bie gntfetnung ber ftirt^e au8 ter 
Sdjule fid) blofi auf bie flonfeffion begie4t> 
auf bie befonbere ©laubenS-^orm, melcbe ber 
©agenlreiS jeber einjelneu ftirdie im Saufe ber 
Beit entroidelt bot- liefet .(onfefRoneHe Untei' 
rii^t' ift reine ^ßncatfadie unb äfufgabe ber 
(Sltern unb Süormünber, ober berienigen Vrie^er 
ober Sebrer, benen biefe ibr perf&nlitbeS Ver- 
trauen fcbenten. Sagegen treten an Stelle ber 
eliminiiten .flonfeffion* in ber S^ule g»ei 
nerfdiiebene roidjtige Untern4tB'@egenftänlK: 
erfteng bie moni^ifdje Sittenlebre unb gmeitoiS 
bie oergleii^enbe 9telisian3-®ef<bid)le. lieber 
bie neue moniftifd)e Stbil. mclt^e fidi auf 
bet fe^en StaflB ber mobemen Staturetfenntni^ 
— oor ^Qem ber ffintmidelungllelire — 
erbebt, ifl im Saufe ber legten breigig ^dlftt 
eine umfangieicbe Siteratut erfi^ienen- Unfeie 
neue oergleidienbe 9teItgion3gef4<<bl* 
ht&pft naturgemäß an ben beflcbenben SIC' 
mentai'Unterri^t in .bibltfcber @efdbid)te' uitb 
in bet Sagenmeü beS grieibififien unb römifi^i' 
SllteitbumS an. SSeibe bleiben roie bi^bet 
roefentliifte »iloung 8 •Elemente. 3>ai iB ffbon 
beSbalb felbftoerßänblidi , nieil unfere statt 



in. 



91eaiijc^tä Salfüti. nnftte monißtlcdc Sittmlt^ 



145 



iilbcnbe Aunft, baS Oauplgebiet unferer 
Dsiftifdien Steft^etit, auf ba9 3nnieße 
Bit tec iübififieti unb ^nftUifitn, bet ^eKenifc^en 
Mt v5mtf4en Mqtbologie Derma^fen ift @tn 
wTeBtli^T Untnti^icb im Unteitii^t toirb nur 
toTin rintxcten, ba^ bie törocUtifcIien unb 4itfl> 
Iid)tn Sagen unb fiegenben nii^t al8 .äBa^i- 
teilen" gde^rt iticiben, fonbem glei^ ben 
«it^ifdini unb rSmifc^en al3 Sii^tungen; 
»n 4ob< 3Sect6 beS ct^if^en unb aftCietif(^en 
Stoffes, ben üe ent&alten, miib bobut^ nict)t 
«enninbert, fonbern er^ö&t. — aBnß bte iöibel 
ktrifft, fo foQte biefeS ,9u4 bei SSüätez' ben 
llinbicm nut in foTgfälttQ gemäliltem StuSjuge 
in bie danb gegeben merben (als .S^ulbibel'); 
lobuid) loüibe bie iSeflettung bei finblit^en 
ftiantafle mit ben jadlieic^cn unfaubeien ©e* 
^idjten unb unmotalif^en (SijäMunsen oei* 
i^tt neiben, an benen namentlich baS !lUe 
bRament fo tetc^ ift. 

Stoot mit> S^ule. 9tat^bem unfei mo* 
lemer Jhiltuiilaat ^ä) unb bie @4u[e von ben 
Cflapetff^effeln bei fliidge befieit ^at, niiib 
n um fo me^i feine flraft unb g^üiforge bei 
fliege lüi ©(|ule nibmen (Snnen. 3)ei un- 
\t^\iiaxt 3Bed etneS guten ©(^ul-Untenii^tö 
ift un8 um fo me^t aum JBeniultfein geloinmen, 
jt leidier unb gcolattigei fiii im Saufe beä 
U. SoAr^unbettS alle Smeige beS mobecnen 
fciltur-SebenS entfaltet öaben. Mber bie gnt- 
nidelung bei Untenic^tS'Snetäoben ^t bamit 
tnueSroegS gleichen @c^itt gehalten- 3)ie 9totE|' 
Knbigteit einei umfaffenben ©diul-SHefotm 
tifinot ficf) uns immer entfi^iebener auf. 91ut^ 
toer biefe atofee Stage finb im Saufe ber letiten 
Tierjig 3a^re fe^r galiliei^e unb mert^DoQe 
@<i|nften etffiienen. äBit befc^iänlen unS ba- 
ier ouf ©erDDr^ebung einiget allgemeiner ©e- 
fiiltSpunfte, bie unS befonberS »ii^tig erf^einen: 
1. 3m bisherigen Unterri^t fptelte aÜgemein 
bei ajienfc^ bieöaupttoUe unb befonbetS baS 
fltammatifcfte ©tubium feinei Sptadie; bie 
ÄQtuttunbe mürbe barflbet ganj Mtnoiijldfflgt. 
i. 3n bei neuen ©i^ule mu6 bie Katut baB 
gauptobjelt merben; bei SHenf^ foU eine lii^* 
tifle SorfteQung van b« SSelt geminnen, in 
ber et lebt; et foD nii^t augeidalb bei Statut 
fieben ober gat im ©egenfa^ ju iEii, fonbem 
foQ als i^i ^Si^fleS unb ebelfteS Sijeugnil ei- 
fdieinen. 3. 3)a8 ©tubium bei Ilaffifi^en 
Spiac^en (Sateiniff^ unb ©rieifttfdi), boS bis- 
her ben größten £E|eiI ber 3eit unb 3libeit in 
Snfpnic^ nabm, bleibt gmat fe^i meitbcoD, 
mu6 ibet ftarf bef^iäntt unb ouf bie Elemente 
tetrucitt merben (baS ©riei^ifi^e nut falultatin, 
baS fioletnifdie ofiltgatotifiii). 4. Xiafüi muffen 
bie mobetneitftuItut'Sptad^cn auf allen 



tifiberen ©i^ulen um fp me^t gepflegt merben 
(Qnelif«, Sian«bfif<$, 3ta(ienif<^). 5. Set 

Unterri^t in ber @efi^id|te mu^ me6t baS 
innere ©ei^eSIeben. bie Aultur-^cf^i^te be« 
rüif flc^tigen , roeniget bie äu^etlii^e aJöHet- 
gefc^i^te (bie ©i^iiJfale bei Sl^naflicn, Äiiege 
tt. f. ni.> 6. Sie täninbjüge ber Sntmide' 
lungSlebre (inb im Sufanimen^ange mit ben- 
ientgen bei ÄoSmoIogie ju lebten, ®enli>gie 
im Slnfcölu^ an bie ©eogiap^ie, Slntliropologie 
im Hnfd)lu& an bie Biologie. 7. Die ISiunb' 
jüae bei iSioIogie muffen ©emeingut tebeS 
gebitbeten aWenfi^en metben; bei raoberne .Mn- 
fct)auungS«Unterrii^t' fBrbert bie anjie^enbe 
Sinfü^rung in bie biologifc^en SBiffenfc^ften 
Olnt^topologie, 3oDlogie, SSotanit). 3m tSe> 
ginne ift pon bei befi^ieibenben ©qftemattf 
auszugeben (im ^ufammen^ang mit Oefologie 
ober tBionomie); fpStet ftnb bie Elemente 
bet ätnotomie unb $EiqI1oCtigie onjuf^Iiefen- 
8. Sbenfo mu| non ^^fit unb Gfiemie 
iebei Ocbilbete bie ©lunbjfige tennen lernen, 
foniie beien ehalte iBegiilnbung bur(4 bie 
äJtatliematil- 9. 3ebei ©i^ülei mug gut 
gei^nen lernen, unb jmat na^ bet ißatut; 
momäglii^ aud) atmateditcn. SaS Sntmetfen 
von 3^t^nungen unb SlauaieUxSlijAcn na^ 
bei Statur (von iBlumen, Xdieien, Sanbfdiaften, 
äSoUen u. f. m.) roecft nit^l nur baS 3uteteffe 
an bei Statut unb eibält bie Srinnerung an 
idien QSenug, fonbein bie Säfülix lernen ba< 
buti^ überhaupt etft lidgtig fe^en unb baS 
@efel|cne petfteben. 10. Siel mebt ©otgfalt 
unb 3eit alä MSbei ift auf bie larpetlidie 
äluSbilbung gu nemenben, auf j^umen unb 
©^iPimmen; poqügltd) aber finb mb^entli<!| 
gemeinfame ©pajtergänge unb iäbtlii^ in 
ben Serien mebreie gu^reifen ju unter* 
neEimeni ber diet gebotene Stnfc^auungS'tlntet* 
lii^t ift von bbiliftem 3Beit^. 

£aS ©auptgiel ber Ejübeten Scbulbilbung 
blieb bisset in ben meiften flußutftoaten bie 
SSoibilbung füi ben fpdteten 89etuf, Etmerbung 
eines geniiffen aJIageS pon ßenntniffen unb 
atbiiditung für bie Ißflic^ten beS ©taatBbürgerS. 
Sie ©i^ule beS gmanjigßen ^al^i^lunbertS mirb 
bagegen alS ©aupCjiel bie VuSbilbung beS 
fclbftßänbigen Senteng verfolgen, boS 
tlate JJerftänbni^ ber ermorbenen ^enntniffe 
unb bie Sinfi^t in ben nat&tlii^en 3nfammen- 
dang bei @if4einungen. äSenn bet mobetne 
^ultuiftadt iebem bürget baS allgemeine gleii^e 
:^aUied)t gugeftebt. mu| et i^m aui^ bie 
SItiltel geniäbien, buidi gute S^ulbilbung 
feinen Sieiftanb gu entmitteln, um bauon gum 
allgemeinen ÜJeftni eine pemfinftigt ttnmcnbung 
gu mac^ 



4*«cl, ntltrUtttt. 



....Gqjgle 



3Van|ia!M Aoplttl- SMung btv SBeltrat^cL 



SiDaiQigftes Kqittel. 
CSfung 5er tDeltrfit^fel. 

RilifibliA auf bie $ortfi^r{tte ber tDlTfenlc^aftlic^en tDeUerftenntnig im neiu^e^en 
^a^r^unbert BeontiDortung ber lDeItt(U^{«I bur^ bie moni[ti{(^e naturptiilofcq)^ 

3n^alt: mUblii auf Ut ^intf^rittt bd 19. 3a^6imbeitt In bn flHmifl twc SSettvdtbftL L ffott- 
fd^ittc bn Vfbroitoiirit mtb AoSmoIogit. Sltofilalifffit unb li^ifilbt Slnqnt M QniDtrtinn. wtta- 
moT^i'^Dlt be9 ftotniol. CttttDittcIunn bn Sßtmcttn^qpenu. Onaugif bn b'bqlogauttfÄni $nKti[E 
auf bn Ctbe imb urf onbttm Splanettn. DrgoniUe Sooelfttn anbnra aStutBüin. Snubtlcia 
SScäfcI bn SBcOmblttmng. IL ffoitlAtUte bn Scoloaie nnb $aUontDliMu. 9tct)tuniSiBuS mi 
mnatdimia. fioiiUtraU<![u-&^ Itr Sortf^tUtt bn 9^t imb ff^U. IV. Sfottfäntlt 1» 
SBbloQtt. Sttitn-Xfitoxit unb SelcnibtnfX^Dtic. V. MnificofoU^ UrlfituRg bd Wmf^ 
XCBtmnnc Sd^InfHitha^tung- 



S(m ßnbe unferer p^iIofovI|if4en Stubien 
flbei bie SBelträllifd anaelanat, bürfen mir ge- 
troft jui SeantraoTtung bei ftfmenniesenben 
gtafle fi^ietten: 3Qte nKit iff unS beieit SGfuno 
gclunaen? SieldKn SBciti^ i^tn bic uii' 
fleilEurm Sortf^titte, roelt^e baS onfloffeite 
19. SEobi^unbert in bn niabren 9tatur-Srfmnt' 
niS gemalt (at? Unb neli^e äluBflt^t erBffnen 
fle uns ffii bie Butunft, für bte tneiteie 6itt> 
midelung unFetex SBeltanfifiauuns int 20. 3a^r> 
bunbert, an btffen Si^meOe mir flehen? Sebei 
unbefangene 3)entei, bei bie tbatfdi^Iii^cn ^oit 
fc^ritte unfeiei empiiif^en Aenntniffe unb bie 
einlieitli^e ftlflrang unfereS pftilofoBliif^en 
Seiftanbuiffe» betfelBen einigeima^en übet« 
feben lann, nitb unfere SIn|l4t t^eilen: baS 
19. aobrftunbert bat ßraßete Sortftfeiitte in bei 
ftenntniß ber Slotut unb im S5erßänbnt6 ibreä 
SffiefenS öerbeigeffi^rt aI8 alle fiüberen 3abf 
Öunberle; e3 ftat »icle gtole .SÖeltiätMel' B«- 
!aft, bie an feinem Seginne für unlösbar gaßen; 
ei bat uns neue ©ebiete beS iEßiffenS unb Si> 
tennenS enibetft, non beren (E^iftenj ber 3nenf4 
voT ^unbeit Sauren nod) {eine Slbnung ^ntte. 
9$or S(Qem ober ^ eS un3 baS eibobene S^ü 
bei moniftif^en JtoBmologie flai not 
SIuQen Qeftedt unb ben ^eg gezeigt, auf roel- 
^em aQein mii unS bemfelben nägem tännen, 
ben SBeg bet ejalten empirifdieii Srforf^ung 
ber SMtfaifien unb bei Irtlif^en genetif^en 
CrlenntniMörerUrfa^en- 23aS abflraltegtofee 
®efeS bet met^onif dien flau fati tat, fürroel- 
(^e8 unfer loämologifi^eg ©lunbgefeb, 
boß ©ubftanj-Sefeti, nur ein anbeiet Ion« 
hetet auiäbruif ift, Beberrfiit jeftt baS Unioer- 
fum ebenfo roie ben SKeufdienaeift; tiS ifl ber 
P^ere, unoerrüibare Seitdem genjorben, beffen 
tlaieS Si^t une bur^ baS bunüe Sabqrint^ 
bei unj&bligen etnjelnen (Sifc^einungen ben 
ißfab geigt. Um unS bavon }u übeigeugen, 
»ollen mit einen Rüstigen tBüiblttf ouf bie 
erftaunli<^en ^oitf^iitte toetfen, wel^e bie 
Sauptjneige bet älatunDÜTenfi^aft in biefem 
bentoArbigen Zeitraum gemalt boben. 



I. 5ortft^ritt« t>«r aitronomlc. SHt 
&tinmeI8tunbe ift bie dltefle, ebenfo mie bte' 
3nenf(^entunbe bic iüng^ SlatuimifTenr^ft- 
Uebei ftcfi felbft unb fein eigenes 3Befen tarn \ 
bet anenfi^ ei^ in ber gneiten Säl^e i& 19- 1 
pobibunbeitfi )u voller fllai^eü, niäbrenb er! 
in bei flenntni^ be8 gepitnten StmmelS, ber ! 
Vtaneten-SenMeungen u. f. ni. fc^on uor 4500 
Öo^ttn etftaiui[i4e ftenntntffe befa6- 2)ic aßen 
S^incfett, 3nbei, Sgqpter unb IS^oIbäer lannten 
im fernen SRoigenlanbe fifion bamoIS bie fpbä- 
tif^e Slftronomie genaun aI9 bie ntetften .ec 
bilbelen* Q^ii^en beS SIbenblanbeS tiertauftnli ; 
3al|re fpOter. €4on im ^o^re 2697 ooi Sti.. 
nntibe in S^na eine @onnen{lnftetni% oXta- . 
nomif^ beiet^net unb 1100 ^obre uor &it. 
mittelfl eines @nomoni bie @^iefe bn StliptiEi 
beftimntt, niäbienb (SbiiftuS f^^ (bn ,®ii^i 
SotteSl') belanntlid^ gat leine afttonomifditii. 
flenntniffe befaft, oielinebi feimmef unb Sri«, 
Statur unb 3Jtenfd^ uon bem befi^rdnltellen 
geocentrif^en unb antfitopocentrifiien Staub- 
punlte aus beuitöeilte- »13 gi6|tei gottfc^titt 
bet afttonomie raitb allgemein unb mit SHe^l 
boä I|elioceuttifrf)e SBeltfi^liem beS Äopernilul, 
bettai^tet, beffen giofeartigeS SEBert: ,Dere- 



ola 



elestii 



fetb|i bie grüSte Sleoolution in ben Äbpfen bn 
Benlenben Sßenfi^eu ^eiooirief- Subem et isi\ 
fietrf<f|enbe geocentrift^e SEÖeltfqftcm beS Stolcj 
mduS Rürjte, entjog er jugleii^ bet wae»- 
cbrijllii^en SBeltanfdiauunB ben £3aben, wäätt-, 
bie Srbe als Snittelpunit ber Sielt unb ben 
Onenfc^en oIS gottgleii^en «elierrf^er berSTbe' 
betrat^tete. @B mar ba^ei nui folgeri<^ltg> bafi > 
bei ifiiiftlicbe SleruS, an feinet Spifte berrSmi' ! 
fi^e ^opft, bie neue unft^&tbote Sntbfdunj ; 
beS J^opeintluS auf'S &eftig9(| betämiifte. 
Xrottbem brac^ fle fidi balb coa^nbig Sab»' 
nai^bem flepler unb ©alilei boiouf bie 
rao^re ^iDlec^anit beS Fimmels* gegrünbä unb 
SIenjton tbr burc^ feine ©laoitationl'S^oiie l 
bie uneif diftttetlt^c nua^atif^e >Biifli gtfl'^ J 
Satte {1686). ^^ ^ ^^^ i 



XX. 



3nanais^ AotilteL S&[intg bei SBtttiAl^fcL 



147 



Sin mettetei Benraltiaer unb baS eangeUni' 
«rfum umfoffenbei gortfi^ritt max bie (Sin- 
fütaine ttr entwidelunaS'Sbte in bU 
&iminel8hmbe; er gef^aö 1755 buri^ benjuflenb- 
lii^eiifiant, bei fai feinec lü^nen IQQgemeinen 
natuigefi^ii^te unb j^fieoTte bei &immel§ nii^t 
nui bie .9)erfaffuna'> fonbein aii^ Ben 
iine^anifi^en Uifpiuna beS ganaenJBelt- 
fleMubeS na^ Stemton'S Sninbfdtien' obgu* 
iimlieln unterna^nu Suit^ ba9 Bto^artia« 
.Systeme du monde" oon ßaplace, bet 
unoböängig Don Äant auf biefelben SJot- 
fleQunBm von bei Iffieltbilbune ßtlammai mar, 
fflnibe bonn 1796 tiefe neue „Möcanique 
cÄleate" fo fefi begiunbet, baö eS ft^einen 
tonnte, unfeiem 19, gaSrliiinbert fei auf biefem 
erögten @itcnntnil'@ebtele nii^lS mefentlid) 
KeueS Don gUidjei SBebeutung raeiit BDrbe&aUen- 
Unb bod) bleibt i^m bei SRu^m, aucE) ^tei ganj 
neue !8a^nen erBffnet unb unseren SSM in'S 
UtiiDeifum unenblii^ emeiteit ju ^aben- ^utä) 
btt Siftnbung ber ^^otogtap^ie unb $botO' 
Bitttie, vor Sfllem aber bei ®pettraI'9Cnalqfe 
Ömi4i8unfenunbÄii^Öoff, 1860) mürben 
He %n^t unb Hernie in bie SIRionomie ein« 
ttfäinr unb babui4 foSmolDgiF^e Sluffi^IüjTe 
iiin grS^ei ^lagneite genionnen- @S ergab 
fi^ nun mit ©i^ei^eit, bag bie SRateiie im 
Banjen ^ellaQ biefelbe ift, unb ba6 beren plmn* 
Idil^e unb 4emifd)e SigenfcEiaften auf ben 
!mtften ^ijftemen nii^t ueifcl^ieben finb oon 
'tnienigen unfeier Sibe. 
^e moniftif^e Ueberjeugung oon beip^Q' 
I fitalifd)en unb (^emif^en Sin^eit beS 
unenblic^en AoSmoS. bie roir babuidi ge- 
Tonnen Eiaben, getiSit fl^eilii^ gu ben iveit^- 
DoDflen aQgemeinen @itennlntffen, neldie nii 
bei Slftin p^flf il oeibanlen, einem neuen dödift 
intetElTanten ä^^'Ö* ^''^ Mftronomie. 3Ii^t 
sitibei niid|tig ift bie Ilare, mit Sülfe iener 
gewonnene Srtenntnig, ba% aud) biefelben @e- 
fe^e ber me^anif^en ©ntroitteiung im unenb- 
I liäien Unioeifum ebenfo überall öeufdien nie 
l auf unferer ®rbe; eine gerooltige, aflumfaffenbe 
Üßetamoip^ofe beS AoSmoS ooHjtebt fi^ 
I (ienfo ununtetbro^en in allen Steilen beS un- 
I tnbli^en UnioerfumS nie in bei geologif^en 
Öef^i^te unfeier ®rbe; ebenfo in bei ©tammeä- 
'. fiefi^itljte i^iei Seniobner nie in ber SSbllei- 
, eeTc^i^te unb im Seben jebeä einjeInen3Jlenf4en- 
3n einem 3:^eile beS ßoSmoS eiblicten niii mit 
unteren üerontllommneten 3emrBbren geniaitige 
9lebelf[ec(e, bie auS glübenben, du^eift bünnen 
^dSmaffen befteben; mir beuten biefelben aß 
Äeime »on SieltlSipem, bie aRiQiaiben non 
Steilen entfernt unb im elften ©tabium bei 
Sntnideluna begriffen Pnb. Jflei einem Ibeü« 
»itftt .Stemleime' flnb roabrfc^einlidi bie die- 
■ «iftlien ßlemente noi^ ni^t getrennt, fonbent 
«t ungeheuer boft« Temperatur (naift »ielen 



9JIiEIionen pon @iaben beiec^netl) im Urele- 
ment (^rot^U nereinigt; ja vtelleidit ift ^ier 
)um Xbcil bie urfprüngli^e .©ub^anj* nod} 
ni^t in .SRafTe unb Sletber' gefonbert. 3n 
anbeien Xlieilen beS ttniueiFumS begegnen wii 
Steinen, bie beieitS buri$ aibÜtblung glutt* 
flüfftg gemoiben, anbeien. bie f^on eiftairt 
flnb; mir Ibnnen ibie SntmictelungSftufe an* 
näbemb ouS ibrei Derfdjiebenen g^arbe be- 
ftimmen- S)ann miebet feben tuii ©lerne, bie 
oon {Ringen unb iUlonben umgeben finb mie 
unfer ©atum; mir etlennen in bem leuc^tenben 
9tebeliing ben fieim eineS neuen SRonbeS, ber 
^äf pom Snuttei' Planeten ebenfo abgelbft (al 
niie biefei legten pon bei ©onne. (!BeigL 
SDilbelm !8ölf4e, (Entnidelungägefi^ii^U ber 
Matui, 1894.) 

9)on oielen .Sitftemen', beren fiii^t So^t' 
taufenbe braudit, um ju unS ju gelangen, 
bürfen mir mit ©icbetbeit annebmen. ba| fie 
©onnen |inb. äbnlidi unfeier SRutter ©onne. 
unb bog fie oon Planeten unb SJlonben um- 
(reift roeiben , öbnlitt) benjenigen unfeieS 
eigenen €onnenfi)flem8- SBti bürfen au4 
neiterbin oeimutben, bafi fi4 Saufenbe oon 
biefen Planeten auf einer &bnliii)en Sntniiife' 
lungS^fe roie unfere (Sibe befinben, b. b- in 
einem SebenSalter, in melcbem bie Slemperatui 
ber Obeiflädie gmifdien bem ©efriei' unb 
@iebepuntt beS SBafferS liegt, alfo bie Ssiflenj 
tropfbaren flüfflgen ^affeiS gemattet. 3)amit 
ift bie SHAglii^teit gegeben. ba| ber Noblen* 
Hoff auät W^t v>w auf bei <Sibe mit anbeien 
Elementen febt oerroittelte SSerbinbungen ein- 
gebt, unb ba^ au3 feinen ftidftoffEialiigen SSei* 
binbungen fitb EßlaSma entroittelt bot. iene 
raunbeibaie .lebenbige ©ubftana', bie mir 
aI8 oHeinigert ©igentbümei be3 organifi^en 
SebenB lennen- 3)ie JPloneien (a- JB. ©bro- 
maceenunb SÖatteiien). bie nurau3foId)em 
primitiosn SßrotopIaSma befteben, unb bie 
bur(^ Uigeugung Olr^igonie) au3 jenen 
annrganifcben 9Htrofarbonaten entftanben. 
lönnen nun benfelben SntroidelungSgang auf 
oielen anberen . iPie auf unferem eigenen 
Planeten. eingefi^Iagen baben; junä^ft bilbeten 
iil au8 Uirem boniogenen $Ia3mat3rpei bur^ 
©onbciung eineS inneien Sern3 pom äußeren 
3elItBrpet einfacbfte lebenbige 3eilen. 2)ie 
atnalogie im Seben aüer B^üen aber — 
ebenfomoiil bei plaSmobomen Sftanjenjellen 
roie bei plaämopbagen ^bieijetten — be- 
lei^tigt unS }u bem ©d)Iuf[e, tai au^ bie 
roeiteie ©tammeSgefi^icbte üt auf oielen 
Steinen öbnlii^ wie auf unfeier ffiibe abfpielt 
— immei natüilid) bie gleichen engen Oienjen 
ber lemperatui oorauSgefetjt, in benen ba8 
aBaffer tropfbar • flüfllg bleibt; füi glü^enb' 
fiüfflge SHJellierper. auf benen ba8 SSaffei nur 

3)aRtpfform, unb fflr ei^nte, auf bcnctt 
10* 



148 



gwnnilflBrt fluttild. Sfttuna bw SÖütoät^tL 



XX, 



eS nui in (HSfonn befielt, ift oigantf^eS Seben 
in glei^er SBeife ganj unmSQli^- 

Dte aeiinlf^fcclt 6«« pftqlogentc, bie 

Snalogte ber ftammeSgef^i^tlii^en SntniiÄe' 
lung, bie nrii bemnai^ M vielen Sternen auf 
gleitet biogcnetir<{|ei: @ntiDt((elune9'@tufe an* 
nehmen bürfen, bietet notiltli^ bei tonflnittioen 
Vbantafie ein nieiteS ^elb fäi fai&enieidie 
@pefulationen- 6in aieblinflS-Seaeitflanb bet- 
felben ift feit alter 3"t bie giage, ob aui^ 
Snenfi^en obei ung ft^nli^e, oiellei^t ^Sbec 
entmijeite Ciaaniemen ouf anbeten ©fernen 
inotfnen? Unter melen ©fünften, mei^e biefe 
offene ^rage gu beantniocten fut^en, bQ^en 
neuerbingg namentUd; bieienieen beS ^anfei 
Slfttonomen Samille ^lammation eine 
nwite Seibnitung erlangt; fle jeit^ncn flät 
ebenfo burt^ rei^e $^antafle unb lebenbiae 
Satileüung auB, nie buri^ bebouerlii^ett 
SDlangel an Aritil unb an biologifi^en Jtennt» 
niflen- Someit nir gesemsdrtia gur Scant* 
tDOTtung biefer gfrage befäiiigt erfd|rinen, 
lönnen ivii unS etna ^olgenbeS porfteEen: 
L SS ift f^r na^rfE^inli^, ba| :auf einigen 
Planeten unfereä ©flftemB (SDlarB unb 8enu8) 
unb oielen spianeten anbeier Sonnen-^q^entc 
ber biogenetifd)e $roceft ft4 ä^nlttft nie auf 
unferer ISrbe abfiiielt; guerft entftanben bur4 
Src^tgonie einfai)e EDloneren unb auS biefen 
eingeUiQe $rotiften (juniti^ft plaSmobome U^ 
pf[an}en, fp&ter pIaSino;)i|age Urt^iere). II. ßB 
ift fei|i niaE|ifi$einIi(^i bag auS biefen eingeUigen 
$rotiften fi^ int roeiteren äJerlauf ber (Snt- 
nidelung gunddfft feciale 3^t>ereine bilbeten 
(CÜnobienV f])äter genebebUbenbe $fiangen unb 
Zf)itte (iHletapbqten unb EDtelogoen)- HL <£B 
ift audj fernetjiin na^rfc^etnlid) , bat im 
^ftangeniei^e gunät^ft Z^oDop^qten ent* 
ftanben (Stlgen unb $ilgeX fpQtei Siap^qten 
ianoofe unb 2faine), julö&t Änt^opli^ten {gnni' 
nafpemte unb angiofperme SIunien;>ftangen> 
IV. (SB ift ebenfo nobrfc^einliäi. bag aad) im 
£I|ietidc^e bet biogenetifi^e $ioce6 einen äim- 
Iid)en SSeilauf na^m, bag au3 Slaft&oben 
(ÄatoQaHen) ft«^ gunä^ft «Safttäoben ent- 
raitlelten, unb au8 biefen Sliiebett&ieren «SBIen- 
terien) fpätet Dbettbieie (Saiomatien). V. Sa« 
gegen ift eB fe^i ftaglii^, ob bie ringeinen 
©tftmme biefer ^Ö^eren £^iete (unb ebenfo ber 
^ö^en ^ftangen) einen ä^nlii^en ßntraide» 
lungSgang auf anbeten Planeten burdilaufen 
roie auf unferer Srbe. VI. SEttBbefonbere ift 
eS gang unft<))et, ob SEBitbelt^ere au(^ auger- 
Salb ber Srbe ejiBiren, unb ob auB beten 
pb^Ietif^ ajletamotpbofe fti^ im Saufe «ieler 
SniUionen Sabre ebenfo ©äuget^iete unb an 
beren Spifte ber 9Jt«if4 entroidelt ^oben roie 
auf unferei Srbe ; eB müßten bann Süidionen 
Don XranBfotmationen ft<f| bort gang ebenfo 
loie biet niebertiolt iabtn- Vn. dagegen ift 



eB Diel roabrfi^einlidier, tai auf anbeten Pla- 
neten ft4 anbete Xqpen son böseren $flangen 
unb Xbieten entroidelt ^aben, bie unfetet Sitie 
ftemb ftnb, oieneiifit aud| auB einem fii^tim 
STIiietftantme, bet ben SBirbritbicten on Sil- 
DungSfO^igfeit ftbetleoen ift, b^^eie SBefen, Die 
unB itbif^e aRenfi^en an 3ntell igeng unb' 
ScntDennbgen roeit übeitteffen. vin, Sie 
3R3gli(4Irit, bag mit flDenft^en mit folgen !8f 
moiinetn anberer Planeten jemalB in biretlen 
Sei^e^t treten ISnnten, erf^eint auBgef^Ioffm 
bui4 bie nrite Sntfernung unfetet ®tbe von, 
anbeten SBeltlSipetn unb bie ^broefenlieit bn 
unentbelitli^cn otnufpbärifi^n Suft in html 
nieitcn, nut von Vctber erfüIUen diDift^' 
taum. i 

SBdttenb nun ptele ®teme fi^ ioaH4<<<i'i 
liä) in rincm O^nüt^en biogenetift^en Snt- 
roidelungB-Stobiuni freftnben tvie unfete fitbt 
(frit minbeftenS ^unbert aniHionen Sobtenl), 
finb anbete fdjon loeit« potgef^ritten unb geben 
im ,pIanetotif4en ®teifenaiter' ibrem Snhe 
entgegen, bemfelben Snbe. baS aud) unfnei 
ffiibe fldier beoorftebt- 2>uri^ aiuäftrobluns i«r 
Sßarme in ben lallen SÜBeltraum niitb bie lern- 
peratui aDmdblic^ fo berabgefe|t, ba^ oM 
tiopfbar ftüfftge aSoffer gu Eiä etftatrt; bamil 
(irt bie Onögli^Ieit otganifdien SebenB auf> 
3uglei4 )tebt ft^ bie aRaffe bet ivtirenben 
SklUörpet immet ftättci gufamtnen ; ibn Um' 
laufBgefcbninbigleit änbert fl^ langfam. SHt 
tSo^nen ber tieifenben Planeten werben immn 
enget, ebenfo biejenigen ber fle umgebenben 
fflJonbc 3u(eöt ftfltjen bie üllonbe in bie Pla- 
neten unb biefe in bie ©onnen, auB bcneii fc 
geboten finb. 3)utd) biefen Sutommenftofi raet- 
ben niebet ungebeure SBärme-üflengen erjeugt. 
3)ie gerftdubte IFtaffe ber jerftoöenen loüibiden 
SBeltrörper oertbeilt fld) frei im unentli^« 
aBelttaum, unb baS eraige Spiel bet Sonnm- 
biibung beginnt pon 9Ieuent- 

SaB gtogattige EBilb, meli^eB fo vot unferen 
geiftigen Slugen bie moberne 3Ifttopt|i]fl{ H"'' 
ToQt, offenbart unS ein emigeS Sntftebeit unb 
SSeigeben bei ungäEfligen JQJeltlStp», eii»i' 
periobif^en äßec^fel bet o'erfd|iebenen !>!' 
mogenetifc^en 3,"ft5nbe, roelt^e mir im nni- 
petfum neben rinanbet beobachten. SBäbwj 
an einem Dtte beS unenbli^en aBeltrauraä 
aus rinem biffufen KebelRed rin neuer Sßeltterai 
fld) entmidelt, bat rin anbetet an einem fn' 
entfernten Drte fli% bereits gu einem würeBt*" 
SaHe pon glutbRüfflger aJlatetie oetbi^iei;."" 
britter ^at beteitS an feinem fiqualor ^W ■ 
obgef^leubett, bie fl* gu Planeten bauen; em j 
oicrtet ift f^on gut mädbtigen ©onne fleiDor«"' 
beren Planeten fl* mit fetunbdten Srabontf 
umgeben ftaben, ben 3Jlonben u- f. »■ «■''*■ 
Unb baamif^en treiben fld) im aBeU««« 
Smiaiatben Pon fleineren SBeWätpern unin. W 



3»intaiQ^B RapM. 8b|uns bn SÖtlhU^ftt 



14? 



Rtteoiittn unb Sternf^nuvpen, bie al3 f<^ein> 
hn BcfMtlofc Siaeabuiitim bte f&aifli ber erSgeten 
tm^en, unb oan benen täaltd) ein gtoger 3iMI 
m bic Utttenn (ineinflütit. Sabet änbetn lldi 
BffianbiB fangTam bie Umlaufä-Seiten unb bie 
tatnen ber iagenben SBeltlSipet- 3)te ei* 
toUiten anonbe ß&Tjen in i^te Planeten niie 
ik\t in i^ie Sonnen, ^ivei entfernte Sonnen, 
mäkidfi Fi^on et^actt, ^o^en mit unge^eutei 
ffmft auf einanber unb gerftäuben in nebel* 
artig« SKaffen. Slabei entroideln He fo toloffole 
ffiitimemeneen, ha% bet 91ebelf[ed niebei gEutienb 
miib, unb nun raiebei^olt fi<^ b&i alte @piel 
Mn 91euem- 3n biefem Prapetunm mobUe 
lletbt aber bie unenblit^e Subftang beS Uni- 
oerfum, bie ©umme i&ret Sffiaierie unb ffinetflie 
tnrig unceränbeit, unb eroig niieber^alC \iäi in 
ker unenblidieii 3"t bet petiobifAe Sffie^fel 
Wt SBeltbilbung, bie in fl(^ felbft iiirüd- 
hnfenbe EDletamorp^ofe beS ßoämoS. 
Bleeroaltis ^ertf^t baS @ubftang'@efetl- 
n. Sortf^xitte bcr tScoIosfc. Süiel 
^tei als bet ßimntet rourbe bie Sibe unb 
ftie ffintfte^ung ©egenflanb roiffenf^aftUi^et 
9ttf(^ung. 3>it ga^Itei^en ßoSntogenien altet 
inb neuer Qnt mottten aroat ü&et bie ffint- 
S^ung ber Sibe efienfogut HuSIunft geben 
nie aber bieienige beS Wimmele ; allein baS 
sqtljDlogif^e ©enanb, in nel^eS fie ft^ fämmt- 
fi<^ b&nten, cetrietb fofott i^ten Urfptung auS 
iet bi^tenben 5ß&antafle. Unter all ben ja^I- 
Ri4en ©^öpfungSfogen , ron benen un8 bie 
XeligionS- unb ßultut'@efd|i^te jhinbe giebt, 
tenann eine eingige balb allen übrigen ben 
Hang ab, bie S^BpfungSgef^ic^te beg SJtofeä, 
■ie fle im erften ffiud)e be8 ^entateu^ (Genesia) 
tqa^It niiib- Sie entftanb in bei betannten 
Raffung erft lange nai^ bem Xobe beS 2ltofeS 
Mrf^einlid) erft 800 3dt)xt fpätet); i^re 
QueUen ftnb abet grfilitent^nlä Diel älter unb 
Ulf dffqttf^e, babqlonifi^e unb inbifd^e Sagen 
tmüt^ufü^ten. Sen größten Sinflul gewann 
bicfe täbifcEie ©^BpfungSfage babuti^, ba$ Re 
in baS ^liftlii^e OlaubenSbelenntniEi E|inübet> 
Bmommen unb aI3 .aSort ®Dtte8' ge^üißt 
ninrbe. S^^ai hatten fi^on 500 3a^re not 
SlliiftuS bie gne{^ifd)en Staturp^ilofop^en bie 
natüTlii^e Sntfte^ung ber @rbe auf biefelbe 
Seife nie bie ber anberen ^elttürper etflätt. 
Üu^ ^atte fC^on bamalä Xenop^aneS «on 
flolop^on bie ESerfteinerungen, bie fpäler 
fo Btofe Sebeutung erlangten, in i^cet natiten 
Statur erlannt; bet gtoge SHaler Seonarbo 
H Sinei ^atte im 15. ^agr^unbett ebenfalls 
tiefe $etrefa«en für bie fofflien Ueberrefte von 
t^ieien eiliärt, bie in ftüöeten 3"'en bet 
<STbeef4i4te gelebt Ratten- Üllein bie Slutoritat 
1*1 »ibel, inSbefonbeie ber 3Rqt^u8 oon bet 
G&nbflutft, cetbinberte leben nieiteren 3ott> 
Idnitt ber tvo^en erlemttnig unb forgte bafüi, 



baß bte mofaifffien S^SpfungSfagen noi^ bis 
in bie SRitte beS ad}lgeEinten Sabt^unbertS in 
@eltung blieben. 3n ben Äreifen ber ori^D« 
bo^en XEieoIogen be|i^en fle biefelbe nocfi bis 
auf ben beutigen 2^ag. Srft in bet gmeiten 
Sölfte beS 18, 3abt&unbett8 begannen unab. 
bängig bauen ntiffenfiiaftli^e ^orft^ungen über 
ben Sau ber @rt>rinbe, unb mürben barau8 
Sc^Iüffe auf t^te @ntfte^ung abgeleitet- 3>ex fSf 
grünber berSeognoHe, SHJerne t in gtriberB,lie& 
alle ©efteine auS bem Gaffer entfle^en, nä^renb 
Soigt unb feutton (1788) nditig erfannten, 
bai nur bie febimentdten, ^etrefatten fübrenben 
Oefteine biefen Urfprung ^aben. bie uullanifdien 
unb plutoniftfien @ebirgSmaffen bagegen buri^ 
erftatrunafeutigftüfflöerSDtaffenentftanbenflnb. 

5)er heftige Äampf, roelc^er gniifften ienet 
neptuniftifiiien unb biefer plutoniftifi^en 
©c^ule entlianb, bttuette noc^ roäbtenb ber erften 
btei 2)ecenmen beS 19. So^rbunbertB fort ; et 
mürbe etft geft^li^fet, nodibem flati ©off 
(1822) baS 5Ptindp beS aftuüIiämuB begrfinbet 
unb ^batleS SqelE boSfelbe mit gra^lem 
SrfoEge für bie ganje natürli^e Sntnidelung 
bet ®tbe burcögefü&rt ^atte. Surd) feine .Sßrin» 
cipien ber ©eotogie' (1830) würbe bie überaus 
raicbtigeSebtepon ber Kontinuität ber @rb' 
umbilbung enbgültig gur älnetfennung ge* 
brad|t, gegenüber ber Katafltiip^en-2:^eorie pon 
ßupier- Siie VaUontoIogie, nel^e ber 
Sediere burc^ fein aCett über bie fofRIen 
Anodien (1812) begtünbet ^atte, niutbe nun 
balb gut roii^tigM SfilfSmiffenfi^aft ber @ea» 
logie, unb fc^on um bie EUtitte beS 19. 3af|r- 
bunbertä ^atte fl^ biefelbe fo neit entniideb, 
bag bie {laupt-^erioben in ber ©efi^i^te bet 
Stbe unb i^rer ESeniognet feftgelegt niaten. 
2)ie bünne Winbenf^idit bet gtbe mar nun mit 
Sii^erfteit oIS bie ffirftartungS-Ärufle beS feuti». 
flüffigen Planeten erfannt, beffen langfame üb» 
tü^Iung unb Sufammengie^ung flt^ ununter- 
brachen fortfe^t. Sie Haltung ber erftarrenben 
IBinbe, bie .SRealtion beS feurig« püffigen ©rb- 
innem gegen bie erlaltete Dberfläcöe', unb 
rot awiem bie ununterbroi^ene geoIoflifiiEie 
Ibätigleit beS SßaffetS finb bie natütlii^ mirlen« 
ben Utfa^en, nel^e tagtäglich an bet lang- 
famen Umbilbung ber IStbrinbe unb ilitet @e- 
birge arbeiten- 

2)rei überaus mistige ffitgebniffe Pon all- 
gemeiner Sebeutung netbanlen roir ben glftn- 
genben ^ortfc^ritten ber neueren @eologie. 
@rftenS mürben bamit auS ber (Stbgefäiii^te 
ade ÜB unb et auSgefdiloffen, aDe übematüt" 
lidjen Utfai^en beim Stufbau ber ©ebirge unb 
ber Umbilbung ber Kontinente. 3n>citenS 
rourbe unfer ^Begriff pon ber fidnge ber un- 
beuren 3ctträume, bie feit beren SBilbung uerfloffen 
]inb,erftaunlid)enDettert SDit tpiffen je^t, ba^ bie 
ungeheuren ®cbirgSma|fenbetpaldogoif(4cn,ine> 



150 



^UcmalglM AotiUtL Sfifimg tn SScIhat^ld. 



XX. 



fojoiräien unb canojoif^en Formationen ntd)t 
Diele ^a^rtaufenbe, fonbem oiele Sa^nnillionen 
(neit über ^unbettl) )u i^cem Aufbau bcaui^ten- 
Snttcnd tciiTen tsic jettt, bag aHe bie jolilrei^en. 
in bieTen gormattonen eingef^bfTenen Sei' 
fteinerungen nti^t rounbetbare ,9tatuifpielc' 
Unb, ivie man noi^ not 150 ^a^ien glaubte, 
fonbem bie oerfteinerten Uebertefte oon Cr- 
ganiSmen, nieldie in ftü^eren Venoben bei 
@ibgef4i(^te niiUii^ lebten, unb roeli^e butt^ 
langfame Umbilbang auB oorfieigegangenen 
Sinnenreizen entßanben finb- 

m. 5ortf<^rittc der p^qfUi unb 
C^emfc Sie jolinoreniiii^tieen (Stttbeduneen, 
meld« biefc funbamentalen iffiiffenrc^aften im 
19. Qolii^unbert gemalt baben, |1nb fo all- 
belannt unb i^ie prattifdie Snnjenbung in 
aUen ^nieisen beS menfi^Iidien AuIluiIebenS 
liegt fo tlaiDor SlUei Singen, bafi mir ^Jei nid|t 
@injelne9 ^emorgu^eben biaudien. SlDen ooian 
^at bie Slnroenbung bei 3)ampfliaft unb ®Ie(' 
trijität bem 19. 3al|i^unbeit ben diaial' 
teiiflif^en ,371 affinen -Stempel' aufgebtüift. 
Slbei ni^t mtnbei roert^ooll ftnb bie toloffolen 
goitWiitte bei anorganifc^en unb otganif^en 
Sbemie. Stile (Sebtete unfeiet mobemeit Sultui, 
Siflebicin unb Se^nologie, Stbuftrie unb Sanb« 
nirtlir^art, ^erßbau unb gorltoiitM^nft, 
SanbtranSport unb ^affeiDertebi, finb !>«• 
-lanntli* im Saufe beS 19. ütobiöunbertB — 
unb befonbeiä in beffen jnieiter fiälfte — ba- 
bur4 fo gefälbelt noiben, baft unfeie ®rti%- 
ndtei au8 bem 18. ^a^ibunbeit fli^ in biefei 
fiemben SSelt ni<^t auBtennen nüiben. 3bei 
nert^oller unb tiefg reifen ber noi^ ifl bie un- 
eebeuie t^eoietifi^e @ntieitemng unferer Slatui* 
@ilenntni^, meldet mix ber !Begiünbung beS 
®ubftan}-@eFe|eS seibanlen. 91ad|bem 
Sasotriei(178g)baS@erets von ber Si^altuna 
bei aJIaterie aufgeftetll unb S)ttlton (1808) 
mittelft beafelben bie aitom-lRienrie neu be- 
fliflnbet öatte, war bei mobemtn &I|emte bie 
iÖabn eröffnet, auf ber fle in rapibem ©iegeS' 
lauf eine fiüEiei nicöt flea^nte JBebeutnne fle* 
roann. 2)a8felbe gilt für bie ^bqfilbetteffenb 
baS ©efel von bei Sr^altung bei @neigie- 
Sie@ntbe^ngbeSreIbenbui[f|9tobeitiinaqer 
(1842) unb ©ermann öelmbolft (1847) be- 
beutet oud) für biefe Sßiffenfdiaft eine neue 
Ißetiobe fnK^tbaiflei @ntniidelung; benn nun 
eift roai bie $bt)fi' i^n Staube, bie uniuer» 
fale (SinEjeit beiSlaturlräfteju begreifen 
unb bai eniee Sviel ber ungäbligen ^atur- 
proceffe, bei meli^en in jebem Slugenblid eine 
Äraft in bie anbere umgefettt nierben tann. 

IV.-Sort[d(ritte6er BioIOS>e. a)ie giof- 
artigen unb für unfere ganje SJeltanfdiauung 
bebeutfamen ffintbeifungen , nieli^ bie aiftro- 
nomie unb ©eologie im 19. 3abrbunbert 
gemalt 6aben, nierben not^ nett übertreffen 



von benfenigen ber Biologie; ja, mir bätfen 
fagen, ba^ von ben joblreiifien Bnieigen, in 
neigen biefe umfaffenbe äßiffenf^aft com oi' 
ganifi^en Seben ftd) neueibingS entfaltet ^at, 
ber grB6eie Xb^il übeibaupt eifl im Saufe 
beS 19. 3aI|il|unbeitS entflanben ifL äBieroii 
im eiffen SCbfc^nttte gefeben baben, ftnb inner- 
balb beSfelben alle ^roei^t bei SInatomie unb 
$bnfiologie, bei iBotantt unb ^o^Ioei^' ber 
Dntogenie unb Sbqbgenie, butc^ unaä61ifl( 
(Sntbetfungen unb (^ifinbungen fo febr be- 
reihert niotben, bag bei heutige ^u^anb unfeieS 
biologif^en 3Biffen8 benjenigen cor bunbtit 
3a6ien um baä SBielfai^e übertrifft 2)a8 gill ju- 
nä^ftquantitatipüon bem iDloffaten Sßii^ä- 
t^um unfeieg pofititien £Bi!fen3 auf aQen jenen 
@e&ieten unb ibren einjelnen Steilen. @3 gilt 
aber ebenfo unb no4 mebr qualilattv von 
bet SBertiefung unfeieä SSerftänbniffea bei bio- 
logifdien Sif^einungen, uon unferer iSrIennl- 
ni| ibrer beniitenben Urfai^en. ßtei bat not 
aKen Slnberen QbaileS Karmin (1859) bie 
$alme beS @iegeB eirungen ; er bat bui^ feint 
SeldtionS-Xbeoiie ba9 gro^e Seltiätbrel uen 
ber .organtf^en ®d)öpfung' gelBft, pon bei 
natüilii^en SnlRebung ber un;äbligen Sebeni' ' 
formen buic^ aHmäblidie Umbilbung. Smi I 
batte ft^on fünfjig Qalpt früber ber groSi 
Somar* (1809) eilannt, ba^ bei SBeg biefet 
SranBfonnotion auf bet SBecbfelroirfung üon 
aSetetbung unb Stnpoffung beiube; allein t* 
feblte ibm bamalS nocb baS @eIe[tion9-$iinciih 
unb e3 feblte ibm noi Willem bie tiefere @infid)t in 
baB TOabre aSefen bei Diganifation, roelc^e eifl 
fpätei buicb bie Segiünbung bei ©ntroittelungS- 
gefi^ii^te unb bei StütnÜteoxii genionnen muibe. 
3nbem mir allgemein bie @rgebniffe biefer unb 
anbeiei SiScipIinen gufammenfafiten unb in 
bei StammeBgef^^idite bei CrganiSmen ben 
©i^Ififfel }u ibrem einbeitlit^en aJeiRänbniS 
fanben, gelangten mir gut ®egrünbung fenei 
moniflifdien 99tiiIogie, beren ^tincipien 
iä) (1866) in meinet .©enetellen SDioipboleB«' 
feftaulegen revfuibt bobe- {äJeigl meine ,»a- 
tüili^e ©djapfuugSgeftfti^te', X. aiup., 1902; 
unb SaruB ©terne: .Berben unb Stf 
geben', IV. Slufl., 1900). 

y. Sortfc^rihc bex Anthropologie- 
tlHen anbeten Siffenfibaften uoran fte^t in 
geniffem Sinne bie raabre Snenft^entunbe, 
bie miitlic^ netnünftige Slntbtopologie- 3)ii! 
Sort beS alten Seifen: .aRenf^, erlennc 
bi(% felbft' (Homo, nosco te ipsmn) nnt 
baB anbere berübmte SEDort: .Sier 3)lenf4 iß 
baB IBlai oder Singe' finb ia von SllteiS bet 
aneilannt unb angemenbet. Unb bennoift bot 
biefe SBiffenfdjaft — im raeiteften ©inne ge- 
nommen — lönget alS olle anbeten in ben 
Seiten ber Irabition unb be9 atbeigtanBeB* 
gefd)ma^tet- ^it Ifahm im erfien Sbfcb''''' 



^en, niie langfam unb fvät ild| eifl bie 
ttntniS Dom menft^li^en OreaniämuS ent- 
dtit Itat- Sinex i^tn nii^tigften Sivetgt, 
ffnrnäseT^iifite, rourbe eift 1828 (butt^ 
er) unb ein anbetet, nii^t minbet mistiger, 
3ellen(el|te , erft 1838 (buti^ @4n)ann) 
IfT fiegtünbet ^oä) fp&tet oEiet nuibt bie 
tage aQet fragen' gelBfl, baS seraoltige 
t^fel vom ■Urfptune beS Sltenfi^en*. 
iglei^ Satnaid rdjon (1809) ben etnjigen 
!g jut rii^tigen Sifung beSfelben gejeiBt 
,bie Kbftammung beS SRenfi^en Doin 



itrad^tung. 151 

Slffen' bOiavptit ^atte, gelang <8 bo4 3)at' 
roin eiD fündig ^oliie fpStet, biefe )Be!iauptung 

fiel)« au begrünben, unb erft 1863 Bellte ©us- 
ieit in feinen .3eugnitfen für bie ©fdlung 
beS Sßenfi^en in bet SRatut' bie genit&tigFten 
^eneife bafüt aufammen- 3i^ ferbfi ^be 
fobann in meiner Slnt^topogenie (1874) ben 
etHen Setfud) gemalt, bie ganje SReilje bet 
Elinen, buiA niel^e ft<f| unfet ISef^le^t im 
Saufe Dielet Sa&nniSionen auS bem X^iertei^ 
langfam entniidelt bat, im ^orifäien 3«' 
fammenbang baijuftellem 



S^Iugbettaditttng. 



Sie 3a(I bet SSeltidt^el ^at fli^ bu»^ bie 
gefülitten Sottft^ritte be» roa^ren SRatuf 
tenntnil im Saufe beS neunjeEinten Sa^f 
ibettS ^ettQ oeiminberl; fle ift fd|lie|Ii^ auf 
etnjigeS onumfnffenbeS nniocTfal • Stdllifel 
■fittgefölirt, auf baS ©ubflanj-^mblem. 
iS ift benn nun eigentlich im tiefften ©runbe 
fe3 aQgemalHge ^eltiDunbei, loeli^eä bet 
Jijlifi^e 5Ralutfotf^et at§ 9t a t u r ober 
inetfum cetlietTlii^t, bei ibealiflifi^ $^tIo- 
ib lÜS Subftang oberAoSmog, bei fiomme 
äubige als St^öpfei ober ®ott? Sännen 
t ^te behaupten, ba^ bie rounbeibaien 
ttf^titte unfetei mobetnen SoSmologie biefeS 
ubflang<9}äf^fel' gelBft obet auc^ nut, baB 
uns beffen SOfung fe^t oiel nä^ei gebtai^t 
ten? 

Sie üntroott auf biefe S^lugfrage fäSt 
t&rlicl) fe^t iieifd}ieben auS, entfpte^enb bem 
anbpuntte beS ftagenben ^^ibfop^en unb 
[tet empittf(f|en AenntniS bei Ritttli{^en 
cU- l^it geben Don ootn^etetn gu. ba% mit 
n innerften ^efen bet Statut ^eute vtellei^t 
d) ebenfo fremb unb Deift&nbni|lo8 gegen- 
etfle^en, raie Stnajimanber unb Smpe* 
tleä Bot 2400 3aSren, mie ©pinogo unb 
emton noi 200 ^a^ien, rate Sant unb 
oet^e »Ol 100 3al|ren. 3a, mit muffen fo- 
t eingefteben, ba6 unS biefeS eigentlid)« SBefen 
f Subflanj immei rounbeibaiet unb Täf^fel- 
ftet rairb, je tiefet mit in bie @i(enntnig 
nx ntttibute, ber Snoteiie unb @nergte, ein* 
Ingen, ie gtünbliibei rait ii|ie unjäbligen 
[fi^ehtungSfotmen unb beten Sntreidelung 
inen letnen- T&aS ali »Sing an fid;' 
otet ben ettennbaten @ifii|einungen ftedt. 
ä roiffen »it audi beule nod) nidjt. 3tbet 
i3 ge^t uns biefeS mqftif^e .Sing an fitb' 
leibaupt an, menn roii teine STtittel }u feinet 
rfotfi^ung befltien, menn mit nii^t einmal 
n nriffen, ob eS e^flitt obei niibt? Uebet- 
mit bobn baS unfiui^tbare Qlrübeln über 
ibtale ©efpenR ben .teinen SRetapblfi' 
unb eifceuen mit unS ftatt beffen alS 



,e^te $bQfl!er' an ben gemalttgen tea(en ^ott- 
fdiritten. metibe unfete moniftif^e Slatufiß^ilo' 
fopbie lbatfäd)li(b eitungen bat- 

Sa übetragt alle anbeten ^oitfi^titte unb 
Sntbedungen beS oetfloffenen , großen ^gobibun- 
bedS' baS gemalttge, aHumfaffenbe ©ubRang' 
Oefeti, baS .@iunbgefe^ con bei Stbaltung 
bet Äiaft unb be§ ©toffeS'. Sie Iba'fadie, 
ba% bie ©ub^anj &betan einet emigen ^Beme- 
gung unb Umbilbune untetmoifen ift, flempelt 
baäfelbe jugleii^ jum unioerfalen entreide- 
lungg'Sefeti. Snbem biefeS bac^fte Statui* 
gefetj feftgeftrflt unb olle anbeten ibm unter« 
geotbnet rouiben, gelangten loit jui Uebetgeu- 
gung von beiuniceifalenlSinbeit bet Statut 
unb ber eroigen ©ellung bei iRatuigefe^e- Uta 
bem bunllenSubftanj-^roblem entraidelte ÜA 
ba3 Ilaie @ubftang'@efett- Sei aHoniSmuB 
beS ÄcamoS, ben rair barauf begrftnben, lebtt 
unS bie auSnabrnSIof« Geltung bei .emtgen, 
ebemen, gtoßen ©efetie* im ganjen Unioeifum. 
Samit jertiünimert betfelbe abet gugleitb bie 
btei gio6en Eentrat-Sngmen bet biSbetigen 
bualiflifd)en ^büofopbie, ben petfBnlit^en 0ott, 
bie Unftetbßi^Ieit bet Seele unb bie ^tetbeil 
beS SßiaenS. 

SJiele »on un8 feben geroiS mit lebbaftem 
Sebauem obei felbft mit tiefem St^etge bem 
Untergange bet GJBttei ju, roeltbe unfern feuern 
eitern unb SBoieltetn alä b5d)fte peiftige ®Ülei 
galten> 3Bii tiSften unS ober mtt bem Siorte 
beS Sid)tei8: 
,Sae ailte ftäi}t, eS anbett fld) bie 3eit, 
Unb neue» Sebenblfibt ou8 ben Huinenl' 

Sie alte SQeltanfdiauung beS 3beal' 
SualiSmuS mit ibten m^ftifdien unb antbto» 
piftiftben Sogmen neiflntt in Stummer; abet 
übet biefem gemaltigen StÜnnnetfelbe ffeigt fftkt 
unb b«tli<4 bie neue @onne unfeieS Steat* 
3Roni9muS auf, melibeung ben munberooSen 
lempel ber SRatur voU erfdilieSt 3n bem 
reinen AuItuS beS .SBabren, Outen unb 
Si^finen', meldjet ben Itetn unfeiet neuen 
moniffiftben {Religion bilbet, flnben toir 



1^ 

teilen Srfat für bie wrlorenett aitttTopiRtfdKn 
Sbeale von ,<Bott, Sieifint unb Unfttrblii^feit'. 
3ii bn DOTlicsmben St^anblung bet SDcU* 
vAtiifcl Hbt id| meinen (onfeoucnten tno* 
nifiitdien Gtanbpuiilt ft^if betont unb ben 
(ScQenfol )u bn buoliftifdKn, (tut* no^ ^err- 
fi^enbcn ffleltonfc^uung üat (enatge^Bcn- 
34ftfifeeini(I|babeiaufbtc3u|ltmntungt>onfaR 
allen nuibnnen91atutforFd|nn,itie[Ae&bCT^upt 
SReiaung unb ÜHutt jum Sklcnntnit einet ab- 
gerunbeten p^ilofop^tfc^en Uebeqeugung be* 
^len. 3i^ m94te oB« om meinen Sefeni 
ni(!)t iCbff^tcb nelmten, o^nc onfB6nli4 boiouf 
^inäuwttfen, baft biefct dttoffe wegenfafi bei 
ti>n(cqucntem unb flatcm txtiltm fi4 bii )u 
einem fieiDifTen Qkabe milbeit, to f^ß bis ju 
einer eifreulii^ 6annonie geÜR nciben lann. 
Sei D8IIte folgeri^tigem Senlen, bei glci4' 
mätigei Vnmenbung bei ^3d)^n ^rinciyien 
auf baS Qefamtgebiet bt< ffoSmoS — ber 
orgonifc^ unb anorganifcEien Statut —, nAbem 
fl($ bie ®egenfdte beS IIieiSmuB unb $an- 
t^eiSmuB, beS SitdiSmuS unb Sne^antSmuS 
bis gur Serübning- Slbei fretli^. lonfequenteS 
Sienlen bleibt eine feltene 9IatuC'Scfd)einung I 
Sic gro&e SHtimaitl aUn Vbilofopben möd)te 
mit bei reiften &anb baS leine, auf Sifatrung 
begrünbete äBtffen ergreifen, lann aber glei^ 
jeitig nic^t ben m^^if^tn, auf Offenbarung 
geflii^ten @Iauben entbebien, ben fte mit ber 
linlen £anb fe^dlt ebaialteiißtft^ ffii biefen 
niberftnu^Stioilen 3)uali3mu3 bleibt bei Aon* 
ftitt )»if(^ bei reinen unb ber ptottif^en 



Setnunft in bet liittf^en V^ilofopbit ^ 
bS^^eftülten neueren a>enfctS, beS großen 
Immanuel ftant 

Sagegen ift immer bit Sdil berientgeit 
Senl« flein gemefen, roel^ biefen SualtSmul 
tapfer übenpanben unb fii^ bem leinen 9Roni9' 
muS gumenbeten- Soi giU Aenfornnbl für bit 
fonfequtnien 3bealiften unb Sbeipen, rote für 
bie folgeti^tifl bcntenben Stcali^en unb ^aiu 
tbeiftcn- Sie Serfdtmeljung bei anftbeinenlxn 
tStgcnfOt«, unb bamit ber ^ortfi^ritt jui Safung 
b«S funbamcntalcn SieltrAtlifeie, roirb uns abei 
bun^ baS ftetig junebmenbe SBac^ät^um ber 
Katui-ailenntnig mit jebem So^ie ndbei ge- 
legt. €o b&ifen mit unS benn Der froliei 
Hoffnung bingeben, ba^ baS anbrecbenlie 
gnaniig^e :3abrHnbett immei mebi jeni 
(ttegenfft^e ouSgleid^en unb burd) HuSbilbuni 
beB reinen SnoniSmuB bie erfebnte Sin^ei 
bei SJeltanfdiauung in neuen Aieifen oei 
breiten mirb. Unfer giafitei Siegtet unb 3en!(| 
beffen 150. @eburtStag mir 1899 beginget 
SQolfgang ®cietl|e, bat biefei «inbeüt 
$biIcifopbie f(^on im Xnfange beS neunje^ntei 
3al|r4unbeit9 ben uoQenbetften poetif^en BuS 
btui gegeben in feinen unftetbl'*»" *" 
tungen: Sauft, ^rometbcuS, Sott 

,9Iac^ emigen, e^ernei 
otogen ©efe^en 
aHüffen mir SOIe 
UnfereS SafeinS 
Jtreife poQenben-* 



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3ur Sc^Hft fib«r 6{e „tDeltrSt^fd". 



3>ie elften aiuftagen mein« ©(§rift Über bie „aSetträtl^ler, We im $e:6fte 
btS :3la^ieS 1899 eifi^tenen, fonben einen felgr tof^en SI6fa|i; Innet^atb meniger 
Stonote mürben je^ntoufenb Sfemplate oedhtuft, (£S mn mir ballet ju meinem S9e- 
bmiem nii^t möglii;^, fofort bie SBerfiefTenmg einiget JJe^Ier ootjune^men, mif melii^e 
idl erft bun!^ me^cete insmifi^en etft^ienene OSegenfi^rtften aufmeilfam gemoii^t mutbe. 
aftji bei @elegen§ctt einer fpSteren Stufloge fcmb ii$ §incei^enbe 9Jhi6e, jene Qtt- 
ferner ga beri^tigen. 

@(^n mSl^renb beS erften ^fä^xeS na^ bem QScf^einen meines Sut^eS mürben 
me^r als ^unbett oeifddiebene iBefpred^ungen beSfelben tn goi^Iretdien Seitf^ü^m 
DetöffentH(§t, fomle ein ®ugenb größere Stofi^üren. (Sine übetp^Ht^e ^ufamraen« 
ftfUung unb tritift^e SSergleiii^ung berfelben gab im $erbft 1900 einer meiner 
Schüler, fieiniidi ©d^mtbt Oeno), tn feiner iStof^üre „®er flamijf um 
bie aSelträtMel" (Sonn, (Emil Strang. H. Slufl. 1900). Später ift bie Sa^I 
btr Qlegenfd^riften not^ bebeutenb geftiegen, nai^bem Ueberfe|ungen beS S&a^eS in 
bte cnglifii^e, fronaÖfif(§e, Itolienifi^e unb fpanifd&e ©prnd^e erfd&ienen roaren unb 
au^ in tiefen Ttai^bailänbeni ftarfen Slbfag gefunben Rotten, ©egenmäitig mag 
bie Slnja^I ber oetf(§iebenen »efpret^ungen roo§I mehrere ^unbert betragen. 

ffiiefer unerroattete ffirfolg eines p^Üofop^ifi^en Suil&eS legte bem SJerfaffer 
gemijfermagen bie $fli(^t auf, mentgftenS bie mid^tigften »on jenen ®egenf(^riften 
ju beantmorten unb bie gum 3:^eil fe^r flimmeren ^oimüife ju miberlegen. ^n ber 
Xljat füllte U^ mii$ aui^ ju einer foZdgen umfaffenben ^Entgegnung, gu ber i^ bitttt 
unb inbiielt oielfai^ aufgeforbert muibe, meiner Steigung jumiber faft gejniungen. 
Site auSfÜSrung berfelben rourbe aber biin^ meine jroeite JReife noä) ^nbten oer- 
eiteQ, bie i(^ im Sluguft 1900 nai^ ^aoa unb Sumatra antrat unb über meldte id^ 
in meinen BaJiotagifd^en Weifebjiefen" Seric^t erftattet ^obe („Sfufulinbe" , Sonn, 
lEmU @traui, 1901). 

SBoHte id^ eine eingelgenbe JÜntmort auf aUe oerfi^iebenen, gegen bit „93e[f- 
rS^fel* geiii^teten Singriffe geben, fo mitrbe ein neues SSuc^ entfielen, nieit umfang» 
ni^ei oIS baS erfte. 4Sine beiattige auSfül^rlii^e ®egenfd^rift ober eifd^eint mit bei ber 
gegenmärtigen Sage beS grogen flampfeS um bie ^eltanfd^auimg mebet notl^menbig 
not^ sroecCmägig; eS genügt titelme^r, roenn id^ in btefem futgen „Sladgmort" bte 
tnti^tigften Sinmänbe beleudite, ^aife Snigner^änbntffe aufl^äie unb meinen 
inincipieaen Stanbpuntt nochmals lEor barEege. 2)te äugere SQetanloffung baju giebt 
ntli gerabe le|t, nad^bem mit bet lefiten (atzten) Sluflage 16 000 tSjempbu:« beS 



154 «a^UiKt im Cd^ft ftBn Ut SDtttrU^I. 



3u[$eS in beutft^et ©ptacl^e netbieitet finb, bie SetSffetttltc^ung ber biUtgen aJoHS* 
auSflobe. ßu einet foli^en roar i(§ f(^on im ßoufe beS legten ^a'^zeS oon meuteren 
Seiten brtngenb aufgefoibert moiben; i^ tonnte ntii^ ober gui StfilOung biefeS 
iBunfi^eS — tto% moni^ei: SBebenten — ctft lc|t cntf(§Iie6en, benioflen bun^ ben 
ftaiten Srfolg bet en8[tf(^en Uebeife|iung. S)on biefet ^aüe bie „Rationalist PreBs 
ABSociBtios" in Sonbon , gu Snbe »ongen ^al^reS eine billige !BoQSauSga6e iki> 
anftoltet unb innct^att breier aJlonate SO 000 ÖSjempIore oBgefeJt. ®urri& bie beiitfi^ 
SßolfSauSgabe nirb eS nunmel^i aud^ unbemittelten ®ebiQ>eten (nomentlii^ Üe^itm 
unb Stubtienben) nütglid^ fein, fid^ mit bem ^n^olt beS SBuHfeS befannt ga maci^eii; 
i(^ Igobe barin t^otfät^Ii^e ^irt^iümet »eibefTeit, viele ®ä|e gdürjt unb Ü&erflüffigeg 
ffleiroerf (OTotti , ßitterotut-SIngoben) , foroie fämmtlii^e Stnmertimgen fortgefaffeiu 

3)er Uberrafi^enbe GEiforg ber „SSeltrat^fer" edläit n<$ ^"^^ gtogent^eilS 
bun^ baS ftetig ma^fenbe Sebüifntg weiter !8iIbungSfteife na^ einer Haren, eiü' 
^eitlidien SiJeltanfd^auung. 2)ie ©eroinnung einet fo((§en roitb uon 3:ag ju 
Xag fi^nrieriger bur$ bog erftounlid^e SSac^stum bei em^iirifd^en ©pedolfotti^ung 
unb bie bamit oettnllpfte otelfai^e 9Irbeit5t^ei[ung in aQen einzelnen SSiffenSgebieten. 
Qe me^r (!(§ &ier ber betrfenbe Seobaifiter in ber unübetfe^baten SKaffe ron Se- 
fonberen SinjeC^eiten ju oerlieren brol^t, befto [eb^ofter niirb auf ber onbem Seite 
fein Sebüifnig na<^ bet ®ennnmtng ein^eitlic^et ®eft(^tSpun[te unb einet aOgemeinen 
Ueberfic^ übet baS ganae Sdenutniggebiet. Sine folii^e Ißldilafopl^ie tonn aber 
nur mtf natutmiffenf<!^afUiii^er ®tunblage tu^en, auf ttitift^er 3ufammenfa|fiing 
ollet allgemeinen ffirgebtiiffe ber GSrfo^rungSrolffenfrftaften. 3" einer folgen etliten 
„^taturplgilofop^ie" ift jeber beidenbe unb roijfenfd^aftlii^ gebilbete SRenfc^ betet^tigt; 
fie ift ni(^t boS prioilegirte ffiigent^um einer beDorjugten Sele^tten-flafte. 

Sie angemeinen Setiad^tungen , roeld^ id^ biefem „flta^moii jn ben Seit 
rüt^feln" ootanft^den möd^e, finb ganj biefelben, mel«^ Saoib ©ttaug sot brei^ 
^o^ren in feiner mctper^often i8tof(§Ute gegeben l^ot: „ffiin Stai^roott qI§ SBoncod 
gu ben neuen 9IufIogen meiner @i$rift: 3)er alte unb bet neue Glaube" (^om, 
Smt[€lrauft, 1873). 9IIIe§, moS ^ier in oolltommenftet gorm ber größte S^eologe 
be$ 19. ^a^r^unbertS über bie (Sn^tel^ung unb W)\l^t feines berühmten Sui^eS fagt, 
übet bie änotioe unb Snet^oben \^et jaültei^en @egnet, gut Segrüitbung itnb 
SSertfieibigung feineS „SefenntniffeS" — aUeS boS gilt &)9ttli<$ aui^ für mi(^ Mb 
meine „SBelttötl^fel". 9)enn aui% biefe« Surft ift nur bos offene unb e^rltc^ 
Setenntnifi eineS SHanneS, ber ein ^olbeS ^a^i^nnbett l^inburd^ nat^ tSiIenittnifl 
bft SQa^t^eit gefotft^t §at, unb ber nun bie allgemeinen (Stgebniffe feinet vä^ 
fomcn 0orf^ungen na^ be^em SBiffen unb ©eroiffen feinen 5Dlitmenfd|en nuöBat 
ma(!^en m'it^tt. ^nbem iii^ alfo begüglii^ aQer allgemeinen Se^ie^ungen auf jtneS 
tlafftfdie „Setenntnife" non 5)atiib Strouft unb auf hie ffittlätungen feines be* 
beutungSnoDen „Slaii^niortS" ^inmeife, begnüge i(^ mid& ^ier mit einer (m^en 
Entgegnung auf biejenigen :Oiofc^üren übet bie SSeltiät^fel, roelij^ am bringenbßen 
boftu auffoibetn; eS finb bie beiben p^ilofop^ift^n ©d^tiften oon $aulfen tini 
9IbideS, bie beiben t^eologifi^en non SoofS unb Stifipolb. 

Untet aQen ©egenfd^ften, bie feit brei 3o|iren gegen mein 8ud& oeröffentii^t 
mutben, §at mid) teine in fo ^o^em fUtaa^e übetrafd^t unb beftembet, als biejeitigc 
non $tiebri(^ !ßau[fen, ^rofeffor ber ^^ilofop^ie an ber UnioetfUfit fßa^ 

xhMc 



nad^lvDtt lux e^ft Sb« blt SStüclüWt 155 



Sie erf(|ien im ^uli 1900 im etfteti ßefte beS 101. SSanbeS bet Sßreugifi^en Qa^r- 
biidger, unter betn 3:itel: (Etnft $ae(fel al§ ^^ilofop^; fle niuibe bann fpätet 
Bögebrucft in einet ©ommlaing oon Slnffäfeen, betitelt „Philosophia militans; gegen 
nafuraliSmuS unb flIerilaliSmuS". 3)iefe ©rf|mä|if(i^rift oetuttl&eilt nid^t ollein mein 
ßonje^ 9u(^ in ben f^äifften SluSbrüden, fte übetgiefit nic^t nur alle angreifbacen 
EteQen beSfelben mit ©pott unb $o^n — fonbetn, maS [(glimmet ift: ^aiilfen ner- 
[(^nieigt niete mistige ®ä^e meinei Sßeltonff^QUung, in benen er mit mir ÜEiet' 
rin^immt, unb rupft bagegen auS bcm JRefte alle bic ©age ^etmiS, bie i^m gum 9In- 
jriff geeignet etfi^einen. ®ine oetBIüffenbe Sieiftigleit ift e8, roenn ^oulfen fort« 
Dci^renb behauptet, bog id^ bie $|iiIofo{]^ie libei^mtpt oerroetfe, miü^renb ic^ 
iCK^ me^i ©emit^t auf fie lege, als bie meiften onbem matuifotfd^ei; maS idg &e> 
tämpfe, ift bie ^enfdEienbe falfdie aitetapl^pfit! @§ genügt ftur S^acattenftil oon 
pauIfen'S ^antp^Iet, roenn ii^ §tet feine ©i^üigfäfee n)BrÜi<§ anfülle: ^Ü) ^abe 
nit brennenbei ©t^am biefeS SSud^ geUfen, mit ©dgam über ben ©tanb bei oO- 
lemeinen Silbung unb bet |)§iIofopl^ifc^en 9ilbung unfeteS SJoEteS. X)a|i ein foIi^eS 
9uc^ miJglid^ loai, bag eS gefd^iieben, gebiudK, gelauft, gelefen, berounbert, geglaubt 
merben tonnte Bei bem SioII, baS einen Aant, einen iSoet^e, einen ©c^open^auet 
lejigt, baS ift frftmetjlii^l Ontieffen: „Nosm te ipsnml" 

tiefes maaglofe SßetbammungSuit^eil von tßoulf en geprt ju ben Igätteften 
raib 5eftigften, bie mir in ben langen nleiaig galten meiner littetarifi^en Äämpfe 
ntgegen geft^Ieubert motben finb. S)er unbefangene Sefer tSnnte oermut^en, bag ein 
[c^orfet |)erfiinli<5er ©egenfaß l^inter bemfelben fl(§ nerbecge; inbeffen ift bas nid£|t bet 
^alL SSeber Kenne id^ $tofe|for $aulfen perfSnlid^, noc^ ^abe i^ jemals in einer 
litterarif^en Seaie^ung au i^m geftanben — ausgenommen bog id^ auf ©eite 2 bet 
^SBelttiit^fel" feine „Einleitung in bie ^^ilofopl^ie" oot nielen Sl^nlid^en Süi^em bem 
lefct jum Stubium empfohlen ^obe. ©ein Sflui^ ift oorttefftid^ gefd^rieben imb giefit 
ine tiaie Ue&etfic^t llber bie mid^tigften Probleme bet SQeltanfi^auung. Set petfön* 
[id^ ©tanbpunft beS SBerfaffetS ift bet ^ettfi^enbe, bu«^ bie Slutorität oon ftant ge- 
bedte 1DuaIi§mu§, obgleid^ geiabe $aulfen am menigften beiei^tigt ift, fid^ gum SBer- 
li&eibiger non flaut aufjuroerfen; ba% getabe i§m bas SBerftänbni§ füt bie ftontifdEie 
$t|ilofop^ie in ^o^em 3^aafie abgebt, roiib oon ben tüd^tigften flantfoifd^etn ein- 
j^immig behauptetes. 8. DonSo^en, Siorlänbet, ®olbf(^mibtu. 91.). Slnbetei- 
feitS bemüht ^aulfen fi(^ bo<f|, in ben meiften tosmologif(^en fragen ben äln- 
fotbetungen ber mobemen 91atutn)iffenfc^aft geted^t ja werben, unb ftimmt batin mit 
ben roif^tigften ^ouptfägen meines SnoniSmuS ü&eiein. Salbet ^aben meliere un> 
paiteüfi^e Qu^i^mxet biefeS Kampfes batauf l^ingeroiefen, bag bet »on $aulfen ge- 
f^Qffene fi^roffe ®egenfag ju meinen $rincipien ein gang ÜinfUtd^er ift, unb bafi feine 
fi^orfen Eingriffe unbegreiflid^ finb. (3Ran oetgleid^e l^ierju bie angeführte ©d^rift 
»on $eintii% ©c^mibt, ©. 45—48.) ®ie einaig mögti^e ffirillätung betfelBen 
in bem maa^fen (aud^ Don anbeten ®egnetn get^eilten) älergei Übet ben 
litteratift^en lErfol^ meinet „SSelttätl^fel" unb batübet, ba§ überhaupt ein 9lotu& 
(orldger fii^ tntterfte^t, ©tubien übet „^^ilofop^ie" a« »etöffentlitfieu. ®enn biefeS 
.Steigt fielet na<^ ii^tet Sinfi^t nut ben prinilegirten „^at^maunetn" au; fte galten 
eben für roo^ie „^l^ilofopl^ie" nut bie ttonSfcenbentale, auf „(SiJemrtniffe a priori" ge- 
gtltnbete SRetopl^^flt; hingegen bin id^ mit ben meiften anbeten lEnatuip^ilofop^n 



156 fttti^tont m 6dMft «btx Mt miütitm- 



iex Uebeigeugung , ba% bie elften @nmblagen allei tod^tm $^Uofop^ie auf bei 
Sloturedenntnig benil^n unb burt^ beitCenbe Scfoi^ntng k posteriori entftanben 
finb. 8Iuf eine aSibeilegung ber gePffigen unb fop^iftiftjlen Singriffe oon $aulfen 
im Stnaelnen eingugel^en, wüibe |u 9li(!^tg führen; eS ift i^m nii^t um (Eilenntnig 
ber Ma^t^eÜ )u l^un, fonbetn um Semti^tung eines oer^agten ®egneiS. 3)a $aulfen 
feboi^ als untet^oUenbei ^euiQeton'iSd^reibet mit {Red^t fe^t Beliebt ift itnb als 
cebegemanbtei Se^tei ber STletap^fU in Oettin grogen Stnflu| 11^, möi^te id| 
ni)(^ befonberS barouf ^innieifen, bag er aiS felbftftänbigec $^t[ofop|i leine 
Geltung l^at unb nü^t einen einzigen neuen ®ebanlen ober Segriff in bie „Wii^ 
toetS^eit" eingeflügtt ^ot; ba^et au($ fein Ingrimm übet bie ^oi^Iieid^en neuen Sefiu 
fä^e intb SBegriffe, gu beten SluffteSung id^ im Saufe fünfzigjähriger ®ebanlenai{ieit 
buid^ boS fieftönbige 8eftreben geführt muibe, bie mobeme <£ntii)t(telungSle](iie 
ivx feften ©runbloge unfetei gefammten äSeltonft^auung )u matten. 

Sin meit e^rlif^t unb anftünbigerer ®egnet als ber berliner @op^tft ift <£ri(^ 
«bideS, ^rnfeffor ber ^^ilofop^ic in ftiel — obQhii^ aut^ er mii^ als ^^tlofop^ 
fUi eine flluU eiUärt @eine ®egenf(!^rift (180 @. ftarf) ift betitelt „flaut contra 
$ aedel; ffirlenntnifttl^eorie gegen notunDiffenfd^oftlit^n ^Dogmatismus" (SerGn 
1901). Sd^on in biefem Xitei ift richtig ber unoerfö^ulic^e Segenfaf) auSgefprot^tt, 
in roel(^em fii§ unfer mobemet SÄoniSmuS a« bem butd^ flaut oetttetenen 
Dualismus beflnbet. @eit bteifiig 3d|l'^" prebigt bie l^errf i^^enbe @(f|uI>$^iIofi)fii^ie 
i^i „SuEÜd au flant" als einziges SflettungSmittel, mü^cenb glei^jeitig bie 
mobeme Siologie auf ben ©i^ultem non S)atn)in il^re antroort ruft: .^urlid 
gut dlaturl" Siefer prindpieQe ®egenfa| gmifc^en bet flantifd^en aJletofi^^lU 
unb bei 2)anDinfd(ien SuttoidelungSIe^ie ^at ^Üf neuerbingS immer fd^ärfer enC« 
nridtelt, fe mel^i bie ledere il^i eitlärenbeS Sid^t ibet baS ganje »ette (Sebtet beS 
organtfdgen SebenS unb beS barin inbegriffenen menfc^Iti^en Seelenlebens ergog. 

flant unb ^acisinl Unter biefem Xitel nerQffentiic^te ber tiejflii^e ^^ilc 
\op^ tfrife ©<5ulge in 3)rcSben einen Intereffanten „ffleitrag aur ®efdtiidöte bet 
Sntroidelungeie^ie" Oena 1875); et ^atte barin ouS ben ueifd^iebenen Schriften 
Don ftttut bie intetclfantcpen SluSfprüdie a«ft»>nnengefteBt, auf bereu @tunb mon 
ben giogen ^^Uofop^eu »an flönigSbeig gerobesu aiS einen bei elften unb bebeutenbften 
SSorläufer oon Sarmin beaeii^nen tSnnte. Sttein fd(i §abe fdEion in ber elften 
Auflage meiner „JTlQtürlii^en ©d^bpfungSgefi^idöte" (1868, iBortrag V) barouf iia- 
gemiefen, bafi biefe grogartigen (SntroidelungSgebaiden beS moniftifdtien Ütaturp^ilo' 
fofi^en flant in fi^roffem <Sesenfa|e gu ben m^fttfd^en fie^ren fte^en, meldte fpätet 
ber bualtftifdie Snetafil^qfiter flaut jut @runblage feiner ganaen (£rlenntmg'2:]^ite 
meiste, unb meldte ^eute roieber in §öi^ftem Slnfe^en fte^en. SKan mug eben Bei idwt 
Setrad^tung feinet Se^ren au^rft fragen: „aSeld^et flaut ift gemeint! flaut 9ti.L, 
ben SegiÜnber ber moniftifd^en floSmogente, ber Iritifc^e @rgrilnbei bei „reinen 
SBemunft" 1 — ober Ä a n t ?lr. IL, ber »erfoffer ber buoli^if^ „fttitil ber mt^eüS- 
troft", ber bogmatifc^e (Stfinbet ber „fptaltifd^en a)emunft"1" flaut L bebau))tett 
„bie SBerfaffung unb ben med|anif(§en Urfprung beS gonjen SöeftgebäubeS na4 
ÜUemton'fi^n ®nmbfä$en", unb fteOte ben @a| auf, bog „ber aJted^aniSmuS aQein 
eine mirtttd^ (Erllärung aller (Srfd^einungen etnfd^Iiege". flant IL bagegen neitnit 
„bie not^roenbige Untetotbnung beS gJrincipS beS gjlei^iSmu« jmter bafi teleo- 

C.oogic 



nuntigteiTenoe (9egen)ag jmtii^en jmet unnei]09tuuQen ^smKVp\en, jniiii^en otc 
t^eoretifi^en Eeinen @itenntnig unb bett pialtff^en @IauB«n$fägen, iit^t fid^ buidEi 
bie ganje lange ©ebantenaüieit ffant'8 oon Slnfong BtS jum ffinbc bur(§ unb ift nie 
jum SluSgleid^ gelongt. Wie neueren unbefangenen ©eftlli^tsfci^ieibet bet ^^ilorop^ie, 
insbefonbete Uebetroeg-^einje, a, ßange, 3L Slou, SBai^tng« — \a feCbft ^au[fen I — 
^abm biefen un^eiloollen ^niiefpalt übereinfHntmenb aneilannt; er nutg Don oom- 
^etein unfet SDlifetiauen gegen eine „ffitlenntni6-a:§enrie'' cttegen, bie ftiä^ auf einer 
[o buoltfrifi^en ©ninblage oufBaut. (Sergl. $. S^mibt, a. a. O. ©. 46—48.) 

®etabe biefe Dielberufene @r(enntnig'3;^eorie nun ift eS, bie oon ben 
eifrigen buoIifHft^en ®egnem bet „SBelttätl&fel" meinem SJlonlSmuS alS flc^eifte 
^affe entgegengehalten roitb. ^^i gegenüber {ann ic^ mid^ nur barauf berufen, 
i«6 bie gon^e neuere Slatucioiffcnf^iift feit bteifiunbert ^o^ien, feit Sacon unb 
Steroton, bie unbefangene (Erfahrung, bie HOorauSfe^ngSIofe" <Srforf(^ung 
der burd^ ©inne8t&ätig!eit erfonnten Sr^atfat^en, alS ausgangspunlt aflet fieberen 
i Silenntnifi feftl^SIt, olfo a posteriori ueifäl^it. ßant hingegen fd|tiegt umgdCe^rt 
• priori, aus ber Inneren Eelbftbetrac^tung feinet SBernunft, auf bie ffijiftenj unb 
Sef^offen^eit ber Slufienroelt 3)ie „9lnfang§gtünbe bet Snaturmiffeufd^aft" finb 
für Aant „metopl^^fifc^" unb tranSfcenbental, für unfere moniftifc^e HBeltanfdiauung 
^ngegen p^qfltalifdi unb empirifd^. Sbenfo vet^&Ü eS fl$ mit bet ünat^emottl; 
i^re feften unb unanfechtbaren ®runbfäge be^e^en nad^ Aant not allet ISrfo^rung 
unb unob^ängig oon i§t; na^ unferet Ueberäeugung finb biefetbcn ( — niie fi^on 
Stuart SKill u, 91. gegeigt ^aben — ) bie legten, abftiahen (Sigebnijfe »on 
ißetnunftfi^Iütfen, bie bun^ eine fange ftette oon ©rfa^tungen im Saufe ber 
ßultur'Sntrotdelung oUmäl^Iid^ errungen mürben. 

^a, (SntmidFelung ift au(^ ^ier boS ^aubermort, meld^eS aUe „SSelträt^fel" 
(— bis auf bog eine re|te, boS ©ubftanj-ißtobleml — ) 3ur ßöfung fü^rt. 9Bie fiä) 
iKr gtoue SHnbenmantel unfereS ®ro^^im3, beS mic^tigften @eeIen>OrganS, im Saufe 
bex Settiär-^eit aus bet einfoc^eten ©to^fiirn-JHinbe unferet ^rimaten^SI^nen p^^to- 
Senetift^ entmidFelt l^at, fo finb ou^ beffen plgqfiulogifd^e Munitionen gleid^geitig 
aas bet niebeten ©eelent|iätig(eit ber Sejteren biS ju ben anfangen beS Qä^Iens 
Unb SDteffenS bei bei nieberen SJIatutoöUem fortgefc^ritten unb non biefen fpäter 
f|0(^ §inouf au bet Jfltat^ematif bet flulturoiJEfet. 

Äont ober 3)Qiroinl ©o mufe eS ouf biefem Oebiete bet ffirfenntnife-S^^eorie 
i^ feigen. (Sntisebet giebt eS, roie Aont II. behauptet, gmei cerfc^iebene Selten, 
fine empirifdie (buii§ SStfa^tung unb Sßetftanb erlennbore) unb eine inteCigible 
(nur bem ©fauben unb bem ®emat§ jugänglidle) aBeltj — ober biefe beiben 
Gelten finb eine unb biefelbe, mte un§ bie oon 2)anoin neu begtUnbete (SntmidteüingS- 
^eorie le^rt. @ent£ig biefer Ie|iteten gitt bei anec^aniSmuS ber Statut, bet 9iae€ 



158 9la4u<Kt IIB 64rift ft(n btt aOtOnU^ltL 



nadC) feften Sefe^en Wmidt, aa^ für bofi gefammte, auf ®e^imtlE)ätigfelt bemtienbi 
Seelenleben teS SDlenfc^en; eS giebt leine „abfotute ^cei^eU". 
„SRqc^ eiötgen, eisernen, gto&en Ocfejen 
anUffen mtt aUe ttnfeteS SofeinS Aieife noaenben." 

Sielleid^t ift bie geit niij^t me^r fem, mo man ftc^ übetjeugen rotib, bai tri 
fogenannte „trittfi^e 5ßt)Uofop^ie" in SBo^t^eit rein bogmatif^ ift. ©in Sogmü 
b. ^. ein fubfettioet , oon oQet Stfa^iung unab^ängigei ®Iauben§fa$, ift bie ,i 
teQigible 93elt" oon Haxü, feneS unbetannfe „^enfettiS", in betn bie „entigen 3b«n 
Don ^lato roo^nen, bie „unfictblii^en Seeten" unb bet „petfönli^e ®ott". Si 
^ognto ift baS rät^fel^afte „Sing an fid^", baS ^inte;c oDen Srf(^einungen ftede 
foK, unb oon bejfen Stiften) aui^ Aant felbft niigtfi roeig. (Sin S)ogma ift U 
tategocifd^e ^ntfietatiD, bet cbi unbebingteS unb allgemein gültiges ©ittengefe^ fü 
aQe oetrfdiiebenen Snenfc^en-iRaffen auffteDen roiU. Sin 3) o gm a ift bie 9e^mq)tim{ 
ba% bie äInfangSgrUnbe bet 9tatutn)iffenfd(iaft uietop^qfifc^ unb s priori entßanbei 
feien. Unb fo ift bogmattfi^ jene« ganae gtnfec ßel^rgcbäube bet ptattift^cn SBerramfl 
nielc^eS ben butd^ bte teine Siemunft gefunbenen SSa^i^eiten rotbetf^ric^t, abt 
tiDlbem oB „Iiitifi^e" SSeOiDeiS^eit nerl^errlTc^t niiib. 

®ie aiutorität oon ftant 5at fi(§ feit ^unbert galten in bet beutfcti« 
*ß]&ilofopf|te eine ä^nlii^ ajor^ettfddaft errungen, loie fte im aHittelotter Sltiftotele 
befaß. 3n unjä^Iigen ©d^tiften roirb bet ©i^ilb btefer buoliftifi^en SlutoritÖt ba 
anfpmd^en ber moniftif[i)en Sflatutroijfenfd^aft eutgegenge^olten. Slbet bie nrii^Bf" 
unb augleii^ banttiarfte Aufgabe biefet „ftant-Stubien" l^ot nw^ JUicmanb gelüft 
nämlidf) auf einem Gradbogen in Inappet unb Uater gorm bie funbamentdei 
SBiberfptüd^e bet beiben SSeltonfi^auungen non ftant gegenüber ju fteHen: linö 
auf 8 (Seiten bie moniftifd^en ffirfenntniffe bet em^ttifd^en SQelt bun^ bie 
93entunft von ftant L; ted(|tS auf 8 Seiten bie bualiftifi^en $nnct;)ien bei iü' 
teCCigiblen 9Se[t burdi bie ptattift^e EBemunft oon ftant IL 

äluf biefen legteien ftü|it fl^ ganj unb gat®tid^9IbideS, nai^ beffen äln|i(| 
,bie aSeltanfc^auung baS ®eBiet ni(§t be§ Biff enS, fonbcm beS ©laubenS" ift 
mithin bie SSa^rl^eit fii^ ber Sid^tung unterorbnen mug. <Sx meint, bai id(| nii^ 
nur al§ sp^Uofop^ gleii^ 9hill, fonbem auc^ ein 3nenf(§ o§ne ®emüJ^ fei, meil itj 
bem @etnüt]^ baS Slei^t beftieite, gegenübet ber Sßetnunft bie aSa||tt)eit etiCennen ft 
rooBen. SJeniget fd^toff unb einfeitig ift SfuliuS Baumann in feiner Srof^ün 
„^aedel'§ aS3eIträt^fei: nad^ i^iren ftatten unb iliren fd^modden Seiten, mit 
Sln^ang über ^aedel'S t^eologifd^e ftritüer" (II. SIufL.). ^c^ mürbe mii§ mit biefen 
^rofeffoc ber ^^ilofop^ie in ®bttingen begüglid§ ber meiften fünfte Derftänbigeii 
lönnen, roenn eS mir mögtid^ märe, i^n oon bet fflere(i|tigung berlcnigen moniftift^en 
@runbanf($auungen ju Überzeugen, ga weisen idC| burc^ ba£ @tubium bet aügenteinen 
unb oetgleid^enben Siologie im Saufe eines ^oOten ^o^r^unbettS mit 91ot6n>enbt(^ 
noturgemäß gefüllt rootben bin. 

ffiaSfelbe gilt aud& oon bemlenigen Äl^eologcn, ber unter allen ©egneoi iet 
aSelttät^fel nid^t nur ben $bf[id§ften unb oetfäl^nlii^ften 3:on anfd^Iägt, fonbent ou^ 
am einge^enbften unb e^rlidfiften feine obroeic^enben 3Infid^ten ju begrünben fu^ 
@8 ift bieS mein ^od&oere^tter ftoUege, bet liberale Sßtofejfoi ber ftiri5engefc(|ii5'' 
i^tiebtid^ Srttppolb. 3)erfelbe niurbe oot jroangig 3^ten lERacgfoIget beS becÜ^mli* 



WC e^rift flbtr bit SBtOiU^ld. 159 

iftieii^en unb oielfeitig ge&ilbeten (Sele^itm, mit 
Falzte ^htbuni^ jol^Inii^e freunbfi^aftlit^e unt) ein- 
ten t^niflen oon „(Sott unb aSelt", n>ie li6et bie 
i^oft )u ffi^n bcLB ®Iil({ ^atte; ebenfo mie mit 
Degen unfctet Uninerptät 3ena, bem »ecftorbcnen 
ei bontboi bei »ielfad^n !@e[e^nmg unb SIniegung 
I ^oigien oon btefen biei J^eroortagenben S^eologen 
lobei Tmü) auf bie perfbnlic^e unb roiffenfil^afUic^e 
anOntiet bet aStfTenfi^aft berufe, fo eiblide if^ 
jefte ^me^r bec fi^mä^Iii^en unb t)eiä($tli<^en 
wiyii||e, nieuge ga^iieK^e loegnec bei „äSelttät^fel" gegen meine $eifon unb meine 
MeniSaibeit genietet l^aben, allen ootan bec S^eologe IJ^iiebcii^ SoofSin^aUe 
rnib bet *ߧilofop§ Jf tiebtii^ ^aulUn in fflerlin. 

^liebci^ 9IippoIb l^ielt fd^on am 10. anoi 1884, als ec ben ße^tftu^l 
Mn Karl $afe libetna^m, eine Slnttittfitebe, bie grnfeeß auffegen unter feinen 
^eologifcfien ftoHegen unb lebhaften SBeifoK unter feinen Äoßegen anberer 0afuItäten 
nngte, unter bem 3:tte[; „Sie natunt)tffenf[$aftli(!^e SRetl^obe in il^rec SInroenbung 
luf bie JReligionSgefdtiidöte.'' 3n biefer fleiftooHen tRebe ftefft ber iBettreter ber 
ftiti^engefc^ic^te an feine g^ac^-floüegen bie ungeroo^nte ?lnfntbening , bog jie bei 
%en ^ftorif^en unb litterarifdtien gotfci^ungen biefeEben aJlet^oben anmenben fallen, 
■Die bie tnobente SlatunoilfenfdEiaft; babei gebenft ber Stebner ber gemalttgen CEt> 
folge oon Sllejanber ^umbolbt unb ^ermann ^elm^olfi, oon ^aiabaq 
inb Sunfen, oon t^nboll unb ©l^arleS ®arn)in. „Srtit offenem ®inn unb 
'loßrmem ©ecjen tritt bie n)iffenfdf)aft(id&e Sr^eologie, tritt oor Slttem bie {Religion«- 
^^a^te an bie ftounenSniect^en Sntbecfungen l^eran, nieldie bie @egenn)att ber 
fü^renben SSiffenfc^aft banft imb meli^e ber ganjen Seit i^te ©ignotur ge&en." Unb 
«6enfo mie garl Etnft ©aer unter feine Hafflft^e SntmideütngSgefi^tc^te ber Spiere 
(1828) bos Bejeii^nenbc Seitioort fe^te: „BeoBad^tung unb JBefCejion", fo oerlangt 
<nt^ 9Hppolb 1884 für bie MeligionSgef^icflte in eiftei ßinie fd&arfe Ilace ffle- 
i>Eia(i^tung ber 3:^atfac^en, unb erft nac^^er ben unbefangenen unb „ootauS> 
f^ungSIofen" 9Uifbau bec @<|lüffe, bie fidi auS jenen X^atfad)en ergeben. SRit 
MQem Meiste fieHt er biefer „ejoften natuiroiffenfd&aftlii^en äJlet^obe" bie „^errfd^enbe 
'onfefflonaliftif^ • bogmotifi^e" gegenüber, unb bejeid^net bie erftere als em;iicif<f|, 
t Me le^tere als infaQibtliftiff^; jugleidd fprii^t er bec Ufeteren „in alten i§ren 
Soimen gleid^ fe^r ben E^acoltec ftrenget SfSiffen fc^aftli(^(ett ob" (©. 12). 

^efe bebeutungSooQe SIntrtttSrebe oon Stippolb tft freitit^ nic^t nad^ bem 
^Efii^maife ber oct^obo^en S^eoEogen, toil^e leibet aud^ Igeute no($ in ben gritgten 
iieutfi^en Staaten bie einflußretififte SJlad^t Bilben; fie gereid^t aber um fo me|r 
m flogen (S^re unfeier freien Springer Unioecfitat Qena unb unferem Keinen 
®ro65ecjogtE)um SBeimac, bec unantaftbaren JJceiftättc el^ctic^ec aSa^r^eitSforfi^nng 
*inb futt^fec ße^te. aieröffentllc^t mürbe biefe Siebe erft fpflter, in bem offenen 
•jtollcgialen ©enbf^reiben", nielc^eS gciebri«^ SRippolb in 3olge beS iffielt- 
^fel-SttciteS an mi(§ gerid&tet %at (Serlin 1901). 5)et befi^ränlte {Raum biefeS 
^tad^niorteS geftattet mir leiber ni^t, eine eingel^enbe Slntmort auf ale Sinroürfe 
Weines ^od^oere^cten floQegen ju geben; i^ mu6 mid^ mit bec 9Jerfi(^emng begnügen. 



9Iadä»oct jm G^rift Sbtx hü H&äMi'^tt 



bag ii$ i^m fÜt iAt geworbene tei<^ Selel^ntng auf bem mir ferner Itegenben t^o> 
logifd^ ®eMete aufrit^tig biml&at Mn. 9ui$ tft eS mit in längeren, einge^enben 
@efpräifien gelungen, eine erfreuliche Serftfinbigung über oiele bet roti^tigften 3[n> 
frftauungen ^eröeiaufü^tcn, foroeit eine folc^e jroifd^en einem unbefangenen, p^ilo- 
f[)|)!|if(l^ gebilbeten Xl^eologen unb einem aufrid(itigen, na<^ p^ilofop^ift^et ®denntnig 
fttebenben !£Raturforft^er ilber^au;it mi}gli(^ ift 

©an) anberS mz^SlÜ e& fid^ mit einem ort^oboien il^ologen, mit ^liebtit^ 
ßoofs, ^rofeffot bcr Äiri§engef^i(§te in ©alle, ©ein „Slnti-öaedel", 1900 in 
^aSe etft^ienen, ift in ber ^auf>tfa<^e eine ouSeilefene Sammlung ber »erfd^iebenften 
®i$im;ifiDÖiter unb SBeleibigungen; ^einrid^ @(^mibt l^t in feinet Sroft^Uce 1 
auf jmei Seiten (19, 20) eine SRufteiJatte beifelben gegeben. 3)ie e|irenDDQen Se> I 
jeid^nungen: „a):mtm5eit, Unmiffenl^eit, Sfgnoronj, Unlenntnig, Unfinn" u. f. m., '' 
oerftärlt burd^ bie angenehmen SeitDÖttet: „ungtmibttt^ , unge^euerlid^, une^tüd^, 
unrebli(§, anftöfrfg, roibetmärtig, Dcräd^tlidö, ju bumra" u. f. m. — roctben In bicfem 
fd^mugigen ^ampl^Iet fo oft nriebet^olt, ba§ eS felbft bem fiümmften ®[Subigen 
JU Diel »erben muß. Qnbeffen l^at boS SDlad^roerl »on ßoofS (in meuteren auf- 
lagen nieit Detbteitet) au<^ feine tomifc^en Seiten, unb Uli ntöifite nid^t ben 8Iu3- 
brud be§ ^avles fUt bie fetteten Stunben unteclaffen, roeli^e bec fromme 
^aUenfet ^onatifet baburd^ mir unb meinen ^enenfer S^reunben betettet §at 9}a^ 
bem nämlid^ tm ßett Aitt^entati^ »S^iBigt §at, bag bet iBerfaffet ber äSelttätl^fel efai 
normoteS nriffenfd^oftlit^eS ®eiDiffen nit^t ^ot, unb baft man iigm auf feinem ®ebiete 
roiifenfi^oftli^et Sltbeit Sorgfalt unb emften SBal^rl^eitSfinn juttouen tonn", fc^Iießt 
et feine $l^lpptca mit folgenben Sägen : „SaS finb ^orte SBorte. IDleine gongen 
älujgfü^rungen finb e^ioetlegenb fUr ^rofeffot $aedel unb foQen es fein. Ö<^ 
l^abe fo gefd^rieben, ba% jebeS @erid^ mid§ bei SSeleibigung beS ^enenfn 
Anliegen uiitb ft^ulbig fpted^en muffen, menn id^ nic^t juglcii^ ben aBa^i^eitSbenieiB 
für meine S9e^aitptungen etbtat^t l^abe. 9htt burd^ ein rit^teilit^eS Urt^eU nai$ nof 
ausgegangenem Sat^Derftänbigen'Slutat^n mürbe i^ mid^ füc miberlegt galten.' 

I)iefet ©cboitfe ift roittlii^ toftbatl Sie GJntfd^eibung übet bie ©ai&cl&eit in 
bem grogen Siaxtvpie bei SSeltonfd^auungen bem ;[uriftifi$en GSrmeffen eineS beutf^n 
3lid£|ter-ftoIIegiumS — in [e|tet ^nflana beS iHeic^Sgerid^tSl — ju übeifaifen! 
Unfere brooen ^ui^F^ii ^^ gemig jum grüßten £^eUe rec^tlit^e Seute; obei bie 
iSefäi^igung gut (^ntfi^eibung übet fpl^iloftiv^fi^e @lrunbfragen, ga meldtet not Siaem 
grUnblidge bioiogifi^e Silbung geprt, merben bie Steiften non i^nen nio^ 
felbft ablehnen. SieQei^t enoortet aber $ett ftollege ß o o f 8 , bag {($ i^m aiS üntmoit 
auf feine el&tnetlegenben fflefd^mpfungen einen ffattclltraget fd^iife unb il^n ju einem 
Suell ouf „trumme Säbel ober ^tftolen" fotbete! Slann mitb et umfonft maitenl 
fSlai^ meinet Ueberjeugung ift lebeS tElueQ entmebet oB „iSotteS-Uit^eU" nenmnft' 
roibrig ober gehört ots barbarifi^e Unfitte jum „gtoBen Unfug" — gang obgefe^fn 
boDon, bog biefe lolge ^orm bet fRai^e ben milben ©ninble^ten bet c^riftlid^en {Religion 
birelt ins ®efi<^t fi^lägtl 

9SaS ilber^oupt baS iBer^alten eines oetnünftigen unb e^ten^aften SJtonneS ! 
gegenllbet öffentlid^en 8eleibtgungen unb SSeft^tntpfungen betrifft, fo ^olte iäf im 
ältCgemeinen bie $ta£is ^rtebtid^'S beS trogen für tit^g; er lieg bie gegen i^in 
gerit^teten ^omy^lete niebtiget Rängen, bamit bie Beute fie beffei lefen fSnntnL 



^ai^waxt gax 6d^ft tia bit Skttx&a/{tl 161 



fytbt Uli fe't S6 ^a^ien »ecfa^ren, Teit 8ueift meine J^atütÜi^t St^äpfungS- 
ft^i^te", [päter (1874) meine „Hnt^ropogeme" eine glut^ oon ge^acnifi^ten 
egenf(^riften ^entonriefen. Slnfonge ^dbe ic^ no$ gelegentli^ ( — in ben SSoo 
ben fpätetet Muflogen — ) roenigftenS gegen bie f(§Iimmpen fflngriRe pwte^tt unb 
" bie ©ninbloflglcit nieler ajetleumbungen imb SBetbte^ungen ^ngemtefen (— be- 
nbtiS son Seiten cecl^tgläubiget (^dfUidgei O'itiatihrl — ). Später ^a&e ii^ au(!^ 
ts miteilaffen, meU eS mir 6et meinen litterarifi^en ASmpfen nitfit um bie fRi^U 
tigung meiner $eifon, fonbent um bie SJert^eibigung meiner guten ©at^e, 
c .DorouSfe^ungSIofen" ISrIenittnig bei ÜSa^r^eit, %u t^un ift. 9)QS mü^te 
befonbers no^ geltenb mni^en gegenüber einem eifrigen (— mir perfanlid^ im« 
Eonnten — ) ®egnet, ber mi^ fett ^a^ien mit unetmübll^er ^ottnäcfigleit Der- 
ißt, Dr. piiU. Ig. 3)ennert, ©li^ulbitettor in ©obeSberg a. JB§. SRoc^bem biefer 
irnme mann in ja^Ireii^en 3Iuffä|ien feiner CEntrilftung liber bie QSntiDictetungS- 
ite Slusbrud gegeben unb eine lomifd^ Slb^anblung „S[m Sterbelager beS 
mDiniSmuS" gef<^rteben, 1^ er neuerbingS mir bie ffil)re einer befnnberen Si^mä^- 
Mft erroiefen: „3>ie aSa^i^eit über Q!ntft $aede[ unb feine ÜSteUrSt^fel, na^ bem 
t^eil feiner ^«f^enoffen" (^aUe 1901). Slie Sßa^rl^eit Über ben ^n^olt unb 
iimrfter biefe« ^axnp^eiS Ift fotgenbe: S)ennert ^at mit onedennenSroert^cm 
ige bie meiften oon ben jal^Ireic^en Angriffen surammengettagen, meiere im Soufe 
[ 86 :^a^ren, niä^renb langer unb heftiger litteiorifc^eT kämpfe, gegen mii$ unb 
ine ©(^rlften gerichtet morben flnb. S)icfe angriffe ffnb Don bet aUeroerfd^cbenften 
:: etiDa ein drittel be^iel^t fi£^ auf entgegengefe|te Slnfici^ten über fpecieüe natuc- 
Ifenfc^aftlic^e Streitfragen, bie no<^ ^eute unentfcfiieben flnb; ein aroeiteS ©rittet 
tifft unmittelbar ben grogen flantpf ber S8eltanf<^auungen, ber not ineigig ^o^ren 
:^ (J^atleS IBorroin entfeffelt rourbe unb ber nn^ (ange fortbauem roirb — 
tft notürlii^, bag l^iet bte unoerfb^nltdien ®egenfä^e um fo heftiger auf einonber 
igen, fe Iloiet unb tonfequenter fie entmidfelt roerben: $ier jJantl., Spinojta 

®oet^e: aJtoniSmuS, SJemunft unb $ant§eimu§: bort ffant IL, ^autfen 

Dennert: 3)uaIi§muS, Slbergloube unb Sl&eiSmuS. 3)ajg legte drittel non 
ennett'« S^mü^fd^rift, im ®eifte oon SoofS unb ^oulfen Qe]^ueben, ift 
le bunte Sammlung oon SSerbSc^tigungen unb Sifimä^ungen aller 9Iit, bie t^eilS auf 
J5iftif(i^en ffintfteHungen unb SJetbrel^ungen meiner ße^ren berufen, t^iI8 auf reinen 
finbungen unb SBerieumbungen. 2)er moraUfd^e C^aiolter biefer oeräi^tlic^en 9n- 
tfe mirb babuni^ ni(^ gebeffert, bag ber fromme Or. 2)ennett p<f| mit befonberem 
:l^gen auf unbontbare frll^ere St^lUer oon mir beruft. Qäi beileibe mein Sel^i' 
it an ber UnioerfttSt ^ena jetit feit 84 Semeftem unb ^abe in biefem langen 
ittaum DM mel|t als fed^Staufenb Sd^letn oocgetragenj baruntcr befinben fli§ 
it nientge, meEd^e als ße^rer unb S'orfi^er auij^ ben gibgeren beutfi^en Unioerfitäten 

Sterbe geteilten. JRatürlii^ fe^It eS aber bojroift^en aud^ nid^t an fold^en 
joiatteren, bie nid^t aus Ueberseugung, fonbetn auS egoiftifd^en ®rünben in ^etm> 
£fd|e Oegner flc^ oermanbelt ^aben. Siele S^einbe ^abt Üfy mir fd^on aUeln baburd^ 
gebogen, bog i<^ bie „faulen flompromiffe" im ffampfe um bie äBafirfiett »er- 
Brö^e unb rildtfl^StoS bie gotgcfi^lülfe auS ben (gttenntnilfen tie^e, bie ii^ 
eifriges ©tubium bet Matur unb bet SDlenfc^enroelt rod^tenb eines l^olben 
i^r^nbeitS gewonnen ^abe. ®erotg Igabe ic^ in bet Xotttt leneS AampfeS oft 



162 «a^BHHTt yu St&ttft ftt« hü aSeUtdlWd. 

gtoge Seilet begangen; obtt unbeint ^obe i^ ftetS baS eine gtoge ^iel meiner 
SebenStnbeit im Sluge beigalten: {Reine Srienntnig bei SBa^ri^eit auf ®nm& mt' 
befongenei; ERatucforrt^uns. 

aßit biefen peifönltdgen JQemeitungen motzte i^ ein füi aUemai auf bie un> 
jä^iigen Angriffe onttoorteit, meli^e oon tl^eologift^en, metq)fi9fif$en nnb anbeien 
@egnent gegen meine fßetfon unb meinen <S,^ataÜet ~ befonberS als S)eifa|Tei: 
ber „SBeltiät^fel" — gerichtet morben finb. goUS ein unbetanntec Sefer me^r 
barüber ju erfaßten roünfi^t, fo finbet er biefi in bem „ßebenSbitb" oonSBil^elm 
93[f(^e (Setpsig 1900). 

S[Reine ®egnei tigun mii übrigens nie! ^u Diel @^ce an, menn fie immei ben 
IDloniSmuS, mie KU) i^n 1892 in metner SUtenbuiger ERebe entroocfen unb in 
ben „äSettiStl^feln'' ausgeführt ^abe, alS ^rioot-SInfii^t meiner ^erfon be^anbeln. 
^etfelbe ift oieIme|ir ber äluSbntd ber Haren ein^eitlii^en SSeltanfd^auung 
ber mobernen 9taturn)iffenfdgaft am ©clgluffe beS 19. ^a^r^unbects. 9Sa8 
td^ §ier als mein |>erfbnli(!^§ SeCenntnift formulirt §obe, baS ift in betfeQien 
(— ober in einer fe^i ä^nlic^en — ) $otm bie innerfte llebeigeugung ber giogen 
Sme^rjo^I ber benlenben mobernen £Raturforfdger — moi^Inerpanben ber benten> 
benl Xenn eS giebt aut^ in ber riefigen SFtafd^ineU'SSertftätte ber mobernen Statur- 
forfdgung eine {Dtajfe gebanlenlofei Sagelb^ner, bie groar t^re Heine SpeciaI>9Irbeit 
DortreffIi(§ ausführen, ober nai^ bem grogen klangen beS iSetriebeS gar ni(^ fragen; 
es giebt felbft unter ben angefe|ienen unb oerbienten 91aturforf(^m nid^t nienige, 
benen bie ®eroinnung einer befttmmten SSeltanft^aiutng gonj gleit^güitig ift, bie 
nur neue S^atfadgen, leine ^Begriffe finben wollen. S9er in fold^r Stefignotion 
auf eine miffeufdgaftlicl^e SQegiünbung feiner Seltonfifiauung überhaupt nergit^tet, 
ftdd aber gleid^jeitig einem beliebigen „glauben" in bie 9lmu mirft, mit bem ift 
natütlii^ nit^t roeitei ju ner^anbetn. 

^un!^ äanfenbe oon ©efprä^en, bie i^ im Saufe eines Igalben (jfalgr^unberts 
mit gebiOieten ÜKännem unb 0rauen ber nerft^iebenften JBerufS(reife gelobt §abe. 
bin i(^ JU bei feften Ueberseugung gelangt, bog ber 3RoniSmuS fc^on fegt »iel 
me^r ün^änger befi^t, als man gemb^nlidd annimmt — unb £aufenbe oon ju- 
ftimmenben Briefen, bie in ben brei ^a^ien feit GSifi^einen ber „^elträt^fel" ou 
mi(^ gerii^tet rourben, ^aben biefe Ueberaeugung beftätigt ®anj| befonberS gilt 
baS von ben Areifen ber ben!enben 91aturforf[^er unb Staturfreunbe; filier bie 
gtöftere ^Slfte, ma^rfi^intu^ me^r als breiniertel beifelben fte^t auf bem S9oben 
meiner „©elttät^fel". SJleine ®egner beftreiten bieS unb roeifen auf bie geringe 
^0^1 oon naml^aften Statuthinbigen l&in, bie fii^ meinem „äBelenntniß" öffentlich 
angefd^Ioffen ^oben. 3)ie ISrlläiung biefet (£rf(^einung ift aber fe^r einfa(^ : @rftenS 
fügten überhaupt oiele bentenbe Staturforfdger gar lein Sebürfnig, i^re innerfte 
Ueberjeugung Slnberen mitjut^eilen — bagcgen ift Sflii^tS ju fagen. — SrocitenS 
ftnb ja^Ireit^e trefflidge ®ele^rte (barunter meliere meiner nöddften greunbe) ber 
Slnfi(^t, bo6 man biefe ^öi^ften unb roert^roUften ffirgebniffe ber SBiffenf^iaft für 
fid^ behalten müfte unb nic^t bem „SJoHe" preisgeben bürfe, meil biefeS aiUfibiaud^ 
bamit treiben tonne — eine efoterifc^e SUtffaffung, ber it^ nidgt guftimmen lonn unb 
bie fi^on Don Seffing fd^Iagenb mtberlegt morben ift; ooÜenbS ^eute, mo baS 
Stc^t ber £Itaturforfi$ung in aUe buntein Eintel [endetet unb oermöge i^ier iptxd' 



«oc^tDDtt m ec^ft !äm bic aSelteäf^el. 



Öftren SBerroett^ung aUe SoUSfreife ei^eüt, |ialte i{lö eS für flona oetgeBHi^, ber 
ffierfireimitß notuirp^iIofoi)^ifii§ei lErfenntnife @(i^Tonten giel^en ju rooUen. — 3)nttenS 
«iSUi^ (unb boS ift boS SSif^tigftc !) ift bie große aJle^tjQ§[ bct überaeugten SJlontften, 
tiurt^ äugeie ©rünbe gejmungen, i|iie toa^ie äSeltonfd^ouung ju nerteugnen unb 
bemgemäfe ju ^anbeln. 3!n ben Beiben größten unb einfCugrei^ften beutfi^en 
©taatcn, in Sßreußen unb Sßojjem, ift bie SReoftion auf bem Oebiete beS ^b^eren 
©eifteSleBenS beftänbig im Steigen begriffen; bie UntetridötS-9JHmfterien werben 
Don bem ort^obo^en flleniS bel^errfcCit; Pfarrer, meiere nur nienig non ben befofilenen 
^laubenS'^onnen abnieid^en, roecben abgefegt; Sedier, meU^e bie ^ntwidelungSIe^re 
in bie ©i^ule einfü^^ren rooICen, werben i^irer Stellung Beraubt — SBet mtU oon 
biefen armen e^rlid^en 951ännem Dctiangcn, baß fte i^xe SebenSftellung bem ©e« 
lenntntg i^rer äSeltanfi^auung opfern? Unb maS würbe burc^ biefeS ÜDlartgriuni 
etieii^t? Man fann biefen ©ewiffenSjwang, ber oielen taufenb STrögem ber 
Bilbung unb (Seftttung auferlegt wirb, unb ber in nieler Begie^ung bcmoralifirenb 
vMt, auf bas 3:ieffte bebouem; aUein baS lägt fid^ vorläufig nii^t änbeml 

©e^r 3U beHogen ift eS au(§ in biefer SSejic^ung, baß türjUcfi ber beutfd&e 
Aaifer in feinem DieIBef;>roi^enen $anbfd(ireiben an ^bmirol ^ollmann (oom 
15. ^ebruat 1903) ein ®IauBenSbetenntniß abgelegt ^at, welt^eS meber mit feinen 
früheren wieber^olten SIeußerungen , noil^ mit bem Igol^en ©tanbpunfte ber 
^iffenfctiaft im beginne be§ 20. S'Q^i^^tmbertS in Sinitang ^u bringen i% 
Setonntlic^ ^atte SSil^elm II. f<^Dn feit längerer Seit bie wichtigen gorfd^ungen 
aber „8ibel unb SSabet" mit befonberem ^ntereffe nerfolgt unb mit 9tüdtfic^t 
auf biefelben bie ^leil^eit ber O^orftl^uttg unb Seigre aud^ auf bem ®ebiete 
ber SleftgionSgefc^td^te geBü^renb Betont. Stoi^ oor Jhirgem §atte er in ber 
betannten Siebe tu ®'6tli% liberale Slnfic^ten barüber geäußert, wel<!^e ein 
soQeS SJerftänbniß für bie ^ol^e Sebeutung ber freien Sntwidelung in febem 
ßmeigc ber SSJiffcnfdöaft beftinbeten. Qn oollem Oegenfaje ju biefer oft au5= 
gefprot^enen zeitgemäßen Sluffaffung legt bei ^atfer jegt ein ©EauBenSBefenntntß 
ob, weld^e« Mc oor taufenb ^al&ren ^errfc^enben, Jetit ober längft üBcrwunbenen 
Hnff^auungen, befonberS in betreff ber „Offenbarung" roiberfpiegeü. 

ajieine moniftifd^e ffieftonfd^ouung ift ouS einem Suffe unb oerbinbet ein- 
heitlich unb wiberfpntd^SIoS bie nerft^tebenen $ouptoBjette , bie id^ in ben oier 
t^eilen meiner „5E3eIträt§feI" alS „anenfc^, Seele, SBelt unb ©Ott" gegenüber ge- 
lldlt gaBe. 3'»'>^fTc" 9^^^ ^ S^"* 3"' "^"^ "'^'^ Gegner ^eroor^eben, unb was 
ii^ feäift fdgon auf ®. 5 meines fSormortS betont ^aie, ba^ in biefen oier 3:^ei(en 
„Stubicn non fel&r unglei(f|em SIBert^e 3u einem ©onjen aufammengefügt finb". 
3)Ht Sejug hierauf mfiil^te id^ nod^ folgenbe (Erläuterungen über bie oerft^iebene 
flegrünbung unb Slufifü^ntng bei oier i^eile ganj befonberS ^eroor^eben. 

Ser elfte, ant^ropologifc^e £§eil bilbet bie fefte ©runblage unb ben 
genteinfamen äluSgangSpuntt für fämmtlii^e @eBtete meinei moniftifd^en ^l^ilofop^iej 
^ bin id^ im eigentliifien Sinne 0^d(imann unb berufe mitfi borauf, baß i(^ fd(|on 
1M6 (im fiebenten JBut^ ber „OenereOen SWorp^oIogie") „bie antl^ropoIOBic 
Bis a:§eil ber ßooloßie" begrünbet 5abe. ®aß bei SDlenfd^, als Organismus 
iOasOftet, ein Säuget^ier ift, unb boß er aUe snertmale Befigt, welche biefe 
t^erfloffe fo aupaig non atten übrigen Äloffeu fdfieiben, bag l&at ßinu« f<^on 

11* 



1785 in feinem grunbleflenbem Softem ber fHatut feftgefteHt, unb boS l^at (eü^ 
no(^ lein 9latuiforf<!^ beftritten. 3)iefei Sog gilt ebenfo fUi ®oet^e unb Tannin, 
für jfont unb fDlo]eS. mit fiit ben SlSa unb «ßatagontet, füt ben 9Bebba unli 
Sluftialnesei. Stef« S'unbamentaUSa^ ^at aber feine DoUe S9ebeutung füi 
bte iß^ilofop^i* '^t innct^Qlb beS legten ^oIBen Qo^t^unbert« geroonnen, feitbem 
bie neigleii^enbe Anatomie unb ^^gfiologie bte ooQe Uebeteinftimmung unfenr 
Organifation mit ben $iimaten , bie oeigleid^enbe Ontogenie unb ^^^[ogenie ben 
. gemelnfamen Urfpning mit biefen §öi^ftentn)idelten Säuget^ieren natl^genriefen ^at 
3i^ mufi gong befonbeiS betonen, bag biefe fefte sootogifil^e SafiS bet «SSelt- 
löt^fel" Don teinem einzigen meinet ®egnet mit GEtfotg angegriffen morben t^, 
unb boi!^ foUten ^iet doi allem bie emften aSerfw^e ber aSibeilegung elnfegeru 

S)er jmeite, pfpd^ologifc^e S^eil §at bogegen bie ^eftigften Angriffe go^l- 
teii^er ®cgner ^emorgerufen. SSor SlHen lonn fid^ ?JouIfen nirfit genug t^mi in 
^ol^n unb Spott über £e!|Efä$e, bie et irtt^iimtt^ füt meine perfbnlid^en ^^antaflC' 
®ebiUie auSgiebt, nift^tenb fie oQgemetn anerlannte äT^atfaii^en bet oetgleii^enben 
$:^9ftDlogie finb. Sei iSeiliner Snetop^gfUer offenbart ^ier eine erftaunlic^e Un- 
rotffen^eit in bem großen unb mid^tigen @ebiete bet ^ellenle^ie, bei ^rotiftenhtnbe, 
bei ffintroidefungsgefi^ii^te ber Seroebe unb Organe, bet iß^^Potogie unb ^ot^O' 
logie beS Sleinenf^ftemS u. f. m. Seutlic^ei oIS itgenbmo ttitt in biefen tinbifc^en 
aingriff en Don $ a u I f e n ber 6ebauetli(^e SRanget an biologifi^en flenntniffen ^entor, 
ben et mit ben meiften feinet fioUegen tl^eilt; unb bD(^ behaupten biefe fieiren füi fl<!^ 
aOein auf unferen UniDerfitfiten baS lEERonopoI ber matten ^^^ilofop^ie". ^tt 
ber S^at ift biefe 9ti(§t5 als eine bualiftifii^e anetaplgqfil, eine „eegriffS'SOiO' 
batil' , bie firfi um bie teilen (pfgc^ologifi^n ffitgebniffe bet mDbetncn SBotur- 
forfc^ung nic^t im SJlinbeften tümmett, fonbetn mit gemanbten Suftfptüngen unb 
Eguilibriften-flÜnften auf bem §oii§gefpannten 3)ra^tfeil bet „reinen Spefiilatifln" 
umlgettangt. Wtrtn $aul[en fl(^ oielfai^ ben älnfi^ein giebt, ben Slnfoiberungm 
bet mobemen 91atutn)if[enf^aft geiedgt gu n>erben, fo ift bieS eben nur leerei: 
@i$ein; eine täufc^enbe Sllagfe, unter meieret fit^ bie bualiftift^ äß^ftit um f i 
fii^eiet einft^Ieic^t. 9Qenn id^ im @egenfage gu biefem ^errfd^enben SualiSimiS 
bie ^f^f^ologie al& S^eil ber iß^^fiologie bettai^te, fo fte^e [<$ babei 
auf ben Sd^ultetn meines ^oi^oete^rten fie^rerS ^'olganneS SJ^üIIer, bet im 
fedfiften iBu^e feiner Kaffifcfien ^l&pfiologie beS SJlenfi^en biefe 9Iuffaffung «beafi 
«nr nis ttnhiigemäfe »ertritt. ©enn bogegen einjelne neuere !ß!|itfiDlDgen (- 

: falftl^en bualiftifc^en ®i(enntni§'3:i§eoiie 1 — ) bie $fpc^oIogie niebei 
^fiologte abttennen rooQen, fo tfl baS ein bebouetttdier aflücCfd&riÖr 
müßten fie bann aud^ bie Jßfg^iatiie uon bei äßebicin obtremtcn 
i^onblung bei @eiftejStranten nti^t ben natuttunbigen Sleijten lU^ 
jern ben unroiffenben ©cfiäfetn unb „SBatui^eiHünfttem", obet no^ 
Sefunbbetem", bie in bei „SDletropore ber anteHigenj" no(§ §eute l^' 
;n. 

btitte, Iosmoloflif(§e a:5eir ber „SEJeltritt^fcI" ift ofel anfet^tto«, 
len elften, ßier l^anbelt eS fid^ um bte l&öi§ften , alCgemeinften wät 
fragen ber £ßatuifi^i[ofo{)^ie. ^m SJoibergrunbe meinet S3ettad^tiill| 
fefte unb unetfi^üttetlic^e Ue6et}euflung non ber ©in^eit bei WotST^ 



SlaijlDDrt iui e^iift fibn bic SBeIt::dt^|eC. 165 

omt her oHflemcincn ©ültigicit &eS ©u6ftana-@efc|ie§ in allen SeBteten ber 
oiganift^en unb onorgantfi^en fftatut — etcnfo in bei ^f^f^ologie niie in bei 
aiftionomie, in ber IBiogenie nrie in bei SeDlogie. Be^ovbetS betonen mug ti^ ^iectiei 
meinen ©egenfag gu Ann t II. unb ju bem mobemen, rolebeniufgeleEiten äHtaliSmuS. 
8u meieren ftarlen 9I6furbitäten unb unbegteiflit^en SüiberfptUi^en biefei leitete fil^tt, 
tann man aus ben Mannten ©(Reiften beS jHeler SotanÜecS 9teinle fe^en: „Sie 
ÜSeÜ als S:l&ot" (1899) unb „ffiinfeitung in bie t^eorerifdic SSioIogie" (1901). Slurd^ 
feine $9pot§efe ber „3)oniinonten" ( — ein neues Söort für baS olte ©ogma bet 
befonberen „QebenSfraft" — ) fi^Ieii^t fit^ roieber bie SR^ftU in bie SOeltanfifiauung ein, 
bei bualtfttfi^e Slbetgloube an Sd^ßpfungen unb anbere SQunbei. SQenn im lälegen' 
fafee ^ietju mein SDloniSmuS oIS „äßaterialiSmuS" oetbäc^tigt niitb, fo ift bas nur in 
einem geroiifen ©inne ticEitig, nur infofem, als in meinem allgemeinen ©ubftanj« 
ißegriffe ftets ©toff unb Jhaft, iDlaterie unb Energie untrennbar oerbunben finb. ^^ 
teuat (eine „tobte unb ro§c SDlaterie", leine ©ubftanjj o^ne CSSmpflnbung. 
3)te einfat^jte i^emifd^e Srfdgeinung (3. fB. bie SSa^Itierroanbtfd^aft) unb baS einfot^fte 
p^^filattfc^e Sp^önomen (g. 18. bie artaflenanaie^ung) ftnb nit^t begtetftü^ o^ne bie 
Stnna^me, bai baS iBermügen ber (Smpfinbung unb l@emegung ebenfo ein untrenn- 
bares älttrtbut ber SuBftanj ift, mie bie auSgebe^nte unb raumerfiillenbe IDlaterte 
(iKafie unb Slet^er). iffienn man aber im ©inne oufgettärter ST^eologie „®ott" als 
bie Summe aUer Aräfte unb SBMrtungen Betrachtet, fo tann man auc^ behaupten, 
baft mein 9J[oni§mu§ mit bem reinften SDlonot^eiSmuS aufammenfäHt. 

S)et oierte, t^eologtfc^e £^eil meines SSuc^eS ift ber roeitauS fd^roät^fte 
unb angreif barfte , unb idg i^a&e i^n nur beS^alb ben brei übrigen angefd^loffen, 
meil US) bie ^o^e Sebeutung beS tl^eoietifc^en HDtoniSmuS aaü) für bie roid^tigften fragen 
bet praftifi^en Sß^ilofop^ie anbeuten moHte. ffiJenn meine ein|ieitli(§e unb notut- 
gemäge SSeltanfdiauung ü<S)tiQ ift, fo mug ffe auc^ ga einer jeitgemäften Sleform 
ber Weliglon unb ©ittenle^re, minbeftenS ju einet natütlit^en Segrünbnng betfetben 
^infü^ren. SIber auf btefen mie auf allen anberen Gebieten bet ongemanbten $^i[o> 
fopl&te unb beS praltifc^n ßebenS ge^n naturgemäß bie ainfi(§ten aui^ ber gebilbeten 
3Renf<^en meit auSeinanber, unb bie fiecfönlitfien SebenS-IStfa^tungen fügten oiele, 
fon^ jiBereinftimmenbe 3)entet ga ben oerfd^iebenften ©(^lüffen. 

SBaS aunät^ft bie SteUgion betrifft, fo ift eS eine offenhtnbige Unma^rl^eit, 
nenn niele meiner Segnet mii^ ogne SSeitereS oIS 0einb betfelben ^infteUen. @S 
mar mein ootttoramener ffitnft, toenn i(§ 1892 in metner Slltenburgct iRebe ben 
„anoniSmuS als 9anb 3mif(^en {Religion unb 33iffenfi$oft" ju Begrünben oerfuc^te; 
unb ebenfo roat e8 meine ooQe Ueberaeugung, menn U!) im 18. ftopitel ber „äBelt- 
rätöfel" „unfete moniftifd&e JHeligion", unb im 19. „unfere moniftifi^e ©ittentel^re" 
auf bem ©nin&e unferer mobemen ffintroidetungSle^te feftauftetten oetfud^te. 3)ec 
Unterf(§ieb biefet moniftif(^en Meligion unb (St^it von allen anberen gönnen bet- 
felben befielt nur barin, bofi wir oiS fefteS ^unbament berietben auSfi^Iiefilii^ bie 
teine SBernunf t in Slnfprui^ nehmen, bie Söeüanfi^auung auf ®tunb bet SBiffen- 
f(^aft, bet (StfQl^rung unb beS oemünfttgen @laubenS (ber mtffenfi^aftlii^en ^^po* 
t^efe). 31m ®egenfa$e bogu fte^en aQe SleligionS-Sotmen , meldte fic^ auf fo> 
genannte „Offenbarungen" ftü^en, b. ^. auf üBematürlidge Srfd^etnungen, meiere 
bet roiffenfd&aftlid^en (Erfahrung unb bet teinen SJetnunft roiberfptet^en, mit^fa-***" 



166 Ko^lDDrt m Si^rift tia blt HBü 

netten $^antafie'®eMete ber Sid^tung angehören 
oemänftiflen ®Ittu6en8, fa. 1&. be« „Jlbeuglaubettf'. 

2)08 Sl^riftent^unt in biefer Seafe^ung 31 
DOtQl&erge^enb — tvot utwenneiblic^, menn it^ meint 
fd^Uig geben wollte; unb fo wat i^ benn gejiDunge 
litt^fel" eine oDgemeine üßetfii^t über „ben mac^fenb 
IRatuiertenntnifi unb i^iiftUddet SSeltanft^ung" ju 

®[auben bei iBemunft unb ben alten ®Iauben bei OffenBantng gegenüber fteOen. 
9Senn bacauf ^in niele meiner ®egnei mi(^ ft^tei^t^tn ots „9^^ l>eS €^rt{ten- 
t^umS" benunjiten, fo entfpridit baS nit^t bei SSa^i^eit. Senn ii^ ^abe ftets ben 
roert^Doden Stern feinet teinen ©ittenle^ten aneitannt, 00t Slltem boS et^if^ 
®iunbgereg ober bie „golbene Siegel", bos aud^ ben Rem unferer moniftift^ 
®t^if bilbet. 3toat n>ar baSfetbe nid^t neu (roie \<^ im 19. Aii;>itel gezeigt fyät); 
abex eS bleibt boS l^o^e SBeibienft beS 6:9riftent]^um5, baS Sebot bei 37lenfi&enlie&e 
unb Selbftneileugnung mel^i oIS olCe onbecen {Religionen betont unb 311 
Rii(!|tigften ßuUuc-gi^oien erhoben ju ^aben. ^m Saufe oon faft gnei ; 
ben ^at fic^ bei et^tf(§e SBeitl^ beS eisten S^tiftentldumS — üo% aOet ißeni 
buTi^ feine „flirc^e" unb beren ^enet — fo oielfeitig fntd^tbor betoi 
fo eng mit ben oeif<^iebenften Einnistungen beS ^ö^eren fiultutlebens 
bafi eS in bet ^auptfai^e beten @frunblage au(S in bet ^ufunft bilben 

anbecS ift bet SHertl^ beS bogmotifd^en S^tiftent^um«, i 
$aufitpf[i(!^t bet blinbe ®lQube an einen bunten otientaüfcl^en @( 
gilt, an SBunbei unb 3°ubennäti!^en unb an fiegenben oon Übetnati 
[(Meinungen, mel^e im Stellte bet teinen Slemunft als unmbglidd eifi^ein 
bogmatifd^e fie^igebäube ift im Saufe beS neunjel^nten ^a^r^unbettS 
fommengebtoc^en. 3)ie fc^atfftnnige ftritil itet ftitiSengeff^ii^te ^at gelel 
Seiten be§ SUten unb 9Ieuen SieftamenteS auf 2;iabitionen non fe^r ot 
SUtet unb aSeit^e betul^en. Sie Slnfiüologie beS Orients l^t nai^gproief 
grogei Z^eil ber ä3i6el oon SSafsel ftammt unb ba^ bet IDlonot^eiSmuS i 
ff^on lange doi ailofeS in SSabpton aSuijel Igotte. Sie Intifi^en ^■>if(^ 
bem „Beben O'efu" ^aben unS übetjeugt, bafi biefe ^etrlii^e 3beal»5igui 
tiefen £rimtätS-@Iaubene nic^t bet „Sol^n SlotteS", fonbem ein eblec ! 
|i)d^ftet fittli(!^ei Sodtommen^eit mar ( — oorauSgefe^t bie ^iftotifi^ ®£i 
^etfon, bie boc^ au^ oon ftitifc^en Z^eoloQen beftritten roitbl — ). 
gefdiiittene AoSmologie unb Stftranomie l^at baS geocentrifd^e ^imni 
Slltert^umS ebenfo jerftört, niie bte mobetne Siologie boS ant|to 
SDtenf^enbilb bes (S^tiftent^umS. (Snbli^ Igat un5 bie SntmitfefungSlel^i 
bag baS 3}tenfdE)engefc^Iec^t roeiter nti$t§ ift, alS ein ffiät aus $rint 
entftanbener QsdzIq beS ©äuget&ierftammeS, unb bafe bie ©eele bet einj 
fon ebenfo nienig unfteiblii^ fein lann, roie bie ber anbeten JBiibelt^iei 

Siefet funbamentale @egenfag bei mobemen SESiffenfd^aft gegen 
lii$en aSunbetglauben ift nit^t nut buic^ bie unbefangenen ^oifi^ung 
frfliebenften l^iftotifi^en unb p^ilofoij^ifdien Autoritäten jut Oemife^eit 
fonbem auifi butd^i bte fetttfd^en Unteifui^ungen bet bebeutenbften 
2;t|ealogen felbft; i(§ etinnete nur an bie bol^nbret^enben 3)eutf& 

ooglc 



Slu^uott jui Schult mt bit aSelhatMeL 167 

€tiaug unti Subinig ^tuexba^, an ben ^mn^ofen @rnft Sienait unb bm 
(Engläiibet ©tetoart {ftofs. 2)et Segteie ^atte 1896 untet bem ^feubon^m 
Salabin eine befontciS fi^orfc „Ititifc^e Untetfud^una beS jiibifc^-i^riftlii^en 
fMi^oaS-®ibäubeB auf (Sntnb bet SibelfoTfc^ung" gegeben. S)ag ii^ mi$ in 
meinem 17., befonberS ^art angegriffenen j^ophel me^rfad) auf bie[e 9lutorität 
bejtogen ^obe, ift mit von meinen t^eologifc^en Gegnern gunt allerfi^metften SJor- 
isuif gemai^t morben. SBte roeit biefer fa<$li(^ beted()tigt ift, ueimag i^ nii^t ju 
entfi^eiben, ba bie fpeaielte 3;|ieoIogie mit ju fem liegt. QcE) !ann nur entgegnen, bofe 
etfteng Salabin ungnieifelliaft ein fe^i uielfeitig gebilbetei: 3:$eDloge ift, unb ba^ 
anbetecfeits feine unumrounbene firitU bet Bibel, befonbetS bet Üate Stod^roeiS 
unjä^Iigei ^cct^ümer unb SSiberfpdii^e in biefein „äSott @citteS", bem unbefangenen 
gefunben 9Jlenf<fienöerftanb o^ne StöeiteieS einlenktet ^^n »ielem (Jinjelnen $at 
geroift ©alobin (— ju bem ic^ leinerlei perfönli^e Sejie^ungen fiabe — ) ebenfo 
geirrt, roie atCe anieren StbeE-SüiSleget. Slui^ mu§ i^ nielfoc^ ben ge^äffigen Jon 
feiner fd^arfen Eingriffe ouf „Qe^ova'S ©efammelte SGBerfe" miSbiliigen. iBJerni ober 
jegt eDongeUffiie unb lat^olifi^e Sr^eologen biefen englifi^n floUegen in bet ^eftigften 
SQ3eife angreifen unb mit ben berbften @c^im;]fn)oiten beehren, fo bürften fie batan 
au erinnern fein, bofi fie unter ftd^ DieIfo<i| gcgcnfeitig in gleid&er SQJeife oerfal^ten. 
aSon bemfelben Son unb ^ett^ finb bie Sonn^Uic^e, nieldde bet römif(t)e ^Qv\t gegen 
aUe 9Inbergglfiubigen fi^leubect, unb bie 9}erbammungS'Urt|etIe , mit benen bie 
ort^obo^en Häupter bei eoangelifdden S^noben bie liberalen ä^^eologen beS $ro- 
leftanten>Serein§ belegen. 

Unjmeifelliaft befigen niele ©agen unb ßegenben ber „SBiblifc^en ©efdgit^te" 
( — nii^t atCel — ) einen ^o^en et^ifc^en unb namentlii^ pöbogogifc^en SBett^, ebenfn 
rote Diele fäii^t^en unb Srjä^lungen anbetet {Religionen , unb roie biejenigen beS 
tlafftff^en SUtert^umg. Sluc^ finb bie $^antafie'@ebUbe berfelben non l^ödEiftet Sc 
ieutung für aUe Sro^ige ber ftunft, ber ®i(§t(unft unb bet 3^oitfunft ebenfo roie 
bei bilbenben ßunft. SSit mibanlen i^nen eine SUQe ber ^errlii^ften @[^öf)fungen 
bcä aJlenfc^engeifteS; unb für unfei ®emüt§ ift biefe 3!beoI.©eIt eine unet- 
fd^Öpflii^e Quelle ber QStbammg unb beS SrofteS inmitten unfereS unnoBtontmenen 
realen ßebenS. Slbcr biefelBen 3'i'eaI«(Sebitbe bergen in fld^ ^*e ^öi^ften ©efo^ten, 
nienn fie alS teaU SSa^i^eiten gefiiebigt meiben, oon beren ^netf ennung ©elig- 
(eit ober SBerbammni^ abfängt; unb roenn fie jui ©tunbtage ober goi jur fflor- 
mtSfegung bei fStiffenfd^aft gemutet roetben. SJann gleitet bie leitete unauf' 
^oltfam auf bet fc^iefen ©bene bet Sfl^ftil in bie 9ltme be§ SlberglaubenS; fie roirb 
gax £obfeinbin bei leinen Stetnunft. 

fSoUenbS Derberbli<^ roerben biefe ^ti^al-^ebilbe bei Sidgtung, roenn fie 
als übemütürli(§e „Offenbarungen" gebeutet unb oon bet praltift^en Semunft au 
polftifdien unb roelUidfen Qmedm gemi|braud^t roeiben. 2)ann entroidtelt fi<$ feneS 
öerberbliiiie Uebeigeroi(§t bei geiftlid&en übet bie roeltlit^e äRai^t, jene unjö|imbare 
^rrft^fui^t bet JHn^e, roelc^e ben ©taat lebiglii^ 3U i^ren egoiftifi^en ^nieden 
auS&eutet. ^e l^it^ei unb anfpiuc^SooIter fid^ bie einldeitlii^e Oiganifation bei 
Aird^e et^bt, befto gefä^ilii^et roiib fie fUr ben oon il^i bebio^ten ftultuiftaat 
SkiS lel^rt »Ol Sllem bie @efd(|ic^te beS ^apiSmuS obet UtttamontaniSmujS , bei 
groBattigften unb erfolgieid^ften fiieiaid^ie in ber gefammten JTultutgefi^ii^te. 



■-Sf? 



üac^tDoit int e^rift fl&cr bit Wtltt&iWi- 



2)er ^tntoeiS auf bte[e gcügte @efa^i bet tnobernen ffultui eif^etnt serabe 
Jefet ßeboten, reo im beutfd^en tRetrfiStage baS römifiJ^e tjeirtnim ben MuSfi^fafl ßiebt 
unb wo biefe politifi^e $arte{ ben 3)eifmante[ ber Religion &enu|it, um lebe freie 
(£ntniiife[ung bet mobemen ffultut gu ^emmen unb ben benlenben @eift in Steffeln 
ju fi^lagen. Säglid^ roiib biefet ftultutlampf gefo^rbio^enbet. ^te leüenben 
©taatSmännet bei beiben grögten beutft^en Staaten, ebenfo beS übenoiegenb 
pcoteftantififien $reu^en$, ttiie bes lat^olifi^en ÜBapemS, roeid^en in unbegieifltc^et 
SSetBlenbung unb 0eig:&eit Dor ben maofetoS fred&en SIngtiffen ber ulttomontonen 
flirc^e guiüd, unb bei: iommemolle fReii^Stag fSrbect biefe SHebetlagen. SSä^cenb 
in bem re^ublttanifd^en ^ranheic^ bie einnt^Hge unb «teigifc^e Slegientng ben 
tömifc^en StleraS ium ®«^ox\am gegen bie @taat$gefe$e jmingt unb ben ootilanifc^en 
tobfetnb ber mobemen ftultut mit feftet ßanb niebet^ält, gefi^ie^I in bem 
monarc^ifdien Sleutft^Ionb ba5 ®egent^ei[. Sei beutfd^ Steit^Stag, bei {!(§ mit 
Dielen Debatten (j. 8. Über bie „ßcj ^einse") not bet ganjen gebilbcten SCBeÜ 
Iäi^etli(§ gemocht 5at, fotbert be^«"^''^ >»"" ShinbeStot bie ^ulalfung bet ^efuiten, 
bie felbft in trieien totl^olifdden Staaten megen i^teS genteingefägtlid^en ZietbenS 
immer miebec auiSgemiefen meiben, dagegen metben bte äUtfot^oItCen, meiere bie 
urfptüngtidöe tat^oüfi^e Weligion in ii^ter iRein^eit roiebet ÖetftcHen rooQen, Mnb 
beten g'Örbetung im eigenften antereRe beS ©taote« läge, oon biefem im ®tl^ 
getaffen. ®ie !Ret(!^$i:egientng lägt fii^ oon ben ©d^meicl^elniocten beS törnifi^en 
$a;)fte5 unb feinet SBtft^Sfe umgarnen unb mat^t i^ten gefü^tlidgften geinben bie 
gtößten itonceffionen. SJiefet bebauetlii^en ©ad^loge gegenübet muß ber energifd^e 
ßampf gegen ben UltiamontaniSmuS allen EBatec(anb$>3^teunben jut 
fittlid^en ^pfKd^t gema{löt roerben. ffienn biefet mächtige geinb bet ^ö^ten ©eiffeS« 
tultut ift t)ie[ gefä^tlif^ei otö bie ®octal>3)enti)rtatie. 'S)aS ^at einleu^tenb @tof 
con ^oenSbtoei^ gezeigt, bet in feinem gtofeen SBerf „3)o5 ^opftt^um in feinet 
fodol-fultuteffen S3itlfamtelt" (Seipatg 1901) auf ®runb bet fidietften l^iftotifi^en 
Quellen ben ganjen ungel^euten £rug bet tbmtf(!^en ^ietan^e entlatot §at. Sßo^n 
biefelBe unfete ©ittlld^Ieit fü|itt, jeigt bie belannte ßiguoci-SDlotal (üetgt. 
@iagmann, fomie bie äSteiSbabenet Sotttäge von {^tiebtii^ Slippolb: „$rinj 
aJloj öon ©oi^fen unb Ißtälat fletlet als fflettl^eibigec bet ßiguorifc^en SUlontl"). 

$ie mäi^ttgfte SSaffe in biefem neuen Jtuitutfantpfe bleibt bie Sluftltüung 
unb SJilbung beS EBoReS; lein S9eg fülgtt fidCietet gu betfelben, als betjenige bei 
unbefangenen Snafut-ffitfenntnife, unb oor Mllem i^tet füngften ^ettlii^en &iu^, 
bei (EntmidelungSIel^te. SSenn in biefem l^eigen Jtampfe bet laute ERuf e^ 
fi^aüt: „Söffet (SutopaS, roa^tt ffiuce ^ciligften Sütet", — fn tonnen ntitoDii 
unfetem moniftif^en ©tonbpuntt ouS batuntet nut bie SSal^tung bet Vernunft 
gegenübet bem Slbetglauben Dcrfte^en. Unfei SDloniSmnS iflimSinnenonSoet^e 
3uglei<^ bet leinfte i£Ronot^ei§TnuS. 3n biefem ©inne mag aui^ biefe neue SIuSgafK 
ber SSelttät^fel — als ein e^rlic^eS unb offenes „®Iauben8beIenntni^ bet reinen ki> 
nunft" — baju bienen, In roeiten Äieifen bie oeiebelnbe SBilbung be§ SotfeS ju 
^eben unb ben JhtItuS unfetet tbealen @ottl^eit ga fbtbetn, bet Sreieinigfeit beS 
aSa^ten, ®uten unb @(!^i}nenl 

Siena, am 2. 3lpril 1908. 

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